Heimat Buch With Google Translate
SCHONFELD
Ehemalige königlich freie Bergstadt im Egerland
Das Stadtwappen von Schönfeld
Am 1. September 1547 wird Schönfeld unter Ferdinand I.
königliche Bergstadt,
erhält ein eigenes Wappen und das Recht,
mit rotem Wachs zu siegeln.
Das Wappen zeigt den böhmischen Löwen
und den etwas veränderten österreichischen Bindenschild.
In der unteren Hälfte, als Symbol für den Bergbau,
zwei gekreuzte Männerarme mit Schlägel und Bergeisen
sowie ein Zinnseifenrechen.
SCHÖNFELD
Ehemalige königlich freie Bergstadt im Egerland
Text, Zeichnungen, Pläne, Umschlagentwurf
und Gesamtgestaltung des Buches
Josef Brandl
e
1983
"Schönfelder Heimat- und Geschichtsverein e.v."
Herausgeber:
Schönfelder (Egerland) Heimat- und Geschichtsverein e.V.
Schulstraße 17, 8751 Stockstadt am Main
Druck:
Schönbach-Druck GmbH, 6106 Erzhausen bei Darmstadt
Bindearbeiten:
Georg Kränkl, 6148 Heppenheim/Bergstraße
Zum Geleit
Nachweisbare Zeichen der Besiedlung unserer Heimatlandschaft gehen weit über 700 Jahre zurück. Jahrhunderte hindurch leisteten unsere Schönfelder Vorfahren harte Arbeit im Bergbau, im Handwerk und in der Landwirt- schaft. Zeiten von Not und Zeiten von Krieg wechselten mit Perioden von Wohlstand und von großen Leistungen, insbesondere in der Erzgewinnung und in der Erzverwertung. Die wechselvolle Geschichte konnte Generatio- nen vor uns nicht entmutigen und prägte den Charakter unserer Heimat. Erst die unmenschliche Vertreibung sollte einen vorläufigen Schlußstrich unter die Entwicklung unserer Heimatstadt ziehen.
Mit freudiger Erwartung begrüßten wir deshalb die Planung und die Vorar- beiten unseres verehrten Willi Bauer für ein Schönfelder Heimatbuch. Seine Arbeit fortgesetzt und zum Abschluß gebracht zu haben, ist das große Ver- dienst unseres Brandl Beb. Beiden gilt unser aller großer Dank.
Das vorliegende Buch wurde erstellt unter Opfern an Freizeit sowie an Finanziellem und neben den Pflichten, die Beruf und Familie mit sich brin- gen. Auf der Grundlage der mit Fleiß und Ausdauer von Willi Bauer gesam- melten Informationen und Belege entstand ein systematisch aufgebautes volkskundliches Werk. Brandl Beb hat in zeitraubender Arbeit Quellen ana- lysiert und historische Aussagen abgesichert. So wurde ein Werk gestaltet, das nicht nur eine Erinnerungsstütze für die Generation sein will, die die Heimat noch erlebt hat. Das Buch soll darüber hinaus eine Brücke für die nachwachsende Generation darstellen. Es will auch Information und Beitrag zur Siedlungsgeschichte des Egerlandes sein.
Dokument und Aufruf - beide sind Auftrag dieses Heimatbuches. Wir, die Bürger der einst königlichen freien Bergstadt Schönfeld, sind jetzt in vielen Orten beheimatet. Hier haben wir uns mit Kopf und Hand eingegliedert. Unser Herz und unsere Treue aber gehört in erster Linie unserer gemein- samen alten Heimatstadt.
Daheim sind wir in unserem Schönfeld
„Schönfelder Heimat- und Geschichtsverein e.V."
Dr. Hans Sehling Kurt Filsner
5
Inhaltsverzeichnis
Seite
Vorwort...............................................................................................11
Willi Bauer (Initiator dieses Heimatbuches) .....................................13
Chronisten ......................................................................................,..14
Schönfeld (Allgemeines)
Einführung .........................................................................................23
Regierungsbezirk Eger (Karte) ..........................................................24
Ortsgeschichte ....................................................................................26
Sprache ...............................................................................................29
Topographie ........................................................................................31
Wald und Flur. ....................................................................................33
Ortsgliederung, Baustil und Bauweise ...............................................36
Handel, Gewerbe, Landwirtschaft und Bergbau .................................41
Schönfeld im Jahresablauf (Sitten und Brauchtum) ...........................46
Schönfelder Gemarkung
Flurnamen. .........................................................................................72
Flächenaufteilung ...............................................................................75
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung 1722-1945 ..............................................76
Familiennamen ..................................................................................78
6
Hausnamen.........................................................................................79
Hausnummernverzeichnis und Namen der Besitzer
(mit Hinweis auf Landwirtschaft)................................................83
Stadtverwaltung und Gemeindewesen
Das Rathaus. ....................................................................................95
Anlagevermögen der Stadtgemeinde ...............................................98
Das städtische Archiv ......................................................................99
Steueraufkommen um 1900 ..........................................................102
Bürgermeister.. ..............................................................................105
Schönfelder Stadträte - ..................................................................110
Städtische Polizisten ......................................................................112
Nachtwächter .................................................................................113
Schönfelder Waldung und Forstangestellte ...................................114
Staatliche und städtische Einrichtungen
Gendarmerie ..................................................................................116
Postamt ..........................................................................................116
Städtische Sparkasse in Schönfeld ................................................120
Kindergarten...................................................................................120
Die Stadtbücherei ...........................................................................120
Das Rathaus-Gasthaus ....................................................................121
Das Schönfelder Heimatmuseum ...................................................121
Die Hirthäuser .................................................................................127
Gesundheitswesen in Schönfeld
Ärzte...............................................................................................129
Geburtshelferinnen.........................................................................130
Schulwesen
Geschichte der Volksschule ..........................................................131
Lehrkräfte an der Volksschule.......................................................134
In Schönfeld geborene Lehrpersonen ..........................................136
7
Kirche
Geschichte des Kirchenwesens .........................................................141
Pfarrkirche.........................................................................................145
Die Kapelle „Maria Himmelfahrt" (Kirchl) ......................................149
Ursprung und Geschichte der Schönfelder Mutter-Gottes-Statue ... 151
Die Schönfelder Matriken .................................................................161
Katholische Seelsorger in unserer Gemeinde (1404–1959)...............161
Kapläne in Schönfeld (1771–1910) ..................................................162
Protestantische Pastoren und Diakone in Schönfeld (1570–1624).....163
Mesner ..............................................................................................164
In Schönfeld geborene katholische Geistliche ..................................164
Pfarrhaus ...........................................................................................166
Glockenturm und Glocken
Der Glockenturm am alten Friedhof..................................................168
Geschichte der Glocken....................................................................168
Friedhöfe
Der alte Friedhof und spätere Park...................................................172
Der neue Friedhof..............................................................................174
Kapellen, Statuen, Wegkreuze und Marterln .............................176
Handel und Gewerbe
Das Zunftwesen.................................................................................180
Handwerk und Handel in der Zeit von 1722-1879 ..........................181
Das Schuhmacher-Handwerk ............................................................183
Zinngießerei und Zinngießermeister..................................................185
Unternehmen, Handels- und Handwerksbetriebe;
sonstige Erwerbsquellen nach 1900 ...........................................200
Die staatliche Spitzenschule (Nähschule)..........................................220
8
Schönfelder Erzbergbau..........................................................225-250
Registrierte Zinnlieferungen .............................................................234
Die Zinngruben .................................................................................250
Vorkommende Mineralien ...............................................................252
Der Flößgraben
Geschichte des Flößgrabens............................................................253
Die Flöß- und Ebmetgraben-Wassergenossenschaft ......................261
Vereinswesen
Einleitung ........................................................................................263
Freiwillige Feuerwehr .....................................................................263
Theater-Dilettanten-Verein ..............................................................265
Der Gesangverein.............................................................................270
Die Musik-Korporation...................................................................272
Deutscher Jugendbund Glöisser .....................................................274
Fremdenverkehrs-Verein .................................................................278
Militär-Veteranen-Verein ................................................................278
Das Schützenkorps .........................................................................279
Der Bolzschützen-Verein.................................................................280
Deutscher Turnverein ....................................................................281
Weitere Vereine und Genossenschaften .........................................284
Der Aussichtsturm .......................................................................295
Der Filz .........................................................................................306
Sagen der Heimat
Einleitung von Josef Hubl .............................................................308
Die Krudum-Sagen ........................................................................311
Die Wandelhof-Sage ......................................................................319
Besonders nennenswerte Schönfelder ........................................323
9
Chronik
Die Ortschronik 1341-1946. .............................................................Ch 1
Der große Brand von 1848 ...............................................................Ch 84
Brände nach 1848. ............................................................................Ch 87
Straßenbau in Schönfeld ...................................................................Ch 90
Wochen- und Jahrmärkte in Schönfeld .............................................Ch 93
Gefallene und Vermißte
Ch 95 Ch 97 -
I.Weltkrieg.........................................................................................Ch 95
II. Weltkrieg .....................................................................................Ch 97
Nachruf . .........................................................................................Ch 107
Schönfeld nach der Vertreibung ...................................................Ch 108
Schönfelder Heimatbetreuer .........................................................Ch 113
Buchbeilage (Einbandtasche) -
Stadtplan Schönfeld
Gemarkung Schönfeld (Karte)
10
Vorwort des Verfassers
Vor genau 50 Jahren schrieb Pfarrer Enzmann eine Chronik über unser Schönfeld, die 1934 erschien. Sie war eine erste Dokumentation über die Geschichte unseres Heimatortes, von der nur noch wenige Exemplare existieren.
Nun liegt, sozusagen zum Jubiläum, ein Buch vor, welches umfassend in Wort und Bild über Schönfeld berichtet und auch das Wesentlichste aus dieser Chronik mit einschließt.
Dieses Heimatbuch hat eine lange Vorgeschichte – mühevoll war seine Er- stellung und lange Zeit unsicher die Finanzierung; letzteres belastete die Be- arbeitung und barg ständig die Gefahr der Entmutigung und Aufgabe in sich. Als sich Willi Bauer, der dieses Buchprojekt im Alleingang in Angriff nahm und dem wir alle für seinen selbstlosen Einsatz in dieser Sache zu großem Dank verpflichtet sind, aus gesundheitlichen Gründen zur Aufgabe seines Vorhabens gezwungen sah, folgte ich Bauers Bitte und übernahm die Wei- terbearbeitung, d. h. die Textfassung und Gesamtgestaltung. Als Angehöriger des Jahrganges 1929, der die Heimat schon mit 16 Jahren verlassen mußte, war mir bewußt, daß es unter unseren Landsleuten – besonders unter den älteren Jahrgängen – weit Berufenere für diese Aufgabe gegeben hätte als mich.
Einer Heimatbucharbeit werden jedoch immer Grenzen gesetzt sein, Gren- zen des Wissens und der Erinnerung und auch finanzielle in bezug auf den Umfang. Dies sollte jeder kritische Leser bedenken und berücksichtigen.
Bewußt ausgeklammert wurden die Themen Politik und Partei. Auch wurde die Zeit nach der Vertreibung nur in ganz wenigen Ausnahmefällen ange- sprochen.
Rückblickend auf meine Arbeit möchte ich vor allem unserem Landsmann Willi Bauer, nach dessen Aufzeichnungen dieses informative Heimatwerk erstellt wurde, sehr herzlich für seine geleistete Vorarbeit danken. Es soll aber auch jenen Männern ein Dank ausgesprochen werden, die schon vor
11
vielen Jahren als Chronisten Schönfelder Geschichte festhielten und damit bereits die Bausteine für dieses Werk schufen.
Einen herzlichen Dank auch all jenen Landsleuten, die interessante Informa- tionen lieferten und vor allem wertvolles Bildmaterial zur Verfügung stellten, ohne das ein Buch dieser Art schlecht vorstellbar wäre
Mein ganz besonderer Dank gilt den beiden Inhabern der Firma Schönheeh Druck GmbH in Erzhausen bei Darmstadt, Herrn Schönleber und Lar mann Großbach, einem gebürtigen Schönfelder, die neben der für meine Arbeit so wichtigen fachlichen Beratung und Unterstützung auch ein sehr großzügiges Entgegenkommen bei der finanziellen Abwicklung und Preis- gestaltung zeigten.
Danken möchte ich auch noch allen Landsleuten, die mit ihrer Vorbestel- lung eine Abnahmegarantie gaben, die die Auflage überschaubar machte.
Mein letzter Dank gilt den Initiatoren des Schönfelder Heimat- und Ge- schichtsvereins, der sich als Herausgeber finanziell hinter dieses Projekt stellte.
Abschließend noch eine kurze Bemerkung zu diesem Buch, welches ein Stück Heimat darstellt, ein Stück von unserem Schönfeld. Es soll Vergesse- nes wecken und Vergangenes aufleben lassen – zeigen, wie Schönfeld einst war und dieses Bild bewahren helfen. Wenn es darüber hinaus Landsleute in betagtem Alter in stiller, vielleicht oft einsamer Stunde im Geiste in die alte geliebte Heimat zurückführt, so hat sich die Mühe, die es abverlangte, reichlich gelohnt und das Werk seine Aufgabe mehr als erfüllt.
Hat man uns auch die Heimat genommen --
wer sie im Herzen trägt,
der wird sie nie verlieren!
Brandl Beb
Baunatal/Guntershausen
August 1983
12
Willi Bauer
Initiator dieses Heimmatbuches
Geboren am 4. September 1913 in Falkenau an der Eger. Wohnhaft in Schönfeld ab November 1913 bis zu seiner Vertreibung 1946.
Als gelernter Kaufmann trat er 1937 in den Dienst der Stadtverwaltung Schönfeld, wo er als Angestellter bis zum September 1946 tätig war. In der politisch bewegten Zeit 1945 war er kurze Zeit Bürgermeister unserer Heimatstadt.
Er ist der Urheber dieses Buches, der sein Vorhaben trotz wiederholter Rückschläge mit einer bewundernswerten Ausdauer vorantrieb. 1977 be- gann Willi Bauer mit seiner Vorarbeit. Ein Jahr später mußte er bitter erken- nen, daß seine Idee aus finanziellen Gründen nicht zu verwirklichen war. Mit dem Vorsatz, zumindest ein geschlossenes Werk über unser Schönfeld für das Sudetendeutsche Archiv zu schaffen, nahm er seine Tätigkeit wieder auf.
Kurze Zeit später, auf den Wunsch vieler seiner Landsleute hin, richtete Bauer Mitte 1980 jedoch erneut seine zeitaufwendige Arbeit auf die Erstel- lung eines Buches aus. Seine große Heimatliebe und sein Idealismus waren dabei wieder Motor für sein unermüdliches Schaffen. Er durchforschte in nicht weniger als vier Jahren alle erreichbaren Unterlagen über Schönfeld, insbesondere Hallers Heimatbriefe. Themenorientiert schrieb er die Ergeb- nisse seiner chronistischen Ermittlungen nieder, ergänzte aus seiner eigenen Erinnerung, wobei ihm seine frühere Rathaus-Tätigkeit eine nicht unerheb- liche Stütze war.
Daß diese Arbeit eine rege Korrespondenz und viele Telefonate mit ein- schloß, die beachtliche finanzielle Ausgaben erforderten selbst aufkam für die Bauer sei nur am Rande vermerkt.
13
Ende 1981 zwangen ihn gesundheitliche Gründe zur Aufgabe. Bis dahin hatte er fast 600 maschinengeschriebene Seiten mit wertvollen Daten und Aufzeichnungen erstellt. Hinzu kamen noch zahlreiche Fotos, die er von Landsleuten zugeschickt bekam.
Nur schweren Herzens trennte er sich von seiner selbstgestellten Aufgabe, für die er Jahre hindurch so beharrlich und unbeirrt aktiv war. Ist ihm auch die Endfassung seines Werkes versagt geblieben, so sorgte er doch noch unter gesundheitlich schweren Bedingungen für eine Nachfolge und einen nahtlosen Übergang zur Weiterführung und Vollendung seines Vorhabens.
Chronisten
Die ersten Seiten dieses Buches ,,Schönfeld" sollen jenen Männern gewid- met sein, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in mühevoller zeit- aufwendiger Arbeit und selbstloser Weise dafür sorgten, daß dieses vor- liegende Werk diese Fülle von geschichtlichen Daten vorweisen kann.
Nur unsäglicher Fleiß und Idealismus, und vor allem eine große Liebe zur Heimat, konnten solche Arbeit vollbringen. Eine Würdigung ihrer Leistung, und gleichzeitig auch ein Dank, soll dieses Buch sein.
14
Karl Lochner
Geboren 31.7. 1871 in Schönfeld, gestorben 7.7. 1949 in Harburg.
Im Heimatbrief Nr. 4 vom August 1950 schrieb Haller Karl:
„Sollte uns doch noch einmal das Glück und die Gnade beschieden sein, in unsere geliebte und rechtmäßige Heimat zurückzukehren, so wollen wir, wie ich es schon an seinem offenen Grabe gelobte, nicht versäumen, unserem Lochner Karl, dem es trotz seiner stets bekundeten Heimattreue versagt blieb, in heimatlicher Erde zu ruhen, wenn auch kein Marmor- oder Bronzedenkmal, so doch mindestens eine Gedenktafel an einem würdigen Platz zur dauernden Erinnerung an seine Ver- dienste in Dankbarkeit widmen."
Wir wissen heute, daß dieser gute Vorsatz mit Sicherheit nicht in die Tat um- gesetzt werden kann. Mit diesem Buch ist jedoch Gelegenheit gegeben, seine für die Schönfelder-Geschichte unschätzbar wertvollen Aufzeichnungen der Nachwelt zu erhalten und seine verdienstvolle, aufopfernde Arbeit zu würdigen.
Lochner Karl, der in seiner Prager Amtszeit als Direktor der Finanzlandes- direktion bereits wertvolles urkundliches Schriftgut über Schönfeld im Ar- chiv des Ministeriums des Inneren in Prag mit behördlicher Genehmigung handschriftlich kopierte und nach Schönfeld brachte, lieferte mit diesen Arbeiten bereits sehr viele Daten für die sogenannte „Enzmann Chronik", die im Jahre 1934 erschien.
15
Noch im Ruhestand widmete sich Lochner in aufopfernder Weise dieser Tätigkeit. Über 2000 handbeschriebene Seiten lagen am Ende seiner Nach- forschungen vor.
Im Jahre 1938 kehrte er in sein Vaterhaus (Nr. 317) nach Schönfeld zurück, wo er sogleich aktiv am Aufbau des Heimatmuseums mitwirkte.
Aber nicht nur in der alten Heimat hat Lochner Karl, in selbstloser Weise, für eine gute Heimatsache gearbeitet; auch nach der Vertreibung wurde seine einzigartige Liebe zu seinem Heimatort und auch seiner Bevölkerung, diesmal auf andere Weise, deutlich.
Nicht der Vergangenheit galt diesmal sein Einsatz, sondern der hautnahen Gegenwart.
Denken wir zurück, 1947, kurz nach der Vertreibung. Ein Zeitpunkt, zu dem noch keiner von uns wußte, wie es weitergehen wird.
Jeder hatte in dieser Notzeit mit sich selbst genug zu tun.
In diesem Jahr, im Alter von 76 Jahren, wurde Lochner Karl schon wieder „heimatlich" aktiv.
Von unermüdlichem Fleiß und einem unbeugsamen Willen beseelt, ermit- telte er – trotz mancher unverständlichen Gleichgültigkeit etlicher Lands- leute – die neuen Adressen der Schönfelder, die nach der Vertreibung aus der Heimat über ganz Deutschland und darüber hinaus verstreut waren.
Im September 1948 erschien sein Anschriftenverzeichnis, in dem annähernd 1000 Adressen von ehemaligen Schönfeldern verzeichnet waren. Dieses Ver- zeichnis war zugleich auch der erste unserer Schönfelder Heimatbriefe, das wichtigste Bindeglied für uns alle in der Fremde.
Der Aufwand für dieses Werk, welches mit zeitraubender Kleinarbeit und großen finanziellen Opfern für Lochner Karl verbunden war, ist heute von uns kaum abschätzbar. Wer weiß schon, oder kann sich vorstellen, daß Lochner in diesem Zusammenhang allein 1800 Briefe und 700 Karten geschrieben und verschickt hat!
Am 7. Juli 1949 legte dieser große Sohn unserer Heimatstadt für immer seine Feder aus der Hand.
Mit ihm sank zwei Tage darauf ein gutes Stück Alt-Schönfeld, unter den Klängen des Liedes ,'s is Feierobnd", in schwäbische Erde.
16
Karl Haller
Geboren in Schönfeld am 4. August 1896.
Es hieße „Flößgrabenwasser nach Schönfeld tragen", wollte man den Na- men Haller Karl und seine Verdienste um die Verbundenheit von uns Schönfeldern nach unserer Vertreibung noch erklären und deutlich machen. Er hatte den gleichen unbeugsamen Willen wie Lochner Karl, uns Schönfel- der nach unserer gewaltsamen Vertreibung aus unserer schönen Heimat wieder miteinander zu verbinden.
Heute können wir zufrieden feststellen: Sie haben ihr Ziel erreicht! Aus unserer heutigen, finanziell meist wohlgeborgenen Sicht ist es uns kaum möglich, Hallers damalige Situation, als er 1950 seine Arbeit am Heimatbrief aufnahm, voll nachzuempfinden und zu erfassen.
Die Drucklegung der zweimonatlich erscheinenden Hefte war, geldlich gese- hen, über lange Zeit hinweg eine ständig riskante und nervenaufreibende „Gratwanderung" für ihn. 11
Von welcher unermeßlichen und leidenschaftlichen Heimatliebe muß dieser Mann erfüllt gewesen sein, daß er solch eine Bürde auf sich nahm. Nur wenige gibt es von seiner Art!
Er konnte damals noch nicht ahnen, welches Fundament er für dieses Buch legte, als er im Heimatbrief Nr. 4 vom August 1950 schrieb:
17
„Wenn ich auf Lochner Karl's hinterlassenem Steckenpferd nicht in der richtigen Form zu reiten verstehe, so will ich es wenigstens versuchen, dieses, wenn auch mit wenig Grütze, in einer Weise zu erhalten, in der es immer noch für jeden Schön- felder in mancher Angelegenheit nützlich und zweckdienlich sein kann. Daß es für mich nicht das Leichteste ist, diese Arbeiten im Geiste meines Vorgängers fortzu- setzen, wird wohl jeder begreifen, da es sich doch jetzt bei dem Inhalt des Heimat- briefes weniger um Adressen, aber um so mehr um Stoff handelt, der zum Großteil von mir selbst erdacht oder geformt werden muß. Da wir uns jedoch in den letzten Jahren alle an schlechtere Brocken gewöhnen mußten, als wir gewohnt waren, hoffe ich, daß man sich mit einiger Nachsicht und etwas gutem Willen auch an diese Kostveränderung gewöhnen kann."
Ein paar Seiten weiter bemerkt er noch: „Meine eigene Fantasie ermöglicht es mir aber nicht, daß ich wie ein Schriftsteller in höheren Regionen spazieren gehen kann, sondern ich muß stets auf Schönfelder Boden bleiben und auch so sprechen, wie wir zu Hause gesprochen haben. Es wird auch kein Schönfelder von mir mehr verlangen, da doch jeder weiß, daß ich kein Gelehrter bin und mir meine spär- lichen Kenntnisse in den alten Schulbänken unserer fünfklassigen Volksschule geradezu eingedroschen werden mußten."
Als Verfasser möchte ich nur zu seiner „Kostveränderung" bemerken: In den zehn Jahren seines Wirkens war er uns ein ausgezeichneter Koch! Das, was er uns literarisch auf den Tisch brachte, ,„håout uns ålln oårch gout gschmeckt"!
Herausragend aus seinen vielen Arbeiten, sein „Spaziergang durch Schön- feld". Ein Kabinettstück, in dem sein enormes, fast unbegreifliches Erinne- rungsvermögen volle Register zog.
Er hat uns Schönfelder darin alle der Reihe nach aufgestöbert, in unseren rund 450 Häusern. Treffsicher waren seine Bemerkungen zu jeder Person, und so manch heitere und herzerfrischende Begebenheit hat er bei dem ei- nen oder anderen Mitbürger, in einer echten Schönfelder-Fassung, originell mit eingeflochten.
Leider konnte dieser Bericht aufgrund seines Umfanges nicht in dieses Buch aufgenommen werden, und eine Kurzfassung käme einer Zerstörung gleich.
Dafür ist jedoch sehr viel Interessantes aus seinen Veröffentlichungen und Aufsätzen als informatorische Bereicherung in dieses Buch eingeflossen. Kaum ein Kapitel, in dem sich nicht die von Haller Karl geleistete Arbeit widerspiegelt und ihren Niederschlag findet.
Zehn Jahre hat er in selbstloser Weise wertvolle Ortsgeschichte und lokale Begebenheiten aufgezeichnet und vor dem Vergessenwerden bewahrt. 18
18
Mit seinen Heimatbriefen legte er auch gleichzeitig ein unsichtbar verbin- dendes Band um uns, welches in uns ein neues Schönfeld in der Fremde ent- stehen ließ! Sein Wunsch war es, daß dieses Band noch viele Jahre vor dem Zerreißen bewahrt bleiben möge.
Karl Haller verstarb am 19. Februar 1960 nach einer Operation, im 64. Le- bensjahr, in München.
Noch im Jänner 1960 beendete er ein neues Anschriftenverzeichnis, um gleichsam in einer Vorahnung seinem Werk einen Abschluß zu geben.
Unter den Klängen seines Lieblingsliedes ,'s is Feierobnd" wurde er unter reger Anteilnahme im Friedhof am Perlacher Forst in München zur letzten Ruhe gebettet.
Am 4. August 1960, seinem 64. Geburtstag, wurde ihm aus Spendenmitteln ein Grab- und Gedenkstein gesetzt. Unter dem in Stein gehauenen Schönfel- der Aussichtsturm stehen die Worte:
„Für Verdienste um die verlorene Heimat imEgerland
danken Dir Deine Schönfelder Mitbürger."
19
Karl Enzmann, Pfarrer von Schönfeld
Geboren am 19. September 1875 in Bärringen/Erzgebirge.
Er verstarb am 29. 10. 1940, im Alter von 66 Jahren, in Schönfeld.
Während seiner 30jährigen seelsorgerischen Tätigkeit war Pfarrer Enzmann ein bedeutender Chronist unseres Heimatortes. Schon 1914 verfaßte er ein Büchlein über die Geschichte der Schönfelder Mutter Gottes, die, ihres inter- essanten Inhaltes wegen, auch in diesem Buch wiedergegeben ist.
In der katholischen Familienzeitschrift ,,Hausblätter", herausgegeben für den Bezirk Elbogen, wurden zahlreiche heimatkundliche Artikel von ihm veröffentlicht. Seine umfangreichste geschichtliche Darstellung unserer Stadt erschien 1934 unter dem Titel: „Chronik der uralten, ehemals könig- lich freien Bergstadt Schönfeld". In diesem für uns historisch so wertvollen Werk hat Pfarrer Enzmann denkwürdige und bedeutungsvolle Geschehnis- se und wichtige Daten aus den Jahren 1341 bis 1880 aufgezeichnet. Damit hat er auch gleichzeitig seine innige Verbundenheit mit Schönfeld und seiner Bevölkerung bekundet.
Er hatte sich diese Aufgabe selbst gestellt, die ihm unendlich viel Zeit, Ge- duld und Aufopferung abverlangte. Ein halbes Jahrtausend Ortsgeschichte ist uns durch seine wertvolle Arbeit erhalten geblieben. Neben Lochner Karl haben wir es auch ihm zu verdanken, daß dieses Buch eine Rückschau in vergangene Jahrhunderte gewährt.
20
Josef Hubl
Geboren in Schönfeld am 14. September 1895.
Er war als Volksschullehrer, nach seiner Militärzeit im ersten Weltkrieg, in Lauterbach und anschließend in Schönfeld tätig und galt als einer der belieb- testen Lehrer an unserer Schule, dessen Rohrstock die meiste Zeit ,spinn- webenverkleidet" in der Ecke stand.
Seiner Initiative war es zu verdanken, daß das Schönfelder Heimatmuseum entstand, und daß es so viele interessante und geschichtlich kostbare Stücke vorweisen konnte.
Auch dieses Heimatbuch ist voll von ortsgeschichtlich bedeutungsvollen und wissenswerten Angaben, die Hubl zu Hause und später in seiner neuen Heimat, in Hessen, festgehalten hat.
Leider mußten die meisten seiner Aufzeichnungen, die er bis zu unserer Ver- treibung als Chronist von Schönfeld verfaßte, in der alten Heimat unwieder- bringlich zurückbleiben. Sein gutes Gedächtnis jedoch konnte man ihm nicht nehmen. So hat er vieles aus seiner Erinnerung durch erneute Nieder- schrift vor dem Vergessen bewahrt.
Neben vielen anderen seiner interessanten Angaben und Berichte sind be- sonders zu erwähnen: Chronistische Daten und Aufzeichnungen aus den Jahren von 1880 bis 1946, hier insbesondere die schwere Zeit kurz vor der Vertreibung. Außerdem: Flurnamen, Kapellen- Statuen- Wegkreuze, Gefal-
21
lene des 2. Weltkrieges, Hausnummern-Verzeichnis und Familien- und Hausnamen in Schönfeld.
Es würde in diesem Rahmen zu weit führen, wollte man alle seine Arbeiten, die in den bisher erschienenen Heimatbriefen zu finden sind, aufzählen.
Er war einer der ganz wenigen Schönfelder, der die unschätzbare Heimat- briefarbeit Karl Hallers informativ stark unterstützte. Ihm haben wir es zu verdanken, daß besonders die letzten bewegten Jahre bis zu unserer Ver- treibung so deutlich in diesem Buch wieder aufleben.
Josef Hubl verstarb am 19. Januar 1972 in Wächtersbach/Hessen.
22
Schönfeld im Egerland
Ehemalige königlich freie Bergstadt
(Regierungsbezirk Eger, Landkreis Elbogen)
In einer Höhe von 693 m, zwischen den beiden bekannten Weltbädern Karlsbad und Marienbad, am herrlichen Kaiserwald gelegen.
Die Landschaft trägt typischen Mittelgebirgscharakter. Weite Fichtenwälder,
karger Boden, rauhes Klima und strenge schneereiche Winter.
Die Ortsgründung ist auf den Zinnbergbau zurückzuführen. Älteste bekannte Urkunden über Schönfeld datieren um 1300.
Die Besiedlung, die schon bedeutend früher einsetzte, begann am Weißen Hügel, dem späteren Ortsteil Kaunitz.
Anfangs hieß unser Heimatort DREILINDEN. Im Laufe der Zeit entstand, durch Ausdehnung von der Hub her, das uns bekannte Stadtbild.
Ein Großbrand vernichtete im Sommer 1848 rund die Hälfte der ungefähr 450 Häuser, die mit wenigen Ausnahmen alle wieder aufgebaut wurden. Auch das Rathaus und die Kirche wurden damals ein Raub der Flammen.
23
Um die Jahrhundertwende hatte Schönfeld knapp über 3000 Einwohner. Bis 1946 sank diese Zahl auf etwa 1600.
Beständigste Erwerbsquellen, neben dem nicht immer in Betrieb befindlichen Bergbau, waren Handwerk, Kleinlandwirtschaft und etwas Klein- industrie.
Übersicht über die Stdtß und Landkreise
im Regierungsbeyirk Eger
(Stand 1939)
Kreis Flache in qkm Bevölkerung
Stadtkreis Eger 24 35 507
Karlsbad 46 53 311
Landkreis Asch 142 44 609
Bischofteinitz 503 33 484
Eger 431 43 270
Elbogen 208 37 393
Falkenau a. E. 292 58 559
Graslitz 172 35 484
Kaaden 561 50 257
Karlsbad 197 34 068
Luditz 618 30 157
Marienbad 329 33 692
Mies 891 68 513
Neudeck 242 36 001
Podersam 579 39 903
Saaz 409 44 286
St. Joachimsthal 259 32 242
Tachau 903 56 490
Tepl 661 35 993
Regierungsbezirk Eger 7467 803 300
24
Regierungsbezirk Eger
(Egerländer Sprach - u. Stammesgebiet)
25
Ortsgeschichte
Es ist anzunehmen, daß schon um 800 v. Chr. ---vielleicht sogar schon früher --- Kelten in unserer Heimat Lenten, die Zinn für die Herstellung von Bronze gewannen. Wenn auch diese Annahme – was unsere engere Heimat betrift --- nie durch Ausgrabungsfunde bestā@tigt wurde, so wird diese Theorie von Geschichtsforschern immer wieder als wahrscheinlich dargestellt. Um 60 v. Chr. wurden die keltischen Bojer (davon abgeleitet „Böhmen") von den Germanen verdrā@ngt. Um das Jahr 1000 fand die Neubesiedlung des Egertales statt. Die Zinnerzvorkommen in unserem Heimatgebiet dürften dabei bereits fachkundige Siedler herangeführt haben. Wahrscheinlich wurden in jener Zeit die ersten Behausungen errichtet, aus denen sich nach und nach unser Heimatort entwickelt hat. Daß das Zinnerzvorkommen ausschlaggebend für die Entstehung Schönfelds war, wurde schon mehrfach bestā@tigt und bedarf keines neuerlichen Beweises.
Angeblich soll vom Hohen Stein und Weißen Hügel aus, wo schon im Tag und Stufenbau Zinnerz geschürft wurde, unser Ort entstanden sein. Zusammen mit den Ortsteilen Staude, Butterscheibe und dem Bereich oberer Markt (spätere Dreifaltigkeit) konnte man bereits von einer geschlossenen Siedlung sprechen, die der Überlieferung nach den Namen „Dreilinden" trug. Es heißt, daß sich diese Dorfbezeichnung auf drei mā@chtige Linden bezog, die in der Nähe des spā@teren Kirchl standen. Von der Hub her wuchs ebenfalls eine Siedlung heran, die schon bald darauf mit dem oberen Ortsteil eine Einheit bildete. So entstand „Schönfeld". Der Name soll mit den schönen Erzfeldern in Zusammenhang stehen, die man damals im Einzugsgebiet des Ortes erschloß. Dies dürfte um das Jahr 1200 gewesen sein.
Ein erster Hinweis auf unseren Heimatort: Es wird berichtet, daß unter König Ottokar II., also um 1260, in Schönfeld ein Bergwerk in Betrieb war. Die früheste bekannte Urkunde über Schönfeld stammt aus dem Jahre 1341. Darin verleiht Borsso von der Riesenburg seinen Leuten zu Schönfeld freies Erbrecht. Damals gehõrte Schönfeld mit den Nachbarorten Schlaggenwald und Lauterbach zur Herrschaft Petschau, die sich im Besitz der Riesenburger befand.
1355 erhält Schönfeld ein Berggericht, es soll . her betrifft das einzigste im Lande Böhmen gewesen sein. 1404 wird erstmals eine Kapelle (Kirche) St. Katharina erwähnt.
Knapp zwei Jahrzehnte später versetzt der Hussitenkrieg dem böhmischen Bergbau einen schweren Schlag.
26
Nach den Riesenburgern kam die Herrschaft Petschau einschließlich der drei genannten Bergstädte in den Besitz der Herren von Plauen, Burggrafen zu Meißen. 1518 ging der Besitz an das Geschlecht der Herren Pflug von Ra- benstein, die ihren Sitz auf dem Petschauer Schloß hatten. Namentlich unter Johann Pflug erlebte der Bergbau einen großen Aufschwung. So wird im Jah- re 1523 mit der Anlage des Flößgrabens begonnen. Um diese Zeit wird auch das Schönfelder Berggericht zu einem Schwur- und Hochgericht erweitert.
Dem Johann Pflug folgte sein Neffe Kaspar Pflug, unter ihm fand Luthers Lehre Eingang und Verbreitung in unserer Gegend. Wegen der erblichen Be- sitznahme der Bergwerke geriet Pflug in Streit mit der kaiserlichen Regie- rung. Er verlor seine Güter, die der Staat in Besitz nahm. Schönfeld wird, gleich den Nachbarstädten Schlaggenwald und Lauterbach (letztere erst 1555?), unter Ferdinand I. 1547 zur königlich freien Bergstadt erhoben. 1558 erhält es Marktrechte und einen eigenen Salzkasten. Zwei Jahre später wird der Glockenturm errichtet.
Vor und nach 1600 wurde unser Heimatort wiederholt von Pest und Blattern heimgesucht, die zahlreiche Todesopfer forderten.
Im Jahre 1601 errichten Bergleute das erste Rathaus.
Durch Kaiser Matthias wird Schönfeld im Jahre 1614 zur kaiserlich- königlich freien Bergstadt ernannt. Vier Jahre später beginnt der 30jährige Krieg. Kriegstruppen ziehen oftmals plündernd und brandschatzend durch Schönfeld. Sie zerstören und schänden; es war eine furchtbare Zeit. Mehrmals verlassen die Bewohner den Ort und flüchten vor den wilden Horden in die nahegelegenen Wälder. 1621 brandschatzen Truppen des Generals Mansfeld unseren Heimatort. 1632 plündern Wallensteins Truppen aus Eger Schönfeld. Einige Jahre später sind es dann mehrmals polnische Kriegsvölker, die den Ort verwüsten. Bis 1638, so wird berichtet, sollen 52 Truppendurchmärsche stattgefunden haben. Auch die Schweden brandschatzten unsere Stadt. Dies geschah im Jahre 1639. So heißt es auch noch in dem alten Kinderreim:
Die Schweden sånn kummå, håmm ålls mitgnummå
håmm d' Fenstå neigschloogn, håmm 's Blei dåfuån troogn
håmm Kugln draas gossn, håmm 's Böiwl dåschoSsn.
1648 endlich endete dieser schreckliche Glaubenskrieg, währenddem in unserer Gegend von katholischer Seite her die Gegenreformation mit aller Gewalt einsetzte. Die protestantische Kirche wurde gesperrt.
27
Nach 1700 verzeichnet Schönfeld 1100 Einwohner. 1723 wird es ein kirchlich anerkannter Wallfahrtsort.
Um 1740 war unsere Heimat vom österreichischen Erbfolgekrieg betroffen. Diesmal litt die Bevölkerung unter den Franzosen. Unter Joseph II. setzte Jahre später eine maßvolle Reformpolitik ein. 1751 wurde das Hochgericht demoliert und die Folter abgeschafft. 1771 wurden Hausnummern eingeführt. Schönfeld zählte damals über 300 Häuser. Im gleichen Jahr wurde der Bergbau vom Staat übernommen.
1848 erlebte Schönfeld einen verheerenden Brand, dem etwa 230 Wohnund Nebengebäude, einschließlich Rathaus und Kirche, zum Opfer fielen. Im gleichen Jahr wird mit dem Bau der Staatsstraße begonnen. 1852 Grundsteinlegung zum neuen Rathaus, 1859 Einweihung der Pfarrkirche. Im Jahre 1867 erhält Schönfeld ein Postamt. Bis zur Jahrhundertwende stieg durch den wirtschaftlichen Aufschwung die Zahl der Einwohner auf nahezu 3300 an.
1901 wird der neue Friedhof eingeweiht.
Durch verseuchtes Trinkwasser bricht 1905 eine Typhusepidemie aus. Schönfeld erhält daraufhin eine Wasserleitung. 1916 erfolgt die Elektrifizierung.
Wie auch andernorts nimmt in den beiden letzten Weltkriegsjahren 1917/18 die Ernährungslage katastrophale Formen an.
Nach Kriegsende wird die Tschechoslowakische Republic ausgerufen. Die staatlichen Stellen werden von Tschechen besetzt.
1921 findet in Schönfeld der erste Faschingsumzug statt. Eine starke Arbeitslosigkeit bahnt sich an, die um 1932 ihren Höhepunkt erreicht. Zur Steigerung des Fremdenverkehrs errichten Schönfelder Bürger in den Jahren 1933/34 den Aussichtsturm.
In den Folgejahren wird die politische Lage für die fast rein deutsche Bevölkerung immer gespannter. Im Oktober 1938 vollzieht sich der Anschluß des Sudetenlandes an das Großdeutsche Reich. Die Befreier werden mit großer Begeisterung empfangen.
Schon ein Jahr danach beginnt das Inferno des zweiten Weltkrieges. Im Winter 1940/41 erstickt Schönfeld förmlich in Schneemassen. 1942 werden die Kirchenglocken für Kriegszwecke eingezogen. Anfang 1945 erscheinen die ersten Flüchtlinge aus dem Osten in unserem Heimatort, im Mai folgen weitere. Deutsches Militär wird, angegriffen aus Ost und West, in unserem Heimatgebiet zusammengedrängt. Am 7. Mai besetzen amerikanische Truppen
28
Schönfeld. Bald danach treffen die ersten tschechischen Rotgardisten ein. Mit ihnen beginnt eine Welle von Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und Enteignungen. Im November 1945 ziehen sich die amerikanischen Truppen zurück.
März 1946: Der erste Aussiedlertransport -- dem noch weitere folgten -- wird von den Tschechen zusammengestellt, ihm gehörten etwa 300 Schönfelder an.
Eine Tragödie -- von allen Siegermächten akzeptiert -- nahm ihren Lauf!
Im Herbst 1946 verließ der letzte Transport unseren Heimatort.
Sprache
In Schönfeld wurde im Egerländer-Dialekt gesprochen, dessen Ursprung in Bayern oder genauer in der Oberpfalz und in Ostfranken zu suchen ist.
Es gibt zahlreiche Varianten innerhalb dieser Mundart, und bei manchem Landsmann konnte man schon an einem einzigen Wort oder Ausruf erkennen, woher er kam. Ist auch dem Verfasser kein solches, ausschließlich in Schönfeld angewandtes oder gebräuchliches Wort geläufig, so soll zumindest
29
ein Beispiel für eine vorliegende scharfe Dialektabgrenzung genannt werden, die jedem aus unserem Ort bekannt sein dürfte.
Es handelt sich dabei um die Worte: hinauf hinunter hinaus
In Schönfeld sagte man: nauf nunttå naus
In Nachbardörfern hingegen war üblich: affe unte asse
Man könnte noch zahlreiche andere Wörter anführen und sprachliche Unterschiede, so z. B. zu unseren allernächsten Nachbardörfern Tiefenbach oder Neudorf aufzeigen. Wir wollen aber im Rahmen dieses Buches keine Egerländer Sprachforschung betreiben, dafür lieber einige bei uns gebräuchliche Worte im Dialekt anführen; vielleicht ist das eine oder andere ein „Original" unseres Heimatortes.
Mamå/Tatå
Bischerl, Wåtscherl
Gwatschl
Stompån
Fåou(d]l
Gschiewl
Schlåssl
Falott
bliådån
deugåt
dürmisch
flahn
gabånatschich
zuvån
våtschoitscht
Gluggålå
Tschitschålå
Wåbålå
Gollå
Gattåhuåsn
Måsch
(Bandl)-Ploå
Glunkån
Fuå(r]l
Gwoutsch
Gwietsch
Gschpoolich
Mutter/Vater
Wickelkind
kleines Mädchen
untersetzte Person
Geizkragen
unmögliches Wesen
schlampige Frau
Tunichtgut
flattern
ungeschickt
schwindelig
Wäsche schweifen
leichtsinnig
schmerzlich reagieren
beleidigt
Küken
kleine Kätzchen
Flöhe/Läuse
Strickweste
lange Männerunterhose
Einholtasche
Webteppich
Fetzen
Vorteil
Unordnung
Haarmähne
Kochwasser mit Küchenabfällen
als Beigabe zum Viehfutter
30
Topographie
Als Einleitung zur Beschreibung unseres Heimatstädtchens und seiner Umgebung sei hier einiges aus „Das Königreich Böhmen, statistisch und topographisch dargestellt", Band 15, Elbogener Kreis, Prag 1847 von Johann Gottfried Sommer, auszugsweise wiedergegeben:
Königliche Bergstadt Schönfeld
Die königliche Bergstadt Schönfeld liegt im südlichen Teile des Kreises, 1 3/4 Stunden südsüdöstlich von Elbogen und 3 Stunden südsüdwestlich von Karlsbad, zu beiden Seiten des Flößgrabens, und grenzt in Nordwesten an die Herrschaften Falkenau und Elbogen, in Norden und Nordosten an das Gebiet der Stadt Schlaggenwald und das Gut Rabensgrün, in Osten und Südosten an die Herrschaft Petschau, in Süden, Südwesten und Westen an das Gebiet der Stadt Lauterbach.
Die Oberfläche ist gebirgig, die Lage hoch, das Klima rauh. Bemerkenswerte Berge sind: der Weiße Hügel, der Hohe Stein und das Steingröll. Die Felsarten sind Abänderungen von Gneis.
Durch das Gebiet fließt, von Südwesten aus den Teichen der Herrschaft Königswart kommend, der Flößgraben oder Flößbach, welcher zur Flößung des Scheitholzes aus den ärarischen Montan-Waldungen der Herrschaft Königswart, sowie zum Betrieb der ärarischen Pochwerke und Schmelzhütten dient. Dieser Flößgraben ist ein künstlicher Bach.
Die Zahl der Einwohner ist 2894, die herrschende Sprache die deutsche. Ertrag und Nahrung fließen hauptsächlich aus dem Betriebe bürgerlicher Gewerbe, etwas Bergbau, Landwirtschaft und Handel, außerdem Lohnarbeiten beim Bergbau, Wollspinnerei und Zeugmacher etc.
Der Boden ist größtenteils sandig und steinig, die Fruchtbarkeit selbst in warmen und trockenen Jahren nur mittelmäßig. Man baut meistens Erdäpfel nebst etwas Korn, Gerste und Hafer. Obst gerät selten.
Soweit die Darstellung aus dem Jahre 1847.
Wir wollen jedoch noch etwas näher auf unsere damalige Umgebung und unseren Heimatort eingehen. Was bot uns die Natur an Pflanzen und Tieren? Welche Mineralien und Bodenschätze trug der Boden, auf dem wir uns bewegten? In welchen Häusern haben wir gewohnt?
In knappen Worten soll hierauf eine Antwort gegeben werden.
31
Pict
32
Wald und Flur
Unser heimischer Wald, der hier als erster genannt werden soll, war reiner Nadelwald. Er bestand fast nur aus Fichten; vereinzelt konnte man einige Tannen, Lärchen oder Kiefern antreffen. Im Filzgebiet hatten sich einige weitausladende Latschenkiefern angesiedelt. Laubwald, von einigen Mini- Wäldchen abgesehen, war so gut wie nicht vorhanden. Jedoch waren Bäume der mitteleuropäischen Arten an allen möglichen Stellen anzutreffen, angefangen von der Eberesche (Vogelbeere) über Ahorn, Birke bis hin zur Weide, Ulme und Espe, auch Zitterpappel genannt.
Bei den Sträuchern ist – nicht nur ihrer wohlschmeckenden Nüsse wegen - die Haselnußstaude hervorzuheben, die sehr stark im Steingröllgebiet vertreten war. Auch die Schlehe und Hagebutte soll hier erwähnt werden.
In den Waldungen westlich und südlich unseres Heimatortes gab es auch ein recht breites Sortiment an Pilzen, von denen wir an dieser Stelle nur einige eßbare aufzählen wollen, die in der Pilzsaison so manchen schmalen Küchenzettel bereicherten. Den Platz Nummer eins in der Beliebtheit hatte wohl der stramme Steinpilz inne, dicht gefolgt von Rotkappe, Marone und Pfifferling, bei uns Euåschwammerl genannt. Aber auch Birkenpilze wurden gern genommen.
Ganz streng geheim hielt jeder seine besten Plätze, aber wie hieß es noch daheim? „Weå v(ü)l löigt, deå v(ü)l find!"
Neben den zahlreichen Pilzen bot uns die Natur noch köstliche Beerensorten, von denen besonders die Heidel- oder Schwarzbeere, wegen ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeit, mit Vorliebe gesammelt wurde. Roh zerquetscht und mit kalter Milch und etwas Zucker verrührt, lieferte uns diese köstliche Beere das besonders bei Kindern so beliebte Schwoåzbeåhgmetsch. Aber auch als Heilpflanze hatte sie ihren festen Platz in so mancher Familie, war sie doch aufgrund ihres Gerbsäuregehaltes im getrockneten Zustand ein wirkungsvolles Mittel gegen die „schnelle Kathrin", auf gut deutsch Durchfall. Neben den Schwarzbeeren wanderten auch die reich vorkommenden gekocht und eingedickt – in die Vorratsgläser der HausPreißelbeeren frauen. Zahlreich waren die Plätze, an denen diese beiden Beerensorten wuchsen, aber bei den Preißelbeeren nahm wohl der Weiße Hügel einen besonderen Rang ein.
Im Filz, dem rund einen Quadratkilometer großen Hochmoor an der Lauterbacher Straße, hatten sich noch zwei besondere „Beeren-Spezies" angesiedelt. Es war die Rausch- oder Blaubeere, der Schwarzbeere ähnelnd, aber mit weißem Fruchtfleisch. Daneben gab es noch die Moos- oder Filzbeere
33
(Vaccinium oxycoccus). Geschmacklich wie die Preißelbeere, jedoch mit größerer Frucht. Übrigens ein Leckerbissen für das damals im Filz beheimatete Birkwild.
Die Reihe der eßbaren Beeren wollen wir mit der Himbeere, Brombeere und der Walderdbeere abschließen.
Hier noch zwei Vertreter der giftigen Art, es waren dies die Einbeere und die Tollkirsche. Von den Beeren zu den Blumen ist es nur ein kleiner Schritt, wir können sie jedoch nicht alle nennen, denn zu zahlreich wären ihre Namen, vom Gänseblümchen angefangen, über das Studentennacherl und der rotlila blühenden Pechblume am Hang oder Wegesrand, bis zum Wiesenschaumkraut und dem Pfoårråskapplå. Aber auch hier wollen wir eine knappe Handvoll aufzählen, weil ihr Zuhause nicht „überall" war und ist. Beginnen wir bei der Arnika (Arnica montana), eine begehrte Heilpflanze, von uns Konåsbloumån genannt. Sie war am Fuße des Hohen Stein besonders zahlreich anzutreffen.
Im gleichen Gebiet pflückten wir das Katzenpfötchen (Antennaria) in weiß und rot für so manches Kränzchen zu Fronleichnam. Aber auch die gute Ochsenzunge (Anchura officinalis) sei hier mit erwähnt, die auf feuchten Wiesen glatt aus ihrem Schaft gezogen, moåschenweis (taschenweise) zu Spinat verarbeitet, auf den Tisch kam. In der Nähe des Himmelteiches hatte die sattgelbe Trollblume, auch Dotterblume genannt, ihren Standort; auch der Siebenstern (Dreifaltigkeitsblume) war dort anzutreffen. Im Elbogener Wald fand sich sogar eine heimische Orchidee, das gefleckte Knabenkraut (Dacty- lorhiza majalis). Zum Schluß sei das Wollgras (Eriophorum) noch genannt, unser Filzwuwerl.
Und nun zum Wild. Das Angebot für Jäger, von denen es in Schönfeld ja etliche gab, war nicht so allzugroß. Es gab Rehe, Hasen – Kaninchen erst in den letzten Jahren auf der Wandelwiese und am Weißen Hügel - dann Rebhühner sowie Fasane, und im Filz das Birkwild. Hier war auch die Bekassine oder Himmelsziege, eine Sumpfschnepfenart, anzutreffen. Außerdem brüteten im Filz etliche Wildenten. Der Auerhahn wurde nur höchst selten gesichtet.
Aber auch Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel und Hermelin lebten in unserem Gebiet.
An Greifvögeln sind zu nennen: Habicht, Sperber, Turmfalke und zeitweise auch der Mäuse- und Wespenbussard.
Des Nachts waren Waldkauz, Steinkauz, Schleiereule, Waldohreule, Sperlingskauz und die Sumpfohreule auf Beutejagd.
34
======
Bei der nächsten Gruppe, den Singvögeln, könnte man sagen: Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar sangen in unseren Gärten, Wiesen und Wäldern ihre frohen Lieder. Da waren verschiedene Meisenarten, der Zeisig und Grünling sowie der Stieglitz, Kreuzschnabel (Grüners) und der Dompfaff, auch Gimpel genannt. Dann noch das Rotkehlchen und Rotschwänzchen und das kleine hübsche Goldhähnchen. Selbst der Kernbeißer, der dickschnabligste Finkenvogel Europas, war hin und wieder zu sehen.
Von den großen nun zu den kleinen Fliegern, den bunten Schmetterlingen. Aber auch hier sollen nur die bekanntesten Arten aufgezählt werden. Es waren dies der Fuchs, Perlmutterfalter, Trauermantel, Zitronenfalter und der Admiral, dann noch der kleine Bläuling und das Pfauenauge. Sehr selten und dem Aussehen nach schon fast ein Exote, ist der Schwalbenschwanz noch zu nennen.
Natürlich gab es in unserer Heimat auch Eidechsen, Blindschleichen und Schlangen. Von den Letzteren gar nicht mal so wenig. Vor allem war die giftige Kreuzotter vielerorts, besonders am Steingröll, zu sehen. Es gab eine braune und graue Art. Aber auch ihr Feind, die Haselotter, war bei uns beheimatet. Dann ist noch die graue Ringelnatter zu erwähnen, mit ihrem hübschen gelborangefarbenen Halbmond hinterm Auge.
Zahlreiche Teiche und Bäche waren voller Leben, besonders die Forelle muß dabei genannt werden. Und vergessen wir die Kleinsten nicht, die zahlreichen Elritzen oder Ilitzlå, wie wir sie nannten und deren Jungbrut, die Nåudlkepplå. Selten und nur mit Glück im Bach zu sehen war der Krebs.
Dies war ein kleiner Überblick über die Pflanzen- und Tierwelt in und rund um Schönfeld. Eine, wenn auch nur unvollständige Darstellung über das, was uns an Vegetation und Leben umgab. Aber das Bild unserer näheren Heimat wäre unvollständig, würde man nicht die Mineralien erwähnen, die vor Millionen von Jahren in der Tiefe der Erde entstanden. Bergbaulich interessant waren Zinn, Wolfram, Kupfer, Zink, Uran und früher auch Silber. Kobalt, Nickel, Eisen, Molybdän und Schwefelkies waren in geringeren Mengen vertreten. An Edel- und Halbedelsteinen waren auch Topas, Beryll, Apatite, Karfolit, Amethyst, Megapasit und Kappenquarz zu finden, die besonders bei Sammlern sehr geschätzt waren.
35
======
Ortsgliederung, Baustil und Bauweise
Schönfeld bestand aus einem Ortskern, man könnte fast von einer Achse „Dreifaltigkeit-Rathaufen" sprechen, und den auslaufenden Stadtteilen Staude/Kaunitz und Hub.
Halten wir uns bei der Ortslängenangabe an den Verlauf der Hauptstraße, also Ortsbeginn an der Lauterbacher Straße, beim Kirchl, bis zur Hirtenpaint, der Punkt, wo die Besiedlung wieder stark abnahm, so messen wir eine Länge von 1,1 Kilometer.
Die Ortsteile Staude/Kaunitz bis zum Hohen Stein erstreckten sich auf einer Länge von rund 0,8 Kilometer. Die Hub, der untere Teil Schönfelds, also die Strecke Hirtenpaint bis Jahnheim, hier war auch die Grenze nach Schlaggenwald hin, betrug rund einen Kilometer.
Daraus ergab sich eine Gesamtortslänge von etwa drei Kilometern.
Nach den Ermittlungen waren zum Zeitpunkt unserer Vertreibung, also 1946, in unserem Heimatort 435 Hausnummern verzeichnet. Darunter nur wenige Neubauten, so daß sich die folgende Beschreibung in erster Linie auf Bauten bezieht, die kurz nach dem großen Brand 1848 oder früher erstellt wurden. Die richtige Wiedergabe des allgemeinen Ortscharakters dürfte damit weitgehend erreicht werden.
Die Häuser unseres Ortes, nur zwei oder drei Ausnahmen bestätigten hier die Regel, waren durchwegs reine Zweckbauten und ohne nennenswerte Verzierung. Vertreten war die ein- und zweigeschossige Bauweise, letztere besonders im Bereich des Marktplatzes, sowie längs der Hauptstraße.
Viele der Häuser im Ortszentrum waren aneinandergebaut, die Längsfront zeigte meist zur Straße.
In früheren Jahren wurde überwiegend im Fachwerkstil gearbeitet, aber nur an verhältnismäßig wenigen Häusern war dies noch sichtbar, denn oft wurden die Balken überputzt.
Als Dachform war das Sattel- oder Spitzdach üblich. Gedeckt wurde früher mit Schindeln, später meist mit Dachpappe, die in Abständen frisch geteert wurde. Auch Ziegel und Eternit waren üblich. Die eingeschossigen Häuser hatten oftmals im Dachbereich an der Giebelseite eine Luke – von uns als Schlooch oder Schloochtüårl bezeichnet – durch die Heu oder Stroh eingelagert bzw. durchgereicht werden konnte.
Als Fensterform wurde meist die 6er- oder 8er-Teilung gewählt. Eine dieser 6 oder 8 Scheiben war sehr oft separat gerahmt und schwenkbar. Dieser
36
========
Pict 37
======
Picts 38
====
Fensterteil war uns als Gutzerl bekannt. Allgemein wurden Doppelfenster eingesetzt, wobei das Innenfenster nur in der kalten Jahreszeit eingehängt war.
Fast alle Haustüren hatten ein sogenanntes Oberlicht. Dies war ein feststehender verglaster Streifen über der Tür, durch den etwas Tageslicht in den Hausflur einfallen konnte. Der Fußboden des Flures bestand in der Regel aus Natursteinplatten. Vereinzelt war auch Katzenkopfpflaster anzutreffen.
In manch älteren Häusern, wo auch noch eine Sichtbalkendecke vorhanden war, betrug die Höhe der Räume nur knapp unter zwei Meter. Allgemein war ein Bretterfußboden üblich.
Zum Haus gehörte auch ein gemauerter gekachelter Herd mit einem eingesetzten gußeisernen Warmwasserkessel, dem Hofm.
39 picture
---
Die Raumaufteilung selbst zeigen einige Skizzen von eingeschossigen Bauten, die vom Verfasser aus der Erinnerung angefertigt wurden. Es sind nur einige Beispiele, die jedoch allgemein zutreffend waren.
Wie daraus zu ersehen, war eine Wohnküche mit einer oder mehreren, oft im Dachraum befindlichen Schlafkammern vorhanden. In vielen Fällen war
39
=======
40 picture
die Wohnküche auch gleichzeitig Schlafraum und mit ein oder zwei Betten bestellt. Das Maximale an Raumnutzung wurde jedoch dann erreicht, und dies war des öfteren der Fall, wenn das Familienoberhaupt auch noch sein Schneider- oder Schusterhandwerk mit einem oder zwei Gesellen ausübte.
Keller waren üblich, manchmal sogar als Gewölbe mit Naturstein oder Ziegel gemauert. Frischluft erhielt dieser Raum, der in der Regel gepflastert oder einen Stampfboden besaß, durch das Kellerloch. Dieses hatte oft aufgrund der Mauerstärke und des schrägen Verlaufes die Form einer Röhre. Es war meist offen, nur in der Winterzeit wurde dieser Luftschacht primitiv aber wirkungsvoll mit einem ausgestopften Kartoffelsack abgedichtet.
Was das „Örtchen" anbetraf, so war dies meist das bekannte Bretterhäuschen und über den Hof zu erreichen. Üblich war auch ein Anbau an der Rückseite des Hauses. Natürlich gab es auch Häuser, wo diese so wichtige Einrichtung innerhalb des Gebäudes untergebracht war, aber das war wohl nicht die Mehrzahl. Die Örtlichkeit hatte entweder direkte Verbindung zu einem Misthaufen oder einer Grube, die zu bestimmten Zeiten geleert wurde.
Fast alle Grundstücke hatten eine Zauneinfassung. Das Material für die Zaunstecken war dünnes Fichtenstammholz aus dem heimischen Wald.
Nur selten waren Gartenmauern anzutreffen.
40
41 picture
Handel, Gewerbe, Landwirtschaft und Bergbau
Wie in anderen Gemeinden von der Größe Schönfelds, so waren auch in unserem Ort jene Berufe vertreten, die die Deckung des Lebensbedarfes sicher stellten; hierzu gehörten die Bäcker, Fleischer, Lebensmittel-, Textil- (bei uns Schnittwaren genannt) und Gemischtwarenhändler. Bei letzteren erstreckte sich das Warenangebot vom Peitschenriemen und der Sense angefangen über Mehl, Zucker, Sauerkraut und Schmalzbutter aus dem Faß, bis hin zum Brathering, dem Vorhängeschloß und Fliegenfänger. So war auch am „Schan-Haus" in großer braunlila Schrift über die ganze Hausfront zu lesen: „EisenMehl & Kolonialwaren".
Daneben sind noch die fleißigen Schuster und Schneider und im weitesten Sinne auch die Gastwirte zu nennen. Hinzu kommen noch Handwerker wie Schlosser, Schmied, Wagner, Tischler, Maler u. a. Auch Arzt und Hebamme waren im Ort. Rezepte wurden umgehend beim Apotheker Mück bearbeitet. Sehr oft waren es von ihm selbst hergestellte Pulverchen, Tropfen oder Tinkturen, die er als gesundbringende Arznei an seine Kunden aushändigte.
Kommen wir zu den zahlreichen Familien- und Kleinbetrieben wie Gerberei, Leimerzeugung, Dosenmacherei, Töpferei, Kunstglasschleiferei, Perl-
41
------
mutterwarenerzeugung, Zwiebackbäckerei und die sogenannten „Bandl- weber", die Stoffstreifen, welche aus alten Textilien geschnitten, auf großen hölzernen Webstühlen zu buntgestreiften und äußerst strapazierfähigen Läu- fern, nach Art der „Allgäuer-Teppiche", verarbeiteten. Es gab auch Mühlen und Sägewerke. In diesem Zusammenhang ist auch die Holzwollerzeugung zu erwähnen. Als nächstes ist das Zinngießerhandwerk zu nennen. Obwohl es sich bei die- sem weitgehend um kleinere Familienbetriebe handelte, so waren doch einige mit einer mehrköpfigen Belegschaft vorhanden. Die Porzellanindustrie war mit einem wichtigen Fertigungszweig vertreten, hier handelte es sich um die Pozellanmalerei und -druckerei. In den letzten Jahren war eine Schraubenfabrik und Fassondreherei in Betrieb, in der an- nähernd 50 Schönfelder Arbeit fanden. Stark heimarbeit-orientiert war die Gardinen- sowie die Spitzen- und Näh- spitzenerzeugung. Durchschnittlich dürften 50-80 Heimarbeiterinnen dieser Beschäftigung nachgegangen sein. Zahlreich waren die Kleinbauern, auch Köihpritscha genannt. Es waren meist Handwerker oder Kaufleute, die nebenher etwas Landwirtschaft betrieben. Meist hatten sie ein bis zwei weiß-braun gescheckte Kühe im Stall und ein paar Tagwerk Acker in der Umgebung des Ortes. Rein bäuerliche Betriebe gab es kaum mehr als ein halbes Dutzend.
42
-------
43-44 pictures
-------
45 p;icture
Das „Wohlstandsbarometer'" von Schönfeld aber war der Bergbau. Nicht selten war jedoch die Beschäftigungslage angespannt. Mehrere Male lag der Betrieb sogar über längere Zeit gänzlich still.
Nur unvollständig wäre das Erwerbsbild, würde man nicht diejenigen er- wähnen, die in der Saison als Kellner oder „Kaffeemädchen" im nahen Karlsbad oder Marienbad ihr Gerschtl, sprich Geld, verdienten.
Diese verhältnismäßig gute gewerbliche Ausgeglichenheit entstand aller- dings erst in unserem Jahrhundert. In früheren Jahren verzeichnete Schön- feld in dieser Beziehung unterschiedliche Schwerpunkte, die im folgenden kurz dargestellt werden sollen:
So war in den Jahren 1550 bis 1750 das Zinngießerhandwerk dominierend. Man sprach sogar von einer „Blütezeit der Zinngießerei". In den Folgejah- ren, bis hinein in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, entwickelte sich das Gewerbe der Tuchmacher, Woll- und Flachsspinner, Leinenweber und Fär- ber. Um 1850 waren die Schuster bereits zahlreich vertreten. Dieses Hand- werk hatte um 1900 bis in die Jahre des ersten Weltkrieges seine starke Zeit.
Nach der Jahrhundertwende entwickelte sich die Spitzennäherei, die beacht- liche Erfolge erzielte und bei der auch die Heimarbeit eine Chance erhielt, die rege genutzt wurde.
45
----
46 picture
Schönfeld im Jahresablauf (Sitten und Brauchtum)
Im Ablauf eines Jahres haben Völker, Volksstämme, manchmal auch kleine Sippen, ja selbst Einzelfamilien Gelegenheit, ihre Sitten und Bräuche zu pfle- gen. Oft sind es Märkte, Feiertage oder Feste, die mit deren Ausübung in Verbindung stehen. Allein die Tatsache, daß etwas Bestimmtes, oftmals auch recht Originelles stattfindet, gibt einen Rückschluß auf Geschehnisse oder auch Initiativen, die in der Vergangenheit von Gruppen oder auch Einzel- personen ausgelöst wurden.
Sitten und Brauchtum sind ein Teil der Kultur einer menschlichen Gemein- schaft, wie es z. B. ein Ort oder ein kleines Dorf darstellen. Sehr oft ist beides religiös orientiert, dies war auch in Schönfeld der Fall. Ein reges Vereins- leben sorgte jedoch dafür, daß auch die weltliche Seite zu bestimmten Zeiten gut vertreten war. So fanden Jahr für Jahr verschiedene Veranstaltungen statt, die in vielen Fällen dem Heiteren gewidmet waren.
46
----
47 picture
Mit unserer Aufzeichnung der Festivitäten und Bräuche beginnen wir am besten im Frühjahr, dem Zeitpunkt, wo die Natur erwacht und sich die er- sten Palmenkätzchen zeigen. Aber knapp vor dem kalendermäßigen Einzug des Frühlings wurde früher noch ein beliebter Feiertag begangen, der auch am Kalender rot vermerkt war, Josephi. Es wird in Schönfeld nur wenige Familien gegeben haben, in der nicht der Vater selbst oder einer der oft zahl- reichen Buben, Josephi-Namenstag feierten.
In die Zeit um Josephi fiel bis zum ersten Weltkrieg auch alljährlich ein Ereignis, die Assentierung. Diese Aushebung war damals stets mit großem Patriotismus verbunden, obwohl es kein Geheimnis war, daß während der Militärzeit der Himmel des Soldatenlebens auf das engste mit der Hölle ver- knüpft war. Schon mehrere Wochen vor der Tauglichkeitsprüfung bildeten die stellungspflichtigen Rekruten unter sich ein Komitee, dem die Veranstal- tung des Rekrutenkränzchens oblag, das, je nach Fälligkeit der Assentierung, ein oder zwei Sonntage vor dieser stattfand.
Das war auch damals die Zeit, wo das Siegl-Stummerl, die Mutz-Katl oder die Mone mit dem Reichå-Mojå im Ort herumgingen, denen meist ein Schwarm
47
-----
Schulbuben nachzog, um die bunten Eierschalen am geschmückten Fichten- bäumchen mit Schneeballen zu bewerfen.
Bald darauf folgte der Palmsonntag, an dem schon beim Morgengrauen am Markt reges Leben herrschte, da die am Vorabend eingetroffenen Kramer ihre Ware auspackten, denn am Palmsonntag fand auch regelmäßig der Ostermarkt statt.
Um 8 Uhr kamen schon von Rabensgrün der Steffel, Rippl Annares, Spieß, Guha, Kilian, Kristl, Hannerich, Strobl, Jessl Oswald und wie sie alle hießen, mit einem Mordsbündel Palmen auf dem Rücken zur Palmweihe. Zur glei- chen Zeit kamen der Micherl Tone, Heß Klåra, Kastl Herrmann, Schåffer Wenz und Huwl mit einem nicht weniger kleinen Packen über den Tiefenbacher Berg herauf.
Die Palmweihe verlieh dem Sonntag einen besonders feierlichen Anstrich, und es wird kaum ein Haus gegeben haben, in dem nicht mindestens ein ge- weihter Palmzweig als Merkmal der Gläubigkeit und als Beschützer des Hauses an das Weihwasserkesserl oder ein Heiligenbild gesteckt wurde.
48a
----
In den folgenden Tagen war schon an der ununterbrochenen Knallerei zu'er- kennen, daß Ostern vor der Türe stand. Am Gründonnerstag starben, wie es hieß, die Glocken, und die Schulbuben zogen von da ab mit Klappern, Rat- schen und in früheren Jahren mit Rumpelkästen durch die Stadt, aber auch dabei wurde auf das Schießen nicht vergessen. Hierbei kamen früher die Schlüssel- und Karbidbüchsen, zwei recht originelle, selbst hergestellte Geräte zum Einsatz, die je nach Qualität und Ladung entweder Pättschå, Kråchå oder gar Gölsterer, zu deutsch Schüßchen, Knall oder Donnerschlag erzeugten.
Die Schlüsselbüchse war ein Hohlschlüssel - je größer um so besser mit Streichholzkappen geladen wurde. Ein nachgesteckter Eisenbolzen, der auf verschiedene Weise mit einem Schlag nachgetrieben wurde, brachte die Ladung zur Explosion.
Bei der Karbidbüchse handelte es sich um eine Büchse mit gut schließendem Deckel. Bevorzugt wurden Maggi-Büchsen allen Kalibers. Mit einem Nagel wurde in den Boden ein kleines Zündloch geschlagen, und fertig war der Schußapparat. Geladen wurde, je nach Büchsengröße, mit einem minde- stens haselnußgroßen Stück Karbid. Etwas Wasser oder auch Spucke auf den Karbid gegeben, brachte diesen zum Dampfen bzw. Gasen. Die Büchse wur- de verschlossen, und nach einigen Sekunden Warten konnte mittels Streich- holzflamme am Zündloch die Explosion ausgelöst werden, bei der der Deckel meist mit lautem Knall wegflog. Daß beide Gerätschaften nicht ganz ungefährlich waren, hat mancher Schütze oder auch nur Helfer hin und wie-
48b
--- ----
der zu spüren bekommen. Mit Beginn der 40er Jahre wurden diese originel- len Utensilien fast ausnahmslos von den modernen Knallkörpern abgelöst.
Für das Osterfest selbst wurden oft schon Tage vorher fast in jeder Familie Osterlaibe gebacken, und so manches junge Zicklein mußte für den Festtags- braten sein Leben hingeben.
Ein schöner Brauch war auch das Osterteller einsäen, welcher bestimmt heute noch in vielen Schönfelder Familien ausgeübt wird. Ein tellergroßes Gefäß wurde hierfür mit einer etwa 5 Zentimeter hohen Erdschicht gefüllt. Die Einsaat von Hafer erfolgte ein bis zwei Wochen vor dem Fest, so daß bis dahin die frische grüne Saat fingerhoch stand, in der dann buntgefärbte Eier und meist auch ein Papiermache-Osterhase dekorativ untergebracht wur- den. Sehr beliebt waren als Behälter die tortenformähnlichen Rollmopsbüch- sen, wobei die Fischabbildungen und der Schriftzug „Graby" auf der Außen- seite geschickt mit Krepp-Papier verkleidet wurden.
Der Karfreitag galt als höchster Fasttag des Jahres und wurde als solcher auch in den meisten Familien gehalten.
49a
------
Österlicher Höhepunkt war am Ostersamstag die Auferstehung. Keine wie immer auch geartete Feierlichkeit vermochte den Eindruck zu überbieten, welche die Auferstehungs-Prozession auf die Menschen auszuüben ver- mochte, wenn sie bei schon eingebrochener Dunkelheit aus der Kirche kom- mend, mit Musikbegleitung um den Dreifaltigkeitsplatz und den Marktplatz zog.
Alle Vereine waren da vertreten mit ihren Fahnen und bunten Lampions. Langsam und feierlich bewegte sich der Zug unter dem Glanz unzählbarer Kerzen, die in den Fenstern der umliegenden Häuser, auf speziellen Latten- stellagen aufgesetzt, brannten. Fackelträger begleiteten die Musik und als Haupt der Prozession die unterm Himmel schreitende Geistlichkeit. Dahin- ter folgten der Bürgermeister und die Stadträte in voller Wichs, mit brennen- den Kerzen in der Hand.
Daß auch während der Auferstehungsfeier die bereits erwähnten Schußwaf- fen arg strapaziert und nicht kalt wurden, war selbstverständlich, nur wur- den sie einigemale von den Salutschüssen der zwischen Kirche und Schule postierten großen Veteranen-Kanone, dem sogenannten Böllerer, übertönt.
Nach der Auferstehung begaben sich die Mitglieder der ausgerückten Ver- eine meist mehr oder weniger geschlossen in ihre Vereinslokale, wo der eine oder andere pichen blieb bis zu dem um 5 Uhr früh stattfindenden Tag- reveille, sprich Toochrewäll.
49b
-------
50 picture
Dieser bot, bei richtiger Betrachtung, immer auch Bilder und Begebenheiten, die vielen in dauernder Erinnerung blieben, und darum fand sich auch immer, trotz der frühen Morgenstunden, eine Anzahl Buben und Mädchen ein, um in Reih und Glied hinter der flotte Märsche spielenden Musikkapel- le mit zu marschieren. Überall flogen beim Vorbeimarsch der Musik die Fenster auf, aus denen sich die meist nur mit einem Hemd oder Nachthemd bekleideten Frauen, in noch aufgelöstem Haar, oft ein Kind auf dem Arm haltend, herausbeugten und Beifall winkten. Beim jeweiligen Bürgermeister wurde vor seiner Wohnung immer ein Standerl gespielt, und dann gings wieder weiter im Marschtempo.
Noch vor Sonnenaufgang gingen die Landwirte am Ostersonntagmorgen mit den am Palmsonntag geweihten Palmen auf die Felder zum Palmenstecken. Die ausgesteckten Zweige sollten die Felder vor Unwetter schützen.
50
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Der folgende Monat begann mit dem, nicht nur in Schönfeld üblichen,,,in den April schicken". Der einfältigste und beliebteste Auftrag aus der großen Reihe der Scherze war der Einkauf von Zaunstecken- oder auch Wagen- deichselsamen in der Apotheke oder einem Kaufladen, dem natürlich nur der Unerfahrenste auf den Leim ging.
Im April war auch die Hochsaison für die bei den Kindern so beliebten Kugelspiele Eintschegern und Anradeln. Jeder Ortsteil hatte zwei bis drei freie und sonnige Plätzchen, an denen es von Schuljugend jeden Alters und Ge- schlechtes nur so wimmelte. Für manchen Hausbesitzer war diese Zeit die ärgerniserregendste des ganzen Jahres, denn es ging dabei immer ziemlich laut zu, wobei es nicht selten auch zu einer Keilerei kam.
Der Mai brachte uns in der Heimat, und besonders in früheren Jahren, wie- der mehrere beliebte Feiertage. Der erste Mai, der heute fast in der ganzen Welt als Feiertag begangen wird, konnte früher in unserem industriearmen und daher überwiegend bürgerlich eingestellten Schönfeld nie diese Bedeu- tung erlangen. Die in gewerblichen Berufen um Lohn arbeitenden Gehilfen und die Porzellanmaler paßten sich zum Großteil der politischen Richtung ihrer Meister und Arbeitgeber an, die natürlicherweise Gegner sozialisti- scher Einführungen waren, wozu auch früher die Maifeiern mit ihren Forde- rungen des Achtstundentages gehörten.
Aber ebensowenig wie der politischen Maifeier in Schönfeld Geschmack ab- gewonnen werden konnte, erging es auch der auf den Dörfern traditionellen völkischen Maifeier, welche allgemein als Meuertanz bekannt war. Es zogen wohl alljährlich größere und kleinere Scharen junger Mädchen und Bur- schen zu den Maitänzen hinaus auf die umliegenden Dörfer, aber in Schön- feld selbst konnte sich dieser Brauch nicht einbürgern. Nach zwei in den zwanziger Jahren am Talhäusl gemachten Versuchen, den Maitanz auch in Schönfeld Brauch werden zu lassen, wurde trotz guten Besuches die Absicht wieder fallen gelassen; vielleicht auch deswegen, weil niemand als Plozmoåd, Plotzknecht, Holzhauer und Essentragweib figurieren wollte, die zu einem ech- ten Meuertanz gehörten. Nur noch einmal in den dreißiger Jahren fand im Garten der Kreuzzeche, wohl auf Initiative des damaligen Wirtes Vogl Emil, ein Versuch statt, dem kein weiterer mehr folgte. Erst nach dem Anschluß an das Reich war in Schönfeld wieder ein Maibaum zu sehen, diesmal jedoch ohne Holzhauer und Essentragweib, denn ab diesem Zeitpunkt domi- nierten in diesem Zusammenhang Politik und Uniform.
Als kirchlichen Feiertag konnten wir in der ersten Maihälfte mitunter Christi Himmelfahrt feiern und den gleichbleibend auf den 16. Mai fallenden Jo- hann v. Nepomuk, der auch den Säumigen als letzter Kartoffellegtermin galt.
51
xxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Das nächste, meist noch in den Mai fallende Fest, war das Pfingstfest. Aber auch dieses hatte nach 1900 stark an Bedeutung eingebüßt. Beliebt waren aber weiterhin die Pfingstausflüge. In größeren und kleineren Gruppen ging es bei günstiger Witterung mit Kind und Kegel zum Krudum und in die ihm zu Füßen liegenden Dörfer Kohling und Dreihäuser. Andere wieder bevor- zugten die Neudorfer Mühle, und in den letzten Jahren war unser schöner Aussichtsturm mit seinem Restaurant ein beliebter Ausflugsort. Wer keinen Berg steigen wollte, ließ sich am Talhäusl nieder. Die guten Wanderer hinge- gen unternahmen einen Ausflug aufs Almbrünnl, auf den Wolfstein oder auf die Glatzn.
Aber auch zu einem besinnlichen und religiösen Ausflug bot Pfingsten Gele- genheit, welche in der nach alter Gepflogenheit alljährlich am Pfingstsams- tag angetretenen Wallfahrt nach Maria Kulm bestand. Neben der Wallfahrts- kirche wartete dort jedoch auch ein lebhafter Markttrubel auf die Wall- fahrer, daher auch der Ausspruch,,zougånga is, wöi Pfingstn in Kulm".
Daß wir in der alten Heimat an dem nach Pfingsten fallenden heiligen Drei- faltigkeitssonntag oft genug das Neudorfer Fest mitfeierten, wird wohl nie- mand vergessen haben und noch weniger werden wir den dann folgenden Fronleichnamstag mit seinen Feierlichkeiten vergessen. Schon tags vorher wurden Tausende von Blüten gepflückt, damit jedes Mädchen sein Kranzl bekam und ein volles Körbchen zum Blumen streuen hatte.
Auf einem aus Gras gestreuten Teppich bewegte sich dann die feierliche Prozession mit der Musikkapelle aus der Kirche kommend in Richtung Marktplatz. Erste Station war das Fuhrmann-Haus. Hier war einer der vier, aus Heiligen-Bildern und Figuren aufgebauten und von jungen Birken um- säumten Altäre, wo der Geistliche das Evangelium las. Nach Absingen des Fronleichnamliedes,,Oh, Engel Gottes eilt hernieder", bewegte sich der Zug, die weiß gekleideten Mädchen Blumen streuend voran, zum zweiten, an Hubl Franz seinem Haus angebrachten Altar, wo sich dasselbe wieder- holte. Am unteren Ende des Marktplatzes machte der Zug eine Wendung zur Longerbrücke und dann gings die Winterseite hinauf zu Eckl Wilhelms Altar und nach erfolgter Zeremonie zum vierten und letzten Altar, welcher am Gaßbeckhaus (Ruppert Edwin) aufgebaut war. Ein geheimnisvolles Gefühl verbreitete sich immer unter den Prozessionsteilnehmern, wenn der Pfarrer den Segen spendete, die Böllerschüsse der großen trichterförmigen Kanone durch den Ort donnerten und beim Veteranenverein das Kommando zur Übergabe der Fahne erschallte.
Nach Schluß der Prozession wurden die Altäre sorgsam abgebaut, und dann entstand ein förmlicher Sturm auf die Birkenreiser, Maier genannt, von dem mancher nicht genug bekommen konnte, und besonders die Bauern der um-
52
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Schönfelder Pfingstausflügler am Krudum (1933).
Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel war die Neudorfer-Mühle, ein Gasthaus am Leitenbachl (1929).
53 pix
xxxxxxxxxxxx
liegenden Dörfer eroberten sich Mengen, die sie nur mit Mühe tragen konn- ten. Um Schaden abzuwenden und Segen zu bringen, wurden die Ästchen des Maier auf die Felder, unter die Dächer und in die Ställe gesteckt. Auch das Altarl, sowie der über der Stubentür hängende Haussegen wurden mit einem Zweig bedacht.
Der 21. Juni war dann das nächste Datum, welches die Bevölkerung zur Sonnwendfeier auf die Beine brachte. Dies war aber erst ab 1911 oder 1912 der Fall. Damals zogen erstmals zur Feier der Sonnenwende die Turner und Veteranen geschlossen zum oberen Weißen Hügel.
Aber erst in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg, wo wir unter tschechi- sche Herrschaft kamen, gewann diese Feier an Bedeutung. Von da an fand sie auch regelmäßig statt, allerdings rückte dabei dieser alte Brauch in den Dienst nationaler und politischer Interessen. In den kritischen dreißiger Jah- ren wurde die Sonnwendfeier als staatsfeindlich betrachtet und von den tschechischen Behörden verboten.
In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg wurde anstelle der Sonnwendfeier am Abend des 23. und 24. Juni das sogenannte Konesfeuerl gehalten, welches in anderen deutschen Gebieten des damaligen Österreich auch Johannis- feuer hieß. Sonnwendfeuer und Konesfeuerl hatten wohl den gleichen Sinn, nur war dabei der Unterschied, daß bei der erstgenannten nur ein großes Feuer entfacht wurde, während beim Konesfeuerl fast jeder Schulbub sein eigenes Feuerl oder zumindest Fackel hatte. Neben der Freude am flackern- den Feuer hatte die Jugend noch das Vergnügen, über die Flammen zu hüp- fen. Auch die sich als Brautleute betrachteten, ließen es sich nicht nehmen, Hand in Hand mindestens dreimal über das Konesfeuerl zu springen.
Im folgenden Monat gedachte die Bevölkerung von Schönfeld noch bis zur Jahrhundertwende alljährlich des schicksalsschweren Brandtages, des 7. Juli 1848, an dem innerhalb der ersten drei Nachmittagsstunden über 200 Wohn- und Wirtschaftsgebäude von einer verheerenden Feuersbrunst ver- nichtet wurden. In den dem Brande folgenden Jahren ruhte im Gedenken dieser Katastrophe, an diesem Tage die Arbeit. Die Bevölkerung besuchte die heilige Messe, bei der auch das auf das Unglück bezogene Brandlied gesungen wurde.
Kurz nach diesem Gedenktag folgte der egerische Sonntag, oder wie es bei uns hieß, die,,Echrischn", abgeleitet von den einst großen Wallfahrtsprozes- sionen, die alljährlich am zweiten Sonntag im Juli aus Eger und Umgebung nach Schönfeld pilgerten, um vor der gnadenreichen Schönfelder Mutter- Gottes-Statue ihre Andacht zu verrichten und von ihr erhört zu werden.
54
xxxxxxxxxxxxxxx
In den Jahren nach 1900 lag die Bedeutung der Echrischn nur noch haupt- sächlich in dem Jahrmarkt. Dieser büßte jedoch durch das allmähliche Ausbleiben der großen Prozessionen viel von seiner früheren Größe und Be- deutung ein, denn nur noch wenige aus der näheren Umgebung - hier sind besonders die Neudorfer zu erwähnen, die noch lange dieser Tradition treu blieben besuchten die Wallfahrtsstätte in unserem Heimatort.
In der Sommerzeit war auch die Hochsaison im Filz, wo das preiswerte Brennmaterial, die Torfziegel gestochen und getrocknet wurden. In Säcke gefüllt und auf Handwagen verstaut holperte dann die braune Fracht die Lauterbacher Straße herab, dem Lagerplatz im Schuppen oder Stodl zu.
Aber während sich die einen im Filz im Schweiße ihres Angesichts ihren Brennstoff für die oft sehr strenge Winterzeit sicherten, tummelten sich andere, meist Jugendliche, im erfrischenden Wasser des Ebmet oder Sack- dammes. Der Alte und Neue Teich im Muckengrund zog wohl nur einige wenige Individualisten an. Der Flößgraben, mit seinen nicht gerade bade- geeigneten niedrigen Temperaturen, hatte aber auch seinen Kundenstamm. Es war vor allem ein Teil der Schuljugend, die ihn beanspruchten. Eine be- liebte Badestelle war unter anderem an der Boum- u Meu(dl-Bruck. Wegen der dabei oft praktizierten Daminbauerei, bei der auch mancher Uferbefesti- gungsstein losgerissen und mit verarbeitet wurde, lag dies nicht immer im Sinne der Grabenaufsicht. So sah man des öfteren, nach dem Alarmruf,,da Gromstaicha kinnt!", die kleinen Adams und Evas in alle Windrichtungen über die Wiesen,,dackln".
//
In die nun folgende Zeit, in der oft überm Köihbl, den Pfarr- und Spitalfel- dern zahlreiche buntbemalte Drachen hoch aus den Lüften schwanz- wedelnd herunterlachten, fällt die von Haller Karl so treffend beschriebene und hier auszugsweise wiedergegebene Schilderung über die Kartoffelfeuerl: ,,Gab es doch kaum ein Erdäpfelfeld, auf dem nicht während dessen Abern- tung ein Feuerl loderte. Buben der Feldbesitzer oder Erdäpfelgraberinnen, mitunter auch diese selbst, trugen das bereits dürre Kraut, genannt ,,Eådöpplkraiterich", auf einen Haufen zusammen, um das beliebte Feuerl zu entfachen, in das eine Anzahl nicht allzugroßer Erdäpfel geworfen wurde, um diese auf denkbar primitivste Art zu braten, deren Schmackhaftigkeit aber kaum von etwas anderem Eßbaren übertroffen wurde. Alt und jung stierlte sich diese gebratenen Erdäpfel mit gleicher Freude und Hingebung aus dem Feuer und aus der glühenden Asche, um sie in beinahe noch zun- genverbrennendem heißem Zustand als seltenen Leckerbissen zu verzehren. Daß diesen gebratenen Erdäpfeln Felderde und Asche anhafteten, das spielte gänzlich keine Rolle, sie wurden mit Haut und Haar verzehrt und galten sogar dann noch als eine Götterspeise, wenn sie halb verkohlt waren.
55
xxxxxxxxxxxxxxxxxx
Abendstimmung am Hohen Stein.
Und wenn dann am Abend sich langsam die Dunkelheit herniedersenkte und die Luft noch immer weit und breit und auch im Ort selbst von dem Ge- ruch der Feuerln und der gebratenen und verkohlten Erdäpfel durchdrun- gen war, dann fühlte man sich von einer ebenso geheimnisvollen wie zau- berhaften Feierabendstimmung umfangen, deren unvergeßlichen Zauber keine andere Jahreszeit hervorzubringen vermochte, als eben nur allein der Herbst."
Mit dieser Jahreszeit begannen auch die Kirchweihfeste. Für die Schönfelder gabs da gleich eine vielfache Auflage. So zogen ungefähr Mitte September schon die ersten Tanzlustigen zur Schlaggenwalder Kirchweih; Ende des Monats, zu Micheli, feierte unsere Nachbarstadt Lauterbach und drei Wo- chen später fand die wohl den breitesten Raum einnehmende Landkirch- weih, auch,,Echålandå Kirwå" genannt, statt. Ein beachtlicher Teil unserer Ortsbevölkerung schwenkte dabei in Rabensgrün, Tiefenbach, Petschau und Neudorf bei Walzer und Polka flott das Tanzbein.
Aber wie im Leben oft Freud und Leid dicht beieinander liegen, so folgten auch hier bald Tage der Besinnung und Einkehr. Galt es doch zu Allerheili- gen und Allerseelen der Toten zu gedenken. An diesen beiden Tagen war auf
56
xxxxxxxxxxxxxxxxxx
der Petschauer Straße zwischen Ort und Friedhof reger Betrieb, denn alles war auf den Beinen, um die Gräber der verstorbenen Angehörigen oder Be- kannten zu schmücken. Man trug um diese Zeit schon recht warme Klei- dung und die Landschaft meist ihr erstes leichtes weißes Kleid, das alte Sprichwort bestätigend:,,Oållåhaaling kinnt då Schnäi gaaling!"
Nicht ganz zwei Wochen später folgte die sogenannte Winter- oder Martini- kirchweih, der in den letzten Jahren, in denen wir noch unsere angestammte Heimat bewohnten, weit nicht mehr die Bedeutung zukam, wie in den früheren Jahren bis zum ersten Weltkrieg.
Im allgemeinen ging es zu Martini zum ersten Mal im Jahr den Gänsen an den Kragen, und auch mancher jungfräuliche Haberling mußte sein Leben lassen, um einen schmackhaften Kirchweihbraten abzugeben.
Kirchweih-Montag war Jahrmarkt, und früher begann schon am Nachmittag die Tanzmusik, die am Dienstag noch fortgesetzt wurde.
Waren die Kirchweihklänge dann verklungen und der letzte Quark-, Streußl- oder Powidlkuchen verzehrt, folgte am 22. November der Tag der Musik- patronin Cäcilia, in Schönfeld bekannt als,,Kuhnfünferl" (vermutlich vom la- teinischen,,Convivium", soviel wie fröhliches Beisammensein, abgeleitet). Wenn auch das Kuhnfünferl nur eine festliche Angelegenheit der Musiker war, so war es doch auch vielen anderen ein Erlebnis, dem Aufzug der Mu- sik beizuwohnen, der mit einem Besuch des Gottesdienstes verbunden war. Schon drei Tage danach fand das Katharina-Fest statt, welches, da unsere Kirche der Heiligen Katharina geweiht war, auch das Kirchenfest darstellte. An diesem Tag gab es als traditionelles Festgebäck die Köichlå, und das kleine Katherl legte auf ihren Namenstag, der früher schon zu den gebräuch- lichsten gehörte, genausoviel Wert wie eine in den besten Jahren stehende Kathe oder eine schon bejahrte Kathl.
In den zwanziger Jahren wurde das Katharina-Fest aus wirtschaftlichen Gründen auf den nachfolgenden Sonntag verlegt, womit der einstige Glanz vollständig erlosch.
Mit diesem Fest fanden in der Regel auch gleichzeitig die Serien der Hochzei- ten ihren Abschluß, die von ihrem Ablauf her keine außergewöhnlichen Ei- genheiten aufwiesen. Es gab den üblichen Polterabend mit dem,,glückbrin- genden" Porzellanscherbenhaufen vor der Haustür der Braut, und je nach Vereinszugehörigkeit wurde auch manchmal ein Standerl gesungen oder gespielt.
Nach der Trauung fuhr das Brautpaar üblicherweise in der Kutsche bzw. ,,Scheesn", wie wir sagten, zur Hochzeitsfeier. Auf dem Wege dorthin wurde
57
xxxxxxxxxxxxxx
oft von guten Bekannten oder Freunden vüågschponnt, d. h., das Brautgefährt wurde durch ein quergespanntes weißes Band oder einfaches Seil an der Weiterfahrt gehindert. Ein Lösegeld es konnte auch ein Schnaps sein machte den Weg für das neuvermählte Paar dann wieder frei.
Bis zu Beginn des ersten Weltkrieges gab es auch noch die Kammerwagen. Sie brachten den Hausrat und das Mobiliar der nach auswärts ziehenden Braut ins zukünftige Heim. Diese Fuhren waren meist mit einigen schon angehei- terten, fröhlichen Freundinnen der Braut besetzt, die beim Umzug halfen. Sie waren es auch, die den neugierigen Zuschauern die bekannten Munkeln (in Schnaps oder Likör getauchte Semmelstücke, auch Semmelflechten genannt) geschickt zuwarfen.
Am letzten Novemberabend, dem bekannten Annåresenabend, folgten Ju- gendliche mit großer Emsigkeit einem alten Brauch, der nichtsnutzige Übel- taten, die manchmal auch mit allerhand Schaden verbunden waren, zum Inhalt hatte. So wurden zu nächtlicher Stunde Gartentüren ausgehoben und verschleppt, Hackstöcke weggetragen und versteckt, ja selbst freistehende Aborthäuschen wurden oft umgelegt, wobei es vorgekommen sein soll, daß dies einige Male im besetzten Zustand geschah. Ein übler Scherz war auch das Verstopfen der Schlüssellöcher mit Blei- oder Zinnbrocken. Manch einer wurde dabei hin und wieder von lauernder Hand gefaßt und nach Noten ge- watscht, was aber die Zahl der Übeltäter nicht zu reduzieren vermochte. Bevor wir mit unserer Aufzeichnung in den Weihnachtsmonat wechseln, sollen an dieser Stelle einige Bräuche erwähnt werden, die an kein bestimm- tes Datum gebunden waren. Ihr Termin war einfach nur die kalte Jahreszeit. Dazu gehörte in vielen Häusern das Ausschmücken der Doppelfenster- Innenräume. Beliebt waren vor allem Miniaturlandschaften mit Moospol- stergrund. Auch Zammsetzhaislå wurden oft als Dekorationsstücke ver- wendet. Mit viel Liebe und auch Pedanterie wurde da gestaltet und wieder umgemodelt, als ob es um eine Ausstellung mit Preisverleihung ginge. Das um diese Jahreszeit ungemütliche und kalte Wetter sorgte einstens auch dafür, daß in den Abendstunden Nachbarn und Bekannte in einer warmen heimeligen Stube zu einer geselligen Runde zusammenkamen. Waren es in früheren Zeiten die Rockåstuben, wo die jungen Mädchen ihre Spinnräder schnurren ließen und nebenbei gesungen, gescherzt und auch gespöttelt wurde, so waren es in der darauffolgenden Zeit die noch gut bekannten Hut- scherstuben, wo Männlein und Weiblein mit Unterhaltung, Gesang, Tausch- handel und Geschichten erzählen die langen Abende totschlugen. Das unge- schriebene und auch nie berechenbare Programm in den Hutscherstuben war meist derartig reichhaltig, daß jeder auf seine Rechnung kam, und be- sonders in den Zeiten bis zum ersten Weltkrieg erfreute man sich dort eines
58
xxxxxxxxxxxxxx
abwechslungsreichen Verlaufes. Nicht selten ging es dabei hoch her. Ein Namenstag oder eine dort neu geknüpfte Liebschaft konnte der Anlaß sein, daß neben einem guten Schluck Bier oder Schnaps auch noch ein Ziehhar- monikaspieler für gute Stimmung sorgten.
Nach dieser Einflechtung wollen wir wieder in die zeitliche Reihenfolge zu- rückkehren und mit dem letzten Monat im Jahr unsere Rückschau fort-
setzen.
Am 4. Dezember, dem St. Barbaratag, schlichen manche Mädchen heimlich und lautlos in den Garten, um von einem Kirschbaum die sogenannten Bar- barazweige zu brechen. Kein Mensch durfte sie dabei erblicken und kein Wort durfte ihnen entschlüpfen, wenn der Zauber wirksam sein sollte. Die Zweige wurden in ein Gefäß mit Wasser gesteckt, wobei ihnen Namen bei- gelegt wurden. Bis Weihnachten sollten die Zweige oder wenigstens der, welcher den Namen des Geliebten trug, blühen oder grünen. Es war das Zeichen, daß ihr das Herz des Angebeteten liebend entgegenschlägt.
In den Zeiten, wo noch der Schönfelder Erzbergbau in Betrieb war, feierten die Bergleute zu Ehren ihrer Schutzpatronin, der hl. Barbara, das traditio- nelle Barbarafest.
Zwei Tage später war,,Nöinigl", der Nikolaustag. Für die Kinder der auf- regendste Tag des Jahres. Er war sozusagen der Tag der Abrechnung. Da für die Verkörperung des Nikolaus meist ein Verwandter oder enger Bekannter herhalten mußte, war dieser auch bestens über alle Schandtaten und schlechten Schulnoten informiert.
Die Nöinigl, so wurde den Kindern glaubhaft erzählt, kämen aus den heimi- schen Wäldern. Gut nikolausbewohnt waren demnach besonders der Kru- dum und der Beanwoåld. Vom Hundschacht kamen die gefürchtetsten, und oft hatte diese Sorte auch noch einen Krambus als Begleiter, der jedoch wegen seines starken Schwefelgeruchs nie die Wohnstuben betreten durfte, dafür aber um so mehr im Vorhaus wild mit seiner schweren Eisenkette ras- selte und unverständliche grimmige Laute von sich gab, so daß selbst dem hartgesottensten Bürschchen nach der bekannten Nikolausaufforderung ,,wüåst beeft/n" beim Aufsagen die Stimme zitterte und das Kinn wackelte.
Falls noch nicht geschehen, so hatte das Oberhaupt der Familie in den näch- sten Tagen noch dafür zu sorgen, daß Krippenstrah ins Haus kam. Die Haus- frauen hingegen besorgten ihre Mehlquantitäten und sonstigen Zutaten für die Germkniålå und Weihnachtsstolln. Beim Backen des Weihnachtsgebäcks riefen sie in früheren Jahren alle Heiligen im Himmel an, damit ihnen ja nichts verbrennen sollte. Sie ließen sich dabei von dem damals noch weitver-
59
xxxxxxxxxxxxxx
breiteten Aberglauben leiten:,, Weå die Germkniålå våbrennt, mou s Gaua draaf sterm."
Nun sind wir auch schon in der Zeit, wo im Rathaushof die Weihnachts- bäume auf ihre kritischen Kunden warteten. Was wurde da oft gesucht und gekramt, bis endlich der drei-, vier- oder gar mehrreihige gefunden war, der dem jeweiligen Gusto entsprach.
Obwohl streng verboten, besorgten sich so manche ihr Zuckerbaiml in einer Nacht- und Nebelaktion, auf dem Selbstversorgerwege, im nahegelegenen heimischen Wald.
Höhepunkt in der vorweihnachtlichen Zeit war dann der an einem Sonntag stattfindende Weihnachtsmarkt, der auch die Einwohner der umliegenden Ortschaften in Scharen anzog. Es war der Tag, an dem die Ziween-Mannå Hochsaison hatten und der Stotz Krippenmannlå und Schäfchen dutzend- weise anbrachte.
Treffend schildert Haller Karl in seinem Gedicht, welches er im Dezember 1950 im Heimatbrief veröffentlichte, die Atmosphäre dieses Markttages. Ein paar Zeilen daraus, in denen auch zwei Schönfelder,,Versorger-Betriebe" erwähnt werden, sind hier auszugsweise wiedergegeben:
Woos woårån aff deån Moårk vårå Gwürch,
ålls haut sich dottn troffm,
u wöi oft is då Gräicha-Girch,
nåuch frischå Woå hamm gloffm.
Schouch u Schtiefl håouts sood geem,
vån Geaschtnå bis zå då,,Krone",
u mit Pantoffln woå dåneem,
då Schouståkoårl-Tone.
War dann endlich der Heilige Abend herangerückt, so ging es in den meisten Häusern an das Aufbauen der Weihnachtskrippe.
Die Form und Art der Krippen waren da sehr unterschiedlich. So gab es wel- che, die in die Stubenecke eingepaẞt waren. Andere wieder konnte man wie ein Bild an die Wand hängen oder auf eine Kommode stellen. Waren die einen, was Landschaft und Figuren betraf, fest fixiert, so gab es auch welche, die Jahr für Jahr immer wieder mit frischen Moospolstern neu gestaltet wer- den mußten. Die wenigste Mühe beim Aufstellen machten die Krippen im Glaskasten. Staubgeschützt und fest geleimt zeigten sie stets das gleiche Aus- sehen. Das Einheitliche an den Krippen war das Ripsöllamperl, dessen kleines Flämmchen fast ständig das Krippenställchen erhellte. Viele dieser
60
xxxxxxxxxxxxxx
Mittelteil einer großen Weihnachtskrippe (Länge 140 cm). Der gebaute Vordergrund geht hier nahtlos in den gemalten Hintergrund über. (Eine Arbeit von Brandl Albin.)
Weihnachtskrippen waren Schönfelder Handarbeit und nicht selten meh- rere Generationen alt.
Um die Jahrhundertwende stellte Georg Götzl (Nr. 334, unterhalb dem Kirchl) regelmäßig, in seiner mit Stroh ausgelegten Stube, seine große beweg- liche Grippe von Weihnachten bis Maria Lichtmeß zur Schau. Diese, von einem Uhrwerk angetriebene Krippe, nahm eine Längs- und Breitseite des Raumes ein. Für den Aufbau dieses Bastelkunstwerkes benötigte Götzl rund drei Wochen. 1907 wurde diese Krippe - zum Bedauern vieler Schönfelder - nach Einsiedl bei Petschau verkauft. Trotz zweimaliger, langer und ver- zweifelter Versuche brachte jedoch der neue Besitzer diese Krippe nicht wieder in Gang. So landete sie schließlich, in Kisten verpackt, auf dem Dach- boden des Eigentümers.
Bei der früher streng religiösen Bevölkerung wurde am Heiligabend tagsüber gefastet. Aber auch in den späteren Jahren gab es noch zahlreiche Familien, wo zu Mittag nur eine Wassersuppe auf den Tisch kam. Erst abends wurde nach einem gemeinsamen Gebet das Essen eingenommen. In sehr vielen Fa- milien bestand der Hauptgang dieser Mahlzeit, neben den flaumigen Hefn- Kniålån, aus jener Sauce, sprich Sooß, die uns Schönfeldern - und das muß ja auch einmal erwähnt werden - unseren Spitznamen einbrachte, nämlich der traditionellen Fischbröih!
Diese pikant-süße, aus Pfefferkuchen, Syrup, Rosinen, Mandeln und allerlei Gewürzen und Wurzelgemüse angerichtete und von den Kindern hoch- geschätzte Brühe war auch unter dem Namen Braunsaurå bekannt.
Als Fleischeinlage wurde aber nicht nur der Karpfen verwendet, der oftmals zu Fuß und bei Schneegestöber aus dem Nachbarort Petschau herbeige-
61
xxxxxxxxxxxxxx
schafft wurde; es konnte auch genausogut ein ordentliches Stück Rindfleisch oder gar ein Feldhase sein.
Zu den üblichen Nachspeisen gehörte meist ein Kompott aus getrockneten Zwetschgen oder Birnen (Huzlbiån).
Brauch war es, einen Apfel zu teilen, wobei das Zerschneiden eines Kernes auf einen Todesfall im engeren Kreis hindeutete. Auch das Knacken einer ,,tauben" Nuẞ wurde ähnlich ausgelegt.
Wer Vieh im Stall hatte, bedachte es an diesem Abend besonders gut.
In manchen Familien war es Brauch, alle Reste vom Tisch in der Tischdecke zusammengerafft in den Garten zu schaffen und unter den Obstbäumen zu verteilen. Man nannte es,,dem Zember Essen tragen gehen".
Nachdem die Kinder zu Bett gebracht waren, machten sich die Eltern oder großen Geschwister an das ,,Christbaum-Anziehen". Neben Glaskugeln, Kerzen und dem üblichen Lametta kamen auch noch allerlei Süßigkeiten und kleine rote Winteräpfel an den Baum. Einige Zuckerschaumstücke vom Gröicher Girch veredelten noch das Aussehen und den herrlichen Duft, der sich recht bald in der Stube verbreitete. Bald danach rüstete man sich zur Christmette, und wenn dann in der Kirche vom Gesangverein unter Orgel- begleitung das,,Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen wurde, war die Weih- nachtsstimmung vollends eingekehrt. Nach Beendigung der Mette strebte man dann, schön warm eingemummt, wieder seiner Behausung zu, wobei der Schnee bei jedem Schritt unter den Füßen knirschte.
Am Morgen des ersten Feiertages nahm jeder mit Freude seine Geschenke entgegen. Die Kinder besuchten oft noch die Verwandten, ob nicht auch dort das Christkind etwas für sie abgeladen hatte.
Überall wünschte man sich an diesem Tage,,Glückseelichå Feiåtooch".
An den restlichen Tagen bis zum Jahresende brachte mancher säumige Schuldner schnell noch seine Finanzen,,ins reine", denn es galt als Schande, das neue Jahr mit Schulden zu beginnen.
Silvester - auch der,,Alt Haalicha(b)nd" genannt - hatten dann die Gastwir- te noch einmal alle Hände voll zu tun, denn wer sich's nur irgendwie leisten konnte, traf sich zum Jahresausklang im geselligen Kreis im Wirtshaus. Meist kam dann auch vom Wirt die obligatorische Runde Punsch oder Kaiserbirn. Auch ein Glühwein wurde gern gereicht. Nicht selten wurde diese Runde vom Wirt mit einer kurzen Ansprache an seine Gäste eingeleitet.
Mit den bekannten Wünschen,,å glückseelich's Nais Gauah" oder,,å gsund's Nais Gauah" begann man das Neue Jahr.
62
xxxxxxxxxxxxxx
Die Streichergasse im prächtigen Winterkleid. Zu sehen auch die Mauer des ehemaligen Alten Friedhofes und der Glockenturm. Daneben Kirche und Schule. Zwischen der rechten Baumgruppe, schwach zu erkennen, das Rathaus.
Mit dem Jahreswechsel unzertrennlich verbunden waren der Nachtwachtå und der Schlaufeecha mit ihren bunten Jahreskalenderblättern, die sie an die Haushalte verteilten. Auch der Bröiftroochå brachte um diese Zeit sein Post- böicherl ins Haus, in dem neben den Postgebühren allerlei Kurzweiliges zu finden war. Zu diesem Kreis der Gratulanten gehörte ebenfalls der Schmackl Hans, unser Friedhofaufseher und Totengräber. Jedem dieser Männer war natürlich sein Trinkgeld sicher.
Vom Heiligabend bis hl. Dreikönig reichten die sogenannten Unternächte. Was in diesen Nächten geträumt, so hieß es, wird sich im kommenden Jahr bewahrheiten.
Am Nachmittag vor Dreikönig zog man scharenweise mit den verschieden- sten Gefäßen in die Kirche zur Weihwasserweihe. Auch Kreide wurde ge- weiht, mit der am Vorabend oder am Dreikönigstag selbst die Anfangsbuch- staben der heiligen drei Könige, C+M+B, an den oberen Teil aller Türen des Hauses geschrieben wurden.
In früheren Zeiten war auch das von drei Personen durchgeführte Drei- königssingen üblich. Dieser alte Brauch gehörte aber nach 1900 schon längst der Vergangenheit an, und wenn sich auch noch in den letzten Jahren vor
63
xxxxxxxxxxxxxx
unserer Vertreibung ab und zu mal eine Gruppe dieser Dreikönigssänger sehen und hören ließ, so waren das meist auswärtige Arbeitslose, denen es nicht darum ging, den alten Brauch lebendig zu halten, sondern auf diese Art und Weise einige Kronen zu verdienen.
―
Der Dreikönigstag war auch der Termin für das Zuckerbaumoramă. So man- ches mehrere Jahre alte, in buntes Stanniol verpackte Schokoladenstückchen wanderte dann wieder unberührt und inzwischen auch längst ungenieß- bar geworden - zurück in eine Schachtel, um beim nächsten Fest zur Baum- verschönerung erneut hervorgeholt zu werden. Behutsam wurden die Glas- kugeln in Seidenpapier eingeschlagen und die Zuckerbaumspitze mit äußer- ster Sorgfalt verpackt und verwahrt.
Nach dem Dreikönigstag ging es an die in vielen Familien zum Entkielen be- reitliegenden Gänsefedern, damit begann die Periode des Federnschlöißns und die Zeit der Federnschlöiẞstuben.
Am besten ist es, wir lassen hier wieder einmal unseren lieben Haller Karl zu Wort kommen, so schrieb er:
,,Manche erste Liebe trieb dort die ersten Triebe, und wie viele Ehepaare sollte es gegeben haben und heute noch geben, deren Zusammengehörigkeit in der Federschlöißstube besiegelt wurde. Nicht wenigen keuschen Back- fischen wurde dort beim Pölsterltanz trotz heftiger, meist aber nur schein- barer Abwehr, ihr erstes liebeentspringendes Schmatzerl auf die Lippen ge- drückt. Während des Federschlöißens wurde gesungen, wobei im Rundgang auch auf die schönen alten, meist vierzeiligen Tschumbaliedeln nicht verges- sen wurde.
Da fast in allen Federschlöißstuben ein wenig Musik vorhanden war, so wurde meistens nach 10 Uhr auch getanzt, daß alles wackelte. Da früher Tanzmeister und Tanzschulen bei uns so gut wie unbekannt waren, so lern- ten in der Regel Burschen und Mädchen das Tanzen in der Federschlöiß- stum.
Der Höhepunkt der Lustigkeit wurde aber erst erreicht, wenn nach mehre- ren Abenden fleißiger Arbeit die letzten Federn geschlissen und am Schluß das Federmannl gefeiert wurde."
Hier sei ergänzt: Das Federmannl bestand aus fünf bis zehn, kaum fingerlan- gen weichen Federn, die mit einem dünnen Faden zusammengehalten wur- den. Dieses kleine Federbündelchen wurde von der Hausfrau heimlich in die letzte Federportion, die als leichte weiße Wolke zum Schleißen auf den Tisch kam, eingebracht. Groß war dann das Hallo, wenn beim handvollen Wegnehmen das Federmannl seine Besitzerin fand.
64
xxxxxxxxxxxxxx
Aber lassen wir wieder Haller Karl zu Wort kommen:
,,Da ging es hoch her, denn der Grog erhitzte alle Gemüter, und nicht selten zuckte es der alten zum Haus gehörenden Großmutter in den Beinen und sie schleifte mit der Jugend ein Tänzchen. Es soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, daß sich in der Atmosphäre der Federschlöißstube so manches Ge- witter bildete, welches beim Heimgang, durch die oft von Eifersucht erfaß- ten Burschen, in einer ausgiebigen Drescherei zur Entladung kam. Aber auch bei den Mädchen schlug es öfters daheim, wegen zu langem Ausblei- ben, ein, denn die Eltern wußten nur zu gut, daß die Federschlöißstube auch Gefahren in sich birgt, durch die manches junge Mädchen vorzeitig mit den Zehen unter die Wiegenwalze oder Kinderwagenräder kam. Diese Gewitter taten aber der Federschlöißstube nicht den geringsten Abbruch, ja, sie erhöh- ten sogar die Romantik und reizten noch mehr, sich diese nicht entgehen zu lassen."
Bevor wir in den letzten Abschnitt, nämlich in die närrische Faschingszeit einsteigen, auch hier noch eine kleine Einflechtung.
Die Winterzeit wurde von etlichen Schönfeldern gern zum Koustl-Huln (Fichtenzapfen-Holen) genutzt. Die Zapfen, als Brennmaterial hervorragend geeignet, waren um diese Zeit in den Wäldern rings um Schönfeld reichlich zu finden, außerdem waren sie noch frisch und fest geschlossen und bean- spruchten daher für den Transport nur wenig Raum. Allerdings hatte ein mit Koustln gefüllter Sack ein beachtliches Gewicht. Je nach Wetterlage wurde die Fuhre per Handwagerl oder auch auf dem Schlitten nach Hause gebracht.
Bei der Erwähnung des Schlittens ist eine Bemerkung zu den Wintervergnü- gungen in Schönfeld unerläßlich. Das Wort Sport ist hier nicht angebracht, denn den Schifahrern, wie man sie bei uns daheim nannte, ging es damals noch nicht um 100stel Sekunden, sondern um das Vergnügen, in einer zügi- gen und geselligen Fahrt vom Turm aus übern Scheining und die Schreiwerl- wies in die Leiten zur Grundmühle zu gelangen. Gefahren wurde auf ein- fachen Buchen- oder Eschen-Schi, mit einer kompakten und sicheren Schweinslederbindung am Schuh, die selbst beim schwersten Sturz die Bretter nicht frei gaben. Trotz dieser - nach heutigem Stand - sträflichen Technik war nie von irgendwelchen Knochenbrüchen zu hören.
Die einfachste Art von Schi, oder besser gesagt, die Schi des kleinen Mannes, waren die Fasslbretter.
Auf gleicher Rangstufe lagen bei den Schlitten die Bredlrutschå. Letztere waren vornehmlich auf dem Hoffmann- und Zusabergl im Einsatz, wo auch ganz ohne Zubehör, nur auf Schusters Rappen getschienert wurde.
65
xxxxxxxxxxxxxx
B
Eine Winteraufnahme um 1910
aus der tiefverschneiten Lochnergasse.
Die Schlitten hingegen hatten ihre angestammte Bahn, die von der Streicher- gasse bis zum Marktplatz reichte. Aber so manche Schlittenbesatzung fand sich nach rasanter Fahrt und eventueller mangelhafter Kurventechnik kurz nach dem Passieren der Mautbrücke unfreiwillig am Sockel des Boatl-Beck- Hauses oder vorm Potherrn-Tor im Schnee wieder.
Nicht zu vergessen sind auch die emsigen Schlittschuhläufer. Sie waren fast überall zu Hause, wo der Schnee festgetreten und hart war. Auch hier wur- den unterschiedliche und oft auch antiquierte Modelle, wie die sogenannten Absatzreißer, gefahren, denn nicht jeder hatte eine Marke,,Eisvogel" am Schuh.
Aber alle, die im Ortsbereich die genannten Wintervergnügungen genossen, hatten Widersacher. Dies waren die aschestreuenden Hausbesitzer, die mit ihrem gutgemeinten Unfallschutz so manchen Ruschler zur Strecke brach- ten, und der Straußnaramå (Straßenaufseher), der schaufelweise sein Gräisch (Basaltsplit) wirkungsvoll und im gekonnten Schwung auf die Straße verteilte.
Schlittschuhläufer, die den mühevollen Weg durch knie- und bauchtiefen Schnee nicht scheuten, gingen diesen Gefahren aus dem Wege. Sie trafen sich am Andl-Teich und zogen dort dann ungehindert ihre Kreise, aber auch nur bis zu dem Tage, an dem per Handeissäge das Stangen-Natureis für die Bierniederlage Kern (Breid-Peppe) geschnitten wurde.
66
xxxxxxxxxxxxxx
Zwei Schönfelderinnen in ihren Faschingskostü- men, die den heimischen Zinnbergbau symbolisie- ren (1905).
FEIN-ZINN.
TEIN-ZIHN
Auf.
Kehren wir wieder zurück zu unserem Jahresablauf. Der zeitliche Reigen schließt sich nun langsam, denn wir stehen vor Maria Lichtmeß.,,Lichtmeß bei Tag eẞ", so hieß es immer, bedeutete auch das Ende der Weihnachtszeit. An diesem Tag wurden die Krippen abgebaut und sorgsam am Dachboden verstaut. Auch für die wenigen, bis dahin noch vorhandenen Zuckerbäume schlug die letzte Stunde.
Maria Lichtmeẞ wurde in den früheren Jahren stets als Feiertag begangen und der Höhepunkt der kirchlichen Feier war immer die Kerzenweihe, zu der auch der Bürgermeister mit den Stadträten, die alle ihre Kerzen trugen, per Zylinder in die Kirche marschierten.
Daß die der Lichtmeß folgende Zeit bis zum Ende des Faschings nicht nur die lustigste, sondern auch die verrückteste des Jahres war, ist ja hinlänglich bekannt. So fanden auch in dieser Zeit, trotz vieler schmaler Geldbeutel, zahlreiche gutbesuchte Veranstaltungen statt. Hierzu gehörten der Sänger-, Feuerwehr-, Turner- und Glöisser-Ball. Mitte der dreißiger Jahre kam noch der mit viel Pomp aufgezogene Chauffeur-Ball hinzu, zu dem sich die Teilnehmer auf Wunsch kostenlos fahren lassen konnten.
Vielen wird noch der nach alter Tradition am Faschingsmontag stattfin- dende Feuerwehrball in Erinnerung sein, der stets mit der beliebten Feuer- wehrpolka eröffnet wurde.
Am Samstag vorher fand schon der Turnerball statt, der allerdings seinen früher führenden Rang in den späteren Jahren an den,,Deutschen Jugend- bund Glöisser" abtreten mußte.
67
SCHONFELD
Die Bälle der Glöisser standen meist unter einem bestimmten Motto, wie z. B.,,Im weißen Rößl", wozu auch eine entsprechende Saaldekoration nicht fehlte. Selbst der bekannte Dirigent Baron Schoeneck aus Karlsbad wurde mit seiner Kapelle nach Schönfeld verpflichtet. Er musizierte unter dem Motto,,Das gibt's nur einmal, das kommt nicht wieder". Da war viel Wah- res dran, denn so eine Kapelle konnten sich die Glöisser auch nur einmal leisten.
Aber nun zum Fasching selbst. Für viele Schönfelder begann die Vorberei- tung zur Maschkerade beim Jordan Julius, bekannt unter dem Namen ,,Tschulle". Er konnte sozusagen als Verleiher Kleidung für Masken zur Ver- fügung stellen, die von China über den Orient, Indien, Afrika bis hin zur amerikanischen Prärie reichten.
Auch bei den Faschingsumzügen bildete Tschulle oft, damals noch als Jung- geselle, mit seiner Ziehharmonika die Spitze des Zuges.
Initiator der Faschingsumzüge war der Deutsche Jugendbund Glöisser unter seinem stets rührigen Obmann Josef Gareiß, genannt Gußn-Seff. Am Fa- schingsdienstag 1921 fand der erste Umzug unter der Devise,,Die Klingelfee", die vom Fuhrmann Beb dargestellt wurde, statt.
Diese Maschkårå-Züch wurden in den darauffolgenden Jahren zum festen Bestandteil und zugleich auch zum Höhepunkt des Schönfelder Fasching.
Die stets bestens organisierten und qualitativ guten Veranstaltungen lockten dermaßen viele Fremde aus Nah und Fern an, daß sich die Glöisser veranlaßt sahen, den Umzug auf Sonntag zu verlegen, um noch weiteren Interessierten die Teilnahme zu ermöglichen.
Natürlich beteiligten sich auch andere Vereine an diesen Umzügen. Die Vor- bereitungen, die sehr oft von Einzelgruppen vorgenommen wurden, began- nen meist schon Monate vorher unter strengster Geheimhaltung. So war es nicht selten, daß so manches Stodlfenster, hinter dem ein Wagen für den Faschingszug zurechtgemacht wurde, mit Säcken oder Decken verhängt war, um Neugierigen die Sicht zu verwehren.
Was wurde da gesägt, genagelt und gestrichen, und wie viele Bretter, Schwarten und Latten wanderten da in dieser vornärrischen Zeit aus den wenigen Sägewerken des Ortes zum Vorzugspreis oder gar umsonst in diese
Produktionsstätten.
Der Lohn für viele Stunden Arbeit war dann der Beifall der Zuschauer, denn nur die Besten erhielten einen Geldpreis, der jedoch kaum die Ausgaben deckte.
68
xxxxxxxxxxxxxx
Einer der Aktivsten beim Schönfelder Fa- sching war Jordan Julius (Åndl-Tschulle), hier als Pascha, mit schwarzem Diener, Haremsfrauen und Leibwächtern.
Seeräuber mit ihren weiblichen Gefangenen. Ein Wagen aus einem der traditionellen Fa- schingszüge in den Zwanziger Jahren. Diese Gruppe erhielt damals den ersten Preis zuge- sprochen.
Johann
DER SCHRECKEN DES MEERES
6
Marenholle A.Geler.
69
xxxxxxxxxxxxxx
Gerstner Gasthof.
Schönfeld im Sudefengau
Y
ISORD
70
xxxxxxxxxxxxxx
Bei den Umzügen wurde auch kassiert, so wurde z. B. einer der Reinerlöse für den Turmbau zur Verfügung gestellt.
1934 fand der letzte Faschingsumzug statt. Der Grund für die Einstellung, die den Glöissern bestimmt nicht leicht gefallen sein wird, war wohl in erster Linie die angespannte und kritische finanzielle Lage weiter Bevölke- rungskreise.
Neben dem großen Umzug fanden natürlich auch die üblichen Treiben im kleineren Rahmen statt. Am Faschingsdienstag, dem Namenstag aller Nar- ren, wurde die Maschkerade vom späten Nachmittag ab, in kleineren oder größeren Gruppen, bis in die späte Nacht hinein durchgeführt. Man zog un- ter Musikbegleitung vom Oberland bis zum Unterland, und kein Wirtshaus wurde dabei ausgelassen.
Diese Einkehrhäuser wurden auch von den Breznboum aufgesucht, die aus ihren Henklkörben frische knusprige Salzbrezn anboten.
An dieser Stelle sollen auch die Pfefferbusserlå erwähnt werden, ein daumen- kappengroßes Kleingebäck, welches aus einem leicht süßen und mehr oder weniger gepfefferten Schwarzmehlteig bestand. Die Pfefferbusserlå gab es nur in der Faschingszeit!
Während in anderen Orten der Fasching am Dienstag seinen Abschluß fand, wurde bei uns in Schönfeld, trotz wiederholter und energischer Mahnungen des Pfarrers, auch am Aschermittwoch nachmittag bis in die späte Nacht hinein noch Fasching gehalten, wozu sich meistens auch einige aus der näheren Umgebung einfanden, um im letzten Augenblick noch einen Drahrer zu machen, zu dem sie daheim keine Gelegenheit mehr hatten.
O
Der beliebteste Treffpunkt für die Aschermittwoch-Maschkerade war für viele bei,,då Åltn", gegenüber der Apotheke. Hier war an diesem Abend auch immer eine Animierdame engagiert, mit der recht oft getanzt wurde. Einige ließen an ihr aber auch ihre Wut über das bevorstehende Faschings- ende aus, und hätte sie nicht Stroh im Schädel und Leib gehabt, so hätte sie den Wirt bestimmt auf Schmerzensgeld verklagt.
Bei der Maschkerade am Aschermittwoch, die überwiegend aus männlichen Teilnehmern bestand, wurden häufig Laternen mitgetragen, mit denen der entschwundene Fasching gesucht wurde.
So wie am Aschermittwoch von vielen der entschwundene Fasching vergeb- lich und mit Bedauern gesucht wurde, so vergeblich und mit noch größerem Bedauern wurde von vielen am folgenden Tag das ihnen während der Faschingszeit entschwundene Geld gesucht.
71
xxxxxxxxxxxxxx
Schönfelder Gemarkung
Flurnamen
Über das zu Schönfeld gehörende Gebiet sind keine genauen Unterlagen greifbar. So entstand die vom Verfasser angefertigte Karte,,Gemarkung Schönfeld" nach einer Flurbeschreibung aus dem Jahre 1787 und der Flä- chendarstellung aus dem Jahre 1898 (siehe Einbandtasche).
Die angegebenen Nummern bei bestimmten Namen sind auf der genannten Karte an den betreffenden Stellen vermerkt.
Der Ortsried
11
-
—
Zohnergarten Wallischgarten
12 Pfarrfelder
13 Wasserhäusl
14
15
16
17
18
72
-
-
-
—
-
-
Spitalfelder Speckfelder
in der Trift (untere) am öden Teich
Kühbühl-Felder
in der Trift (obere)
alle südlich an Schönfeld
anschließenden Wiesen- und Feld-
stücke bis zum alten Friedhof trugen meist den Namen der jeweiligen Besitzer
z. B. Opl-Felder oder Schlatter-, Eckl-, Gerstner-Paint u. a.
72
xxxxxxxxxxxxxx
Der hohe Stein
Die Hub
33333
-
---
Fenkl-Pinge
Tischerhöfe
Sackdamm
(nur vorderer Teil)
Pinge
(nur Teil in Richtung Schönfeld)
die Hoål
(Halde unterhalb Kreuzzeche)
Kreuzzeche
Wilhelmschacht Mariahilf-Schacht
21
Weißer Hügel
31
22
das Gehäng
32
23
---
am kalten Brunnen
33
24
Breite Wiese
34
25
-
die Kalmruh
35
26
—
36
37
Muckengrund
27 am Hisserling
28 der Elm
29
-
-
-
Hundsknittla
Hoher Berg und Hundschacht
Stan Waldtl
38
Die Petschauer Höhe
51 bei den Statuen
―
52 auf der Läng
53
54
55
ཐ་
56 57
-
―
―
-
-
auf der Ochsenhut
die Lohe
Poschetz-Berg
Neuer Weg Tiefenbacher Weg
Neydeckera
41 - am langen Teich (früher Hofteich)
42
43
-
-
am Gericht
Hundert-Thaler-Wiese
am Rabensgrüner
Das Kintl-Beth
In Berg- und Steingröll
Krummer Fahrweg
71
-
den Seifen
73
LJNIN
72
-
die Wandelwiesen
-
im Herrnholz
74
75
am Guten Morgen
76
am Stollnacker
61
-
Brandhau
62 Schreiberl-Wiese
63
64
Bärenwald (Behrenwald) 65
―
- am Scheining
-
-
66
―
-
das Mayerische Mühlberg
in der Leithen
am langen Fahrweg
(führt durch 64-66)
73
xxxxxxxxxxxxxx
Der Belzen (Beltzen)
81
die Kothüll
82
das Filzeck
83
Obere Sandgrube
84
Alter Steinbruch
Teiche
01
02
03 04
-
333
-
—
Himmelteich
Beckn- und Kürschner-Franz-Teich
Åndl-Teich
Hainzenteich und Kasnapp
Sackdamm (vorderer Teil)
Alter- und Neuer Teich (Muckengrund-Teiche) Feuerwehrteich (am Kaunitz)
Markante Punkte
2 Hoher Stein
-
17 Kühbühl (Köihbl)
42
-
-
Gerichtsbäuml
51 die beiden Statuen
91
92
93
-
-
-
—
Turm am Steingröll
Rotheschützl und Waldandacht
Altes- und Neues Grabenhäusl Lohschuppen
94 Steinerne Marter
95
96
—
-
-
Friedhof (neuer)
der Mühlbergfelsen,
seiner Form wegen auch Pooloå(r)sch genannt.
74
xxxxxxxxxxxxxx
Weide
Ödland Teiche
Wiesen
Wald
Gebäude Gärten
Mr. M.-
WW
MI
Mar
Felder
Flächenaufteilung
Einen optischen Eindruck über die Flächenaufteilung der Schönfelder Ge- markung soll die obige Grafik vermitteln:
Hier die genauen Daten aus dem Jahre 1898. Sie blieben unverändert.
Bebaute Grundstücke.
8 ha
58 a
•
Gärten
7 ha
7 qm 33 qm
=
=
0,6% 0,5%
Wiesen
278 ha
28 a
23 qm
Felder
361 ha
46 a
22 qm
Wald
485 ha
16 a
9 qm
Weideland.
161 ha
48 a
Teiche
8 ha
2 a
36 qm
=
=
=
20,8 %
27,0%
36,3%
22 qm + 12,1%
=
Ödland
28 ha
12 a
58 qm
=
0,6%
2,1%
Gesamt
10 qm = ca. 13,4 km2
Im Jahre 1898 hatte Schönfeld 428 Häuser und 3271 Einwohner.
1338 ha
12 a
75
xxxxxxxxxxxxxx
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung 1722
www
1945
Die erste nachweisliche Volkszählung fand in Schönfeld 1722 statt. Aus den früheren Jahren sind weder überlieferte noch offizielle Daten bekannt. Die ersten Aufzeichnungen zu Geburten, Trauungen und Sterbefällen datieren aus dem Jahre 1584.
Einwohner
3000
2500
2000
1500
1000
1700
1750
1800
1850
1900
1950
Jahr
Die Grafik zeigt deutlich die Abnahme der Einwohnerzahl ab 1900 als Folge von Betriebsstillegungen (Abwanderung von Arbeiterfamilien)
76
xxxxxxxxxxxxxx
Nachfolgend die genauen Daten der Volkszählungen:
-
1722 1100 Einwohner 1808
1900 Einwohner 1840 2855 Einwohner
—
1849 2897 Einwohner
1852
-
2990 Einwohner
1921 2319 Einwohner
-
-
1869 3148 Einwohner 1895
--
3271 Einwohner
1898 3271 Einwohner 1900 3172 Einwohner
1910
2537 Einwohner
davon 2312 Deutsche
1930
-
2132 Einwohner
1935 1940
-
2132 Einwohner 1743 Einwohner
1945
1600 Einwohner
und
7 Tschechen
Dies war das Ergebnis der ersten,
vom tschechischen Staat
am 15.2. 1921 durchgeführten Volks- zählung.
davon 2079 Deutsche
16 Tschechen
37 Ausländer
Nach der religiösen Zugehörigkeit:
2093 Katholiken
33 Evangelische
1 Angehöriger der tschechoslowakischen Nationalkirche
2 Juden
3 Konfessionslose
Erste Volkszählung nach dem Anschluß an das Deutsche Reich. Geschätzt zum 1.5.45 -
――
Kriegsende
77
xxxxxxxxxxxxxx
Familiennamen
Nachstehend eine Übersicht über die in den letzten Jahren in unserem Ort vorkommenden Familiennamen:
Agler, Amstätter, Andres.
Bächer, Bachmann, Baier, Baronek, Barth, Bauer, Baumann, Becker, Bell- mann, Benker, Blaas, Blech, Blumer, Böhm, Brandl, Bräuer, Braun, Breitfel- der, Bröckl, Brückner.
Dengler, Dennl, Dietl, Dietz, Donnert, Dörfl, Dörfler, Dunger, Dutz.
Ebert, Eckl, Egerer, Ehm, Eibl, Erler, Ertl.
Feiler, Fenkl, Filsner, Fischbach, Fischer, Fleißner, Fliegl, Floth, Forster, Frank, Frisch, Fuhrmann, Funk, Fuß.
Gareiß, Garsch, Gebauer, Gebhart, Geier, Gerst, Gerstner, Gohaut, Götzl, Gräf, Graser, Grimm, Großbach, Grünes.
Habermann, Haberzeth, Haberzettl, Hackl, Hahm, Hahn, Halbritter, Haller, Hammerschmidt, Hanika, Heidl, Heinl, Heinz, Herget, Herold, Heß, Hetzer, Hochberger, Hoffmann, Hohler, Höll, Hönig, Honner, Hopf, Hopp, Horn, Horner, Hubana, Hubatschek, Hubl, Hüttl.
Jakob, Jasiewicz, Jeßl, John, Jordan, Judka.
Karner, Kauer, Keinhorst, Kempf, Kern, Keßler, Kettner, Klement, Klieber, Klötzl, Knaut, Knoll, Kohl, Kohler, Köhler, Kolbenschlag, Kotlan, Kraus, Kreutzer, Kriesch, Kugler, Kuhn, Künhackl, Kumpera, Kunz, Kunzmann. Lang, Langhammer, Langkammer, Latka, Lauterbacher, Lausmann, Leger, Lehrl, Leicht, Leistner, Lenk, Lep, Lindner, Lippert, Listner, Lochner, Lochschmidt, Lorenz, Löw, Lugner.
Maier, Mally, Maneth, Männl, Markl, Maronek, Meixner, Mießner, Moißl, Moser, Muchow, Mück, Müller.
Nadler, Nekola, Nowak.
Oehl, Opl, Oplustil, Oertl, Öser, Ott.
Paradeiser, Parth, Pensl, Peschka, Pesold, Peter, Pichl, Pirkner, Platzer, Pola- cek, Pöpperl, Pöschmann, Plötzl, Proprenter, Prosch, Purkl, Putz.
Raimann, Rau, Rauscher, Reichelt, Reif, Reinhold, Riedl, Rippl, Ristinger, Rödl, Rohm, Rohra, Roßmeißl, Roth, Ruppert, Rupperth, Russ, Ruß.
78
xxxxxxxxxxxxxx
Sammet, Sandig, Sattler, Schaffer, Schellhorn, Schiener, Schierer, Schimmer, Schlee, Schmidt, Schmiedl, Schmieger, Schöberl, Schödlbauer, Schömer, Schöner, Sehling, Seidl, Seyller, Simon, Söllner, Sorger, Spinner, Spitzl, Stark, Stecker, Steidl, Stich, Stiefl, Stingl, Stöckner, Stöhr, Stotz, Stowasser, Ströher. Tauber, Teuchner, Theisinger, Thiel, Tischer, Trötscher, Turini, Tyll.
Ullmann, Ulrich, Ullsberger, Unger, Unterstab, Urban.
Vedana, Vogl, Voigt, Völkl.
Wagner, Waworka, Weidl, Weinhart, Weiß, Weps, Wilfert, Windschügl, Winter, Wischnitzer, Wohner, Wolf, Wölfl, Würl.
Zachara, Zahn, Zeitler, Zettl, Zickler, Zimmerhackl, Zimmermann, Zintl, Zitterbarth, Zocher.
Am häufigsten war von den Familiennamen der Name,,Ruß" vertreten. Der älteste von ihnen mag der Name,,Zickler" gewesen sein, denn schon im Jahre 1500 wird in der Schönfelder Chronik ein Zickler aus dem Hause Nummer 264 (damals Zickler-Haus, zuletzt oberes Rau-Haus) erwähnt, der sich auf eine Pilgerfahrt nach Jerusalem, bzw. nach Rom begab. Allerdings war dieser älteste Familienname in den letzten Jahren nur mehr im Ver- zeichnis der Hausbesitzer von Schönfeld zu finden, denn der Eigentümer des Hauses Nummer 109, am Marktplatz, Alois Zickler, war beruflich als Musiker in Franzensbad.
Sonst sind noch als die ältesten Familien, die in Schönfeld ansässig und de- ren Familienstammbäume durch Jahrhunderte hindurch in den Pfarrmatri- ken zu verfolgen waren, anzusehen: Egerer, Fischer, Geier, Gareiß, Gebhart, Gerstner, Götzl, Hubl, Jordan, Kraus, Kugler, Kuhn, Lochner, Maier, Mieß- ner, Rau, Ruppert, Ströher, Theisinger, Vogl, Zimmerhackl.
Hausnamen
Wie in allen ländlichen Gegenden waren neben den Familiennamen auch sogenannte Hausnamen verbreitet, die im Verkehr der Ortsansässigen un- tereinander meist gebräuchlicher waren als die eigentlichen Familiennamen. Bei dem häufigen Vorkommen mancher Namen war es zur Unterscheidung der betreffenden Familien viel einfacher, den Hausnamen anzuwenden, um gleich und ohne Erklärungen und Umschweife darzutun, um welche Fami-
79
xxxxxxxxxxxxxx
lie unter vielen gleichen Familiennamen es sich handelte. Wenn etwa von einer Familie Gareiß die Rede gewesen wäre, hätte niemand gewußt, welche von den vielen gleichen Namens gemeint sei. Wurde aber der Hausname der betreffenden Familie genannt, also Guß, Brosl, Longer, Manahell, Hommer, Honnesnaz oder Sei/d/nweber, so wußte jedermann sofort, um welche Familie Gareiß es sich handelte.
Woher mögen nun die Hausnamen stammen, wie mögen sie entstanden sein? Darüber mag sich wohl schon mancher Gedanken gemacht haben. Ei- ne große Anzahl davon läßt sich erklären, aber für ebensoviele findet man keine Erklärung, keine Deutung. Ihre Entstehung mag bei manchen schon mehrere Generationen zurückliegen. - Im folgenden soll die Mehrzahl der in unserem Heimatorte verbreitet gewesenen Hausnamen, die den ältesten Schönfeldern noch alle geläufig und gut vertraut sind, angeführt werden und gleichzeitig soll, soweit dies möglich, eine Erklärung über ihre Herkunft ver- sucht werden.
Eine große Anzahl von Hausnamen geht auf den Beruf eines Vorfahren aus der Familie zurück: (In der Klammer ist dabei immer der Familienname an- geführt, meist auch die Hausnummer.) Gåßbeck (einige Familien Ruppert), Farber (Köhler 19), Naudler (die meisten Familien Herold und einige Kugler 23, 260), Hommer (Gareiß 24), Büttner (Simon 25 und einige Familien Fuhr- mann), Boder, Boderhuåf (Haus Nr. 26 - Franz Lochschmidt). Aus diesem Hause waren außer der Familie Fuhrmann, die im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hier wohnte, mehrere Magister der Chirurgie und der Heilkunde hervorgegangen, die man damals vom Mittelalter her noch vielfach als Bader (Boder) bezeichnete.
-
Das Schönfelder Heimatmuseum besaß das Original-Diplom des Josef Fuhr- mann, womit dieser in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts an der Karls- Universität in Prag zum Magister der Chirurgie promoviert war. Der Wund- arzt Franz Fuhrmann übte bis 1866 seine Praxis in Schönfeld aus. Das Geschlecht der Fuhrmann im Hause Nr. 26 war seit vielen Jahrzehnten aus- gestorben, aber die Bezeichnung,,Boder" und,,Boderhuåf" blieb trotz der anderen Inwohner erhalten. - Schousterkoårl (fast alle Familien Lorenz), Houhuåfschouster (Klieber 80), Wogner-Weber (Ruß 86), Buttermuå (Tyll 90), Buttermilch (Simon 172), Såmmet (Brandl 118, 121), Goårtnweber (die meisten Familien Stöckner), Schlosser (Ruß 154), Beutler (Reß 166), Seidenweber (Ga- reiß 175), Tambor (Kugler 381), Faktor, auch Såmmetherr (Zimmerhackl 199), - ein Vorfahre hatte eine Faktorei, d. h. eine Ausgabestelle für Heimarbeit. Schmiedgirsch (Hubl 220 und 229), Schmiedsteffl (Tyll 90, 96, 285), Wogner (Restauration Ruß 265 und 203), Hånsnbräuer (Hubl 91 und 268), Bauern- tischler (Zettl 336), Staudenschouster (Schmidt 300) Målåhouter (Ristinger 290),
80
xxxxxxxxxxxxxx
Bergmaster (Ruppert 384), Gromsteiger (Rau-Götzl 74), Walker (Ruß Josef und Franz).
=
Eine weitere Anzahl von Hausnamen sind ihrer Entstehung nach auf Vor- namen irgendwelcher Vorfahren zurückzuführen: Gåbråhell von Gabriel (Unger 27), Adlwert von Adalbert (Kuhn 28), Kåschper von Kaspar (einige Familien Mießner 32, 146, 176, 405), Gräicher von Gregor (einige Familien Ruß), Bålzer von Balthasar (Gebhart 75), Boårtl von Bartholomäus (Ruppert 107, 352), ebenso Battl (Seidl 303), Houtermåtz: Måtz von Mathias, Houter Hutmacher (Rau 161, 74), beim Måtzn (Reichelt 195), Michl von Michael (Reichelt-Zimmerhackl 196), Manahell von Emanuel (Gareiß 214), Brosl von Ambrosius (Gareiß 271), Engl von Engelbert (Stowasser 284), Matthes von Matthäus (Listner 366), Schan vom französischen Jan Johann (Ruß 418), Schoustermichl (Lorenz 437).
=
Einige Hausnamen mögen ihren Ursprung von früheren Familiennamen herleiten, die vielleicht einmal durch Einheirat in der Familie vorhanden wa- ren: Richter Girch, Pep (Götzl 16, 204, 382), Schaffer (Eckl 134), Gerstner-Wenl (Stowasser 222), Meinl (Geier 242, 388, 417), Stanl= Steinl (Roth 252, Bock (Ott 304, Lindner 257), Klupp-Beck (Tischer 321), Kober (Vogl 331), Sunna- leiter, wahrscheinlich von Sonnleitner (Schmieger Gusterl - Moiẞl 427).
Einige wenige Hausnamen geben die Herkunft der Vorfahren der betreffen- den Familien an: Neukirchner (Pensl 16), Berliner (Kuhn 122), Koburger (Rup- pert 235), Töifenbecher Tone (Hochberger 276), Kulmer (Riedl 365, Kaunitz), Gromhaisl Franz (157), Theising (Lochschmidt - Schiener 77).
Im vorigen Jahrhundert hieß es bei einer Familie beim ,,Himmelreich" (Himmelreich-Haus Nr. 271). Die Großmutter Haller Karls, die in diesem Haus aufwuchs, wurde daher auch allgemein nur die Himmelreich-Katl genannt.
Auf andere Weise lassen sich folgende Hausnamen erklären: Potherr (Hotel Potherr 108): Der Großvater des letzten Besitzers, Wenzl Roßmeißl, der Gast- wirt und Bürgermeister Anton Ruß, war 33mal zum Tauf- und Firmpaten bestellt worden. Außer seinen vielen,,Potboum" (Patenkindern) titulierte mit der Zeit ein Großteil der Bevölkerung ihn als Potherr. Dies veranlaßte Anton Ruß, seine Gaststätte,,Gasthaus zum Potherrn" zu nennen. Tischerhuåf (fast alle Familien Zimmerhackl), wahrscheinlich hieß der Hof ursprünglich Tischlerhof, da zur Zeit des 30jährigen Krieges, in welcher der Hof bereits er- wähnt wird, mehrere Zimmerhackl von Beruf Tischler waren, so auch der Tischlermeister und Ratsherr Zimmerhackl, der im Jahre 1677 die Schönfel- der Mutter-Gottes-Statue schuf. Långer, Långer Naz (Gareiß 116, 224), weil ei- nige Angehörige dieser Familie von außergewöhnlicher Körperlänge waren.
81
xxxxxxxxxxxxxx
//
‚Bå då Åltn” (Gasthaus Jordan 419). Diese Bezeichnung beruht eigentlich auf ihrem Gatten, den Altn Andl (Jordan), nach dessen Tode seiner Frau Anna Jordan, obwohl sie damals noch gar nicht alt war, dieser Name beigelegt wurde. Diese Bezeichnung blieb auch nach dem Tode der 91 Jahre alt ge- wordenen Wirtin üblich. Gabl (Kugler 51): Vielleicht haben die Vorfahren beim sogenannten Gablschacht auf der Hirtenpaint (Haus Nr. 395) gewohnt. Gabl wiederum scheint hergeleitet zu sein von Göpl, der zur Schachtanlage gehörte. Neintl (fast alle Familien Rödl): Auch dieser Hausname geht dem Vernehmen nach auf den Erzbergbau zurück. Neintl stammt von Neuntel. Ein Rödl aus dem Hause 208 auf der Neustadt kassierte von den Bergleuten die Versicherungsbeträge für die Bruderlade, die Vorläuferin der heutigen Knappschafts-Versicherung, ein. Die Beiträge betrugen ein Neuntel des jeweiligen Verdienstes. Mit der Zeit bezeichnete man den Kassierer Rödl sel- ber als Neuntel, und dieser Name vererbte sich, im Dialekt Neintl lautend, auf dessen Nachkommen. Windwah-Naz (Lochschmidt 306), weil sich im Winter vor seinem Haus gewaltige Schneewehen auftürmten. Baracken- tischler (Pichl 358 am Kaunitz), weil der Tischler Pichl während der Typhus- Epidemie 1905 als Krankenpfleger in den Krankenbaracken tätig war. Bernond (Garsch 411), er stammte aus der Umgebung von Eger, kam nach abgedienter Militärzeit in den achtziger Jahren als Schneidergeselle nach Schönfeld und gebrauchte in seinen häufigen Kapital-Räuschen sehr häufig den Ausspruch:,,miå san bernond", woraus ihm dieser Hausname erwuchs. Hausherr (Dennl 54) entstand dadurch, weil er vor Erwerb seines Hauses am Rathausturm wohnte und ihn die Rathausbeamten spaßhalber mit Hausherr titulierten, was sich verallgemeinerte.
Für einen großen Teil der Hausnamen ließen sich aber keine Anhaltspunkte für eine Erklärung finden. Solche Namen sind: Schattl (Hausnummer 15), Brichet (Leicht 22), Pul (die meisten Familien Ott), Konderer (einige Familien Müller 68, 114, 444), Oårl (Gareiß 72, 232), Rauthuås (eine Familie Kugler), Duckes (Spitzl 153, 366), Schårrer (Lorenz 155), Schwålm (Kugler 156), Böihm- naz (Mieẞner 162), Löimodl (Geier 173), Tscheischich (Kugler 188), Mutz (Kug- ler 191), Bacher (Kugler 376, 94, 233). Temes (Tyll 90), Koålong (Mießner 78), Quere (Hubl-Spengler 40), Måterer (einige Familien Lochschmidt 13, frü- here Besitzer des Gasthauses,,Zur Krone", 26, 211, 272, 306), Poschetz (Rup- pert 392), Andl (Jordan 401, 419), Kuderer (Gerstner 90), Klapperer (Hubl 404), Schnapper-Boum (Geier 201), Muckl (Lugner 146, 253), Nees (Gebhart 309), Guß (Gareiß 315), Streicher (Hahm 215, 277), Bebl (Gebhart 282), Bolon (Dennl 292), Rahm (Stöckner 295), Zellerer (Kugler 298).
Vielen der älteren Generation werden die meisten dieser Hausnamen noch gut vertraut klingen. Aber auch bei Jüngeren wird bestimmt noch der eine oder andere Name durch diese Aufzeichnung wieder wach gerufen.
82
xxxxxxxxxxxxxx
Hausnummern-Verzeichnis und Namen der Besitzer
(Stand: Mai 1945 - Die Nummern von Abrißstellen und Baugrundstücken sind nicht vermerkt)
Als Ergänzung liegt diesem Buch ein Gesamtplan von Schönfeld als Faltblatt bei. Um das Auffinden der Häuser auf dem Plan zu erleichtern, wird mit einem Kurzzeichen auf die Lage hingewiesen. Abseits liegende Gebäude wurden der nächstliegenden Straße oder Gasse zugeordnet.
Steht hinter der Hausnummer eine Klammer, so bedeutet dies, daß in die- sem Haus Landwirtschaft betrieben wurde. Auf diese Weise sind 116 Häu- ser registriert; man kann jedoch davon ausgehen, daß rund 200 Schönfelder Familien wenn auch teilweise nur im kleinsten Rahmen - Landbewirt- schaftung ausübten.
-
313
Bedeutung der Kurzzeichen neben den Hausnummern:
B = Butterscheibe, Damml
G
H
HU
=
-
K =
KG
L
LG
OL
UL
LK
M
=
=
=
=
-
=
=
Grabengasse (unterhalb Böhm)
Hauptstraße (unterhalb Marktplatz) Hub (unterhalb Kreuzzeche Kaunitz
Katzengrün
Lauterbacher Straße (oberhalb Markt)
Lange Gasse
Obere-Lange Gasse
Untere-Lange Gasse
Lochner-Kanzelisten-Kornellgasse
Marktplatz (bis Hofgasse)
N = Neustadt
S Staude
83
xxxxxxxxxxxxxx
L
1 Rathaus (Stadtgemeinde)
L
2
Pfarrei
L
3
Kirche
L
4
Neue Schule (Stadtgemeinde)
L
5)
Kern Josef, Bräuer
L
6
Ruppert Edw. u Ruß Willib.
M
8
Ruppert Anna
M
9)
Gerstner Franz, Gasthaus
M
10
Schmidt Willibald, Oberpostmann
M
11)
Eckl Wilhelm, Kaufmann
M
12
M
13
M
14)
M
15
M
16
Ristinger Rudolf, Porzellanmaler
Geier Josef, Gasthaus
Floth Willibald, Zinngießer
Kuhn Friederike
Stierhaus (Stadtgemeinde)
M
17
Ruẞ Anna und Erna, Modistin
M
18
M
19
Moiẞl Josef, Bäcker
Köhler Franz, Kaufmann
M
20)
Opl Anna (verehelichte Tyll)
M
21
M
M
M
Hubl Josef, Schneider
22) Leicht Paul, Landwirt
23 Herold Emil
24) Gareis Josef, Schmied
M
25) Simon Adolf, Tischler
M
M
M
M
26) Lochschmidt Franz, Textilhändler
27 Unger Johann, Schuhmacher
28) Kuhn Josef, Schuhmacher
29) Kohler Anna
M
30) Köhler Theresia
M
31 Rödl Karl, Bäcker
M 32 Lehrl Franz, Schuhmacher
M
34) Böhm Ludwig, Landwirt
M
35) Böhm Kosmas, Gastwirt
G
36
Köhler Willibald, Maurer
G
37
Götzl Franz, Zinngießer
G
38
Feiler Robert, Weber
G
39
Lochner Franz, Sparkassenbeamter
G
40
G
41
H 43
H 44
Rödl Eduard, Schuhmacher
Zintl Josef
Meixner Rosa
Listner Albin
H
45
Horner Josef, Elektromonteur
84
xxxxxxxxxxxxxx
G
46
Dennl Anton, Schneider
G
47
Turnverein (Turnplatz)
G
48
Geier Emil, Porzellanmaler
G
51
Kuhn Franz (Gabelhaus)
H
54)
Dennl Johann, Landwirt
H
55
Dunger Josef, Tischler
H
56)
Gohaut Josef
H
57
H
58)
H
59
Heẞ Anton
Schlee Karoline (Albin Gasthaus)
Ehm Theresia
G
61
Geyer Karl sen.
G
63
Lorenz Ignaz, Schuhmacher
G
65
Maier Adolf, Schuhmacher
G
66
Ruppert Franz (Poschetz)
G
67
Russ Anna (Bildhauer Russ)
G
68)
Müller Marie
G
69
Gerst Franz, Porzellanmaler
G
70
Mießner Franz und Lochner Karl
G
G
G
G
74
71 Jordan Julius, Schneider
72) Vogl Anna (Oårl)
73 Vogl Anna, Spitzenerzeugung
Götzl Anton, Porzellanmaler
G
75
Hochberger Hermine
G
76
Sorger Josef, Gastwirt
G
77
G
G
H
80
H
81
H
H
83
Schiener Franz, Fabrikarbeiter
78 Mießner Emil, Schuhmacher 79) Weinhart Willi
Rippl Josef, Wagner
Stowasser Anna
82) Lindner Oswald, Porzellanmaler
Ströher Josef und Anna, Händler
H
84
Ruẞ Johann, Kriegsinvalide
H
85
Dennl Valentine (Karlsbad)
H
86 Theisinger Berta
H
H
87) Zimmerhackl Josef
88 Ruß Oswald
H
89
H
90
Hopf Anna, Gemischtwarenhandlung Gerstner Karl sen.
H
H
H
91 Wagner Anton, Porzellanmaler 92) Fenkl Anton, Schuhmacher
93) Ott Johann, Schneider
H
94) Kugler Otto, Schuhmacher
85
xxxxxxxxxxxxxx
H
95)
Reichelt Georg jun., Landwirt
H
96
Tyll Franz, Uhrmacher
L
97
Herget Franz, Kellner
L
98
Stöckner Georg, Gemeindepolizist
L
100
Jordan Franz, Oberlehrer
L
101
Hubana Theresia
L
102
Zimmermann Josef, Textilhandlung
L
103
Dunger Rudolf, Kaufmann
L
104
Fuhrmann Josef, Spitzenerzeugung
Schöberl Josef, Schlosser
L
105
M 106
Spitzl Adolf und Geschwister Gräf Walter
M
107
Ruppert Josef, Bäcker
M
108
Roßmeißl Wenzel, Gasthaus
M
109
Zickler Alois, Musiker
M
110
Hubl Franz, Maurermeister
M 111
Geier Hans, Textilhandlung
M
112
M 113
Floth Josef, Zinngießer
Lochner Adolf
M 114) Müller Katharina, Konfektion
M 115) Zimmerhackl Anna
M
116
Gareiß Rudolf, Gasthaus
H
117
Honner Josef, Bäcker
H
118
Brandl Josef und Agnes
H
119
Oplustil Alfred, Kürschner
H 120
H 121)
H
122
H 123
Baier Marie und Anna
Brandl Johann, Schuhmacher Kuhn und Hahm, Zinngießer Beranek Katharina (Markl)
H 124) Ruppert Josef, Landwirt
H 125) Steidl Amalie, Gemüsehandlung
H 126 Fuhrmann Alois, Bäcker
H
127 Jaskywicz Theresia (Apotheke)
H
128 Spinner Bruno, Lebensmittel
86
H 129 Kempf Katharina
LG 130
LG 131
LG
132
LG
Böhm Anna, Näherin
Gebhart Anton
Fliegl/Bröckl, Zinngießer
133 Langkammer Josef, Schuhmacher
LG 134) Bellmann Anna
LG 135 Russ Marie (Bildhauer-Tochter) LG 136 Sandig Wenzel, Tischler
86
xxxxxxxxxxxxxx
LG 137) Dennl Ernst, Porzellanmaler
LG 138 Götzl Johann
LG 139
Köhler Franz, Maurer
LG 140)
Götzl Ignaz, Fuhrwerker
UL
142
UL 143
UL 144
UL 145)
Dunger Anna, Trafikantin Maier Josef (Altrohlau)
Schmidt Thaddäus, Schuhmacher Dennl Josef, Schuhmacher
UL 146
Frank Marie (Brumeisl)
UL 147
Kessler Berta, Gasthaus
UL 148 UL 149
UL 150
UL 151
UL 152
UL 153
UL 154
UL 155
UL
156
H 157
Schiener Josef, Schneider Götzl Paula (Weidlichhäusl) Gebhart Johanns Witwe Klement Frieda (Bäckerei) Stowasser Marie
Spitzl Anton, Schuhmacher Zimmerhackl Anna Lorenz Gottlieb
Kugler Norbert (Schwalmwertl) Zettl Karl, Tischler
Fliegl Gustav, Viehhändler
Schiener Franz und Ruppert Theresia Ott Anna
UL 158)
H 159)
Ott Franz, Zinngießer
H 160
Ruẞ Josef, Schmied
H 161
H 162
H
163
Stotz Johann, Porzellanmaler
H
164
Schiener Anna (Zahn)
H
165)
Fliegl Marie
OL 166
Schmiedl Johann, Schuhmacher
OL
167
OL
168
OL 169
Köhler Anton, Gemeindepolizist Schmiedl Josefa, (Schuhmacher) Kumpera Josef
OL 170 Langkammer Barbara (Glaßl)
OL 171
171 Lippert Wilhelm
OL 172 Hubl Marie
OL 173) Geier Eduard
OL 174) Schiener Anton, Rauchfangkehrer
Mießner Willibald, Schuhmacher
OL 176
OL 177
Eckl Hilde
OL 178
Winter Franz, Tischler
OL 179
Geier Max
KG
182
Lindner Johann, Porzellanmaler
87
xxxxxxxxxxxxxx
88
KG 183
Maronek Theresia
KG 184
Kugler Josef
KG
185
Kuhn Josef, Porzellanmaler
KG
187
Kugler Albert
KG 188
Hubl Marie
KG 189
Peter Josef, Bergmann
KG
190
Baier Johann, Porzellanmaler
OL
191
Köhler Josef, Porzellanbrenner
OL
192
Fliegl Anton, Fleischhauer
OL
193
OL 194)
Stöhr Theresia
OL
195
Schmiedl Barbara
Oplustil Willibald, Spengler
OL 196) Zimmerhackl Johann (Kaufladen) LG 197) Dennl Anton, Bäcker
LG
198 Dennl Walter (Sohn)
LG 199) Zimmerhackl Magdalena
LG 200 Hahn Andreas, Maurer
LG 202) Jordan Oswald, Textilkaufmann
LG 203 Ruß Konrad, Kaufmann
Kuhn Anton, Schuhmacher Tischer Anton, Schneider
LG
204
Götzl Julie
N
205
N 206
N
207
N 208)
N 209
N 210
Schmiedl Josef, Schuhmacher Schmieger Josef, Porzellanbrenner Kern Olga, Porzellanmalerei Spinner Egon
N 211) Lochschmidt Josef, Spengler
N 213) Fischer Emilie
N 214)
Herold Josef, Gastwirt
N 215 Hahm Anna
N
216
Spitzl Julius, Schuhmacher
N
218 Weidl Rudolf, Städtischer Angestellter
N 219
219 Geier Jósef, Weber
N 220) Rödl Franz, Schuhmacher
N 221
N 222
Dietz Josef, Porzellanmaler
Dennl Rudolf
N 223 Kotlan Wilhelm
N 224 Ruß Katharina (Schloppenhof)
N 226) Schmidt Anton, Heger
N 227) Fuhrmann Theresia und Meixner Bert.
N
228
Klaubauf Katharina und
N 229) Hubl Emma
88
xxxxxxxxxxxxxx
LK 232
LK
233
LK 234)
LK 235
N 230) Schiener Dolfi und Rudolf
L 231 Rathausstallung (Stadtgemeinde) Gareis Anna
Kugler Willibald, Gastwirt Rödl Oskar, Gastwirt
Ruppert Katharina
LK 236)
LK 237)
Hahm Anton, Fleischhauer Wilfert Georg
LK 238)
Kunz Edmund und Anna
LK 239)
Lochner Ignaz, Zinngießer
LK 240
Zachara Josef, Schriftsteller
Geier Karl's Erben, Tischler
LK 242)
LK 243 243
Kettner Theresia und Rosa
LK 244) Jessl Josef, Maurer
LK 246) Wilfert Erhard, Kaufmann LK 247 Wilfert Erhard, Kaufmann LK 248) Schiener Johann
LK 249
LK 251
Simon Adolf und Alfred
Lochner Paul, Zinngießer
LK 252) Purkl Johann, Kistentischler LK 253) Bauer Marie (Alis)
LK 254 Bauer Emil, Zimmermaler
LK 255) Steidl Anton, Schneider
LK 257)
Lindner Josef, Fuhrwerker
LK 258
Brandl Johann (Scheune)
LK
259
L 260)
L
262
L
263
Jordan Josef und Gusti Kugler Ernst, Textilwaren Rau Karl, Porzellanmalerei
Ott Norbert, Schneider
L 264 Rau Walburga, Porzellanmalerei L 265) Ruẞ Maria,,,Wogner-Gasthaus"
L
266 Weinhart Ernst, Gärtner
L 267) Ströher Aloisia
L 268) Hubl
L 270 Stöckner Willibald, Porzellanmaler L 271) Gareis Josef, Dosenerzeugung
S 272) Lochschmidt Marie (Måterer)
S 274
S 275
S 276
Heß Helene und Müller Hermine
Platzer Ernst, Zinngießer
Hochberger Anton, Schuhmacher
S 277 Hahm Anna
S 278) Hahn Willibald, Bäcker
89
xxxxxxxxxxxxxx
S 279) Schimmer Betty
S 281) Schiener Dominik, Schuhmacher S 282 Gebhart Ernst, Porzellanmaler S 284) Lochschmidt Theresia
K 285 Tyll Rudolf
K 286) Nadler Marie und Willi Paradeiser
K 287
K 288
S 289)
S 290
Dennl Johann, Postkutscher Paradeiser Rudolf, Schuhmacher Ristinger Franz (Målerhouter)
S 291) Kugler Emil, Schuhmacher
292 292
Gebauer Aloisia
S
S 293
Herold Anna (Elbogen)
S 294)
Schiener Agnes
S 295
Stöckner Franziska
S 296 Ruß Theresia
S 297)
S
298
298
S
299
299
Götzl Wilhelm, Zinngießer
Dutz Marie (Wäschemangel)
Stowasser Julie
S 300 Schimmer Betty
S 301) Schiener Willibald, Landwirt
Rödl Adolf, Schuhmacher
S 302)
S
303
Steidl Aloisia
S
304
304
Ott Paul, Tischler
S
305 Ott Wilhelm, Bergmann
S 306) Pöschmann Marie, Gemischtwaren
L
L
307 Schämer Anna, Gemischtwaren
309) Gebhart Josef, Fleischer/Landwirt L 310) Opl Johann, Gerber
L
L
L
311 Ruppert Heinrich, Stadtsekretär Lochschmidt Josef, Koch
312
313 Weinhart Emil (Köhler-Haus)
L 314)
Schlee Artur, Bäcker/Musiker Gareiß Anna (Guß)
L 315
L
316
Gareiß Anna (Guß)
L
317
Lochner Marie, Näherin
L
318
L 320)
L
321
L
323
L 324
L
329
Dennl Josef, Bäcker (Maier-Haus) Riedl Karl, Müller und Bäcker Tischer Marie
Rauscher Franz, Porzellanmaler Paradeiser Franz, Hausmeister Lorenz Marie
90
xxxxxxxxxxxxxx
L
330 Opl Johann, Gerber (Meinl-Haus) L 331) Vogl Alfred
L
333 Nähschule (Stadtgemeinde)
L
334
Fuhrmann Ernst, Tischler
L 335) Lorenz Katharina
L
336
Schiener Alois
B
337
Geier Dyonis
B
338) Lorenz Johann, Schuhmacher
B 339) Schiener Albin, Landwirt
B
340 Gerst Franz, Porzellanmaler
B
341) Fuhrmann Anna
B 342) Rödl Johann und Ernst, Frächter
B 343) Schimmer Adolf, Holzwollerzeugung
344 Schmiedl Anna
Schimmer Franz (Obere Mühle) Oeser Helene
B
B
345
B 346)
H 348
Ruß Rosa (früher Brettsäge)
OL 349)
Gräf Franz, Landwirt (Schießhütte)
HU 350) Erler Josef, Landwirt
HU 351
HU 352
Karner Emil
Stowasser Eduard
HU 353) Tischer Anton, Landwirt
HU 354) Hochberger Richard, Maurer
HU 355 Bellmann Julie
OL 356
Kumpera Karl
H 357
Paradeiser Josef
Nadler Willibald
K 358
HU 361) Kunzmann Anton, Händler
Fischbach Cilli
364 Jordan Anton, Gerber
365 Ruppert Anna
366 Listner Albin, Sattler
367 Zimmerhackl Franz, Fleischer/Gastwirt
LG
363
L
364
K
365
LG
H
G
HU
370
370
HU
372
H 373
373
M
374
368
368 Pöpperl Franz
Ruß Maria (Konderer-Haus)
Haberzeth Maria-Frieda
Rödl Josef und Julie (Kutscher) Stowasser Josef, Kaufmann
S 375 Kugler Anton
H
376
Langkammer Kathariena (Bacher)
G 377 Voigt Marie (Maronek)
HU
378 Peter Emma
91
xxxxxxxxxxxxxx
HU 379)
H 380
H
381
Vedana Hermine
Klieber Oswald und Edw. und Anna Bellmann Stowasser Friedrich und August
H
382
Götzl Georg, Fuhrwerker
G 383)
Schiener Marie (Schuster)
N
384
Spitzl Gustav und Paula
HU 385
Feiler Julius
H 386)
Feiler Eduard
K 387
H
388
H 389
Lindner Heinrich
Fischbach Josef und Geier Russ Alois d. Ältere (Zinngießer)
HU 390) Zimmerhackl Georg, Landwirt
L
391
H 392
S 394
H
396
H 398
LG
Alte Schule (Stadtgemeinde) Ruppert Franz Josef, Textil
Halbritter Alfred und Hans
Ruppert Franz jun., Gerber Egerländer Erzbergbau
399 Spinner Bruno-Alfred
H 401) Jordan Mina
K 402) Fenkl Erwin
L
403
403 Armenhaus,,Kirchl" (Stadtgemeinde)
LG 404 Lochner Oskar, Rumpelmacher H 405) Mießner Johann
LK 407 Schierer-Geschwister
H 408) Hammerschmidt Anton
OL 409 Fenderl's Erben
HU 410
410
LG 411
Sammet Philomene
Egerer Karl, Porzellanmaler
Schimmer Franz
B 412)
HU 413
Fenkl Aloisia
KG 414
Lochner Julius, Tischler
LK 416)
Lochner Josef, Zinngießer
N 417
Geier Franz, Porzellanmaler
H 418
Ruß Hans, Kaufmann
H
419
Jordan Franz, Gastwirt
H 420
Moser Josef, Textilhandlung
B
421
Tyll Josef
G
422
Hahn Johann, Briefträger
H 423
HU
92
Ruppert Franz, Gerber
424 Müller Josef, Holzwollerzg.
K 425 Ruppert Hermine HU 426) Ruß Marie (Gasthaus)
92
xxxxxxxxxxxxxx
K 427
LG 428
Moiẞl und Rohm, Straßenwärter Ruß Konrad
OL 429
Gräf Josef
OL 430
Hoffmann Anton, Zimmermeister
S 431)
Paradeiser Karl, Hausmeister
HU 432
Feiler Julius (Dreherei)
HU 433
Opl Franz, Zimmermann
HU 435)
Frau Reich geb. Geier
N 436
G 437
Fuhrmann und Schöberl Josef Lorenz Anna
H 438
B 439
HU
441
Feiler Julius (Massamühle)
Riedl Konrad, Musiker (Karlsbad) 440 Kunath Klara (Grabenhäusl) Schellhorn Josef (Töpferei) HU 442 Schellhorn Josef (Kutscherhaus) 443 Friedhofsgebäude (Stadtgemeinde) HU 444) Müller Christine (Bergmannsrast) Schmidt Willi, Oberpostmann (Villa) Egerländer Erzbergbau
H 445
H 446
K 447
Ruß Georg, Porzellanmaler
H 463
Vogl Josef (Hirtenpaint)
H 464
Peschka Amalia (Schmiede)
H
465
Tischer Anton, Schneider
H 466
Egerländer Erzbergbau
H 467
Egerländer Erzbergbau
K 468
Nadler Gustav, Händler
K 469
Reinhold Karl, Schuhmacher
K 470
Fliegl Franz und Albin
K 471
Schiener Emil, Porzellanmaler
K 472
Kempf Adolf (Hoher Stein)
M 473
Müller Josef, Fleischer
HU 474
Weps Antonia
H 475
Ruẞ Rosa (Brettsäge/Villa)
H 476
Samera (Karlsbad)
K 477
K 478
Opl Theresia
H 479
HU 480
H 481
H 482
Weinhart Willibald
Schöner Ernst, Stadtmonteur
Stich Marie und Josef (Perlmuttererzeugung) Klötzl Frieda (Lebensmittel)
Götzl Johann (alte Schraubenfabrik)
H 483
Dennl Anton's Erben, Bäcker
K 484
Weinhart Anton
93
xxxxxxxxxxxxxx
94
K 485
Feiler Johann
HU 486
L 487
488
H 489 H 490
H 491
H 492
H 493
H 494
H 495
S 496
B 497
H 498
K 499
HU
500
HU 501
Fenkl Albert, Schuhmacher Jordan Josef, Domvikär, Prag Fliegl Franz (Turmrestaurant) Götzl Johann (Hirtenpaint) Fuhrmann Franz, Schneider
11
SKR" Schraubenfabrik Weinhart Erwin, Kellner Kuhn Anton und Anna (Chodau) Schiener Eduard, Schneider Ruß Johann und Kamilla, Konditor Stowasser Josef (Engl/Staude) Stöckner Theresia (Förster) Ruẞ Margaretha (Hirtenpaint) Heinl Anton
Egerländer Erzbergbau (hinter der Kreuzzeche)
94
xxxxxxxxxxxxxx
Stadtverwaltung und Gemeindewesen
Das Rathaus
Mit großer Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, daß man nach der Stadtgründung im Jahre 1547 die Amtsgeschäfte in den Privatwohnun- gen der jeweiligen Stadtoberhäupter erledigte.
-
Aufzeichnungen zufolge wurde erst im Jahre 1601 in Schönfeld von Bergleu- ten ein Rathaus errichtet. Das Geld dafür es handelte sich um rund 900 Gulden- stammte vermutlich aus der Zunft- oder Knappschaftskasse. Jeder mithelfende Arbeiter erhielt damals einen Taglohn von fünf Kreuzern. Es war ein Fachwerkhaus, dessen verzierte Giebelseite zur Straße zeigte. Das Gebäude besaß ein Türmchen, in dem die Bergglocke hing, welche die Berg- leute rechtzeitig bei Schichtwechsel zur Arbeit rief. Angeblich war noch eine zweite Glocke, das sogenannte „Steuerglöckchen" vorhanden. Mit diesem wurden die Steuerpflichtigen gemahnt, zur Steuerzahlung zu erscheinen. Es ist bekannt, daß in der Ratsstube auf einem Querbalken folgende Inschrift angebracht war:
,,Richter an Gottes statt richt recht,
denn er ist der Richter und du bist nur sein Knecht."
Das Rathaus wurde am 7. Juli 1848, beim großen Brand, ein Raub der Flam- men. Wertvolle Urkunden gingen dabei mit verloren.
Trotz der zahlreich einlaufenden Spenden erfolgte erst vier Jahre später aufgrund der angespannten wirtschaftlichen und finanziellen Lage der Be- völkerung und auch der Stadtgemeinde am 22. Mai 1852, unter dem da- mals schon mehrere Jahre amtierenden Bürgermeister Johann Haller, mit kirchlicher Weihe, die Grundsteinlegung zum neuen Rathaus, welches rund 7000 Gulden gekostet haben soll. Im Oktober bezog man bereits die ersten fertiggestellten Räume.
95
xxxxxxxxxxxxxx
Im April 1854 erfolgte der Einbau der großen Turmuhr durch den Mechani- ker Johann Pichler aus Pilsen.
Die Kosten betrugen 287 Gulden, ohne das von der Gemeinde gelieferte Holz.
Vom Mai 1856 bis Oktober 1859 fanden im Rathaus Gottesdienste statt. Bis 1865 wurden außerdem zwei Räume für Schulzwecke genutzt. Nach Verlegung der Schulklassen wurden die dadurch im Erdgeschoß freiwerden- den Räume in eine Gaststätte, mit Wirtunterkunft, umgewandelt.
1871 entstand ein Nebengebäude als Stallung. Später erfolgte ein weiterer Anbau für die Unterbringung des Leichenwagens.
Im Rathaus waren folgende Räumlichkeiten vorhanden:
Erdgeschoß:
I. Obergeschoß:
Turmzimmer:
-
—
Postamt mit Dienstwohnung
Gaststätte mit Wirt-Wohnung (1865 bis Mitte der zwanziger Jahre) Städtische Sparkasse
Arrest
alle Räume der Stadtverwaltung Stadtbücherei
Städtisches Museum (vorübergehend)
Wohnraum für den Gemeindepolizisten bzw. -Diener
(von diesem Zimmer aus wurde per Seil die Glocke im Türmchen geläutet)
Im 1. Weltkrieg wurden die Glocken eingezogen. Am 11.7. 1925 montierte man das vom Deutschen Jugendbund,,Glöißer" der Stadtgemeinde gespen- dete Elf-Uhr-Glöckchen, auch Elfer-Glöckl genannt.
Es hatte die Bestimmung, um 11 Uhr mittags und 7 Uhr abends zu läuten, in Erinnerung an die vergangene Zeit der einst königlich freien Bergstadt Schönfeld.
-
Leider mußte auch dieses Glöckchen im II. Weltkrieg am 22.1.1942 abgeliefert werden.
Zu erwähnen ist noch ein über dem Rathauseingang angebrachtes Relief des Stadtwappens, eine Keramikarbeit des Schönfelder Bildhauers Willy Russ.
96
xxxxxxxxxxxxxx
Das Schönfelder Rathaus. Hoch am Turm der Baier-Spengler bei einer Dachreparatur. Noch deutlich zu sehen, das alte Katzenkopfpflaster der Straße nach Lauterbach.
Verwaltungsangestellte
Nach dem Anschluß an das Deutsche Reich, im Herbst 1938, wurden nach einer Überprüfung folgende Angestellte übernommen:
Ruppert Heinrich Weidl Rudolf
-
Bauer Willi
Funk
Schöner Ernst
Wagner Franz
-
-
Stadtsekretär Beamter Angestellter
Förster Elektriker Nachtpolizist
Neu eingestellt wurden als Gemeindediener Köhler Willi und Hochberger
Franz.
97
Wilhelm Lochner
xxxxxxxxxxxxxx
Durch die veränderte Situation auf dem sozialen Sektor (Familienunterhalt, Wirtschaftshilfe, Fürsorgeunterstützung) und die kriegsbedingten Rationie- rungsmaßnahmen (Einführung von: Lebensmittelkarten, auch Bezugs- scheine für Bekleidung und sonstige Bedarfsgüter) erfolgte ab Herbst 1939 eine Personalaufstockung. Es waren durchwegs Schönfelder, die für folgende Bereiche eingestellt wurden:
Verwaltung: Fuhrmann Hilde, Stiller Klara (Lehrling), Roßmeißl Ernst, Am- stätter Eduard (Einstellung als Gemeindediener erst nach Einberufung von Köhler und Hochberger).
Ernährungs- und Wirtschaftsamt: Lochschmidt (Hahn) Anna, Böhm Anna, Schmieger Gerda, Habermann Ilse (vorübergehend) und Hahm Franz (nach Einberufung von Köhler).
Anlagevermögen der Stadtgemeinde
-
-
—
-
---
—
-
-
-
—
-
-
-
--
Schulgebäude Nr. 4 (erbaut 1877/78)
Schulgebäude Nr. 391 erbaut 1821)
Glockenturm einschließlich Glocken (erbaut 1560)
Alter Friedhof und Parkanlage
Neuer Friedhof und Friedhofsgebäude (erbaut 1901)
Spritzenmagazin Nr. 21
Schlauchhäusl (an der Streichergasse)
Zona-Haus Nr. 333 - mit: Staatlicher Spitzenschule, Garage für Feuer-
spritze Nr. II, Mietwohnungen im Obergeschoß
Armenhaus Nr. 403 (als Kirchl bekannt, erbaut 1760)
Stierhaus Nr. 16
Schlachthaus (erbaut 1872, war 1946 noch in seinem Urzustand)
Waaghäusl und Brückenwaage am Marktplatz (erbaut 1912)
Städtische Wasserleitung mit oberem und unterem Bassin (angelegt 1906) Sandgrube am Weißen Hügel
500 ha Wald
- Pflanzschule
Vollständigkeitshalber sei hier noch der Leichenwagen erwähnt.
98
xxxxxxxxxxxxxx
Die Schlächtbänk", wie allgemein das längst abbruchreife alte schindelgedeckte Schlachthaus genannt wurde. Ein Teil dieses Gebäudes über- deckte den Flößgraben.
Zum Inventar der Stadtgemeinde gehörte vorübergehend auch ein PKW. Es handelte sich um ein Gebrauchtfahrzeug der Marke,,Praga". Das Fahrzeug wurde Anfang 1939 angekauft. Schoffiert wurde das Auto vom Köhler Willi, wobei zu vermerken ist, daß seine wichtigsten Fahrten nach Lauterbach gin- gen, denn von dort hat er so etliche Male, meist noch bei Nacht, die dringend erwartete Hebamme herbeigeschafft.
Das städtische Archiv
Ein geordnetes und registriertes Stadtarchiv existierte in Schönfeld erst ab dem Jahre 1930. Bis zu diesem Zeitpunkt schlummerten wertvolle Doku- mente und Schriftstücke in einem Schrank im Rathaus und auf dem Dachboden des Schulgebäudes. Unbeachtet, verschmutzt und fast schon vergessen.
Unser Pfarrer Enzmann förderte diese Unterlagen bei seinen Recherchen zu seiner Schönfeld-Chronik zutage. Mit großem Eifer machte er sich an die Sichtung und Ordnung des Materials. Nach Beendigung seiner mühevollen und zeitaufwendigen Arbeit konnte er dem Bürgermeister das Archiv über- geben, welches in einem kleinen Nebenzimmer der Amtskanzlei unter- gebracht wurde.
Ab 1938 war das Archiv ein Bestandteil des Heimatmuseums.
Das städtische Archiv war aufgrund der einstigen Bedeutung Schönfelds als königlich freie Bergstadt ziemlich reichhaltig. Zwar hatte der große Stadt- brand vom 7. Juli 1848 einen Großteil des historischen Schriftgutes vernich-
99
xxxxxxxxxxxxxx
tet, doch konnten noch 59 wichtige Urkunden und Privilegien - teilweise in Holzkapseln aufbewahrt - aus den Jahren 1341 bis 1842 gerettet werden. Diese waren alle in einer, vom Bürgermeisteramt beigestellten eisernen Kassette untergebracht.
Die älteste dieser Urkunden war die vom 30. November 1341, durch welche die Brüder Borso und Slavko von der Riesenburg ihren Leuten zu Schönfeld freies Erbrecht verliehen haben. Diese Urkunde, in lateinischer Sprache ab- gefaßt, war 1857 noch vorhanden. Das Original ging wahrscheinlich durch Ausleihung - verloren. Eine Abschrift blieb erhalten.
Von 1355 stammte ein weiteres wichtiges Original. Es war der Begabnus- brief, womit dem Ort das Gericht, die Zinnwag und die Zinngruben in Schön- feld auf den Petschauer Gründen verliehen wurden.
Ein anderes wichtiges Dokument aus jener Zeit war das Privilegium von Borso, Herr von Riesenburg, gegeben am St. Thomas-Tag 1380, mit welchem seinen Mannen und Frauen im Dorfe Schönfeld das,,Luditzer Recht" ver- liehen wurde.
Von größter Bedeutung in der Geschichte Schönfelds aber war die Urkunde vom 1. September 1547, mit der Schönfeld zur königlich freien Bergstadt ernannt wurde und ein eigenes Wappen erhielt.
Diese Urkunde, auf bestem Pergament verfaßt, mit einem mächtigen kaiser- lichen Siegel versehen, war für unser Schönfeld von großer Bedeutung. Es war damit in die Kategorie der k.k. Bergstädte und deren Gerechte und Gerechtsamen eingereiht. In dieser Eigenschaft wurden die Bergstädte in unmittelbare Unterordnung unter die böhmische Hofkammer gebracht. Die jahrhundertelange Zugehörigkeit zur Herrschaft Petschau hatte damit aufgehört.
Ein weiteres wertvolles Stück, ein Privilegienbuch von Kaiserin Maria- Theresia, in welchem die Kaiserin zu Anfang ihrer Regierungszeit (1740-1780) alle, von früheren Königen und Kaisern gegebenen Privilegien erneuerte und bestätigte.
Außerdem waren einige sogenannte,,Freiheitsbriefe" von Feldherren aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges vorhanden, durch welche Schönfeld von Militäreinquartierungen und Kriegszahlungen befreit sein sollte.
Schönfeld war, im Gegensatz zu vielen anderen Gemeindearchiven, im Be- sitz einer vollständigen Abschrift der,,Rolla" und des sogenannten Theresia- nischen Katasters.
Die Originale befinden sich im Landesarchiv in Prag.
100
xxxxxxxxxxxxxx
Vor dem Rathaus. Diese Aufnahme entstand kurz vor der Verbreiterung der Lauterbacher Straße und der Überdeckung des Flößgrabens, bei der die hier abgebildeten Kastanien und Sträucher entfernt wurden. (Rechts im Bild, Stadtsekretär Ruppert im Plausch mit Wachtmeister Strauß.)
Die nach den Verwüstungen des dreißigjährigen Krieges von der kaiser- lichen Regierung angeordnete Aufnahme der Gründstücke wurde als ,,Kataster von 1654" oder kurz als,,Rolla" bezeichnet.
Die Schönfelder Rolla ist datiert vom 15. September 1654. In ihr waren die Einwohner mit Vor- und Zunamen angegeben, ihre Beschäftigung, ihr Grundbesitz nach Tagwerken in Äckern und Wiesen, jene wieder nach Strich, Vierteln und Metzen. Auch der Viehbestand war angegeben.
Der Theresianische Kataster, datiert vom 22. August 1742, enthielt dieselben Angaben, dazu aber noch zahlreiche weitere Hinweise, so über die Art der Feldbestellung, über die Lage und Güte des landwirtschaftlichen Bodens, über Ertrag je Strich in den verschiedenen Bonitätsklassen, über die Anzahl der Handwerker, Bergleute und Taglöhner, über die Gehälter der Gemein- deangestellten und über die brauberechtigten Häuser.
Im Original vorhanden war auch das Josefinische Kataster von 1788. Hierin war Hopfenanbau in Schönfeld vermerkt, so am sogenannten Wallischgar- ten und auf der Eckl- und Gerstnerwiese.
101
xxxxxxxxxxxxxx
Die vorhandenen Stadtbücher begannen erst im 18. Jahrhundert. Hierzu ge- hörten Ratsprotokolle, ein Testamentbuch, Stadt- und Steuerrechnungen, ein Waisenbuch, Einreichungsprotokolle sowie die vollständigen Abschrif- ten der Heiratskontraktenbücher 1 und 2. Die Originale mußten, mit einigen anderen, 1850 an das Landesarchiv in Prag abgegeben werden.
Die Zunftarchivalien reichen bis in den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. Hierzu gehören ein Zunftbuch der Schuhmacher, die Innungsartikel der Fleischhauerzunft aus dem Jahre 1600, eine Konfirmation der Zunftartikel der Tischler und das gesamte Schriftengut der Zinngießer.
Außerdem enthielt das Archiv eine Unzahl von Akten, die sich aus dem Kontakt der Gemeinde Schönfeld mit der früheren Herrschaft Petschau, mit den Bergbehörden, mit kirchlichen Stellen und anderen Gemeinden ergaben.
Das älteste dieser Schriftstücke war datiert vom 29. April 1404. Darin war vermerkt, daß: Anna, Witwe nach Borso von der Riesenburg, Herrin auf Petschau, für die Kapelle St. Katharin in Schönfeld einen Altaristen (Kaplan) stiftete.
Einzelne Schreiben weisen darauf hin, daß sich Schönfeld wiederholte Male den Scharfrichter aus Eger für Hinrichtungen von Verbrechern ausborgte, da es ja bis 1751 die Hoch- und Halsgerichtsbarkeit über Leben und Tod hatte.
Aus zahlreichen Akten gehen Unstimmigkeiten hervor, die zu verschiede- nen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen immer wieder zwischen den beiden Bergstädten Schlaggenwald und Schönfeld auftauchten.
Der letzte Stand des Archives zeigte Unterlagen bis zur Zeit nach dem ersten Weltkrieg.
Steueraufkommen um 1900
Ein Auszug aus der Zeit um die Jahrhundertwende.
Im Jahre 1898 entrichtete Schönfeld an das Steueramt in Elbogen folgende Steuern:
102
xxxxxxxxxxxxxx
Grundstücks-Steuer. Gebäudeklassen-Steuer
Hauszins-Steuer
Gewerbesteuer
•
Einkommensteuer
• •
Gesamt
.1937 Gulden
22 Kreuzer
847 Gulden
•
40 Kreuzer
671 Gulden
58 Kreuzer
.1884 Gulden
12 Kreuzer
669 Gulden
21 Kreuzer
6030 Gulden
3 Kreuzer
(Hinzu kam hier noch der von der Gemeinde erhobene Umlagensatz.)
Bei der damaligen Einwohnerzahl von 3271 Seelen bezahlte Schönfeld pro Kopf und Jahr 2 Gulden 65 2 Kreuzer direkte Steuern.
Als Vergleich hierzu die Spitzenreiter der Steuerzahler im Elbogener Bezirk:
Neusattl 17304 Gulden Chodau 16867 Gulden
Elbogen 16 325 Gulden
Die geringste Steuer bezahlte damals die Dorfgemeinde Sponsl mit 360 Gulden.
1.000
103
xxxxxxxxxxxxxx
Republika Československá.
Cechoslovakische Republik.
Politický okres: Loket.
Polit. Bezirk: Elbogen.
Městský úřad v Schönfeldu
Das Bürgermeisteramt in Schönfeld
stvrzuje, že bestätigt, daß
5
lus ius
Povaha zaměstnání:
Železniční vrchní oficiál
Charakter oder Beschäftigung: Bahn-Oberoffizial
stáří: nar. dne: 16.brezna 1884
Alter: geb. am:
stay:
Stand:
16.Marz 1884
verheiratet.
Zenatu
v Schönfeldu
in Schönfeld
v Schönfeldu má domovské právo in Schönfeld das Heimatsrecht besigt
od
narozeny
předtím
jeit
Geburt
vorher
Schönfeld, dne 6.kvetná
1930
Schönfeld, am
6.fai
1930.
-
Eigenhändige Unter Partei
Vlastnoručni podpis strany:
Büres
Za městská úřad: Für das Bürgereleramt
Městská rada. Stadt at.
ShoL S
Franz Surveil
kmistr. – Bürgermeister.
Westbohren.
Meisterami
Br Borg
Ein Heimatschein · der Personalausweis von damals
ausgestellt 1930
von der Stadtgemeinde Schönfeld auf den Namen Julius Maier (Nr. 318- Dreifaltigkeit).
104
xxxxxxxxxxxxxx
Bürgermeister
Allgemeiner Überblick
Die nachfolgende namentliche Aufzählung der Stadtoberhäupter beginnt mit dem Jahre 1898. Ab diesem Zeitpunkt lag die Führung der Amtsgeschäfte bis 1919, also rund 20 Jahre lang, in den Händen eines Mannes, dessen Leistung wohl kaum von einem seiner Vorgänger erreicht wurde. Daß seine Nachfol- ger schon rein zeitlich nicht dazu in der Lage waren, besagt allein die Tat- sache, daß in den darauffolgenden Jahren, bis zu unserer Vertreibung, nicht weniger als 13 verschiedene Bürgermeister die Geschicke der Stadt lenkten. Aber nicht nur die oft sehr kurze Amtsdauer, sondern auch die politische Lage der deutschen Gemeinden unter der tschechischen Regierung wirkte sich in dieser Zeit erschwerend aus. Es fehlten die entsprechenden Kontakte und Einflüsse zu den maßgeblichen Regierungsstellen. In dieser Beziehung trat erst in den Jahren 1936 bis 1938 eine leichte Wende ein.
In die nachfolgende Amtsperiode fallen einige für Schönfeld nachteilige Maßnahmen, die vom damaligen Stadtoberhaupt widerspruchslos befolgt bzw. hingenommen wurden.
Nur noch zwei Schönfelder Bürger wurden danach für kurze Zeit mit der Führung der Stadtgeschäfte beauftragt.
Ab September 1945 verwalteten die Tschechen unseren Heimatort.
Norbert Rau (Besitzer der bekannten Porzellanmalerei Rau)
Seine Amtszeit als Bürgermeister reichte von 1898 bis 1919. In diesen mehr als 20 Jahren diente er der Stadtgemeinde in vorbildlicher Weise. Er versah seine Amtsgeschäfte auf eigenen Wunsch ehrenamtlich, und nicht selten verzichtete er großzügig zugunsten der Stadtgemeinde auch auf Aufwandent- schädigungen.
Durch seine Initiative wurden folgende Projekte und Einrichtungen durch- geführt und geschaffen (siehe auch Chronik 1898-1919):
Neuer Friedhof, Städtische Sparkasse, Eröffnung einer Apotheke, Hochquel- len-Wasserleitung, Anschluß an das Telefonnetz, Spitzenschule, und beson- ders hervorzuheben, die 1915 erfolgte Elektrifizierung der Stadt.
Die günstige Gelegenheit rechtzeitig erkannt, erwirkte er den Anschluß an das auf Kosten des österreichischen Kriegsministeriums für den Schönfelder
105
xxxxxxxxxxxxxx
Erzbergbau gelegte Stromnetz der Montanwerke in Unterreichenau. Dies ge- lang ihm unter derart günstigen Bedingungen, daß Schönfeld bis zum zwei- ten Weltkrieg einen enorm niedrigen Strompreis hatte. Dadurch profitierten nicht nur die heimischen Industrie-, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe, sondern auch die Schönfelder Bevölkerung. Außerdem flossen aus dem Bereich,,Elektrizität" beachtliche Summen in die Kasse der Stadtgemeinde. Neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister war Norbert Rau viele Jahre Kom- mandant des Militär-Veteranenvereins, Mitglied des Bezirksausschusses und des Bezirksschulrats. Er war ein starker Förderer aller örtlichen Vereine. Sein erfolgreiches Wirken fand selbst bei der Regierung in Wien hohe Aner- kennung. Für seine Verdienste verlieh im der damalige Kaiser Franz Josef den,,Orden des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone".
Norbert Rau wurde zu Lichtmeß 1922, unter großer Anteilnahme der Bevöl- kerung, von Trauergästen aus nah und fern zu Grabe geleitet.
Franz Ruß, auch Schlatter-Ruß genannt, Kaufmann
Er war der erste Bürgermeister in Schönfeld unter tschechischer Regierung. Ruß war einige Jahre vor dem ersten Weltkrieg Besitzer der Porzellanfabrik in Töppeles. In der durch politische und nationalistische Bewegungen unruhigen Zeit nach dem ersten Weltkrieg war er Vorsitzender des in Schön- feld, wie auch andernorts, gegründeten Soldatenrates.
Josef Muchow, Versicherungskaufmann (Staudengasse Nr. 274)
Zum Bürgermeister gewählt am 23.2. 1922. Muchow verstarb leider schon zwei Jahre später, am 28. 6. 1924, im frühen Alter von 41 Jahren, vermutlich an einem, aus dem ersten Weltkrieg stammenden Leiden.
Roman Kempf, Fleischermeister (Lange Gasse Nr. 129)
Seine Amtszeit reichte von 1924 bis 1926. Kempf war Mitglied der Schönfel- der Musik-Korporation. Auch war er längere Zeit Direktor des Theater- Dilettanten-Vereins und gleichzeitig erfolgreicher Darsteller in so manchen beliebten Theaterstücken auf der heimatlichen Bühne.
Er spielte die Zither und erfreute so manche Gesellschaft mit seinem Gesang.
Roman Kempf verstarb im August 1926, noch keine 50 Jahre alt.
106
xxxxxxxxxxxxxx
Josef Jordan, Besitzer einer Leimsiederei (Familienbetrieb, Nr. 401)
Bürgermeister in den Jahren 1926 bis 1928. Jordan war auch mehrere Jahre Obmann des Veteranen-Vereines.
Er verstarb noch in seinem Heimatort Schönfeld im Frühjahr 1946.
Franz Ruppert, Gerbereibesitzer (Hauptstraße Nr. 396)
Stadtoberhaupt in den Jahren 1928 bis 1933. Er war der älteste und auch längste unter seinen Brüdern, weswegen er auch der große Ruppert" ge- nannt wurde.
ff
Sein Herz gehörte dem deutschen Turnverein und dem deutschen Volkstum im allgemeinen. Er war viele Jahre Sprechwart des Turnvereins und später Ehrensprechwart. Seine zündenden und leidenschaftlichen Ansprachen werden noch vielen in Erinnerung geblieben sein.
Emil Vogl
Er wurde 1933 zum Bürgermeister gewählt. Der Bauplan zum Schönfelder Aussichtsturm trägt seine Unterschrift neben dem Amtsstempel der Stadtge- meinde. Seine Amtszeit war nur kurz, denn die gesamte Stadtvertretung wurde damals durch die tschechische Bezirksbehörde in Elbogen aufgelöst. Als Ersatz wurde auf Anordnung der Behörde eine Verwaltungskommission gebildet bzw. eingesetzt, an deren Spitze der Sägewerksbesitzer Emil Ruß stand.
Johann Stotz, Porzellanmalerei (Familienbetrieb)
Als Mitglied der Gewerbepartei wurde er zum Bürgermeiser gewählt.
Josef Köhler, (Lange Gasse Nr. 191)
Er war Vorsitzender der Verwaltungskommission bis zum Sommer 1936.
Dr. Erwin Roßmeißl, Rechtsantwalt
In Schönfeld geboren am 20. 6. 1903 (Marktplatz Nr. 108 - Hotel Potherr). Dr. Roßmeißl, ein überzeugter Sozialdemokrat, war Vorsitzender der Verwal- tungskommission vom Sommer 1936 bis Ende September 1938.
107
xxxxxxxxxxxxxx
Zum Zeitpunkt seiner Amtsübernahme soll die Stadtgemeinde stark ver- schuldet gewesen sein. Die Summe belief sich angeblich auf rund 70 000 Kč. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage - die Hälfte der Schönfelder Familien war unmittelbar von der allgemein herrschenden Arbeitslosigkeit betroffen - gelang es ihm, in den Folgejahren die Stadtfinanzen zu ordnen. Im Zusammenhang mit der starken Arbeitslosigkeit und der damit verbun- denen Notlage vieler Schönfelder, verfaßte er im Herbst 1936 einen Spen- denaufruf, der in einigen ausländischen Zeitungen erschien. Der Aufruf er- brachte Spendengelder in Höhe von rund 12 000 Kč. Unter anderem wurde davon im Rathaus eine Webstube eingerichtet.
Während seiner Amtszeit wurde das Stromnetz modernisiert und erweitert, ein Löschwasserteich am Kaunitz angelegt, die teilweise schadhafte Trink- wasserleitung ausgebessert und weiter ausgebaut und die Kultivierung des Weißen Hügels vorgenommen.
Ferner wurde ein deutscher Kindergarten eingerichtet und eine Schulküche eröffnet. In der Langen Gasse gab es eine Essenstelle für Arbeitslose (Nr. 135/Russ Willy).
Er war auch ein Förderer des Heimatmuseums.
Ende September 1938, noch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen, flüchtete Dr. Roßmeißl nach Prag. In Wien wurde er am 18. Dezember 1938 von der Gestapo verhaftet. Man legte ihm Kontakte zu führenden Sozial- demokraten und einige für die Blätter,,Volkswille" und,,Sozialdemokrat" 1938 verfaßte politische Artikel zur Last. Er wurde später wieder freigelassen und im August 1941 in Prag zur Schutzpolizei verpflichtet. Im Mai 1945 wurde Dr. Roẞmeißl von den Tschechen in Prag verhaftet und interniert. Im September gleichen Jahres gelang ihm die Flucht nach Deutschland.
Heinrich Ruppert, Stadtsekretär
wurde Anfang Oktober 1938 vom Ortskommandeur der deutschen Wehr- macht vorübergehend zum Bürgermeister ernannt, da diese Stelle zu diesem Zeitpunkt nicht besetzt war.
Josef Tauber (Nr. 12)
Als ehemaliger Ortsleiter der Sudetendeutschen Partei (SdP) wurde Tauber vom neuen deutschen Landrat in Elbogen zum Schönfelder Bürgermeister ernannt. Seine Tätigkeit war ehrenamtlich, da Schönfeld damals nur als mitt- lere Gemeinde galt. Tauber war gleichzeitig Angestellter des Landratsamtes in Elbogen, wo er jedoch nur halbtags arbeitete.
108
xxxxxxxxxxxxxx
Während seiner Amtszeit wurden folgende Projekte ausgeführt:
Bürgersteig und Bodenbefestigung auf der Winterseite des Marktplatzes, Modernisierung der beiden Schulgebäude, Neupflasterung der Straße nach Lauterbach im Abschnitt,,Mautbrücke/Gussn", dabei erhielten die an der Sommerseite gelegenen Häuser eine Kanalisation, Umgestaltung und Reno- vierung der Rathausräume, Bürgersteig von Geier (Textil) bis Porzellanmale- rei Rau, Kanalisierung und Pflasterung im Bereich Rathausgasse, Ausbau des Zohnerhauses.
Der vom Herbst 1938 bis zum Sommer 1939 durchgeführte Bau der Rabens- grüner Straße sowie die Überdeckung des Flößgrabens im Teilstück Schule/Untere Mühle wurde staatlicherseits angeordnet.
Neben der genannten Reihe von anzuerkennenden Projekten (es ist nicht be- kannt, inwieweit in diesem Zusammenhang eine staatliche Unterstützung erfolgte) fanden leider während der Amtszeit Taubers drei unerfreuliche Ereignisse statt, die damals von der Bürgerschaft stark verurteilt wurden. Es betrifft die Themen,,Postamt, Glockenablieferung und Erzbergbau". Haller Karl hat hierzu bereits in seinem Heimatbrief an alle Schönfelder" Nr. 4/1950 und Nr. 19/1953 - eine sehr scharfe Stellungnahme abgegeben. Dem damaligen Stadtoberhaupt - aber auch der damals mitbestimmenden NSDAP-Ortsleitung - wird darin vorgeworfen, daß sie sich in diesem Zu- sammenhang in keinster Weise im Interesse der Gemeinde eingesetzt hät- ten. Im Sinne einer korrekten Ortsgeschichtswiedergabe werden hier die betreffenden Kapitel angesprochen:
Nach über 70jährigem Bestehen wurde im Jahre 1940 das Postamt in Schönfeld zurückgestuft, es war damit nur noch eine Poststelle. Diese Entscheidung der Oberpostdirektion in Karlsbad wurde widerspruchslos hingenommen.
Ebenso verhielt es sich bei der Ablieferung der mittleren, 1592 gegosse- nen Glocke, wo ebenfalls kein Versuch zur Erhaltung des historisch wert- vollen Stückes unternommen wurde. Daß Eingaben mit entsprechendem Nachdruck erfolgreich sein konnten, bewies man in unserer Nachbar- stadt Schlaggenwald, dort durfte man eine fast gleichaltrige Glocke be- halten.
Ein schwerer Schlag für die Schönfelder Bergwerksgeschichte war die Hinnahme einer Firmung, die angeblich der Aktivität maßgeblicher Män- ner unseres Nachbarortes Schlaggenwald zuzuschreiben war, denn 1942, als das Schönfelder Bergwerk bereits der Firma Krupp unterstellt war, lautete die Firmenbezeichnung plötzlich,,Egerländer Erzbergbau-GmbH. Schlaggenwald".
109
xxxxxxxxxxxxxx
Soweit die Kurzbeschreibung dieser Angelegenheiten.
Mit dem Kriegsende war auch Bürgermeister Taubers Amtszeit abgelaufen. Er verstarb 1955 in Langen an einem Herzschlag.
Willi Bauer (Urheber dieses Heimatbuches)
Er wurde am 8.5.1945 von der damaligen US-Regierung vorübergehend zum Bürgermeister ernannt. Keine leichte Aufgabe in jenen Tagen, denn Schönfeld war zu dieser Zeit voll von Flüchtlingen und entwaffneten deut- schen Soldaten. Man schätzte den Verpflegestand auf über 5000 Personen.
Ernst Weinhart (Nr. 266)
Von der tschechischen Verwaltungskommission am 1.7.1945 eingesetzt. Seine Amtszeit dauerte ebenfalls nur zwei Monate. Danach übernahmen die Tschechen die Amtsgeschäfte.
Schönfelder Stadträte
Die Reihenfolge steht in keinem Zusammenhang mit der Amtsfolge, da hierzu keine Angaben vorliegen.
Die früheste Amtszeit in diesem Zusammenhang dürfte bis 1900 zurück- reichen.
Johann Köhler, Maurer (Nr. 30), Baurat nach dem ersten Weltkrieg.
Ernst Klement sen., Maurer (Nr. 29), war in der Gemeindevertretung und später Stadtrat.
Karl Fischer (Neustadt Nr. 213) gehörte bis Ende des ersten Weltkrieges viele Jahre hindurch der Gemeindevertretung und dem Stadtrat an.
Franz Hubl, Maurermeister (Marktplatz Nr. 110). Er war anfangs der zwanzi- ger Jahre längere Zeit als Waldrat tätig.
110
xxxxxxxxxxxxxx
Gustav Schmieger, Besitzer der Porzellanmalerei (Nr. 262), war einige Jahre Stadtratsmitglied.
Anton Ruß (Wogna), Gastwirt, Fleischer und Landwirt (Nr. 265). Fungierte län- gere Zeit als Baurat.
Josef Gareiß sen. und Josef Gareiß jun. (Brosl, Nr. 271) waren viele Jahre in der Gemeindevertretung als Stadträte für die Landwirtschaft tätig.
Adolf Rödl (Staudengasse Nr. 302) gehörte nach dem ersten Weltkrieg dem regierenden Soldatenrat und dem später folgenden Stadtrat an.
Paul Schmidt (Staudengasse Nr. 279) war längere Zeit Stadtrat. Er sprach auch in gewerblichen und landwirtschaftlichen Körperschaften ein gewich- tiges Wort.
Franz Hahm, Porzellanmaler (bekannt als Streicher Franz, Nr. 277 - Stauden- gasse). Neben seinem Amt als Stadtrat war er viele Jahre der Führer der so- zialistischen Bewegung in Schönfeld und als solcher ein guter Vertreter der armen Bevölkerungsschicht. Er stand ständig im schärfsten Kampf mit der bürgerlichen Mehrheit in der Gemeindevertretung.
Wilhelm Götzl, (Staudengasse Nr. 297) amtierte in der Gemeindevertretung und als Stadtrat. Er war Mitglied in mehreren Vereinen und stellvertretender Obmann bei der Feuerwehr und den Veteranen.
Josef Honner, Bäckermeister, (Nr. 117) hatte einige Jahre die Funktion des Waldrates.
Ignaz Ruß, Privatier (Buhl-Naz, Dennl-Schneider-Haus Nr. 46). Er war eben- falls eine Zeitlang Waldrat.
Anton Jordan sen., Gerbereibesitzer (Nr. 364), Mitglied der Stadtvertretung und über 30 Jahre lang Mitglied des städtischen Sparkassenausschusses, wo er zuweilen auch als Vorsitzender amtierte.
Hans Lorenz (Butterscheibe Nr. 338), Mitglied in der Gemeindevertretung und Stadtrat in den zwanziger- und dreißiger Jahren. Er war einer der rührig- sten Gemeindevertreter, wiederholt gewählt und auf unterschiedlichen Sektoren eingesetzt.
Karl Reinhold (Neukaunitz, Nr. 469). Als Vertreter der äußersten Linken gehörte er in den dreißiger Jahren der Gemeindevertretung an.
111
xxxxxxxxxxxxxx
Städtische Polizisten
Beginnen wir bei der Aufzählung der Ordnungshüter in Schönfeld bei dem allseits gut bekannten, noch den altösterreichischen Schleppsäbel tragenden Stöckner Georg, allgemein der Stöckner Girch genannt.
Ein Polizist mit Herz und schon aufgrund seiner rund 40jährigen Dienstzeit der populärste seines Amtes; gefürchtet von allen Schulbuben, deren Streiche nicht in seinen Rahmen paßten.
Besonders stark gefordert wurde er in den Jahren 1905 bis 1908. Hier hatte er es besonders mit einigen,,schwerzähmbaren" Graslitzern und Steierern zu tun. Hinzu kamen noch Italiener, Kroaten, Slowenen und Ungarn, die alle als Bergleute in unserem Ort wohnten. Gar oft galt es für ihn, in einer hitzi- gen und brodelnden Runde aufzuräumen.
Stöckner bewohnte während seiner Amtszeit mit seiner Frau ein Zimmer im Rathausturm. Zusammen mit seiner Frau betreute er die Amtsräume im Rathaus.
Als weitere Polizisten folgten nach ihm: Bellmann Karl, Bellmann Anton und Köhler Anton.
Gemeindediener waren: Hochberger Franz, Köhler Willi, Amtstätter Eduard und Fenkl Erwin.
Diesen Männern oblagen aber nicht nur Ordnungsaufgaben, sondern auch das daheim, bis in die letzten Jahre übliche,,Austrommeln". Hatte die Stadt- verwaltung ihren Bürgern eine oder gar mehrere Mitteilungen zu machen, so wurde der Gemeindepolizist oder Gemeindediener losgeschickt, die be- treffenden Nachrichten an bestimmten Plätzen des Ortes laut auszurufen. Die festgelegten Plätze, an denen der Ausrufer seine Bekanntmachung vom Blatt las, waren die gut verteilten Wasserpumpen des Ortes.
Für die Kinder war es immer wieder ein Ereignis, wenn der Ortspolizist unter leichtem Trommelwirbel durch den Ort ging, am Ausrufplatz dann sein Instrument noch etwas kräftiger bearbeitete, bevor er seine Mitteilung entfaltete und die Bevölkerung informierte, die gespannt und aufmerksam aus geöffneten Fenstern und Türen zuhörte. Entfernte sich dann der Aus- rufer wieder mit verhaltenem,,Taramm-Taramm", so hinterließ er meist, je nach Inhalt und Gewicht der Mitteilung, kleinere oder größere Personen- grüppchen, die das eben Vernommene ausführlich diskutierten.
Hier eine Nennung der Ausruf- bzw. Pumpenstellen, soweit aus der Erinne- rung noch möglich:
112
xxxxxxxxxxxxxx
Die,,Austrommlerstation" in der Kanzelistengasse mit dem Gasthaus,, Herberge".
Rathaus, Dreifaltigkeit, Fuhrmann (Butterscheibe), Nähschule, Brosl (Triftweg- anfang), Seidl (Staude), Leeb (Staude), Paradeiser (Kaunitz), Wilfert (Kanzelisten- gasse), Kotlan (Neustadt), Spinner (Neustadt), Fischbach (Lange Gasse), Dennl (Bäcker), Weidlich (Kaufladen), Ecce homo, Tischerhof (?), Schellhorn, Kreuz- zeche, Hirtenpaint, Roußn-Bergl, Kugler (Bacher), Turngarten, Köhler-Maurer (Hofgasse), Markl/Steidl, Schlachthaus und letzte Station beim hl. Florian am Marktplatz.
Nachtwächter
Die Rückschau beginnt hier in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Eine Zeit, in der es in unserer Heimatstadt noch keine elektrische Beleuchtung gab.
Der damalige Nachtwächter war Franz Lochschmidt, genannt Måterer (Stau- dengasse Nr. 306). Mit langsamen aber sicheren Schritten, das Leiterl geschul-
113
xxxxxxxxxxxxxx
tert und die große Petroleumkanne in der Hand, ging er von Laterne zu Laterne durch die Straßen und Gassen Schönfelds, um das für die Nacht- beleuchtung notwendige Petroleum nachzufüllen und die verruẞten Zylin- der zu putzen. Nachts machte er dann mit seinem vierbeinigen Begleiter seine obligatorischen Runden.
Lochschmidt war außerdem viele Jahre für das Stutzen der Kastanienbäume am Marktplatz zuständig.
Nach seinem Tode hatte Franz Wagner (Schuldiener) fast 20 Jahre lang den Nachtwächterposten in unserer Stadt inne. Auch er versah, genau wie sein Vorgänger, sehr pflichtbewußt seinen nächtlichen Dienst. Nur einmal, es be- traf die Nacht des 12. September 1938 (siehe auch Chronik), war sein Vor- gesetzter, der damalige Vorsitzende der Verwaltungskommission, Dr. Roß- meißl, mit seinem,,Bericht zur Nacht" nicht ganz einverstanden, denn er las zu seinem größten Erstaunen die Eintragung Wagners in dem damals geführ- ten Rapportbuch:,,Keine besonderen Ereignisse."
Dr. Roßmeißls Kommentar hierzu:,,Eine nächtliche Demonstration, eine flammende politische Ansprache am Dreifaltigkeitsplatz, eingeworfene Fen- sterscheiben beim,,Hotel Potherr" und der Familie Josef Wurzl in der Lan- gen Gasse, das alles sind für unseren guten Herrn Wagner keine besonderen Ereignisse.
"1
Es dürfte wohl jedem klar sein, daß in diesem Fall der Nachtwächter Wagner nur aus rein politischen Gründen ausnahmsweise mal,,beide Augen zu- drückte".
Der nachfolgende Nachtpolizist war Willi Mießner (Kaspar) aus der Langen Gasse Nr. 176). Mießner stand bis 1942 im Gemeindedienst. Ihm folgte ab 1943 Josef Hahm (Nr. 122), der den Nachtdienst bis zum Mai 1945 versah. Mit Hahm endet die Reihe der Männer, die Nacht für Nacht, bei Wind und Wetter, zuverlässig und aufmerksam ihre Aufgabe zum Schutz und Wohl der Bürger und der Stadtgemeinde wahrnahmen.
Schönfelder Waldung und Forstangestellte
Angaben aus dem Jahre 1898 zufolge, hatte die zur Schönfelder Gemarkung gehörende Waldfläche ein Ausmaß von rund 500 Hektar.
114
xxxxxxxxxxxxxx
Zur Waldaufsicht und Pflege beschäftigte die Gemeinde einen Waldaufseher bzw. Heger. Aus dem Jahre 1754 ist noch ein Angestellter namens Franz Jell- mann bekannt, der für seine Dienste jährlich acht Gulden und zwei Lachter Holz bekam.
Zu dieser Zeit besaßen noch folgende Bürger kleine Stücke Privatwald: Josef Dorschner, Josef Götzl, Franz Karl Feiler, Freytag'sche Erben, Nikolaus Fischer und der Aufseher Franz Jellmann.
Nach 1900 waren folgende Männer für die Waldbetreuung eingesetzt:
Anton Schmidt, bekannt als Hüåchå Tone, (Neustadt Nr. 226). Er übernahm dieses Amt von seinem Vater. Über 30 Jahre lang war Schmidt der Stadt- gemeinde ein umsichtiger und zuverlässiger Waldheger, bis zu seinem Ruhe- stand.
Ihm folgten noch auf diesem Posten: Anton Bellmann, Josef Funk (Förster), Leonhard Pöpperl (Forstwart aus Sangerberg) und nach Mai 1945 Josef Dietl, Waldheger und ehemaliger Angestellter beim Forstamt Elbogen. Dort zustän- dig für das Revier Krudum I.
Zum Kapitel Wald gehört auch ein kurzer Hinweis auf die Holzversteigerun- gen. Ein bekannter Treffpunkt zum Holz verlesitieren, wie es genannt wurde, war unter anderem am Kreuzungspunkt Wasserries/Langer Fahrweg und auf der Schreiberl-Wies.
Auch die,, Wåldweiwa" sollen hier nicht vergessen werden, die mit ihren Bucklkörben riesige Lasten Reisig nach Hause schleppten. Manchmal wan- derte auch verbotenerweise ein gutes Stück Holz mit in den Korb, was vom Waldaufseher streng geahndet wurde. Wie oft konnte man die Ärmsten sagen hören:,,Ogmarrt howå me wöi å Ochs, u mild/n Hüåcha-Tone ho-e uamdrafnauf a nuch ån gråußn Dischput ghått!"
Eine der schwersten Waldarbeiten war wohl unbestritten das Stöckgro/b/m. Aber nicht nur das Herausholen der starken Baumstümpfe mitsamt den Hauptwurzeln aus dem Erdreich war mühevoll, sondern auch das Zerklei- nern der oft stark verwachsenen Stöcke.
Br.83
115
xxxxxxxxxxxxxx
Staatliche
und städtische Einrichtungen
Gendarmerie
Laut Chronik wurde am 20. Mai 1850 in Schönfeld eine Gendarmeriestation eingerichtet.
Später wurde sie vermutlich nach Lauterbach/Stadt verlegt, denn es heißt, daß am 1. März 1917 der Gendarmerieposten von Lauterbach nach Schön- feld verlagert wurde.
Die Dienststelle, die sich bis zu unserer Vertreibung im Erdgeschoß der Pfarrei befand, war mit einem Oberwachtmeister und zwei Wachtmeistern besetzt.
Zum Schönfelder Gendarmeriebereich gehörten die beiden Gemeinden Lauterbach und Rabensgrün.
Postamt
In den früheren Jahren liefen alle Postsendungen Schönfelds über das Post- amt in Karlsbad. Erst im Jahre 1830 wurde in Schlaggenwald eine Postsam- melstelle eingerichtet, die auch Sendungen aus Schönfeld, Lauterbach und anderen Nachbarorten an das k.u.k. Postamt in Karlsbad weiterleitete. Von dort fuhr zweimal wöchentlich ein Postwagen nach Prag.
In einer Eingabe vom 26. März 1830 beschwerte sich der Schönfelder Magi- strat beim k.u.k. Postamt in Karlsbad über die Verzögerungen, die dabei auftraten.
116
xxxxxxxxxxxxxx
Der Postkutscher Dennl Johann mit seinem Gespann. Bei den Gepäckstücken Briefträger Hahn. Im Fenster die damalige Postmeisterin Mayer. Vor dem Rathauseingang die Postangestellte Kern Poldi (Mitte).
Nach Errichtung eines Postamtes in Elbogen lief die Post über die dortige Dienststelle. Überbracht wurde sie anfangs von einem Schlaggenwalder, später dann von einem eigenen Schönfelder Postboten, der - laut Erlaß vom 9. September 1831, z. 4967, der Oberpostverwaltung in Prag - gleichzeitig auch für unseren Nachbarort Lauterbach mit zuständig war. Der erste Schönfelder Postbote hieß Andreas Krautzberger.
Mit Eingabe vom 4. September 1847 wurde bei der Oberpostverwaltung in Prag um Einkartierung nach Schlaggenwald angesucht, da auch die Verbin- dung über Elbogen mit großen Zeitverlusten lief. Postsendungen aus Prag, die damals Mittwoch abends in Elbogen eingingen, wurden erst am Folgetag sortiert und erreichten erst am Sonntag per Postboten den Bestimmungsort. Am 1.9.1867 erhielt Schönfeld ein eigenes Postamt. Es wurde im Haus Nr. 100, gegenüber der Kirche, eingerichtet. Der Kaufmann Willi Schmidt war erster Postmeister. Schmidt erwarb 1875 das Haus Nr. 10 am Marktplatz (Winterseite), wohin auch das Postamt verlegt wurde.
Das Telegrafenamt erhielt seinen Anschluß am 1.9.1886.
Postmeister Schmidt verstarb 1899, sein Sohn Willi Schmidt trat als Admini- strator und Leiter des Postamtes die Nachfolge an.
Im Jahr 1906, wiederum am 1.9., erfolgte der Anschluß an das Telefonnetz.
117
xxxxxxxxxxxxxx
Und nochmals ist dieses Datum zu nennen, denn am gleichen Tag, nur fünf Jahre später, wurde Schmidt zum Postmeister ernannt. 1919 erfolgte seine Beförderung zum Oberpostmeister.
Da er unter der neuen tschechischen Regierung nicht gewillt war, die tsche- chische Sprache zu erlernen, schickte man ihn, kraft eines Gesetzes, welches den Abbau der deutschen Beamten vorsah, im Alter von 46 Jahren in den Ruhestand, obwohl man ihm behördlicherseits wiederholt Anerkennung für seine vorbildliche Amtsführung ausgesprochen hatte.
1928 wurde das Postamt in das Rathaus verlegt. Ab diesem Zeitpunkt amtierten bis 1938 nur noch tschechische Postmeister bzw. Postmeisterin- nen. Hier sind noch die Namen Frau Mayer und Frau Theresia Kettner be- kannt.
Nach dem Anschluß an das Deutsche Reich leitete Josef Fuhrmann das Post- amt in Schönfeld.
Durch Verfügung der Postdirektion Karlsbad wurde 1940 das Postamt zurückgestuft und war damit nur noch Poststelle.
Am 24. 1. 1942 verkehrte zum letzten Mal das Postauto - welches 1938 die Postkutsche abgelöst hatte - zwischen Karlsbad und Schönfeld. Der Grund: Allgemeiner Treibstoff- und Reifenmangel.
Die Postbeförderung, morgens und abends zum Bahnhof Schlaggenwald und mittags zum Bahnhof Petschau, übernahm anschließend Hans Müller (Grabengasse Nr. 68), er setzte seinen,,Hafermotor" ein, der das bekannte Steierwagl zog. Eine Zeitlang saß auch Zintl auf dem Kutschbock. In den früheren Jahren war Johann Dennl vom Kaunitz (Nr. 288) der Schönfelder Postkutscher.
Vor Dennl, also noch in der k.u.k. Zeit, befuhr ein Postillion aus Untertiefen- bach die Strecke Petschau-Schönfeld-Lauterbach. Er blies noch das traditio- nelle Posthorn.
Als Postangestellte
vor 1938
sind u. a. noch bekannt: Hambach (?) aus Lauterbach, Wenzl Glaubauf, Kern Poldi, sowie die Briefträger Karl Pensl, Hahn und der Tscheche Müller.
Nach dieser Zeit, also nach 1938, sind noch zu nennen: Hahm Frieda (verh. Rödl), Dennl Gertrud (verh. Zimmerhackl) und die Briefträger Ernst Rödl, Franz Mießner und Willi Pensl.
Es ist noch nachzuholen, daß neben Oberpostmeister Schmidt im Jahr 1925 auch der seit 1900 als Briefträger fungierende Pensl Karl - ebenfalls deut- scher Beamter - mit in den Ruhestand versetzt wurde. Pensl war damals 50
118
xxxxxxxxxxxxxx
11
-
Jahre alt und zu diesem Zeitpunkt bereits aktives Mitglied in mehreren Schönfelder Vereinen. Daß seine Verbannung in den Ruhestand - und das bei bester Gesundheit seine Vereinsleidenschaft noch förderte, war un- vermeidbar und eine logische Folge. Davon profitierten nicht nur der Gesang-, Kirchen-, Turn- und Kulturverein, sondern auch der Theater- Dilettanten-Verein, in dem er sogar eine Zeitlang Obmann war. Aber auch der Jugendbund Glöisser" und der Fremdenverkehrsverband schätzten seine Dienste als Mitglied. Als gelernter Porzellanmaler zeichnete er so man- che künstlerisch wertvolle Urkunde. Auch die Schrifttafeln mit den besinn- lichen Dichterversen, die wir hin und wieder auf Wanderungen in Schön- felds Umgebung antrafen, stammten aus seiner Hand. Beim Bau des Aus- sichtsturmes gehörte Pensl auch dem Verwaltungs- und Aufsichtsrat an. So wurde, dank eines Gesetzes - welches gegen deutsche Beamten gerichtet war für das Schönfelder Vereinsleben, auf Staatskosten, ein wertvoller Mann freigestellt.
-
SCHÖNE
BEI
22
7
ELD
PETSCHAL
SCHÖNFELD
18.4.
(EGERLAND)
Hoplf-hitler-P
42.12
Worte
Zwei Stempel des Schönfelder Postamtes aus den Jahren 1907 und 1942. Letzterer zeigt den Aussichtsturm, das Wahrzeichen unseres Heimatortes.
119
xxxxxxxxxxxxxx
Städtische Sparkasse in Schönfeld
Noch vor Gründung der Städtischen Sparkasse, am 1.4. 1902, bestand in Schönfeld bereits seit 1872 ein Spar- und Vorschußverein mit unbeschränk- ter Haftung. 1912 wurde dieser Verein aufgelöst.
Die Stadtgemeinde mußte bei Gründung der Städtischen Sparkasse einen besonderen Garantiefond in Höhe von 20000 Kronen hinterlegen. Die Ein- richtungskosten der Sparkasse, die aus der Stadtkasse beglichen wurden, betrugen damals 1974 Kronen.
Angestellt waren: Ein Direktor, ein Kassierer und ein Kanzleibeamter. Erster Leiter war Adolf Tyll (gestorben 1905 an Typhus).
Sein Nachfolger wurde Wilhelm Ruppert, der bis dahin Kassenverwalter des Spar- und Vorschußvereines Schönfeld war. Er amtierte als Direktor bis zu seinem Ableben im September 1940.
Nachfolger wurde sein langjähriger Stellvertreter Franz Lochner.
Der Kindergarten
Im Jahre 1936 beschloß der Ortsschulausschuß, einen Kindergarten einzu- richten. Ein geeigneter Raum fand sich hierfür im Erdgeschoß des Hauses Nr.6 (Edwin Ruppert, neben der Mautbrücke).
Erste Kindergärtnerin war die aus Karlsbad stammende Hildegard Schaffel- hofer. Sie wurde vermutlich 1940 von Fräulein John abgelöst, die die Kinderheimstätte bis 1945 betreute.
-
-
Die Stadtbücherei
Aufgrund einer Verordnung des Ministeriums für Schulwesen und Volks- struktur in Prag, die allen Gemeinden mit über 1000 Einwohnern zur Pflicht machte, innerhalb einer festgesetzten Frist eine öffentliche Bücherei einzu- richten, wurde am 31. 8. 1921 im Rathaus die Stadtbücherei eröffnet.
120
xxxxxxxxxxxxxx
In der Bücherei standen 1142 Bände zur Verfügung.
Erster Buchwart war der Schriftsteller Zachara aus der Kornellgasse.
Im Jahre 1935 fanden 1834 Ausleihungen statt. Die Leihgebühr pro Band und Woche betrug damals 20 Heller.
1940-41 wurde die Bücherei von Brandl Albin betreut. In diesem Zeitraum fand eine sogenannte,,Büchersäuberungsaktion" statt, die von zwei parteibe- auftragten Herren aus Falkenau vorgenommen wurde. Ein beachtlicher Teil der von den Einwohnern gern gelesenen Bücher wurde dabei eingezogen und durch NS-Literatur ersetzt. Diese fand jedoch im Leserkreis nicht das erhoffte Interesse, so daß die Ausleihungen stark zurückgingen.
Das Rathaus-Gasthaus
Im Jahre 1865 wurde im Erdgeschoß des Rathauses eine Gaststätte einge- richtet.
Ab dem Jahr 1904 sind uns noch folgende Gastwirtsnamen bekannt: Zim- merhackl Johann, Kempf Roman, Zimmerhackl Franz, Zimmerhackl Josef, Schmieger Josef und als letzter Dennl Johann.
Mitte der zwanziger Jahre wurde laut Stadtratbeschluß der Gaststätten- betrieb eingestellt und die Räume an den Staat vermietet.
Das Schönfelder Heimatmuseum
Von Josef Hubl
Schönfeld hätte auf Grund seiner Tradition als uralte, ehemals königlich freie Bergstadt längst ein Museum haben sollen. Wenngleich hie und da der Gedanke der Gründung eines Ortsmuseums erörtert wurde, so ließ doch das Fehlen einer geeigneten Räumlichkeit zur Unterbringung den Plan niemals zur Ausführung kommen. Unterdessen wanderte in den vergangenen Jahr- zehnten viel, manchmal recht wertvolles Gut durch Verkauf in andere Museen ab.
121
xxxxxxxxxxxxxx
Als zu Beginn der dreißiger Jahre, in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit, die Fremdenverkehrs-Kommission bemüht war, Schönfeld zu einem,,Sommer- frische-Ort" auszubauen, wurde unter anderem auch der Gedanke der Er- richtung eines Heimatmuseums wieder aufgegriffen. Doch erst im Jahre 1937 schien die Verwirklichung dieses Planes in greifbare Nähe zu rücken. Da war im Erdgeschoß des Rathauses die Wohnung der tschechischen Post- meisterin Mayerova durch deren Wegzug freigeworden, und der damalige Verwaltungskommissär der Stadtgemeinde, Dr. Erwin Roßmeißl, stellte diese zwei Räume für ein zu gründendes Museum bereitwilligst zur Verfügung, da er selbst ein in jeder Hinsicht eifriger Förderer der Bestrebungen der Fremdenverkehrs-Kommission war.
Dr. Roßmeiẞl trat damals mit der Bitte an Lehrer Josef Hubl heran, die Grün- dung eines Museums für Schönfeld in die Hand zu nehmen und durchzu- führen. Hubl sagte freudig zu, da es ihm selber ein lang gehegter Herzens- wunsch war, daß auch Schönfeld ein Museum haben sollte. Einen kleinen Grundstock an Museumsgut fand er in Form einiger Gegenstände aus der Vergangenheit Schönfelds vor, die Vikär Karl Enzmann gelegentlich der von der Fremdenverkehrs-Kommission im Jahre 1933 in den Räumen der Volks- schule durchgeführten Gewerbeschau so nebenbei der Bevölkerung gezeigt hatte. Es galt nun des weiteren, in ganz Schönfeld Haus für Haus nach geeig- neten Gegenständen durchzukämmen. Mit einer vorher angefertigten Haus- liste ausgerüstet, machte sich Hubl im Herbst 1937 auf den Weg und opferte nun den ganzen Winter über jede freie Stunde dieser seiner Aufgabe. Wider Erwarten war seiner Sammeltätigkeit ein weit größerer Erfolg beschieden, als er zu hoffen gewagt hatte.
Er erwarb Gegenstände entweder als Geschenk für das Museum oder als Leihgabe, d. h. der Gegenstand verblieb als Eigentum des bisherigen Besit- zers und wurde von diesem dem Museum zur Ausstellung zur Verfügung gestellt. Ein sehr wertvoller Beitrag war auch, daß Frau Anna Hanika die pri- vaten Sammlungen ihres verstorbenen Mannes an alten Zinn- und Porzellan- sachen als Leihgabe beisteuerte. Bereitwilligst stellte Verwaltungs-Kommis- sär Dr. Roßmeißl von Seiten der Gemeinde die zur Anschaffung einiger Vitrinen und Tische notwendigen Geldmittel zur Verfügung. So hatte Herr Lehrer Hubl im Sommer 1938 soviel an Gegenständen beisammen, daß das städtische Museum am 12. August 1938 im Rathaus eröffnet werden konnte. Als bald danach Direktor Karl Lochner nach Schönfeld kam, war er hocher- freut, daß endlich ein Heimatmuseum gegründet worden war, denn dies war viele Jahre lang auch sein Wunsch gewesen. Da er sich unterdessen ent- schlossen hatte, seinen ständigen Wohnsitz in seiner Vaterstadt zu nehmen, setzte er sich mit allem Eifer für die weitere Ausgestaltung des Museums ein.
122
xxxxxxxxxxxxxx
Er wandte sich an den ihm persönlich bekannten, in Schönfeld geborenen und in Wien lebenden Kunstmaler Augustin Roth mit der Bitte, ob dieser nicht mit der Überlassung eines seiner Gemälde zur Ausgestaltung des Schönfelder Museums beitragen wollte. Bald darauf kam von diesem die Mitteilung, daß er zwei seiner Jugendwerke, Lieblingswerke von ihm, die er oft schon hätte zu hohen Preisen verkaufen können, von denen er sich aber nicht trennen wollte, schicken werde, denn er wisse keinen würdigeren Platz für seine Lieblingswerke als das Museum seiner Vaterstadt. Die zwei großen Ölgemälde trafen auch bald ein.
Als zu Anfang 1939 die städtische Sparkasse die unteren Räume des Rathau- ses beziehen wollte, mußte das Museum seine Bestände in die im ersten Stock gelegene große Bürgermeisteramtskanzlei verlagern, und als später auch dieser Raum beim Ausbau des Rathauses für Zwecke des Bürgermei- steramtes freigemacht werden mußte, übersiedelte das Museum in den durch eine Zwischenwand in zwei Räume getrennten Saal im Gasthaus Ga- reiß (Guß), der vom Bürgermeister für diesen Zweck gemietet wurde. Ende 1944 kündigte jedoch Frau Gareiß die Miete, da sie die Räumlichkeiten für ihre Töchter benötigte. Nirgends fand sich ein Raum, der das Museum hätte aufnehmen können. Notgedrungen sah sich die Museumsverwaltung ge- zwungen, die Bestände in Kisten zu verpacken und diese so gut wie möglich in verschiedenen Häusern unterzubringen.
So geschah dies am Dachboden der Schule, im Laden des Hauses Hubana, im rückwärtigen Gewölbe des Parteihauses (Franz Hubl) und im Fleisch- gewölbe des Gasthauses Gareiß (Guß).
Dann kam das unglückselige Ende des Krieges. Die Tschechen durchschnüf- felten alles bis in die letzte Ecke, und so kamen sie eines Tages beim Öffnen einer Lade im Gewölbe des früheren Parteihauses auf alte Gewehre, die hier untergebracht waren. Halb triumphierend, ein verborgenes Waffenlager ent- deckt zu haben, halb entrüstet über die Verwegenheit der bösen Némci, wurde der Entdecker schließlich von einem Deutschen beruhigt, daß es sich um alte, gebrauchsunfähige Waffen handle, die dem städtischen Museum gehörten.
123
xxxxxxxxxxxxxx
Die wesentlichsten Museumswerte
Hervorgehoben sei, daß jeder Gegenstand, der im Schönfelder Heimat- museum zu sehen war, in irgendeiner Beziehung zu Schönfeld stand. Sei es, daß er in Schönfeld erzeugt, verwendet, gefunden oder zumindest im Besitze eines Schönfelders war.
Dokumente: Von höchstem dokumentarischen Wert waren die Original- Urkunden des städtischen Gemeindearchives, welches ein wertvoller histo- rischer Bestandteil des Gemeindemuseums war (siehe hierzu,,Städt. Archiv').
Ölgemälde: Von August Roth (geb. 19.6.1864 in Schönfeld Nr. 8):,,Der Wirtin Töchterlein", gemalt 1888,,,Bildnis meiner Mutter", 1889,,,Bildnis mei- nes Vaters", 1940. - Selbstbildnis des Bildhauers Karl Wilfert in Eger (Ehren- bürger von Schönfeld). Kleinere Gemälde von Dietz und unbekannten Malern.
—
Holzskulpturen: Mutter Gottes mit dem Jesuskinde, geschnitzt 1677 von Joh. And. Zimmerhackl (Ebenbild der ,,Gnadenreichen Mutter-Gottes" in der Kirche). Kunstvolle Marienfigur (angeblich aus der alten Kirche). Der heilige Florian. Jesus im Kerker.
Zunftwesen: Zunftlade der Bäcker 1658, der Zinngießer. 1660, der Fleisch- hacker, Meister-, Gesellen-, Lehrlings- oder Freisprechbücher, Meisterbriefe. Zunftsiegel, mehrere Bahrtücher der Fleischer 1610, der Bäcker, der Zinngie- ßer, der Schuhmacher. Zahlreiche Sargschilder, die an das Zunftbahrtuch an- gehängt wurden. Sargkreuz der Bergleute. Gesellen- oder Meisterstück eines Schuhmachers: ein Paar aus einem Wildlederbeutel angefertigte, genähte kleine Schuhe mit der Bezeichnung: David Scharff, 1644.
Handwerk: Zahlreiche Druckstöcke der früheren Färber. Alte, in Holz ge- schnitzte Backformen der Zuckerbäcker. Gewürzmörser und Gewürzsieb der Kaufleute. Wurstspritze der Fleischer. Bestandteile aus der Werkstatt eines Nadlers. Alter Webstuhl. Zinngießerrad. Viele alte Gußformen der Zinngießer: Gravierte Kruzifixe, Leuchter, Ampeln, Becher, Salzfässer, Tee- service bis zu Eẞbesteckformen der neueren Zeit.
Heimarbeit: Mehrere Glasrahmen mit Mustern aus der Anfangszeit der Spitzennäherei in Schönfeld (um 1856). Viele Vorlagen, Musterbriefe und fertige Muster der Perlnäherei, die in Schönfeld bis ungefähr 1910 sehr verbreitet war.
124
xxxxxxxxxxxxxx
Einrichtung und Hausrat: Kleiderschränke und Truhen im Egerländer Stil aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Eine große Holztruhe, früher als Archivlade im Pfarramt verwendet, reich mit Schnitzarbeiten verziert von Margarethe Gruberin 1671. Egerländer Geschirrschrank, Biedermaier- Kommode, mehrere alte Nähmaschinen mit Handbetrieb, Wandbilder mit Wachsfiguren, Porzellan-Transparente, verzierte Tonkrüge, alte Bügeleisen auch solche mit Holzkohlenfeuerung, Lichtputzscheren, alte Schreibzeuge, Haubenstöcke aus Holz und aus Ton.
Zinn, Porzellan, Glas: Zahlreiche Zinnteller, Schüsseln, Krüge, Becher, Löffel, Teeservice, teils in Schönfeld, teils in Schlaggenwald gegossen. Zahl- reiche Porzellanteller aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Heidinger- und Novotny-Teller. Wandteller, Porzellanfiguren. Nippsachen, Kristallglas- waren aus dem Nachlaß des Glasschleifers Beranek in Schönfeld.
Waffen: Mehrere alte Schützengewehre des früheren Schützenkorps. Son- stige alte Gewehre und Pistolen. Zahlreiche Säbel, einige davon angeblich im Filz gefunden. Lanzen und Nachtwächterspieße.
Fahnen: Die alten Fahnen der Turnfeuerwehr 1876, der freiwilligen Feuer- wehr, des deutschen Turnvereins, des Militär-Veteranenvereins 1911, die Fahnen der Jugendfeuerwehr und der Faulenzia.
Mineralien: Eine Sammlung der in Schönfeld vorkommenden wichtigsten Arten, meist erzhaltige Gesteine aus dem Bergwerk.
Bücher, Bilder: Viele alte Gebetbücher und andere Bücher, darunter das wertvolle alte Buch,,Flos campi" oder,,Maria, die schöne Feldblume". Das ist: Kurtz entworfener Ursprung der gnadenreichen Mutter-Gottes in der ur- alten königlichen und freyen Bergstadt Schönfeld im Königreich Böheim. Verfaßt durch Christof Adam Ernst A.A.L.L. et Philosophiae Magister et St. Theol. Baccalaureum und Pfarrer daselbst, erschienen 1727. Viele Bilder aus dem Vereins- und Genossenschaftsleben in Schönfeld.
Folgende Erinnerungsstücke an den in Schönfeld geborenen Kapellmeister und Komponisten Josef Labitzky: Ein großes Porträt Labitzkys, gedruckte Konzertprogramme und Eintrittskarten aus der Zeit seiner Konzerttätigkeit.
Eine Bilderchronik, angelegt als Ergänzung zur geschriebenen Gemein- dechronik, mit über 700 Lichtbildern, Ansichtskarten, sowie Aufnahmen von verschiedenen öffentlichen Anlässen.
125
xxxxxxxxxxxxxx
Im Mai 1946 wurden Lehrer Hubl und Karl Lochner eines Tages auf das Rat- haus vorgeladen. Dort wurde ihnen eröffnet, das Museum müsse unverzüg- lich wieder eingerichtet werden. Sie sollten bestimmen, wohin es kommen sollte: entweder in den Gußn-Saal oder in die Restauration Ruß, in welcher das ganze Erdgeschoß zur Verwendung stehen sollte. Sie entschieden sich für letztere, da diese Räumlichkeiten sämtlich gewölbt, also feuersicher wa- ren. Nun begannen sie, die Sachen wieder zusammenzuholen, auszupacken und sachgemäß aufzustellen. Frauen mußten beim Reinemachen helfen. Gleichzeitig erhielt Hubl den Auftrag, auch das Familienmuseum Roßmeißl dem städtischen Museum einzuverleiben.
Aus dem Bestand des Familienmuseums Roßmeißl wurden in das Schönfel- der Museum übernommen: Zahlreiche Schaukästen mit einer umfang- reichen Schmetterlings- und Käfersammlung. Modelle aller landwirtschaft- lichen Geräte, die zu einem Egerländer Bauernhof gehörten. Die einzelnen Stadien der Sensenerzeugung. Streichhölzererzeugung. Tisch aus Streich- holzschachteln. Schiffsmodell. Stilgerechte und kunstvolle große Weih- nachtskrippe. Kreuzigung Christi und andere Motive in Flaschen eingebaut. Eine große Anzahl weiterer Bastelarbeiten.
Sämtliche Gegenstände wurden in jahrelanger, mühevoller Bastelarbeit her- gestellt vom Fachlehrer Josef Roßmeißl in Königsberg an der Eger.
Nun waren alle drei Räume gespickt voll. Da an den Fenstern passende Vor- hänge angebracht und die Gänge zwischen den Tischen mit Teppichläufern belegt waren, die Stejskal in reichster Auswahl brachte, bot jetzt das Heimat- museum den Eindruck eines Schmuckkästchens. Lochner Karl mußte gerade während der Einrichtung aussiedeln. Sein Gepäck stand im Hof, und er wartete auf Rödl Ernst und Hans, die es ihm zur Kontrolle in das,,Gast- haus zur Kreuzzeche" bringen sollten. Aber sie kamen lange nicht. Wohl an die sechs- bis achtmal kam Lochner zu Ruß hinüber, um zu sehen, wie wir es weiter machten und noch Ratschläge zu geben. Er konnte sich kaum vom Schönfelder Museum trennen, das er mit aller Liebe und Hingabe eingerich- tet hatte und das nun leider in fremden Händen war.
Im Sommer 1946 mußte Hubl als Museumsverwalter noch des öfteren Füh- rungen für tschechische Besucher vornehmen. Erst wenige Tage vor seiner Aussiedlung (28. September) konnte er das Museum einem vom,,Narodni vybor" als Museumsleiter bestimmten Tschechen übergeben, der natürlich weder Interesse noch Verständnis für diese ihm völlig fremde Sache auf- brachte.
Im Jahre 1947 erfuhr Hubl dann durch einen Brief aus der Heimat, daß im Zuge der großen Manöver im Raume Schönfeld-Lauterbach, in deren Ver-
126
xxxxxxxxxxxxxx
lauf Lauterbach,,erobert" und zerstört wurde, unter anderem auch das Schlee-Wogner-Haus mit Militär belegt wurde. Infolgedessen mußte das Mu- seum aus der Restauration Ruß wieder heraus. Die wertvolleren Sachen wurden nach Elbogen überführt, das übrige Material ist wohl dem Verderb und dem Untergang geweiht.
So war dem Schönfelder Heimatmuseum während der kurzen Zeit seines Bestehens eine recht unruhevolle Zeit beschieden und es fiel schließlich, wie wir selber, die um Hab und Gut und Heimat beraubt, in ein großes Nichts hinausgestoßen wurden, dieser unheilvollsten aller Zeiten zum Opfer.
Die Hirthäuser
a
t m
11
Schönfeld
der Bergladt
ut
C
Hierzu gehört auch der sogenannte Hirtstall, der knapp um 1800 von der Gemeinde, in der Nähe der Hirtenpaint, erbaut wurde. Er diente zur Unter- bringung der gemeindeeigenen Stiere und der Kühe der Hirten.
Neben diesem Stallgebäude befindet sich das sogenannte Alte Hirthaus. Die- ses Haus (Nr. 165) war früher im Besitz der viehhaltenden und brauberech- tigten Bürgerschaft und diente dem Gemeindehirten, dem der Auf- und Ab- trieb des Viehes zur und von der Gemeindewiese oblag, als Wohnhaus. Auch waren schon zu dieser Zeit die Stiere mit in diesem Gebäude unter- gebracht.
Ferner diente dieses Haus auch als Spital für vorübergehende Unterbringung armer fremder Kranker, wie es in der Zeit der Handwerksburschen und Überlandziehender oft notwendig war.
127
xxxxxxxxxxxxxx
Von der Eigenschaft des Hauses als Spital dürfte auch der sogenannte Spital- weg seinen Namen haben.
Viele Versuche der viehhaltenden und brauberechtigten Bürgerschaft, die Kosten, die mit dem Hirtendienst, des Hirthauses und der Stierhaltung ver- bunden waren, der Gemeinde aufzubürden, führten nach einem langen Bemühen seit 1836 im November 1872 endlich zum Erfolg.
Wie aus dieser Zeitdauer zu ersehen, wieherte schon damals ganz laut der nie erlahmende Amtsschimmel.
Hierbei ist noch zu erwähnen, daß das gesamte, an das k.k. Kreisamt El- bogen eingereichte Aktenpaket,,Veräußerung der Hirtenfelder" elf Jahre unerledigt dahinschlummerte.
Hier die wortgetreue Beschlußfassung aus der Sitzung der Stadtvertretung vom 1. Oktober 1872:
Sämtliche anwesenden Gemeindevertreter - mit einer einzigen Ausnahme - stimmen für die Übernahme der Stierhaltung durch die Gemeinde, unter Vorbe- halt einer auszumittelnden Entschädigung für die drei Stiere und Utensilien. Aus einer rationellen Bewirtschaftung der bisher zur Stierhaltung benützten Gründe und aus der Verpachtung der disponibel werdenden Gemeindegründe versprechen sich die Vertreter erhöhte Einnahmen für die Gemeindekassa."
Am 1. November verfaßte man das Protokoll für die Übernahme mit folgen-
dem Inhalt:
,,Die Stadtgemeinde übernimmt die vorhandenen drei Stiere und alle Utensilien in das volle Eigentum der Gemeinde um den Preis von 325 Gulden, ab Martini 1872. Der Betrag wird in drei Jahresraten an die Braukasse bezahlt."
Damit übernahm die Gemeinde gleichzeitig Felder im Ausmaß von 3 Joch, 1386 Quadratklafter und Wiesen mit 6 Joch, 1540 Klafter. Das Gemein- schaftsweiden und somit auch der Hirtendienst wurden aufgelassen, und anstelle des Hirten wurde ein Stierwärter eingesetzt.
Um 1920 verkaufte die Gemeinde die altersschwachen Gebäude und er- warb dafür das Hirthaus (Nr. 16), gegenüber der Schlachtbank.
128
xxxxxxxxxxxxxx
Gesundheitswesen in Schönfeld
Ärzte
1654 wird ein Arzt namens Hieronymus Liftner genannt. Vor 1800 war der Chirurg Josef Fuhrmann in unserem Heimatort tätig. Aus dem Jahr 1809 ist ein Franz Fuhrmann bekannt. Ein Dr. Josef Fuhrmann ist in der Zeit von 1840-1844 registriert. Ihm folgte der Wundarzt Franz Fuhrmann, dieser übte seine Tätigkeit bis 1866 aus. Es ist anzunehmen, daß hier jeweils die Arzt- praxis vom Vater zum Sohn wechselte.
In den Folgejahren praktizierten noch die nachstehend aufgeführten Ärzte in unserem Heimatort:
Franz Klug, Johann Stich, Dr. Moritz Lang, Dr. Norbert Spinner, Johann Weber, Dr. Gustav Hoffer, Dr. Ascher, Dr. Fockschaner, Dr. Uhlir, Dr. Sausgruber, Dr. Hanff, Dr. Gottlieb Pollak und Dr. Adolf Polacek.
Dr. Gottlieb Pollak hatte seine Praxis im Haus Nr. 264 (Dreifaltigkeitsplatz). Er war jüdischen Glaubens und als Arzt von der Bevölkerung sehr geschätzt. Er verstarb am 29. November 1936.
Am 1. September 1937 eröffnete Dr. Adolf Polacek aus Karlsbad seine Praxis (Spinner-Haus Nr. 209, Neustadt). Er war ein vertrauensvoller und guter Arzt mit einem sehr hohen Beliebtheitsgrad. Dr. Polacek praktizierte bis Ende 1946 in Schönfeld.
Als Zahnarzt ist Werner Stingl zu nennen (Haus Nr. 80, Rippl-Wagner). Von 1936-1946 half er so manchem Schönfelder Bürger bei den bekanntesten aller Schmerzen, dem,,Zuå(n/wäih".
In früheren Jahren griff auch der,,Hüåchå-Tone" (Schmidt, Neustadt) ab und zu mal zur Zange; daß es dabei etwas rustikaler zuging als in Stingls Praxis bedarf wohl keines besonderen Hinweises.
129
xxxxxxxxxxxxxx
Geburtshelferinnen norbent nsesweilerlhrbase
Die Angaben über Hebammen in Schönfeld reichen nur bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts zurück. Damals verzeichnete unser Heimat- ort jährlich durchschnittlich ca. 120 Geburten. Zwei Hebammen übten zu dieser Zeit - bis ungefähr 1910 - ihren verantwortungsvollen Beruf aus. Es waren dies die Fliegl Wawe (Ruß) und die Buhlschneider Liesl (Schiener). An- schließend folgten: Dennl Anna (Nr. 108), Dennl Marie (Nr. 44) und Frau Heid- ler (Nr. 203, Lange Gasse). Auch die Hebamme aus Lauterbach, Frau Eberl, wurde eine Zeitlang nach Schönfeld gerufen. In den Jahren 1940-1946 war Franziska Müller aus Chiesch als Geburtshelferin in unserem Ort tätig. In den Bereich des Gesundheitswesens fällt auch die Krankenpflege. Hier war viele Jahre lang Schwester Maria Horn tätig. Vor 1938 war sie beim ,,Caritas-" bzw. Katholischen Frauenverein angestellt. Nach dieser Zeit versah sie bei der ,,NSV" (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) ihren Dienst. Die sogenannte Schwesternstation befand sich im Hause Nr. 321 (Tischer).
0888
130
xxxxxxxxxxxxxx
Die fünfklassige Volksschule in Schönfeld.
Schulwesen
Geschichte der Volksschule
Über die Anfänge des Schulwesens in unserem Heimatort existieren keine Aufzeichnungen. Berichten zufolge waren wohl Unterlagen vorhanden. Sie befanden sich angeblich im Knauf des Kirchturms, aber auch hier hat der große Brand 1848 alles vernichtet.
Nach einer Chronik des Kaplans P. Augustinus Taussenau vom Jahre 1854 besaß Schönfeld vor dem Jahre 1821 ein eigenes Schulhaus. Die damalige Pfarrschule zählte drei Klassen.
131
xxxxxxxxxxxxxx
Dieses Gebäude war stark baufällig, es wurde daher 1821 abgetragen. An gleicher Stelle errichtete man ein neues Schulhaus mit vier Klassenzimmern und zwei Wohnkammern. Das Bergamt als Patronat und die Gemeinde stell- ten dafür einen Betrag von 9652 Gulden zur Verfügung.
Bis November 1842 hatte die Volksschule zwei Knaben- und eine Mädchen- klasse, letztere wurde dann geteilt. Die jüngeren Mädchen unterrichtete Leh- rer Johann Ruppert, der gleichzeitig Türmer war. 120 Mädchen besuchten die obere Klasse. Um diese Zeit wurde auch ein vierter Lehrer eingestellt.
Beim großen Brand wurde das Schulgebäude mit ein Raub der Flammen. Sechzehn Wochen ruhte der Schulbetrieb. Erst als man zwei Zimmer in Pri- vathäusern angemietet hatte, konnte der Unterricht fortgesetzt werden. 1852 erfolgte der Umzug in das neuerbaute Rathaus, wo zwei Räume für Schul- zwecke zur Verfügung gestellt werden konnten.
Für den Aufbau der total zerstörten Schulbibliothek veranstaltete am 2. Weihnachtsfeiertag 1854 der damalige Kaplan Taussenau im ,,Gasthaus zum Bergmann" eine Abendunterhaltung, bei der vorgetragen und musiziert wurde. Wie es in der Pfarrchronik heißt, waren an diesem Abend,,die gedie- gensten musikalischen Kräfte aus Schönfeld und Umgebung" im Einsatz. Der Reinertrag belief sich auf 42 Gulden. Im Juni des darauffolgenden Jahres traf aus Wien eine größere Büchersendung für die Schulbibliothek ein.
1864 wurde eine Schulchronik angelegt.
Unverhofft traf im Jahr 1865 eine Spende ein. Sie stammte von einem in Girsch verstorbenen Braugehilfen, namens Johann Gubka. Er vermachte der Volksschule in Schönfeld 645 Gulden 74 Kreuzer.
In diesem Jahr konnte endlich mit dem Bau des Schulhauses (Nr. 391, neben der Kirche) begonnen werden. Siebzehn Jahre waren inzwischen seit der Brandkatastrophe verflossen.
Anfang Oktober 1865 fand bereits der erste Unterricht in der neuerrichteten Schule statt.
Ein neues Volksschulgesetz trat im gleichen Jahr in kraft. Das Schulpatronat, welches bis dahin der Staat inne hatte, ging damit auf die Gemeinde über; alle Bemühungen der Stadtvertretung, diese Last wieder loszuwerden, waren vergebens.
Durch den starken Anstieg der Einwohnerzahl wurde die Einrichtung von Parallel-Klassen unumgänglich. In den Jahren 1870-1873 entstanden daher drei Klassen dieser Art. Für die letzte mußte ein Raum angemietet werden. Die Beengtheit dauerte noch weitere fünf Jahre. 1877/78 wurde dann das
132
xxxxxxxxxxxxxx
Blick in ein Klassenzimmer um 1913. Links Oberlehrer Knaut.
Zu sehen sind noch die alten Schulbänke mit den eingehängten Tintenfässern.
neue Schulhaus (Nr. 4) an das bereits vorhandene angebaut. Am 4. Oktober erfolgte die Einweihung.
-
In dem neuen Gebäude befanden sich neben den Klassenräumen - ein Konferenzzimmer, das Archiv, die Bibliothek sowie das Lehrmittelzimmer. Auch Wohnräume für den Oberlehrer und den Schuldiener waren vorhan- den.
Im gleichen Jahr erfolgte die Umwandlung in eine 5-klassige Volksschule mit zwei Parallelklassen.
Um die Jahrhundertwende, als die Einwohnerzahl Schönfelds auf über 3000 angestiegen war, verzeichnete die Volksschule rund 590 Schüler, davon waren 280 Knaben und 310 Mädchen.
—
Der Schulunterricht erfolgte auch während der tschechischen Regierungs- zeit bis 1938, aufgrund der rein deutschen Bevölkerung einige tschechi- sche Staatsangestellte ausgenommen in deutscher Sprache. Ab ungefähr 1937 wurde einige Stunden in der Woche tschechischer Unterricht durch Lehrer Plaschka erteilt.
-
Nach Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich erfolgte in den Sommerferien des Jahres 1939 eine Modernisierung beider Gebäude. Gleichzeitig wurden alle Klassenräume mit neuen Möbeln ausgestattet.
133
xxxxxxxxxxxxxx
Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges erfolgte am 8. Mai 1945 die Schließung unserer Volksschule.
Im Zusammenhang mit dem Schönfelder Schulwesen ist noch zu bemerken, daẞ zahlreiche Schüler und Schülerinnen nach der vierten bzw. fünften Klas- se in die Bürgerschule (nach 1938 Hauptschule") nach Schlaggenwald überwechselten. Weniger häufig war der Übertritt in die Realschule (nach 1938,,Oberschule") nach Elbogen.
11
Lehrkräfte an der Volksschule
Die Aufzählung beginnt bei den Schulleitern mit dem Jahr 1876. Bei den Lehrern und den weiblichen Lehrkräften liegen keine Daten vor.
Oberlehrer:
Karl Puschner (Oktober 1876), Josef Bartl (29. 9. 1876 bis August 1905, in den Ru- hestand versetzt, nach Schlackenwerth übersiedelt), Hubert Knaut (9. 1. 1906 bis zu seinem Tode am 18. 5. 1914), Anton Pompl (1.9. 1917 bis 21. 8. 1921, war vor- her Oberlehrer in Dotterwies), Friedrich Sturm (1. 9. 1924 bis 31. 8. 1928, vorher Lehrer in Schlaggenwald, in den Ruhestand versetzt), Franz Jordan (geboren in Schönfeld, 1.9. 1928 bis 31. 8. 1938, in den Ruhestand versetzt), Edwin Grünes (1.9. 1938 bis zur Schulschließung am 8.5. 1945).
Lehrer:
Art (ging nach Lanz als Oberlehrer), Bergauer (ging nach Oberlohma), Dichler (ging nach Nallesgrün als Schulleiter), Frank, Geiger, Langer, Lumpe (wurde pen- sioniert), Michler, Morawetz, Peter, Franz Pompl (ging nach Tepl als Fachlehrer), Söllner (ging nach Lauterbach als Oberlehrer), Wied, Martin Fenderl, Josef Hubl (in Schönfeld geboren), Oskar Hubl (Bruder von Josef, in Schönfeld geboren), Ott (aus Rabensgrün), Alfred Plaschka, Friedrich Pompl, Franz Rippl (aus Rabens- grün).
Lehrerinnen:
Schachtner, Marie Prosch, Zoch, Irene Gareiß (aus Elbogen), Agnes Schellhorn (aus Schönfeld, 20. 6. 1939 bis 23. 12. 1939).
134
xxxxxxxxxxxxxx
Lehrkräfte an der Volksschule. Ein Gruppenfoto, aufgenommen im Lehrmittelzimmer 1924/25. Stehend von links: J. Hubl, unbek., Frl. Prosch, unbek., Fenderl. Sitzend: Pompl, Jordan, Enzmann und Grünes.
Dieses Foto dürfte um 1930 entstanden sein. Es zeigt Frl. Zoch, Oberlehrer Jordan, Frl. Schreyer. Stehend von links: Unbek., Lehrer Grünes, Frl. Prosch und Lehrer J. Hubl.
135
xxxxxxxxxxxxxx
Handarbeitslehrerinnen:
Gardner, Schreier (aus Bleistadt), Köhler, Erna Pensl (verh. Eibl).
Am Schluß dieses Kapitels sollen noch die Schuldiener erwähnt werden, die stets für Ordnung und Sauberkeit im Schulbereich sorgten. Hier sind zu nen- nen: Paradeiser, Franz Wagner (nebenbei Vereinsdiener in mehreren Schönfelder Vereinen) und nach ihm Erich Klement (Sohn vom Maurerpolier Ernst Klement), er war Schuldiener bis zur Schließung 1945.
Lehrerinnen und Lehrer,
die in Schönfeld geboren, jedoch an auswärtigen Schulen unterrichteten.
Lehrerinnen
Emilie Jordan (Oberlehrerin) Leopoldine Kern (vereh. Schulz) Erna Schmidt
Lehrer
Adolf Gareiß
Arno Gerstner (Hauptlehrer) Rudolf Hubana (Hauptlehrer) Erwin Keßler
Alfred Lochner
Handarbeitslehrerinnen
Marianne Gareiß (Brosl) Selma Gareiß (Brosl) Marie Opl (vereh. Roßmeißl) Marie Schmidt (Heger-Tochter) Elsa Ruß (vereh. Fischer) Hub
Josef Rödl
Josef Ruppert
Rudolf Zimmermann (Hauptlehrer)
136
xxxxxxxxxxxxxx
Diese Schulklasse mit Lehrer Josef Hubl dürfte überwiegend dem Jahrgang 1920 angehören.
----
Klassenfoto mit Frl. Zoch. Schuljahr 1929/30 2. Klasse (?).
137
xxxxxxxxxxxxxx
Schuljahr 1931/32 - 4. Klasse mit Lehrer J. Hubl.
Schuljahr 1934/35 — 1. Klasse mit Frl. Zoch.
H <---???
138
xxxxxxxxxxxxxx
Schuljahr 1936/37-2. Klasse mit Oberlehrer Jordan und Pfarrer Enzmann.
Schuljahr 1936/37 - 1. Klasse mit Lehrer Hubl.
Beide Fotos wurden vor dem Ölberg hinter der Kirche aufgenommen.
139
xxxxxxxxxxxxxx
Schuljahr 1937/38-5. Klasse mit Handarbeitslehrerin Eibl, Lehrer Plaschka und Pfarrer Enzmann.
Schuljahr 1934/35-3. Klasse (Jahrgang 1926) mit Oberlehrer Grünes und Frl. Pensl (verh. Eibl).
140
xxxxxxxxxxxxxx
=======
Pg 141
Kirche
Geschichte des Kirchenwesens
Die älteste Information zur Schönfelder Kirchengeschichte stammt vom 29. April 1404. Danach stiftete Anna, Witwe nach Borso von Riesenburg, Herrin auf Petschau, einen Altaristen (Kaplan) für die Kapelle St. Katharina in Schönfeld. Sie dotierte die Stelle mit 5 Schock Groschen. Das Präsenta- tionsrecht behielt sich die Stifterin für sich und ihre Erben vor. Als erster Kaplan wurde von der Stifterin der Priester Frana präsentiert und vom Erz-
================
142
bischof angestellt. Es ist wahrscheinlich, daß Jahre später ein Pfarramt ent- stand mit einem eigenen katholischen Pfarrer, denn laut einem im Egerer Stadtarchiv befindlichen Schreiben ersuchte Kaspar Hofmann, Pfarrer in Schönfeld, den Egerer Bürgermeister, mit einem Kürschner Wolff zu ver- handeln. Wann diese Pfarre errichtet wurde, ist unbekannt. Vorher war Schönfeld nach Schlaggenwald eingepfarrt (siehe Chronik 1519).
Um das Jahr 1523 begann die Protestantisierung in unserer Gegend. Nach Vincenz Pröckl „Geschichte der königlichen Bergstädte Schlaggenwald und Schönfeld", Eger 1887, soll im Jahr 1550, durch eine Abtrennung von Schlag- genwald, in Schönfeld eine eigene Pfarrei gegründet worden sein.
Am 24. August 1624 wurde auf Befehl des kaiserl. Hauptmannes Vahel von Lilienau die Kirche zu Schönfeld für den protestantischen Gottesdienst ge- sperrt. Der Rat wurde beauftragt, innerhalb drei Tagen die protestantischen Prädikanten abzuschaffen; sie durften nicht mehr predigen, beichthören und taufen. Wer die protestantische Kirche besuchte, wurde mit 10 Gulden Strafe belegt. Gleichzeitig ordnete der Hauptmann die Rekatholisierung von Schönfeld an. (Das Originaldokument befand sich im Pfarrarchiv.)
Schönfeld war vorübergehend nach Schlaggenwald eingepfarrt. 1629 war es wieder eine selbständige katholische Gemeinde. In einer Eingabe an die böh- mische Hofkammer (4.1.1629), bitten Bürgermeister, Richter und Rat in Schönfeld um Anstellung eines eigenen Pfarrers. In dieser Eingabe wird an- geführt, daß die Stadt stets einen eigenen Pfarrer gehabt und dazu einen Kaplan, wozu der Kaiser ein Gnadengeld gegeben hat. Da dieses Gnadengeld nun nicht mehr gegeben wird, so bitten sie, daß es wieder gegeben werde sowie um Erlassung des doppelten Waldzinses. Es heißt dann weiter in der Eingabe: „Denn keiner auf der Welt kann anders sagen, als daß diese alte Berg- stadt, die vor Schlaggenwald das Alter hat, stets mit einem eigenen Pfarrer, so die hießige Pfarre bewohnt, versehen gewesen."
Am 12.1.1629 verlangte die böhmische Hofkammer vom kaiserlichen Hauptmann in Schlaggenwald einen Bericht in dieser Angelegenheit. Der Antwort vom 2. Feber war zu entnehmen, daß kein katholischer Priester zu haben sei und der Herr Erzbischof daher die drei Städte (verm. einschl. Lau- terbach) zusammengezogen und durch den Schlaggenwalder Pfarrer be- treuen lasse.
Der Hauptmann T. Walzel von Lilienkron bezweifelte in seinem Schreiben das Recht auf ein Pfarramt, er berief sich dabei auf eine 150jährige Urkunde, wonach die Kirche in Schönfeld von alters her nur ein Oratorium (Bethaus) gewesen sein soll. Die Wiedergewährung der eingestellten Gnadengaben empfahl er wegen der Armut der Bergstadt.
===============
143
Laut einem Schreiben der böhmischen Hofkammer, verfaßt zu Prag am 1. März 1629, wurde den Schönfeldern vom Erzbistum ein Pfarrer bewilligt.
Über die Finanz- und Vermögensverhältnisse der Kirche und Pfarre im Jahre 1722 gibt die Chronik folgende Auskunft:
Sie besaß damals fünf Tagwerk Grundstücke, 6 Strich Kornfelder, 2 Kühe und 3 Stück Jungvieh.
An Geld erhielt der Pfarrer wöchentlich von der Gemeinde drei Gulden, oft erhielt er aber nichts wegen großer Armut der Stadt. Vom Staate erhielt er aus Gnade ein Adjutum, und zwar vierteljährlich 12 Gulden 30 Kreuzer, aber oft wurde ihm auch dieses Geld nicht ausgezahlt. Von Messestiftungen hatte er 20 Gulden jährlich. Der Pfarrer hatte das Recht auf ein Gebräu, aber aus Armut konnte er oft nicht brauen lassen.
Der Magistrat schuldete in diesem Jahr der Pfarrkirche 523 Gulden Kapital und 561 Gulden rückständige Zinsen. Diese Schulden wurden dem Magi- strat vom Erzbischof wegen der großen Armut der Gemeinde erlassen.
Die Pfarrkirche besaß in jener Zeit ein Kapital von 3090 Gulden, angelegt auf Hypotheken bei der Schönfelder Bürgerschaft. Das Geld war an 74 Schuld- ner zu 5% verliehen. Die Zinseinnahmen wurden für die allgemeinen Kirchenausgaben und für Bauzwecke verwendet.
Um diese Zeit trat im Schönfelder Kirchenleben eine starke Veränderung ein, denn am 19. Oktober 1723 wurde die wundertätige Mutter-Gottes- Statue vom fürstlich-erzbischöflichen Konsistorium in Prag für gnadenreich erklärt. Schönfeld war bald darauf ein gut besuchter Wallfahrtsort. Zu Ende des 18. Jahrhunderts ging der Strom der Wallfahrer jedoch stark zurück. Die sogenannte,,Marianische Kassa" - aus Wallfahrtsgeldern entstanden welche im Jahre 1774 eine Konventionsmünze von 9030 Gulden besaß, wurde mit der Kirchenkasse vereinigt; erst dadurch kam die Pfarrkirche zu einem eigenen Vermögen. Durch das Finanzpatent, welches am 1.3.1811 erlassen wurde, erfolgte jedoch eine enorme Abwertung. Aus 100 Gulden wurden nur noch 20; schuld daran waren die Kriege mit Frankreich.
Im Jahre 1784 richtete die Regierung eine Rundfrage an die Bergstädte, ob sie das Patronat über Kirche und Pfarre übernehmen wollen. Eine Reihe von Bergstädten, wie Kuttenberg, Budweis, St. Joachimsthal, Abertham, Weipert, Schlaggenwald, Přibram, Neuknyn, Eule, Bergreichenstein und Preßnitz, übernahm das Patronatsrecht mit allen Rechten und Pflichten.
Andere Bergstädte dagegen, wie Gang, Platten, Gottesgab, Wiesenthal, Lauterbach, Unterreichenstein, Bergstädtl und Schönfeld baten, davon auch fernerhin enthoben zu bleiben.
=============
144
Für diese letztgenannten Bergstädte übernahm das k.k. Montanärar das Patronat.
Dies wurde mit allerhöchster Entschließung vom 3. Jänner 1785 dem k.k. Landesgubernium in Prag zur Darnachachtung und zum weiteren Gebrau- che kundgemacht.
Schönfeld war dadurch Jahrhunderte eine sogenannte Montan-Patronats- pfarre, d. h. das Patronat hatte das oberste Bergamt. Später ging das Patronat über auf das Ackerbauministerium, dann auf den Kultusetat, anschließend hatte es der Religionsfond.
Das Schönfelder Pfarramt gehörte durch Jahrhunderte zum Vikariat Lichten- stadt. Ab 1. 1. 1850 bis 31. 12. 1930 war das Vikariat Theusing die vorgesetzte Stelle. Anschließend, in der Zeit ab 1.1.1931, war Schönfeld dem Vikariat Falkenau angegliedert.
Von den rund 2100 Einwohnern unseres Heimatortes waren zu dieser Zeit etwa 98% katholisch.
Der damalige Pfarrer, erzbischöflicher Konsistorialrat und Notar Karl Enzmann, war gleichzeitig Bezirksvikär des Vikariates Falkenau.
Schönfel Pfarramt
Bez Elbogen
---
===========
145
Innenansicht der Pfarrkirche mit Blick auf den Hochaltar.
Früheste Angaben zu einem Gotteshaus in unserem Heimatort datieren um 1400. In jener Zeit existierte bereits eine der hl. Katharina gewidmete Kapel- le. In der protestantischen Zeit wurde nach 1500 eine Kirche gebaut, welche nach wiederholten Umbauten bis zum großen Stadtbrand 1848 bestand. In der Chronik finden sich hierzu noch einige Aufzeichnungen. Hier einige Auszüge über Aufwendungen:
1579 Am 2. Mai werden vom Kaiser Rudolf II. für den Bau des Kirch- turmes und der Orgel 100 Gulden bewilligt.
1786 In diesem Jahr wurde die Kirche erweitert. Es wurden Emporen errichtet. Die Bezahlung von 2554 Gulden 31 Kreuzer der bau- lichen Maßnahmen erfolgten aus der Kirchenkasse.
=========
146
1787 Neuerstellung des Hochaltars. Den oberen Altarteil ließ P. Pleyer, Exjesuit, anfertigen. Den unteren Teil bezahlten Egerische Wall- fahrer. Der alte Hochaltar kam nach Elbogen in die Totenkirche. Kaplan Georg Frank ließ auf seine Kosten einen Teil des Kirchen- fußbodens mit Pflastersteinen belegen; die Auslagen beliefen sich auf 322 Gulden. 1843
Am 7. Juli 1848 fiel die Kirche, samt dem Pfarrhaus, der großen Feuersbrunst zum Opfer. Bis Allerheiligen fand danach der Gottesdienst am Marktplatz, bei der Statue des hl. Antonius, statt. Als die Witterung ungünstig wurde, versammelte man sich in der Vorhalle der Kirchenruine zum Gebet. Später ließ das Montan-Aerar, mit einem Kostenaufwand von 800 Gulden, über den Mauerresten der Kirche ein Notdach errichten. Es wurden eine Kanzel und ein Altar gebaut.
Obwohl das Konsistorium einen Neubau in Aussicht stellte, kam es zu kei- ner Verwirklichung. Ein vorgelegter Bauplan wurde als ungeeignet abge- lehnt, ein zweiter als zu kostspielig befunden. 1854 hieß es dann wieder, die abgebrannte Kirche solle nur ausgebessert werden.
Am 29.1.1856 endlich bewilligte das Kultusministerium in Wien den Bau eines neuen Gotteshauses. Die Baukosten waren mit 28000 Gulden veran- schlagt. In der Kanzlei des k.u.k. Oberbergamtes in St. Joachimsthal erfolgte
am 24.5. 1856 die Bauvergabe an den Baumeister Scherbaum aus Elbogen. Sein Angebot stand auf 26967 Gulden.
Am 26. Mai 1856 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirchenruine statt, anschließend standen dafür Lokalitäten im Rathaus zur Verfügung.
Um der Stadtgemeinde Schönfeld, welche zur Beitragsleistung beim Bau des neuen Gotteshauses gesetzlich verpflichtet war, in ihrer Armut behilflich zu sein, verfaßte und versandte der damalige Kaplan Augustin Tausenau zahl- reiche Bittschreiben an auswärtige Stellen und Privatpersonen; seine Bemühungen erbrachten einen Betrag von 2934 Gulden.
Der Bau der neuen Kirche erfolgte in den Jahren 1858/59. Die Baukosten, die sich insgesamt auf 33000 Gulden beliefen, beinhalteten wahrscheinlich di- verse Inneneinrichtungen, wie z. B. die Orgel. Die Kosten wurden wohl zum überwiegenden Teil vom k.u.k. Montan-Aerar (Montan-Kasse) getragen.
Über die Einweihung der neuen Sankt Katharina Kirche berichtet Pfarrer Enzmann in seiner Chronik folgendes:
,,Am 2. Oktober 1859 wurde die neu erbaute Pfarrkirche in höchst feier- licher Weise durch Sr. Eminenz, den hochwürdigsten Herrn Kardinal Fürst
-----
=========
147
Das zinnerne Taufbecken in der Pfarr- kirche. Eine Arbeit des Schönfelder Zinngießermeisters Gerstner. Dieses kostbare Stück mit einem Gewicht von 11 Zentner wurde 1854 auf der Mün- chener Weltausstellung gezeigt. Es erhielt später, vermutlich durch Schen- kung, einen Platz in unserer Pfarr- kirche.
Friedrich Schwarzenberg, Erzbischof von Prag, konsegriert (eingeweiht). Weil ein Pfarrhaus - seit dem Brand 1848 - nicht mehr vorhanden war, wohnte der hohe Kirchenfürst im Hause des Herrn Johann Floth Nr. 265. Am Weihetag las er früh um 5 Uhr in der bisherigen provisorischen Kapelle im Rathaus die hl. Messe; um 8 Uhr hielt er im Freien, bei der Seitentüre der Kirche, die Predigt, dann nahm er die Weihe der Altäre und der Kirche vor. In den Hochaltar wurden Reliquien der hl. Märtyrer Victorinus und Celsus eingelegt. Nach der Weihe hielt Domherr Sorger aus Prag das Pontifikalamt. Zur Assistenz waren 30 Priester anwesend. Um 5 Uhr war gesungene Lita- nei. Am 3. Oktober übertrug Sr. Eminenz das Allerheiligste aus dem Rathaus in die neue Kirche und las dort die hl. Messe. Nachmittags reiste er nach Prag zurück."
Ein Jahr später, am 21. Oktober 1860, es war der Kirchweihsonntag, wurde zum ersten Mal die neue Orgel gespielt.
Die Kirche besaß nur wenige Kunstgegenstände von Bedeutung. Dazu ge- hörte das älteste Stück, eine Holzgruppe des Bildes,,Anna selbdritt" aus dem
=======
148
16. Jahrhundert (unbekannter Meister aus dem Kreise der Tepler Holzschnit- zer). Die ursprüngliche Bemalung wurde durch eine Renovierung, die 1908 erfolgte, völlig entstellt.
Außerdem ist noch eine Krankenpatene (Hostien-Schale) zu erwähnen. Es war eine runde, teilweise vergoldete, Silberbüchse. Die Stifterinschrift am Mantel lautete: „And. Flor. Lougert, fieri zurafit 1664". Zwei weitere bedeuten- de Gegenstände, die Mutter-Gottes-Statue und das zinnerne Taufbecken, sind im Bild dargestellt.
1866 wurde vom Theater-Dilettanten-Verein die Öl-Bilderreihe der 14 Kreuzweg-Stationen gestiftet. Auf der Rückseite der ersten beiden Stations- bilder sind die Namen der damaligen Vereinsmitglieder verzeichnet. Das Stationsbild Nr. 7 trägt den Vermerk,,Gemalt von W. Ditz 1866". Zu erwäh- nen sind noch drei Werke von Karl Wilfert, einem Sohn unserer Heimat- stadt: Ein weißes Marmorrelief,, Die Verehrung der Schönfelder Mutter Got- tes in der Linde", die marmorne Engelfigur als Weihwasserbeckenträger mit Muschelschale auf dem Kopf und das aus schwarzem Granit gehauene hl. Grab mit Christusfigur.
Abschließend noch eine kleine Bemerkung über die erste Trauung in der neuen Kirche: Das erste Brautpaar war Theresia Ruppert und Franz Götzl. Dem Aufgebot nach stand aber ursprünglich ein anderes Paar wo die Braut allerdings bereits ein uneheliches Kind besaß an erster Stelle. So be- mühte sich der Pfarrer, daß das Paar Ruppert/Götzl seine Trauung um einige Tage vorverlegte, damit in der neuen Kirche ein, nach damaligen Begriffen, reines Brautpaar als erstes getraut werde.
========
149
Die Ortsteile Butterscheibe, Staude und Kaunitz mit dem Weißen Hügel. Eine Aufnahme um 1910. In der Bildmitte neben der Baumgruppe das Kirchl und die Nähschule.
Die Kapelle,,Maria Himmelfahrt" (Kirchl)
Wie die Pfarrchronik berichtete, wurde das Kirchl im Jahre 1760 erbaut. Seine Entstehung verdankt es einer Stiftung des aus Schönfeld stammenden Norbert Christian Klupp, Domherr bei der Metropolitankirche zu St. Veit in Prag und Generalvikär.
Er ließ die Kapelle genau an jener Stelle errichten, wo einstmals die Marien- Gnadenstatue im Lindenbaum stand (Ortsausgang nach Lauterbach). Aus der Stiftung kamen 1000 Gulden für den Bau und 100 Gulden als Erhaltungs- kapital. Ferner widmete er weitere 1000 Gulden als Messenstiftungskapital. An allen Samstagen sollte eine hl. Messe gelesen werden für die lebende und verstorbene Verwandtschaft des Stifters. Außerdem sollte an allen Marien- feiertagen eine Frühmesse um Erflehung eines reichen Bergsegens und um Erlangung des göttlichen Schutzes für die Bergleute, gegen alle Gefahren und Unglücksfälle, stattfinden.
=======
150
Der Stifter selbst erlebte die Ausführung seines Vorhabens nicht mehr, denn er verstarb 1758. Sein Vetter Johann Andreas Klupp und sein Schwager Nor- bert Benedikt Zickler sowie der Ortspfarrer regelten jedoch den Bau in seinem Sinne. Nach Fertigstellung brachte man die Gnadenstatue aus der Pfarrkir- che in die neu erbaute Kapelle. Damit stand das Marien-Standbild wieder an seiner ursprünglichen Stelle, nun allerdings in einem anderen Rahmen als vorher.
Fast 80 Jahre später man schrieb das Jahr 1837 - wurde das Kirchl wegen Baufälligkeit behördlich geschlossen. Die Gnadenstatue brachte man wieder in die Pfarrkirche zurück. Der Altarstein wurde erst im Pfarrhaus aufbe- wahrt und später dann nach Prag gebracht.
Im Jahre 1843 wurde die Kapelle öffentlich zum Abbruch versteigert. Meist- bietend erstand sie der damalige Kaplan in Schönfeld, Georg Frank, zum Preis von 197 Gulden und 42 1/2 Kreuzer. Er ließ das Kirchl auf seine Kosten in ein Armenhaus umwandeln. Der Aufwand in der Pfarrchronik genau verzeichnet - belief sich auf 989 Gulden.
Am 15. August 1844 war der Bau vollendet.
Kaplan Frank begleiteten viele Sorgen während der Bauphase, meist waren sie finanziell bedingt. Eine große Stütze war ihm sein Bruder Anton Frank, der uneigennützig seine Arbeitskraft in den Dienst der guten Sache stellte. Einige Bürger der Stadt leisteten gelegentlich kostenlose Zufuhren.
Mit Schenkungsurkunde vom 28.4.1845 vermachte Kaplan Frank das Armenhaus der Stadt, mit allen darin befindlichen Requisiten und dem Glöckchen. Seinem Wunsch entsprechend sollten in diesem Armenhaus Schönfelder Ortsarme auf Lebenszeit kostenlos untergebracht werden. Als Erhaltungskapital widmete der Stifter noch 200 Gulden.
Eine Woche vor der Schenkung am 19.4.1845 hat Kaplan Frank in
dem neuen Armenhaus 30 Arme gespeist. Nach einem feierlichen Hochamt
in der Pfarrkirche wurde der edle Mann, begleitet von zwei Armenvätern,
vom städtischen Magistrat und einer großen Volksmenge, zum Armenhaus
geleitet. Die Armen weinten Freudentränen, so wird berichtet.
Die Stadt Schönfeld ernannte Kaplan Frank zu ihrem Ehrenbürger.
Das Kirchl diente bis zu unserer Vertreibung als Armenhaus. Einer der letzten Insassen war, neben anderen, der allseits gut bekannte Richter Rudl.
========
151
Ursprung und Geschichte der Schönfelder Mutter-Gottes-Statue
(Eine weitgehend wörtliche Wiedergabe des von Pfarrer Enzmann verfaßten Textes)
Die Pfarrkirche St. Katharina in Schönfeld besitzt in der Statue der,,Schönfel- der Mutter-Gottes" ein Heiligtum, das in früheren Zeiten, als noch ein tief- gläubiger Sinn herrschte, hoch verehrt wurde. Nicht nur von den nächst- liegenden, sondern auch von weit entfernten Ortschaften kamen große Scharen von Wallfahrern in unseren Ort, um beim Schönfelder Gnadenbild ihre Andacht zu verrichten und der hochheiligen Gottesmutter ihre Anliegen vorzutragen. Und wie die Chronik uns berichtet, hat die seligste Jungfrau das Vertrauen und die Liebe aller derjenigen, die in den verschiedensten Bedrängnissen und Sorgen Zuflucht zu ihr nahmen, reichlich belohnt: die Geschichte berichtet uns nämlich von unzähligen Gebetserhörungen und zahlreichen wunderbaren Krankenheilungen. In unserer Zeit haben die Wallfahrten zur Schönfelder Mutter-Gottes fast ganz aufgehört; ja auch bei den Bewohnern Schönfelds selbst ist das Andenken an das alte Heiligtum unserer Pfarrkirche stark geschwunden. Um nun der jetzigen Generation wieder in Erinnerung zu bringen, mit welcher Frömmigkeit und mit welch gläubigem Sinn ihre Vorfahren einst zur Schönfelder Mutter-Gottes aufge- blickt und gebetet haben, wird hiermit der Ursprung und die Geschichte des Schönfelder Gnadenbildes zur Darstellung gebracht.
An dem Wege, der nach Lauterbach und weiter nach Eger führt, stand einst auf einer Wiese, welche einem Schönfelder Ratsherrn und Tischlermeister, namens Zimmerhackl, gehörte, eine alte mächtige Linde, die, wie die Chronik sagt, ihre Arme und Zweige hoch in die Wolken streckte und den Wanderer erfreute durch ihren angenehmen Schatten und den lieblichen Geruch ihrer Blüten. Im Herbst des Jahres 1677 raste über unser Gebirge ein so gewaltiger Sturm, daß diese Linde ihm zum Opfer fiel und zu Boden gerissen wurde. Weil es nun nicht möglich war, den schönen und stattlichen Baum wieder ganz aufzurichten, so milderte der genannte Zimmerhackl die Schwere des- selben, indem er den oberen Wipfel abschnitt und den Stamm wieder auf- richtete; dieser fing wieder an zu grünen und trieb sogar neue Äste.
Herr Zimmerhackl, der auch ein geschickter Bildschnitzer war, schnitzte aus dem abgeschnittenen Gipfel zwei ganz gleiche Marienstatuen, in der Ab- sicht, sie beide zu verkaufen. Die eine verkaufte er wirklich um 5 Gulden; da ihm für die andere ein Käufer nur 5 Gulden weniger 3 Kreuzer geben wollte, beschloß er, sie nicht zu verkaufen, sondern anders zu verwenden. Er mach-
========
152
te darum in den Stamm des Lindenbaumes eine Nische und stellte die Ma- rienstatue hinein, damit die Vorübergehenden bei derselben ihre Andacht verrichten konnten. Später wuchsen neben dem Bilde wieder Zweige heraus und beschatteten mit ihren schönen grünen Blättern die Statue. Über Anre- gungen des aus Italien stammenden Karl Jellmann, der als Handelsmann und Kaminfeger in Schönfeld ansässig war, wurde nach einigen Jahren von ihm, dem Tischler Zimmerhackl und mehreren anderen eine einfache Kapelle aus Bindwerk und Latten um die Linde herumgebaut und mit einer Türe ver- sehen. Diese Kapelle stand 20 Jahre lang, bis sie den Unbilden der Witterung zum Opfer fiel.
Es dauerte aber nicht lange, so wurde unter dem damaligen Pfarrer Stefan Rotter eine neue bessere Kapelle erbaut und mit Türe und Fenster sowie mit einer brennenden Ampel versehen. Diese zweite Kapelle, welche schon von zahlreichen Andächtigen aus Schönfeld und aus der Umgebung der Stadt besucht wurde, war im Jahre 1711 ziemlich schadhaft geworden; denn die Türe und die zwei Fenster waren eingefallen. Als nun im Frühjahre des Jah- res 1717 die Kapelle infolge der durch Schneefälle wie Regengüsse erlittenen Witterungsunbilden ganz einfiel, ging der damalige Pfarrer Christof Ernst dar- an, eine neue dritte Kapelle zu erbauen. Kaum war es bekannt geworden, daß der Pfarrer die Absicht habe, die alte Kapelle abzutragen und eine ganz neue zu erbauen, da entstand ein förmlicher Wetteifer unter den Bewohnern Schönfelds, durch Spenden an Geld, Eisen, Schindeln, Nägeln und anderen Baumaterialien oder durch unentgeltliche Arbeitsleistung den raschen Bau der Kapelle zu ermöglichen. Ja sogar aus dem benachbarten Neudorf kamen freiwillig einige Bauern mit ihrem Geschirr angefahren und halfen durch Zu- fuhren an der Vollendung des neuen Baues. Innerhalb von acht Tagen soll die neue Kapelle fertig gewesen sein!
Von jetzt an fand die Mutter-Gottes-Statue eine immer größere Verehrung. Wie die Chronik erzählt, kamen ganze Scharen von Gläubigen beiderlei Ge- schlechts aus der ganzen Gebirgsgegend herbei. Immer zahlreicher und häu- figer wurden die Wallfahrten aus den benachbarten und entfernt liegenden Orten, und man erzählte sich von auffallenden Gebetserhörungen und wunderbaren Krankenheilungen.
Als das hochwürdigste, fürsterzbischöfliche Konsistorium in Prag Kenntnis erhielt von den Gerüchten über wunderbare Krankenheilungen und Gebets- erhörungen bei der Schönfelder Mutter-Gottes, traf es die Anordnung, daß durch eine Kommission die Sache untersucht werden sollte. Diese Kommis- sion aus Herrn Franz Wild, f.-e. Vikar und Dechant in Schlaggenwald, sowie Herrn Heinrich Brettschneider, Pfarrer in Kirchenbirk, traf die Entscheidung, daß die Statue einstweilen nach Prag in das f.e. Konsistorium geschickt wer-
=======
153
Die Schönfelder Mutter-Gottes-Statue.
Ein Werk des Schönfelder Tischlermeisters und Bildschnitzers Zimmerhackl aus dem Jahr 1677.
========
154
den sollte, bis die Wunder, von denen man redete, genauer untersucht wor- den seien. So wurde denn am 15. August 1719 die Statue, wohl verpackt und mit dem Vikariatssiegel versehen, an das Konsistorium nach Prag gesendet.
Um die Statue bald wieder von Prag zurückzuerhalten, gab sich der Magi- strat der Stadt Schönfeld die größte Mühe, alle jene Fälle an Gebetserhörun- gen und wunderbaren Heilungen zu sammeln, die auf die Fürsprache der Schönfelder Mutter-Gottes zurückgeführt wurden. Man brachte eine große Anzahl zusammen. Infolgedessen richtete der Magistrat an das f.-e. Konsisto- rium in Prag die Bitte, es möge eine zweite Kommission zur Prüfung dieser Fälle entsendet werden. Die geistliche Behörde entsprach auch dieser Bitte und bestimmte als Mitglieder den Herrn P. Johann Maria Hloczek von Zam- pach, Mitglied des Theatiner-Ordens, und Herrn Franz Wanzemann, Pfarrer in Lauterbach. In Gegenwart des Magistrates wurden von dieser Kommis- sion 40 Personen eidlich einvernommen, nachdem sie zuvor gebeichtet und kommuniziert hatten, und machten ihre Aussagen über die empfangenen Gnaden. Nachdem die 12 wichtigsten Fälle geschildert und niedergeschrie- ben und durch Aussagen von Zeugen eidlich bekräftigt waren, stellte die Kommission nach Verlauf von acht Tagen ihre Untersuchung ein und be- richtete nach Prag. Nun schwebten die Schönfelder, wie die Chronik sagt, zwischen ängstlicher Furcht und Hoffnung, ob sie ihr Gnadenbild zurück- erhalten und welche Entscheidung das Konsistorium treffen werde. Mittels Dekret vom 3. Juli 1720 traf nun diese Behörde folgende Entscheidung:
1. Die Statue wird wieder Schönfeld zurückgegeben und soll in der Pfarrkir- che, also nicht mehr in der Linde, aufgestellt werden, jedoch ohne Feier-
lichkeiten und ohne Zulauf des Volkes. . Die Statue wird nicht als wundertätig und gnadenreich erklärt und von
2 den bisher geschehenen und untersuchten wunderbaren Ereignissen sollte man nicht viel reden und nicht über sie predigen; die Statue solle
nicht höher verehrt werden, als irgendein anderes Marienbild. 3. Über etwa neu sich ereignende Gnaden solle man unverzüglich nach
Prag berichten.
Aus dieser Entscheidung des f.-e. Konsistoriums in Prag sowie auch aus allen späteren Zuschriften in derselben Angelegenheit kann man ersehen, daß diese oberste geistliche Behörde mit großer Genauigkeit, Vorsicht und Gewissenhaftigkeit vorging und keineswegs allsogleich sich bereitwillig und willfährig zeigte, den Bitten des Schönfelder Magistrates und Pfarramtes zu entsprechen und die Statue für wundertätig zu erklären.
Weil der Pfarrer verhindert war, nach Prag zu reisen, um die Statue heimzu- holen, so begab sich der Syndikus (Stadtsekretär) Herr Mathias Jordan mit
========
155
einem anderen Mitglied des Magistrats in die Hauptstadt, um das Gnaden- bild vom Konsistorium zu übernehmen, und es wurde auch glücklich nach Schönfeld zurückgebracht mit dem erneuerten schriftlichen Befehl, daß man sich in Schönfeld genau an die Weisen des Dekretes vom 3. Juli 1720 halten solle.
Die Statue wurde nunmehr in der Kirche, und zwar beim Kreuzaltare aufge- stellt. Obwohl das Konsistorium die Weisung gegeben hatte, daß sie vom Volk nicht höher verehrt werden solle, als irgendein anderes Marien- oder Heiligenbild, so vermochte das nicht zu verhindern, daß das Volk neuerlich in großen Scharen zur Schönfelder Mutter-Gottes kam, vor ihr seine Gebete und Andachten verrichtete, und wiederum ereigneten sich wunderbare Hei- lungen von Krankheiten. Es wurde deshalb wieder an das f.-e. Konsistorium berichtet und um die Entsendung einer neuerlichen Kommission zur Prü- fung der Wunder gebeten. Diese Bitte wurde abschlägig beschieden. Aber die Schönfelder ließen nicht nach. Nochmals wurde ein Bittgesuch nach Prag gesendet. Nunmehr teilte das f.-e. Konsistorium durch Zuschrift vom 11. September 1723 mit, daß der hochgelehrte Herr P. Johann Hloczek von Zampach vor dem Feste des hl. Wenzel nach Schönfeld kommen werde, um die Wunder zu untersuchen.
Der genannte Herr P. Johann Maria Hloczek von Zampach kam am 27. Sep- tember als f.-e. Kommissär nach Schönfeld. Mit ihm kamen als weitere Mit- glieder der Kommission, Herr Johann Christian Kuhn, Erzdechant in Fal- kenau und f.-e. Vikar, sowie Herr Franz Wanzemann, Pfarrer in Lauterbach. Von dieser Kommission und in Gegenwart des Magistrates wurden nun wie- der alle jene Leute vorgeladen und einvernommen, von denen es bekannt war, daß sie durch die Fürsprache der Schönfelder Mutter-Gottes besondere göttliche Gnadenerweisungen empfangen hatten. Auch diesmal kam eine große Anzahl solcher Personen. Alle Leute, welche einvernommen wurden, mußten vorher beichten und kommunizieren und mußten ihre Aussage auch durch einen feierlichen Eid bekräftigen. Es seien nun einige Tat- sachen angeführt, die laut der eidlichen Aussage der Einvernommenen sich ereignet haben und von der Kommission untersucht wurden.
Maria Breitfelder, Eheweib des Johann Breitfelder, Schneider in Tiefenbach, sagte aus, daß ihr 1 1/4 Jahre altes Töchterlein Maria Elisabeth am 28. August 1723 beim Spielen in einen Wassertrog gefallen war, und als man es heraus- gezogen, kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben habe. Durch die An- rufung der Mutter-Gottes von Schönfeld sei es wieder lebendig geworden.
Laurenz Fritsch, Bürger und Schuhmacher in Gossengrün, sagte aus, er sei im Frühling des Jahres 1722 mit einem Wagen, der mit Eisen beladen war, von Gossengrün nach Eger gefahren; auf dem Wege sei er ausgerutscht und
=========
156
mit dem linken Fuß unter den schwer beladenen Wagen gekommen. Er habe nun zur Mutter-Gottes von Schönfeld um Hilfe gebetet und sein Gebet sei auch wirklich erhört worden, so daß er keinen Schaden litt und den Weg fortsetzen konnte.
Anna Maria Zeitler, verwitwete Bürgerin und Botenfrau in Schönfeld, machte vor der Kommission folgende eidliche Aussage: Als sie eines Tages mit ihrem vier Monate alten Kinde unter der Tür stand, sei dem Kinde in das rechte Auge Ruß geflogen; das Auge des Kindes habe sich entzündet und alle angewendeten Mittel hätten nichts geholfen. Am 6. September 1719 habe sie zur Mutter-Gottes von Schönfeld um Hilfe gebetet und plötzlich sei das Auge des Kindes geheilt worden.
Eine weitere, durch die Fürsprache der Schönfelder Mutter-Gottes erhaltene Gnadenerweisung erzählte Frau Maria Rosalia Zickler, Ehegattin des Stadt- richters in Schönfeld: Als sie vor mehreren Jahren von Elbogen nach Schön- feld übersiedelte, habe sie fortwährend Heimweh gelitten, und zwar derge- stalt, daß sie nicht mehr Ruhe fand, zu keiner Arbeit in der Hauswirtschaft gelangen konnte und darum große Verdrießlichkeiten mit ihrem Manne hatte. Da dieser Zustand schon über ein Jahr dauerte, habe sie ihre Zuflucht zur Mutter-Gottes genommen und auch Hilfe erlangt, so daß die Traurigkeit und Melancholie von ihr gewichen sei.
Frau Eva Päuerl, Ehegattin des Johann Päuerl, Bürgermeister, Bäcker und Hopfenhändler in Einsiedl, sagte aus, sie habe durch drei Jahre schwere Ohnmachtsanfälle gehabt und bei keinem Arzt Hilfe finden können. Da sei sie nach Schönfeld zur Mutter-Gottes gegangen, habe sie una Heilung ge- beten und ihr Gebet sei auch erhört worden, so daß sie ihre vollständige Gesundheit wieder erlangte.
Eine andere Aussage machte Marie Tischer, eine Frau aus Neudorf. Sie hatte viele Wochen schwer zu leiden unter einem Aussatz, der ihren Körper be- deckte, und sie mußte viele Schmerzen ausstehen. In ihrer Not nahm sie ihre Zuflucht zur Schönfelder Mutter-Gottes und wurde geheilt.
Martin Tischer, Hopfenhändler aus Neudorf, erschien ebenfalls vor der Kommission und machte die eidliche Aussage, daß er viele Wochen lang hef- tige Schmerzen im rechten Arm hatte, so daß er nicht arbeiten konnte. Durch sein Gebet vor der Schönfelder Mutter-Gottes sei er von seinem Leiden befreit worden.
Johann Andreas Lippert, Bürger und Wundarzt in Unterchodau, berichtete, daß ihm bei einer Freuersbrunst, die im Jahre 1722 in Chodau wütete, ein Funke in das rechte Auge gesprungen sei und dasselbe schwer verletzt habe. Da der Schmerz schon über ein halbes Jahr dauerte und trotz aller ange-
=======
157
wandten Mittel nicht nachließ, habe er sich auf den Rat einiger frommer Christen nach Schönfeld gewendet und die Mutter-Gottes um Hilfe gebeten. Sein Gebet wurde auch erhört und er fand Genesung.
Katharina Lorenz aus Schönfeld, Ehefrau des Andreas Lorenz, Müller in der unteren Mühle, sagte aus, daß sie im Jahre 1718 nach dem Wochenbett von heftigem Gliederreißen gequält wurde. Vergebens habe sie Hilfe gesucht bei Karlsbader Ärzten; erst durch ihr Gebet zur Schönfelder Mutter-Gottes sei sie geheilt worden.
Einvernommen wurde auch Johann Friedrich aus Sattl. Er machte die Aus- sage, daß sein Kind Thomas infolge einer Blatternkrankheit neun Wochen lang blind gewesen und infolge einer Wallfahrt der Eltern nach Schönfeld geheilt worden sei.
Georg Wara, Hopfenhändler in Einsiedl, berichtete der Kommission folgen- des: Als er im Jahre 1719 eine Geschäftsreise nach Nürnberg unternahm, wurde er auf dem Wege dahin von einer schweren Krankheit befallen, so daß er in dem Dorfe Reitersdorf, ungefähr drei Stunden von Nürnberg, blei- ben mußte. Von da brachte ihn sein Schwiegersohn mit großer Mühe nach Hause. Mehrere Wochen lag der Hopfenhändler krank. Dann wandte er sich auf den Rat seiner Hausleute nach Schönfeld und bat die Mutter-Gottes um Fürsprache. In der Tat genaß er vollständig von seiner Krankheit.
Josef Voith, Bürger und Tuchmacher aus Theussing, gab an, daß sein neun- jähriger Sohn Hans Wenzel infolge eines Sturzes von der Treppe tödliche Verletzungen erlitten habe, aber nach Anrufung der Schönfelder Mutter- Gottes vollständig gesund geworden sei.
Diese und mehrere andere Fälle von Gnadenerweisungen, die nach der eid- lichen Aussage der einvernommenen Zeugen der Fürsprache der Schönfel- der Mutter-Gottes zugeschrieben wurden, wurden von der Kommission auf ihre Wahrheit geprüft und nach Abschluß der Untersuchung wurde ein ein- gehender Bericht an das Konsistorium nach Prag gesandt. Auf Grund dieses Berichtes wurde die Statue vom f.-e. Konsistorium durch Zuschrift vom 19. Oktober 1723 für gnadenreich erklärt und durch eine neuerliche Zu- schrift vom 23. Oktober 1723 wurde angeordnet, daß die Statue am Hoch- altare, und zwar zwischen dem Tabernakel und dem Altarbilde (Bild der hl. Katharina) aufgestellt werden solle.
So stand nun das Bild am Hochaltar, zur großen Freude aller Verehrer der lieben Gottesmutter. Nun hatten die Schönfelder noch einen Wunsch: sie ließen dem f.-e. Konsistorium die Bitte vorlegen, mit der Gnadenstatue eine feierliche Prozession um den Marktplatz halten zu dürfen. Das Konsistorium gewährte auch diese Bitte, indem es durch Schreiben vom 15. Mai 1724 an
=====
158
den Pfarrer Christof Ernst die Zustimmung aussprach, daß an einem Marien- feiertag mit der Gnadenstatue eine feierliche Prozession um den Marktplatz abgehalten werden dürfe. Man wählte dazu das Fest Mariä Heimsuchung, den 2. Juli 1724.
Ganz Schönfeld war in hochfestlicher, freudig erregter Stimmung, als das Fest herangekommen war. Es war ein prachtvoller Sommertag. Mit hellem Glanz strahlte die Sonne hernieder, als wolle sie ausdrücken, daß auch die Natur teilnehme an der Festesfreude der uralten Bergstadt Schönfeld.
Früh um acht Uhr wurde mit sämtlichen Glocken das Zeichen zur Predigt gegeben. Da die Kirche die vielen Tausend Zuhörer und herbeigeströmten Wallfahrer nicht fassen konnte, war auf dem Friedhof unter einer großen Linde eine Kanzel errichtet worden. In herrlichen, die Herzen erschüttern- den Worten schilderte der Festprediger, Herr Johann Michael Hönig, Pfarrer zu Chodau, den Ursprung und das Herkommen des gnadenreichen Mutter- Gottesbildes. Tief ergriffen, mit Tränen der Rührung und der Freude im Au- ge, lauschten die Zuhörer den Worten des Predigers, besonders diejenigen, welche durch die Fürsprache der Mutter-Gottes eine Gnade und Barmher- zigkeit von Gott erlangt hatten.
Nach der Predigt ordnete sich die Prozession und zog dann in großer An- dacht um den Marktplatz herum. An der Spitze des Zuges schritten die Bergknappen, dann folgte die Geistlichkeit; in großer Anzahl hatten sich Priester aus dem Welt- und Ordensklerus eingefunden.. Jetzt kam die Gna- denstatue, geschmückt mit vielen goldenen und silbernen Opfergaben und überragt von einem Baldachin mit einem vergoldeten Strahlenkranz. Sie wurde auf einem überaus schön hergerichteten Postament von sechs Prämonstratenser-Chorherren aus dem Stifte Tepl getragen. Da die Statue mit dem Traggestell sehr schwer war, so wurden diese Herren von Zeit zu Zeit abgelöst durch sechs andere starke Männer, die neben ihnen einher- schritten und die lange, bis zur Erde herabreichende Mäntel trugen; auch hatten diese sechs Männer Lorbeerkränze auf dem Haupte. Zu beiden Seiten der Statue gingen je 12 Bergknappen mit Hellebarden und außerdem je 12 Fackelträger. Hinter der Statue schritt eine große Anzahl adeliger Herren und Frauen sowie der gesamte Magistrat von Schönfeld und Lauterbach. Mit Erlaubnis des f.-e. Konsistoriums in Prag war aus diesem Nachbarort eine Prozession gekommen und hatte eine Opfergabe von 20 Reichstalern mitge- bracht. Jetzt folgten die sonstigen Andächtigen und Wallfahrer in überaus großer Zahl. Es sei noch bemerkt, daß sämtliche an der Prozession teilneh- menden Personen brennende Kerzen trugen. Man schätzte die Zahl der an diesem Tage in Schönfeld Anwesenden auf 20000 Personen. Nach dem Um- zug um den Marktplatz zog man in die Kirche, wo Herr Johann Christian
=======
159
Die Mutter-Gottes im Lindenbaum. Ein Relief aus weißem Marmor, geschaffen von dem Schönfelder Bildhauer Karl Wilfert.
Kuhn, Erzdechant von Falkenau, mit zahlreicher Assistenz ein feierliches Hochamt hielt, welches mit einem Tedeum geschlossen wurde. Noch viele Jahre blieb dieser herrlich verlaufene Festtag den Beteiligten in freudigster Erinnerung.
Die Gnadenstatue stand von jetzt an fortan am Hochaltar. Während bisher die Wallfahrtsprozessionen nicht an einem bestimmten, sondern an einem ihnen beliebigen Tag nach Schönfeld gekommen waren, wurde es von 1724 an gebräuchlich, daß sie nur immer am Feste Mariä-Heimsuchung kamen, beziehungsweise am nächstfolgenden Sonntag. Durch eine lange Reihe von Jahren kamen aus vielen Orten große Prozessionen. Zu Ende des 18. Jahr- hunderts, besonders wohl infolge der Kriege mit Frankreich, hörten die Pro- zessionen allmählich auf; nur die aus Eger, welche stets die zahlreichste gewesen war, hielt am längsten, darum wird in Schönfeld auch heute noch der Sonntag nach Mariä Heimsuchung der,,Egerische Sonntag" genannt.
Daß Schönfeld ein Wallfahrtsort geworden war, war hauptsächlich der uner- müdlichen Tätigkeit des Pfarrers Christof Adam Ernst zu verdanken. Er war in Eger geboren und wirkte als Pfarrer in Schönfeld vom Jahre 1710 bis 1745, also 35 Jahre. Er starb in Schönfeld in seinem 61. Lebensjahr. Pfarrer Ernst war ein eifriger Verehrer der seligsten Jungfrau Maria, ein guter Beichtvater und vortrefflicher Prediger, ein in jeder Hinsicht wackerer Mann. Über den Ursprung des Schönfelder Gnadenbildes schrieb er ein
Büchlein, das den Titel hatte:,,Flos campi oder: Maria, die schöne Feldblume."
======
160
Das ist: Kurz entworfener Ursprung der gnadenreichen Mutter-Gottes in der uralten königlichen freien Bergstadt Schönfeld im Königreich Böheim. Er- schienen 1727. Verfaßt durch Christof Adam Ernst, A.A.L.L. et Philosophie Magister et St. Theol Baccalaureum und Pfarrer daselbst.
Die Tatsache, daß vor ungefähr 250 Jahren von dem Tischler Zimmerhackl eine von ihm geschnitzte Marienstatue in den Stamm eines Lindenbaumes, der von einem gewaltigen Sturmwind niedergeworfen aber wieder aufge- richtet worden war, eingesetzt wurde, ist in unserer Pfarrkirche durch ein wertvolles Kunstwerk zur Darstellung gebracht. Ein Sohn unserer Gemein- de, Herr Karl Wilfert in Eger, der als Bildhauer einen bekannten Namen hat, widmete im Jahre 1897 der Pfarrkirche seiner Vaterstadt als Geschenk ein Marmorrelief, auf welchem die Linde mit der eingesetzten Marienstatue dar- gestellt ist (siehe Foto). Diese Skulptur, ein wahrhaft klassisches Kunstwerk, repräsentiert einen sehr hohen Wert.
Wie schon bemerkt, stand die gnadenreiche Mutter-Gottes-Statue in der alten, im Jahre 1848 abgebrannten Pfarrkirche auf dem Hochaltar. Auch in der neuerbauten Kirche wurde sie wieder auf denselben Platz gestellt, aber jedes Jahr wurde sie vom Feste Mariä Heimsuchung bis zum Tage Mariä- Himmelfahrt auf den Altartisch gestellt, damit sie von den Wallfahrern bes- ser gesehen und verehrt werden konnte. Dieses jedesmalige Herabnehmen und Wiederhinaufstellen der Statue war mit großen Schwierigkeiten verbun- den. Später fand sie deshalb ihre Aufstellung am Marienaltar. Da sie aber an diesem Platze ziemlich abseits gelegen und deshalb weniger beachtet war, wurde im Jahre 1911 ein neuer Aufstellungsplatz bestimmt, nämlich die Mitte der gegen Süden gelegenen Längsseite der Kirche. Geschmückt mit einem rotsamtenen Baldachin thront nun hier auf einem Postament, das auf einem hohen Altartische steht, die altehrwürdige, gnadenreiche Statue der Schönfelder Mutter-Gottes.
=========
161
Die Schönfelder Matriken
Im deutschen Gebiet der Erzdiözese Prag gehören die Matriken von Schön- feld mit zu den ältesten.
Sie enthalten sehr viel Informatives aus der Ortsgeschichte. So z. B. Volks- bewegung, Familiennamen, Beschäftigung, Zuwanderung, Todesursachen
usw.
Die Schönfelder Geburtsmatrike beginnt mit dem Jahr 1552.
Die Trauungs- und Sterbematriken mit dem Jahr 1577.
Die Eintragungen sind bis 1624 deutsch, danach meist lateinisch und ab dem Jahr 1750 wieder deutsch.
In der Reihe der Matriken fehlt lediglich ein Band von 1660/1710
In den Matriken von Schönfeld finden sich folgende Namen von adeligen Familien, die einst in Schönfeld ansässig waren.
von Gleißenthal
von Hartenberg
Schierendinger von Schierending
von Schönau
von Steinsdorff
Hutzelmann vom Wolfshofe
von Thein
Heid von Heidenthal
von Miahle
Multz von Walda
Tichtel von Tutzing
Wirzikowsky von Konraditz
Katholische Seelsorger in unserer Gemeinde (1404-1959)
1404 Kaplan Frana
1414
1519
1642
bis 1659
1659-1663
1663-1671
Kaplan Wenzl von Prachaditz
Kaspar Hoffmann
ein Kreuzherr als Pfarrer
Gottfr. Em. Mitius, Kreuzherr
Wenzel Wirnitzer, Kreuzherr Ferdinand de Lehse
1671-1684 Andreas Etter
1684-1685 Thomas Preinl
1685-1710 Stephan Kohler
161
=========
162
1710-1745
Christ. Adam Ernst
1745-1772
Adalbert Wiesner
1772-1805
Josef Ungar
1806-1810
Josef Fabian
1810-1819
August Czirch
1820-1832
Joh. Alois Renner
1832-1843
Josef Lauber
1843-1849
Adam Kanzler
1849-1861
Andreas Jäger
1861-1878
Johann Schiffl
1878-1892
Hermann Melzer
1892-1898
1898-1910
Johann Gans
Josef Zika
Ab Mai 1910 war Monsignore Karl Enzmann Pfarrer in Schönfeld. Eine hoch- geschätzte und hochgeachtete Persönlichkeit unseres Ortes. Pfarrer Enz- mann war mit unserer Generation besonders stark verbunden (siehe auch Chronist,, Pfarrer Enzmann').
8. 4.1940- 1. 4. 1941 1. 4.1941-31. 5. 1943
Kaplan Rösch, geb. 1914 in Khoau/Tachau. Pfarrer Prof. Wilhelm Doppel geb. 1904 in Mühlessen/Eger, wurde als Erzdechant nach Eger versetzt. 1952 in Aẞlar tödlich verunglückt. 1. 6. 1943 4. 9. 1943 Administrator Josef Preßner, geb. 1915 in Wvrka/Luditz. In der gleichen Funktion nach Sandau versetzt.
4. 9.1943-28. 11. 1946 Pfarrer Richard Hopp, geb. 1884, zuletzt Erz-
dechant in Falkenau.
28. 11. 1946-30.11.1959 Pfarrer Konrad Gebhart, geb. 1910 in Schönfeld. Pfarrer in Schönfeld und Schlaggenwald. Er war der letzte deutsche Seelsorger in Seelsorger in unserem Heimatort.
Kapläne in Schönfeld (1771-1910)
Karl Perger
Josef Bočan
Ignaz Wagner
Josef Zuleger
Christian Korb
Richard Groß
162
=========
163
P. Abel, Kapuziner Ferdinand Gebhart
Josef Werner Franz Erlbeck
Friedrich Eifler Anton Schener
Franz Tippmann
Josef Richter
Josef Stöckner Ferdinand Ubl Max Leger Josef Gruber
Johann Georg Frank Franz Ringelsberg Norbert Schierl
Karl Kugler Josef Hammer Augustin Tausenau Georg Koppmann
P. Martin Rustler, Kapuziner
P. Andreas Hüttisch, Franziskaner Konrad Syha
Ignaz Zahradka
Johann Karel
Josef Syrovy Franz Seda
Franz Kulhavý Cyrill Höschl
Franz Cikánek Johann Hermach
Emanuel Kreuzer
Bruno Dorminger
Protestantische Pastoren und Diakone in Schönfeld (1570-1624)
Pastoren:
1570
Johannes Köhler
1583-1620
1620-1624
Samuel Seltenreich aus St. Joachimstal Johann Leuffer aus Naumburg a. d. Saale
Diakone:
1582
Tobias Polus aus St. Joachimstal
1583 Samuel Seltenreich
1584 Tobias Faber
1589
Matthäus Nikolaus
1597 Johann Altus
1600 Johann Grusius 1614 Samuel Nucelius
1618 Johann Leuffer
1620
1622
Nikolaus Weber
Valentin Lehnmann
163
=========
164
Mesner
Zum Kapitel Kirche gehören auch die Mesner (Kirchendiener). Hier ist be- sonders Adolf Fuhrmann sen. zu erwähnen, der viele Jahre dieses Amt beklei- dete. Nach seinem Tode übernahm sein Sohn, gleichen Namens, diese Stelle. Ihm folgte Franz Meixner. In den letzten Jahren war Frau Resi Dennl als Kirchendienerin tätig.
In Schönfeld geborene katholische Geistliche
Chorherren des Prämonstratenserstiftes Tepl:
Ferdinand Götzl, geb. 1654, Ökonomieinspektor in Krukanitz, gest. 1711. Ferdinand Zickler, geb. 1684 Ök.- und Garteninsp., gest. 1765.
Adrian Andreas Zickler, geb. 1691, gest. 1724.
Eugen Johann Georg Gammon, geb. 1693, gest. 1744.
Anton Franz Gareiß, geb. 1709, gest. 1747.
Ludwig Vitus Anton Götzl, geb. 1710, gest. 1770.
Laborius Franz Ruppert, geb. 1714, gest. 1762.
Kaspar Johann Meinl, geb. 1717, gest. 1772.
Blasius Johann Ruppert, geb. 1720, gest. in Prag 1748.
Kaspar Ignaz Franz Miesner, geb. 1752, Doktor der Theologie, Professor und Ökonomieinsp., gest. 1830.
Ferdinand Anton Kugler, geb. 1781, Doktor der Philosophie, Professor in Pil- sen, Pfarrer in Chotischau, gest. 1856.
Franz Georg Fuhrmann, geb. 1815, gest. 1897.
164
=========
165
Andere Priester:
Norbert Christian Klupp, Pfarrer in Zinnwald, Metropolitankapitular bei St. Veit in Prag und Generalvikär. Gest. in Prag 1758. Er war Stifter und Erbauer der großen und einst sehr schönen Kapelle am Ausgang unseres Ortes nach Lauterbach. Später als Armenhaus unter dem Namen,,Kirchl" bekannt.
Franz Adalbert Josef Caroli, geb. 1757, Doktor der Theologie. Domprobst bei St. Veit in Prag. Generalvikär. Gest. 1830.
Franz Fuhrmann, geb. 1770, Kaplan in Neudek und Zwetbau, Lokalist und Pfarrer in Sachsengrün. Gest. 1833.
Anton Fuhrmann, war 1801 in Lanz.
Wenzl Lorenz, 1757-1788 Kaplan und Pfarrer in Koßlau.
Franz Karl Jordan, starb 1796 als Weltpriester in Prag.
P. Innozenz Josef Schneider, Benediktiner in der Abtei Emaus in Prag, Präfekt am Gymnasium in Klattau. Geb. 1791, gest. 1835 in Schönfeld.
Ferdinand Gebhard, Dechant in Schweißing, 1798-1823.
Franz Miesner, geb. 1833, 1857/1871 Kaplan und Pfarrer in Plan, 1884-1898 Dechant in Mies.
Richard Zickler, geb. 1830, gest. 1874.
Josef Anton Lorenz, geb. 1798, war 1861 Pfarrer in Gottesgab.
Franz Dörfler, geb. 1775, Kaplan in Donawitz, Administrator in Kirchenbirk. Gest. 1810.
Josef Kuhn, war 1754 Pfarrer in Neukirchen.
Michael Hönig, war Pfarrer in Grottau.
Andreas Langkammer, war Probst in Raudnitz.
Gabriel Richter, war Pfarrer in Neustadl.
P. Gaudentius Ruppert
Josef Miesner, geb. 1796, 1822-1874 Kaplan und Pfarrer in Tschernoschin.
Franz Anton Gebhard, war 1861 Stiftskaplan in Waltsch.
Josef Haller, gestorben um 1761 als Kleriker.
Karl Ruppert, Kaplan in Eger, gest. 1882 als Pfarrer in Trebendorf.
165
=========
166
Ignaz Ruppert, starb 1876 als Pfarrer in Tüppelsgrün.
Josef Hackenschmidt, Kaplan in Heinrichsgrün und Falkenau, Pfarrer in Neu- rohlau und Lauterbach.
Andreas Hackenschmidt, Kaplan und Pfarrer in Gossengrün.
Josef Jordan, Pfarrer in Washington/USA und Prag.
Konrad Gebhart, Pfarrer in Diwischkau/Prag, Falkenau, Trebeschitz, Schlag- genwald und Schönfeld.
Pfarrhaus
Hinweise zum Pfarrgebäude finden sich erstmals zum Ende des 18. Jahrhun- derts. Aus einem Schreiben vom 11.9. 1780 des damaligen Bezirksvikärs an das Konsistorium in Prag geht hervor, daß sich zu dieser Zeit das Schönfelder Pfarrhaus (Zeit der Erstellung ist unbekannt) in einem sehr schlechten Zu- stand befand und von Einsturzgefahr bedroht war. In diesem Schreiben wird Excellenz Graf Karl Clary gebeten, beim Patronat das Nötige zu veranlassen, da die Gemeinde nicht die notwendigen Gelder für die Reparatur aufbringen kann. Das Oberste Berg- und Münzamt in Prag schaltete daraufhin das Berg- oberamt in St. Joachimsthal ein und bat um Vorlage eines Bauplanes und Ko- stenvoranschlages. Ein Oberamtsverwalter nahm in Schönfeld die Besichti- gung des Objektes vor. In seinem Bericht vom 27.2. 1781, in dem auf die Zwecklosigkeit einer Reparatur hingewiesen und ein Neubau, aufgesetzt auf dem unteren Gemäuer, empfohlen wird, ist auch von einem Kaplanhaus die Rede, welches in unmittelbarer Nähe stand. Es wurde die Verlegung der Kaplanswohnung in das Pfarrhaus und der Verkauf des Kaplanhauses vorge- schlagen. Schätzwert 130 Gulden. Der Erlös sollte für den Neubau mit ver- wendet werden.
Man forderte den Baumeister Wenzl Hausmann in Tepl auf, einen Plan mit Kostenvoranschlag auszuarbeiten. Hausmann ermittelte eine Bausumme von 1475 Gulden. Eine Anzahl Bürger verpflichteten sich zu Handarbeiten und Übernahme von Fuhren. Schätzwert dieser Leistungen 135 Gulden.
166
=========
167
Kirche mit Pfarrgebäude.
Links das Rau-Haus, rechts der Lauterbacher Straße noch der offene Flößgrabenverlauf.
+
Bis zum Baubeginn im Jahre 1782 erfolgten noch diverse Überlegungen hin- sichtlich Finanzierung und Bauausführung. Kirchenrechnungsbücher be- richten, daß für den Pfarrhausneubau von der St. Josefs-Kapelle in Schlag- genwald 2834 Gulden ausgeliehen wurden.
Am 7. Juni 1839 geschah in einer sehr stürmischen Nacht ein Einbruch in diese Pfarrei. Die Diebe drangen mit Hilfe einer Leiter in den oberen Stock ein und raubten den Schreibtisch des Pfarrers aus. Die eiserne Kirchenkasse nahmen sie mit bis zum Flößgraben, öffneten sie gewaltsam und entnahmen etliche Schmucksachen.
Beim großen Brand 1848 brannte das Pfarrgebäude und das damals wahr- scheinlich noch existierende Kaplanhaus nieder.
Das Pfarramt wurde daraufhin im Haus Nr. 18 (Schlatter) eingerichtet. Der jährliche Mietzins betrug 70 Gulden.
1868 bewilligte das staatliche Patronat den Bau des jetzigen Pfarrgebäudes. Ausführender war der Petschauer Baumeister Josef Schmidt. Der Bau wurde im Jahre 1869 - mit einem Kostenaufwand von 29 563 Kronen - erstellt. Zur Pfarrei gehörten auch ca. 5 Hektar Wiesengrundstücke, die bis 1945 verpachtet waren.
Im Erdgeschoß des Pfarrgebäudes befand sich viele Jahre die tschechische und ab 1938, einige weitere Jahre, die deutsche Gendarmeriestation.
167
=========
168
Glockenturm und Glocken
Der Glockenturm am alten Friedhof
Er stammt aus dem Jahre 1560. Ein massives freistehendes Bauwerk, dessen unterer Teil aus kräftigen dicken Steinmauern besteht; der obere Teil ist mit Holz verkleidet, das Dach war schindelgedeckt. Steil führt die alte Holz- treppe in mehreren Absätzen durch ein mächtiges Balkenwerk hinauf in den Glockenstuhl.
In früheren Jahren standen vor dem Glockenturm einige Linden. Die letzte davon wurde in den ersten Wochen des Jahres 1861 von einem furchtbaren nächtlichen Sturm entwurzelt. Diese Linde soll - so wird berichtet - den Glockenturm beim großen Brand 1848 mit ihrer breiten Laubkrone vor der Vernichtung durch das Feuer bewahrt haben.
Geschichte der Glocken
In einer Zeitspanne von beinahe 400 Jahren besaß unser Heimatort - soweit bekannt - nicht weniger als 11 Glocken unterschiedlichster Größen. Sie rie- fen die Gläubigen zum Gottesdienste und zum feierlichen Hochamte an ho- hen Festtagen. Sie erklangen zur Auferstehungsfeier an den Bittags- und den feierlichen Fronleichnamsprozessionen, sie luden in kalter Winternacht am Heiligabend dreimal zur Teilnahme an der mitternächtlichen Christmette. Sie begleiteten mit feierlichem Klange das Hochzeitspaar zum Traualtar und mit klagender Stimme den Verstorbenen auf seinem letzten Weg zum Fried- hof. Auch dem Bergmann galt in früheren Jahren eine der ehernen Stimmen, die ihn zur Einfahrt in die Grube mahnte.
Dem 20. Jahrhundert blieb es vorbehalten, hier Wandel zu schaffen. Gleich den Menschen wurden in den beiden Weltkriegen auch sie für Kriegs- zwecke eingezogen. Was Meisterhände einst kunstvoll schufen, verschlan- gen nun schonungslos die Schmelzöfen der Kriegsindustrie. Aus den bisheri- gen Kündern und Mahnern zu Friede und Eintracht wurden nun Werkzeuge des Todes.
168
=========
169
Verödet standen die Glockenstühle, man hatte ihnen ihre Seele genommen. Nur am Glockenturm hing vereinsamt noch die Sterbeglocke; mahnendes Zeichen einer erbarmungslosen Zeit.
Nachfolgend eine Übersicht sowie einige Hinweise zu den Glocken unseres
Heimatortes:
Nr. Bezeichnung
1
2
3
4
5 6 7 8
1.,,Große Glocke"
1560 1344
1.22
X
2.,,Mittlere Glocke"
1592 400
X
X X
3.,,Bergglocke"
1654
60
X
4.,,Kleine Glocke"
1656
200
0.82
X
X
X
5.,,Sterbeglocke"
1706
53
X
6.,,Sanctus-Glocke"
(?)
X
7.,,Kirchl-Glocke"
1842
X
8.,,Sterbeglocke"
1925
1.789.-
X
X
9.,,Große Glocke"
1925
1120
34.279.-
X
10.,,Elf-Uhr-Glöckchen"
1925
49
1.400.-
X
11.,,Friedhofsglocke"
(?)
X
1
=
2
3
=
=
4
=
gegossen im Jahre
Gewicht in kg
5
=
6
Durchmesser in Meter 7
Kosten in Kč
=
=
eingezogen im I. Weltkrieg zurückerhalten 1918
eingezogen im II. Weltkrieg
8 = zurückerhalten 1942
Hinweise:
1.,,Die große Glocke" - Sie wurde in Pilsen gegossen.
2.,,Die mittlere Glocke" - Neben einer lateinischen Umschrift trug diese Glocke die Aufschrift:,,Gregor Albrecht hat mich gemacht zu Schlag- genwerth 1592."
3.,,Die Bergglocke" - von Wolf Hieronymus Herold in Nürnberg gegos- sen. Bis zum großen Brand 1848 hing diese Glocke in dem der Kirche angebauten Stadtturm.
4.,,Die kleine Glocke"
-
gegossen zu Prag von Nikolaus Löw. Nach Einzug im I. Weltkrieg erhielt Schönfeld diese Glocke 1918 wieder zurück. Sie war jedoch beschädigt und konnte nicht mehr geläutet werden.
169
=========
170
6...Sanctus-Glocke" - Diese Glocke hing im Türmchen der Kirche, sie wurde beim Gottesdienst zur hl. Wandlung und zum Segen geläutet.
7.,,Kirchl-Glocke" - Das sogenannte,,Kirgl-Glöckl" hing im Türmchen des Armenhauses. Vor dem I. Weltkrieg wurde es von den Insassen gegen ein kleines Entgelt bei Begräbnissen geläutet. Wegen Baufälligkeit des Gebäudes wurde es abgenommen und später im Heimatmuseum - bis zum Einzug aufbewahrt.
-
In den ersten Jahren nach dem I. Weltkrieg wurde ein Glockenkomitee gegründet mit dem Ziel, neue Glocken zu beschaffen. Diesem Komitee gehörten unter anderen an: Pfarrer Karl Enzmann, Bürgermeister Roman Kempf, Stadtsekretär Josef Keßler und Sparkassendirektor Wilhelm Rup- pert. Mit den eingegangenen Spendenmitteln konnten folgende Glocken beschafft werden:
8.,,Die Sterbeglocke"
—
Es war die Ersatzglocke für die im I. Weltkrieg ein- gezogene. Die dafür erforderlichen Geldmittel stellte der katholische Frauenhilfsverein in Schönfeld zur Verfügung. Gegossen wurde die Glocke 1925 von Richard Herold in Komotau.
9.,,Die große Glocke" - Diese wurde in der gleichen Glockengießerei her- gestellt; sie besaß die Stimmung,,C". Die Gelder für das mehr als eine Tonne schwere kostbare Stück stammten aus Haussammlungen und aus Spenden von auswärtigen und im Auslande lebenden Schönfeldern. Außerdem flossen noch die Reinerlöse einiger Theaterveranstaltungen der Glockenkasse zu.
170
Am Donnerstag, den 9. Juli 1925, traf die,,Große Glocke" in Schönfeld ein. Trotz vorhergegangener Regentage erfolgte am 12. Juli, dem Egeri- schen Sonntag, die Glockenweihe. Schon früh um 7 Uhr wurde mit einem musikalischen Weckruf und mehreren Böllerschüssen dieser Festtag eingeleitet. Herrlichstes Sommer-Sonntagswetter, mit einem strahlend blauen Himmel, steigerte noch die ohnehin schon hohe fest- liche Stimmung bei der Bevölkerung. Bald darauf versammelten sich alle örtlichen Vereine sowie die Mitglieder der Stadtverwaltung und der Geistlichkeit. Unter Musikbegleitung bewegte sich dann der Festzug, einschließlich der geschmückten Wagen mit den Glockenpatinnen und deren Ehrenjungfrauen, zum unteren Ortsausgang, wo der bei der Rupperth-Gerberei schon bereitstehende blumenbekränzte Festwagen mit der Glocke in den Zug aufgenommen wurde. Danach ging es wieder zurück zum Marktplatz, auf dem man schon Tage zuvor eine Festbühne errichtet hatte.
=========
171
Der Alte Friedhof und spätere Park mit dem im Jahre 1560 erbauten Glockenturm (Aufnahme 1942).
Nach einer vorangegangenen Feldmesse hielt Pfarrer Enzmann die Weiherede, dann folgte die Glockenweihe, bei der die Glocke auf den Namen der Kirchenpatronin,,Katharina" getauft wurde. Anschließend erfolgte die Glockenüberführung zum Glockenturm, wo unter den Augen vieler Zuschauer die schwere Glocke reibungslos in den Turm eingeholt wurde.
Inzwischen waren auch die Wallfahrer eingetroffen, es war ja Egeri- scher Sonntag.
Um 14 Uhr bot der Theater-Dilettantenverein das Singspiel,,Das Dorf ohne Glocke", der musikalische Teil oblag dabei Kapellmeister Anton Gräf. Die Darbietung war ein voller Erfolg.
Für die Gefallenen und Verstorbenen des Weltkrieges fand am Abend in der Kirche eine Andacht statt, dann spielte vom Glockenturm ein Blä- serchor die Weisen,,Ich hatt' einen Kameraden" und Theodor Körners ,,Gebet während der Schlacht". Dem folgte ein heiliges Schweigen, alle lauschten gespannt und voller Erwartung - die Spannung steigerte sich von Sekunde zu Sekunde - bis schwer und wuchtig das Erstgeläut der großen Glocke die Stadt durchdrang. Ihr Wohlklang fand allseits große Zustimmung.
10.,,Das Elf-Uhr-Glöckchen"
gestiftet vom Deutschen Jugendbund,, Glöis- ser". Es hatte die Bestimmung, wie in der Vorzeit unserer ehemaligen königlich freien Bergstadt, um 11 Uhr vormittags und 7 Uhr abends zu läuten. Dieses Glöckchen traf zusammen mit der großen Glocke in Schönfeld ein, wurde aber bereits einen Tag früher als diese seiner Be- stimmung übergeben. Das Erstgeläut erklang am Samstag, den 11. Juli 1925, um 19 Uhr. Übereinstimmend war man der Auffassung, daß der Klang genau dem der alten Bergglocke entsprach.
Die Anschaffung dieses Glöckchens lag auch im Sinne der Landwirte, für die der Glockenruf in vielen Fällen die einzige Zeitorientierung bei ihrer Arbeit auf den umliegenden Feldern und Wiesen war.
171
=========
172
Friedhöfe
Der alte Friedhof und spätere Park
In früheren Jahren umschloß der alte Friedhof die Kirche, dies wurde durch Knochenfunde - besonders bei der Überdeckung des Flößgrabens - bestä- tigt. Später befand sich die Friedhofsanlage nur noch hinter der Kirche. Sie reichte hin bis zum Glockenturm und das damals daran angebaute Leichen- haus. 1839 wurde die Friedhofsmauer erneuert, knapp zwei Jahre danach ließ der damalige Bürgermeister Alois Roth 23 Pappeln pflanzen. Im Jahre 1860 erfolgte in voller Breite eine Erweiterung in Richtung Süden (Paint), auch dieser Teil erhielt eine Mauereinfriedung.
Die Beerdigungen fanden in jener Zeit jeweils um 10 Uhr statt, auf einer Bahre wurden die Särge zum Grab getragen.
1901 legte man den neuen Friedhof an der Petschauer Straße an, so wurde der alte Friedhof 1918 aufgelassen. 1922 wurden die letzten der noch verblie- benen Grabsteine entfernt, die Grabhügel eingeebnet und die ganze Fläche mit Grassamen eingesät. Die Wiesenfläche verpachtete die Gemeinde später.
Einziges Erinnerungsstück an den ehemaligen Gottesacker war ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes und in die obere Mauer eingesetztes Epitaph (Erinnerungsmal).
In der Zeit von 1925 bis 1934/35 wurden jedes Jahr am,,Tag der Bäume" von der Volksschul-Oberklasse auf diesem Gelände Obstbäumchen ge- pflanzt. Auf diese Weise wuchs der Obstbaumbestand, unter der sachkun- digen Anleitung des Oberlehrers Franz Jordan, auf 35 Exemplare.
Auf Anregung der Fremdenverkehrskommission, unter dem damaligen Ob- mann Fredl Ruppert, gab die Stadtgemeinde ihre Zustimmung zur Anlegung eines Parkes. Im Frühjahr 1935 wurde mit den Arbeiten begonnen.
172
=========
173
Der Lehrer Oskar Hubl übernahm die Gestaltung, er arbeitete mit großem Eifer und starkem Einsatz an dieser Aufgabe. Er war auch der geeignetste Mann für dieses Werk, denn er besaß die dafür erforderlichen botanischen Kenntnisse. Hin und wieder konnte er einige Schüler mit zu diesen Arbeiten heranziehen, die ihm eine recht wertvolle Hilfe waren. Er bekam auch Unterstützung von seinem Bruder, Lehrer Josef Hubl, und später von Amt- stätter Eduard.
Wohl in Anlehnung an unsere heimische Landschaft widmete er den Stein- gärten besondere Aufmerksamkeit. Die von Roßmeißl Beb per Lastwagen herangeführten Steine stammten vom Hohenstein, es waren teilweise recht schwere flechten- und moosbewachsene Brocken, die dann von jungen kräf- tigen Männern an ihre Bestimmungsplätze geschleppt wurden. Die Pflanzen und Ziergehölze stammten aus der Schloßgärtnerei in Petschau und von den Baumschulen in Tetschen und Eisenberg. Aus Komotau trafen von dort an- sässigen Schönfeldern 12 Koniferen ein, sie erhielten einen besonderen Platz, der später die,,Komotauer Ecke" genannt wurde. Auch Schönfelder Bürger beteiligten sich finanziell bei der Anpflanzung.
Neben dem Glockenturm legte Hubl für den Kindergarten einen Spielplatz
an.
Im Juli 1943 wurde im Zentrum des Parks ein Ehrenmal für die Gefallenen errichtet (siehe auch Chronik).
Die meisten Besucher haben gern nochmal, nachdem sie den Park über die breiten Steinstufen hinab verlassen hatten, eine kurze Andacht an der Ölberg-Kapelle gehalten.
Diese Kapelle ließen Josef Zickler und mehrere andere Spender im Jahr 1837 errichten. Der Kostenaufwand betrug 137 Gulden. Die Ölberg-Kapelle war Eigentum der Kirche.
173
=========
174
Der Neue Friedhof an der Straße nach Petschau.
Der neue Friedhof
Kurz vor der Jahrhundertwende, als Schönfeld mit über 3200 Einwohnern seine höchste Bevölkerungszahl erreichte, wurde eine Erweiterung des Friedhofes unumgänglich. Nach den damals geltenden gesetzlichen Bestim- mungen durften jedoch unmittelbar an den Ort angrenzende Friedhöfe nicht mehr erweitert werden. So sah sich die Gemeindeverwaltung gezwungen, nach einem geeigneten Platz Ausschau zu halten, wobei die vorderen Läng- felder in die engere Wahl kamen. Vom Landwirt Johann Hubl (Nr. 229) erwarb dann die Gemeinde letztendlich ein Grundstück, welches - nahe an der Petschauer Straße gelegen - den Vorstellungen entsprach.
Das neue Friedhofsgelände erhielt eine mannshohe Ziegelmauer-Einfassung, in deren Verlauf in der Nordwest-Ecke ein Wohnhaus für den Friedhofs- gärtner errichtet wurde. Mit dem außerhalb des Ortes gelegenen Friedhof wurde auch die Anschaffung eines Leichenwagens notwendig. Der Gesamt- kostenaufwand, einschließlich Grundstück, belief sich damals auf 20000 Gulden.
Am 18. August 1901 erhielt diese Ruhestätte ihre Weihe durch den damali- gen Pfarrer Josef Zika.
Der Gemeindepolizist Egerer war der erste, den man hier zu Grabe trug. Zur Zeit unserer Vertreibung 1946 war dieser neue Friedhof bereits gut belegt. Es waren meist schlichte Gräber mit einfachen Grabsteinen, die oft
174
=========
175
Johann Gebhard (Schmackl- Håns) mit seiner Frau am Tag der Goldenen Hochzeit in Schön- feld.
ein guẞeisernes Kreuz trugen. Hin und wieder sah man neben den Grab- steininschriften kleine ovale Porzellanbildchen mit dem Porträt des oder der Verstorbenen. Es gab auch viele Gräber mit ganz einfachen Holzkreuzen. Längs der Friedhofsmauer befanden sich überwiegend gekaufte Grabstellen, es waren meist Familiengräber der,,etwas-besser-Betuchten". 1907 wurde die Zoner-Gruft an der oberen Mauer errichtet. Frau Dr. Zona, die 1910 ver- starb, wurde einbalsamiert in dieser Gruft beigesetzt. (Die Verstorbene war 1859 in der Schlacht bei Solferino - Mantua/Italien - als Krankenschwester im Einsatz.) Auch ihr Ehemann Dr. Zona fand hier nach seinem Tode die letzte Ruhestätte.
Zu erwähnen ist noch das Mittelkreuz dieses Friedhofes, welches 1901 von Karl Wilfert gestiftet wurde.
Für Ordnung und Sauberkeit und auch für die Grabaushebungen und Be- stattungen sorgte in all den Jahren auf die tüchtigste Weise Johann Gebhard, genannt der,,Schmackl-Hans".
Es war oftmals ein weiter Weg, den der Leichenzug bis hinaus zum Gottes- acker zurückzulegen hatte, voran meist die Musikkapelle, gedämpft einen Trauermarsch spielend. Sobald der Zug auf der Petschauer Straße die Strei- chergasse erreicht hatte, setzten die Glocken vom nahegelegenen Glocken- turm ein; sie begleiteten,,die Leich" mit ihrem schweren und feierlichen Klang eine bestimmte Wegstrecke, dann übernahm das kleine Friedhofs- glöckchen mit hellerem Ton und seinem,,kumm rei(n), kumm (rei(n), kumm rei(n)" - - wie dieses Geläut allgemein zuhause gedeutet wurde - das letzte Stück des Weges.
Es gab kaum eine Beerdigung, in der nicht die „Mone" ärmsten - das letzte Glied des Trauerzuges bildete.
eine der Orts-
175
=========
176
Kapellen, Statuen, Wegkreuze und Marterln
Nach einer im Schönfelder Pfarrarchiv vorhandenen Aufstellung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts waren zu dieser Zeit im Pfarrbezirk 29 Statuen und Wergkreuze verteilt.
Die wichtigsten und gut bekannten sollen hier kurz erwähnt werden:
,,Die Maria-Schnee-Kapelle", im Volksmund auch Streicher- oder Zickler-Kapelle genannt. In dem gewölbten Raum der Kapelle stand die Statue der hl. Maria mit dem Jesuskind. Die barocken bemalten Holzfiguren stammten aus dem 18. Jahrhundert. Diese Kapelle am Ausgang der Strei- chergasse wurde von zwei Kastanienbäumen flankiert.
,,Die Dreifaltigkeitssäule" am alten Markt. Eine auf einem Stufenposta- ment aufgestellte hohe Säule trug das Gruppenbild der hl. Dreifaltigkeit. Das Postament hatte einen hervorstehenden Sockel, der ein Standbild der hl. Ma- ria trug. Der sakrale Platz hatte eine kreisrunde Einfriedung, diese bestand aus vier Sockelpfeilern mit dazwischen eingespanntem Eisengitter. Auf den beiden Türpfeilern die Standbilder des hl. Joachim und der hl. Anna. Die Säulenplatte des Denkmals trug auf der Rückseite die Inschrift: J. Wild 1806. Den Auftrag für die Dreifaltigkeitsstatuengruppe erhielt der Bildhauer Wild aus Elbogen von der Familie Zickler in Schönfeld (264).
,,HI. Florian-Statue" am Marktplatz (gegenüber Floth 112). Der Sockel mit dem Schutzheiligen gegen Feuergefahr trug die Inschrift:,,Bitte für uns, o heiliger Florian!" - 1809.
Unweit davon stand die barocke Statue des,,Hl. Antonius von Padua". Die Statue war ohne Inschrift.
Beide Standbilder boten einen recht kahlen Anblick; eine Einfriedung mit einigem Blumenschmuck hätte nicht nur zu ihrer, sondern auch zur Ver- schönerung des ganzen Marktplatzes beigetragen.
176
=========
177
Das Opl-Kreuz an der Streichergasse. Links der Glockenturm mit der Pfarrkirche.
Die,,Ecce homo-Statue" am Ausgang der oberen Langen Gasse. Das Standbild zeigte einen mit Dornen gekrönten Christus (Ecce homo, zu deutsch: Seht, welch ein Mensch). In der Seitenwand des Sockels eingemei- Belt: Ecce homo, 1743, M.A.K.
Am alten,,Petschauer Weg" standen die,,Untere- und Obere Statue". Jedes der beiden Standbilder stand unter zwei mächtigen Linden. Die untere Statue zeigte das Standbild,,der unbefleckten Maria" auf einem Steinsockel. Die Fußplatte trug die Inschrift: J. Wild.
Auf dem Sockel stand ursprünglich ein Standbild des hl. Nepomuk, das durch einen Blitzschlag zertrümmert wurde.
Das,,Opl-Kreuz" seitlich der Streichergasse. Vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts von J. Wild geschaffen.
177
=========
178
In der Rathausgasse war in der Tormauer des Hauses Nr. 233 (Neue Welt) eine gewölbte Nische eingebaut. In ihr stand seit 1830 ein Standbild des ,,Hl. Nepomuk”.
Ebenfalls gut bekannt, die Statue der,,HI. Mutter Anna", unterhalb des Ortsteils,,Neukaunitz" (Neu-Moskau).
An der Straße nach Lauterbach stand vor der Abzweigung des Herrenholz- weges eine Säule, die,,Steinerne Marter", sie hatte eine Höhe von 4/2 Meter. Errichten ließ sie im Jahre 1678 der damalige Pfarrer zu Schönfeld, Andreas Friedrich Etter.
Wie es im Volksmunde hieß, soll der Pfarrer Etter mit seinem Mesner, ei- nem schon sehr alten Mann, zur Winterzeit in dem damals noch nach Schön- feld eingepfarrten Lauterbach bei einem Kranken gewesen sein, um diesen mit den hl. Sterbesakramenten zu versehen. Auf dem Rückwege gerieten sie in ein furchtbares Unwetter. Der Mesner, ganz erschöpft, konnte nicht mehr weiter. Der Pfarrer eilte schnell nach Schönfeld, um Hilfe zu holen. Man fand aber den Mesner bereits erfroren auf und zwar angeblich an der Stelle, wo zu unserer Zeit noch die Steinsäule stand.
,,Die Vierzehn Nothelfer", eine Bildtafel an einer Pappel links der Pet- schauer Straße, knapp nach dem Ortsausgang.
Das Kühbühl-Kreuz". Von altersher stand auf dem höchsten Punkt des Kühbühls ein Holzkreuz, flankiert von zwei Pappeln. Im Laufe der Zeit wurde das Holzkreuz morsch und vom Wind umgeworfen. Die Pappeln gin- gen - oft von Blitzen getroffen - ein. Nach Einebnung des Alten Friedhofes wurde das bis dahin in der Mitte auf einem Steinsockel stehende Eisenkreuz anstelle des alten Holzkreuzes aufgestellt.
Zu Anfang der dreißiger Jahre wurde dieses Eisenkreuz samt des massiven. Steinpostamentes wieder entfernt und an gleicher Stelle ein hohes Kunst- steinkreuz mit dem gekreuzigten Heiland aufgestellt. Das Kreuz wurde ver- mutlich im Auftrage von Franz J. Ruppert (Poschetz) vom heimischen Bild- hauer Willy Russ geschaffen.
Zu beiden Seiten des Kreuzes wurden wieder wie früher Pappeln gepflanzt.
-
,,Der Kreuzberg". In den zwanziger Jahren beschloß der Vorstand des ,,Bundes gläubiger Christen", Franz J. Ruppert, sein an der Petschauer Straße gelegenes Grundstück - hinter der ersten Krümmung in einen Ort der Andacht, der Besinnung und der Verehrung Gottes zu verwandeln. Und so entstand der Kreuzberg.
178
=========
179
Die Waldandacht am Steingröll. Ein be- sinnlicher und idyllischer Platz in der Nähe des Rothe-Schützl am Flößgraben.
1925
An diesem Hang gegen das Tiefenbacher Tal hin befanden sich neben einem hohen Betonkreuz mit dem gekreuzigten Gottessohn vier Steingrotten mit sakralen Statuen und am Ende der Anlage, auf einem kreisrunden Platz mit Bänken, ein überlebensgroßer Christuskopf.
Alle Figuren stammten aus dem Atelier von Willy Russ.
Zu erwähnen ist noch die,,Waldandacht" in der Nähe des Rothe-Schützl (Aufgang zum Turm). Nach dem Vorbild der Karlsbader Waldandacht schu- fen im Jahr 1929 einige Männer aus eigener Initiative diese besinnliche Stätte. Der Sockel war aus Gneisblöcken des Steingröll aufgebaut. Er schloß das in einen Betonrahmen eingefügte Ölbild der,,Maria mit dem Kinde" ein, welches aus der Hand von Karl Ruppert stammte. Oberhalb des Bildes befand sich ein Holz-Kruzifix in alpenländischem Stil.
Die vor dem Heiligenbild blühenden Blumen, die zwischen den Steinblöcken hervorgewachsenen Farnwedel und die im Halbrund stehenden Fichten als äußere Umrahmung ließen neben dem leise flüsternden Flößgraben die Schönfelder Waldandacht zu einem der schönsten Plätzchen unserer Heimat werden.
Es würde in diesem Rahmen zu weit führen, wollte man auch die überall in der Umgebung des Ortes anzutreffenden annähernd 30 Sühnekreuze und Marterl namentlich aufführen und erläutern, die aus unterschiedlichsten Anlässen und Gründen im Laufe der Jahre errichtet wurden.
179
=========
180
Handel und Gewerbe
Das Zunftwesen
In den verschiedenen Zünften waren die Handwerker und Gewerbetreiben- den zusammengeschlossen. Das Recht der Zünfte war niedergelegt in den Zunftrollen, die vom Rat der Stadt bestätigt waren.
Die Zünfte hatten auch zuweilen einen nicht geringen Einfluß auf die Stadt- herrschaft.
Die älteste Schönfelder Zunft war die der Schuhmacher, sie wurde im Jahre 1562 gegründet. Dies besagt jedoch nicht, daß damals dem Schönfelder Schusterhandwerk schon jene Bedeutung zukam, wie dies später um 1900 der Fall gewesen.
Aus dem Jahre 1600 stammen die,,Innungsartikel" der Fleischhauer-Zunft, ausgestellt vom Bürgermeister und dem Rat der Stadt Schönfeld.
Mit dem 21. Juli 1644 beginnt das Innungsbuch der Bäckerzunftordnung, ,,eines ehrsamen Handwerks der Becken in der königlich freien Bergstadt Schön- feld", wie es heißt; gegeben vom Bürgermeister und Rat der Stadt.
1732 gründeten die Zinngießer ihre Zunft, sie waren bis dahin der Schlaggen- walder zugehörig.
Laut einem k.k. Kreisschreiben vom 15. April 1830-Z. 14.412 - bestanden in diesem Jahre in Schönfeld folgende Zünfte:
—
—
—
Fleischhauer
Maurer und Zimmerleute
Schuhmacher
-
—
Zeugmacher Zinngießer Bäcker
—
Müller
-
Schmiede, Binder, Wagner
-
Weber
-
Schneider
—
Tuchmacher und Strumpfwirker
- Tischler und Beutler
Durch staatliche Verordnung wurden im Jahre 1851 alle Zünfte aufgelöst.
180
=========
181
Handwerk und Handel in der Zeit von 1722-1879
Bei der nachfolgenden Aufstellung handelt es sich um Chronik-Auszüge, die teilweise nur auf eine bestimmte Berufsgruppe bezogen sind, z. B. 1796 und 1816.
Interessant ist der dargestellte Zeitabschnitt 1722 bis 1879. In diesen Jahren stieg die Einwohnerzahl Schönfelds auf das beinahe Dreifache an (siehe hierzu Kapitel,,Bevölkerungsentwicklung“).
Benennung
Agenten
1722 1796 1816 1831 1879
2
Bäcker.
6
6
10
Baumwollspinner
Bierschenker (Rathaus)
38
11
1
- Gastwirte
Binder..
11
4
2
5
Bräuer
Dosenmacher
Färber.
Flachsspinner
Fleischer
1
1
0
4
4
3
33
23
24
12
9
8
Glaser
Goldschmied
1
1
Hutmacher
Handelsmann
Handschuhmacher
Hausierer
Hopfenhändler
Kaufleute (Krämer)
- Standhändler
Klempner
1
10
6
28
1
2
24
1
10
8
1
Kürschner
1
3
Lackierer.
2
4
Lebzelter.
1
2
Leierkastendreher
1
Leinweber...
9
54
1
181
=========
182
Benennung
Leimsieder
Lohgerber (Rohgerber) Maurermeister
Mehlhändlerin
•
1722 1796 1816
1831
1879
2
9
531
5
10
3
Müller.
3
2
Nadler..
Obsthändler
Porzellanmaler
Rothgerber
1
1
4
11
1
Seifensieder.
Seiler.
2
1
2
2
Schafwollspinner
139
197
Schieferdecker
Schlosser
1
1
1
Schmiede
Schneider
Schnittwarenhändler
Schuhmacher
Schwarz- und Schönfärber
Strumpfwirker
Tischler.
7
3
4
4
2
4
4
8
20
57
3
•
12
2
3
3
5
Töpfer.
1
Tuchmacher
2
37
16
13
Tuchscherer
4
Viehhändler
1
Wagner
1
Weber.
9
94
Weißgerber
2
2
Wollzeugfabrikant
1
Wollzeugmacher
107
Zeugmacher
3
53
Zimmermann (Meister)
3
3
Zinngießer.
2
25
9
10
182
=========
183
Weitere Informationen zu Handel und Gewerbe
In früheren Jahren war im Hause Nr. 164 (Zahn, gegenüber Stotz) eine gut- gehende Nagelschmiede in Betrieb.
- In den Jahren 1830-1848 beschäftigten die Firmen Johann Floth und Franz Roth in der Schafwollwarenerzeugung über 100 Arbeiter.
-
Laut Beschluß der Stadtverwaltung vom 28. April 1848 sollte ein neuer Ziegelofen bei der Gemeindeziegelhütte (Standort unbekannt) erbaut werden. Ein Bauplan mit Kostenvoranschlag (300 Gulden) wurde vom Petschauer Baumeister Josef Pöpperl ausgearbeitet. Den Zuschlag erhielt Maurermeister Ullmann aus Schlaggenwald mit dem geringsten Angebot von 228 Gulden. Der Ofen war für eine Brennkapazität von 15000 Ziegeln geplant. Vermutlich ist dieses Projekt aufgrund der Brandkata- strophe nicht zur Ausführung gelangt.
Um die Jahrhundertwende bestand in Schönfeld eine Kammgarnspinne- rei mit 90 Arbeitern, eine Porzellanfabrik mit 60 Arbeitern und eine Stein- nuẞknopffabrik mit 80 Arbeitern sowie drei Porzellanmalereien mit ins- gesamt rund 130 Arbeitern.
Das Schuhmacher-Handwerk
Rund 30 Jahre nach Auflösung der Schuhmacherzunft wurde 1880 die Schuhmacher-Genossenschaft gegründet. Um diese Zeit gab es ca. 60 Schu- ster in unserem Ort.
Über die Entwicklung des Schönfelder Schuhmacher-Handwerks gibt die folgende Übersicht ein aufschlußreiches Bild.
Es arbeiteten: 1722
1851 1879
8 Schuhmacher 36 Schuhmacher
57 Schuhmacher
um 1900 etwa 65 Schuhmacher bis 1918 etwa 100 Schuhmacher nach 1918 etwa 65 Schuhmacher
um 1938 etwa 30 Schuhmacher
Danach war die Zeit vor dem I. Weltkrieg der absolute Höhepunkt des Schuhmacher-Handwerks in unserem Heimatort.
183
=========
184
,,Die Schöi/n/fella Schoustå.
//
Eine Aufnahme aus der Zeit um 1900 von der Schuhmachergenossenschaft.
Während des I. Weltkrieges wurden Heereslieferungen durchgeführt. Man hatte damals aus räumlichen Gründen den Gerstner-Saal als Gemeinschafts- Arbeitsraum eingerichtet. Hier bewährte sich die Genossenschaftseinrich- tung, denn ohne sie wären kaum Volumenaufträge dieser Art nach Schön- feld vergeben worden. Auch in der späteren Zeit nach dem Kriege war es über die Genossenschaft möglich, Heeresaufträge auszuführen, dieses Mal allerdings für die tschechische Armee. Damals befand sich beim Schuh- macher Adolf Maier (Nr. 65) die Zuschneidewerkstatt. Außerdem stand in diesem Hause eine massive Sohlendurchnähmaschine. Auch die Fertigware nahm von dort aus, in großen Kisten verpackt, ihren Weg in die Militär- depots nach Prag oder Brünn.
Die Erzeugnisse der Schönfelder Schuhmacher waren aber auch sonst weit- hin bekannt und ihrer guten Qualität wegen sehr geschätzt. Die Märkte in der Umgebung waren es vor allem, auf denen die Schuster ihre Ware an den Mann brachten. So verließ an Markttagen so manches Pferdegespann, in
184
=========
185
noch sehr früher Morgenstunde, unseren Ort, bepackt mit mehreren ,,Marktkisten", in denen die vom Meister und seinen Gesellen angefertigten Schuhe, Stiefel und Pantoffel verstaut waren. Meist taten sich mehrere Schu- ster aus Kostengründen zu so einer Fahrt zusammen.
Besucht wurden auf diese Weise die etwas näher gelegenen Orte wie Bu- chau, Theusing und Bad Königswart. Weiter entfernt liegende wie z. B. Saaz, erreichte man per LKW.
Mit dem Aufkommen der Schuhindustrie begann der Rückgang dieses tradi- tionellen Handwerks. Die Nachfrage nach einem maßgeschusterten Halb- schuh oder,,Bergsteiger" war stark rückläufig; Reparaturarbeiten gewannen immer mehr an Bedeutung. Beste Gradmesser für den Stand dieses Berufs- zweiges war die Anzahl der Schuhmacherlehrlinge oder,,Schousterboum", wie sie daheim genannt wurden. Konnte man sie in den Jahren vor dem I. Weltkrieg noch nach Dutzenden zählen, so waren es in den Jahren bis 1945 kaum fünf, die sich für den Schuster-Beruf entschieden.
Zinngießerei und Zinngießermeister
Handwerk
Zu diesem Kapitel liefert uns Friedrich Tischer in seinem Buch,,Böhmisches Zinn und seine Marken" (Leipzig 1928) wohl die besten Informationen; so ist auf Seite 253 unter,,SCHÖNFELD" zu lesen:
,,Die Entwicklung der Zinngießerei dürfte hier wie in Schlaggenwald im 16. Jahrhundert zu suchen sein. Aus der Entwicklungsperiode sind keine Aufzeichnungen erhalten, doch läßt sich feststellen, daß die dortigen Zinngie- Ber bis zum Jahre 1732 der Schlaggenwalder Zunft angehörten. In diesem Jahre lösten sie sich von ihr los, um eine eigene Zunft zu gründen, welcher die Zinngießer von Petschau, Einsiedl und Lauterbach beitraten. Seit diesem Jahre sind die Aufzeichnungen mit der Zunftlade erhalten. Aus diesen Auf- zeichnungen ersieht man, daß eine große Anzahl von Meistern das Hand- werk ausübte und dieses Jahrhunderte hindurch in den Familien vererbte. Das Verzeichnis der Meister ist vom Jahre 1732 vollständig, doch vor dieser Zeit ist eine Trennung Schönfelds von Schlaggenwald mangels Aufzeichnun-
185
=========
186
gen- da die Stadtmarke gleich ist - nicht möglich. Die Zunftlade mit den Aufzeichnungen befindet sich im Besitz des Zinngießers Ignaz Lochner in Schönfeld."
Blättern wir zurück in Tischers Werk; auf Seite 238 berichtet er über unsere Nachbarstadt Schlaggenwald folgendes:
,,Aus der Zeit der Entwicklung des Handwerkes und aus späterer Zeit sind fast gar keine Aufzeichnungen erhalten, doch geben uns die erhaltenen Ar- beiten ein ziemlich klares Bild über die Tüchtigkeit und Vielseitigkeit der Meister. Die ersten Zinngießer scheinen sich hier, ebenso wie die Glocken- gießer, im 16. Jahrhundert niedergelassen zu haben. Es ist auch wahrschein- lich, daß die ersten Meister wie in vielen Städten Böhmens beide Handwerke beherrschten. Jedenfalls gelangte das Handwerk sehr rasch zu großem Auf- schwung, denn bereits gegen Ende des obengenannten Jahrhunderts dürfte die Gründung der Zunft der Zinn- und Kandlgießer erfolgt sein. Dieser Zunft gehörten auch die Zinngießer der Umgebung, und zwar von Schönfeld, Elbogen und Petschau, an.
In den frühesten Zeiten scheinen hauptsächlich kirchliche Geräte angefertigt worden zu sein. Mit der Entwicklung des Zunftwesens kamen die Gegen- stände für die Zunftstuben hinzu. Den Höhepunkt erreichte die Zinngießerei durch die Massenfabrikation der Wirtschaftsgeräte. Diese brachte es mit sich, daß sich einzelne Meister nur auf die Herstellung bestimmter Artikel verlegten. So finden wir Meister, welche nur Teller und Schüsseln anfertig- ten, oder Kruzifixe, Weihkessel und Leuchter oder nur Löffel gossen. Was die Massenfabrikation der gebräuchlichen Gegenstände für Kirche und Haus anbelangt, so waren die Zinngießer von Schönfeld und Schlaggenwald am fruchtbarsten in Böhmen. Durch die nahen und ausgiebigen Zinnfund- stätten konnten jedenfalls die dortigen Zinngießer billigere Ware liefern als diejenigen anderer Städte. Sie scheinen auch mit ihrer Ware die Märkte der früheren österr.-ungar. Monarchie beherrscht zu haben. Dies dürfte auch der Grund des frühzeitigen Verfalles des Handwerkes in den meisten Städten Böhmens sein.
Wenn wir uns die erhaltenen Zinngegenstände betrachten, so finden wir darunter meistens Schönfelder und Schlaggenwalder Erzeugnisse. Die mei- sten Gegenstände sind glatt, mitunter findet man auch Wirtschaftsgeräte, die nur mit einfachen reliefierten Bändern verziert sind. Unter den erhaltenen kirchlichen Geräten sind an erster Stelle die Altar- und Prunkleuchter im Ba- rockstil zu nennen, welche plastisches Ornament aufweisen. Vielfach finden wir glatte, schön profilierte Leuchter, welche am Sockel graviert sind. Die Zunftgegenstände, Patenschüsseln und sonstige Gegenstände zeigen mei-
186
=========
187
stens reiche Gravierung und bestätigen die Geschicklichkeit der Zinngießer auf diesem Gebiete.
Hier hat sich das Handwerk bis zum heutigen Tage erhalten; es werden Leuchter, Kruzifixe, Weihkessel, kleine Ampeln, Hohlmaße und Spielsachen für Kinder angefertigt und damit die Jahrmärkte besucht."
Soweit die Ausführungen Tischers in seinem 1928 erschienenen Buch.
In Schönfeld erlangte in diesen und den folgenden Jahren die Zinnlöffel- Erzeugung große Bedeutung. Einige Betriebe (Floth, Lochner) produzierten auf diesem Fertigungszweig beachtliche Stückzahlen. Dieses traditionsreiche Zinngießerhandwerk erhielt dann zu Beginn des II. Weltkrieges einen sehr schweren Schlag, denn im Rahmen der Kriegswirtschaftslenkung wurden mit Wirkung vom 29. Februar 1940 alle Zinngießereibetriebe dieser Art stillgelegt.
Nur ein Meisterbetrieb (Josef Ott) war von dieser Maßnahme wenig oder gar nicht betroffen, denn er befaßte sich überwiegend mit der Herstellung und Reparatur sakraler, d. h. kirchlicher Gegenstände. Auch erfolgten hier des öfteren Umarbeitungen älterer Zinnsachen.
Bei genauer Betrachtung war dies der letzte Zinngießer-Betrieb in Schönfeld. Diese Tatsache wird noch dadurch unterstrichen, daß der heute noch in Schönfeld lebende Enkel Otts die Zinngießerei manchmal noch unter Verwendung der alten Gußformen seines Großvaters - im kleinen Rahmen ,,hobbymäßig" betreibt.
-
Zinn-Marken
Zu diesem Thema schreibt Dr. Hans Sehling im Schönfelder Heimatbrief Nr. 50 (März 1959):
Die Abstammung eines Zinngegenstandes kann man ihm auf Grund seines Meisterzeichens und der Stadtmarke zuschreiben. Auf größeren Stücken (Taufbecken) ist sogar der ausgeschriebene Name des Meisters und dessen Wohnort zu finden.
Über das Zeichen der Zinnarbeiten findet sich ein Artikel in der Zunftord- nung der Zinngießer von Schönfeld aus dem Jahre 1732 mit folgendem Wortlaut (2; S. 17):
,,Ein jeder Meister soll auch gerechtes Nürnberger gewicht, so nicht zu leicht ist, führen, ingleichen die arbeith des gemachten Zihns, auf die rechte Zehentprob ma- chen; das fünfte Zihn, so ohne eintzigen falsch Zusatz seyn mus, mit drey schlägen
187
=========
188
Kirchliche Zinnminiaturen aus der Werkstatt des Zinngießermeisters Ignaz Lochner. (Das Geldstück zum Größenvergleich.)
nebst den Stadtwappen oder andern dergleichen Zeichen, und den schlag mit der Kron, wie auch mit des Meisters tauf- und Zunahmen. Die Zehentprob aber mit zwey schlägen, und endlich das schlechte Zihn gar nur mit einem schlag, jedoch aber je und allemahl mit des Meisters tauf- und Zunahmen zeichnen, und diesfalls so aufrichtig, als gewissenhaft handeln."
Schönfeld und Schlaggenwald haben bis 1732 Hammer und Schlägel in der Meistermarke verwendet, als Städtemarke jedoch den böhmischen Löwen. Vom Jahre 1732 angefangen, ist der Löwe bekrönt und hat in beiden Vorder- pranken Hammer und Schlägel. Unterscheiden lassen sich die Gegenstände dieser zwei Städte nur durch die Gießernamen.
Eine weitere, die Zinnmarke, sollte dem Käufer von Zinngegenständen die Beschaffenheit des verwendeten Zinnes kenntlich machen. Angewendet wurde die Zinnmarke im böhmischen Raume nur in Schlaggenwald, Schön- feld und Petschau. Nach diesem Jahre zeichneten mit dieser Zinnmarke die meisten Zinngießer Böhmens.
Die Erzeugnisse, welche aus Zinn mit 1-10 Prozent Zusatz von Blei angefer- tigt waren, erhielten die Feinzinnmarke,,Fein Zin",,,Fein Zien",,,Fein Zinn'. ,,S. W. Fein Zin" und,,S. W. Fein Zinn". Die Buchstaben,,S. W." in der Zinn- marke bedeuteten die Verwendung von Zinn aus den Schlaggenwalder und Schönfelder Zinngruben. War der Bleizusatz größer als 10 Prozent, so erhiel- ten die Erzeugnisse die Zinnmarke:,,Prob Zinn".
188
=========
189
Zinnmarken der Schönfelder Zinngießer
Entnommen aus Tischer,,Böhmisches Zinn und seine Marken".
Die in Klammer gesetzten Zahlen sind in der nachfolgenden Aufstellung der Zinngießermeister bei den jeweiligen Namen mit vermerkt.
Stadtwappen
von
Schönfeld
IBM SW1698 FEIN
ZIN (1123)
Johan Benedikt
Mießner
WAR 5:W FEIN ZIEN
IN
་༤་
(1124) Adam Rickh
A.G
S.W FEIN
XZN
117
AVG BROB.
(1125)ZIN Anton Götzl
وا
AC 172
IGL
SW
**
FEIN
SW FEINY
ZIN
(1126)
Johann Andreas Götzl
(1127) Joh. Georg Lochner
(1139) Joh. Bernhard Lochner
S:W FEIN ZIN
(1138) Joh. Christian Zickler
189
=========
190
190
SCHENFELY
(1141) Johann Müchow
S:w FEIN ZIN
PROE (1144)
IN
LF
Jos. Floth. I.
NTZ
L
S:W FEIN
לקאאו,
(1145) Franz Lochner I.
S.W.
(1149) Jos. Gotzl I.
FEIN ZINN GOETZLA.
(1150)
Anton Götzl
(Schmid
PROBZIN ZUM ZEHNTEN
(1151) Georg Schmied
S:W TEIN
(1146) Andreas Götzl I.
AG
WIFEINZINN
1623
PROB
ZINN
IG:
18 73
PROB ZIN
=========
191
Schönfelder Zinngießermeister
Die Namen und Hinweise bis zum Jahre 1928 entstammen überwiegend dem Buch von Friedrich Tischer.
Floth Albrecht, Sohn des Zinngießers Martin Floth, lernt bei seinem Vater 1865-67.
Floth August, Sohn des Zinngießers Martin Floth, lernt bei seinem Vater 1870-73, wird 1893 als Meister genannt.
Floth Franz, Sohn des Zinngießers Josef Floth, lernt bei seinem Vater 1872-74, wird im Jahre 1893 als Meister genannt.
Floth Georg, Sohn des Zinngießers Franz Floth, lernt bei seinem Vater 1832-36; erlangt im gleichen Jahr das Meisterrecht.
Floth Johann Georg, Lehre bei Johann Georg Lochner 1767-74. Erhielt das Meisterrecht 1771.
Hier der Wortlaut der Ernennung, ein vom Chronisten Karl Lochner stam- mender Auszug aus dem einstigen Zunftbuch, Seite 75, des Zinngießer- Handwerks in der königlich freien Bergstadt Schönfeld:
Ess erscheineth an heindt der Ehrsamme Johann Flodth bey offener Laden bey einen Ehrsammen Handtwerk der Herren Zinngießermeistern, weilen dann noch erlaubtnuss einess Hoch löblichen Commertzi erhalten, so bittet er bey einem Ehr- sammen Handtwerk. Man macht ihn zu einen Meister an undt auf nehmen, wel- chesn ihm von Einen Ehrsammen Handtwerk Glück und Seegen gewunschen wird."
Geschehen Schönfeld, den 3. September 1771
Georgij Roth dero Zeith Inspector
Floth Ignaz, Sohn des Zinngießers Johann Georg Floth, beginnt die Lehrzeit bei seinem Vater 1803 und beendigt diese nach dem Tode seines Vaters bei dem Zinngießer Joseph Floth 1811, erlangt 1817 das Meisterrecht.
(1144) Floth Joseph I, Sohn des Zinngießers Johann Georg Floth, lernt bei seinem Vater 1787-91, erlangt 1801 das Meisterrecht.
Floth Joseph II, Sohn des Zinngießers Ignaz Floth, lernt bei seinem Vater 1845-47.
Floth Joseph III, Sohn des Zinngießers Joseph Floth des Älteren, lernt bei
seinem Vater 1869-74.
191
=========
192
Er gründete 1885 eine Zinngießerei (Marktplatz 112), die später vorwiegend auf die Produktion von Zinnlöffeln ausgerichtet war (Brittania-Zinnlöffel). Um das Jahr 1908 erwarb Floth die Ruine beim sogenannten Opl-Tümpl, ober- halb des Hauses Nr. 94, nebst der Wasserkraft. Auf diesem Ruinengrund- stück vermutlich stand hier die frühere Pochmühle - ließ er das Schleifer- häusl errichten. Hier erhielten die Löffel ihren letzten Schliff. Anschließend wurde noch der beim Schleifen entstandene fettige Belag mit einem Lappen und einer holz- oder korkmehlähnlichen Masse entfernt. Im Schleiferhäusl befand sich auch ein Federhammer, an dem die stählernen Löffeleinlagen ausgeschmiedet wurden.
Das von Joseph Floth handwerksmäßig begonnene Unternehmen brachte es im Laufe der Jahre bis zu 20 Mitarbeitern und zu einer durchschnittlichen Tagesproduktion von rund 2500 Zinnlöffeln, die zum Großteil exportiert wurden. Aufgrund dieser Produktionsziffern wurde dem Josef Floth jun., der im Jahre 1928 von seinem Vater den Betrieb übernahm, von der Handels- und Gewerbekammer in Eger der Titel,,Größter Betrieb dieser Branche in der ČSR" zuerkannt.
Nach dem Tode seines Vaters vergrößerte Joseph Floth jun. das Haus durch einen rückwärtigen Anbau, dadurch konnte er auch sein Geschäft noch erweitern.
Er selbst fertigte kunstvolle Teller, Krüge und Vasen, aber wohl nur in Ein- zelstücken und geringen Mengen.
Floth Martin I, Sohn des Zinngießers Joseph Floth, lernt bei seinem Vater 1829-32, erlangt 1836 das Meisterrecht.
Floth Martin II, Sohn des Zinngießers Ignaz Floth. Lehre bei Franz Anton Lochner 1837-40, erlangt im gleichen Jahre das Meisterrecht.
Floth Willibald, Sohn des Zinngießers Franz Floth, tritt bei seinem Vater 1897 in die Lehre.
Fuhrmann Johann, Lehre bei Zinngießer Franz Götzl 1830-35; dürfte im gleichen Jahre das Meisterrecht erlangt haben.
Fuhrmann Josef, wahrscheinlich ein Sohn des Zinngießers Johann Fuhrmann, wird im Jahre 1893 als Meister genannt.
Gareiß Franz, lernt bei dem Zinngießer Adolf Lochner 1864-67, erlangt das Meisterrecht 1875.
Gebhardt Franz, lernt in Karlsbad 1763-68 und erlangt im Jahre 1779 das Meisterrecht.
192
=========
193
Gebhardt Johann, Sohn des Zinngießers Franz Gebhardt, lernt wahrscheinlich bei seinem Vater, wird 1811 als Schlüsselmeister und 1819 als Beisitzer genannt.
Gerstner Franz, lernt bei Zinngießer Norbert Zickler 1819-23, erlangt 1827 das Meisterrecht (siehe Foto,,Taufbecken", S. 147).
Gerstner Norbert, Sohn des Zinngießers Franz Gerstner, lernt bei seinem Vater und wird 1841 freigesprochen.
Götzl Adolf, Sohn des Zinngießers Andreas Götzl, lernt bei seinem Vater 1846-47, wird im Jahre 1859 als Meister genannt.
(1146) Götzl Andreas I, lernt bei dem Zinngießer Georg Floth 1788-91 und erlangt 1797 das Meisterrecht.
Götzl Andreas II, erlangt 1801 das Meisterrecht.
Götzl Andreas III, Sohn des Zinngießers Andreas Götzl I, lernt bei seinem Vater 1814-18, erlangt 1820 das Meisterrecht.
(1125) Götzl Anton I, erlangt 1713 das Meisterrecht.
Götzl Antoni, wird im Jahre 1767 als Altmeister genannt. Vielleicht identisch mit Götzl Anton I.
Götzl Anton Ignaz, lernt bei Zinngießer Johann Andreas Götzl 1762-67, erlangt 1773 das Meisterrecht.
(1150) Götzl Anton II, Sohn des Zinngießers Antoni Götzl, lernt bei seinem Vater 1802-11, erlangt 1814 das Meisterrecht.
Götzl Franz I, Sohn des Zinngießers Andreas Götzl II, lernt bei seinem Vater 1818-20 und erlangt 1827 das Meisterrecht.
Götzl Franz II, Sohn des Zinngießers Andreas Götzl. Lehre bei Zinngießer Franz Götzl 1836-39. Hat vermutlich 1849 das Meisterrecht erlangt.
Götzl Georg, Sohn des Zinngießers Joseph Götzl, lernt bei seinem Vater 1846-50 und erlangt 1859 das Meisterrecht.
(1126) Götzl Johann Andreas I, erlangt 1725 das Meisterrecht.
Götzl Johann Andreas II, Lehre bei Johann Georg Lochner 1754-59; dürfte 1767 das Meisterrecht erlangt haben.
(1149) Götzl Joseph I, Sohn des Zinngießers Anton Götzl, lernt bei seinem Vater 1795-1801, erlangt 1812 das Meisterrecht.
Götzl Joseph II, Sohn des Zinngießers Andreas Götzl I, Lehre bei seinem Vater 1817 beendet, erlangte 1861 das Meisterrecht.
193
=========
194
Götzl Joseph III, Sohn des Zinngießers Andreas Götzl, lernt bei seinem Vater 1816-18, erhält 1823 das Meisterrecht.
Götzl Joseph IV, Sohn des Zinngießers Andreas Götzl, lernt bei seinem Vater 1833-37 und erlangt im gleichen Jahr das Meisterrecht.
Götzl Karl, Sohn des Zinngießers Joseph Götzl, lernt 1850-53 und wird 1859 als Meister ernannt.
Götzl Wilhelm, Sohn des Zinngießers Georg Götzl, lernt bei Franz Lochner 1894-99. Fertigte vorwiegend sakrale Gegenstände.
Hahn August, wahrscheinlich ein Sohn des Zinngießers Joseph Hahn. Erlangt 1876 das Meisterrecht.
Hahn Joseph, Stiefsohn des Zinngießers Franz Listner, lernt bei seinem Stief- vater 1833-42.
Hahn Karl, lernt 1874-76, wird 1893 als Meister genannt.
Herold Joseph, erlangt 1873 das Meisterrecht.
Hofmann Johannes von Erfurt, lernt bei dem Zinngießer Andreas Götzl 1798-1801, erlangt 1815 das Meisterrecht.
Hubl Joseph, wird im Jahre 1893 als Meister genannt.
Jollmann Johann Franz II (Lehrbrief vom 22. 1. 1764).
Listner Franz, Sohn des Zinngießers Joseph Listner, lernt beim Zinngießer Ignaz Floth 1819-23, erlangt 1828 das Meisterrecht.
Listner Johann, Sohn des Zinngießers Joseph Listner, erlangt 1816 das Meisterrecht.
Listner Joseph, lernt beim Zinngießer Johann Georg Floth 1768-71 und erlangt im Jahre 1781 das Meisterrecht.
Lochner Adolf der Ältere, Sohn des Zinngießers Ignaz Lochner, lernt bei seinem Vater 1846-47.
Lochner Adolf der Jüngere, Sohn des Zinngießers Lochner des Älteren, lernt bei seinem Vater 1875-78, wird 1893 als Altmeister genannt.
Lochner Anton, Sohn des Zinngießers Ignaz Lochner, lernt bei seinem Vater 1850-53, wird 1859 als Meister genannt.
Lochner Eduard, lernt bei dem Zinngießer Adolf Lochner 1865-67 und wird im Jahre 1893 als Meister genannt.
(1145) Lochner Franz I, dürfte im Jahre 1782 das Meisterrecht erlangt haben.
194
=========
195
Lochner Franz II, lernt bei dem Zinngießer Franz Gerstner 1842-51.
Lochner Franz III, Sohn des Zinngießers Joseph Lochner, lernt bei seinem Vater 1846-48.
Lochner Franz IV, Sohn des Zinngießers Joseph Lochner, lernt bei seinem Vater 1874-76, wird im Jahre 1893 als Meister genannt.
Lochner Franz Joseph der Ältere, Sohn des Zinngießers Franz Lochner, lernt bei seinem Vater 1797-1801, erlangt 1813 das Meisterrecht.
Lochner Franz Joseph der Jüngere, Sohn des Franz Joseph Lochner des Älteren, lernt bei seinem Vater 1819-23 und erlangt 1828 das Meisterrecht.
Lochner Hermann, Sohn des Zinngießers Joseph Lochner, lernt bei seinem Vater 1850-53 und dürfte 1864 das Meisterrecht erlangt haben.
Lochner Johann, lernt bei dem Zinngießer Anton Lochner und wird 1871 freigesprochen.
(1139) Lochner Johann Bernhard, Sohn des Johann Georg Lochner, lernt bei seinem Vater 1762-67 und erlangt 1781 das Meisterrecht.
(1127) Lochner Johann Georg von Schlaggenwald, lernt bei dem Zinngießer Johann Heinrich Ulrich in Schlaggenwald 1716-1720, dürfte um das Jahr 1725 das Meisterrecht erlangt haben.
Lochner Ignaz I, Sohn des Zinngießers Franz Lochner, lernt bei seinem Vater 1814-18, erlangt 1820 das Meisterrecht.
Lochner Ignaz II, wird 1875 freigesprochen und im Jahre 1893 als Meister genannt.
Anfangs auf die Herstellung sakraler Gegenstände und Spielfiguren ausge- richtet, ging Lochner später auf die Erzeugung von Zinnlöffeln über. Der Be- trieb befand sich anfangs in der Kornellgasse Nr. 239, später wurde die Zinn- gießerei in die Lochnergasse Nr. 251 verlegt. In einem Nebengebäude befand sich die Löffelschleiferei, in der sich auch ein Federhammer befand.
Mitbesitzer der Zinngießerei waren die beiden Söhne Edwin und Paul Lochner.
Dieser Betrieb beschäftigte mehrere Lehrlinge und Gesellen. In der Löffel- produktion folgte er der Zinngießerei Floth in nur geringem Abstand. Lochner Joseph I, Sohn des Zinngießers Franz Lochner, lernt bei seinem Vater 1809-14 und erlangt 1818 das Meisterrecht.
Lochner Joseph der Jüngere, Sohn des Zinngießers Joseph Lochner des Älteren, lernt bei seinem Vater ab 1879 und wird im Jahre 1893 als Meister genannt.
195
=========
196
In der Schönfelder Zinnlöffelerzeugung stand er an dritter Stelle, denn seine Arbeit bestand auch in der Herstellung von Zinndosen und Syphonflaschen- köpfen. In diesem Betrieb, der sich in der Lochnergasse Nr. 416 befand, wur- den aber auch Gegenstände aus Zinn hergestellt, die dem bekannten Bastler- talent dieses Lochner-Geschlechtes entsprachen. So fertigte man hier neben Zinnspielwaren und Figuren auch Festabzeichen und andere Objekte, so z. B. eine Zinnminiatur des Schönfelder Aussichtsturmes (siehe Foto). Mittätig im Betrieb waren die beiden Söhne Josef und Karl Lochner. Lochner Paul, tritt bei dem Zinngießer Wilhelm Lochner 1895 in die Lehre. Lochner Wilhelm, Sohn des Zinngießers Franz Anton Lochner, erlangt 1877 das Meisterrecht. Die Werkstatt befand sich im Haus Nr. 317. Seine kunst- voll gearbeiteten Erzeugnisse, wie ornamentierte Bierglasdeckel mit Gravie- rungen, Zierkrüge, Kirchengeräte und auch Spielwaren fanden Bewunde- rung. Wilhelm Lochner stellte alle seine Gußformen selbst her. Er arbeitete in diesem Fach auch in vielen Fällen für andere Zinngießereien.
Mießner Franz, lernt bei dem Zinngießer Franz Josef Lochner 1827-30. Erlangt 1836 das Meisterrecht.
(1123) Mießner Johann Benedikt, erlangt im Jahre 1698 das Meisterrecht. Mießner Joseph, lernt bei dem Zinngießer Joseph Floth 1815-18.
Muchow Andreas, Sohn des Johann Christoph Muchow, erlangt 1805 das Meisterrecht.
Muchow Benedikt, Sohn des Andreas Muchow, lernt bei Zinngießer Josef Muchow 1828-32. Hat vermutlich 1836 das Meisterrecht erlangt.
Muchow Franz Karl, Sohn des Zinngießers Johann Christian Muchow, lernt bei seinem Vater 1778-83 und erlangt 1783 das Meisterrecht. Muchow Johann Christian aus Berlin. Hat bei der Prag-Neustädter Zunft das Meisterstück gefertigt. Der Schönfelder Zunft 1762 als Meister zugewiesen. (1141) Muchow Johann, Sohn des Zinngießers Johann Christian Muchow, lernt bei seinem Vater 1774-78 und erlangt 1789 das Meisterrecht.
Muchow Josef, Sohn des Zinngießers Franz Muchow, lernt bei seinem Vater 1809-14 und erlangt 1818 das Meisterrecht.
Muchow Norbert, Sohn des Zinngießers Joseph Muchow, lernt bei seinem Vater 1837-40 und erlangt 1842 das Meisterrecht.
Opl Karl, wird im Jahre 1893 als Meister genannt.
196
=========
197
Der Schönfelder Aussichtsturm in Zinn. Eine Arbeit aus der Zinngießerei Joseph Lochner. (Größe 13 cm, Gewicht 300 Gramm.)
AUTOLE HO
Ott Joseph, erhält ebenfalls im Jahre 1893 seine Meister-Urkunde. Er war be- kannt unter dem Hausnamen,,Buhl Beb". Seine Zinngießerwerkstatt befand sich im Hause Nr. 159 am,,Rouẞn-Berglå".
Josef Ott gilt als der letzte Meister seiner Zunft in Schönfeld. Mit seiner Ferti- gung von kunstvollen Liebhabergegenständen wie Krüge, Reliefteller, Figu- ren und auch sakralen Objekten wie Kruzifixe, Weihwasserkessel und Leuchter - auf diesem Gebiet führte er auch Reparaturen und Umarbeitun- gen aus entging er der im Februar 1940 staatlicherseits angeordneten all- gemeinen Stillegung. Ott Joseph verstarb noch in der Heimat.
-
-
Sein Enkel Erhard Ott, geboren 1930 in Schönfeld, einer der wenigen, die in der Heimat zurückgeblieben sind, betreibt heute noch allerdings nur nebenberuflich und im kleinen Rahmen - im Untergeschoß des Horner- Hauses Nr. 45 das traditionsreiche Handwerk seines Großvaters. Hier schmilzt er sein Zinn in einem Schmelzkessel, der noch aus der Werkstatt Floth stammt. Er fertigt vorwiegend Zinnbecher und -teller, aber hin und wieder greift er zu einer alten Gußform seines Großvaters, die er mit dem
-
197
=========
198
Zinngegenstände aus neuerer Zeit, angefertigt von Erhard Ott (Enkel von Joseph Ott), der heute noch in Schönfeld lebt und nebenberuf- lich das Zinngießerhandwerk ausübt.
Zeugnisse alter Schönfelder Zinngießerei sind diese kunstvollen Gegenstände
aus der Meisterhand des Joseph Ott.
=========
199
flüssigen Zinn füllt, um so ein Original in althergebrachter Weise neu zu schaffen.
Wurde ihm auch nie ein Meisterbrief verliehen, so ist er doch das letzte Glied einer Kette, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht.
(1124) Rickh (Rüch, Rich) Adam, wird im Jahre 1759 als Altmeister genannt. Rickh Johann Kilian, lernt bei dem Zinngießer Johann Georg Lochner 1764-67. Er erlangt 1769 das Meisterrecht.
Roth Franz, lernt bei Zinngießer Adolf Lochner 1864-68.
Rupperth Josef, lernt bei Zinngießer Johann Georg Floth 1785-87. Er wird 1817 als beisitzender Meister genannt.
Russ Alois, wahrscheinlich ein Sohn des Zinngießers Ignaz Russ, lernt bei Zinngießer Joseph Floth 1894-97.
Russ Anton, wahrscheinlich ebenfalls ein Sohn des Zinngießers Ignaz Russ, tritt bei dem Zinngießer Karl Opl 1894 in die Lehre.
Ruß Franz, lernt bei dem Zinngießer Adolf Lochner 1864-67, übt das Hand- werk jedoch nicht aus.
Russ Ignaz, er erlangt 1875 das Meisterrecht.
(1151) Schmied Georg, lernt bei dem Zinngießer Johann Georg Floth 1801-05.
Spitzl Joseph, Sohn des Zinngießers Norbert Spitzl, lernt wahrscheinlich bei seinem Vater und erlangt 1875 das Meisterrecht.
Spitzl Norbert, lernt bei dem Zinngießer Franz Joseph Lochner 1834-37 und erlangt 1842 das Meisterrecht.
Vettermann Joseph, erlangt 1841 unter Nachsicht des Meisterstückes das Meisterrecht.
Weinhart Franz, lernt bei dem Zinngießer Franz Joseph Lochner 1837-1840. (1138) Zickler Johann Christian, lernt bei dem Zinngießer Johann Georg Loch- ner 1768-71 und erlangt im Jahre 1775 das Meisterrecht.
Zickler Norbert, Sohn des Johann Christian Zickler, lernt bei seinem Vater 1793-97 und erlangt 1804 das Meisterrecht.
199
=========
200
Unternehmen, Handels- und Handwerksbetriebe; sonstige Erwerbsquellen nach 1900
In den Spalten 1-3 ist mit,,x" ein Hinweis gegeben, in welchem Zeitraum der betreffende Betrieb bestand (ohne Angabe der Zeitdauer).
1
=
Zeitraum bis ca. 1918
2 innerhalb des Zeitraumes 1919 bis 1939 (ca.)
ww
3= innerhalb des Zeitraumes 1939 bis 1946 (ca.)
Alle Namen und Zeitangaben sind aus der Erinnerung aufgezeichnet. Es wird daher um Verständnis gebeten, falls der eine oder andere Betrieb uner- wähnt geblieben sein sollte oder eine nicht korrekte Zeitangabe gemacht wurde, z. B. bei den Schuhmachern (Zeit bis 1918).
Bedeutung der Kurzzeichen vor den Hausnummern:
B
G
H
HU
=
=
=
-
K
=
KG
=
=
Butterscheibe, Damml Grabengasse (unterhalb Böhm) Hauptstraße (unterhalb Marktplatz) Hub (unterhalb Kreuzzeche
Kaunitz
Katzengrün
Lauterbacher Straße (oberhalb Markt) Lange-Gasse
Obere-Lange-Gasse
Untere-Lange-Gasse
L
=
LG
OL
UL
=
LK
=
M
=
N
=
S
=
Staude
Lochner-Kanzelisten-Kornellgasse
Marktplatz (bis Hofgasse)
Neustadt
Abseits liegende Gebäude wurden der nächstliegenden Straße oder Gasse zu- geordnet.
-
-
Betrieb
Apotheke Jaskywicz Josef
Nr. 1 2
3 Bemerkung
H
127 X X
X Nachfolger Josef Mück
Bäckereien
Dennl Anton
LG 197
X X
X
Ab 1942 Sohn Albin Dennl
200
=========
201
Betrieb
Nr.
1 2
3 Bemerkung
Bäckereien
Honner Josef
H
117
X
X
Lindner Heinrich
S 278
X
Käuflich erworben v. Hahn Willibald
Klement Peter
UL
151
X
X
Moiẞl Josef
M
18
X
X
Danach: Kuhn Paul, Schiener Ernst
Lindner Josef Müller Franz
K 387
X
G
68
Riedl Karl
L 320
Rödl Karl
M
31
Ruppert Josef
M 107
X
X X X X
X
Gleichzeitig Mühlenbetrieb
X
X
,,Boårtl-Beck" Bäckergewerbe seit sieben Generationen
Ruẞ Ignaz
LG
203
X
Schlee Artür
Tischer (Klub-Beck)
L 314
L 321
× × ×
X
X X
X
Baukies-Vertrieb
Ruß Franz (Schlatter)
H 466
X X
Pächter: Trekowal (Nr. 100)
X X
,,Fischerner-Weber-Bier"
X,,Egerisches Bier"
Bier-Niederlagen
Jordan Anton jun.
L 364
Kern Josef
L
5
X
Vogl Emil
H
466
X
Bildhauer
Russ Willy
H 483
X
X
Binder (Büttner) Fuhrmann Georg Fuhrmann Karl
Simon Georg
OL
170 X
OL 356 X
M 25 X
Damen-Schneider
Hanika Anna
H 129
X
X
Hubl Anna
M
21
X X
Jordan Franz
N 209
X
X
Kauer Maria
L 318
X X
Kern Anna
L
5
X
X
Lochner Anna
G
39
X
Ruppert Resi
L 100 X
X
Steidl Anna
H 161
X
X
Tyll Anna (Opl)
M 20
X
X
In den letzten Jahren Atelier neben,,Poschetz"
201
=========
202
-
Betrieb
Nr.
1
2 3 Bemerkung
Dosen-Erzeugung
Gareiß Josef (Brosl)
L
271
X X
X
Erzeugung aus Papiermaché
Stowasser Anton
H
381 X
X
X
Nachfolger Sohn Fritz Stowasser
Drehorgel-Spieler
Ristinger Franz
S 290
X
X
X
,,Moålerhouter", früher Nr. 141
Theodor Adolf
LG
141
X
X
Drogerie
Gebrüder Hanika
M 8
X
Später Felber, danach Jürschik
Elektriker
Horner Josef Schöner Ernst
H 45
X
X
Bis 1936 Stadtmonteur
H 476
X
X
Ab 1936 Stadtmonteur
Farben- und Lack-
Erzeugung
Bließener Paul
Fleischereien
L 264
X
Firma,,KOMET", Nachfolger K. Rau
Fliegl Anton
OL 192
X
Gareiß Eduard (Longer) Gareiß Josef (Guß)
M 116 X X
L
315
X X
Gebhart Josef (Nesn) Gerstner Franz
L 309
X
X
M
9
X
X
Hahm Anton
LK 236
X
X
Kempf Roman
H 129
X
Müller Josef
M 473
X
Kessler Josef Opl Josef
M
115
X
Früher Zimmerhackl
H 44
X
Ruß Adolf (Wogner)
Rödl Josef (Büttner)
L 265
X
X
H 126 X
Ruß Walter
HU 426 X
Schlee Albin
H 58
Zimmerhackl Franz
H
367 X
X X X
X
X
Zimmerhackl Josef
M
115
X
Weinhart Emil
H
476
X
-
Frisöre
Brandl Albin
H 126
Egerer Rud. u. Fr.
H
55
Herget Karl
L
97
Tyll Ernst sen.
M 10
202
X
X
X
× × × ×
X X
X X
Nebenbei Tierpräparator
=========
203
-
Betrieb
Fuhr-Unternehmer
Nr.
1
2
3 Bemerkung
Götzl Georg
M
16
X
Götzl Georg
H 382
X X
×
Richter-Girch", Pferdefuhrwerk
Pferdefuhrwerk
Götzl Hans
H 482
X
X
Lastkraftwagen
Götzl Ignaz
LG
140
X
Pferdefuhrwerk
Götzl Oswald
LG
204
X
X
Pferdefuhrwerk
Gohaut Josef
H 56
X
X
Pferdefuhrwerk
Köhler Wenzl
L 313
X
X
Lindner Josef Müller Hans
LK
257
X
X
G 68
X
X
Rödl Anton
OL 177
X
Rödl Hans und Ernst
B 342
X
X
Pferdefuhrwerk, auch Kutschen- und Schlittenfahrten, später LKW
Auch Kutschen- und Schlittenfahrten LKW, in den letzen Jahren Post- kutschenbetrieb
Pferdefuhrwerk
Pferdefuhrwerk, Stückgut-Transport
und Überführungen zum Friedhof
Roßmeiẞl Josef
M 111
X
X
LKW
-
Gardinen-Erzeugung Fuhrmann Josef
L 104
X
Gärtnerei und
Kranzbinderei
Weinhart Ernst
L 266
X
Gelände am,,Wallischgarten"
Gasthäuser
Böhm Kosmas
M
35 X
Fliegl Franz
Gareiß Eduard
488 M 116
X
Gareiß Josef Geier Josef
L 315
M 13
X
× × × ×
X
X
X
Gerstner Franz
Gräf Anton
Herold Josef Jordan Josef Kessler Berta Kugler Willi Kuhn Anton
Lochner Hermann
Müller Franz Rödl Oskar
Roßmeißl Wenzl
Ruẞ Adolf
Ruẞ Walter
ΣΣ
9
106
L 265
HU 426
X X X
X
X
X
X
X
X
× × × ×
X
X
X
Zuletzt Sohn Ludwig
Turm-Gaststätte
,,Longer", zuletzt Willi Dennl
ff
Guß", mit Saal
,,Krone", mit Saal
,,Zum Bergmann", mit Saal
Auch Weinschenke,
Nachfolger Sohn Walter
,,Manerhelm"
N 214 X X
X
H 419 X X UL 147 X X LK 233 X X N 224 X
X
,,Zur åltn Andla"
X
,,Neue Welt"
L 6 X HU 435 X X
X
LK 234 X X
M 108
X
X
× × ×
X
× × ×
XXX
Letzter Pächter der,,Kreuzzeche" ,,Herberge", ab 1940 Lager für französische Kriegsgefangene
X ,,Zum Potherrn", Nachf. Sohn Willi
X
X
,,Zum Wogner"
,,Zur Gemütlichkeit"
203
=========
204
-
-
Betrieb
Gasthäuser Sorger Franz
Nr.
1 2 3 Bemerkung
11
f
11-
Zum Felsenkeller"
Zum Trompeter"
Rathaus", letzter Pächter Hans Dennl (Postkutscher)
Halle"
G
76
Schlee Albin
H
Städt. Gasthaus
L
1
× × ×
8885
X
X
X
× × ×
X
X
X
Stowasser Karoline
L
105
X
X
11
Zimmerhackl Franz
H 367
×
X X
X
Gerbereien
Jordan Anton
L 364
X X
Opl Johann
L 310
X
X
Rupperth Franz
H 396
X
X
X
Glaserei
Lochner Adolf sen.
M
113
X X X
Nachf. Sohn Adolf Lochner
- Glasschleiferei
Beranek H.
-
-
H 482
X
Hausierhandel
Dennl Marie
G
46
X X
Fischer (Frau)
G
41
X
Bettfedern
Leicht Rudolf
M
22
X X
Kurzwaren
Schiener Reserl
G
37 X
X
Stöckner Fanni (Rahm) Tyll Marie
S 295
X
G 39 X
X
Zimmerhackl Leni
LG 199
X X
X
Ott Anton
H 83 X
X X
Herren-Schneider
Bauer Josef
LG 135
X
Dennl Anton
G
46
X
Fischer Oswald
L 6
X
Fuhrmann Franz
H
490
X
Hubl Josef sen.
M 21
X
Jordan Julius
G 71
X
Hahm Karl
B 439
X
Köhler Anton
UL 143
X
Ott Johann
H 93
X
XXX X X X X X
Ott Norbert
L 263 X X
Rödl Emil
H 128
X
Schiener Eduard
H 494
X
Schiener Josef Schmieger Emil
UL
148
X X
M 17
X
× × ×
X
X
204
=========
205
Betrieb
Herren-Schneider
-
Steidl Willi
Steidl Anton
Tischer Anton
Kartoffel-Händler Götzl Ignaz Kempf Johann Vogl Kajetan
Kohlenhandel
-
Nr.
1 2 3
Bemerkung
H
125
X
X
LK 255
X
N 206
X
X
Später in Nr. 465
LG
140
X
LG 483
X
H 463
X
Götzl Hans
H 482
X
X
Götzl Ignaz
LG
140
X
Götzl Oswald
LG
204
X
X
Köhler Wenzl
L 313
X
Lindner Josef Rödl Anton
LK 257
X
X
OL
177
X
-
Konditorei-Betriebe Hubl (Zucker-Hubl) Ruß Georg
L 312
H 57
X X
X
Sonntagsstandel und Jahrmarkt
X X Gräicher Girch", zuletzt Sohn Hans
11
Kürschner Oplustil Karl
Lebensmittel-Geschäfte
Böhm Kosmas
H 119 X X X Nachfolger Sohn Alfred Oplustil
M 35 X
Dietz Josef
N 221 X
Eckl Wilhelm
M 11 X
X X
X
Fuhrmann Wilhelm
L
104 X
Hopf Anna
H
89
X
X
X
Klötzl Willi
H 481
X
Köhler Franz
M
19 X
,,Konsum"
M
110
X
Früher Nr. 6
Kugler (Gabl)
G 51 X
Lindner (Frau)
H 82 X
Und Trafik
Lochner Wilhelm
L
103 X
Pöschmann Marie
S 306
Ruß Hans,,Schan"
H
418 X
X X X
X X
X
Letzter Inhaber A. B. Spinner,
ab 1939 Lebensmittel-Großhandlung
Letzter Inhaber Rudi Dunger
Ruß Georg
L
Ruẞ Josef
H
388
98
X
55
X
X
,,Flohn Marie"
Ruẞ Anton
LG
203
X
X
Letzter Inhaber Konrad Ruß
205
=========
206
-
Betrieb
Lebensmittel-Geschäfte Stowasser Josef Vogl Barbara
Weidlich
Nr.
1
2
3 Bemerkung
M 374
X X
L 307 UL 149
X X
X
X
X
Letzte Inhaberin Paula Götzl
Wilfert Erhard
LK 246
X
X
X
Zickler Marie
M 109
X
X
X
Zuletzt Hans Hopf
Zimmerhackl Kathi
OL 196
X
X
Peter Emma
HU
378
X
Nur kurze Zeit
Sammeth Philomena
HU 410
X
Nur kurze Zeit
Leimsiederei
Jordan Josef
-
Maler und Lackierer
-
-
-
—
H 401
X X X
Gründung 1851
Bauer Emil sen.
LK
254
X
X
X
Bauer Emil jun.
N 224
X
X
Rauscher Franz
L
263
X
Schiener Franz
H
161
X
X
Milchhandel
Jessl Katharina
LK
244
X
X ,,Damml-Kathi"
Seidl Josef
S 303
X
Stowasser Anton
UL 152
X
Stowasser Theresia
S 284
X
Köhler Anna
M
30
X X
,,Bauern-Engl"
Ausgabestelle der Karlsbader Zentral- molkerei. Tägliche Milchannahme von den Landwirten im Haus Nr. 16 (Hirthaus)
Modistinnen und
Hutmacher
Bauer Anna (Schlatter)
M
17
X
X
Oplustil Hilda
H
119
X
X
Schmiedl Johann
H 128 X
X
Auch Kürschner
Nadler Kugler Karl
Nudeln- und Eierteig- waren-Erzeugung
Feiler
(Ehefrau von Julius)
206
L 260
X X
Beim,,Naudler"
HU 385
X X
=========
207
-
Betrieb
Nr.
1
2 3 Bemerkung
Obst- und Gemüse
Lindner Josef
LK
257
X
X
Oplustil Alfred
H
119
X
X
Spitzl Marie (Götzl)
N
216
X
X
Auch Verkauf von Süßigkeiten
Steidl Amalie
H
125
X
X
Waworka Karl
L
313
X
Weinhart Ernst
H
476
X
Brandl Berta
H
118
X
Nur kurze Zeit
—
-
-
Omnibus-Unternehmen
Roßmeiẞl Josef
M
108
X
Ab 1.9. 1928 bis 30. 11. 1938
KVG-Dresden
L
5
X
1938 bis 1945
Perlen-Näherei
-
Fuhrmann Wilhelm
Perlmutt- und Holzdrechslerei
Stich Josef
Pferde-Fleischer Zettl Karl
-
Porzellan-Malereien
und Handlung
L 104
X X
HU 480
X X
Glasperlen-Besatz für Damenkleider und Mäntel. Diese Arbeit wurde auch ,,Patterl- oder Gurlnäherei" genannt.
H 86
X
Nur kurze Zeit
Lindner Oswald
H
82
X X
Roßmeiẞl Josef Stotz Johann
N
223 X H 163
X X
Sattlereien
Listner Albin
LG
Vogl Albin
366 G 73
X
X
Sägewerkbetriebe und
Holzwolle-Erzeugung
Müller Josef
Ruß Emil
HU 444 H 348
X
X X
Porzellan-Handlung
Kl. Porz.-Malerei mit eigener Muffel Kl. Porz.-Malerei mit eigener Muffel
X X Konderer, Hub. Holzwolleerzeugung
X X
X
×
Nachfolger Sohn Franz,
letzter Pächter Fredl Rupperth
207
=========
208
-
-
Betrieb
Sägewerkbetriebe und
Holzwolle-Erzeugung
Ruß Franz
Nr.
1 2 3
Bemerkung
H
398
X X
X
,,Woålgå", Holzwolle und Dach- schindel. Nach der Stillegung Zwieback-Erzeugung.
Sägewerk, Holzwolle und Kisten- fertigung
Seit 1929 Holzwolleerzeugung,
vorher (1905-1927) Müller Josef
Schimmer Adolf
B
343
X
X
Schimmer Franz
B 345
X X
Scherenschleifer Köhler
N 436
X
X
Schlosser
Kunstmann Josef
Schöberl Josef
N 223 X L 104
X X
Auch Fahrradhandl. u. Landmaschin.
Schmiede
Gareiß Josef (Homer)
M
24
X
X
X
Götzl Adolf
LG
140
X
Ruß Leonhard
H 88 X
X
Hausname: Löischmied
Ruß Josef
H
160
X
X
Nachfolger Albert Heidl
Zemann
H
464
X
X
Nachfolger Adolf Kempf dan. Peschka
Sammeth (Hubschmied) HU 410
X
X
Schornsteinfeger
Schiener Anton
OL 174
X X X
Schriftsteller Zachara Josef
Schuhwaren und
LK 240
X X
Roman:,,Sonne im Alltag"
Schumacher
,,Bata"-Filiale
Bellmann Adolf
L 100
HU 355
Brandl Johann sen. jun. H
121
Brandl Josef
H 118
Baumann Adolf
M
16
Fenkl Albert
HU 486
XXX X
XXX X
Leiter: Joh. Benkner
X
X
X
X
Fenkl Anton
H 92
X
X
Fischbach Anton Fuhrmann Adolf
LG 363 X
X
Pantoffel
B 341
X X
208
=========
209
Betrieb
Schuhwaren und
Nr.
1 2
3 Bemerkung
Schumacher
Fuhrmann Karl
OL
169
X
Pantoffel
Fliegl Julius
H 165
X
Pantoffel
Dennl Josef
UL
145
X
Geier Anton
N
206
X
Geier Franz
OL
173
X
X
Geier Georg
H 388
X
Halbritter Johann
S 394
X
Hochberger Anton
S 276
X
Hubl Josef
L 268
X
Klieber Karl
H
80
X
(Friedländer Schuhfabrik)
Kugler Emil
S 291
X
X
Kugler Otto
H
94
X
X
Kuhn Anton
N 205
X
X
Kuhn Josef sen.
M
28
X
X
Kuhn Josef jun.
M
28
X
X
Kuhn Rudolf
H 483
X
X
Langkammer Josef
LG
133
X
X
Lehrl Franz
M 32
X
X
Listner Alois
LG 366
X
X
Lorenz Anton
L 329
X
Lorenz Anton
L 335
X
X
Pantoffel
Lorenz Georg
B 338
X X
Pantoffel
Lorenz Johann
B 338
X
Pantoffel
Lorenz Ignaz
G
63
X
Pantoffel
Maier Adolf
G
65
X
X
Mießner Emil
G
78
X
X
Mießner Ignaz
M
32
X
Mießner Johann
H
405
X
X
Kugler Andreas
S 302 X X
Paradeiser Franz
L 324
X
Pantoffel
Paradeiser Karl
S 431
X
Pantoffel
Paradeiser Rudolf
S 289
X
Pantoffel
Pöpperl
UL 153
X
Reichelt Georg
OL 194
X
X
Pantoffel
Reichelt Georg jun.
H 95
X
Pantoffel
Reinhold Karl
K 469
X
X
Rödl Adolf
S 302
X X
Rödl Eduard
G
40
X X
Rödl Franz
N 220
X
X
Rödl Johann
LK 238
X
Ruppert Edwin
L
6
X X
Simon Anton
S 283
X
Schiener Dominik
S
281
X
X
Schiener Josef
G
383
X
Schiener Willi
S 301
X
Pantoffel
209
=========
210
Betrieb
Schuhwaren und
Nr.
1 2 3 Bemerkung
Schumacher
Schierer
LK
407 X
Schmidt Paul
S 279
X
Schmiedl Adolf
B 344
X
Schmiedl Johann
OL 166
X
X
Schmiedl Josef
N 207
X
X Pantoffel
Schmiedl Willibald
OL 193
X
Pantoffel
Spitzl Adolf
L 105
X
Spitzl Anton
UL 153
X
X X
Spitzl Franz
N 216
X
Spitzl Gustav
N 384
X
X
Spitzl Julius
M 106
X
X
Spitzl Wilhelm
LK
243
X
Ströher Johann
L
267
X
Pantoffel
Unger Johann
M
27
X
Seilerei
Förster
L 314
X X
Steinmetz-Betriebe
Fischer
G
41 X
Kempf Johann
H 483
X X
Spengler
Bayer Josef und Joh.
Kuhn Franz
Lochschmidt Josef
Opl Karl
Oplustil Willi sen.
Spitzen-Näherei
Fuhrmann Wilhelm
- Spitzennäherei- Ausgabestellen
Moiẞl Adelheid und Lochner Marie
Vogl Anna
Staatl. Lotterie-
annahmestelle Ruppert Kathi
210
HCNN
120
X
G
51
X
211
X
223
X
440
X X X
X X ,,Grabenhäusl"
L 104 X X
L 317
G
73
X X
X
X
LK 235
X
,,Coburger Kathi"
=========
211
Betrieb
Nr.
1
2
3 Bemerkung
Tabak-Trafiken Dunger Isidor
M
X X
Kleines Holzhäuschen
neben der Mautbrücke
Kessler Berta
UL 147
Köhler Theresia
M
19
Kuhn Theresia
H
59
Markl Franz
H 123
Vogl Barbara
L
307
Stowasser Anna
H
XXXXXX
X
X
X
X
X X
X
X X
X
Neben Klötzl-Kaufladen
Textilwaren
Geier Hans
Hahm Agnes
Kugler Ernst
M
111
X
X
LK 243
X
Wäsche und Schnittwaren
L 260
X
X
Wäsche und Schnittwaren
Lochschmidt (Hofg.) Lochschmidt Franz
M 26
X
M 108
X
X
Moser Josef
H 420
X
X
Müller Josef
M 114
X
X
Ruppert Franz Josef
H
392 X
X
Zimmermann Josef
L
102 X
X
XXXX
(Genannt,,Reder")
Wäsche und Schnittwaren
,,Konderer", auch Großhandlung
,,Poschetz"
Wäsche und Schnittwaren
-
Tischlereien
Gebrüder Geier
LK 242
X
X
X
Geier Wilhelm, Franz und Karl
Dunger Josef
LG 399
X
X
Später Nr. 55
Fischer Oswald
N 213
X
X
Lochschmidt Franz
M
26
X
X
Opl Josef
K 478
X
X
Ott Paul
S 304
X
X
Sandig Wenzl
LG
136
X X
Simon Adolf
LK 249
X
X
Nachfolger von Franz Tyll
Zettl Karl
H
157
X
X
X
Nachfolger Sohn Josef Zettl
Winter Franz
OL 178
X
X
-
Töpferei
Schellhorn Josef
Tuchmacher
Floth
Vogl
Uhrmacher Schiener Ernst Tyll Franz
HU 441
X X
Schlee-Wogner-Haus Nr. 314 und 265
L M 110
X
X
,,Kober''
L 265
×
H
96 x
X
X X
X Nachfolger Sohn Erwin Tyll
211
=========
212
-
-
-
-
Betrieb
Wagner Leicht Paul
Rippl Josef
Schödl Andreas
Waschbrett-Erzeugung Lochner Julius
Wäsche-Büglerinnen Bauer Auguste
Böhm
MHM
Nr.
282
1
2
3 Bemerkung
X X
X
X
X
X
KG 414
X
L 333
LG 130
X
X
× × ×
M 17 X X
X Nachfolger Sohn Oskar Lochner
Wäsche, Kragen und Manschetten
Ott Berta
Wäschemangel
Dennl Marie
Dutz (Roth) Aloisia
Wäsche-Schneider
G
46
X
X
S 298
X
X
Tauber Josef
M
12
X
Weber-Betriebe
Feiler Eduard
H 386
X
X
Feiler Robert
G
38
X X
Fischer Karl
N
213
X
X
Geier Dyonis
B
337
X X
X
Geier Josef
N
219
X X
X
Herold Anton
M
23 X X
Bandl-Decken
Frauenkittel und Kopftücher
Bandl-Decken
Kittelweberei
Hubl Johann
N 220
X X
Kuhn Norbert
G 61 X
X
Kugler (Kugler-Weber)
S 291
X X
Lochschmidt Anton
S 272
X
X
Mießner Ignaz
H 162
X
Genannt,,Böihm-Naz", letzter Kittel-
weber von Schönfeld
Pensl Hans
M
Rödl Anton
20 N 208
X X
X X
X
Bandl-Decken
Ruß Karl
S 296
X
X
Stöckner Andreas
L 270
X
X
Stöckner Josef
B
346 X X
Stöckner Norbert
L
98 X
X
Wagner Anton
S
299
X
Genannt,,Gartenweber"
Genannt,,Leinweber"
Bandl-Decken
Wilfert Franz
B 344 X
X
LG 199
X
X
X
Sammet-Web. u. Faktorei
Zimmerhackl Franz
Zeitungsvertrieb
Ott Anton
212
S 304
X X X
Nebenbei auch kurze Zeit Handel mit Möbeln
=========
213
Hans Rusz
(Inhaber Bruno Spinner)
Mehl, Bucker- und Kolonialwaren
en gros
Bei Besuch der ,,Semmeringwarte" empfiehlt sich
das führende
Haus
Pension,,Hotel Pother"
Schönfeld, Marktplatz, Telefon: Schönfeld 20
Haltestelle der Autobuslinie Marienbad - Elbogen
en detail
KONZ. AUTOBUSUNTERNEHMEN
Schönfeld
Jernruf 4a unb 46.
Gasthof Gerstner
infeld Nr. 9, Marktplatz
Bekannt gute Küche Eigene Fleischerei Billige Fremdenzimmer
ANTON GRÄF
WEINSCHANK UND RESTAURANT SCHÖNFELD, Marktplatz Nr. 106 hepunkt aller Sänger und Musiker Weine und Biere
Gute Küche
Josef Gareis (Guß)
RESTAURANT
Schönfeld, Dreifaltigkeitsplatz 315/16
Getränke
RANZ RUSS
Vorzügliche Küche
Autorisierte hygienische
Zwiebackfabrikation für den Egerer Kreis (Prof. Dr. Kleinpeter, Wien - Baden)
ÖNFELD Nr. 398 (Westböhmen)
und
werk mund
wolle- gung
Alfred
Rupperth
Schönfeld, Westböhmen
sige Einkaufsquelle für Händler und erer, Schürzen- u. Wäscheerzeugung
FRANZ J. RUPPERT
SCHÖNFELD, Westböhmen
bushaltestelle
ULIUS LOCHNER
NFELD, Westböhmen
Fernruf 10
GALANTERIETISCHLEREI
mit elektrischem Betrieb. - Erzeugt Kassetten und Spezialartikel, Wasch- bretter und sämtl. In dieses Fach ein- Schlagende Artikel.
KARL RAU
BEN- UND LACKWERK,,KOMET" SCHÖNFELD, Westböhmen Filiale: Falkenau, Sommergasse liefert preiswert und gut: Farben, Lacke, Firnis, Künstler- und Schul- farben, Tusche und Pinsel
lius Spitl
SCHÖNFELD Nr. 106, Marktplat SCHUH WAREN
Maßarbeit / Reitstiefel
Fowald Fischer
SCHÖNFELD, Westböhmen HERRENSCHNEIDER
ffe in großer Auswahl auf Lager
Karisbac
Josef Roßmeisl, Schönfeld
Durchführung von Sonderfahrten mit bequemen und verlichem Telefon: Schönfeld 2 (Dauerverbindung
Autobussen.
Schönfelder Aussichtsturm
am Rarisbaber Gemmering
26 m hoch, am 786 m hohen Steingeröll, neu erbaut mit herrlicher Fernsicht. Sommerfrische und Wintersportplag Schönfeld im schönen Kaiserwald, 692 m Seehöhe, 2 km vom Sahnheim und 4 km von den Eisenbahnstationen Schlaggenwald oder Wajjerhäufeln bei Petschau entfernt. Autobushauptstation Karlsbad. Marienbad. Gute und billige Unterkunft und Berpflegung. Wohnfiß der Ruhe. ständler. Billige Wohnungen. Bauplähe. Post, Telegraph, Telephon, Arzt, Apothete, elektrisches Licht, Sochquellen- wafferleitung. Strandbad, Moorgebiet.
Franz Josef Lochner
ZINN- UND METALLGIESSEREI Schönfeld Nr. 416, Westböhmen
Bahnstation Schlaggenwald
erzeugt Syphons, garantiert unzerbrechliche Britanniametallöffel und Esbestecke, Splel. waren, Vereinsabzeichen, Bier- und sonstige Marken, Zinndosen und Zinngegenstände aller Art
Damen-Woll- und Seidenstoffe Heerenstoffe billigst im
Modenhaus J. Hubl
KARLSBAD,.,Mattonihof"
SCHUHGESCHÄFT
Eduard Weidl
KARLSBAD, Bahnhofstraße
Te Anzeigenseite einer Zeitung aus dem Jahre 1936.
bietet reichste Auswahl anerkannt erst- klassiger Qualton bol billigsten Preisen
Hotel Weber
Tischern-Karlsbad
Die gerne besuchten Gaststatem Gafé, Bierstüberl, Weberkeller zum Besuche bestens empfahlem Karl Rub, Hotelier
Willst Du gut bewirtet sein Kehr bei RICHTER ADOLF ein. Es ist von Karlsbad nicht welt Das Gasthaus Zur Gemütlichkeit FISCHERN, Altrohlauerstrade
Josef Zimmermann
Wäsche, Konfektion und Modewanen Fischern-Karlsbad Telefon 3413
Elektro-Breitenfelder
KARLSBAD, Telefon 2420
Josef Breitfelder
Modewaren u. Schneider KARLSBAD-BAHNHOF
und Karlsbad, Kirchenplatz
Spezialgeschäft in Leinen- und Baumwollwmem
Gustav Lochner
KARLSBAD, Felix-Dahns Haus Stepanek
Tisch- und Bettwäsche, Gardim
Arthur Roth
MODEWAREN und Schneiderzugehöre Karlsbad, Haus,,Daun", Tel 3300
Franz Schellhorn
Kochgeschirr, Blumentopit
Schmelztiegel-Erzeugung WEHEDITZ bai Karstad Fernsprecher 4069
Gegen Fahrraddiebstahl
schützt die städtische Fah
rungsstelle in Karlsbad, Markha
Graveur Niklas Mitzl, Karlsbad, er
=========
214
Porzellan-Malereien
Im Jahre 1857 errichtete Josef Schmieger sen. (früher Zinnhändler) in der Rat- hausgasse Nr. 233 (später Gasthaus,,Neue Welt") mit seinen Söhnen Gustav und Josef (Josef, genannt,, der kleine Schmieger") in Schönfeld die erste Porzel- lanmalerei. Die Einstellung des Betriebes in diesem Hause ist nicht mehr bekannt.
Der Sohn Gustav erwarb später das Haus Nr. 262 - eine aufgelassene Opl- Gerberei wo er, auch wieder mit seinen Söhnen, die Porzellanmalerei Gustav Schmieger & Söhne" einrichtete.
//
-
Gustav Schmieger verstarb 1912, der Betrieb wurde jedoch von seiner Frau Theresia geb. Gareiß (Longer) weitergeführt (siehe hierzu auch nächsten Absatz).
Norbert Rau errichtete ebenfalls eine Porzellanmalerei. Er kaufte hierfür das sogenannte Zicklerhaus (Nr. 264) am Dreifaltigkeitsplatz. Nach dessen Tode (1922) übernahm sein Sohn Josef den Betrieb; dieser verstarb jedoch bereits zwei Jahre nach seiner Geschäftsübernahme. Die Malerei übernahm danach dessen Bruder Karl Rau, der die Wally Schmieger heiratete (Tochter von Gustav und Theresia). Damit gelangten die Porzellanmalereien Rau und Schmieger in eine Hand.
Im Jahre 1867 wurde die Firma,,Josef Norbert Spinner" gegründet. Die Por- zellanmalerei war auf der Neustadt Nr. 209. Dieser Betrieb verzeichnete im Jahre 1883 rund 60 Arbeiter. Nach dem Tode des Firmeninhabers übernahm dessen Sohn Egon Spinner das Geschäft. Durch die Weltwirtschaftskrise und auch durch die Abfindung der Miterben wurde dieser Firma ein erheblicher Teil des Betriebskapitals entzogen. Mit dem Brand Ende Feber 1931, bei dem das Betriebsgebäude bis auf die Grundmauern vernichtet wurde, endete die Firmen-Aera.
Der auf gleichem Grund errichtete Neubau diente nur noch Wohnzwecken. Ein weiterer Betrieb dieser Art sollte am Neukaunitz entstehen. Hier hatte der Porzellanmaler Georg Ruß (Gröicher Schorsch) die Absicht, zwar im etwas kleineren Stil, eine Porzellan-Malerei und -Brennerei zu betreiben. Er gab dieses Vorhaben jedoch wieder auf und baute 1928 das Haus für Wohn- zwecke um.
214
=========
215
Die Belegschaft der Porzellanmalerei Rau mit Familie Rau (Mitte). Diese Aufnahme dürfte 1925 entstanden sein.
Porzellan-Erzeugung
Vor 1900 bestand in Schönfeld eine Porzellanfabrik, deren Gründer vermut- lich der,,Dürr Spinner" - wie er allseits genannt wurde dürfte.
—
gewesen sein
Es handelt sich hierbei um die beiden Gebäude mit den Nr. 415 und 385, später Schindler- oder Feiler-Fabrik genannt.
Nach der Jahrhundertwende versuchte der Elbogener Waldmann sein Glück, er stellte jedoch nach einigen Porzellanbränden den frisch erworbenen Be- trieb wieder ein. Etwas später erwarb der Schlaggenwalder Alfred Schindler diese Anlage. Bald danach mußte er aber angeblich aus finanziellen Gründen wieder aufgeben. Die Stillegung begründete Schindler jedoch damit, daß das Wasser des Flößgrabens von dem inzwischen wieder angelaufenen Erzberg- bau derart verunreinigt werde, daß es zur Porzellanerzeugung nicht mehr brauchbar sei. Er führte deswegen einen mehrjährigen Prozeß mit dem Berg- werk, den er mit der Begründung verlor, daß der Flößgraben nicht für die Porzellanfabrik, sondern für den Bergbaubetrieb angelegt wurde.
215
=========
-216
In den dreißiger Jahren unternahm Julius Feiler einen neuen Anlauf, er mußte aber ebenfalls wieder aufgeben.
Die Gebäude, inzwischen arg ramponiert, dienten dann noch der Erzauf- bereitung (siehe Kapitel Bergbau).
Tuchweberei - Steinnuß-Knopffabrik - Schraubenfabrik
Anfang 1870 bestand in dem Gebäude Nr. 424, auf der Hub, eine Tuchwebe- rei. Nach Herkunft des Besitzers nannte man diese Firma einfach,,beim Sachsen". Dieser Betrieb führte auch die bis dahin in Schönfeld unbekannte Petroleumlampe ein, die es den Heimarbeitern ermöglichte, auch nach Ein- bruch der Dunkelheit noch ihrer Arbeit nachzugehen. Die Firma war später nicht mehr konkurrenzfähig, der Betrieb stellte daher seine Tätigkeit ein. Danach wurde in diesem Gebäude eine Steinnuß-Knopffabrik errichtet, in der rund 80 Arbeiter beschäftigt waren. Im Jahre 1903 (?) schlossen sich auch hier die Tore.
Eine Zeit danach begann der ehemalige Werkmeister dieser Firma, Hermann Winkler, hier eine Schraubenfabrik einzurichten. Nach dessen Tode leitete ein Mann namens Wende (Berlin) diesen Betrieb bis 1925. Nachfolger Wen- des wurde ein gewisser Josef Hess aus Graupen bei Teplitz. Im Jahre 1927 verlagerte man diesen Betrieb nach Komotau.
Das leerstehende Fabrikgebäude erwarb Josef Müller (Konderer Seff), um darin Holzwolle herzustellen.
SKR"
- Metallschraubenfabrik und Fassondreherei
Diese Firma wurde im Jahre 1932 von Otto Kuhn, Adolf Sammet und Rau- scher gegründet. Rauscher trat 1933 aus der Gesellschaft aus, seinen Anteil übernahm Arthur Hubl. Bis zum Jahre 1936 war der Betrieb in gemieteten Räumen auf der Hirtenpaint (Nr. 489) untergebracht. Im Jahre 1935 trat Anna Floth (Nr. 112) als stille Teilhaberin in das Unternehmen ein; damit konnte 1936 der Bau eines neuen Fabrikgebäudes (Hauptstraße Nr. 491) erfolgen. Anna Floth kündigte 1943 ihren Vertrag.
Aus kleinen Anfängen heraus hatte sich dieser Betrieb ständig vergrößert. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges 1945 war die Zahl der Beschäftigten bis auf 48 Personen angewachsen.
Als Folge des verlorenen Krieges wurden später alle Maschinen in das Innere der Tschechei abtransportiert.
216
=========
217
Autobus-Unternehmen
Der früher so sehr empfundene Mangel einer Eisenbahnverbindung wurde durch die Inbetriebnahme eines regelmäßigen Autobusverkehrs am 1. Sep- tember 1928 durch Josef Roßmeißl behoben.
Die erste fahrplanmäßige Verbindung bestand zunächst zu den beiden Bahn- stationen Schlaggenwald und Petschau.
Später wurden folgende Linien eröffnet:
Petschau
Petschau
Buchau
—
-
Sangerberg
Buchau
Tepl
Bald darauf wurde das Netz um folgende Strecken erweitert:
Schönfeld
-
Schlaggenwald - Elbogen - Karlsbald
Schönfeld Lauterbach - Sangerberg
Schönfeld Lauterbach - Falkenau
-
Marienbad
Zusätzlich veranstaltete das Autobus-Unternehmen während der Sommer- monate Gesellschaftsfahrten nach Leipzig, Dresden, Berlin, München und Paris.
Im Jahre 1932 wurden die Petschau-Strecken wegen Unrentabilität einge- stellt.
1936 eröffnete Roßmeißl zusätzlich einen Lohnfuhrwerkbetrieb.
Unter politischem Druck mußte 1939 das Autobus-Unternehmen an die ,,KVG" (Kraftverkehrsgesellschaft in Dresden) verkauft werden. Der Linienver- kehr erfolgte bis zum Kriegsende 1945.
Während der Kriegsjahre 1940-1945 wurde Roßmeißl mit dem Milchtrans- port von und zur Zentralmolkerei in Karlsbad für folgende Orte beauftragt: Elbogen, Nallesgrün, Poschitzau, Schlaggenwald und Schönfeld.
Im Juni 1945 wurde der Betrieb vom tschechischen Verwalter Jellinek über- nommen. Roßmeißl Beb war noch bis zu seiner Vertreibung (Januar 1946) Angestellter in seinem ehemaligen Betrieb.
217
=========
218
Am Schluß dieses Kapitels sollen noch der Vollständigkeit halber die fol- genden zwei Sparten erwähnt werden, die sich zwar beide mit,,fliegenden Wesen" beschäftigten, jedoch von der Aufgabe und Ausübung her nichts miteinander gemeinsam hatten, denn es geht dabei um Vögel und Bienen.
Schönfelder Imker
Die süßen Erträge der heimischen Bienenzüchter waren wohl weitgehend für die eigene Familie oder auch für die nähere Verwandtschaft bestimmt. Größter Imker war Fuhrmann Lois (Nr. 126) mit mehr als einem Dutzend Bie- nenstöcken bzw. Völkern. Außerdem beschäftigten sich mit der Bienenzucht noch Adolf Lochner (Nr. 113), Julius Lochner (Nr. 414), Otto Kuhn (Hofgasse), Franz Lochschmidt (Hofgasse) und Erler (Tischerhof).
Vogelsteller und Gimpelzüchter (genannt die,,Vuåglgoochårå")
Zwei,,Nebenberufe", bei denen wahrscheinlich die Leidenschaft noch vor dem Geldverdienen lag. Beide Tätigkeiten waren nicht nur in unserer ehemaligen Heimat - verbotene,,Gewerbe".
Es bleibt dahingestellt, wer von beiden in der Beschaffungsmethode mit hu- maneren Mitteln vorging; der Vogelsteller, der mit Leimspindel und Schlag- häusl den kleinen gefiederten Sängern auflauerte, oder der Gimpelzüchter, der sich sehr oft seine noch unflüggen Opfer mitsamt deren Nest von Wald- arbeitern ausschauen und besorgen ließ.
Zu den gefährdetsten Arten gehörten vor allem Hänfling und Stieglitz, aber auch so mancher Kreuzschnabel (Grüners) der bestimmt seine Koustl (Fichtenzapfen) lieber auf einer Fichte am Mühlberg als in einem engen Drahtkäfig ausgeknispelt hätte - verlor neben so manch anderen munteren Sängern auf diese Weise seine Freiheit. Am gefährlichsten jedoch lebte der Gimpel, auch Dompfaff genannt, denn er galt bei den Züchtern als gelehrig- ster unter seinen Artgenossen. So wird noch heute von Exemplaren berich- tet, die sich zu wahren Pfeifvirtuosen entwickelten. Bei entsprechend guter Anlage beherrschten manche von ihnen nach ihrer Ausbildung - gemeint ist damit das fehlerfreie wiederholte Vorpfeifen einer Melodie - oft mehrere kurze Liedchen, womit sie ihrem Meister auch ein entsprechend gutes Geld beim Verkauf einbrachten.
218
=========
219
Mit der Vogelaufstellerei und der Gimpelzucht beschäftigten sich in unse- rem Heimatort folgende Schönfelder - soweit bekannt:
Floth Albrecht, Nr. 198 (Gimpel)
Floth Franz, Nr. 200
Floth Josef, Nr. 154 (Hänfling/Stieglitz)
Gerst Franz, Nr. 340
Haller Wenzl, (Vater von Haller Karl)
Herget Karl (Frisör), Nr. 97
Lehrl Franz, Nr. 32 (Gimpel)
Mießner Ignaz (Böimnaz), Nr. 162 (Gimpel)
Oplustil Karl, Nr. 119 (Gimpel)
Roßmeißl Adam, Nr. 368 (Gimpel)
Roßmeißl Josef, Nr. 223 (Gimpel)
Roth Franz, Nr. 130 (war als Gimpelzüchter angeblich weit über die Landes- grenze hinaus bekannt)
Ruppert Edwin, Nr. 6
Ruß Georg (Neu-Kaunitz) Nr. 447 (Gimpel)
Tyll Anton (Schmiedsteffl-Tonerl), Nr. 285 (Gimpel)
Tyll Franz (Uhrmacher), Nr. 96 (Gimpel) Schiener Emil (Neu-Kaunitz) Nr. 471
Zahn Nr. 164
219
=========
220
Die staatliche Spitzenschule (Nähschule)
Die böhmische Spitzenerzeugung ist schon sehr alt. Bereits im 16. Jahr- hundert ist sie historisch nachgewiesen. Ihre Blütezeit erreichte sie im 19. Jahrhundert. Damals fanden in Böhmen 40 bis 60 000 Arbeitskräfte in der Fertigung von Spitzen ihren Lebensunterhalt. Noch im Jahre 1936 ist die Spitzenindustrie der Tschechoslowakei im Export mit einem Betrag von 4 Millionen Kronen ausgewiesen. Dabei ist der nicht registrierte Export, der durch den Verkauf von diesen Waren in den Weltbädern Karlsbad, Marien- bad und Franzensbad erfolgte, nicht mit berücksichtigt.
Die tschechoslowakischen Behörden hatten den hohen künstlerischen Wert der Spitzenerzeugung erkannt; sie waren in der Förderung dieser Industrie wirklich tatkräftig. Die,,echte Spitze" genoß einen besonderen staatlichen Schutz und ihre Erzeugung stand unter dem Protektorat der Frau des damali- gen Ministerpräsidenten Benesch.
25 staatliche Klöppelspitzen- und 5 Nähspitzenschulen sorgten für die Aus- bildung der Arbeiterinnen und hoben deren Können auf ein Niveau, das der alten Tradition böhmischen Kunsthandwerks würdig war. Die Erzeugnisse besaßen Weltgeltung. Im Vergleich mit der alten belgischen und venetiani- schen Spitzenindustrie brauchte die böhmische Spitze keine Konkurrenz fürchten, dies beweisen zahlreiche Auszeichnungen, die auf namhaften internationalen Ausstellungen errungen werden konnten.
Es muß aber hierzu ganz deutlich vermerkt werden, daß trotz dieser guten Marktposition die Näherinnen für ihre Kunstfertigkeit und mühsame Ge- duldsarbeit nur einen recht bescheidenen Lohn erhielten, der in vielen Fällen zum karg bemessenen Einkommen des Mannes beitrug.
In Schönfeld hatte die Spitzennäherei im Jahre 1856 ihren Eingang gefunden. Es war ein Gossengrüner, der durch eine Heirat nach Schönfeld kam, und von seinem vorherigen Wohnort, wo er sich bereits mit der Spitzenerzeu- gung befaßt hatte, die Nähtechnik der sogenannten Venis-Spitze einführte. Der Schafwollwarenfabrikant Johann Floth war es dann, der kurz darauf eine ebenfalls aus Gossengrün stammende Lehrerin nach Schönfeld holte, die mehrere Mädchen in diesem Fach ausbildete. Damit sollte gleichzeitig eine Arbeitsmöglichkeit und Verdienstquelle geschaffen werden.
Im Jahre 1905 wurde unter Leitung des k. k. Zentralspitzenkurses Wien mit einem Wanderkursus begonnen. Damit sollte die Technik vervollkommnet und die Spitzennäherei eine kunstgewerbliche Grundlage erhalten.
220
=========
221
Teilnehmerinnen eines Nähspitzenkurses (um 1924). Rechts die langjährige Leiterin der Spitzen- schule, Theresia Horner. Ganz links Anna Schiener (geb. Meixner), die die Schule 1939–1946 leitete.
Die Kosten dieser ersten Einrichtung in Höhe von 590 Kronen trug die Stadt- gemeinde.
Am 15. September 1906 wurde der staatlich subventionierte Nähspitzenkurs ,,Spitzenschule Schönfeld" in dem damals der Städtischen Sparkasse gehören- den Haus Nr. 257, in der Kanzelistengasse (letzter Besitzer dieses Hauses war Josef Lindner), eröffnet.
Mit der Leitung wurde Theresia Horner aus Gossengrün beauftragt, die diese Schule bis zum Jahre 1938 erfolgreich führte.
Ihre Stellvertreterin war damals Luise Ruppert (Nr. 135).
In dem genannten Zeitraum - das Datum ist nicht mehr bekannt — wurde die Spitzenschule in das der Stadtgemeinde Schönfeld gehörende Haus Nr. 333 (Zona-Haus) an der Lauterbacher Straße verlegt.
In den Jahren nach 1938 bis zur Schließung (Vertreibung 1946) führte Anna Schiener (geb. Meixner) die Schule. Diese hatte ihre Ausbildung in Wien erhal- ten. Dreizehn Jahre war sie danach Nähspitzenlehrerin in Neukirch bei Eger.
221
=========
222
Damalige Stellvertreterin bis 1944 war Berta Knoll (geb. Bauer), die anschlie- Bend die Leitung der Spitzenschule in der Nachbargemeinde Lauterbach- Stadt übernahm.
Ihre Nachfolgerin als Stellvertreterin in Schönfeld wurde Adelheid Volkmer aus Bleistadt.
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß Marie Lochner (Marktplatz 113) ebenfalls in Wien als Nähspitzenlehrerin ausgebildet wurde. Sie war bis zur Vertreibung Leiterin der Spitzenschule in der Nachbarstadt Petschau. Die Spitzenschule Schönfeld war - - nicht zuletzt ihrer international aner- kannten Leistungen wegen - in Fachkreisen bestens bekannt. Einige beson- dere und vortreffliche Arbeiten sollen im folgenden vorgestellt und näher er- läutert werden:
Nähspitzendecke,,Figaro".
Entwurf: Professor Ferdinand Staeger.
Es war die Mozartsche Musik, die diesen Künstler dazu inspirierte.
Diese Decke wurde im Auftrage der Handels- und Gewerbekammer in Eger für die internationale Ausstellung in Paris 1937 angefertigt. Sie entstand in 15 800 Arbeitsstunden. Die Decke hatte einen Durchmesser von 100 Zenti- meter und war hergestellt aus haarfeinem Zwirn, der nur in England erzeugt wurde (englische Bezeichnung,,Nottingham", Nr. 420).
Folgende Näherinnen waren an dieser erstklassigen Arbeit beteiligt:
Irma Fischer, Maria Hubl, Berta Knoll, Rosa Köhler, Berta Meixner, Anna Mieß- ner, Julia Mießner, Anna Rau, Maria Ruß, Elisabeth Schaffer, Adolfine Spitzl, Paula Spitzl, Anna Ströher, Rosa Wilfert und Maria Rauscher.
Besonders beim Zusammensetzen der Decke waren außerdem beteiligt: Nähspitzenlehrerin Anna Schiener (Meixner) und Luise Ruppert.
Dieses kostbare Handarbeitsstück erhielt auf der bereits erwähnten Pariser Ausstellung eine Gold-Medaille.
Die Spitzendecke wurde im Mai 1939 auf der Kunstgewerbeausstellung in Nürnberg von Adolf Hitler erworben.
Nähspitzendecke,,Das Leben der Venus".
Entwurf: Professor Franz Renner, Wien.
Figürliche Darstellungen mit allmählichem Übergang zum rhythmischen Ornament.
Diese Decke mit einem Durchmesser von 100 Zentimeter entstand in ca. 25000 Arbeitsstunden, sie zeichnete sich besonders durch die Reichhaltig- keit der technischen Möglichkeiten in den Stickarten aus.
222
=========
223
Nähspitzendecke,,Figaro" (Durchmesser 100 cm).
Auf einer Ausstellung in Paris mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Teilstück dieser Decke (erstellt von Maria Rauscher).
=========
224
Sie war aus dem gleichen feinen englischen Zwirn Nr. 420 hergestellt wie die Decke,,Figaro".
An der Näharbeit, die von Frau Horner geleitet wurde, waren folgende Näherinnen beteiligt:
Rosa Köhler, Berta Meixner, Anna Mießner, Julia Mießner, Anna Rau, Luise Ruppert, Maria Ruß, Paula Spitzl und Anna Ströher.
Bei der Brüsseler Weltausstellung wurde diese Arbeit ebenfalls mit einer Gold-Medaille ausgezeichnet.
Nähspitzendecke,,Landleben".
Entwurf: Professor E. Paličkova-Mildeowá.
Das Motiv zeigt Landleute bei der Arbeit in Gärten und Weingärten.
Quadratische Decke,,Träumerei".
Entwurf: Professor E. Paličkova-Mildeowá.
Motiv: Eine Frau gedenkt verschiedener Ereignisse in ihrem Leben. Die Spitze ist in Brüsseler Tülltechnik mit Schattierungen durchgeführt. Nachfolgend noch drei weitere herausragende Arbeiten, die in der Staat- lichen Spitzenschule Schönfeld hergestellt und auf internationalen Ausstel- lungen mit je einer Gold-Medaille ausgezeichnet wurden:
Nähspitzendecke,,Die vier Jahreszeiten" (Ausstellung Paris). Bei der Kunst- gewerbeausstellung in Nürnberg 1939 von Hermann Göring erworben. Nähspitzendecke,,Bäumchen-Decke" (Ausstellung Genf). Nähspitzendecke,,Spitzenkragen" (Ausstellung Chikago/USA).
In der Schönfelder Spitzenschule wurde im Auftrage der Holländischen Kö- nigin Juliana auch eine Taufgarnitur - bestehend aus Kleidchen, Häubchen und Decke welche für die jetzige Königin Beatrix bestimmt war, angefer-
tigt.
-
Eine große, schon begonnene Arbeit blieb unvollendet. Es war eine Decke nach einem herrlichen Entwurf des Schönfelder Bildhauers Willy Russ mit dem Titel,,Das Lied aus dem Egerland".
Das Musterstück zu dieser Decke mit dem Motiv,,Tanz des Vaters mit der Mutter" hatte Maria Rauscher bereits fertiggestellt.
224
=========
225
Schönfelder Erzbergbau
Graf Kaspar Sternberg hat 1836 ein für die Bergwerksgeschichte berühmtes Werk erscheinen lassen, in welchem er sagt, daß die Zinnbergwerke in Schönfeld zu den ältesten im ganzen Lande Böhmen gehören. Die Zinngru- ben in unserer Gegend, besonders in Schönfeld, sollen durch englische Berg- leute entdeckt worden sein, und zwar sollen diese Bergleute aus der engli- schen Provinz Cornwallis gekommen sein. Schlesinger sagt in seiner,,Ge- schichte Böhmens", daß in Schönfeld schon unter König Ottokar II, also um das Jahr 1250, ein Zinnbergwerk betrieben worden sei.
Die Zinnwerke waren zwar nicht sehr reichhaltig, das daraus gewonnene Zinn war aber von solcher Güte, daß man es allgemein dem englischen Zinn am nächsten setzte.
Schon 100 Jahre vorher wurde Zinn von Regensburg aus auf der Donau nach Wien geschafft und dort als Glockenspeise verwendet; es ist sehr wahr- scheinlich, daß die Regensburger Kaufleute, welche dieses Zinn handelten, es aus unserer Gegend, wahrscheinlich auch aus unserem Orte, bezogen haben.
Schon seit dieser Zeit, und dann durch mehrere Jahrhunderte, bestand zwi- schen unserer Gegend, also auch zwischen Schönfeld und Bayern, ein sehr reger Handelsverkehr.
Die Zinnwerke in Schönfeld sind nach übereinstimmenden Nachrichten frü- heren Ursprungs als die in Schlaggenwald. Die ältesten Zechen waren die beiden Klingen. Die erste Besiedlung Schönfelds soll am Hohen Stein oder am Weißen Hügel gewesen sein, wo Tagbau und Stufenbau war, wie heute noch die vielen Erdlöcher und Mulden bezeugen. In nächster Nähe wurden am Kaunitz einige Häuser gebaut, wo schon Tiefbau betrieben wurde.
Daß Schönfeld eine sehr alte Bergwerksansiedlung gewesen ist, ergibt sich aus der historisch feststehenden Tatsache, daß in Schönfeld, und sonst in keinem anderen Berkwerksorte in Böhmen, ein Bergmännisches Amt be- stand, das sogenannte Berggericht oder der Bergschöppenstuhl. Das war eine Behörde, welche in strittigen Bergwerksachen Recht zu sprechen hatte.
225
=========
226
Das Berggericht zu Schönfeld geht auf eine Urkunde der Brüder Borso und Slavko von der Riesenburg vom Margarethentag 1355 zurück, die von Hein- rich, Burggrafen zu Meißen, am 22. Feber 1456 erweitert wurde. Dies wurde bestätigt von Heinrich dem Jüngeren, Burggrafen zu Meißen, am 24. Juli 1472. Danach sollen die Schönfelder über alle Bergwerke, die sich auf der Herr- schaft Petschau befinden, ausgenommen Gold und Silber, zu ewigen Zeiten richten und Recht sprechen.
Im Jahre 1480, Prag am St. Georgentag, erteilte König Wladislaw Heinrich dem Jüngeren, Vogt zu Plauen, Burggrafen zu Meißen, damaligem Besitzer von Petschau, und dem Johann von Lobkowitz auf Hassenstein die Freiheit, daß sie auf Gründen des Stiftes Tepl Bergwerke anlegen dürfen, das Bergrecht aber nirgends anders nehmen und suchen sollen, als in Schönfeld, wo von alters her das Bergrecht gesprochen wird. Daraus scheint zu folgen, daß vor der Entstehung der Bergstadt St. Joachimsthal alle Bergwerke des Elbogener Kreises das Bergrecht in Schönfeld genommen haben, weil es der einzige Ort in diesem Teile Böhmens war, wo ein Schöppengericht bestand. (Hierzu ein kurzer Rückblick über die damaligen Territorialverhältnisse: Die uralte Fe- stungsstadt Elbogen war von altersher Zentralpunkt des Elbogener Kreises. Dieser reichte hinauf bis an die Grenze des Reichsgebietes Eger und hinab bis Luditz an den Saazer-Kreis. Südöstlich grenzte er an das Pilsener Gebiet.) Die Verwüstungen der Hussitenkriege hatten dem böhmischen Bergbau einen Schlag versetzt, von welchem er sich bis zum Ende des Mittelalters nicht zu erholen vermochte.
Dann kam die Wiederbelebung des böhmischen Bergbaues von Meißen her. Zu St. Joachimsthal waren reiche Silbererze gefunden worden, und von da erfolgte auch die Wiederbelebung älterer, in das Mittelalter zurückreichen- der Gruben; zu ihnen gehörten auch die Zinnbergwerke in Schönfeld. Mittwoch nach Erhardi, 9. Jänner 1510, wurde das Bergrecht zu Schönfeld wieder eingesetzt, und fürderhin sollte alle vier Wochen ein Bergrecht gehal- ten werden.
-
1501 gelangte Johann Pflug von Rabenstein durch eine Vermögensteilung in den Besitz der Herrschaft Petschau, samt den dazugehörigen Bergwerken und Bergstädten. Im Jahre 1518 nahm er eidlich die Herrschaft Petschau zu Lehen. Dazu gehörte das Städtchen Schönfeld - wo auf Silber und Zinn ge- baut wurde mit allen Schmelzhütten und Mühlen; die Berge samt den Bergwerken und dem Silber, Zinn und allen Erzen, wie es in der Chronik heißt. Kaspar Bruschius ein um diese Zeit lebender gebürtiger Schlaggen- walder Poet und Geschichtsschreiber - berichtet:,,daß Schönfeld, Lauterbach und die Stadt Schlaggenwald allzeit für ein Corpus gerechnet, zur Herrschaft Petschau gehörig, gezählt wurde."
226
=========
227
Pflug war ein charaktervoller, reicher und unternehmender Edelmann reli- giösen Sinnes. Er bemühte sich mit großem Eifer um den Aufschwung des Bergbaubetriebes. Den Bergarbeitern gewährte er verschiedene Freiheiten und Begünstigungen. Unter seiner Führung wurde ein systematischer Berg- bau eingeführt. Er erweiterte das von Slavko und Borso in Schönfeld errich- tete Berggericht zu einem Bergschöffenstuhl mit Bergrichter, Bergvögten und Berggeschworenen, Pochmühl und Schmelzhüttenverwalter, letztere mit besonderen Instruktionen.
Eine von Johann Pflug im Jahre 1517 verfaßte Bergwerkordnung wurde republiziert. In derselben wurde nach § 3 angeordnet: Es soll scharf darauf geachtet werden, daß der Bergmann Holz, Wein, Bier, Fleisch und Brot nach rechtem Maß und Preis kaufen möge. Insbesondere soll der Rat dafür sor- gen, daß auch der Arme um seinen Pfennig ein gut Stück Fleisch bekomme, und alle vier Wochen sollen zwei Männer vom Rat und zwei der ältesten der Knappschaft das Brot bei den Bäckern beschauen und wägen. Ein Bergvogt mit zwei Geschworenen mußte jede Woche sämtliche Schächte und Strecken befahren, die Gebrechen rügen, nachsehen, ob alles bauhaft gehal- ten wird und ob die Bergfesten nicht zu Schaden ausgehauen werden, zwischen zwei Zechen mußte jederzeit eine Bergfeste stehen bleiben. Jede Woche fand eine Bergrechtsitzung statt, bei welcher stets die Rechnungen revidiert (geprüft) wurden. Der Flößmeister hatte das erschmolzene Zinn zu verrechnen.
Ein Teil der Hauer arbeitete von 4 Uhr früh bis 12 Uhr mittags, der andere Teil von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends. Samstag 10 Uhr wurde abgelohnt, dann begann der Wochenmarkt.
Wenn ein Bergmann Schaden erlitt, bezog er etwas mehr als einen halben Wochenlohn, die Gewerke (Grubenbesitzer) aber bezahlten nebenbei den Chirurg.
Zur Erreichung einer größeren Wasserkraft hat Johann Pflug 1514 den Ebmet-Bach - damals Ohmetbach genannt, der aus dem Elbogener Wald kommend zur Hub führte, käuflich erworben. Er wußte aber genau, daß auch damit ein Bergbau im größeren Maßstab nicht möglich war. Erst durch die Anlegung des Flößgrabens (siehe Kapitel,,Flößgraben") im Jahre 1523 stand dafür eine ausreichende Wassermenge zur Verfügung.
Vincenz Pröckl schreibt:,,Mit dieser erreichten sehr vermehrten Wasser- kraft konnten die Zwittermahlmühlen und Pochwerke gehörig in Gang gesetzt und der Bergwerkbau in größeren Dimensionen betrieben werden. Der Glücksstern über den Bergstädten war aufgegangen. Der am kaiser- lichen Hofe in hohem Ansehen stehende Johann Pflug von Rabenstein stieg
227
=========
228
von Würde zu Würde; wurde 1527 deutscher Lehenshauptmann, 1528 Hof- marschall und Bergkommissar zu Joachimsthal, 1533-1537 erster Kanzler des Königreiches Böhmen. Gegen Verleihung von 12000 fl (florentiner Gulden) erhielt er pfandweise von der kaiserlich-böhmischen Kammer die bis zum Kloster Tepl gehörigen 18 Dörfer und das Dorf Sangerberg zuge- schrieben."
Pflug kam damals bald zu der Überzeugung, daß die in großer Tiefe ruhen- den kolossalen Erzmassen, unter anderen auch die im Schöde-Stollen oder Stock, nahe Schönfeld, nach damaliger Lage der Dinge, nicht gehoben wer- den können, denn die Grundwasserprobleme konnten nur durch einen viel tiefer anzulegenden Stollen, gegen das Huber-Hauptwerk hin (heute Hub- Pinge), abgeleitet werden. Das erkannten auch die Gewerkschaften. Der Grundherr Pflug ermutigte deshalb diese zu einem solchen Projekt, wobei er ihnen namhafte Begünstigungen und Freiheiten zusicherte. Nun kamen auch reiche Geldmänner aus dem Ausland herbei und vermehrten die Zahl der Gewerke, darunter die Nürnberger Patrizier Scheuerle, Hans Schnöd, die Augsburger Welfer und andere, welche den Bau eines tiefen Stollens - den Pflugstollen - kontraktlich übernahmen. Aber bevor noch der erste Schlag zu diesem großen Werk getan war, verstarb Johann Pflug am 15. August 1537 in Prag, tief betrauert von den Bewohnern der drei Bergstädte Schlag- genwald, Schönfeld und Lauterbach sowie den nächst umliegenden Ort- schaften. (Pflug ist in Prag in der St. Wenzelskirche in der ersten Kapelle be- graben.)
Es folgte sein Neffe Kaspar Pflug von Rabenstein, ein freisinniger, talent- und charaktervoller Mann, welcher mit Milde und Umsicht die Pläne seines Vor- fahren verfolgte und den Bergbau auf den höchsten Glanzpunkt brachte. Gleich nach seinem Antritt erwarb er vom Kaiser Leopold ein Privilegium für die Gewerkschaften Hans Schnöd aus Nürnberg,,für sich und als Gewalt- haber seiner ehrbaren Gewerkschaft", Christoph Scheuerl der Rechte Doktor, Jakob Mälsen der Aeltere, Siegmund Führer, Sebastian Mälsen und Kaspar Murzel zum Bau des Pflugstollens.
Am Mittwoch nach Michaeli 1539 wurde mit dem Bau dieses Stollens be- gonnen und durch volle elf Jahre weitergeführt. Von der Zech, knapp unter- halb Schlaggenwaids, bis zum Huber-Stock (Hub), erreichte er eine Länge von 2538 Klafter (= ca. 5 Kilometer). Im Jahre 1587 wurde der Stollen in allen Zechen durchschlägig, er soll bis dahin 65000 Goldgulden gekostet haben.
Wegen der erblichen Besitznahme der Bergwerke geriet Pflug in Streit mit der kaiserlichen Regierung. Er verlor seine Güter, die der Staat an sich nahm.
228
=========
229
Eömischer auch zu Hung ern vnd Behemic. Kü.mai.
Beordente/vnd gebefferte/3inbergk wercks Ordnung/der Bergkstedt Scblackenwalden/ Schönfelden/
Lautterpacb/
Sampt derfelben zugebo renden gepirgen.".
Cum gratia et Priuilegio.
Titelblatt einer Zinnbergwerksordnung aus dem Jahre 1548 für die Bergstädte Schlaggenwald, Schönfeld und Lauterbach (verkleinerte Wiedergabe). Das Original dieser Schrift befindet sich in der Egerlandbücherei in Marktredwitz.
229
=========
230
geburt Jefu Lbrifti vnfers Beligmacbėrs/ D. D. XLVIII.
Das Königlich vnd freye weitberömbre Bergk
/
Ein Holzschnitt aus dieser mehr als 400 Jahre alten Bergwerksordnung zeigt bergbauliche Arbeitsmethoden in früher Zeit.
230
werck zu Schlackenwalden / sampt andern zugehörenden
=========
231
Der Erste Artickel.
Don emtpfabung der Leben/vnd welch er geftalt diefelbigen widerumb inn onfer freyes fallen.
In itzlicher der ein Leben auff Zinbergktorek / bey Dufern Bergkmaster auff nimpt/ der sol solch Le- ben in drepen Wagen/die nechsten / nach dem es ihm vorlieben ist/nach altem herkomen belegen / Wo er aber folchs in bemelter zeit nicht belegen/noch fristüg von vnserm Bergmeister / darzu wie Bergkwercks Recht/erlanget/So sol folch Lehen widerumb in vnser freyes ge- fallen fein.
Dnb wo folch Leben inn ernanter zeit beleget/ vnd doch nicht nach Bergkleufftiger was vormessen were/Sondern drey anfaren- befchichten lebig/vnd vnbawhafftig erfunden würbe/Solch Ces ben fol auch inn Onfer freyes widerumb gefallen sein / Und einem leben der es also vnbauhafftig befindet vnd muthen wirdet / durch vnfern Bergkmeister frey vorliben/vñ darbey gebandhabet werdë, Dnb do auch ein Leben auff Zinberg/nach altem berkomen vora messen wirdt/fo bat er sechs wochen / vnd nicht lenger freyung/ wo es aber vber sechs wochen vnbarbafftig erfunden/ vnnd DEB tein fristung vom Bergkmeister/mit redlichen vrsachen baben wür be/Deffelbig Leben/istalsbafi auch widerumb/in Onfer freyes gefallen/Es fol auch der Bergkrichter / an vnsers Bergkmeisters wiffen/niemands fristung zugeben/macht haben.
Der Ander Artickel.
Das der Bergkmeister zu Schlackenwal den/alwege ein abfcbrifft der Leben gettel/dem Bergkrichter gen Schönfelt vberfcbicken fol.
Achdem der Bergkrichter zu Schönfelt / welcher dem Bergkwerck zu Schlackenwalde numals anhengig ist/ets wan Müblen/Perg vnd Seiffen auff Zinwerg vorliehen/ So wollen wolt/bas/dasselbig so wie berurt/durch den Bergkrich ter zu Schönfelt verlieben worden ist/krefftig sein fol/vnd blaben/ Welcher aber fürtan vnser freyes begert/auff Perge/Mühlen/oder feiffen/ber fol folchs allewege bey vnserm Bergemeister zu Schla ctenwalden mutben / Dnb wie die mutbung lantet/alfo fol der
Bargt
Ein Blatt aus der 43seitigen Verordnung,
in welcher unser Heimatort auch mit,,Schönfelt" und,,Schönfelden" bezeichnet wird.
231
=========
232
1547, am 26. September, bestätigte König Ferdinand der Stadt Schönfeld die Artikel über das Bergrecht. Beim Schönfelder Bergrecht wurde noch 1561 nur mündlich verhandelt und alles,,vom Munde in die Feder gesetzt". Ein königliches Bergamt befand sich im Hause Nr. 260 (Ernst Kugler, Naudler), davon zeugte noch ein eingesetzter Mauerstein mit zwei eingemeißelten Berghämmern und der Jahreszahl 1567.
In diesem Zeitabschnitt ereignete sich im Jahre 1568, am ehemaligen Haupt- lager des Huberstockes, ein gewaltiger Bergniedersturz. Ein sichtbares Zei- chen dieses Ereignisses ist heute noch die Pinge auf der Hub. Nach Messun- gen von Bergfachleuten hatte der herausgehobene Erzstock einen Durch- messer von rund 200 Metern, bei einer Höhe von 25-30 Metern.
Kaspar Bruschius (geb. 1518 in Schlaggenwald) schreibt hierzu:,,Anno 1550 ist der Zwitterstock hinter der alten Hub im Kehuts-Pinger durch die Stöllner ange- troffen, eröffnet worden und ist an gemeldeten Ort das erste Brechen Anno 1568 geschehen, da das Wetter zu allen Schächten zugleich ausgestoßen; die Beamten waren damals gleich in der Hub, davon hat etliche das Wetter wider die Berg- vesten geworffen, daß der Seelsack knakt hat; dergleichen Brechen ist den 14 April aufn Schödenstock (vermutlich heutige Fenkl-Pinge, d. Verf.) geschehen, da es zu Tag ausbrochen, wie es die Pingen heut zu Tag bezeugen.
"/
Es ist angebracht, daß im Rahmen dieses Kapitels ein knapper Einblick in die Bergbaumethoden der damaligen Zeit gegeben wird. Vincenz Pröckl be- schrieb sie 1887 wie folgt:,,Nachdem mit Hammer, Schlägel und Eisen Län- genorte (Gänge) bis zu 15 oder 20 Klafter (= 30-40 Meter) Länge hergestellt und mit Holz ausgesetzt waren, hat man das Holz angezündet und durch Feuer die Erzgesteine porös und mürbe gemacht, damit sie leichter gebro- chen und zerkleinert werden konnten. Durch dieses Ausbrennen entstanden die Brennörter. Nach Beräumung derselben hat man abermals Holz- stämme und Klafterholz eingesetzt und verbrannt, wodurch sich die Brenn- orte nach allen Seiten hin vergrößerten. Durch oft wiederholte Ausfeuerung und Beräumung bildeten sich endlich große hohle Räume, die in der Berg- mannssprache den Namen »Weiten« führen. Solche Weiten (Höhlungen) wurden nicht nur nebeneinander, sondern auch vier bis fünf Stockwerke übereinander angelegt, so daß die mächtigen Zwittererzkörper nur auf den Bergfesten - den bis in die Tiefe hinab ausgesparten natürlichen kolossalen Erzpfeilern - standen. Aber auch diese Pfeiler wurden endlich zusammen- gefeuert, um den Zinngehalt zu gewinnen. Diese Feuerarbeiten konnten, wie leicht begreiflich, nur mit steter Lebensgefahr geschehen, gar viele und selbst die vorsichtigsten Bergleute haben dabei ihr Leben verloren. Das zu Tage gebrachte Zwittergestein hat man in der anfänglichen Betreibszeit mit Mörsern zerstoßen, auf Handmühlen zu Pulver gemahlen, um es zum
232
=========
233
Bergmänner bei ihrer Arbeit in einer sogenannten,, Weite". Der mächtige Pfeiler Bergfeste genannt gab dem Gewölbe die erforderliche Abstützung. (Eine Aufnahme aus dem Schönfelder Bergrevier.)
Schmelzen geschickt zu machen; in später Zeit, als Pflug den Flößbach an- legen und Hans Portner, Hauptmann in Schlaggenwald, im Jahre 1525 Erz- pochmühlen erbauen ließ, konnte das Zwittererz durch Wasserkraft mittels eisernen Fallstämpfen zerkleinert und schmelzbar bereitet werden.
Auf dem Hauptschachte der Hub bestand zur Heraufbeförderung der Zwit- tererze und Hebung des Grundwassers bis zur Sohle des tiefen Pflugstollens eine sinnreich konstruierte Kunst-Wasserhebemaschine, welche der Kunst- baumeister Hedler im Jahre 1529 erbaute. Um zur Radstube zu gelangen, mußte man 12 Fahrten (Leitern) ca. 30 Klafter hinabsteigen; ein riesenhaftes Wasserrad von 7 Klafter im Durchmesser setzte mit fabelhafter Geschwin- digkeit das Pumpengestänge in Bewegung und hob die Gewässer und Erze herauf."
Soweit die Darstellung von Vincenz Pröckl zu der damaligen Arbeitsweise im Bergbau.
233
=========
234
Registrierte Zinnlieferungen (Reinzinn)
aus den Schönfelder Bergwerken in der Zeit von 1610-1715
JAHR - 1610 20 30 40 50 60 70 80 90 1700 10 20 30 40 1750
ZENTNER
5,689
5.774
6.000
5.000
3,890
4.000
2.967
2,778
2,804
3.000
2.183
2.049
2.000
1.501
1,019
1214
859 823
1.000
288
9
10
10 7 10 10 10
6 10 10 10 4 1 6 Anzahl der registrierten Jahre im jeweiligen Jahrzehnt.
Herausragende Jahre:
-
Geringste Liefermengen:
1619 1188 Zentner
=
59,4 Tonnen
1703
1620
884 Zentner
=
44,2 Tonnen
1705
1649 1030 Zentner
=
51,5 Tonnen
1718
-
1650 1429 Zentner
=
71,5 Tonnen
1721
-----
-
-
54 Zentner = 2,7 Tonnen
41 Zentner = 2,0 Tonnen
49 Zentner = 2,5 Tonnen 50 Zentner 2,5 Tonnen
Auffallend ist hierbei die lückenlose Registrierung und auch überaus gute Förderleistung in der Zeit während des dreißigjährigen Krieges 1618-1648. Wie aus der grafischen Darstellung zu ersehen, verschlechterte sich die Aus- beute zusehends. 1745 war das Huber-Bergwerk außer Betrieb. Fünf Jahre darauf gründete man die neue Gewerkschaft,,Union" und nahm die Arbeit wieder auf. 1757 erfolgte die Auflösung dieser Gewerkschaft, zugleich fand eine Neugründung statt, vermutlich mit gleichzeitiger Zusammenlegung aller Hubertusstock-Bergwerke zu einem Hauptwerk. 1766 kam der gesamte Betrieb in kaiserlichen Besitz.
Daß die Bedeutung des Bergbaues langsam nachließ, geht schon allein dar- aus hervor, daß in Lauterbach und Schönfeld die Bergämter aufgelassen und eine Zusammenlegung nach Schlaggenwald erfolgte.
234
=========
235
Im Jahre 1761 wurde der Betrieb am Huber-Hauptwerk, wegen geringer Förderung und sehr hoher Schuldenlast, eingestellt. Es wurden zwar staat- licherseits enorme Anstrengungen unternommen und Begünstigungen er- teilt, das hohe Defizit konnte jedoch nicht bewältigt werden; jeder Versuch zur Wiederbelebung blieb vergeblich. 1774 hat die k.u.k. Regierung das Huber-Hauptwerk aufgelassen. Daraufhin taten sich 30 Bergleute aus Schlaggenwald und Schönfeld zusammen und kauften den gesamten Betrieb für 20000 Gulden. Es bedarf keines Hinweises, daß diese Bergleute keine Mühe und Arbeit scheuten, um etwas zu verdienen, aber bis zum Jahre 1778 verzeichneten auch sie ein Defizit von 4000 Gulden.
Aufgrund eines positiven Gutachtens hoher Bergbeamter wurde noch einmal, mit Hofdekret vom 15. Juni 1801, die Wiederaufnahme des Huber- Bergwerkbetriebes angeordnet, es erfolgten beachtliche Investitionen. Gleichzeitig kam der Bau des tiefen Coloredo-Stollens bei Petschau in Vor- schlag, welcher zum Huberstock hineingetrieben und 40 Klafter (= 76 Me- ter) tiefer als die Sohle des Pflugstollens gelegt werden sollte. Dieses lang- fristige Projekt angeblich 100 Jahre - lief an, wurde jedoch, nach kaum vierjähriger Arbeit, wieder eingestellt. Auch die mit aller Energie am Huber- Hauptwerk laufenden Arbeiten brachten keine Rentabilität. Im Hungerjahre 1817 wurde der stilliegende Coloredo-Stollen nochmals in Angriff ge- nommen, um den notleidenden Bergleuten einigermaßen zu helfen. Aber genau in diese Zeit fiel der vom Staat gefaßte Beschluß, sämtliche Bergwerks- betriebe wegen ständiger Unrentabilität für immer einzustellen.
—
Es folgte der große Ausverkauf. Nach vorheriger Schätzung bot der Staat die gesamten Berwerksbetriebe, einschließlich der Wasserrechte und Waldun- gen zum Verkauf an.
Der Gewerke Unger (vermutlich aus Schlaggenwald) war der erste, welcher 1829 das Huber-Hauptwerk und eine Pochmühle für 2900 fl erwarb und die Grube, so gut es ging, ausnützte. Neben Unger haben noch weitere Bürger aus Schlaggenwald und Schönfeld bergbaulichen Besitz erworben; so waren 1836 noch 11 Zechen in Betrieb, aus denen rund 650 Zentner Zinn gefördert wurden. Die Erträge nahmen jedoch immer mehr ab.
In unserer Nachbarstadt Lauterbach standen bereits seit 1825 die Zechen still.
Zu den damaligen Bergwerks-Besitzverhältnissen ist noch Folgendes zu be- merken: Der Besitzerkreis nannte sich,,Gewerkschaft", der einzelne Teilha- ber war ein,,Gewerke". Der Gesellschaftsanteil an einer bergrechtlichen Ge- werkschaft wurde als,,Kux" bezeichnet. Er lautete auf eine Quote und nicht, wie z. B. eine Aktie, auf einen festen Nennbetrag. (Nach dem österreichischen Allgemeinen Berggesetz von 1854 ist die Zahl der Kuxe auf 128 beschränkt.)
235
=========
236
So hatte z. B. nach dem Bergbuchextrakt vom 22. Oktober 1868 die Stadtge- meinde Schönfeld von der Maria-Schönfeld-Zeche 32 Kuxe, also 1/4 Anteil. Die Stadtgemeinde Schlaggenwald hatte um 1750 von dem Huber-Hauptwerk 16 innerliche und 16 äußerliche Kuxe, und vom Kaspar-Pflug-Stollen 20 inner- liche und 20 äußerliche Kuxe.
-
Um 1880 erwarb vermutlich zum Preise der Erhaltung - der alte Steiger Josef Schiener - allgemein nur der Schiener-Dick genannt (Nr. 409, neben der Schießhütte) - den Mariahilf-Schacht. Er werkelte mehrere Jahre mit einigen Bergmännern in den Stollen. In den neunziger Jahren gab auch er wegen der mehr als mageren Ausbeute auf.
Wie schon längere Zeit vorher in unserer Nachbarstadt Schlaggenwald, erfolgte 1864 auch in Schönfeld die endgültige Stillegung des Bergbaues. 1868 erfolgte die Liquidation sämtlicher Schlaggenwalder und Schönfelder Bergwerksbetriebe. Die nicht endende Verlustperiode, die zum großen ,,Aus" führte, war in starkem Maße auch auf die billigen Zinnimporte von den Malayischen Inseln und Indonesien zurückzuführen. Die dortigen Zinn- vorkommen waren so reich und so leicht abzubauen, daß jede europäische Zinngrube im Wettbewerb unterliegen mußte.
Inzwischen hatte jedoch ein Mineral in der aufblühenden Schwerindustrie an Bedeutung gewonnen, nämlich Wolfram- ein in unseren Zechen mitge- fördertes aber bis dahin wertloses Erz. Damit bekam der bis zu diesem Zeit- punkt auf reine Zinnförderung ausgerichtete Bergbau eine neue Anziehungs- kraft. Im Jahre 1904 erwarb Richard Dübl (Herkunft unbekannt) den Mariahilf-Schacht. Sein Wohnhaus, die sogenannte,,Bergmannsrast", ließ er im Pinge-Wäldchen auf der Hub errichten. Dübls Geldmittel waren jedoch nicht ausreichend, um einen rentablen Abbau vornehmen zu können. Ihm stand weder Dampfkraft noch Elektrizität zur Verfügung, so konnte er auch keine Pumpe zum Einsatz bringen, wodurch der Abbau - wegen des Was-
sers auf den in nur 60 Meter Tiefe liegenden erzarmen Lauf (1. Sohle) be- schränkt bleiben mußte. Dübl stellte bald darauf seinen Betrieb wieder ein. Er hatte dennoch großes Glück, denn 1906 konnte er den Schacht - nach kurzen Verhandlungen - an eine englische Gesellschaft verkaufen. Gleich- zeitig erwarben die Engländer von Josef Ruß, für 100 000 österreichische Kro- nen, die angrenzenden Grundstücke sowie die 1903 ausgebrannte Kamm- garnspinnerei. In diesem Gebäude entstand damals eine der modernsten Aufbereitungsanlagen. Im Grubenbetrieb hielt die Dampfmaschine ihren
Einzug.
Nun wollten die neuen Besitzer auch den alten Kreuzzech-Schacht neu abteu- fen. Die Auffindung des genauen Punktes war jedoch nicht möglich, so daß der damalige englische Bergwerksdirektor eine Belohnung von 500 österrei-
236
=========
237
chischen Kronen für die genaue Nennung des ehemaligen Standortes aus- setzte. Nach wenigen Tagen erhöhte er die Summe auf 1000 Kronen, dieser Betrag entsprach dem Jahresverdienst eines Handwerkers, aber selbst die äl- testen Schönfelder waren nicht in der Lage, einen zweckdienlichen Hinweis zu geben. Es mußte daher ein ca. 10 Meter tiefer Hilfsschacht geteuft wer- den, von dem aus sternförmig mehrere Versuchsstollen getrieben wurden, bis man endlich auf den alten Schacht stieß. Zu dieser Zeit mangelte es be- reits an entsprechend ausgebildeten Arbeitern, so daß die Werksleitung eine größere Anzahl aus der Umgebung von Graẞlitz und aus der Steiermark an- warb. So waren die Jahre 1906-1908, bergbaulich gesehen, eine sehr gute Zeit für unseren Ort, obwohl immer noch recht primitiv gearbeitet wurde. Man schlug jedes Sprengloch noch per Hand. Der Ein- und Ausstieg im Schacht erfolgte nach wie vor noch über Leitern, und in der Grube war der Bergmann auch weiterhin auf seine, nur spärliches Licht verbreitende ,,Rübölfunzl" angewiesen. Nur die Sprengmittel hatte man stark verbessert; Dynamit und Dynamon, nebst Kapseln und moderner Zündschnur wurden eingeführt. Die Jahre vorher diente z. B. ein mit Pulver gefüllter Strohhalm als Zündung.
Was in jener Zeit - es war um Ende 1908 - in Schönfeld niemand erwartet hatte, geschah; völlig überraschend wurde der gesamten Belegschaft gekün- digt und der Betrieb eingestellt. Vermutlich waren politische Ereignisse der Auslöser für diese Maßnahme.
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahre 1906. Sie zeigt im Vordergrund den Förderturm am Kreuz- zech-Schacht, dahinter die Aufbereitung. Links außerhalb des Bildes befand sich damals der Maria- hilf-Schacht.
Schönfeld, Bergwerk
સં
=========
238
Mit der Betriebseinstellung wanderten auch die zugezogenen Bergleute wieder ab.
Drei Jahre später, Anfang Juni 1911, wehte plötzlich am Aufbereitungsge- bäude eine englische Flagge, und der Malermeister Emil Bauer malte in gro- Ben Buchstaben den Firmennamen,,Gewerkschaft Elizabeth" an die Fassade. Ein Aufatmen ging durch die Schönfelder Bevölkerung und zahlreiche Schaulustige fanden sich vor dem Schachtgelände mit großen Hoffnungen ein. Mit der Aufnahme von Arbeitern in den folgenden Tagen wurden dann selbst die größten Zweifler überzeugt.
Massiv ging man gleich, unter großem technischen Einsatz, gegen die enor- men Wassermassen im Schacht an; es dauerte jedoch eine geraume Zeit, bis der Schacht auf der 3. Sohle, in einer Tiefe von 87 Metern, wasserfrei war. Nun waren auch wieder Bergleute von auswärts notwendig. Die Arbeiten liefen auf vollen Touren.
Am 4. Dezember 1911 wurde, nach vorherigem Hochamt im Gerstner-Saal, das vom Betrieb finanzierte traditionelle Barbara-Fest gefeiert. Es blieb allen Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung.
Im Feber des darauffolgenden Jahres setzte langanhaltendes Tauwetter ein; die große Schneeschmelze brachte Wassermassen, denen die Pumpen nicht gewachsen waren; der Schacht soff ab. Nach mehr als einem Monat war jedoch das Wasser wieder bewältigt.
Der Betrieb zählte damals rund 230 Arbeiter, einschließlich 12 Frauen, die in der Aufbereitung tätig waren. Die Tagesausbeute lag zwischen 500 und 800 Kilogramm wachsfeuchten Erzes, wovon rund 10 % Kupfer und die übrigen 90 % zu gleichen Teilen Zinn- und Wolframerz waren.
1914 schlug aber schon wieder ein politisches Ereignis zu, der Ausbruch des I. Weltkrieges! Am 5. August erfolgte die Betriebseinstellung.
Erst nach zehnmonatiger Kriegsdauer, als die Rohstoffe für die Kriegspro- duktion bereits knapp wurden, erinnerte man sich im Wiener Kriegsministe- rium der längst abgesoffenen Grube.
So kam es, daß Mitte Juni 1915 ein Leutnant namens Schmidt nach Schönfeld abkommandiert wurde, der mit dem ehemaligen Betriebsleiter Richard Freu- denberg alle Vorkehrungen für eine baldige Erzförderung traf. Dazu gehörte auch die Freistellung der inzwischen zum Militärdienst eingezogenen Berg- leute aus unserem Heimatort.
Gleichzeitig wurde auch eine elektrische Überlandleitung vom Montan- Elektrizitätswerk in Unterreichenau her zum Schacht gelegt. Damit erhielt
238
=========
239
auch Schönfeld, zu denkbar günstigen Bedingungen, endlich seine Stromver- sorgung.
Bis in den Herbst hinein liefen die Pumpen, um den Schacht wasserfrei zu bekommen. Zwischenzeitlich wurde von Zinnwald bei Teplitz Material her- angeschafft, aus dem in der leistungsfähigen Aufbereitung Erz gewonnen wurde. In dieser Überbrückungszeit ging man auch an den Abbau der Hal- den, aus denen ja noch das früher wertlose Wolfram herausgeholt werden konnte.
Bald trafen die vom Militärdienst enthobenen Schönfelder Bergleute ein. Das Kriegsministerium stellte auch sogenannte Bergarbeiter-Kader zusam- men, das waren Gruppen von Bergarbeitern aus anderen Gebieten, die nach Schönfeld abkommandiert wurden. Auch eine größere Anzahl Kriegsgefan- gener traf später ein.
Unter Vorbehalt der ständigen militärischen Kontrolle und Mitbestimmung entschloß sich das österreichische Kriegsministerium, den inzwischen pro- duktiven Schönfelder Erzbergbau im Versteigerungswege an Privat zu ver- kaufen. Zu diesem Zwecke wurde am 12. oder 14. Dezember 1915 beim Kriegsgericht in Eger die Versteigerung anberaumt, was durch das österrei- chische Handelsgericht und in der der Schwerindustrie nahestehenden österreichischen und reichsdeutschen Presse bekanntgegeben wurde. Als Interessenten tauchten die,,Steirischen Boehler Stahlwerke" und das Berliner Bankhaus,,Laupenmühlen und Co" auf, die beide fast gleichzeitig Sachver- ständige nach Schönfeld entsandten, um den Bergbaubetrieb eingehend zu besichtigen und auf seine weiteren Entfaltungsmöglichkeiten zu prüfen. Da sich die Experten und Vertreter der Boehler Stahlwerke bereits während ihres Bergbaubesuches mit dem Bergbaubetriebsleiter Richard Freudenberg, der Reichsdeutscher war, einigten, daß er, Freudenberg, als Vertreter und Beauftragter der Boehlerwerke zur Versteigerung nach Eger fahre, um den Bergbau für sie zu erstehen, so wurde Freudenberg einige Tage vor dem Termin von den ,,Boehler-Stahlwerken" mit allen Vollmachten ausgestattet, die zu einer Ersteigerung des Bergbaubetriebes um jeden Preis notwendig waren. Offensichtlich bemüht, seinem Auftraggeber nach bestem Können und bestem Gewissen zu dienen, fuhr der im reifsten Mannesalter stehende Freudenberg nach Eger, ließ sich aber von dem als Bevollmächtigten des Berliner Bankhauses zur Versteigerung entsandten erst 27jährigen Bergasses- sor Maier, einem Berliner, in Eger abfangen und von diesem Maier über- reden, gegen Erhalt einer größeren Bestechungssumme an der Versteigerung nicht teilzunehmen. Durch die Einwilligung in dieses schmutzige Geschäft gelang es dem Assessor Maier, als einzigem bei der Versteigerung anwesen- den Interessenten, den gesamten Schönfelder Erzbergbaubetrieb zu einem
239
=========
240
geradezu lächerlichen Kaufpreis dem Berliner Bankhaus Laupenmühlen und Co in die Hände zu spielen. Den Boehler Stahlwerken und der Schönfel- der Bevölkerung gegenüber begründete Freudenberg seine Nichtteilnahme an der Versteigerung mit Terminverspätung, was aber nicht glaubwürdig er- schien, da der ganze Schwindel bald danach festgestellt und publik wurde. Obwohl es für Schönfeld gleichgültig sein konnte, in wessen Besitz sich der Erzbergbau befand wenn er nur in Betrieb war so war doch bei der Bevölkerung und bei der Werksbelegschaft die Enttäuschung über den Ver- steigerungsausgang unverkennbar.
1
Diese von Freudenberg begangene Untat rächte sich schon nach wenigen Tagen und Wochen an ihm selbst. Als Dank für seine dem Assessor Maier geleisteten Dienste wurden kurz nachher Freudenbergs Betriebsleiterbefug- nisse einzig und allein auf den Grubenbetrieb beschränkt, wodurch er wie jeder Steiger bei Schichtbeginn einfahren mußte und bei Schichtende ausfah- ren durfte. Bereits am 1. März 1916 erhielt er vom Assessor die Kündigung mit dem Bemerken, daß er keine Beamten brauchen könne, die sich bestechen lassen.
Im Winter 1915/16 schlug wieder einmal ein Tauwetter mit großen Wasser- massen zu. Ungefähr einen Monat lang lag der abgesoffene Schacht still, so daß man notgedrungen in der Zwischenzeit auf das Haldenmaterial zurück- griff, um einige Zentner Wolfram zu gewinnen.
Anfang 1916 wurde der in jeder Hinsicht der Neuzeit entsprechende Wilhelm-Schacht abgeteuft. Der kreisrunde Schacht mit einer Tiefe von 160 Meter hatte einen Durchmesser von 5 Meter; die Betonwandung war durch- wegs 1 Meter stark. Zu der neuen Schachtanlage, die ein 26 Meter hoher eiserner Förderturm krönte, gehörten auch verschiedene Versorgungs- gebäude sowie Mannschaftsräume und Büros.
In die Aufbauphase des Wilhelm-Schachtes, der auf der gegenüberliegenden Seite der Aufbereitung (unterhalb der später erbauten Schraubenfabrik) angelegt wurde, fällt ein Ereignis, welches damals die neue Grube völlig still legte und außerdem noch ein Menschenleben forderte.
Haller Karl, der zu dieser Zeit als Pumpenwärter auf diesem Schacht arbei- tete, hat als Augenzeuge über dieses Ereignis einen packenden und dra- matischen Bericht verfaßt, in dem die Gefahr der Arbeit unter Tage in aller Deutlichkeit aufgezeigt wird. Hier seine erregende Schilderung im vollen Wortlaut:
,,Man schrieb Dienstag, den 13. Juni 1916, als in der Frühschicht am vierten Lauf in der sogenannten Kreuzzech-Strecke der vom Bahnbau in Schlaggen-
240
=========
241
wald zurückgebliebene Italiener D'Orazio, im Schacht nur 'Tonerl' genannt, nach Ausräumung des von der Nachtschicht hingeschossenen Materials mit seinem Kumpel daran ging, das Gleis um einen Schienenstrang zu verlän- gern. Dabei stießen sie auf ein Hindernis, das darin bestand, daß sich auf der linken Seite der Sohle in der Größe und Höhe einer Waschschüssel eine Ge- steinserhöhung befand, die in den vorangegangenen Schichten bei einer Sprengung stehen blieb und sich nun beim Gleislegen als hinderlich erwies. Da diesem harten und scheinbar kompakten Felsbrocken mit anderen Werkzeugen nicht gut beizukommen war, nahm D'Orazio einfach die Bohr- maschine und bohrte ein kaum 20 Zentimeter tiefes Loch, um das Hindernis mit einem ganz schwachen Sprengschuß zu beseitigen. Tonerl holte sich dann aus der Sprengmittelkammer eine halbe Patrone, die zur Beseitigung dieses Steinbatzens mehr als ausreichend erschien. Bei der Rückkehr mit der Patrone fand er, daß trotz der dortigen Trockenheit sich im Bohrloch etwas Wasser befand, welches nur von unten kommen konnte. Da die Gruben- leitung schon längere Zeit damit rechnete, bei dem Vortrieb dieser Strecke eines Tages in die alten Abbaufelder des früheren Kreuzzech-Schachtes zu stoßen, die voraussichtlich unberechenbare Wassermassen enthalten konn- ten, so wurden in dieser Strecke, außer den notwendigen ca. 1,20 Meter tie- fen Sprenglöchern immer auch zwei 3 Meter tiefe Löcher gebohrt, mit denen sozusagen vorgefühlt und das Vorfeld auf das Vorhandensein von Wasser abgetastet wurde. Außerdem war vorsorglicherweise für den Über- raschungsfall ca. 120 Meter vor dem Ort ein zwei Meter starker Beton-Tür- rahmen mit einer bei Wassereinbruch sich selbst schließenden Wassertüre eingebaut, die jedem Wasserdruck gewachsen zu sein schien.
Der ohnedies mißtrauische, erfahrungsreiche und stets vorsichtige D'Orazio kam daher zu mir in die Pumpenkammer, wo sich mitunter die Steiger auf- hielten, um den Steiger oder Obersteiger auf dieses zwar nichtssagende, aber immerhin verdächtige Wasser im Bohrloch aufmerksam zu machen und zu fragen, ob er den Schuß wagen soll. Ich konnte ihm aber nur sagen, daß der Obersteiger wahrscheinlich ausgefahren sei und der Steiger sich vermutlich in der Schönfelder Strecke befindet, worauf Tonerl wieder ging, und da mich so eine leise Vorahnung des Kommenden überfiel, warf ich schnell einen Blick in den Pumpensumpf, um mich zu überzeugen, ob ich die zwei laufen- den Pumpen genau auf den Wasserzufluß eingestellt hatte und ging mit. Auf Tonerls Ort angekommen, besah ich den Steinbatzen mit dem Bohrloch und sagte zu ihm, daß es nach meiner Meinung nicht notwendig wäre, den klei- nen Steinbatzen durch einen Schuß aus dem Weg zu räumen, es müßte doch möglich sein, ihn ohne Schuß beseitigen zu können. Ich verließ dann das im- mer noch unschlüßige Tonerl, und als ich wieder in der Pumpenkammer war, fiel ca. 5 Minuten später ein Schuß.
241
=========
242
Ich zog meine Militärbluse aus, krempelte die Hemdsärmel so weit als mög- lich zur Achsel hinauf und wollte für alle Fälle die eisernen Saugkörbe der Pumpen von den angesaugten Holzspänen reinigen. Dazu mußte ich von der Pumpenkammer zwei Meter auf die Strecke hinunter steigen und von dort in den vier Meter tiefen Pumpensumpf, aber ich kam weder auf die Strecke noch in den Sumpf, denn als ich die ersten zwei Schritte aus der Pumpen- kammer gemacht hatte, kam durch die Kreuzzech-Strecke eine ca. 1,20 Me- ter hohe Wasserwoge angerollt, mit der das Tonerl, sein Kumpel und der sich gerade in der Strecke befindliche Rau Rudolf geschwommen kamen. Sie alle hatten noch Glück, daß auf der Schönfelder Seite des Fördergesenks drei oder vier volle Hunte standen, die das Tempo dieser Flut stark abbremsten, wodurch sich den drei Männern die Möglichkeit bot, mit meiner und des Aufschiebers Kugler Franz (Katzengrün) Hilfe bereits halbtot aus der rasenden Flut auszusteigen. Ich setzte dann so schnell wie nie zuvor die dritte Pumpe in Betrieb, so daß alle drei mit einer Gesamtleistung von ca. 4800 Liter pro Minute liefen. Da ich mich selbst in dieser Situation nicht weit von den Pumpen entfernen konnte, mir aber der Gefahr bewußt war, in der die Leute auf den Aufbrüchen und den sich bis zu 15 Meter über dem vierten Lauf befindlichen Abbauen schwebten, so konnte ich nichts Besseres tun, als den kaum 17 jährigen Kugler Franz, der noch nicht lang im Schacht war, in dem Wasser in die Kreuzzech-Strecke zu schicken, um die Männer auf den Abbauen zu alarmieren. Als ich aber sah, daß Kugler Franz unter diesen Schwierigkeiten unmöglich zu allen Aufbrüchen vordringen konnte, besann ich mich eines Besseren, stieg wie auch Kugler bis zur Brust ins Wasser, um an das Hauptventil der Hauptluftleitung zu gelangen, allen Abbauen und Aufbrüchen die Rohrluft abzusperren und mit einem Hammer an der Rohr- leitung minutenlang Alarm zu schlagen. Auf diesen Alarm kehrte Kugler wieder um, und ahnungslos kam auch der Steiger Schmidt (ein zum Bergbau abkommandierter Zugführer) vom dritten Lauf herunter, dem ich schnell er- klären mußte, was vorgefallen sei, worauf er sich über das Funktionieren der Pumpen erkundigte und sich trotz des steigenden Wassers in die Kreuzzech- Strecke begab. Nachdem nun von jedem Abbau ein Mann Nachschau halten wollte, was die Luftabsperrung und der Alarm zu bedeuten habe und diese die ganze Strecke beinahe voll Wasser sahen, riefen sie auch ihre Kumpel schnell hinunter und kamen schon bis zum Hals im Wasser gehend vor zum Ausfahren. Inzwischen erfuhren auch der Betriebsleiter, Obersteiger, Werk- meister, Oberleutnant und alle, welche was zu retten glaubten, von dem Vorfall und kamen in den Schacht.
Am dritten Lauf am Füllort hielt der Obersteiger eine Mannschaftszählung, um sich zu überzeugen, ob alles gerettet sei, aber er mußte zum Leidwesen aller feststellen, daß fünf Mann fehlten und zwar der Steiger Schmidt und
242
=========
243
vier aus Joachimsthal stammende Bergmänner, die auf den beiden der Pum- penkammer am nächsten gelegenen Abbauen in der Schönfelder Strecke arbeiteten. Sie hatten, als ich die Luft absperrte, noch nicht gebohrt und da- her die Absperrung nicht wahrgenommen, und auch auf den Alarm gaben sie nichts. Erst später, als sie zu bohren anfangen wollten und keine Luft da war, wollte einer Nachschau halten und fand dabei, daß die Strecke voll Wasser sei und sie vom Wasser am Abbau eingeschlossen sind. Sie hatten aber noch Glück, da sich ihre Abbaue beinahe in der Höhe des dritten Lau- fes befanden, von dem sie keine kompakte Steinwand, sondern nur eine ca. 4 bis 5 Meter starke Wand versetzter, also loser Steine trennte, durch die sie sich zwar nicht ganz gefahrlos, aber immerhin leicht durcharbeiten konnten, zumal auch vom dritten Lauf aus durch Auspacken der Steine fieberhaft an ihrer Befreiung gearbeitet wurde. Der Steiger Schmidt blieb jedoch ver- schollen.
Nun soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, daß die bereits als vorsorglich erwähnte, bei stärkerem Wasserausbruch sich selbst schließende Wasser- türe tatsächlich den ihr zugedachten Zweck restlos erfüllt, wenn nicht ein höchst seltsamer Zufall mitgespielt hätte, der sie an der restlosen Erfüllung ihrer Aufgabe hinderte. Es war nämlich der Fall, daß in den Strecken (Stol- len) fast bei jedem Aufbruch, von denen aus die Abbaue angelegt wurden, eine ca. 1,50 Meter lange, 60 Zentimeter hohe und ebenso breite Werkzeug- kiste stand. Eine solche massiv gebaute, ziemlich schwere Werkzeugkiste trug das ausgebrochene Wasser mit fort, und gerade in dem Augenblick, als sich die Wassertüre schließen wollte, schwamm die Kiste durch die Türöff- nung und wurde von der sich schließenwollenden Türe eingeklemmt, so daß die Türe in der Breite der Kiste offenbleiben mußte. Die an der Kiste beider- seits angeschlagenen starken Leisten und der Wasserdruck an der Türe sorg- ten dafür, daß die Kiste überhaupt nicht entweichen konnte, und das war gut so. Dieser seltsame Zufall mußte nämlich, trotzdem er das Ersaufen des Schachtes und den Tod des Steigers Schmidt verschuldete, noch als äußerst glücklich bezeichnet werden, denn ohne Einklemmung dieser Werkzeug- kiste hätte sich die Wassertüre ohne Zweifel restlos geschlossen und damit allen hinter der Wassertüre in den Abbauen arbeitenden Männern, 12 oder 14 an der Zahl, das Entrinnen vor dem sicheren Tod ganz und gar unmöglich gemacht. So aber konnten sich alle zwischen der Wassertür und dem Streckenende arbeitenden Männer, trotz der durch die halbgeschlossene Tür und der dazwischen geklemmten Kiste verursachten, bis zum Hals rei- chenden Wasseranstauung, über die Kiste hinweg, durch den Spalt noch in Sicherheit bringen.
Ich und einige zur eventuellen Pumpen-Demontage bereitgestellten Schlos- ser und Monteure sowie Betriebsleiter Fekler, Werkmeister Haber und Ober-
243
=========
244
leutnant Schurk kauerten vor der Pumpenkammer und beobachteten, mit der Uhr in der Hand und immer wieder im schräg aufsteigenden Gesenk vor dem Wasser Steinchen legend und Striche ziehend, das unaufhörliche Stei- gen des Wassers. An das Zeit beanspruchende Herausnehmen der Pumpen war bei diesem Steigen des Wassers nicht zu denken, übrigens hatte der Oberleutnant auch befohlen, die Pumpen bis zum äußersten Augenblick lau- fen zu lassen, da es der Fall sein könnte, daß inzwischen das Wasser noch nachgebe und die Pumpen mit dem Zufluß fertig werden könnten. Aber die- se Hoffnungen erfüllten sich nicht, im Gegenteil, das Wasser stieg zusehends schneller, da es gerade in dieser Höhe noch keinen Abbau erreichte und nicht die geringste seitliche Ausbreitungsmöglichkeit hatte. So kam es, daß in kurzer Zeit das Wasser auch in die Pumpenkammer eindrang, an den Fun- damenten und an den darauf stehenden Elektromotoren und Pumpen lang- sam in die Höhe kletterte und die Zeit gekommen schien, auf das vom Werk- meister mit obertags vereinbarte Signal von außen den Hochspannungs- strom abschalten zu lassen, da ein Betreten der Pumpenkammer wegen der Erdschlußgefahr nicht mehr ratsam erschien. Das geschah fast genau nach einer Stunde dieses vom Italiener Tonerl ausgelösten Sprengschußes, der diesem verhängnisvollen Wasser das Tor öffnete.
Es war ein unheimlich bedrückendes Gefühl, als an Stelle des gewohnten, ununterbrochenen Singens der Pumpen plötzlich Grabesstille trat und die elektrischen Lampen erloschen, denn jetzt, wo jeder Widerstand gegen das Wasser aufgegeben war, konnte die Tragweite des Geschehens erst ermes- sen werden. Schon das Bewußtsein allein, daß ein Mensch durch dieses Wasser sein Leben verlor, ließ mich erschauern, zumal ich selbst größtes Glück hatte, denn würde das Wasser nur eine halbe Minute später einge- drungen sein, wäre ich im Sumpf beim Reinigen der Saugkörbe gewesen. Aber es war nicht viel Zeit für derartige Gedanken, denn die Abschaltung der Pumpen ließ das Wasser in den jetzt fast nur auf das Gesenk beschränk- ten Raum von ca. drei Meter Breite um so schneller steigen, so daß nichts weiter übrig blieb, als sich in Sicherheit zu bringen.
Am nächsten Tag hatte das Wasser trotz der am und über dem 3. Lauf enor- men Ausbreitungsmöglichkeit 38 Meter Höhe und den 2. Lauf erreicht.
Nun mußten vor allem neue Pumpen nebst den dazu notwendigen Elektro- motoren und Kabeln angeschafft werden, was, bedingt durch ihre Kriegs- wichtigkeit, nur über das Kriegsministerium möglich war, jedoch unerwar- tet schnell erledigt wurde, so daß schon nach wenigen Tagen der Angriff auf das Wasser mit bis dahin noch nie eingesetzten starken Pumpen beginnen konnte. Um mit diesen größeren und leistungsfähigeren Pumpen, deren
244
=========
245
Saughöhe 7 Meter betrug, dem fallenden Wasser auch nachrücken zu können, mußte jedoch erst ein aus früheren Zeiten stammendes, längst zuge- schüttetes, sich schräg vom 1. am 3. Lauf hinabziehendes Gesenk auf- gemacht werden, wodurch sich das Vordringen in die Tiefe zwar etwas ver- zögerte, aber ungehindert erfolgen konnte.
Fast genau sechs Wochen nach dem Ersaufen konnte der 4. Lauf wieder betreten werden, wobei es selbstverständlich als erstes galt, den vermißten Steiger Schmidt zu suchen. Nebenbei war aber auch die Neugier groß, wo und wie das verhängnisvolle Wasser ausbrach, weshalb als erste die Kreuz- zechstrecke begangen wurde, wobei man in nächster Nähe der Wassertüre, bis zur Unkenntlichkeit verschlammt, den Steiger Schmidt gefunden hat. Er dürfte sich vermutlich, in seiner Pflichterfüllung zu weit gehend, mit dem Kopf längere Zeit unter Wasser, um das Herausbringen der zwischen der Wassertür eingeklemmten Werkzeugkiste angestrengt bemüht haben, wobei er wahrscheinlich durch Erschöpfung oder einen anderen Umstand zu Fall kam und, des Lichtes beraubt, nicht mehr aufstehen konnte, wodurch er den Ertrinkungstod erlitt. Ferner fand man die halbgeschlossene Wassertüre mit der die gänzliche Schließung verhindernden eingeklemmten Werkzeug- kiste so vor, wie es die zuletzt hindurchgeschlüpften Bergmänner geschil- dert, und schließlich fand man an jener Stelle, an der das Italiener-Tonerl das seiner Ladung gemäß als harmlos zu nennende Schüßlein abtat, ein ca. 3/4 Meter großes Loch vor, aus dem noch immer eine Wassermenge quoll, mit der eine Pumpe zu tun hatte. Dieses Loch zog sich nach Lage des Erzganges schräg in die Tiefe und ließ trotz wiederholt versuchter Messungen keinerlei Schlüsse auf seine Tiefe zu. Fest stand nur, daß dieses Loch das oberste Ende eines möglicherweise schon drei- bis vierhundert Jahre alten Aufbruches war, der in einer bis dahin unbekannten Tiefe seinen Anfang nahm. Weiter stand fest, daß dieser alte Aufbruch mit einer ungeheueren, in seitlicher Aus- dehnung nicht abzuschätzenden, in ihrer Höhe sich ca. 15 Meter über den 4. Lauf erhebenden Wassermenge in Verbindung gestanden sein muß. Das konnte daraus mit Sicherheit angenommen werden, weil kaum 15 Minuten nach dem am 4. Lauf erfolgten Wasserausbruch eine, sich schon durch Jahre in der Schönfelder Strecke am dritten Lauf befundene Quelle, aus der nor- malerweise für eine Pumpe Wasser hervorquoll, bedeutend nachließ und nach weiteren 10 Minuten gänzlich versiegte. Das Loch am 4. Lauf, das sich gleich unter seiner Oberfläche erweiterte, wurde, dem Wasser immer nach- rückend, ausgepumpt und führte durch alte Abbaue und alten Versatz auf Kaspar Pflugs Spuren, nämlich auf den im 16. Jahrhundert angelegten und im Marienschacht (Hirtenpaint) in 120 Meter Tiefe seinen Anfang nehmenden Kaspar-Pflug-Stollen, dem man bis dahin vom Mariahilf-Schacht aus noch nie begegnete.
245
=========
246
Nun war diese am 13. Juni 1916 so überraschend Unheil bringende auch die letzte der so häufigen und immer großen Schaden verursachenden Wasser- invasionen, bei denen der Schönfelder Erzbergbau und speziell der Maria- hilf-Schacht, infolge technischer Unzulänglichkeiten, bisher ständig lebens- gefährlich bedroht war. Die nun folgenden Monate brachten keinerlei durch Wetter oder sonstige Ursachen hervorgebrachte, abnormale starke Wasser- zuflüße, welche ein neuerliches Ersaufen des Schachtes bewirken hätten können, und als ca. ein Jahr nach Inangriffnahme des neuen Schachtes die- ser eine Tiefe von 110 Meter erreichte, die die erste Sohle bildete, konnten dort, dank der Weitschaft des neuen Schachtes, entsprechend große Pumpen zur Aufstellung gelangen, die jeden zu erwartenden Wasserzufluß zu bewäl- tigen vermochten."
Soweit Haller Karls Bericht, der für dieses Heimatbuch und ganz besonders für dieses Kapitel einen sehr wertvollen Beitrag darstellt.
Vom neuen Wilhelm-Schacht aus wurden auch alte, total verbrochene Strecken instandgesetzt, durch die nicht nur Verbindungen zum Mariahilf- Schacht hergestellt, sondern auch neue Abbaufelder erschlossen wurden. Auch verlagerte man nun die gesamte Materialförderung von allen Orten auf den neuen Schacht. Das gleiche galt auch für das Ein- und Ausfahren der Grubenmannschaft. Bis dahin führte der einzige Weg nur über die Leitern. Im Jahre 1917 erweiterte man die Aufbereitung, so daß die Leistungsfähig- keit dieser Anlage auf das Doppelte erhöht werden konnte. Sie wurde damit der gestiegenen Förderleistung angepaßt.
Inzwischen nahm auch die Not an Lebensmitteln und Arbeitskleidung fast unerträgliche Formen an, so daß die außergewöhnlich starke Abnützung des Schuhwerkes im Schacht die Arbeiter dazu zwang, ihre Holzschuhe mit starken Eisen zu beschlagen, die einem Pferdehufeisen kaum nachstanden. Mit dem Ende des I. Weltkriegs trat auch das Kriegsdienstleistungsgesetz au- Ber Kraft, damit waren die Bergleute nicht mehr an den Betrieb gebunden. Viele lösten ihr Arbeitsverhältnis und setzten sich in Richtung Heimat ab. Die Belegschaft sank daraufhin von 800 auf kaum mehr als 300 Beschäftigte. Der 3-Schichtbetrieb wurde auf zwei Schichten reduziert.
Das Jahr 1919 zeigte beim Bergbau keine baulichen Veränderungen, dafür aber um so mehr revolutionäre sozialpolitische Forderungen der Belegschaft. Neben all diesen Unzufriedenheiten brachte dieses Jahr auch eine Serie schwerer Unfälle, die sich hauptsächlich bei den Sprengungen ereigneten und meist auf fehlerhafte Zündschnüre zurückzuführen waren.
Erst im darauf folgenden Jahr traten wieder einigermaßen stabile Verhält- nisse ein. Zwar ließ die Lebensmittelversorgung noch vieles zu wünschen
246
=========
247
übrig, die Bergleute erhielten jedoch bevorzugt höhere Rationen als die übrige Bevölkerung. Außerdem gestatteten die verhältnismäßig hohen Löh- ne - weswegen die Bergleute auch als die,,Börsianer" der Arbeit bezeichnet wurden - zusätzlich Lebensmittel im Schwarzhandel zu erwerben.
Der gute Verdienst der Bergleute war aber nicht nur auf die von der Werks- leitung angehobenen Schicht- und Akkordlöhne, sondern zum weit größeren Teil auf eine fast unglaubliche Mehrleistung gegenüber den Abbauergebnis- sen in den Kriegsjahren zurückzuführen. Betrug damals im 3-Schichtbetrieb der Streckenvortrieb pro Woche 4-5 Meter, so leistete man 1920 bei glei- chem Aufwand das Fünffache.
Für den Zeitraum 1917-1920 sind noch folgende Angaben über die Erz- gewinnung verzeichnet: 3768 Zentner Zinn, 2890 Zentner Wolframit und 946 Zentner Waschkupfer.
Im November 1920 gelang endlich, nach etlichen früheren erfolglosen Ver- suchen, unter schwierigsten Bedingungen, die Wiedererschließung des fast total eingestürzten 400jährigen Kaspar-Pflug-Stollens, auf einer durchgehen- den Länge von etwa 4 Kilometer. Lediglich die Strecke Jahnheim-Schindler- fabrik wäre noch freizulegen gewesen, der Arbeitszeitaufwand dafür wurde auf 4 Monate geschätzt. Damit wäre der für den Bergbau so wichtige Ent- wässerungsstollen, der Jahrhunderte hindurch die Seele der Schlaggenwal- der und Schönfelder Erzgruben war, nach enttäuschungsreichen Versuchen endlich auf seiner gesamten Strecke - von der Hirtenpaint beginnend, bis in die Zech, unterhalb Schlaggenwalds - neu erschlossen worden.
Es kam bedauerlicherweise nicht mehr so weit, denn in den ersten Tagen des Jahres 1921 wurde durch die tschechische Regierung in Prag die Ausfuhr von Zinn und Wolfram verboten. Versuche der Schönfelder Stadtgemeinde und der Belegschaft zur Rücknahme dieser Anordnung blieben erfolglos. Da damals in der Tschechoslowakei nur ein einziger Betrieb (Poldi-Hütte) exi- stierte, der auf die Verhüttung dieser Erze eingerichtet war, dieser jedoch nur 40 % der in Deutschland gebotenen Preise zahlte, sah sich die Bergbau- Direktion, wegen der zu erwartenden Unrentabilität, zur Werksschließung gezwungen. Damit war es wieder einmal so weit; man schrieb den 21. Feber 1921.
In den folgenden fünf Jahren erfolgte der Verkauf aller Gerätschaften, Lager- bestände und sonstigen Anlagen. Man begann mit der Demontage aller Maschinen und Kraftanlagen und schlachtete die Betriebsgebäude aus. Franz Ruß erwarb damals den Hauptteil der Anlagen, dazu gehörten: Aufbe- reitungsgebäude, ein früheres Magazin, welches 1913 aufgestockt wurde,
247
=========
248
um Kanzleiräume zu gewinnen, das leere Maschinenhaus, sowie ein ziem- lich ausgedehntes Grundstück mit einem, von der Aufbereitung in den letzten sechs Jahren ausgeworfenen gewaltigen Sandhaufen.
Erst im Herbst 1934 zeigte sich für eine Wiederaufnahme des Bergwerkbe- triebes ein kleiner Hoffnungsschimmer. Damals nahm die englisch- belgische Besitzergruppe am Wilhelm-Schacht wieder Aufschlußarbeiten vor und errichtete bescheidene Neuanlagen. Trotz aussichtsreicher Funde wurde die Arbeit im Sommer 1935 wieder eingestellt und die Belegschaft entlassen.
Anfang 1936 faßte der Schlaggenwalder Ingenieur Karl Prosch den Entschluß zu einem Neubeginn. Er erhielt auch die Erlaubnis, auf der seit 80 Jahren brach liegenden und inzwischen verfallenen,,Steinbacher Lehen- und Stock- schacht Zinnzeche" (laut Haller am Rande der Rauhschacht-Pinge gelegen und auch,,Schnödenstock-Schacht" genannt) nach Erz zu schürfen. Etliche Wo- chen lang versuchte Prosch alleine, in mühevoller Grabarbeit, die Lage des Schachtes festzustellen. Am 2. März war es dann endlich so weit, daß er mit der Abteufung des Schachtes beginnen konnte. In der Folgezeit standen ihm rund ein halbes Dutzend erfahrene arbeitslose Bergleute, deren spärliche Arbeitslosenunterstützung damals 20 Kronen wöchentlich betrug, zur Seite. Nach fast 1/2jähriger harter Arbeit stießen die Männer in ca. 65 Meter Tiefe auf den noch völlig erhaltenen unteren Teil des ehemaligen Schachtes, der noch weitere 15 Meter in die Tiefe führte. Hier traf Prosch auf alte große Weiten, in denen früher im Stockabbau das Erz geschürft wurde. Nach sei- nen Angaben betrug der Vorrat an abbauwürdigem Roherz in dieser Lager- stätte über 7 Millionen Tonnen. Neben den Aufschlußarbeiten wurde gleich- zeitig eine Aufbereitungsanlage in der nahegelegenen alten Schindlerfabrik errichtet. Damit konnten die Erze verkaufsfähig aufbereitet werden. Nach langem Warten erhielt Prosch im Sommer 1938 vom ČSR Generalstab die Bewilligung zur Ausfuhr der Erzkonzentrate. Bis dahin - es waren inzwi- schen 22 Jahre vergangen hatte diese kleine Gruppe von Bergleuten ohne Verdienst gearbeitet. Bei Kriegsausbruch 1939 mußte Prosch seine Bergbaurechte abtreten.
-
—
zu dieser Zeit noch englisch-belgischer Besitz
--
Der Wilhelm-Schacht wurde beschlagnahmt. Die Kriegsindustrie kam auf volle Touren, sie brachte wie konnte es schon anders sein - die Firma Friedrich Krupp AG als neue Bergwerkslei- tung. Wie bedeutend die Schönfelder Erzlagerstätten für diese Firma waren, kann alleine schon aus der Errichtung der gewaltigen Erzaufbereitungs- anlage am Hubhof abgeleitet werden. Sie entstand in 21/2jähriger Bauzeit, mit einem Kostenaufwand von 70 Millionen Reichsmark. Im Herbst 1943 erfolg-
248
=========
249
te die Betriebsaufnahme. Der Standort dieser, mit neuartigsten Maschinen ausgestatteten Anlage war zwar in bezug auf die Materialbeschickung vom Wilhelm-Schacht her nicht der günstigste, aber das nahegelegene sogenannte Wiesental ermöglichte auf lange Sicht die Aufnahme der bei der Erzaufberei- tung anfallenden enormen Schlamm- und Sandmassen. Mittels einer 900 Meter langen Seilbahn zwischen Wilhelm-Schacht und Aufbereitung, die bei der Kreuzzeche die Straße nach Schlaggenwald überquerte, wurde die not- wendig gewordene Transportverbindung hergestellt.
Die Bergwerksverwaltung hatte damals ihren Sitz im Jahnheim.
Im Jahre 1941 wurde die Walker-Mühle (Nr. 398) für die Schaffung neuer Beamtenwohnungen angekauft.
Unter der Leitung der Firma Krupp erfolgte 1942 die Firmierung,,Egerländer Erzbergbau GmbH Schlaggenwald". Daß damals die für diese Namensgebung verantwortlichen Herren von Krupp dabei nicht unbeeinflußt gehandelt ha- ben, dürfte wohl völlig außer Zweifel stehen. Für Schönfeld war es eine bit- tere Erkenntnis, wie weit Ortspatriotismus gehen kann, denn in diesem Falle hatte sich ein heute nicht mehr bekannter Personenkreis bei dieser Entschei- dung über eine mehr als 700jährige Ortsgeschichte, ja selbst geographische Grenze, ungeniert hinweggesetzt.
Daß von Schönfelder Seite nicht energisch gegen diese getroffene Maßnahme vorgegangen wurde, ist unbegreiflich. (Siehe hierzu auch Kapitel Rathaus/ Bürgermeister.)
Eine Abhandlung über den Schönfelder Erzbergbau wäre unvollständig, ohne eine Erwähnung der immer wieder aufgetretenen tödlichen Unfälle. War in den früheren Jahren wohl überwiegend die Stock-Abbau-Methode, mit der ständigen Gefahr herabstürzenden Gesteins, die Ursache dafür, so scheint es in den letzten Jahren, daß bei vielen Todesfällen die höhere Tech- nik (Sprengmaterial, Elektrizität) dabei eine nicht geringe Rolle gespielt hat. Der erste verzeichnete Hinweis auf einen tödlichen Bergwerksunfall, bei dem es sich bestimmt nicht um das erste Opfer in der Schönfelder Bergbau- geschichte gehandelt hat, datiert aus dem Jahre 1577.
Obwohl die danach folgenden Angaben sehr lückenhaft sind, kann man davon ausgehen, daß in den Folgejahren jährlich ein bis zwei Bergmänner tödlich verunglückten.
Soweit bekannt, ereigneten sich 1917 die meisten tödlichen Unfälle. Elf Bergleute, darunter auch einige Kriegsgefangene, mußten in diesem Jahr ihren Einsatz mit dem Leben bezahlen.
249
=========
250
Die Zinngruben
(Namen und Hinweise, soweit noch bekannt)
Name
1)
Standort
X
?
123
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
—
-
-
—
Allerheiligenzeche
Anselmzeche
Dreieinigkeitszeche
Dreikönigsschacht
—
Evangelistenzeche
—
-
—
—
—
--
-
-
Führungsschacht Huberstock-Schacht Johanniszeche
Karl-Hirschen-Stollen
Knapphahn-Schacht Königszeche
Kreuzzech-Schacht Mariahilf-Schacht
Mariahilfzeche
Maria-Schönfeld-Zeche
· Paulizeche
Pingen-Schacht
Rauch-Schacht
X
-
?
Nähe Haus-Nr. 422 (Wagner-Häusl) Unterh. Jahnheim, Geb. Schlaggenwald Zwischen Kreuzzeche u. Schellhorn
?
Pinge Schlaggenwald/Schönfeld
?
Nähe Tischer/Erler-Hof
X
?
X
?
Ca. 60 m hinter der Kreuzzeche Unterhalb Ruppert-Gerberei An der Schießhütte
Hirtenpaint
X
?
X
?
19 Steinbacher Lehenzeche x
20
—
-
Wilhelm-Schacht
×
Pinge bei Fenkl
Am Rande vorgenannter Pinge Der neue Schacht unterhalb der Schraubenfabrik
1) x = 1836 noch als ,,in Betrieb" verzeichnet.
Bemerkungen zu einigen Gruben:
9- Karl-Hirschen-Stollen: Dieser Stollen versorgte einen Teil von Schlag-
13 Mariahilf-Schacht:
genwald mit Trinkwasser. Angeblich wurde hier früher Silber geschürft.
Nach Abteufung des Wilhelm-Schachtes wurde er mit diesem verbunden. Um 1920 wurden zwei Erzgänge, der,,Gelnauer" und der ,,Ma- riengang" mit einer Mächtigkeit von ca. 80 cm,
250
=========
251
Die Fenkl-Pinge. Hier befand sich früher der Rauchschacht, auch Rauh-Schacht genannt. Obwohl heute bereits stark bewachsen, rutschen immer wieder Randzonen in die Tiefe des Trichters (Auf- nahme 1980).
13 Mariahilf-Schacht:
-
-
abge-
von der 6. Sohle aus Tiefe ca. 100 m baut. Das Hauptabbaugebiet verlief unter un- serem Ort, es erstreckte sich bis hinauf zum Dreifaltigkeitsplatz. Neben dem zugeschütteten Schacht errichtete Emil Ruß 1934 ein Haus (Nr. 475, bei der Brettsäge).
15 - Maria-Schönfeld-Zeche: Diese Zeche wurde auch Gabl-Schacht - abge-
Hunt-Schacht:
leitet von,,Göppl" - genannt. Vor dem 1. Welt- krieg stand auf der Hirtenpaint ein einzelnes Haus, es war noch ein Zeuge und Überbleibsel dieser Schachtanlage.
Am Fuße vom Hohen Berg", zum „Kaltn- Brünnlå" hin. Obwohl gut bekannt, findet sich kein Hinweis in den greifbaren Aufzeichnun- gen. Vielleicht ist dieser Schacht identisch mit einem der ohne Ortsbezeichnung angegebe-
nen.
251
=========
252
Eine Zinngraupe aus Schönfeld. Kristallisationen dieser Größe sind nicht häufig zu finden und daher bei Mineraliensammlern sehr gefragt (Zinnstein/Cassiterit, SnO2).
Vorkommende Mineralien
Guten Kennern des heimischen Bergbaues waren über 80 verschiedene Mi- neralien bekannt, davon waren aber nur fünf Erze und zwar Zinn, Wolfram, Kupfer, Zink und in neuerer Zeit auch das Uran, ertragsmäßig für den Ab- bau interessant. In früheren Jahren wurde auch Silber mitgewonnen. Ob- wohl nur in geringen Mengen vorhanden, zählte auch Molybdän, ein für die Glühlampen- und Stahlerzeugung wichtiges Mineral, zu den fünf erst- genannten. Neben diesen industriell interessanten Erzen fanden sich auch noch eine ansehnliche Anzahl Halbedelsteine wie Bergkristall, Amethyst, Topas, Beryll u. a., die, vor allem als schön gewachsene Stufen, jedes Samm- lerherz höher schlagen ließen. Unter der Vielzahl der verschiedenen Minera- lien war auch das äußerst seltene Europium vertreten.
In diesem Zusammenhang dürfte noch manchem Schönfelder der Name Fenkl (bei der Pinge) in Erinnerung sein. Er war ein Kenner und eifriger Sammler, der sich mit seinen Fundstücken einen kleinen Nebenverdienst verschaffte. Auf diesem Wege dürfte so manche herrliche Stufe in eine Privatsammlung oder ein Museum gelangt sein.
Hin und wieder findet man in Mineralienbüchern die Abbildung eines, aus heimischen Gefilden stammenden Exemplars; meist ist es dann ein hübsch gewachsener Zinnstein.
252
=========
253
Der Flößgraben
Geschichte des Flößgrabens
Ein großer Teil des Ortsbildes, insbesondere der Marktplatz, aber auch ein Teil der herrlichen Umgebung Schönfelds waren von diesem lebendigen, von vielen Forellen belebten Bach geprägt.
Seine Entstehungsgeschichte geht zurück bis in das Jahr 1523. Damals benö- tigte man in den Schlaggenwalder- und Schönfelder Bergwerken größere Wassermengen für die Umstellung der trockenen auf nasse Pochwerke, das waren Stampfmühlen zum Zerkleinern der erzhaltigen Gesteine. Außerdem mußten auch die Erzwäschereien und vor allem die Wasserkunst am Huber- Hauptwerk (Huberstock-Schacht in der Nähe der großen Pinge) mit Wasser versorgt werden. Die Wasserkunst war ein riesiges Pumpwerk, welches die Grubenwässer hob. Damit wurde der Erzabbau in größeren Tiefen möglich.
Johann Pflug von Rabenstein, der damalige Besitzer der Herrschaft Petschau und der dazugehörigen Bergwerke und Bergstädte, war es, der dem damals bestehenden Wassermangel abhelfen wollte. Er beauftragte daher einen im Wasserbaufach erfahrenen Mann namens Roßmeißl, geeignete Quellen aus- findig zu machen und die Planung für die Zuleitung dieser Wässer durchzu- führen.
-
Auf Roẞmeißls Empfehlung wurde zunächst das aus dem Hochmoor zwi- schen Lauterbach und Schönfeld Filz genannt - abfließende Wasser in zwei großen Teichen (Alter- und Neuer Muckengrund-Teich), die eigens zu die- sem Zwecke angelegt wurden, gesammelt. Das überschüssige Wasser aus dem Neuen Teich speiste den Ebmetgraben. Dieser zog sich hin durch dich- ten Fichtenwald, vorbei an mächtigen Felsbrocken - im Volksmund Zwer- genhaislå genannt - bis zu seinem Sammelbecken, dem Ebmetteich. Von dort floß das Wasser in den Sackdamm und dann weiter zur Hub, wo es vermut- lich in einen Wasserlauf mündete, der ein Vorläufer des späteren Flöß- grabens war.
253
=========
254
Diese Wassermenge deckte wahrscheinlich bei weitem nicht den Bedarf. Es erreichte auch nicht die Gruben in der Seifertsgrün im Schlaggenwalder Ge- biet. Roßmeißl wandte sich daher den Quellen auf der Glatzen zu, welche zwischen Königswart und Sangerberg gelegen. Er fand auch eine Linie, nach der das Wasser herangeführt werden konnte.
-
Nach einem bergamtlichen Gedenkbuch so berichtet die Enzmann- Chronik - soll es ein Hirte gewesen sein, der die Laufrichtung des Flöß- grabens ausgegangen bzw. ausgeschritten haben soll.
In Unterhandlung mit dem Abt des Stiftes Tepl, Andreas Urban, erwarb Johann Pflug von Rabenstein das Recht für den Bezug des Wassers und die Grundstücke zur Anlegung des Grabens. Dieser Vertrag wurde 1523 am St. Veitstag unterzeichnet (Enzmann-Chronik, S. 6).
Sowohl über den Baubeginn als auch über die Bauzeit liegen sehr unter- schiedliche Angaben vor. Was letzteres angeht, so wird von 5 und auch 24 Jahren berichtet. Daß die erste Zeitangabe für ein derart großes Projekt, unter Berücksichtigung der damaligen einfachen Arbeitsmethoden, als zu gering angesehen werden kann, dürfte außer Zweifel stehen, zumal auch die be- kannt langen Winter in unserer Heimat regelmäßig eine Zwangspause erfor- derten. Daran dürfte auch die Tatsache nichts geändert haben, daß die Berg- werksgewerkschaften dieses Vorhaben durch Bereitstellung von Arbeits- kräften und auch Finanzmitteln stark unterstützten.
Die Chronik berichtet:,,Ab 1547 wird von Königswarth nach Schönfeld und Schlaggenwald Holz geflößt."
Hier ist zu vermuten, daß eine nachträgliche Verbreiterung oder ein Ausbau des vorhandenen Grabens für Flößzwecke stattfand. Dies könnte der Grund für die unterschiedlichen Bauzeitangaben sein.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch folgender Auszug aus Graf Kaspar Sternbergs Buch,, Umrisse einer Geschichte der böhmischen Bergwerke" aus dem Jahre 1836 (S. 283):,,Nicht minder ist actenmäßig, daß am Tage Jubilate 1535 ein Vertrag und Ordnung über den Flößgraben durch den Berghauptmann Georg Albin von der Niederhaid publiciert wurde."
Sternberg berichtet weiter, daß mit dieser Ordnung (Vertrag) eine ältere aus dem Jahre 1499 aufgehoben wurde, es heißt:,,Diese betraf, wie der Contract lautet, den vorigen Wasserfluß- »Rotta« genannt - den die Gewerken der Mühl- künste und Schmelzhütten bei Schönfeld und Seifertsgrün miteinander getrieben, so von Sangerberg hinter Neudorf einen Graben verfahren, und durch Schlacken- wald über die Wasserführung aufgerichtet haben."
254
=========
255
Von der Scheiningbrücke aus bot sich der schönste Blick auf den Aussichtsturm. In diesem Abschnitt lag der Flößgraben eingebettet in einen von bunten Blumen durchwebten Wiesenteppich.
Mit anderen Worten: Schon vor Anlegung des Flößgrabens gab es einen Wasserlauf, der seinen Ursprung auf der Glatzen hatte.
Dies bestätigt die Vermutung unserer beiden Landsmänner Schimmer Gustl und Steidl Willi, die von einem teilweise durch Feldbearbeitung verschütte- ten Trockengraben berichten, den sie damals, in der Heimat noch, bereits als einen Flößgrabenvorläufer zu erkennen glaubten.
Dieser Graben hatte nach ihrer Darstellung folgenden Verlauf: Er begann südwestlich von Neudorf, verlief parallel, d. h. westlich des Flößgrabens in
255
=========
256
Richtung Filz, am Filz, am Himmelteich vorbei. Zwischen diesem und der Lauterbacher-Straße führte dann der Graben durch das Herrnholz in Rich- tung Scheining, von dort zog er sich - vorbei am Opl-Kreuz - hin bis zu den Seifen und den Beckenteichen.
-
In den Seifen, wo in ganz frühen Jahren, als man noch keinen Schachtbe- trieb kannte, das Zinnerz noch aus abgelagertem Gestein, eben den soge- nannten Seifen, durch Auswaschen gewonnen wurde, wäre ja ohne eine ständige Wasserversorgung kein Betrieb möglich gewesen.
Was den, nach dieser Information muß wohl gesagt werden, geänderten Flößgraben und seinen Wegbereiter Roßmeißl betrifft, so könnte die folgen- de Version zutreffend sein: Es ging damals nicht um eine Neuheranführung des Wassers, sondern um die Aufbringung einer weit größeren Menge als der bisherigen. Außerdem wurde das Wasser schon längst nicht mehr in den Seifen benötigt, denn zu dieser Zeit arbeitete man nur noch unter Tage. Drin- gendst gebraucht wurde es aber am Huberstock-Schacht und in den Schlag- genwalder Bergwerksbetrieben in der Seifertsgrün. Dafür aber war ein neuer Bachverlauf erforderlich, den Roßmeißl finden sollte und den er auch fand, nämlich den uns bekannten Weg, der von Neudorf aus seinen unge- wöhnlichen Verlauf, längs des Berghanges hin, bis Schönfeld nahm. Dies alleine dürfte Roßmeißls grandiose und in Überlieferungen immer wie- der erwähnte große, meisterliche Tat gewesen sein.
Beim Teilhäusl, am Ausgang der Streichergasse, teilte er diesen Wasserlauf. Ei- nen der beiden Gräben leitete er längs des Hanges weiter zum Damml, denn Schönfeld mitsamt der Hub mußten ja weiterhin mit Wasser versorgt wer- den. Den zweiten Grabenarm führte er vom Teilhäusl aus in Richtung Schönfelder Hochgericht/Rabensgrün, dort diente damals wahrscheinlich allein der Alte Teich als Sammelbecken, denn der vorgelagerte Lange Teich wurde, wie es heißt, erst 1551 von den Gewerken aus dem Seifertsgrüner Grund an- gelegt. Vom Alten Teich aus erfolgte die Versorgung des Huberstock- Schachtes und auch der Grubenbetriebe in der Seifertsgrün, von wo aus das Wasser später im Schlaggenwalder Stadtgebiet wieder in den Hauptarm des Flößgrabens bzw. die Flout (Flut) - wie er in Schlaggenwald allgemein genannt wurde - mündete.
Die Grabenlinie, die durch Schönfeld führte, erhielt durch Roẞmeißl noch eine Abzweigung, den sogenannten Heinzengraben. Diese Ableitung befand sich in unmittelbarer Nähe der späteren Apotheke.
Der Graben verlief zwischen der Hauptstraße und der Langen Gasse in Rich- tung Ecce homo - Schießhütte und von dort aus weiter in den Heinzen- und den Kasnapteich. Anschließend mündete dieses Gewässer in den Sackdamm,
256
=========
257
Die linke Seite des Schönfelder Marktplatzes - auch Winterseite genannt mit der Kastanienallee zu beiden Seiten des Flößgrabens.
wo es zusammen mit dem Wasser aus dem Filz bzw. Ebmetgraben wieder dem Flößgrabenbett auf der Hub zugeführt wurde.
Damit war das weitverzweigte Grabensystem wieder in einem Wasserlauf vereint, der über Schlaggenwald - wo das Wasser aus der Seifertsgrün zu- floß - über die Zech kurz vor Elbogen in die Eger mündete.
Der Flößgraben hatte vom Quellgebiet auf der Glatzen bis dahin eine Gesamtlänge von 28 Kilometer bei einem Höhenunterschied von ca. 400 Metern.
Verfolgen wir den Lauf des Flößgrabens, der beim Großen Teich auf der Glatzen in einer Höhe von ca. 800 Meter begann. Er führte zunächst durch den Perlsberger Forst, wo nach einer Strecke von etwa 4 Kilometer ein Zu- lauf aus dem Neuteich einmündete. Dann ging es, vorbei an Sangerberg und den drei Kreuzen, über die Pflugsche Heide in Richtung Neudorf. Kurz danach zweigte das Leitenbachl rechts ins Tal ab. In nächster Nähe befand sich auch die Stelle, wo einst der alte Grabenlauf - der bereits erwähnt wurde - be- gonnen hatte. Der nächste bekannte Punkt war dann der Himmelteich (750
257
=========
258
11.
鏡
Kurz vor dem Rothe-Schützl; ein Blick vom Flößgrabenweg in's Tiefenbacher Tal. Am Horizont die Landschaft in Richtung Schönthal/Theusing.
Meter), der ebenfalls Wasser an den Flößgraben abgab. Dann kam eine wei- tere Abzweigung, es war dies das Schuppenbachl, welches sich im Tal mit dem Leitenbachl vereinte.
Die nächstmarkante Stelle war am Scheining, und nach weiteren 500 Metern hatte man die Waldandacht und das Rothe-Schützl erreicht. Es war der schön- ste Punkt des Wasserlaufes, malerisch und romantisch zugleich. Dort befand sich auch ein kleiner Steg über den Flößgraben, der gleichzeitig der Anfang zum Turmaufstieg war. Eine zweite kleine Brücke überspannte das Wasser- ries, ein kleiner Wildbach, der vom Flößgraben abzweigte und über den Brandhau im schnellen Lauf dem Tal zustrebte und im Leitenbachl mündete. Als nächste Station folgte das Teilhäusl (Alte Grabenhäusl), der frühere Was- serverteilungspunkt, wo einst tage- und auch stundenweise die Wassertei- lung geregelt wurde.
Den ehemaligen Lauf zum Langen Teich hatte man vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts (Bergwerksstillegung) aufgegeben. Das alte aus Holz gebau- te Grabenhäusl befand sich danach in Privatbesitz. Der letzte Besitzer war
258
=========
259
Fleißner Karl, der dort eine Bierschenke betrieb. Im Jahre 1892 vernichtete ein Feuer dieses Gebäude. Es wurde nicht mehr aufgebaut.
Vom Teilhäusl führte die Hauptader des Flößgrabens dann weiter zum hoch- gelegenen Ortsteil Schönfelds, Damml genannt, wo sich in früheren Jahren eine kleine Badestelle befand. Auf der Strecke dort hin, deren zweite Hälfte in ca. 200-300 Meter Entfernung parallel zum Ort verlief, besaß der Gra- ben, neben seinem ungewöhnlichen rund 3,5 Kilometer langen Lauf entlang des Berghanges, eine zweite Eigenheit. Dieser Teil lag nämlich im spitzen Winkel zum weiterführenden Graben, der den Ort durchzog, und die Ent- fernung von Bachbett zu Bachbett betrug nur knapp 200 Meter. Das Beson- dere dabei war aber der Höhenunterschied zwischen beiden, denn er betrug weit mehr als die Höhe des Kirchturmes, der dazwischen lag.
Der weitere Weg des Flößgrabens, dessen Wasserkraft von zahlreichen Be- trieben nutzbar eingesetzt wurde, - im Jahre 1766 werden nicht weniger als 27 Mühlen und Pochmühlen genannt ist in diesem Kapitel bereits kurz beschrieben worden.
-
Der Flößgraben brachte aber nicht nur Nutzen, sondern in der Winterzeit auch oft Probleme. Nicht selten vereiste der Bach und Überschwemmungen waren die Folge; so sind aus dem Jahre 1907 Kosten in Höhe von 1500 Kro- nen bekannt, die von der Wassergenossenschaft für die Schadensbehebung aufgebracht werden mußten. Um weitere Schäden abzuwenden, wurde in den Jahren 1910 bis 1912 eine Flößgrabenregulierung durchgeführt (eine er- ste erfolgte bereits 1856). Das Projekt wurde staatlicherseits subventioniert. Diese finanzielle Unterstützung war in erster Linie der Aktivität des dama- ligen Bürgermeisters Norbert Rau und des Stadtrates Josef Ruß (Walker Beb und deren Beziehungen zu maßgeblichen Regierungsstellen in Wien zu ver- danken.
Bei dem Ansuchen lag vorsorglich der Schwerpunkt auf Arbeitsbeschaffung, insbesondere für die Schönfelder-, Lauterbacher-, Neudorfer- und Sanger- berger Erwerbslosen.
Den Bauauftrag vergab das dafür zuständige Ministerium in Wien an die Firma Kapsa in Pilsen. Bei den Bauarbeiten waren einige Hundert Arbeiter aus den genannten Orten - unter denen selbst 70-75jährige Männer ver- treten waren - während der dreijährigen Bauzeit beschäftigt.
Der Flößgraben wurde auch ständig beaufsichtigt und kontrolliert. So ist be- kannt, daß mit der Einführung der Grabensteuer im Jahre 1555 auch eine Person für die Grabenaufsicht eingesetzt wurde. Es war der Grabensteiger, genannt Groomsteichå. Er stand im Range eines (Gruben-) Steigers, also eines Bergwerkaufsehers.
259
=========
260
Die Flößgrabenaufsicht bestand bis zu unserer Vertreibung. Der letzte Groomsteichå von Schönfeld war Anton Ruppert (Boåtl Tone) vom Kaunitz (Nr. 365).
--
-
Sein Vorgänger war Norbert Stöckner - bekannt als Goå/r/tnwewå-Nurweåt der Bruder des ehemaligen Ortspolizisten Georg Stöckner (Stöckner-Girch). Für den Grabensteiger Stöckner war jeder Sommerfrischler ein rotes Tuch, denn er hatte absolut kein Verständnis dafür, wenn diese sich vom Wan- dern müde - an der Uferböschung des Flößgrabens lagerten. Der nächste Einheimische, der ihm nach solch einiger Begegnung übern Weg lief, erfuhr dann vom Nurweåt bestimmt, daß ihm die Sommerfrischler,,scho wieda 's gånzå Groos zåmmkugln".
Ja, der Flößgraben hatte viele Freunde und wahrscheinlich sogar auch man- chen Verehrer, für die ein Spaziergang längs des Baches, umgeben von einer immer wieder wechselnden Landschaft, stets ein eindrucksvolles Erlebnis
war.
Für die Fremden, die unseren Heimatort besuchten, war er meist ein kleines Wunder. Man wird es auch nur selten finden, daß ein Wassergraben, über mehr als drei Kilometer, längs eines Berghanges verläuft; eine Meister- leistung der Wasserbaukunst aus dem 16. Jahrhundert.
260
Beim Rothe -Schütze
=========
261
Die Flöß- und Ebmetgraben-Wassergenossenschaft
(Mit Auszügen aus dem Heimatbuch,,Das Tepler Land", S. 615-617, von Emil Riedl, Neudorf.)
Im Jahre 1873 verkaufte Josef Ruß sen. an die im gleichen Jahre gegründete Wassergenossenschaft alle mit dem Flößgraben verbundenen Wasserrechte und Anlagen. Als Kaufpreis erhielt Ruẞ 6000 fl und die Mitgliedschaft der Genossenschaft, die ihren Sitz in Schlaggenwald hatte.
Es handelte sich hierbei um eine rechtliche, d. h. Realgenossenschaft, also eine Vereinigung von Personen, deren Interesse der Gewinnung und Erhal- tung von Wasserkraft aus einer gemeinsamen Anlage galt. Die 28 Mitglieder dieser Genossenschaft waren Schlaggenwalder und Schönfelder Fabrikanten und Gewerbetreibende, die ihre Maschinen oder Anlagen ganz oder teil- weise mit Wasserkraft betrieben. Zwei Wasserläufe lieferten die dafür erfor- derlichen Wassermengen. Es waren dies der Flößgraben und der Ebmet- graben.
Ersterer wurde gespeist aus dem Großen oder Schwarzen Teich auf der Glat- zen und vom Weiden- auch Neuteich genannt, beide gehörten zum Kreis Marienbad. Im Schönfelder Kataster hatte er außerdem noch einen Zulauf vom Himmelteich her.
Zum Ebmetgraben, ebenfalls ein künstlich angelegter Bach, mit einer Länge von ca. 10 Kilometer, gehörten auch Teiche, die den Wasserstand dieses Gewässers in trockenen Zeiten konstant halten konnten. Es waren dies der Alte und Neue Teich im Muckengrund sowie der Ebmetteich und der Sack- damm.
Die Wasserwirtschaft dieser beiden Bäche diente früher in erster Linie dem Bergbau, in den letzten Jahren vor unserer Vertreibung aber fast nur noch der Industrie im Zechtal.
Die Beiträge der Genossenschaftsmitglieder richteten sich jeweils nach dem genutzten Wassergefälle. So betrug das Gesamtgefälle des Wassers rund 350 Meter, das Nutzgefälle ungefähr 165 Meter.
Die Anlagenbesitzer mußten ihre Beiträge jeweils vierteljährlich an die Genossenschaft und jährlich an den Staat zahlen - auch dann, wenn die Anlage nicht benutzt wurde.
261
=========
262
Nachstehend die Namen der Teilhaber in Schönfeld und deren Anteile nach Gefälle in Meter:
Franz Schimmer, Holzwolle-Erzeugung
14 Meter
August Schimmer, Sägewerk
12 Meter
Anton Jordan sen., Gerber
3 Meter
Karl Riedl, Mühle
4 Meter
Josef Floth, Zinngießer
3 Meter
Franz Rupperth, Gerber
4 Meter
Rosa Ruß
Franz Ruß, Brettsäge 2 x 1,75 Meter =
3 Meter
4 Meter
4 Meter
4 Meter
4 Meter
8 Meter
Anton Hammerschmidt, Landwirt
Julius Feiler,
ehemalige Porzellanfabrik Schindler Josef Stich, Perlmutter-Knopf-Erzeugung Josef Müller, Holzwolle-Erzeugung Egerländer-Erzbergbau,
Schlaggenwald 2 x 4 Meter =
Abschließend noch einige Angaben zum Vermögen der Wassergenossen- schaft:
Zu den Gräben und Teichen - einschließlich der Fischzucht etwa 300 ha Wald- und Wiesengrund.
-
gehörten
Laut Angabe des letzten Vorstandes Hans Pulz, Prokurist der Firma Sommer & Matschak, Porzellanfabrik in Schlaggenwald, hatte das Vermögen der Wassergenossenschaft in der Tschechoslowakei einen Schätzwert von 12 Millionen Kč, nach dem damaligen Umrechnungskurs ca. 1,44 Millionen Reichsmark.
262
=========
263
Vereinswesen
Einleitung
In diesem Kapitel sind - soweit bekannt - alle Vereine Schönfelds erwähnt. Darüber hinaus sind auch einige Organisationen mit genossenschaftlichem Charakter sowie Klubs oder Interessengruppen mit angegliedert.
Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Vereine und Genossenschaften im Frühjahr 1939 aufgelöst und die Vereinsvermögen durch die sogenannte ,,Stillhalte-Kommission" eingezogen.
Ausnahmen bildeten die folgenden Gliederungen:
-
-
-
Deutscher Turnverein Gesangverein
Verein gedienter Soldaten Freiwillige Feuerwehr
Kirchenerhaltungsverein
geändert in Reichsbund für Leibeserziehung geändert in Volkschor Schönfeld geändert in Reichskriegerbund ohne Namensänderung
ohne Namensänderung
Einleitend soll an dieser Stelle all jenen Idealisten - vom Vereinsleiter und Obmann bis hin zum einfachen aktiven Vereinsmitglied - ein Dank dafür ausgesprochen werden, daß sie einst durch ihren oft selbstlosen Einsatz auf kulturellem oder karitativem Gebiet zum Ansehen des Ortes und zum Wohle und auch zur Freude seiner Bevölkerung, in guten und schlechten Tagen, ihren wertvollen Beitrag geleistet haben.
Freiwillige Feuerwehr
Der Gründungstag dieses Vereines, der 206 Mitglieder zählte, war der 9. Au- gust 1869. Da er u. a. auch aus einer Turnerriege bestand, nannte er sich damals noch,,Turn-Feuerwehr-Verein". 1886 lösten sich die Turner und grün- deten einen eigenen Verein.
263
=========
264
Die Feuerwehr besaß auch bis zum Jahre 1880 eine eigene Musikkapelle, deren Mitglieder dann die Schönfelder Musikkorporation gründeten.
Erster Vereinsobmann beziehungsweise Kommandant war Gustav Schmie- ger (Porzellan-Malerei). Er bekleidete dieses Amt fast 30 Jahre lang.
Ihm folgten: Ferdinand Heidelberger, Karl Opl (Spengler), Joh. Kugler (Gabl), Joh. Lorenz, Josef Lochschmidt (Fleischer und Gastwirt), Hermann Lochner (Gastwirt), Roman Kempf (Fleischer), Josef Müller (Schneider), Adolf Schim- mer (Sägewerkbesitzer), Hans Müller (Fuhrunternehmer) und als letzter Kommandant bis zu unserer Vertreibung Franz Lochschmidt, Tischler aus der Hofgasse, der sich, das kann ohne Übertreibung behauptet werden,,,mit Leib und Seele" der Feuerwehr verschrieben hatte.
Der Feuerwehr-Verein wurde, besonders in den ersten Jahren nach der Gründung, hin und wieder vom Theater-Dilettanten-Verein mit Geldmitteln unterstützt, um das entsprechende Rüstzeug anschaffen zu können. In die- sem Zusammenhang griffen die Mitglieder auch recht oft in die eigene Tasche, um die ohnehin recht schmale Gemeindekasse nicht zu belasten. 1866 wurde eine neue zweischlauchige Spritze angeschafft, sie stammte von der Firma Cermak in Teplitz. 1890 erstand der Verein die von einem Mann schiebbare Karrenspritze,,Liesl".
Im Jahre 1893 wurde die neue Vereinsfahne geweiht. Die alte, noch von den Schützen stammende Fahne wurde der Kirche übergeben. Vom Großkauf- mann Hans Ruß (Schan) erhielt der Verein um 1900 einen Mannschafts- wagen als Geschenk.
1919 konnte die Freiwillige Feuerwehr ihr 50jähriges Bestehen feiern. An fünf noch dem Verein angehörende Mitglieder wurden bei diesem Anlaß Diplome überreicht.
Trotz einer leeren Vereinskasse beschloß man 1924, unter dem damaligen Obmann Lochner Hermann, in einer Hauptversammlung einstimmig die Anschaffung einer Motorspritze. Auf ein vom Landesinspektor befürworte- tes Ansuchen hin erhielt der Verein eine Subvention von 6000 Kč. Bittbriefe an auswärts lebende Schönfelder erbrachten nochmals die gleiche Summe. Den gleichen Betrag erzielten die im Ort durchgeführten Sammlungen. Damit standen 18000 Kč zur Verfügung. Im August 1924 übernahmen die Schönfelder von der Karlsbader Feuerwehr eine Motorspritze zum Preis von 30 000 Kč. Zur gleichen Zeit wurde mit Zustimmung des Hans Ruß der von ihm gespendete Mannschaftswagen gegen eine 16 Meter hohe mechanische Schubleiter eingetauscht. Im gleichen Jahr befand sich der Schönfelder Erz- bergbau in Liquidation, wo u. a. auch eine Feuerspritze zum Verkauf stand.
264
=========
265
Da der Kauf dieser Spritze, wegen weiterer Interessenten, keinen Aufschub duldete, kaufte Lochner kurz entschlossen dieses Gerät,,auf eigene Faust" telefonisch zum Preis von 3700 Kč. Daß zu diesem Objekt noch 400 Meter Schlauch, zwei Schlauchwagen, ein Verteiler und einige Leitern dazugehör- ten, erfuhr Lochner zu seiner größten Freude erst später.
Der nachträglich einberufene Vereinsausschuß billigte sein eigenmächtiges Handeln und sprach ihm noch Anerkennung für dieses gut getätigte Ge- schäft aus.
Diese Spritze wurde kurze Zeit später mit 200 Meter Schlauch und einem Schlauchwagen für 7700 Kč an eine Feuerwehr bei Tepl weiterverkauft, damit konnte der Verein, neben einigen Gerätschaften, einen Gewinn von 4000 Kč verbuchen.
Im folgenden Jahr 1925 fand zu Pfingsten ein Feuerwehrfest statt, welches einen Reingewinn von 9000 Kč erbrachte; damit konnte die restliche Schuld gelöscht werden.
Mitte der dreißiger Jahre wurde unter Obmann Adolf Schimmer noch eine zweite moderne Motorspritze angeschafft.
Die Schönfelder Feuerwehr war bei zahlreichen Brandbekämpfungen inner- und außerhalb Schönfelds im Einsatz, so u. a. auch beim großen Brand in Falkenau, im Jahre 1870 (?).
In unserem Ort befand sich auch der Sitz des Elbogener Bezirks-Feuerwehr- Verbandes Nr. 40, dem die Wehren von Schlaggenwald, Rabensgrün, Less- nitz, Gfell und Poschetzau neben Schönfeld angehörten.
Gründer dieses Verbandes war Gustav Schmieger, der auch viele Jahre hindurch als Gauverbandsobmann fungierte.
Seine Nachfolger waren: Hubert Knaut (Oberlehrer), Josef Lochschmidt, Ro- man Kempf, Josef Floth sen. (Zinngießer) und Karl Rau (Porzellan-Malerei).
Theater-Dilettanten-Verein
Als der Zinngießermeister Franz Anton Lochner (Nr. 317) im Jahre 1834 den Schönfelder Theater-Dilettanten-Verein gründete, ahnte er bestimmt noch nicht, daß damit der Grundstein für eine kulturelle Einrichtung gelegt war, die in den Folgejahren ständig an Ansehen und Bedeutung gewann.
265
=========
266
Albin Brand
Onion Jordan
Onno bahn
Selma Geier
Toul Blies
Walter Graf
Antonia Ruppert
aula Jordan
Eduard Bnstüfer
Илля Cocaner
Franz Köfer!
ma Naberzall
Anna Kern
Hilda Kern
Unna Traus
Rosie feiffer
Toldi Spinner
in Rauscher
Amalia LieBaer
Die Rödl
Anna Ruppert
Bruno Spinner
Cena Wester
Willi Dennl Direktor
ranz Dennl Regisseur
Josef Nerola
Emilogl
Anna Hanika
Unga Guhrmann
Josef Mick
RUB Achrenmitglied
Ser
Franz Ruppert Chrer
Josef Schelhor
on School
Heinrich Ruppert
Josef borner
Karl Tens!
Willy Const
Josef banika
Emma Bubl
1834
Josef Meixner
Marie hahm
Anton
Anton Jorda
quarie Bajer
Karl Fischer
000
Mans 2 süller
Käthe Jess?
Franz Jordan
Kilda Schierer
Ama Kahn
Wilhelm Suhrmann
Josef Dietz
Paul Lochner
Theater-Dilettanten-Derein Schönfeld.
1954
Martha Schmiedl
Anna Jessler
=========
267
Es dürfte auch nur selten Kleinstädte vom Ausmaße Schönfelds geben, wo ein Verein dieser Art und dieses Formats anzutreffen sein wird.
Dank Lochners Idealismus und Tüchtigkeit waren die Anfangsschwierigkei- ten, mit denen wohl Vereine dieser Kategorie allgemein zu kämpfen haben, bald überwunden. Er fand gute geeignete Darsteller und auch theaterbegei- sterte Personen, die hin und wieder einen finanziellen Beitrag zum Aufbau leisteten.
Lochner war Direktor sowie technischer und kaufmännischer Leiter in einer Person. Seine Aufführungen fanden bei der Schönfelder Bevölkerung großen Beifall und regen Zuspruch. Bald stand der Verein, nicht zuletzt aufgrund seiner umsichtigen Führung, auf recht stabilen Beinen, ja, er entwickelte sich sogar zum Wohltäter der Stadt. So berichteten alte Protokolle, daß Spenden an Brandgeschädigte erfolgten. Im Jahre 1866 stiftete der Verein die 14-Kreuzwegstationen für die Kirche.
Eine weitere anerkennenswerte Leistung war die Beschaffung der ersten Spritze für die Feuerwehr.
Diese positive Entwicklung wurde jedoch mit einem Schlag durch einen Brand im Hause Nr. 104 (Fuhrmann/Schöberl), in dem der gesamte Vereins- besitz untergebracht war, beendet.
Wertvolle Garderobe und viele kostbare Requisiten wie z. B. Säbel, Gewehre und andere Utensilien sowie die komplette Vereinsbibliothek mit 280 Thea- terstücken, wurden ein Raub der Flammen.
Durch eigene Initiative und zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung konnte sich der Verein zwar langsam wieder erholen, zu einem nennenswerten Kassenbestand brachte er es aber lange nicht mehr.
Interessant ist ein kurzer Blick in das damalige Theaterprogramm. Da finden sich vor allem Ritterschauspiele wie,,Der steinerne Burggraf von Elbogen", ,,Die Räuber auf Maria Kulm",,,Die Totengruft zu Königswerth" und,,Die Räuber" von Schiller.
Nachdem Anton Lochner, der den Verein viele Jahre hindurch leitete, sein Amt an seine beiden Söhne Franz und Wilhelm übergeben hatte, änderte sich auch der Charakter der Darbietungen, denn man spielte u. a.,,Kabale und Liebe",,,Der Müller und sein Kind" und leichte Volksstücke. Später, als der Spinnereibesitzer Josef Ruß (Walker Beb) als neugewählter Direktor fun- gierte, stieg der Verein bereits erfolgreich in die Operette ein. Hier ist,,Der Verschwender" zu nennen, in der Wilhelm Lochner und Josef Ruß die Haupt- rollen hatten. Außerdem gelangten,,Lumpazi Vagabundus",,,Der Pfarrer von Kirchfeld" und etliche oberbayerische Stücke zur Aufführung.
267
=========
268
Zahlreiche gute Neuzugänge brachten, besonders kurz vor der Jahrhundert- wende, recht frischen Wind in den Verein.
Starke Förderer an der Vereinsspitze waren in jenen Jahren Gustav Schmie- ger (Besitzer der Porzellanmalerei), Wilhelm Schmidt (Postmeister) und Hans Ruß (Großkaufmann). Nach Ruß wurde vermutlich Anton Jordan zum Direktor ernannt.
Um 1910 kam,,Der Verschwender" aufgrund des früheren Erfolges noch ein- mal zur Aufführung mit Bellmann Karl als Verschwender und Pensl Karl als Valentin. Auch,,Lumpazi Vagabundus" erlebte noch eine mehrfache Wieder- holung. Das liederliche Kleeblatt spielten in diesem Stück Kempf Roman als Knieriem, Pensl Karl als Zwirn und Hanika Beb als Leim. Die Aufführungen ernteten stets großen Beifall.
Mit Ausbruch des I. Weltkrieges erlahmte die Vereinstätigkeit. Der Kampf an den Fronten forderte auch aus den Reihen dieses Vereines seine Opfer. Nach Kriegsende folgte eine national und politisch bewegte Zeit, in der ein Theater-Dilletanten-Verein neben dem großen,,Welttheater" keine Erfolgs- aussichten hatte. Wie aber die dann folgenden Jahre zeigten, war dies nur die Ruhe vor dem großen Sturm, denn junge, neue Kräfte beiderlei Ge- schlechts sprangen in die Bresche und zeigten sich sozusagen über Nacht jeder Aufgabe gewachsen, wodurch in der Leistungsfähigkeit ein Aufstieg einsetzte, der für einen kleinstädtischen Dilettanten-Verein als bewunderns- wert bezeichnet werden mußte. Dieser Aufstieg hatte seine guten Gründe, denn erstens brachten die meisten der jungen Kräfte schon eine Begabung mit, die als angeboren oder erblich bezeichnet werden konnte, standen doch von den meisten schon ihre Eltern und von einigen auch schon die Groß- eltern erfolgreich auf der Bühne.
Zweitens wurde von den älteren, erfahrungsreichen, an der Spitze stehenden Männern dem Nachwuchs genügend Gelegenheit und Ansporn gegeben, ihre Talente zu entfalten, und drittens scheute der die musikalische Leitung innehabende Kapellmeister Anton Gräf keine Mühe, dem Verein den für die Operette erforderlichen Schliff zu geben. Durch diese fruchtbare Zusam- menarbeit kam der Verein in die Lage, daß er nicht nur in Schönfeld Operet- ten auf den Spielplan setzen konnte, sondern daß er sich auch wagen durfte, Operetten in Karlsbad vor einem verwöhnten Publikum aufzuführen, wel- ches dem Dilettanten-Verein für seine darstellerischen und musikalischen Leistungen hohe Anerkennung zum Ausdruck brachte.
So wurden damals u. a. folgende Operetten aufgeführt:,,Das verwunschene Schloß" von Millöcker,,,Wo die Lerche singt" von Lehar,,,Die goldene Meiste- rin" von Eysler und nicht zu vergessen die mehrfache Aufführung der Ope-
268
=========
269
Die Mitwirkenden der Operettenaufführung,,Die goldene Meisterin". Mitte sitzend von links Franz Dennl, Gräf sen. und Gräf jun. Bei dieser Aufnahme wird die bei musikalischen Bühnenaufführun- gen enge Zusammenarbeit zwischen dem Gesang- und dem Theater-Dilettanten-Verein deutlich, denn viele der Darsteller waren Mitglieder beider Vereine.
rette,,Das Dorf ohne Glocke", denn der Reingewinn aus diesem Stück war für die Neuanschaffung der großen Glocke - die alte Glocke mußte im Krieg abgeliefert werden - bestimmt.
Neben der Operette wurde natürlich in dieser Zeit auch weiterhin fleißig Theater gespielt, so sei an das Volksstück,,Das sündige Dorf" erinnert oder an,,Der gutsitzende Frack". Auch Singspiele wurden geboten wie z. B.,,Der Jägerfranz". Ab und zu konnte auch mal recht herzlich gelacht werden wie beispielsweise in den Lustspielen,,Der Amerika-Seppl" oder,,Pension Schöller".
In der damaligen Zeit (um 1920 bis 1938) leiteten folgende Männer die Ge- schicke des Vereines: Roman Kempf (bis zu seinem Tode 1926), nach ihm übernahm Karl Pensl die Direktion. Es folgten noch Josef Gareiß (Gußn-Seff) und der Gastwirt Willi Dennl (diese Aufzählung ist möglicherweise nicht vollständig!).
Die Vereinskasse betreuten Wilhelm Fuhrmann und Hans Mießner. Ab 1918 war Franz Lochner als Geschäftsführer tätig.
269
=========
270
Die Veranstaltungen fanden meist im Saal des Gasthauses Geier (Marktplatz Nr. 13) statt, der ein größeres Fassungsvermögen hatte als der der Nach- bargaststätte Gerstner (Nr. 9), wo ebenfalls einige Aufführungen gegeben wurden.
Im August 1934 feierte der Theater-Dilettanten-Verein Schönfeld sein 100jähriges Bestehen. Zu dieser Feier hatten sich zahlreiche Abordnungen aus der näheren und weiteren Umgebung eingefunden. Auch der Vorstand der Gauverbandsleitung aus Königsberg a. d. Eger war anwesend. Im Fest- gottesdienst am Vormittag sang die Liedertafel Elbogen unter der Leitung von Professor Josef Sykora die Deutsche Messe von Schubert. Am Nachmittag fand im Geier-Saal ein Festkommers statt. Als Festaufführung ging am Abend bei übervollem Haus die Operette,,Die goldene Meisterin" von Ed- mund Eysler über die Bühne, mit der der Schönfelder Dilettanten-Verein sein großes Können unter Beweis stellte und, wie die Beifallsstürme zeigten, auch einen erstrangigen Erfolg verbuchen konnte.
Vier Jahre später erfolgte der Anschluß an das Deutsche Reich. Kurz darauf wurde das Theater der,,Deutschen Arbeitsfront" unterstellt. Damit erlosch der alte Glanz; mit ihm auch die vertraute, gemütliche Atmosphäre.
Es bleibt noch nachzutragen, daß unter der Regie erfahrener aktiver Mitglie- der zahlreiche Theateraufführungen mit jugendlichen Akteuren stattfanden. Dabei handelte es sich größtenteils um Märchenstücke wie z. B.,,Schneewitt- chen",,,Dornröschen" oder,,Hans im Glück".
Der Gesangverein
Das Gründungsjahr dieses Vereines, dem 118 Mitglieder angehörten, war 1885. Die Gründer waren wahrscheinlich einige maßgebliche Männer des damals schon 51 Jahre alten Theater-Dilettanten-Vereines, da um diese Zeit schon häufiger als früher von Gesang begleitete Theaterstücke aufgeführt wurden, wozu gesanglich ausgebildete Kräfte erforderlich waren.
Der Gesangverein pflegte daher, neben dem Volkslied und dem Kirchen- gesang, besonders nach der Jahrhundertwende auch die Operette. Anton Gräf war bei diesem von Kirche und Verein stark beanspruchten Chor über mehr als drei Jahrzehnte als tüchtiger und repräsentativer Chor- meister tätig. Nach seinem Tod übernahm der Sohn Walter Gräf dieses Amt.
270
=========
271
Unter dessen Leitung fand am 22. und 23. September 1935 ein Fest zum 50jährigen Bestehen des Vereines statt. Es begann Samstagabend mit einem Festkommers im Gerstner-Saal. Am Sonntag zogen ca. 400 Aktive durch Schönfeld zum Turngarten, der als Festplatz diente. Dort fand ein Gemein- schaftssingen mit anderen Gesangvereinen aus der Umgebung statt.
Ein herausragendes Ereignis in der Geschichte des Vereines war die Auffüh- rung eines großen Oratoriums in der Kirche (Ostern 1937). Erwähnt sei noch das im Juni 1942 durchgeführte Wunschkonzert, welches den Schlußpunkt in der kulturell wertvollen Arbeit dieses gemeinnützigen Vereines setzte. Abschließend noch einige bekannte Obmänner, die in der Zeit nach dem I. Weltkrieg die Geschicke des Vereines leiteten:
Anton Pompl (Oberlehrer), Martin Fenderl (Lehrer), Josef Horner (Elektri- ker), Dr. med. Gottlieb Pollak, Paul Bliesener und ab 1935 Oskar Hubl (Lehrer).
Neben diesen Männern ist noch Franz Lochner (Sparkassen-Direktor) zu erwähnen, der über 30 Jahre lang den finanziellen Bereich mit großer Um- sicht und Gewissenhaftigkeit regelte.
271
=========
272
27 1937
(a)
Die Schlee-Kapelle mit ihrem Leiter Arthur Schlee (erste Reihe, Mitte). Gehört sie auch von ihrer Gliederung her nicht in den Vereinsbereich, so war sie doch in vielen Fällen mit ihrem musikalischen Beitrag tragende Säule so mancher Vereinsveranstaltung. Schlee war Absolvent der Petschauer Musikschule und neben Gräf Organist und Mitglied im Kirchenchor.
Die Musik-Korporation
Dieser Verein hatte vermutlich seinen Ursprung in der ehemaligen Bergmanns-Kapelle bzw. der dann folgenden Feuerwehr-Kapelle. Die Vereins- gründung erfolgte im Jahre 1880.
Es war ein der Kirche sehr nahe stehender Verein, wobei auch gleichzeitig die gute und enge Zusammenarbeit mit dem Kirchen-Chor erwähnt werden soll.
Leiter dieses Vereines war Josef Ruß, in dessen Gasthaus,,Zum Trompeter" die Gesangs- und Musikproben stattfanden.
Ruß verstarb im Jahre 1923. Aus den Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß Anton Gräf die Nachfolge als Chordirigent und Kapellmeister antrat. Ab diesem Zeitpunkt war dessen Gaststätte der Treffpunkt dieses Vereines. Der Kapelle gehörten damals auch Musiker an, die die staatliche Musikschu- le in Petschau besucht hatten. Einige von ihnen spielten in Kurorchestern
272
=========
273
der benachbarten Kurstädte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad. Aber auch außerhalb der Landesgrenze fand mancher, dank dieser Ausbildung, eine Anstellung in guten Orchestern.
Die Musik-Korporation stellte die Kirchenmusik und spielte bei Festgottes- diensten. Sie agierte bei Hochzeiten und öffentlichen Veranstaltungen aller Art und auch bei Begräbnissen. Darüber hinaus bestand während Gräfs Leitung - der als Kapellmeister in Teplitz, Zell am See und St. Joachimsthal sowie Musiklehrer an der staatlichen Musikschule in Petschau war zwischen dem Gesangverein, den er als Chormeister leitete, dem Theater- Dilettanten-Verein und der Musik-Korporation eine sehr enge Verbindung. Die zahlreichen Operettenaufführungen in jener Zeit waren dafür der sicht- barste Beweis.
Alljährlicher Höhepunkt für die Mitglieder dieses Vereines war die zu Ehren der Musikpatronin Cäcilia am 22. November abgehaltene Cäcilienfeier. Diese Veranstaltung, die nur die Musiker anging, war in Schönfeld unter dem Namen,,Konfünferl" bekannt. Sie begann am Vormittag mit einem Fest- gottesdienst. Anschließend ging es mit Marschmusik zurück zum Vereins- lokal. Mittagsmahl, Nachmittagskaffee - bei dem bereits die Damen vom ,,Gemischten Chor" zugegen waren- und Abendessen gehörten dabei stets zum festen Bestandteil des Festablaufes. Das gemütliche Beisammensein, bei dem natürlich auch gesungen und musiziert wurde, dauerte meist bis in die späten Abendstunden.
1933 (?) verstarb Anton Gräf; die Leitung des Vereines übernahm sein Sohn Walter Gräf.
273
=========
274
P
B
Deutscher
Jugendbund
Glisser
=========
275
Deutscher Jugendbund Glöisser
Deutsch, unpolitisch, auf kulturelle Belange und Geselligkeit ausgerichtet, das waren die Glöisser, die ihren Verein im Jahre 1912 gründeten. Erstes Ver- einslokal war das Gasthaus Longer am Marktplatz. Später siedelte man aus räumlichen Gründen in das Gasthaus Guß über, wo auch ein kleiner Saal zur Verfügung stand.
Der Verein zählte ca. 130 Mitglieder.
Die Vereinsleitung hatte Josef Fuhrmann. Langjähriger Obmann und späte- rer Ehrenobmann war das Gründungsmitglied J. Ruppert (Poschetz). Eben- falls als Vereinsobmann fungierte Josef Gareiß (Gußn Seffl).
u. a.
Dem Ausschuß gehörten außer dem Vereinsleiter und Obmann noch folgende Mitglieder an: Julius Spitzl, Rude Weidl (Schriftführer), Adolf Lochner (Finanzen) und Albin Brandl (Vergnügungsobmann und zuständig für Faschingszug, Theater und Saaldekoration bei Bällen).
Die Hauptversammlungen fanden stets am Dreikönigstag statt. Sie verliefen durchwegs reibungslos und Wiederwahlen waren sozusagen Brauch.
Zu den Schwerpunkten im Jahresprogramm dieses Vereines gehörten: Faschingsumzug, Ausflüge, Theateraufführungen sowie die alljährliche Jul- feier und der Glöisser-Ball.
Letzterer stand immer unter einer bestimmten Devise (siehe auch,,Schönfeld im Jahresablauf"). 1921 hieß es,,Hallo, das ist die Klingelfee". Für diese Veran- staltung machte am Faschingsdienstag ein kleiner Maskenzug mit voranmar- schierender Musik im Ort Reklame. Der Umzug endete bei Gerstners Gast- haus, wo die Klingelfee (Fuhrmann Beb), vom Saalfenster des Obergeschoßes aus, die herbeigeströmten Einwohner zu ihrer Hochzeit am selbigen Ball- abend einlud.
Dieser kleine Umzug fand damals bei der Bevölkerung so großen Anklang, daß die Glöisser den Entschluß faßten, im folgenden Jahr einen größeren Faschingszug sprich Maschkårå-Zuch - zu organisieren, dem noch ein gutes Dutzend weiterer folgen sollte.
--
Eine Gruppenaufnahme von den,, Glöissern" im Zona-Garten; links im Hintergrund ein Teil des Kirchls. In der ersten Reihe, hinter dem Schild, Gründungsmitglied, langjähriger Obmann und späterer Ehrenobmann Franz J. Ruppert (Poschetz). Dahinter Vereinsobmann J. Gareiß (Gußn-Seffl). Erste Reihe, zweiter von rechts, Vereinsleiter J. Fuhrmann (Foto 1925).
275
=========
276
Diese Umzüge, die von Jahr zu Jahr an Umfang und auch an Format gewan- nen, waren bald schon über Schönfelds Grenzen hinaus bekannt und beliebt, und so fanden sich stets zahlreiche auswärtige Zuschauer ein, die zusammen mit der übrigen Ortsbevölkerung die Faschingsumzüge bewun- derten.
-
Dabei wurde aber auch recht gemessen an der Größe Schönfelds Beachtliches geboten. So sah man vom Wanderzirkus angefangen, Maha- radschas, Zigeuner, Menschen vom Mars und exotisches Volk aller Schattie- rungen oder gar eine Hochzeit der Tiere. Selbst Zeppelin, Piratenschiff und Altweibermühle waren vertreten.
Natürlich konnten die Glöisser dieses Aufgebot nicht alleine stellen, sie wur- den daher von allen Vereinen, ja selbst von Tischgesellschaften tatkräftig und mit Begeisterung unterstützt. Hierzu gehörten auch die LKW- und Pfer- defuhrwerkbesitzer, die ihre Wagen und Gespanne in den Dienst dieser närrischen Sache stellten und zum guten Gelingen ihren Beitrag leisteten. Während des Umzuges wurden die Zuschauer von eifrigen jungen Damen um Geldspenden gebeten, denn die Auslagen für die Gestaltung des Zuges waren oft nicht unerheblich. So wurden z. B. des öfteren Kostüme vom Mas- kenverleih Kraus in Gablonz ausgeliehen, wofür nicht selten ein vierstelliger Kronenbetrag zu entrichten war. Außerdem waren die Glöisser ständig be- strebt, ihr Spendenkonto aufzufüllen, um lokale kulturelle Projekte und Hilfsorganisationen im Ort unterstützen zu können.
Daß die Glöisser bei diesen Umzügen oft mit unterschiedlichsten Schwierig- keiten fertig werden mußten, zeigen die beiden folgenden Begebenheiten: Im Jahre 1925 herrschte ein so starkes Schneetreiben, daß am Vorabend des Maskenzuges 200 Männer ausrückten, um die zu befahrende Strecke, ein- schließlich dem Marktplatz, schneefrei zu machen. Diese Aktion dauerte bis Mitternacht. Ein andermal wurde ein großes Begräbnis in Schlaggenwald auf die Bitte der Veranstalter um eine Stunde vorverlegt, da etliche Kutschen- schlitten, die für den Faschingszug gebraucht wurden, für die Beerdigung verpflichtet waren.
Im Jahre 1934 zog der letzte Maschkårå-Zuch durch unseren Heimatort. In erster Linie war wohl die angespannte finanzielle Lage der Bevölkerung für die Einstellung dieser schon zur Tradition gewordenen Veranstaltungen aus- schlaggebend.
Bei den Glöissern stand auch das Theaterspiel mit auf dem Plan. Meist liefen bei der Julfeier, die regelmäßig am Sonntag vor Weihnachten stattfand, auf der kleinen Bühne beim Guß zwei bis drei Egerländer Einakter wie z. B. ,,Stoodföiwåh" oder,,Då Viezenz wiåd å Muå(n)" über die Bretter.
276
=========
277
Es war noch vor dem I. Weltkrieg, da besuchte auch der Karlsbader Heimat- dichter Josef Hofmann einmal eine Julfeier wegen dieses Theaterspiels. Der kleine Saal war an jenem Abend, wie üblich, mit Zuschauern voolgschtoppt und die Stücke liefen,,wie geschmiert". Hofmann war von der Darbietung so begeistert, daß er - da auf normalem Wege zur Bühne kein Durchkom- men war - kurzentschlossen, über Tische steigend, auf die Bühne eilte, um den Akteuren volles Lob auszusprechen.
Auch bei der Julfeier flossen immer etliche Kronen auf das Spendenkonto, und in diesem Zusammenhang soll abschließend noch erwähnt werden, daß unser,,Elfer-Glöckl" auf Anregung und Kosten der Glöisser angeschafft wur- de. Auch die Enzmann-Chronik, der wir in diesem Buche so viele wertvolle Daten zu verdanken haben, konnte mit Unterstützung dieses Vereines gedruckt werden.
Ortsfremdenverkehrsverband Schönfeld
(bei Karlsbad)
277
=========
278
Fremdenverkehrs-Verein
(auch Fremdenverkehrskommission genannt)
Ein Verein, der aus der damaligen kritischen wirtschaftlichen Lage unseres Ortes heraus entstand.
Man gründete diesen Verein mit dem Ziel, Schönfeld zu einer Sommer- frische auszugestalten, um den Fremdenverkehr, vor allem aus dem nahe- gelegenen Karlsbad, zu fördern.
Die Gründung erfolgte am 15. 10. 1928. Als Obmann fungierte Alfred Rupperth (Sägewerksbesitzer).
Er war es auch, der die Anregung zur Umgestaltung des Alten Friedhofs in einen Park gab.
Die größte Tat dieses Vereins - und ganz besonders seines Obmanns Rup- perth war die Anregung zum Bau des Aussichtsturmes, für dessen Erstel- lung er auch verantwortlich zeichnete.
Noch heute steht dieses mächtige Bauwerk, welches bei seiner Errichtung diesem Vereine seine ganze Kraft abverlangte, als Mahnmal in unserer unvergessenen Heimat.
Militär-Veteranen-Verein
Dieser Verein, der sich in späteren Jahren,, Verein gedienter Soldaten" nannte, wurde im Jahre 1871 gegründet. Ihm gehörten 162 Mitglieder an.
Als langjähriger Obmann ist Josef Jordan (Leimsieder) zu nennen. Das Ver- einslokal war früher beim ,,Guß", später dann bei der Restauration Russ am Dreifaltigkeitsplatz.
Norbert Ruß, bekannt als,,Schneider-Wärtl", war über viele Jahre Hornist in diesem Verein.
Am 19. Mai 1911 wurde in feierlicher Weise eine neue Vereinsfahne geweiht. Fahnenpatin war die Frau des Reichsratsabgeordneten Bachmann. Selbst jüngeren Schönfeldern dürfte noch bekannt sein, daß dieser Verein bei der Auferstehungsfeier für das Abfeuern der Böllerschüsse aus der gro-
278
=========
279
Ben Kanone, die man meist zwischen der Kirche und dem Schulgebäude postiert hatte, verantwortlich war.
Dezent grün-schwarz gekleidet, in weißen Handschuhen und mit dem mar- kanten Uniformstück, dem sogenannten,,Birkhånnå-Stauß" (gekrümmte Schwanzfedern des Birkhahns mit weißem Flaum) auf ihren Hüten, gab die Abteilung der meist schnurrbarttragenden Veteranen jedem Festzug ein recht erhabenes Gepräge.
Das Schützenkorps
Bereits im Jahre 1547, in dem Schönfeld zur Stadt ernannt wurde, finden sich erste Hinweise zum Schützenkorps. So berichtet die Enzmann-Chronik, daß am 8. Oktober den Schützen und Schießgesellen das Schießen an Feierta- gen, von Ostern bis Michaeli, bewilligt wurde. 1612 wird ein Schießhaus am Weißen Hügel erwähnt (gemeint ist damit das Fenkl-Haus Nr. 402 am Kaunitz). Am 18. Mai 1752 luden die Schützenhauptleute und Scheibenschützen von Schönfeld die Egerer Schützen für den 11. Juni zu einem Freischießen ein, zu dem der Egerer Rat 16 Schützen ein Reisegeld von 25 Gulden bewilligte. Nach dem großen Brand 1848 löste sich das Schützenkorps auf. 1870 erfolgte die Übergabe der Vereinsfahne an die Freiwillige Feuerwehr. Mit übergeben wurde auch das restliche Vereinsvermögen. Verknüpft mit dieser Schen- kung war die Bedingung, daß bei Beerdigungen von ehemaligen Mitgliedern des Schützenvereins der Feuerwehrverein korporativ teilnehmen soll.
279
=========
280
Sichre Spand Rud ein S
Seft zum Gruss,
(Slücfnm Schuss
Nud
Bent.
Dies deren freut.
Erinnerung Jungschützen Ausbildung 1914.
Vor Kaiserbild und Vaterlandssprüchen; der Schönfelder Bolzschützenverein. Dritte Reihe und drit- ter von links, der langjährige Obmann Anton Hahm. Wie aus der Tafel zu ersehen, eine Aufnahme aus dem Jahre 1914.
Der Bolzschützenverein
Langjähriger Obmann dieses 1909 gegründeten Vereins war Anton Hahm (Fleischermeister).
Der Verein verzeichnete 40 Mitglieder.
Das Vereinslokal war das Gasthaus der Anna Jordan (bei,,da Åltn Åndlå").
280
=========
281
Deutscher Turnverein
Vorläufer des Deutschen Turnvereins war der Turn-Feuerwehr-Verein, der seit 1869 bestand. Im Jahre 1886 trennten sich die Turner von der Feuer- wehr und gründeten einen eigenen Verein unter völkischer Einstellung, dem damals 140 Mitglieder angehörten.
Obwohl dieser Verein - allein schon von seiner Breitenarbeit her - zu den führenden Organisationen unseres Heimatortes zählte, ist aus früherer Zeit recht wenig über ihn bekannt.
So wissen wir zwar, daß im Vereinslokal Gerstner zahlreiche Urkunden die Wände zierten, welche Zeugnis über so manch hart erkämpften Sieg ableg- ten, aber weder die Namen der betreffenden Turner noch die Sparten, in de- nen diese vordersten Plätze errungen wurden, sind uns heute noch bekannt. Selbst zum Turngarten fehlen uns die Daten der Erstellung, obwohl dieser Sandplatz erst zu Anfang unseres Jahrhunderts errichtet werden konnte, denn bis zum Jahr 1904 stand an dieser Stelle ein Wohngebäude, welches einem Brand zum Opfer fiel und nicht wieder aufgebaut wurde.
Das Gerätehaus und die Mauerbefestigungen entstanden später.
Der Turngarten konnte nur vom Frühjahr bis zum Herbst genutzt werden. In der Winterzeit fanden die Turnabende - wie sie allgemein genannt wur- den im Turnzimmer des oberen Schulgebäudes statt.
-
Dem Verein standen die allgemein bekannten Übungsgeräte wie Barren, Ka- sten, Reck, Pferd, Ringe sowie Hanteln, Kugeln und Keulen zur Verfügung.
Höhepunkte im Vereinsleben waren stets die Turnfeste, so z. B. das Ver- bandsturnfest 1925 in Komotau oder die Turnfeste in Bleistadt (1930) oder in Kaaden (1931).
Es gab aber nicht nur Höhepunkte sportlicher, sondern auch geselliger Art. Dazu gehörten die Turnerbälle, die üblicherweise im Gerstner-Saal stattfan- den; nur zwei dieser Tanzveranstaltungen hatten bei Geier stattgefunden. Der Turnverein war auch des öfteren Ausrichter bei Waldfesten. Auch bei Sonnwendfeiern war er oft maßgeblich beteiligt.
Aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg sind noch zahlreiche Namen von Turnerinnen und Turnern bekannt, die führende Funktionen ausübten. Die folgende Aufzählung erhebt jedoch keineswegs Anspruch auf Vollständig- keit.
281
=========
282
1936
=========
283
Mädchen-Turnerriege 1925 (?).
Eine Aufnahme um 1935 aus dem Turngarten.
=========
284
Sprechwarte:
Turnwarte:
Dietwarte: Jugendwarte:
Langjähriger Sprechwart war Franz Rupperth sen. Er wur- de später zum Ehrensprechwart ernannt. Ihm folgten Josef Schöberl, Emil Vogl und Hans Mießner.
Heinrich Lindner, Julius Stöckner, Josef Lochner, Josef Zettl, Franz Hahm, Hans Mießner, Hans Herold, Anton Eibl, Franz Schellhorn, Adolf Feiler und Franz Rupperth jun.
Josef Horner, Franz Ruppert und Josef Gareiß (Guß). Adolf Feiler, Willi Dennl und Josef Maronek.
Mädelbetreuung: Marie Ruß, Marie Bayer, Luise Klement, Maria Kugler, Marie Schmidt und Ilse Habermann.
Zeugwarte: Spielmannszug- führer:
Josef Seidl, Franz Erler und Edwin Brandl.
Albin Hopf
Schriftführer: Willi Pensl, Karl Ulrich (früher Erhard Wilfert, er war 50 Jahre Mitglied und zuletzt Ehrenmitglied).
Der Deutsche Turnverein Schönfeld wurde im Frühjahr 1939 in,,Reichs- bund für Leibeserziehung" umbenannt. Zum Vorsitzenden wählte man Hans Mießner, der dieses Amt bis 1945 inne hatte.
Mit dem Entstehen der NS-Gliederungen SA, HJ u. a. und den kurz darauf folgenden Wehrmachtseinberufungen, kam dieser bekannte Verein völlig zum Erliegen.
Arbeiter-Radfahrerverein,,Falke"
Soweit bekannt, wurde dieser Verein im Jahre 1923 gegründet. Er bestand aus nur sieben Mitgliedern.
Das Vereinslokal war das Gasthaus der Berta Keßler.
Nach anfänglicher Begeisterung erlahmte die Vereinstätigkeit bald.
284
=========
285
Fußball-Verein
Da dieser Verein sein erstes Spiel im Jahre 1921 gegen eine Mannschaft aus unserer Nachbarstadt Schlaggenwald austrug, ist anzunehmen, daß im gleichen Jahr auch die Gründung stattfand.
Vorstand des Vereines war der spätere Bürgermeister Josef Tauber.
Das eingangs erwähnte,,Eröffnungsspiel" wurde auf der Breiten Wiese aus- getragen, die Schönfelder hatten sich sogar für dieses Match - man staune einen Spieler vom,,K.F.K." (Karlsbader Fußball-Klub) eingekauft.
-
Es folgten später noch Spiele gegen Elbogen, Neusattl, Tepl und andere Orte aus der Umgebung, wobei vermutlich gfazkåt" wurde, daß am Weißen Hügel droben die Heide nur so gewackelt hat.
Später spielte man in der großen Pinge auf der Hub.
Dem Verein, der höchstwahrscheinlich weder einer Liga noch sonst einem Verband angeschlossen war, gehörten - soweit bekannt - folgende Spieler
an:
Ott Paul (Bock), Rahm Turl, Müller Seffl, Ott Franz, Wende (aus Berlin), Hoffmann Tone, Kuhn Anton, Kuhn Paul (Bäcker), Ruppert Franz, Klieber Oswald, Fuhrmann Lois und Långer-Rudl, von dem heute noch berichtet wird, daß er bei der gegnerischen Mannschaft stets den größten Respekt aus- löste, denn er trat zu - wie man zu Hause sagte -,,wöi ins kåltå Eisn"!
Bade-Eislauf-Verein
Auf Initiative des damaligen Volksschullehrers Max Morawetz wurde 1897 dieser Verein ins Leben gerufen, der 45 Mitglieder zählte.
Badeplatz war der angedämmte Flößgraben oberhalb dem Damml. Für die zweite Sparte des Vereins wurde im Winter der Beckenteich schneefrei gehalten.
Die Begleitmusik zum Eislaufen,,lieferte" damals der alte,,Flohl" mit seinem Leierkasten.
285
=========
286
Pfeifen-Klub
Dieser Klub war mehr eine gesellige Herrenrunde als ein Verein im üblichen Sinne. Die Gründung fand um 1920 beim Lochschmidt Matthes, der damals das Manahell-Wirtshaus (später Herold) auf der Neustadt in Pacht hatte, statt. Als Matthes die Pacht aufgab, übersiedelte der Klub mit seinen wenigen Besitztümern, welche in Pfeifen, Tabaksdosen und notwendigerweise auch einigen Spucknäpfen bestand, in das Gasthaus des Anton Gräf.
Jeden Montagabend wurde dort dichter Tabaksqualm,,fabriziert". Es war oberstes Gebot, daß während der offiziellen Klubzeit keine Zigarre oder gar Zigarette geraucht werden durfte.
Klubvorstand war Anton Hahm, für die Finanzen war Julius Spitzl verant- wortlich. Von den Beiträgen und auch Strafgeldern wurde der Tabakbedarf gedeckt.
Einmal im Jahr, meist zu Winteranfang, gab es ein Festessen.
Kegelklub
Über Gründung und Mitgliederzahl ist nichts bekannt. Vielleicht handelte es sich bei dieser Gruppe nur um eine nicht vereinsgebundene lockere Herren- runde.
Gekegelt wurde bei Josef Geier, im Gasthaus,,Zur Krone".
In früheren Jahren fand alljährlich ein großes Preiskegeln am sogenannten ,,Kaalschub", wie die Bahn allgemein genannt wurde, statt.
,,Faulenzia"
Hinter diesem Namen verbirgt sich zwar kein Verein, dafür aber eine recht originelle Herrenrunde, die sich im Gasthaus Jordan - bei der,,Altn" - traf und die in diesem Abschnitt nicht unerwähnt bleiben soll.
286
=========
287
Ist uns auch das Gründungs- und Auflösungsdatum dieser Gruppe unbe- kannt, so wissen wir durch Bräuer Hans (Kern), der der Faulenzia einst ange- hörte und heute als ,,88er" in Koblenz lebt, daß dieser Kreis, der seine Hauptaufgabe im Blödeln sah, kurz vor dem I. Weltkrieg in dieser Sache sehr rege war.
Vorsitzender war Hans Ruß (Schan), der damals vom,,Oberfaulenzer" Muchow Tschulle zum,,Ritter van der Vatz" ernannt wurde.
Der Gerbereibesitzer Anton Jordan sen. trug den würdevollen Namen bzw. Titel,,Tone von der Juchten".
Man hatte auch sein Vereinsblatt, die,,Faulenzer-Zeitung". Herausgeber und Verfasser dieses Karikaturen-Werkes war Franz Hubl (Maurermeister), der darin heitere aktuelle Schönfeld-Begebenheiten in entsprechender Form ,,auf's Korn nahm". Seine Künstlerhand gestaltete auch die Vereinsfahne, auf der ein Landstreicher zu sehen war, der mit einem Knüppel in der Hand auf einer Bank saß, darunter standen die Worte:,, Wenn ich nur den Kerl erwischen könnte, der die Arbeit erfunden hat."
11
—
Zuständiger Mann für das Tragen dieser Fahne - mit der man vermutlich nur ab und zu mal eine Runde durchs Lokal drehte war Franz Knaut. Als Schlußpunkt eine kleine Kostprobe aus der Tätigkeit" dieses Vereines: Lehrer Lumpe war zu Gast bei der,,Åltn", da teilte ihm Tschulle mit, daß der Verein am nächsten Sonntagnachmittag mit einem Kahn über Schönwehr nach Amerika fahren wird, worauf Lumpe spontan mit den Worten,,so ein Unsinn" das Lokal verließ, um wahrscheinlich noch weiterem verbalen Krampf aus dem Wege zu gehen.
Arbeiter-Leseverein
Gegründet wurde dieser Verein im Jahre 1885. Er verzeichnete 78 Mitglie- der.
Einstimmig gewählter Obmann war Josef Kugler, auch,,Tscheischich" genannt, vom Ortsteil Katzengrün (Nr. 188).
Das Vereinslokal befand sich beim,,Guß".
287
=========
288
Seiner politischen und sozialen Einstellung wegen bedeutete die Tätigkeit dieses Vereines ein erstes Auflegen des Sozialismus in Schönfeld. In den Vereinsstatuten war für jeden Sonntagnachmittag eine Lesestunde im Ver- einslokal festgelegt. In dieser wurden hauptsächlich sozialistische Zeitschrif- ten und Bücher gelesen und Artikel vorgetragen. Außerdem wurden berichtet Haller - nicht wegzudenkende lange Debatten über die Vor- und Nachteile des Sozialismus geführt.
-
SO
Hin und wieder fanden auch unterhaltende Veranstaltungen statt, die für die Werbung neuer Mitglieder zweckdienlich waren.
Die Auflösung dieses Vereines erfolgte im Jahre 1904.
Caritas-Ortsgruppe
Ein Verein, der die Not der Armen zu lindern versuchte und Kranken in ihrer schweren Lage hilfreiche Unterstützung gab.
In vorderster Reihe stand hier die Schwester Marie Horn.
Liegt auch in bezug auf Gründung und Mitgliederstand keine Angabe vor, so gibt uns ein,,Hausblatt für den Bezirk Elbogen" - Jahrgang 1936 - einen kleinen Einblick in die Finanzen und auch geleistete Hilfe.
So verzeichnete dieser Verein eine Einnahme von rund 2500 Kč. Davon ent- stammten 1900 Kč aus Sammlungen und Spenden, den Rest von 600 Kč erbrachten die Mitgliederbeiträge.
Mit Lebensmitteln im Werte von 1475 Kč wurden 60 Familien sowie 20 Ein- zelpersonen versorgt.
Die Caritas-Schwester erhielt für ihre Tätigkeit 1480 Kč.
Einsatzzeit der Schwester Marie Horn: 90 Halbtage und 201 Tage. Sie mach- te dabei 297 Hausbesuche, 21 Fürsorgegänge und leistete 128 Nachtwachen.
Insgesamt wurden von ihr 96 Personen betreut.
Schwester Horn wird in dem oben genannten Kirchenblatt für ihre große, selbstlose Mühewaltung innigster Dank ausgesprochen.
Besondere Dankesworte gehen darin auch an Kassierer Franz Lochner.
288
=========
289
Der Kirchenerhaltungsverein
Er wurde am 14. November 1933 gegründet.
Vorher war in der ČSR die Trennung von Kirche und Staat erfolgt. War bis dahin für die Besoldung der Seelsorger der Staat zuständig, so mußte ab diesem Zeitpunkt die Kirchengemeinde selbst für die Bezahlung des Pfarrers sowie für die Kirchenerhaltung aufkommen.
Wie schon bei der Caritas-Ortsgruppe, so gibt uns auch in diesem Falle ein Kirchen-Hausblatt aus dem Jahr 1936 einen Einblick in den finanziellen Bereich dieses Vereines.
Er verzeichnete in diesem Berichtsjahr folgende Einnahmen:
Mitgliederbeiträge
Klingelbeutel und Opferbüchsen
Trauungen
Beerdigungen
Verschiedenes
1.312.00 Kč
4.281.85 Kč
98.70 Kč
202.00 Kč
1.364.95 Kč
Gesamt
7.259.50 Kč
Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 6.310. Kč.
Der Hauptposten in Höhe von 3.500 Kč war für die Kirchenbediensteten.
Es heißt in dem Blatt:
,,Aus diesem Berichte ist ersichtlich, daß der Kirchenerhaltungsverein zur Deckung der Auslagen für die Kirchenerfordernisse nahezu einzig und allein auf die Mitgliedsbeiträge und - hauptsächlich - auf die durch Klingelbeutel und Opferbüchsen einkommenden Opfergelder angewiesen ist. Diese sind in den letzten Jahren leider sehr bedeutend zurückgegangen, was zum Teil jedenfalls auch eine Folge der wirtschaftlichen Krise ist. Die Vereinsleitung dankt allen Gläubigen für ihre Opferwilligkeit; sie bittet aber auch alle Mit- glieder der Pfarrgemeinde, welchen an der Erhaltung der Kirche und des Gotteshauses etwas gelegen ist, den Verein durch Mitarbeit und Opferwillig- keit unterstützen zu wollen."
289
=========
290
Katholischer Frauenhilfsverein
Die Aufgabe dieses Vereines, der im Jahre 1918 gegründet wurde, lag vor allem in der Unterstützung und Betreuung bedürftiger und alter Personen in unserem Heimatort.
Ihm gehörten Frauen aller Bevölkerungsschichten an.
Der Verein verzeichnete über 300 Mitglieder.
Deutscher Schulverein
Gegründet 1912 und 1919 in,,Deutscher Kulturverband" (DKV) umbenannt. Ihm gehörten 114 Mitglieder an.
Zur Aufgabe dieses Vereines gehörte die Erhaltung und Förderung der deut- schen Schulen an der Sprachgrenze.
NS-Frauenschaft Schönfeld. Das Foto stammt aus dem Jahr 1940.
=========
291
Die,,Konföderierten"
(auch die,,Unzünftigen" genannt)
Dieser Verein, der 1775, am Montag nach Fronleichnam gegründet wurde, bestand bis 1899.
Aufgabe dieses Vereines war die Beerdigungsbeihilfe für verstorbene Mit- glieder und deren Angehörige, die keiner Zunft angehörten (siehe hierzu auch Kapitel Chronik/1755).
Der Versicherungsverein
(später Notschlachtungsverein)
Dieser Verein, der aus 125 Mitgliedern bestand, wurde 1879 gegründet. Er bot den Viehhaltern Unterstützung bei Verlust ihrer Nutztiere.
Im Jahre 1916 wurde der Vereinsname in,,Notschlachtungsverein" umbe-
nannt.
Landwirtschaftlicher Verein
Gegründet am 7.4. 1904. Zahl der Mitglieder 58. Das Vereinslokal war das Gasthaus des Kosmas Böhm (Nr. 35).
Genossenschaft der Gastwirte und Fleischhauer
Gründungsjahr 1906. Mitgliederzahl 20.
Sonst sind keine weiteren Angaben bekannt.
291
=========
292
------
=========
293
Gemischte Genossenschaft
Gründungsjahr 1880. Mitgliederzahl 98. Langjähriger Vorstand war Wilhelm Eckl (Nr. 11). Auch hier keine weiteren Angaben bekannt.
Schönfelder Konsumverein
Auf Anregung und Betreiben des damaligen Vorstandes der sozialdemokrati- schen Partei Schönfelds, Karl Reinhold (Nr. 67), wurde im Jahre 1912 eine Konsum-Filiale im Hause Nr.6 (Ruppert Edwin) eröffnet. Die Konsum- Hauptgeschäftsstelle befand sich zu dieser Zeit in Schlaggenwald.
Später übersiedelte die Filiale in das Haus Nr. 110 am Marktplatz.
Als Filialleiter sind noch bekannt: Zimmerhackl, Hahn, Schloßbauer und Doischer.
Brotlieferant für den Konsum war damals Bäcker Klement.
Nach dem I. Weltkrieg wurden die Konsumverkaufsstellen Schlaggenwald, Lauterbach und Schönfeld der Hauptstelle in Chodau angeschlossen, alle Lieferungen erfolgten danach nur noch von dort aus. Eier, Butter, Kartoffeln und dergleichen konnte der Filialleiter jedoch auch weiterhin beim Bauern einkaufen.
In den Jahren 1926 bis 1928 verzeichnete die Konsumfiliale in Schönfeld einen jährlichen Umsatzdurchschnitt von ca. 300 000 Kč bei einer Mitglie- derzahl von 216.
Im Frühjahr 1939 wurde der Konsumverein aufgelöst und das Vermögen von der sogenannten Stillhaltekommission eingezogen.
Partie am Flößgraben mit Blick ins Tiefenbacher Tal.
293
=========
294
-----
=========
295
Der Aussichtsturm
Nur selten dürfte das Wahrzeichen eines Ortes mit seinen Einwohnern so eng verbunden sein, wie dies bei dem Schönfelder Aussichtsturm der Fall gewesen. Zweifellos war dies auf die mühevolle Entstehung dieser Warte zu- rückzuführen, bei der alle Schichten der Bevölkerung unseres Heimatortes ihren Beitrag leisteten. Denn dieser Turm entstand in einer Zeit, in der un- sere damals rund 2100 Einwohner zählende Stadt über 400 Erwerbslose zu verzeichnen hatte. Diese wirtschaftliche Not aber war es wohl in erster Linie, die die stärksten Impulse für eine Realisierung gab, denn mit dem Bau einer Aussichtswarte glaubte man, einen Anziehungspunkt für den Frem- denverkehr schaffen zu können.
Die Lage Schönfelds war in dieser Beziehung ideal, denn zu den schönsten Autobusfahrten, die in den Sommermonaten von den Karlsbader Kurgästen unternommen wurden, zählte die Karlsbader-Semmering-Rundfahrt mit der Strecke:
Karlsbad-Petschau-Schönfeld-Schlaggenwald-Elbogen-Karlsbad, wobei Schönfeld innerhalb dieser Tour, mit rund 700 Meter Seehöhe, die höchste geographische Lage bot. Was lag also näher, als hier einen Aussichts- punkt zu schaffen, der einen Blick über die herrliche Landschaft rund um unseren Heimatort ermöglichen sollte.
Vor allem war es der Fremdenverkehrsverband unter seinem damaligen Ob- mann Alfred Rupperth, der ein solches Projekt anstrebte. Der letzte Anstoß kam dann im Jahre 1932 durch die Errichtung der Dr. Kempf-Warte am Krudum.
Nun erst ging man ernsthaft daran, diesen langgehegten Wunsch in die Tat umzusetzen. In der damaligen wirtschaftlich katastrophalen Zeit ein wahr- lich kühnes Vorhaben. Nur vom Idealismus Besessene konnten in jenen Tagen ein derartiges Werk in Angriff nehmen.
Blick vom Alten Grabenhäusl auf den Steingröll mit Aussichtsturm. Vorne links der Lange-Fahrweg, darüber der Flößgrabendamm.
295
=========
296
Propellate Words ontogen. Ringroll bei Schönfeld für:
Yow Yese Betenilde Agtató
alle für die dengung maue*
228
L
4.35
OL
4.805
-5.50
+.87
250
Sally.
475
Bor. Asuista.
14
5.50
4.87
-5.50
200
4.87
4.875
5.50
4.665
ку
30 Ausendenten, weiteren an Grunten dentibuokoauð
20am Thuy
#Hat Auftritt.
806806-
3.475
3.41
80
-7815
Borow
120
19 Nisenbreiten
20cm
deseruny
33an me
4.655
3365
1376-
43 mm Ankle l
100
Franticht von LOV
29 Nüchenbreiten 20 cur throug 53 cm Ouftritt
Grauficht vow LZWL.
19 inchinbreidem 20 au Bengung
56 am Anfrill
(Plaumaßstab 1:100
Ochonfel un Jun 1933.
ver Cherfather:
Hofmanny.
=========
297
Als Bauplatz wählte man den nahegelegenen Steingröll (786 m), denn er bot eine reizvolle Umgebung und einen herrlichen Rundblick und nicht zuletzt auch das Baumaterial, nämlich Natursteine.
Der bekannte Schönfelder Bildhauer und Keramiker Willy Russ entwarf den Turm in seiner heutigen Form (siehe hierzu auch Nachsatz). Fritz Hoffmann als Architekt zeichnete den Bauplan, er nahm außerdem auch noch die stati- schen Berechnungen vor und leitete später den Bau. Zum Stab des Fremden- verkehrsobmanns, Rupperth Fredl, der in allen Dingen die letzte Entschei- dung zu treffen hatte, gehörte eine technische-, eine propagandistische- und eine Finanzgruppe.
Alle diese Mitarbeiter arbeiteten unentgeltlich.
Die schwerste Aufgabe oblag der Finanzgruppe. Sie hatte die fast unlösbare Aufgabe, die Mittel für den Bau aufzutreiben.
Den Auftakt hierzu bildete eine Gewerbeausstellung eine Idee von Franz Ruppert (Dipl.-Kaufmann) - bei der die heimische Industrie sowie das Handwerk ihre Erzeugnisse vorstellte. Zahlreiche Fremde besuchten diese Schau; so blieb es auch nicht aus, daß einige Handwerksbetriebe auf diese Weise zu unverhofften und dringend notwendigen Aufträgen kamen.
Diese Veranstaltung, deren Reinerlös der Turmbau-Kasse zufloß und bei der natürlich auch ein Modell des Aussichtsturmes zu sehen war, wurde ein voller Erfolg; die Einnahme belief sich auf 4500 Kronen! Ein enorm hoher Betrag im damaligen Krisenjahr 1933.
Aber auch die Vereine blieben nicht müßig, denn sie ließen alle Erlöse aus ihren Veranstaltungen allen voran die Glöisser mit ihrem Faschingsum-
zug
-
-
dem Turmbau zukommen.
Darüber hinaus gaben zahlreiche Geschäftsleute bedeutende Spenden. Am 25. Juli 1933 wurde der Turm-Bauplan der Baukommission zur Geneh- migung vorgelegt; sie wurde am 1. August vom damaligen Bürgermeister Emil Vogl erteilt. So konnte noch im gleichen Monat mit dem Bau der Aus- sichtswarte begonnen werden.
Für den Grundaushub stellten sich durchweg freiwillige Arbeitskräfte zur Verfügung. Zwei Wochen lang wurde emsig gegraben, geschaufelt und ge- karrt, bis man in 1 1/2 Meter Tiefe auf gewachsenen Fels stieß, auf den die
Verkleinerte Wiedergabe des Original-Turmbauplanes von Fritz Hoffmann aus dem Jahr 1933.
297
=========
298
Grundaushub und erste Baustufen beim Bau des Aussichtsturmes.
=========
299
Grundmauern des Turmes gesetzt werden konnten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man 120 Kubikmeter steinigen Boden ausgehoben.
Inzwischen waren bereits die Vorbereitungen für die Maurerarbeiten einge- leitet. Steine gab es ja im Umfeld des Bauplatzes mehr als genug, etwas Kopf- zerbrechen bereitete hingegen die Baukiesbeschaffung, hier machte aber schon bald Hoffmann Fritz eine geeignete Stelle ausfindig. Das notwendige Wasser wurde mit der Feuerspritze aus dem Flößgraben hochgepumpt.
Zu Beginn dieser Hauptarbeit erfolgte durch die Fremdenverkehrskommis- sion ein Aufruf an die zahlreichen Arbeitslosen im Ort, die damals mit einer wöchentlichen Unterstützung von 10-20 Kronen auskommen mußten. Obwohl nur ein Tagesverdienst von 15 Kronen für diese Schwerstarbeit ge- boten wurde, nahmen viele dieses Angebot an. So hatten auf diese Weise rund 30 Familienväter zwei Monate hindurch einen unerwarteten zusätz- lichen und bitter nötigen Verdienst.
Da schon damals die meisten Maurer nicht mehr mit Natursteinen mauern konnten, wurde ein Steinmaurer aus Tiefenbach herangeholt. Gemauert wurde mit Schwarzkalk, denn Zement war zu teuer.
Auf ein Gerüst mußte aus Kostengründen verzichtet werden, so wurde von innen her gemauert, wobei die schweren Granit- und Gneisbrocken so ver- arbeitet wurden, wie sie die Natur bot. Das war härteste Knochenarbeit, aber immer wieder fanden sich freiwillige Helfer zusätzlich ein, die sich in den Dienst dieser gemeinsamen Sache stellten. In diesem Zusammenhang sind auch die Spanndienste zu erwähnen, die von LKW-Besitzern sowie von Landwirten mit Pferden und Kühen geleistet wurden.
So konnte bereits im Oktober, bei einer Bauhöhe von sechs Meter, die erste Betonzwischendecke eingezogen werden.
Während dieser und der noch folgenden Bauzeit ruhte die ganze Verantwor- tung auf Rupperth Fredls Schultern. Fast täglich war er von früh bis spät auf der Baustelle am Steingröll als tüchtiger und umsichtiger Organisator an- wesend.
Im Frühjahr 1934 wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Es begann allmählich die Zeit, wo die Steine für den Bau bereits aus größerer Entfernung heran- geholt werden mußten. Es wurde deshalb ein Feldbahngleis gelegt. Um den beachtlichen Steinbedarf decken zu können, wurde in unmittelbarer Nähe, unterhalb der Baustelle, ein Steinbruch aufgemacht. Mit zwei geborgten Winden zog man von dort die gebrochenen Felsbrocken zum Bau hoch. Inzwischen war man in der näheren und auch entfernter liegenden Umge- bung - nicht zuletzt aufgrund der Aktivität der Propagandagruppe
-
über
299
=========
300
Steintransport auf der Feldbahn (1934). Ganz rechts Kern Josef, der hier auch Bereitsteller des Gespannes war. Neben ihm Ruppert Franz und Ruppert Alfred (mit Mütze), Obmann des Fremden- verkehrsvereines und Anreger zum Bau des Turmes.
das Vorhaben informiert, so fanden sich immer wieder Interessierte ein, die die Baustelle besichtigten und den Baufortschritt verfolgten. Aber zahlrei- cher waren wohl die freiwilligen Helfer, die immer wieder ihre Unterstüt- zung gaben. Hier sind besonders die beiden Männer Pensl Karl und Lochner Paul zu erwähnen, beide Postbeamte i. R., die ihre Kräfte in vielen Belangen in den Dienst dieser Sache stellten. Oft war es aber auch der Fall, daß Schön- felder Vereine an Wochenenden geschlossen zum freiwilligen Arbeitseinsatz erschienen, denn keiner wollte hier abseits stehen.
Die festen Stammarbeiter aber mußten immer wieder entlohnt werden. Oberpostmeister i. R. Willi Schmidt als Kassenwart war damals wirklich nicht zu beneiden. Ruppert Franz unterstützte ihn u. a. bei seiner schwieri- gen Aufgabe, so gut er konnte. So war er es auch, der einmal bei einer großen ,,Kassen-Ebbe" - über den Umweg von Warengutscheinen - einen fälligen Zahltag rettete, denn auf seine Bitte hin stempelte ihm der Dennl Bäcker aus der Langen Gasse 200 Brotgutscheine à 5 Kronen (soviel kostete in dieser Zeit ein Laib Brot), die anstelle von Bargeld an die Bauarbeiter ausgehändigt wurden.
Der Turmbau war ein ständiger finanzieller ,,Drahtseilakt", bei dem auch Stocknägel und Bausteine" verkauft und auch Kredite aufgenommen werden mußten.
Aber trotz aller Schwierigkeiten: Im September 1934 stand der Turm!
300
=========
301
Der steinerne Koloß, in einjähriger Bauzeit und unter schwersten Bedingun- gen errichtet, wurde von diesem Moment an das Wahrzeichen unseres Hei- matortes. Dieser Turm war aber auch zugleich ein Symbol der Stärke und Kraft, die eine entschlossene Gemeinschaft aufzubringen imstande ist.
Für die Bewertung dieser Leistung sprechen die folgenden technischen Daten und Angaben zu diesem Bauwerk:
Höhe des Turmes:
Basisdurchmesser:
Mauerstärke an der Basis:
Verarbeitetes Material
25,00 Meter
11,00 Meter
2,50 Meter
1100 Kubikmeter
Die Plattform, mit einem Durchmesser von 234 Meter, erreicht man über eine 22-fach gewendelte Außentreppe, die 120 Stufen zählt. Der 80 Zenti- meter breite Treppenaufgang, einschließlich der Plattform, erhielt eine ein Meter hohe Brüstungsmauer mit einer Wandstärke von ca. 45 Zentimeter. Im Turminneren waren vier Betonzwischendecken eingezogen. Sie hatten eine quadratische Aussparung für einen eventuellen späteren Personenauf- zug.
Sehr interessant ist auch die Kostenseite:
Das Bauwerk kostete rund 55000 Kronen. Dieser Betrag wurde, ohne jeg- lichen Zuschuß einer behördlichen oder staatlichen Stelle, von den Schön- felder Bürgern aller Schichten direkt oder indirekt aufgebracht.
Rund 70 % (39 000 Kronen) entfielen dabei auf die Löhne.
Für Baumaterial wie Kalk, Zement und Eisen waren rund 9000 Kronen erforderlich. Den Rest forderten die sozialen Abgaben.
Bewertet man die zahlreichen freiwilligen Dienstleistungen, die auf ver- schiedenste Art mit eingebracht wurden, so ergibt sich ein Objektwert von über 100 000 Kronen.
Die feierliche Einweihung des Aussichtsturmes sollte am Sonntag, den 6. Oktober 1934 erfolgen. Alle Vorbereitungen waren getroffen, die Warte war mit Girlanden geschmückt. Am Samstagabend, nach Eintritt der Dun- kelheit, erstrahlte sie in feierlicher Festbeleuchtung. Ein Feuerwerk wurde geboten, und alles freute sich auf den kommenden Tag. In der Nacht zum Sonntag jedoch setzte strömender Regen ein, der auch den ganzen Sonntag unvermindert anhielt. So mußte die Einweihung abgesagt und auf einen späteren unbestimmten Zeitpunkt verschoben werden.
301
=========
302
Zahlreiche auswärtige Gäste waren schon in Schönfeld zu dieser Feier er- schienen, ihren Weg hatten sie umsonst zurückgelegt. Resigniert bemerkte Rupperth Fredl:,,Alles haben wir so gut geschafft, nur das Wetter konnten wir nicht bestimmen."
Die offizielle Einweihung der Aussichtswarte fand erst im Jahr darauf, am Sonntag, den 23. Juni 1935, in feierlicher Weise statt. Das Wetter zeigte sich an diesem Tage von seiner besten Seite. Sämtliche Vereine des Ortes waren eingeladen. Auch zahlreiche Fremde und besonders viele auswärts lebende Schönfelder waren zu diesem festlichen Anlaß erschienen.
Die Begrüßungsansprache hielt Alfred Rupperth, als Obmann des Fremdenverkehr-Vereines. Anschließend erfolgte die feierliche Einweihung, die unser Pfarrer Karl Enzmann vornahm.
Danach hielt Professor Dr. Kapel aus Karlsbad, als Vertreter des Landesver- bandes der Fremdenverkehrsvereine, die Festrede.
Umrahmt wurde die Feier durch Darbietungen des Schönfelder Gesangver- eins.
Den Abschluß bildete am Abend ein Feuerwerk.
Das neue Wahrzeichen unserer Heimatstadt erhielt den Namen: ,,Schönfelder Aussichtswarte am Karlsbader Semmering."
Nach dem Anschluß an das Deutsche Reich ersuchte Rupperth im Frühjahr 1939 den damaligen Bürgermeister Tauber, diese Bezeichnung in,,Adolf- Hitler-Warte" umzubenennen. Die Namensänderung wurde bei der Berliner Reichskanzlei beantragt; im Mai (?) 1939 wurde dieses Ansuchen genehmigt. Die Geschichte der Schönfelder Aussichtswarte, die aus heutiger Sicht in je- ner wirtschaftlich desolaten Zeit wahrscheinlich nicht das Maß an Auftrieb für Schönfeld gebracht, wie es sich die Initiatoren und Erbauer erhofft hat- ten, wäre unvollständig, würde man nicht auch die Turmrestauration, bzw. das,,Einkehr-Haus", wie an der Frontseite dieses Gebäudes zu lesen stand,
erwähnen.
Dieses Unterkunftshaus mit Gastwirtschaft und Fremdenzimmern wurde von Franz Herget gebaut und bewirtschaftet. Damit war auch gleichzeitig eine Sorge des Fremdenverkehrsvereines behoben.
Diese Gaststätte erwarb später Franz Fliegl, der diesen Betrieb, zusammen mit seiner Frau (Schimmer Erna), bis zur Vertreibung weiterführte. Fliegl war es auch, der den Anschluß an das Stromnetz veranlaßte, die Terrasse anlegte und die Veranda errichten ließ.
302
=========
303
,,Mächtig, zyklopisch und trutzig geschichtet von Menschenhand, wuchsest du, TURM!
Künd nun den fernsten Geschlechtern, wie deine Größe erstand! Mühsam! Im Sturm!"
Pfarrer J. Jordan
Über zehn Jahre hindurch war die Schönfelder Aussichtswarte ein Ausflugs- ort für viele fremde Besucher, die vor allem aus dem nahen Karlsbad an- reisten.
Für so manchen Wanderer war der Turm Zielpunkt oder auch nur Zwi- schenstation auf einer Tour durch die Landschaft unserer Heimat, die so viel Schönes und Reizvolles zu bieten hatte.
Nicht zuletzt waren es aber immer wieder Schönfelder selbst, die sich hier einfanden. Besonders an schönen Sommersonntagen rückten zahlreiche Familien,,mit Kind und Kegel" an.
Der Anmarsch vom Ort aus war verhältnismäßig kurz, denn die Wegstrecke vom Marktplatz bis zum Turm - über die Streichergasse, vorbei an der Maria-Schnee-Kapelle und dem Alten Grabenhäusl (wo meist der Gröicher
303
=========
304
Hans saß und den Spaziergängern aus seinem abgestellten Buckelkorb Naschzeug anbot) - betrug nur knapp über einen Kilometer.
Nach dem Alten Grabenhäusl begann erst der schönste Teil des Weges, denn ab hier folgte man dann dem Lauf des Flößgrabens. Der schmale Pfad neben dem flüsternden Wasser bot einen herrlichen Blick in das Tiefen- bacher Tal. Am Rau(d)n-Schützlå" nahm dann der schattenspendende Fichtenwald die Ausflügler auf. Übers kleine Flößgraben-Brückl ging es dann rechts, vorbei an der Waldandacht, über unbehauene Natursteinstufen den Steingröll hoch. Bald war der Querweg erreicht, der in westlicher Rich- tung beschritten wurde. Nach wenigen Metern ging es dann wieder, über weitere Stufen, steil den Berg hinan.
Man war immer recht froh, wenn sich kurz vor dem Ziel die grobe grau- braune Steinmauer des Turmes durch das Nadelgehölz hindurch zeigte. Nach wenigen Schritten stand man dann plötzlich und überraschend nahe vor diesem wuchtigen Bauwerk, dessen Höhe erst in diesem Augenblick voll erkennbar war.
Meist wurde nach diesem Anstieg eine kleine Verschnaufpause eingelegt, bevor man die 120 Stufen, die zur Plattform hochführten, in Angriff nahm. Mit jeder Stufe veränderte und weitete sich das Blickfeld. Hin und wieder mußte sich der Besteiger an die Mauer des Turmes drücken oder eine Fen- sternische nutzen, um Absteigenden auf der recht schmalen Treppe den Weg freizumachen.
Die Mühe des Aufstieges lohnte sich, denn von der Plattform aus bot sich ein Panorama, welches den Besucher immer wieder erfreute.
Sechs, in die Brüstungsmauer eingelassene emaillierte Orientierungstafeln, die der Karlsbader Kunstmaler Hamann in ausgezeichneter Weise anfertigte, halfen dem Betrachter bei der Bestimmung der zahlreichen Orte, Dörfer, Berge und Höhenzüge, die im Blickfelde lagen.
So erstreckte sich in unmittelbarer Nähe von Südwest nach Nordost der Kai- serwald, mit seiner höchsten Erhebung, dem Judenhau (987 Meter) bei Bad Königswart. In westlicher Richtung, dicht neben unserer Nachbarstadt Lau- terbach, war der Knock (856 Meter) zu sehen, ihm zur Seite der Mucken- (790 Meter) und der Spitzberg (825 Meter). Dahinter lag der Krudum (835 Meter). In nördlicher Richtung sah man im Vordergrund unseren Heimatort, dahin- ter der Weiße Hügel mit dem Hohen Stein. Den Horizont bildete - bei guter Sicht das rund 35 Kilometer entfernte Erzgebirge mit dem Keilberg (1244 Meter) als höchsten Punkt. Weiter östlich, in einer Entfernung von 15 Kilo- meter Luftlinie, war der Aussichtsturm der Karlsbader Freundschaftshöhe zu erkennen. Weiter rechts Engelhaus und dahinter das Duppauer Gebirge.
304
-
=========
305
Der Aussichtsturm am Steingröll; Standort für dieses Foto war die,,Krümm" vor dem Poschetz-
Berg.
Im Südosten lag, in rund 20 Kilometer Entfernung, das Tepler Hochland mit dem Tscheboner Berg (821 Meter). Südlich blickte man in das nahegelegene Tiefenbacher Tal und auf die Montl-Höhe (757 Meter), daneben unser Nach- barort Neudorf, mit dem dieser Rundblick abschließt.
Eine herrliche Landschaft, die mit zu den schönsten Teilen des Egerlandes zählte.
Anmerkung des Verfassers zum Entwurf bzw. der Bauform des Turmes: Oft wird davon gesprochen - und auch aus den Aufzeichnungen zu diesem Buch geht hervor - daß sich der Bildhauer Russ bei dem Entwurf der Schönfelder Aussichtswarte vom Turm zu Babel inspirieren ließ. Diese Annahme kann nicht den Tatsachen entsprechen, denn beim babylonischen Turm handelte es sich um einen quadratischen Stufentempel mit einem völlig anderen Aufgang. Lediglich der nach oben abneh- mende Durchmesser läßt eine gewisse, wenn auch nur ganz schwache Ähnlichkeit ableiten. Es ist aber fast mit Sicherheit anzunehmen, daß das Vorbild zu unserem Turm in Samarra, einem schiiti- schen Wallfahrtsort im Irak zu suchen ist, denn dort befindet sich ein 52 Meter hohes, sehr altes und bekanntes Spiralminarett, welches die gleiche Bauform zeigt. Russ war durch seine akademische Ausbildung bestimmt über die Bauweisen im vordern Orient und damit wahrscheinlich auch über dieses Bauwerk informiert, so daß diese Annahme berechtigt erscheint (siehe hierzu auch,,Mayers neues Lexikon", Ausgabe 1980, Band 7, Seite 63/Samarra).
305
=========
306
Der Filz
(Siehe hierzu auch Kapitel Topographie.)
Dieses am Fuße des Mucken- und Spitzberges gelegene ca. ein Quadratkilo- meter große Moorgebiet gehörte in früheren Jahrhunderten zur Herrschaft Petschau. Als landwirtschaftlich nutzloses Gelände verschenkte man es an die Stadtgemeinde Schönfeld.
-
Aufgrund des damaligen Holzreichtums wurde jedoch kaum Torf abgebaut, so daß die Stadtgemeinde - nur um einige Steuergroschen zu sparen dieses Gebiet kostenlos an die Stadt Elbogen abgab, allerdings unter dem Vorbehalt des Nutzungsrechtes.
Wie unschätzbar wertvoll diese Vereinbarung war, zeigte sich in jenen späte- ren Jahren nach dem I. Weltkrieg, als die allgemeine Arbeitslosigkeit kata- strophale Formen angenommen hatte. Zu dieser Zeit zogen nämlich Männer, Frauen und Schulbuben oft scharenweise in den Filz, um Torfziegel zu stechen.
Es war eine ausgesprochene Sommerarbeit, in der für das Trocknen der naẞ- aufgeschichteten Torfstücke die besten Voraussetzungen bestanden. So schwer und primitiv das Torfstechen auch gewesen sein mag, für viele Min- derbemittelte war der Filz ein kostenloser Spender sauberen Heizmaterials. Der Abbau erfolgte leider völlig planlos, mit dem Ergebnis, daß dieses Gelän- de später lebensgefährlich wurde, denn die bis zu zwei Meter tiefen Stiche füllten sich mit Wasser und nicht nur das, es verschwand auch so manch kleiner Tümpel unter einer Vegetationsschicht und bildete dann eine soge- nannte Kouhwåmpn (Kuhwampe); wehe dem, der eine derart bewachsene Fläche ahnungslos betrat.
Am Anfang des Jahres 1921 versuchte der aus Asch stammende Erich Korn- dörfer, der während des Krieges als Hauptmann die militärische Leitung des Erzbergbaues inne hatte, das Torflager industriell zu nutzen. Er hatte die Ab- sicht, die verhältnismäßig lockere Torffaser zu verspinnen, was sich aller- dings später als nicht machbar herausstellte. So richtete sich der Betrieb lediglich auf die Gewinnung von Brennstoff, Preßtorf und Torfmull ein. Korndörfer kaufte einen Teil des Torfgebietes einschließlich einiger Filzwie-
306
=========
307
Daß man neben der harten Arbeit im Filz auch noch zu einem Scherz aufgelegt war, zeigt diese Aufnahme. Links im Hinter- grund der Spitzberg. Rechts zum Trock- nen gestapelte Torfziegel.
sen. Für den bis zu sieben Meter Tiefe geplanten Abbau wurde ein Förder- band eingesetzt. Quer durch den Filz verlief eine kleine Seilbahn. Korndörfer ließ außerdem noch eine Trockenanlage und ein kleines Wohngebäude für den Aufseher errichten.
Der sehr heiße und trockene Sommer begünstigte den Anfang dieses Unter- nehmens, aber schon ein Jahr später mußte der Betrieb wegen Unrentabilität schließen. Alle installierten Einrichtungen wurden abgebaut.
Es ist noch zu erwähnen, daß im August 1921 ein Torfbrand ausbrach (siehe auch Kapitel Chronik). Ob Korndörfers Bereich davon mit betroffen war, ist nicht mehr bekannt.
In unserem Heimatort erzählte man sich, daß im 30jährigen Krieg der Filz der Schauplatz eines blutigen Kampfes gewesen sein soll. Diese Annahme wurde noch durch einige Funde wie Hufeisen, Degen, Pistolenläufe und Reitersporen bekräftigt. Die Gegenstände wurden schwedischen Soldaten zugeschrieben, die angeblich im Moor ihr Leben lassen mußten. Da wir bis heute noch nicht das Gegenteil behaupten können, so wollen wir auch ein bißchen mit an diese Sage glauben.
So umstritten diese Geschichte auch sein mag, so sicher ist es aber, daß es im Moor einen Filzkönig gab. Er war von untersetzter Statur und trug einen gelb- blonden Patriarchenbart. In seinem Reich, dem Filz, stand zwar kein Schloß, dafür aber eine kleine einfache Bretterbude, in der er in der Sommerzeit auch hin und wieder nächtigte, um Wegezeit zu sparen, denn sein Zuhause war in Schönfeld Nr. 70. Der ,,König", von dem hier die Rede ist, war der Dennl Richard. Er war der älteste aller Torfstecher, und der Filz war sein kleines Land, in dem er mit seinem taubstummen Sohn Beb in wochenlan- ger und mühevoller Arbeit die braunfaserigen Torfziegel gewann, die er dann zum Verkauf anbot.
Nach Dennls Tod zögerten die Schönfelder nicht lange und ernannten" einen neuen Filzkönig, der natürlich eine entsprechend lange Torfstecherzeit als Voraussetzung für die Verleihung dieses Titels hinter sich haben mußte. Es war dies der Kugler Annares (Tscheischich) aus der Staudengasse.
307
=========
308
Sagen der Heimat
Einleitung von Josef Hubl
Unter die wenig beachteten und bestiegenen Höhen des nordwestlichen Böhmens gehört der Berg Krudum, welcher der Tepler Hochebene als höch- ste Spitze einer besonderen Gebirgsgruppe entsteigt.
Majestätisch erheben sich seine Urgesteinsmassen über den immergrünen Wälderkranz, von dem sein Fuß und seine Abhänge rings umflochten sind, zu einem von Osten nach Westen sich ziehenden Rücken, dessen westlicher Endpunkt, höher als der entgegengesetzte, der vordere Krudum genannt wird. Die Scheidung des Rückens wird mehr durch eine Einsenkung an dem Südabhange des Bergzuges, als auf der Kammhöhe bemerkbar, welche sich in eine teilweise gelichtete Plattform ausbreitet. Auf diese Stelle wollen wir unseren, wenn auch etwas beschwerlichen, so doch reichlich lohnenden Weg von dem Dörfchen Dreihäuser an einschlagen.
Bald umfängt uns die erfrischende Kühle des Waldes; nur langsam können wir dem steil aufsteigenden Wege folgen, und wir sind nicht einmal gezwun- gen, einen kleinen Halt zu machen, während welchem wir all' die vielen Herrlichkeiten bewundernd die Beschwerden des Bergsteigens gerne verges- sen, und wir schicken uns endlich an, die steilste Strecke zu erklimmen. Nachdem wir ein kleines Gehölze durchschritten, staut sich unwillkürlich unser Fuß. Ein Ruf der Überraschung und Bewunderung entwindet sich unserer Brust, da bis zu des blauen Himmels Höhen aufgetürmt vor uns, durch einen riesigen Talkessel getrennt, der höchste Teil des böhmischen Erzgebirges als seltene Augenweide liegt.
Von den Ausläufern des Fichtelgebirges angefangen bis weit über die hell durch den sonnigen Äther zu uns herüberschimmernde Kupferberger Kapel- le hinaus, über die massige Duppauer Berggruppe, die Tepler Hochebene, ja bis zu den im unbestimmten Blau verschwimmenden Vorbergen des Böh- merwaldes hinab kann unser Auge bei halbwegs guter Witterung schweifen.
308
=========
309
Uns näher liegen der kahle Spitzberg, der langgedehnte Mückenberg, der Bretenberg, die hohe Ruh und andere unbedeutendere Höhen und, von den weithin um den Fuß sich ziehenden Wäldern entweder ganz oder teilweise eingeschlossen, die nahen Dörfer Kohling, Birndorf und Dreihäuser. Eigentlich wurde das ganze der Stadtgemeinde Elbogen gehörende, unweit der Ortschaften Schlaggenwald, Schönfeld, Lauterbach/Stadt, Dreihäuser, Kohling, Lobs und Birndorf gelegene ausgedehnte Waldgebiet als,,Revier Krudum" bezeichnet. Den Kern dieses Waldgebietes, das ausschließlich Na- delholz aufwies, bildete jedoch der von Sagen und Märchen umkreiste, dop- pelgipfelige, 835 Meter hohe Berg Krudum, der ca. fünf Kilometer nördlich von Schönfeld liegt.
Mit welcher Angelegenheit das Wort, bzw. der Berg Krudum, auch in Zu- sammenhang gebracht worden sei, so vermochten die meisten Menschen nicht zu verhindern, daß damit eine Spanne grauer Vorzeit an ihnen vor- überhuschte, die bei ängstlichen Menschen auch ein leichtes Schaudern oder eine Gänsehaut auslöste. Das mag wohl auch der Grund gewesen sein, daß, woher der Sprecher auch gewesen sein mag, bei der Erwähnung des Krudums das besitzanzeigende Fürwörtchen,,unser" nie in Gebrauch kam, obwohl es bei anderen gemeindeeigenen Objekten öfter als angebracht aus- gesprochen wurde.
Die meisten Bewohner der eingangs erwähnten Ortschaften verdoppelten ihre Schritte, um so schnell als möglich aus dessen Bannkreis zu kommen, wenn sie am Krudum vorüber mußten, und sogar sonst robuste Männer ließen es sich nicht nehmen, im Vorbeigehen Dinge gesehen und gehört zu haben, wie sie nur in der Geisterwelt vorkommen konnten. So schworen die einen, daß sie an einem Karfreitag das Krudum-Barberl Wäsche aufhängen sahen; andere wollten sie als weiße Frau oder in einer anderen Gestalt ge- sehen haben, und wieder andere behaupteten, am Karfreitag am Krudum ei- nen mit rotbackigen Äpfeln vollbehangenen Apfelbaum gesehen zu haben, der vor ihren Augen verschwand.
Aber nicht nur am Krudum-Berg selbst, sondern auch in den ihn umgeben- den Wäldern soll es dort mehr die,,weiße Frau",,,der Höimuå" und andere Erscheinungen gewesen sein, die Angst und Furcht verbreiteten.
So weit verbreitet solche Behauptungen über derartige Vorkommnisse in früheren Jahren auch gewesen sind, so verloren sie mit der Abnahme des Aberglaubens und der fortschreitenden Bildung und Modernisierung auch der Landbewohner immer mehr an ihrer Glaubwürdigkeit.
Mit der Zeit legte man die Scheu dem Krudum gegenüber ab, und dieser wurde nach der Jahrhundertwende immer mehr Anziehungspunkt und Ziel
309
=========
310
für Ausflügler, und es verging auch kein Jahr, in dem nicht zur Frühlings- und Sommerzeit viele Schulklassen mit ihren Lehrern dem Krudum einen Besuch abstatteten. Selbstverständlich war es hierbei nicht wegzudenken, daß der Lehrer bei der am Gipfel gehaltenen Rast der Schuljugend diese und jene Sagen vom Krudum erzählte und auch erzählen ließ. Nebenbei wurde bei guter Sicht auch ein wenig Geographie geübt, denn die Höhe des Berges gestattete, auch das Erzgebirge mit seinem höchsten Punkt, dem Keilberg so- wie das Duppauer und andere Gebirge zu erspähen. Aber auch die engere Heimat lohnte sich zu erschauen, denn sie gab, vom Krudum gesehen, immer ein Bild seltener Schönheit.
Ferner gab der Krudum auch Anlaß, die Naturgeschichte zu berühren, denn in der langen Epoche, in der nur wenige Menschen den Fuß auf den Berg setzten, machte sich dort verschiedenes Getier heimisch, von dem vor allem der Hirschkäfer zu nennen ist. Dieser Käfer, von dem das Männchen die Länge bis zu acht Zentimeter und an der Kopfseite eine ebensolange horn- artige Zange aufweist, war außer auf dem Krudum-Berg, wie es hieß, in keinen anderen Wäldern unserer Heimat anzutreffen.
Außer all dem hatte ein Lehrer am Krudum auch Stoff, sich mit seinen Schü- lern über Geologie zu unterhalten, denn während am Fuße der östlichen Bergseite viele Jahre hindurch die Prager Firma C. T. Petzold & Co. (Mitinha- ber der Neudecker Eisenwerke und Besitzer des Grafen-Schachtes in Gras- seth) ihr Schürfrecht auf Roteisenstein ausübte, soll nach alten Überlieferun- gen der Berg auch von Silber- und Zinnadern durchzogen sein, neben denen nach den heutigen Erkenntnissen vielleicht auch Uran und Wolfram zu finden sein würde.
Aber noch einer schon in den letzten Jahren vor dem I. Weltkrieg fast überall und auch in unserem Gebiet zur Seltenheit gewordenen Erscheinung konnte man am Fuße der Südseite des Berges begegnen, nämlich dem Köhler und seinen Kohlenmeilern. Der dortige Holzreichtum, gepaart mit der wahr- scheinlich in früheren Jahren noch umständlichen und schwierigen Abfuhr desselben, ließ es vermutlich dort angezeigt und wirtschaftlicher erscheinen, das Holz an Ort und Stelle in ein edleres und leichteres Produkt umzuwan- deln, und was konnte das anderes sein, als die in früheren Jahren vielseitig gebrauchte und nicht gerade billige Holzkohle. So fand man in den genann- ten Jahren in der Nähe des Dorfes Kohling nicht nur mehrere schwarze, run- de, von Meilern herrührende Plätze von ca. sechs bis sieben Meter Durch- messer, sondern auch noch frisch angelegte, schwelende Kohlenmeiler. Am Krudum dürften die letzten Kohlenmeiler im Jahre 1913 von dem schon ziemlich hochbetagten Lauterbacher Schmiedemeister Köferl gebrannt wor- den sein, der daraus nicht nur den Bedarf seiner eigenen Schmiede deckte,
310
=========
311
sondern auch an andere Schmiede und Fabrikswerkstätten die damals noch starke Verwendung gefundene Holzkohle lieferte.
Weitaus stärker als noch in den letzten Jahren vor dem ersten Weltkrieg ent- wickelte sich jedoch der Ausflugsverkehr zum Krudum in den zwanziger Jahren. Dies veranlaßte den Elbogener Postbeamten Cawranoch, der Freund und häufiger Besucher des Krudums war, die Anregung zu machen, am Kru- dumgipfel einen Aussichtsturm zu erbauen, was zwar auf finanzielle Schwierigkeiten stieß, aber doch mit Hilfe von Sammlungen und Spenden verwirklicht werden konnte. So wurde im Jahr 1932 die,,Dr. Kempf-Warte" errichtet.
So scheu und ängstlich noch vor kaum 100 Jahren die Menschen an dem Krudum vorbeieilten oder ihm gar auswichen, so gerne wählten ihn in den letzten Jahren unseres Daheimseins die Ausflügler von nah und fern als ihr sonntägliches Ausflugsziel.
Neben dieser Beliebtheit zeigte sich der Krudum alljährlich als reichlicher Spender von Schwämmen und Waldbeeren aller Art, so daß sich auch für alle Schwämme- und Beerensucher der Werg dorthin reichlich lohnte.
Die Krudum-Sagen
Entnommen dem Büchlein,,Sagen-Buch der Heimat", von Johann Hahn, Schlaggenwald (1911). Dieses Werk war eine erweiterte Neufassung des im Jahre 1864 erschienenen Büchleins,,Sagen, Märchen und Erzählungen von Elbogen und dessen Umgebung", verfaßt von Realschullehrer Anton Prokop Schmitt in Elbogen. Dieser hatte sich wiederum bei seiner Arbeit auf den Egerer Chronisten Georg Thomas Funk gestützt, dessen Vater Johann Funk einst Forstmeister in Elbogen war.
Das Schloß auf dem Krudum
Wenn auch nicht der höchste, aber einer der bedeutendsten Berge des Kai- serwaldes ist der Krudum, der in drei mächtigen Gipfeln emporstrebend, sich bis zu einer Höhe von 835 Meter erhebt. Er bildet einen langgestreck- ten, die Umgebung beherrschenden Bergrücken, so daß es glaublich er- scheint, daß er einmal eine mächtige Befestigung getragen hat. Seine Abhän-
311
=========
312
ge sind von düsteren, geheimnisvoll rauschenden Wäldern bedeckt, und in seinem Innern hat in alten Zeiten der Bergmann geschürft, kein Wunder also, daß Frau Sage sich gerade mit diesem Berge liebevoll befaßt und ihn in den Bereich ihrer stillen und nimmermüden Tätigkeit gezogen.
Auf dem Rücken des Krudum, dort wo vor wenigen Jahren noch die Lärm- stange aufgestellt war, stand in uralten Zeiten ein mächtiges Schloß, welches vom König einem tapferen Grafen geschenkt worden war. Dieser hatte einen einzigen Sohn, dem er Geld und Gut einstens zu hinterlassen gedach- te. Aber der Himmel hatte es anders beschlossen. Denn der junge Graf kam mit dem Sohne des Falkenauer Grafen in einen Streit, in welchem letzterer vom jungen Krudumgrafen erschlagen wurde.
Die Tat zu sühnen, zog der Mörder als Pilgrim nach Rom und entlastete dort an heiliger Stätte seine Seele von der großen Schuld. Leichteren Herzens, als er gekommen, verließ er die ewige Stadt und war auf dem Rückwege ohne sonderliche Abenteuer bis Plan gekommen. Als er aber durch einen großen Wald zog, stieß er auf eine Räuberbande, welche ein laut jammerndes Mäd- chen mit sich schleppte. Der junge Graf besann sich nicht lange und hieb mit seinen Knappen so wacker in die Strolche, daß die einen entflohen, die anderen aber als Tote oder Verwundete den Kampfplatz bedeckten. Dann fragte er, nachdem er die Gefangene von ihren Fesseln befreit:,,Wer seid ihr, damit ich euch in euere Heimat bringe?",,Ich bin die Tochter des Falkenauer Grafen", antwortete die Jungfrau.
Es war ein seltsames Spiel des Schicksals, daß der junge Ritter die Tochter des Mannes, dem er so viel Leid zugefügt, aus Räuberhand befreit hatte. Und da er zu bemerken glaubte, daß sie ihn erkannt, sprach er, um seine Bewegung zu verbergen:,,Geraume Zeit bin ich der Heimat fern gewesen, da mag sich vielerlei ereignet haben. Sagt an, wenn ihr davon Kunde habet, wie es meinem Vater ergeht!"
,,Böse Nachricht erwartet euch", versetzte die Jungfrau. Und obwohl nun der Graf mit Fragen in sie drang, gab sie keine weitere Auskunft. Der Ritter begleitete das Fräulein bis Falkenau, dort nahm er raschen Abschied und eil- te seinem heimatlichen Berge zu.,,Wo ist mein Vater?", war die erste Frage, die er voll düsterer Ahnung an seine Diener richtete. Aber diese standen mit gesenktem Haupte da und schwiegen. Endlich trat der greise Kastellan vor und sprach:,,Herr, achtmal ist die Sonne bereits die Berge emporgestiegen, seitdem wir euren Vater in der Gruft der Kirche beigesetzt." Aufs tiefste er- schüttert konnte der junge Graf lange nicht zu Worte kommen. Dann war seine nächste Frage danach, was seinen rüstigen Vater so schnell dahinge- rafft. Aber weder der Burgverwalter, noch die Diener gaben ihm eine befrie- digende Auskunft, und er verlangte, in die Gruft geführt zu werden. Man
312
=========
313
wollte ihn nicht in die Kirche treten lassen, und da man hier den Deckel des silbernen Sarges hob, war der Leichnam über und über schwarz, denn der Graf war weder in einer Fehde gefallen, noch von einer Krankheit dahin gerafft worden, sondern man hatte durch Gift seinem Leben ein Ende ge- macht. Da brach des jungen Grafen Lebenskraft zusammen. Er wollte nicht mehr auf einer Stätte weilen, wo er so viel Leid erfahren. Er ließ alles Gold und Silber und Geschmeide in dem weiten Keller des Schlosses unterbrin- gen, dann ließ er ein Gastmahl richten, und als alle vom Weine trunken waren, sperrte der Graf die Tore ab und steckte das Schloß in Brand. Aber nicht nur dieses, auch die umliegenden Waldungen, sowie das benachbarte Dorf fielen den Flammen zum Opfer. Das letztere war zu einer Wüstenei ge- worden und führte, selbst als es wieder aufgebaut worden war, noch den Namen,,Wüstung". Der Graf aber war für immer verschwunden.
Das Schloßgesinde irrte herrenlos umher und verlegte sich auf Diebereien, und in dieser Zeit mag der Weg durch den Krudumwald den Namen,,Diebs- weg" erhalten haben, den er heute noch führt.
Die Schätze im Krudum
Unter den Schatzgräbern und Metallsuchern, die den Berg durchwühlten, scheinen die Venediger die glücklichsten gewesen zu sein. Sie wußten die verborgenen Lager der Metalle und Erze nach gewissen Kennzeichen auszu- suchen, wie aus dem Buche des Josef Adagoni Pachamini aus Venedig hervorgeht:
,,Wenn du nach Dreihäuser kommst, siehst du einen großen Berg liegen. Er heißt Krudum. In diesem Berg ist ein Silbergang, einen Arm stark. Am Berge findest du mehrere Gesähe (sumpfige Stellen), die halten alle gute Gold- körner. Von diesem Berge habe ich einmal zehn Pfund Gold weggetragen. In Lauterbach frage nach Miltau (ein Dörfchen, das zwischen der genannten Stadt und Kohling lag), da ist ein Hof neben dem Busch. Gehe dort den Weg gegen Mitternacht, da siehst du wieder den Krudum. Dieser Berg sollte der Silberberg heißen wegen des Silbers. Das Dörfchen gehört dem Grafen in Falkenau und ist (wegen des Erzes des Bodens) soviel wert, daß man jedes Haus mit Silber decken könnte."
Der Tichtelhof
Einstmals hatten es die Wegelagerer ausgeforscht, daß der Herr vom Tichtel- hof, einem Rittersitze bei Schlaggenwald, sich zu einem Feste begeben hatte.
313
=========
314
Sie drangen in den Hof, plünderten ihn, erschlugen die zu Hause gebliebene Tochter, des Ritters einziges Kind, und warfen den Leichnam in einen Schacht. Dann schritten die Räuber zur Teilung ihrer Beute, gerieten dabei in Streit und Rauferei, bei der nur einer übrig blieb. Der Besitzer des Tichtel- hofes verzog sich und sein Anwesen verfiel. Der Leichnam der Ermordeten wurde später aufgefunden und bestattet, aber ihr Geist geht noch immer um. Da sie die letzte ihres Stammes war, muß sie als weiße Frau an der Stelle des Sitzes ihrer Ahnen umherwandeln bis zu ihrer Erlösungsstunde. Sie bringt niemand Schaden, führt aber jene irre, welche die in der Erde ruhen- den Schätze heben wollen. Nur einem Weibe gelang es, am Karfreitag in den offen stehenden Berg zu gelangen und eine Menge Goldes herauszutragen. Da sie aber vergessen hatte, einen geweihten Gegenstand darauf zu legen, hatte sie am andern Morgen Hobelspäne statt des Goldes in ihrer Truhe. In einer stürmischen Winternacht versanken die letzten Reste der Burg samt ihren Schätzen, und von dieser Zeit an ist es auf dem Krudum nicht geheuer.
Die weiße Frau
Es war einmal ein armes Weib, welches am Karfreitag nach dem Krudum ging, um Holz zu sammeln. Sie hatte ihr kleines Kind mitgenommen, damit es zu Hause nicht einen Schaden leide. Da sie zu einem Gestrüpp trat, sprang ein weißes, dreibeiniges Häschen heraus.
Verwundert sah das Weib dem seltsamen Tiere nach, staunte aber über alle Maßen, als sie zwischen den Bäumen ein prächtiges Haus gewahrte, in des- sen offene Türe das Häschen flüchtete. Sie trat näher und sah, daß in der Toreinfahrt Fässer und Kisten voll Gold und Silber standen. Sie gedachte ihrer bitteren Not, setzte ihr Kind auf eine der Kisten und trug Gold und Silber hinaus, so viel als jedesmal die Schürze fassen konnte.
Sie machte einen Gang noch, um den Korb bis an den Rand zu füllen. Als sie aber von demselben zurückkehrte, war das Haus samt dem Kinde ver- schwunden. Wehklagend lief sie durch den Wald, suchend zwängte sie sich durch Bäume und Hecken, das Kind war und blieb verschwunden. Sie verwünschte Gold und Silber und hätte alles hingegeben, wenn sie ihr Kind hätte wieder haben können.
Es verging ein Jahr und das hartgeprüfte Weib ging wieder einmal nach dem Krudum. Da erschien an derselben Stelle wieder das dreibeinige Häschen und da stand auch wieder das prächtige Haus. Mit klopfendem Herzen trat das Weib in das Tor und zu ihrer unaussprechlichen Freude saß ihr geliebtes Kind an der selben Stelle, an die sie es vor einem Jahr gesetzt. Das mitge-
314
=========
315
brachte Gold schüttete sie eilig in die Fässer und eilte mit ihrem Kinde da- von. Als sie aus dem Bereich des Waldes gekommen, fragte sie:,,Mein liebes Kind, wer hat dich denn genährt und gepflegt?",,Ach, Mutter", sprach das Kind,,,eine schöne weiße Frau hat mich genährt und gepflegt."
Das Krudum-Barberl
Auf der Wüstung wurde viele Jahre nach dem Verschwinden des Krudum- grafen ein Hof gebaut, welcher einem reichen Mann, dem Hofbauer gehör- te. Derselbe hatte ein einziges Kind namens Barberl. Dieses ging einmal nach dem Krudum, um Buchnüsse zu suchen. Als sie eine große Menge derselben gesammelt hatte, legte sie sich, da sie sehr müde war, in das weiche Moos und schlief da ein. Da fühlte sie sich plötzlich von einer zarten Hand berührt und da sie darüber erwachte und um sich blickte, sah sie eine schöne, weiß- gekleidete Frau vor sich und ringsum einen herrlichen Garten voll der prächtigsten Blumen und Früchte. In der Mitte des Gartens erhob sich ein plätschernder Springbrunnen und durch die Luft zogen bunte Vögel und Schmetterlinge. Barberl wußte sich vor Staunen gar nicht zu fassen. Doch die weiße Frau sprach mit milder Stimme zu ihr und gebot ihr zu folgen. Barberl ging und sah sich alle die Herrlichkeiten des Gartens an, dann kamen sie in einen Laubgang, an dessen Ende ein prächtiges Schloß stand. Es war aus weißem Marmelstein, die Tore von Elfenbein und mit goldenen Schlössern versehen, das Dach mit blinkenden Talern gedeckt, und hinter den Fenstern hingen schwere seidene Vorhänge.
Die Frau führte Barberl in das Schloß und ging mit dem Kinde von Stock- werk zu Stockwerk. Es hatte alle Furcht verloren und bat sogar seine Beglei- terin, es auch die unterirdischen Räumlichkeiten sehen zu lassen. Diese wei- gerte sich zuerst, dann gab sie nach, aber Barberl mußte feierlich verspre- chen, daß es dabei weder rede, noch lache oder weine. Dann gingen sie. Auf dem Wege steckte die Frau dem Kinde etwas in die Tasche.
Voll Erwartung trat Barberl in das erste Gewölbe, wie fühlte es sich ent- täuscht! Die Wände und die Decke waren mit schwarzem Tuche bedeckt, auf welchem silberne Sternchen schimmerten. Mitten in dem Raume aber stand ein großer, schwarzer Sarg und um denselben waren vier silberne Leuchter mit brennenden Wachskerzen aufgestellt. Die weiße Frau trat zum Sarge, kniete nieder, verhüllte ihr Angesicht und fing an herzerschütternd zu schluchzen. Barberl wußte nicht, wie ihr geschah, dann aber wurde sie von Mitleid erfaßt, vergaß ihr Versprechen und brach in lautes Weinen aus. Da tat es einen ungeheuren Knall, so daß das ganze Haus erzitterte. Barberl stürzte zu Boden, und wie sie aus ihrer Betäubung erwacht war sie allein
315
=========
316
mitten im Walde. Sie glaubte alles geträumt zu haben, als sie aber in die Tasche griff und ein großes, blankes Geldstück herauszog, das ihr die weiße Frau heimlich zugesteckt hatte, überfiel sie eine unsägliche Angst und sie lief aus Leibeskräften nach dem väterlichen Hause. Aber neuer Schrecken er- füllte sie. Die beiden Linden, die zu den Seiten des Hoftores gestanden, waren verschwunden, unter der Haustüre spielten fremde Kinder, in der Wohnstube hantierten unbekannte Menschen, und als sie rief:,,Ich bin ja das Hopfenbauer-Barberl, kennt ihr mich denn nicht?", lachten die Leute und einer sprach:,,Ei, woher kommst denn du? Dein Vater ist ja schon 15 Jahre tot und 15 Jahre zuvor habe ich den Hof von ihm gekauft; erzähle doch, wo du so lange gewesen bist, du hast dich ja viel verändert!" Da sah Barberl in den Spiegel und erblickte darin ein altes, runzeliges Gesicht. Furcht und Schrecken ergriff sie, sie floh in den Wald, baute sich da eine Hütte, lebte von Wurzeln und Schwämmen und betrat nie mehr den heimat- lichen Hof.
Die Niklaskirche
Am Fuße des Krudum und zwar auf der Mitternachtsseite desselben waren vor etwa einem Menschenalter noch die Trümmer der sogenannten Niklas- kirche sichtbar. Die Gegend wird deshalb heute noch,,am Niklas" zube-
nannt.
Wenn man vom Weinbrunnen, einer Quelle mit vorzüglichem Trinkwasser bergan schritt, gelangte man zu einem langgestreckten Mauerwerke, das gegen Sonnenaufgang abgerundet war, und von da zu den Grundmauern zweier viereckiger und eines runden Turmes. Zwischen diesen hindurch. und unterhalb des letzteren zogen guterhaltene Wälle. Der innerhalb dieser Wälle befindliche Raum wurde von Schatzgräbern eifrig durchwühlt. Vor etwa 100 Jahren hat man übrigens eine umfassende Nachgrabung vorge- nommen, die tatsächlich ein Ergebnis hatte. In einem Keller fand man einen runden Tisch aus Eichenholz mit einer in der Mitte eingesetzten Marmor- platte und darauf stand ein Kruzifix mit zwei Leuchtern, vor welchen ein Dolch lag. An der Wand kauerte ein menschliches Gerippe.
Frau Sage ist auch bezüglich dieses Ortes nicht müßig gewesen und erzählt uns davon allerlei. Schatzgräber, die sich da zu schaffen machten, wurden gerade in dem Augenblicke von einem furchtbaren Steinregen überrascht, als sie eine große Truhe aus dem Boden heben wollten. Sie mußten entlau- fen, und als sie am nächsten Morgen den Platz wieder aufsuchten, war die Grube gänzlich verschüttet.
316
=========
317
In dem ehemaligen Klosterkeller soll, wie im Krudum, eine Menge des be- sten Weines liegen, den ein Mann mit einer Kapuze hütet, der in der Mittags- stunde manchmal sichtbar wird. Holzleute und Feldarbeiter begegneten hier häufig einem Weibe in weißen Kleidern und einem weißen Kopftuch, das an einem Riemen einen Bund Schlüssel, weiters einen neuen, leeren Topf und einen neuen Löffel darin trug. Obwohl die Leute sie mehrmals anredeten, er- hielten sie nie eine deutliche Antwort und sie verschwand ihnen urplötzlich aus den Augen.
Was Schatzgräber trotz aller Mühe am Niklas nicht finden konnten, wurde anderen ohne Mühe zuteil. Ein Bäuerlein trug einen Topf voll Käse nach Falkenau zu Markte, verkaufte sie gut, und da es auf dem Rückwege müde und hungerig geworden, setzte es sich, es war gerade beim Niklas, auf einen Baumstumpf.,,Ich muß doch nachschauen", sprach der Mann zu sich,,,ob nicht einige Käse übrig geblieben sind." Und siehe da, drei derselben lagen noch auf dem Boden des Topfes. Aber die Klinge des Messers wollte durch dieselben nicht hindurch. Ganz verwundert darüber schabte er daran: es waren drei Goldstücke, die er jubelnd den Seinigen nach Hause trug.
Ein anderer Mann, ein Fleischhauer aus Birndorf, trug auch Käse zu Markte und setzte sich ebenfalls beim Niklas auf einen Stein. Da kam des Weges ein Fremder daher und bot ihm für vier Käse einen Kreuzer. Der Fleischhauer ging auf den Handel gerne ein. Da er dann seinen Weg fortsetzte und in Dreihäuser einkehrte, fand er statt der drei Kreuzer drei blanke Taler in der Westentasche. Er eilte zurück und suchte den Fremden, fand ihn jedoch nicht mehr vor.
Zwerge und Buschleute
Von der Niklaskirche bis zum Spitzberg und von da über den Krudum hin- aus bis zum Lobsbach wohnten in alten Zeiten viele Zwerge und Buschweib- chen. Sie kamen häufig mit den Menschen in Berührung, und ein Busch- weibchen wurde sogar in Birndorf heimisch. Dasselbe ging manchmal vom Hause in den Wald und verspätete sich alsdann. Stellte man es wegen des langen Ausbleibens zur Rede, so entschuldigte es sich damit, daß es im Walde habe warten müssen, bis 77 Wässerchen geflossen wären.
Ein Weib aus Altsattl ging einmal in den Birndorfer Wald und fand da ein kleines Kind. Da sie selbst keines besaß, nahm sie es mit nach Hause. Den- selben Abend noch kam ein Buschweibchen, das die Mutter des Kindes war und verlangte es zurück. Das Weib aber willigte nicht ein, und da die Frem- de unverrichteter Dinge gehen mußte, sprach sie zu dem Kind:,,Du mußt,
317
=========
318
wie du siehst, hier bleiben, sage aber niemals, wozu das große Haar auf der großen Zehe gut ist." Dann ging sie ihres Weges. Als das Weib am Morgen nach dem Kinde sah, lag es tot in seinem Bette.
Die Zwerge hielten sich zur Mittagszeit meist auf der Hohen Ruh auf, einem zwischen dem Krudum und dem Lobstal gelegenen Berg, der eben davon seinen Namen hat. Einmal ackerte der alte Marterer aus Birndorf gerade bei der Hohen Ruh und sah von derselben durch den Wald Rauch aufsteigen. Da rief er den kochenden Zwergen zu:,,Kochet auch für mich mit!" Als er nach der Mittagsruhe wieder zu seinem Pfluge kam, lag auf demselben ein prächtiger Kuchen, den er ohne weiteres anbrach und verzehrte. Ein Zwerg aber rief ihm zu:,,Das war dein Glück; denn hättest du den Kuchen nicht angerührt, so wäre es dein Verderben gewesen." Derselbe Mann sah dann zu wiederholten Malen in den Krudumwäldern aus Moos gesponnenes Garn an den Waldbäumen aufgehängt, das sicherlich den Wald- und Moosleuten gehörte.
Die Zwerge und Buschleute wohnten durch lange Jahre im besten Einver- nehmen mit den Bewohnern der umliegenden Dörfer. Als man aber anfing, die Knödel in den Topf und die Brote in den Ofen zu zählen, war ihres Ver- bleibens nicht länger, und sie beschloßen, nach dem Erzgebirge auszuwan- dern. Ihr König begab sich zu einem Fährmann namens Schreiner in Königs- wert, um mit ihm wegen der Überfahrt über die Eger zu verhandeln. Er stellte es demselben frei, einen Hut voll Taler oder von jedem Zwerg einen Heller zu verlangen. Der Fährmann wählte das erstere und fuhr nun vom frühen Morgen bis zum Abend ununterbrochen hin und her, ohne merk- würdiger Weise jemand zu sehen. Aber er nahm wahr, daß sein Kahn bei jeder Rückfahrt auffallend leichter ging.
Endlich erschien der König und sprach zu ihm:,,Habe Dank, du bist deinem Worte getreulich nachgekommen. Willst du sehen, wie viel meiner Leute du hinübergeführt hast?" Und da der Fährmann bejahte, rief der König mit hel- ler Stimme:,,Hut ab!" Da sah man die große Wiese jenseits des Flußes über und über bedeckt mit wimmelnden Zwergen, und der Fährmann merkte nun, daß er besser getan hätte, von jedem Zwerg einen Heller zu nehmen. Von dieser Zeit an hat man nie mehr auf dem Krudum und in dessen Umge- bung einen Zwerg gesehen.
318
=========
319
Auf dem Filz
Zwischen Schönfeld und Lauterbach, am Fuße des Spitzberges und des Muckenberges breitet sich ein ödes Heideland aus. Man heißt es,,auf dem Filz", da ein mächtiges Torflager sich hier vorfindet. Die Sage erzählt, daß hier einstens eine mörderische Schlacht stattgefunden und das Blut der Erschlagenen in Strömen geflossen sei. Und nicht einmal den Toten war die Ruhe beschieden. Denn ganze Scharen von Reitern ohne Köpfe haben sich hier zur Mitternachtszeit umhergetrieben. Aber auch ein kostbarer Schatz soll in der Erde ruhen. Ein Torfstecher war auf ihn gestoßen und hätte ihn leicht heben können. Aber er benützte nicht den günstigen Augenblick, und da er zurückkam, war der Schatz verschwunden.
Die Wandelhof-Sage von R. K. Schönfeld
Die folgende Erzählung erschien um das Jahr 1925 in der,,Elbogener Zeitung". Bei dem Verfasser,,R. K." handelt es sich vermutlich um Roman Kempf, den damaligen Bürgermeister von Schönfeld.
Wenn man die Bezirksstraße von Schönfeld gegen Lauterbach wandert und steigt bei dem alten Kirchlein, welches jetzt das Armenhaus von Schönfeld ist, den Berg hinan, so kommt man auf eine Hochebene. Rechts der Straße liegt ein Torfmoor, genannt der Filz; links der Straße ziehen sich die soge- nannten Wandelwiesen hin. Teils sind dieselben mit Wald bepflanzt, teils lie- fern dieselben ein geringwertiges Heu. Bei der Steinernen Marter einer Bildsäule aus alten vergangenen Zeiten - zweigt links der Straße ein Weg ab, der in die der Stadt Schönfeld gehörigen Waldungen und zum sogenannten Himmelteich führt. Etwa 400 Meter von sogenannter Bildsäule, rechts des Weges, soll vor vielen Jahren ein Hof, genannt der Wandel- oder Teufelshof, gestanden sein. Nach den dort früher vorhandenen Erdlöchern, welche jetzt nicht mehr sichtbar sind, wurde der Schluß gezogen, daß dort die Keller des genannten Hofes waren und alte Leute behaupteten, daß diese Erdlöcher die Kellereingänge gewesen wären.
Nach alten mündlichen Überlieferungen soll sich Folgendes auf diesem An- wesen zugetragen haben. Ich kann allerdings nicht mit geschichtlich festge- legten Daten hervortreten, doch will ich die alte, mir zu Gehör gekommene
319
=========
320
Geschichte einmal erzählen. Vielleicht interessiert sich doch mancher Leser für Erzählungen, die unser Heimatstädtchen aus vergangenen Zeiten betrifft. Es war in der Zeit nach dem 30jährigen Kriege. Die Menschen atmeten er- leichtert auf, als der Friede von Osnabrück geschlossen war und nach der langen Kriegszeit wieder Ruhe und Ordnung einkehren sollte. Der Prote- stantismus war in unserer Gegend während dieser Kriegsjahre eingezogen. Jedoch, da nun die Schweden von den kaiserlichen Truppen geschlagen worden waren, gewann der katholische Glaube wieder die Oberhand.
Die Zeiten waren hart für jene, welche sich nicht der Religion unterwerfen wollten. Unter vielen anderen war auch der Wandelhof-Bauer ein Prote- stant. Er war aus dem Fränkischen hier eingewandert, wie so viele andere Einwohner unseres Städtchens Franken waren. Der damals in Blüte stehen- de Zinnbergbau dürfte der Anziehungspunkt für diese Leute gewesen sein. Der Wandelhofer war ein energischer, rechtschaffener Mann und hielt auf seinem Hofe auf Zucht und Ordnung; dadurch blühte auch sein Anwesen auf, welches ihn und die Seinen redlich nährte. Früh beizeiten gings an die Arbeit und nach dem Abendläuten herrschte Ruhe im Hause. Er war auch sehr gerecht und kannte keine Ausnahme, ob seine Kinder oder seine Dienstboten es waren, wenn sie sich etwas zuschulden kommen ließen. Wandler lebte glücklich mit seiner Familie, nur sein großer Sohn machte ihm Sorgen und dieses hatte folgende Bewandtnis:
In Lauterbach lebte damals ein Gutsbesitzer, der eine bildsaubere Tochter hatte. (Es gibt heute noch in Lauterbach eine Wirtschaft, welche,,am Hofe" heißt (Am Huaf, da Huåfårå.) Dieser Hof dürfte vielleicht von dem früheren Edelhofe Ja/d/lhuåf abstammen.
Persönlich kamen der Wandelhofer und der Lauterbacher Edelhofer ganz gut miteinander aus, doch da sich nun die Verhältnisse nach dem Kriege viel geändert hatten, wurde die Freundschaft immer kühler. Der Wandelhofer blieb Protestant und der Edelhofer war Katholik, daher auch die große Kluft, nach der Meinung der beiden Alten, zwischen den Liebenden. Wandler er- mahnte seinen Sohn oft, von dieser aussichtslosen Liebe abzulassen. Doch alles war vergebens, zu tief saß dieselbe in dem Herzen des Jungen.,,Vater, ich kann ohne die Theres" - so hieß das Mädchen -,,nicht leben, ich kann nicht von ihr lassen und wenn es dich noch so sehr betrübt."
Auch Theres hatte manche bittere Stunde zu erleben, doch nützte alles nichts, sie blieb ihrem Liebsten treu. Eines Tages waren beide, des Wandlers Sohn und des Hofers Tochter, verschwunden. Man forschte überall nach ih- nen, doch niemand konnte Kunde über den Verbleib der jungen Leute brin- gen. Das gab nun freilich den beiden Alten einen Riẞ ins Herz. Theresens
320
=========
321
Vater starb aus Gram und vermachte als guter Katholik seinen ganzen Besitz teils der Kirche, teils den Armen. Auch Wandler war nicht mehr so wie frü- her, er wurde wortkarg und düster, so daß die Folge davon war, daß er den Verkehr mit den Menschen immer mehr aufgab, und gar bald hieß es bei der Bevölkerung, er hätte kein gutes Gewissen.
Trotz öfterer Mahnungen, das protestantische Bekenntnis abzulegen, blieb er seinem Glauben treu, weshalb er für einen Ketzer gehalten wurde, der mit dem Teufel im Bunde steht, so daß man seinem Hof den Namen Teufels- hof beilegte.
Wandler erfuhr von diesem albernen Geschwätz und es verdroß ihn immer mehr und mehr, daß er so verkannt wurde.
Eines Juli-Sonntagmorgens, es war gerade das Fest der ,,Egerischen" in Schönfeld, war Wandler frühzeitig aufgestanden, um nach dem Wetter zu sehen, denn die Heuernte war in vollem Gange.
Blutigrot stieg der Sonnenball über die Duppauer Berge herauf und Wandler war ganz versunken in den Zauber des herrlich schönen Morgens. Engel- haus und die ganze Umgebung wurde im Morgengrauen immer deutlicher sichtbar. Höher stieg die Sonne, die Morgenröte zerschwamm und nach der alten Bauernregel gibt es an jenem Tage Gewitter. Wandler begab sich ins Innere des Hauses, weckte seine Leute auf, und bald ging es hurtig an die Arbeit, obzwar es Sonntag war. Fuhre um Fuhre wurde unter Dach ge- bracht. Drüben neben dem Hofe am Wege gegen Schönfeld zog schon die erste Prozession mit Fähnlein singend und betend vorüber, denn es galt, der gnadenreichen Gottesmutter von Schönfeld einen Besuch abzustatten, und gewiß hatte jeder Wallfahrer einen Wunsch oder eine Bitte, welche er am Gnadenorte vorbringen wollte und von der Gottesmutter Hilfe erhoffte. Wandler kümmerte sich um diese Sache nicht, er war ja Protestant. Gegen elf Uhr Vormittag stiegen schon die ersten Gewitterwolken über dem Knockberg im Westen herauf, von weitem grollte schon der Donner und immer mehr und mehr verfinsterte sich das Firmament, bis sich gegen Mittag ein furchtbares Gewitter entlud.
Viele Wallfahrer suchten und fanden Schutz gegen das Unwetter im Wan- delhof. Unter diesen Schutzsuchenden befand sich auch ein Mönch aus dem Waldsassener Kloster. Als sich das Gewitter verzogen, machten sich die Wallfahrer wieder auf den Weg, nur der Mönch blieb noch eine Weile zurück, und es mußte zwischen Wandler und ihm eine arge Auseinanderset- zung gegeben haben.
Warum und wegen was, hat niemand erfahren. Die Zeiten wurden für Nichtkatholiken immer schwerer, so auch für den Wandelhofbauern. Er
321
=========
322
blieb wer er war, trotz aller Anfeindungen, denen er ausgesetzt war, nur ver- wandelte sich sein karges Wesen in Haß und Grimm. Er hatte keine Freude mehr, er wollte fort, weit fort von dieser Gegend, wo er als ein Geächteter leben mußte. Lieber freiwillig, wenn auch blutenden Herzens, seine Heimat, sein Anwesen verlassen, als später wie ein Lump davongejagt zu werden. Dieser Gedanke reifte in ihm. In seinem Inneren tobte und grollte es und er dachte, wenn ich mein Vaterhaus verlassen muß, soll auch keine Menschen- seele mehr darinnen wohnen. Der Entschluß war gefaßt und wurde durch- geführt.
Eines Abends hieß er seine Leute, die Wagen aus dem Schupfen holen. Alles was transportfähig war, wurde aufgeladen, die Tiere aus dem Stalle geholt und angespannt. Der Großknecht bekam den Befehl, in der Richtung Lau- terbach wegzufahren. Wandler blieb als letzter, er weinte wie ein Kind, der Abschied von seinem Hofe war gar so schwer. Ein paar Minuten und es war getan. Blutige Röte bedeckte den nächtlichen Himmel, die Flammen ver- zehrten das einst so stattliche Anwesen. Wandler wanderte fort, weit fort und niemals hatten die Leute etwas von ihm erfahren.
Viele Jahre sind in dem Strom der Zeit versunken. Vom Wandelhof ist keine Spur mehr zu sehen, und nur wer die Geschichte um den Wandelhof kann- te, wird sich bei einer Rede von den Wandelwiesen vielleicht unwillkürlich auch an den Wandelhof erinnert haben.
Auf der Scholle, wo einst eine deutsche Bauernfamilie ihr gutes Auskommen fand, wachsen heute junge Fichten und Heideblumen, und wenn im Juli die Johannesblumen blühen und wenn sie ihre gelben Blütenköpfe im Winde hin- und herwiegen, da erzählen sie sich wohl geheimnisvoll von vergange- nen Zeiten und vom Wandelhofe, der da, wo sie jetzt erblühen, vor vielen, vielen Jahren gestanden hat.
322
=========
323
Besonders nennenswerte Schönfelder
Erfolgreiche künstlerische Tätigkeit und in einem Falle ein nicht alltäglicher Lebens- bzw. Berufsweg waren bestimmend für die besondere Herausstel- lung der folgenden Männer, deren Geburtsort Schönfeld war:
Joseph Labitzky (* 1802, † 1881) Walzerkönig von Böhmen
Sein Vater kam von Breslau aus nach Petschau. Um 1800 ging er als Tuch- scherer nach Schönfeld, welches um diese Zeit als ein Zentrum des Tuch- macherhandwerks galt. Aus seiner Ehe mit Maria Anna Gerstner, einer Tischlerstochter aus Petschau, ging 1802 Joseph Labitzky hervor. Er wurde am 5. Juli im Hause Nr. 232, in der Rathausgasse, geboren.
Bereits in früher Jugend erhielt er in Petschau Musikunterricht. Mit 12 Jah- ren verlor er seine Eltern, so mußte er schon sehr zeitig seinen Lebensunter- halt selbst verdienen.
Mit 19 kam er als Musiker, unter dem damaligen Kapellmeister Schmit, zum Karlsbader Saisonorchester. Er war in dieser sogenannten Badekapelle erster Geiger. Aus dieser entstand dann im Jahre 1835 das,,Brunnenorchester", dessen Leitung man Labitzky anvertraute.
323
=========
324
Im Folgenden die weiteren Stationen und interessanten Daten aus dem Leben Labitzkys:
1821/22 spielte er bei der französischen Oper in Bern.
1824
Eheschließung mit Antonia Herget aus Petschau. Sie schenkte ihm 16 Kinder.
1825-27 In diesen Jahren gastierte er mit einem kleinen Orchester in dem neuen Gasthaus Zur Kettenbrücke" in Wien. Begegnung mit Johann Strauß-Vater und Lanner.
1
Labitzky hatte bis dahin bereits zahlreiche Kompositionen verfaßt,
es waren überwiegend Tänze und mehrere Konzertstücke.
1829/30 Gastspiel mit seinen Musikern in Warschau.
1834
1838
1849
1868
Großer Erfolg in Prag für seine Walzerreihe,,Zigeunertänze". Auf Einladung des Zaren Nikolaus I. Gastspiel mit dem Kur- orchester in Petersburg.
Konzertreise mit dem inzwischen 35 Mann starken Orchester nach Norddeutschland.
Nach fast 50jähriger Dienstzeit gab Labitzky in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen die Leitung des Orchesters ab.
Nachfolger wurde sein 1832 in Petschau geborener Sohn August Labitzky.
In all den Jahren schuf Joseph Labitzky ca. 300 musikalische Werke, die angefangen vom Walzer über Mazurkas, Galopp, bis hin zum einfachen Trinklied reichten.
Er war ein großer anerkannter Meister der leichten Muse.
Anläßlich der 125. Wiederkehr des Geburtstages Labitzkys, im Juli 1927, ehrte ihn auch die Stadtgemeinde Schönfeld durch die Anbringung einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus.
Der damalige Bürgermeister Franz Rupperth würdigte dabei die Bedeutung Labitzkys als Musiker, Komponist und Begründer des Karlsbader Kurorche- sters.
In der Gedenkfeier, die am Nachmittag im Geier-Saal stattfand, sprachen Bezirksrichter Dr. Grund und Dr. Labitzky (Urenkel ?) aus Karlsbad.
Zur Gedenktafel-Enthüllung waren zahlreiche Karlsbader erschienen.
324
=========
325
Professor Augustin Roth (* 1864, † 1952)
Er wurde in Schönfeld, im Hause Nr. 8- welches sich damals im Besitze der Familie Roth befand am 19. Juni 1864 geboren.
-
Im Alter von 14 Jahren kam er nach Wien, wo er drei Jahre später seine Malerlaufbahn begann.
1881 kam er an die Akademie zu Professor Griepenkerl.
1884 Spezialschule bei Professor Karl Leopold Müller (Historienmalerei).
1891 Roth stellt im Künstlerhaus aus.
1900 Er schließt sich dem „,Hagenbund" an, dem er bis 1924 angehört.
1925 Mitglied der,,Secession" bis zur Auflösung 1939.
1939 schließt Roth sich dem Künstlerhaus an und stellt in der Frühjahrsaus- stellung 1941 aus (Ölgemälde,,Medea").
1948 Jubiläumsausstellung,,,Heiliger Franziskus" (Ölgemälde).
Um die Jahrhundertwende begann Roth mit grafischen Arbeiten. Er schuf mehrere Radierungen und Lithographien und machte sich als Erfinder des sogenannten,,Roth'schen Verfahrens", nach dem er Handdrucke herstellte, sowie mit dem von ihm erfundenen,,Kollodiumverfahren", welches er sich ebenfalls patentieren ließ, einen Namen.
In seinen letzten Jahren beschäftigte er sich besonders mit der Vervoll- kommnung seiner,,Glas-Handdrucke".
Während des I. Weltkrieges leitete er einen Grafikkurs an der Wiener Frauenakademie, worauf er den Professortitel erhielt.
Werke von Roth erwarben die Österreichische Galerie (,,Kinderreigen" und ,,Vor dem Dorfe"), die Moderne Galerie in Prag (,,Madonna" und,,Ziegen- hirtin") und die Albertina in Wien.
Seine Lithographie,,Amazonenschlacht" erschien als Prämienblatt der,,Ge- sellschaft für vervielfältigende Kunst".
Als Zeichen seiner Verbundenheit mit seinem Geburtsort vermachte der Maler Roth dem Schönfelder Heimatmuseum zwei seiner Jugendwerke, die zu seinen Lieblingsbildern gehörten. Es waren dies die beiden Ölgemälde mit dem Titel:,,Der Wirtin Töchterlein" (1888) und,,Bildnis meiner Mutter" (1889).
325
=========
326
Willy Russ (* 1887, † 1974)
Akademischer Bildhauer und Keramiker
Als Sohn des Musikers Josef Russ und dessen Ehefrau Maria geb. Kessler wurde Willy Russ am 7. Juli 1887 in Schönfeld geboren. Nach seinem Volks- schulabschluß erhielt er mit 14 Jahren ein Stipendium aus einer Stiftung an die Stadt Schönfeld für ein Studium an der Keramischen Fachschule in Teplitz Schönau. Während seiner vierjährigen Ausbildung entdeckte er seine besondere Vorliebe am keramischen Modellieren.
Mit Direktionsunterstützung dieser Fachschule erhielt Russ ein staatliches Stipendium, welches ihn an die Kunstgewerbeschule - der späteren,,Aka- demie für angewandte Kunst" - nach Wien brachte.
--
1910 machte sich Russ selbständig. Sein erster Auftrag war das Krupp- Denkmal (Bronzebüste) in Berndorf/Niederösterreich. Zusammen mit dem Architekten Lichtblau gestaltete er in Wien, in der Wattmanstraße, eine 145 Quadratmeter große figurale Keramikfassade, die mit dem ersten Preis der Stadt ausgezeichnet wurde.
In Wien heiratete Russ auch die aus Schönfeld stammende Anna Ruppert, die ebenfalls künstlerisch begabt war und die ihren Mann in den folgenden gemeinsamen Jahren sehr oft bei seinen Arbeiten unterstützte.
Der I. Weltkrieg unterbrach seine Tätigkeit, er wurde eingezogen. Als Inva- lide kehrte er später wieder heim.
1920 übersiedelte Russ mit seiner Frau und der inzwischen geborenen Toch- ter Maria ins heimatliche Schönfeld. Im Haus Nr. 6, neben der Mautbrücke,
326
=========
327
richtete er sein Atelier ein, in dem er neben der Bildhauerei auch keramische Arbeiten ausführte. Größere Projekte zwangen ihn 1931 zu einem Umzug in das Haus Nr. 135 (Lange Gasse). Im Garten - zur Hauptstraße hin gelegen ließ Russ ein den größeren Anforderungen entsprechendes Atelier erbauen. In der Folgezeit schuf dieser Künstler eine Reihe von Werken in Stein, Kera- mik und Bronze, unter denen auch zahlreiche herausragende Arbeiten ver- treten waren.
Hierzu ein kleiner Überblick:
In unserer Heimatstadt Schönfeld befanden sich folgende Objekte:
Das Kreuz am sogenannten,,Kühbühl“.
Ein Kreuz, eine Marienstatue mit Kind sowie eine Jesusstatue mit Engelgruppe am sogenannten,,Poschetzberg".
Madonnenrelief (Keramik) am Hause Nr. 392 (Poschetz).
Das Kriegerdenkmal im Park.
Schönfelder Stadtwappen (Keramik) am Rathaus.
Außerdem ist noch sein Entwurf zum Schönfelder Aussichts- turm zu erwähnen.
Kriegerdenkmäler von Russ befanden sich in Luditz, Mies und in Lauter- bach/Stadt. Überlebensgroße Goethe-Standbilder schuf der Künstler für die Städte Marienbad und Elbogen.
Für das Volkskunde-Museum in Eger führte er einen seiner größten Aufträge aus. Es war ein Kunstwerk von besonderer Art. In dreijähriger Arbeit (1941-1943) gestaltete Willy Russ einen Kachelofen, 3 Meter lang, 1,50 Me- ter breit und 3 Meter hoch. Der,,Egerländer Ofen", wie er auch bezeichnet wird, besteht aus farbigen Keramikkacheln. Er zeigt in 16 Reliefs, 12 Trach- tenpaaren, 76 Stadtwappen und 54 alten Sinnsprüchen das Egerland, sein Brauchtum und seine Menschen auf besondere Art.
Die Reliefs bedeuten: Die Hutschenstuben, Weihnachten, das alte und das neue Jahr, die Fastnacht, Raicha-Meuja, Toten-Austragen, Osterreiten, Maibaumtanz, Johannisfeuer, der Elternsegen, der Kammerwagen, die Kindstaufe, der Ernte- wagen, der Erntekranz, die Drischellüch und die Kirchweih.
Wie viele von uns, so mußte auch Russ seine Heimat verlassen. Sein letztge- nanntes großes Kunstwerk stellten die Tschechen 1952 im Elbogener Burg- museum auf.
327
=========
328
Das Goethe-Denkmal in Marienbad von Willy Russ (1932).
Ein Meisterwerk der Keramik; der Egerländer Kachelofen von Willy Russ. Neben Bildern über das Brauchtum im Egerland zeigt dieses Kunstwerk Trachtenpaare, Stadt- wappen und Sinnsprüche aus dem Egerland (Aufnahme aus dem Burg- museum Elbogen 1965).
328
PEUTERS
=========
329
Die Tochter des Künstlers, Maria Russ, war ebenfalls bildhauerisch tätig. Das Foto zeigt eines ihrer Werke; eine Büste der Schönfelder Hand- arbeitslehrerin Erna Pensl (verehelichte Eibl).
Russ fand mit seiner Familie 1946 in Franken eine neue Heimat. Er war da- mals fast 60, als er sein Atelier, in dem er bereits anerkannte Werke geschaf- fen hatte, aufgeben mußte. In der neuen Heimat fehlten ihm die Mittel, um die Arbeit auf dem erreichten Niveau fortführen zu können. Er lebte anfangs in Irmelshausen, anschließend in Kleinbarsdorf und zuletzt in Merkershau- sen. Dort schuf er noch einige kleine Madonnen sowie Holz- und Tonreliefs. Es waren meist Motive aus dem religiösen oder auch bäuerlichen Bereich, die unter oft ungünstigen Arbeitsbedingungen entstanden.
1960 zeigte Russ auf einer Ausstellung in Schweinfurt noch einige glasierte Keramiken (,,trauriger Pierrot",,,Kruzifixus" und,,Stachelschwein") die Beach- tung fanden.
―
Am 27. Juni 1974 - im Alter von 86 Jahren nahm Willy Russ Abschied von dieser Welt, in der er in seinem letzten Lebensabschnitt nicht mehr seiner Berufung in dem Maße nachkommen konnte, wie es seine künstle- rischen Fähigkeiten verlangten.
Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Merkershausen.
In seinen Werken lebt Willy Russ weiter!
329
=========
330
Karl Wilfert (* 1847, † 1916)
Bildhauer
Es erstaunt, wenn man erfährt, daß der am 8. April 1847 in Schönfeld gebo- rene bekannte Bildhauer Karl Wilfert bis zu seinem 26. Lebensjahr als We- ber tätig war. Sein beachtliches Können erwarb er sich auf autodidaktischem Wege.
Wilfert lebte lange Zeit in Eger, wo er zahlreiche Denkmäler und dekorative Kirchenfiguren schuf, so z. B. das Adler-Denkmal in Franzensbad oder die Gruppe im Bibliotheksaal des Stiftes Tepl.
Drei seiner Werke befanden sich in der Pfarrkirche seiner Heimatstadt Schönfeld:
,,Die gnadenreiche Schönfelder Mutter Gottes in der Linde" (1897), Relief aus weißem Marmor, 62 x 70 Zentimeter (siehe hierzu Foto bei Kapitel,,Schönfelder Mutter Gottes").
Weihwasserbeckenträger,,Putto mit Muschelschale” (Marmor).
Heiliges Grab, aus schwarzem Granit gehauen, mit dazugehören- der Christusfigur.
Karl Wilfert war während der Zeit seines künstlerischen Schaffens auch als Lehrer für Modellieren an der Fachhochschule in Eger tätig.
Seine Heimatstadt Schönfeld ernannte ihn 1913 zu ihrem Ehrenbürger. Karl Wilfert verstarb 1916 in Eger.
Das Weihwasserbecken,,Putto mit Muschelschale" neben dem Seiteneingang unserer Pfarrkirche, geschaffen von Karl Wilfert.
=========
331
Karl Schiener
Dieser Sohn unserer Heimatstadt, dessen Vaterhaus (Nr. 230) auf der Neu- stadt stand, hat nichts mit den bereits in diesem Kapitel erwähnten Schönfel- der Künstlern gemeinsam, er war bestenfalls - und dies auch nur im weite- sten Sinne ein Lebenskünstler. Wenn er hier trotzdem mit erwähnt wird, so ist es sein in jener Zeit außergewöhnlicher Lebensweg, der dazu Anlaß gibt.
-
Es heißt, daß ihn sein Vater, nach einer husarenstückchenreichen Schulzeit, zu einem Kaufmann nach Teplitz in die Lehre brachte. Sein dortiger Aufent- halt war aber nur von kurzer Dauer, denn in mehreren Tagesmärschen kehrte er schon bald wieder auf Schusters Rappen in seinen Heimatort zu- rück, wo ihn sein Vater nicht gerade mit offenen Armen empfing. Er erlernte aber dennoch den Kaufmannsberuf. Nach seiner Lehrzeit ging er nach Wien, wo er einen Handelsmann aus Ägypten kennenlernte, in dessen Dien- ste er trat. Diese Tätigkeit führte ihn in das Land am Nil. Als in Alexandria die Cholera ausbrach, versuchte Schiener dieser Epidemie zu entfliehen. So schmuggelte er sich als blinder Passagier auf ein Schiff, welches ihn unge- wollt und überraschenderweise nach Shanghai – der größten Stadt Chinas - brachte. Fünf Jahre arbeitete er dort als Hafenarbeiter.
-
Um diese Zeit hatte Österreich-Ungarn in Tsingtau es liegt an der Küste der Halbinsel Schanting, die ab 1898 bis 1914 deutsches Pachtgebiet war - eine Handelsniederlassung gegründet und zu deren Schutz eine kleine Poli- zeitruppe stationiert. Schiener bewarb sich bei dieser Einheit und wurde auch aufgenommen.
Ein Urlaub brachte ihn endlich 1912, nach langer Abwesenheit, wieder in seine Vaterstadt. Mit dem Besuch dieses weitgereisten Heimatsohnes hatte Schönfeld seine Sensation. Die Wiedersehensfeiern in den Gasthäusern mit seinen ehemaligen Freunden und Kollegen - deren Zahl täglich zunahm — fanden fast kein Ende.
-
Vielleicht existiert hie und da noch ein kleines Seidentüchlein mit eingestick- tem Monogramm, welches der ,,China-Schiener", wie er allgemein genannt wurde, als Aufmerksamkeit für gute Bekannte aus jenem fernöstlichen Land mit heimbrachte.
Ähnlich wie schon mit den Wiedersehensfeiern war es auch mit den Ab- schiedsrunden, die nach knapp einjährigem Aufenthalt vor der Abreise fällig
waren.
Schiener kehrte nach Tsingtau zurück. Im ersten Weltkrieg wurde er von den Engländern interniert. Nach Kriegsende trat er die Heimreise, die über
331
========
332
Amerika führen sollte, an. Er kam jedoch nur bis Wladiwostock, wo tausen- de deutsche und österreichische Kriegsgefangene aus Sibirien ihrer Heim- reise per Schiff harrten. Hier ließ sich Schiener noch für einige Zeit als Dol- metscher nieder, bevor er über den Ural in seine Heimat zurückkehrte. Als die damalige tschechische Regierung in China eine Handelsvertretung errichten wollte, erinnerte man sich an Karl Schiener und lud ihn nach Prag ein. Als Kenner dieses Landes sollte er der Delegation als Berater dienen. So kam er ein drittes Mal nach Fernost. Da diese Anstellung jedoch nicht seinen Vorstellungen entsprach, kehrte er schon nach einem Jahr wieder heim. Seine letzte große Reise brachte ihn nach Nordamerika. Dort arbeitete er für eine amerikanische Firma. In USA heiratete Schiener eine aus Thüringen stammende Deutschamerikanerin.
Seinen Lebensabend verbrachte er in seinem Haus in Florida.
332
10.
-----------------------------------------
c-001
Chronik
der ehemals königlich freien Bergstadt Schönfeld
Teil 1
1341-1880
Gekürzte Fassung der Chronik aus dem Jahre 1934 von Pfarrer Karl Enzmann (teilweise wörtliche Wiedergabe).
Teil 2
1880-1946
Erstellt nach Unterlagen von Karl Haller und Josef Hubl (teilweise wörtliche Wiedergabe)
einschließlich Ergänzungen von Willi Bauer und dem Verfasser.
-----------------------------------------
c-002
Quellenangabe
Teil 1
Städtisches Archiv in Schönfeld
Pfarrarchiv und Pfarrchronik in Schönfeld.
Vincenz Pröckl,,,Geschichte der königlichen Bergstädte Schlaggenwald und Schönfeld". Eger, 1887 (enthält manche Irrtümer).
Dr. Anton Gnirs,,,Karlsbader Geschichtsquellen in den ältesten Ratsschriften der Stadt El- bogen". Karlsbad 1929.
Friedrich Tischer,,,Böhmisches Zinn und seine Marken". Leipzig 1928.
Bergmeister Kleophas Fischer,,,Schlaggenwalder Bergbau-, Unterthanen-, Gruben- und Werksbericht". 1819. Mitgeteilt von Dr. Anton Gnirs.
Mistopisný Slovník historický Království českého. Von August Sedlaček, Seite 865. Prag 1895; 1908.
Ottův Slovnik Naučný. Prag 1905, 23. Band, Seite 36.
Dr. Wilhelm Weizsäcker,,,Sächsisches Bergrecht in Böhmen". Reichenberg 1929 (dort sind zahlreiche andere Quellen angegeben).
Johann Thaddäus Peithner von Lichtenfels,,,Versuch über die natürliche und politische Ge- schichte der böhmischen und mährischen Bergwerke". Wien 1780, Seite 69.
Graf Kaspar von Sternberg,,,Umrisse einer Geschichte der böhmischen Bergwerke". Prag 1836. 1. Band, 1. Abteilung.
Jaroslav Schaller,,,Topographie des Königreiches Böhmen". 2. Teil, Elbogener Kreis. Prag
1785.
Johann Gottfried Sommer,,,Das Königreich Böhmen". 15. Band, Seite 265-268. Prag 1847. Dr. Ludwig Schlesinger,,,Geschichte Böhmens". Prag 1869.
Dr. Anton Podlaha,,,Libri erectionum archidioecesis Pragensis". Lib. VI, Seite 29. Prag 1927. Zemský Archiv v Praze.
Reichhaltigste Quelle: Archiv des Ministeriums des Inneren in Prag. Auszüge und wörtliche Abschriften der zahlreichen, in diesem Archiv befindlichen Urkunden, Akten und Schriften, die für jede Lokalgeschichte von höchster Bedeutung sind, wurden für Schön- feld in anstrengender, langwieriger und zeitraubender Arbeit, und zwar ganz unentgelt- lich, angefertigt durch Herrn Karl Lochner aus Schönfeld, Finanzbeamter i. R. in Prag. Die Stadtgemeinde Schönfeld ist diesem Manne für seine opferwillige Arbeit zum größten Dank verpflichtet.
Teil 2
Karl Haller,,Heimatbrief an alle Schönfelder", Beginn 1952, 34 Folgen.,,Elbogener Heimat- brief" 1961/62, 9 Folgen.
Ch 2
-----------------------------------------
c-003
Teil 1 (1341-1880)
1341 Die Brüder Slawko und Borsso von Riesenburg verleihen ihren Leu- ten zu Schönfeld am 30. 11. 1341 freies Erbrecht. 1248 ist Wilhelm von Riesenburg als Burggraf von Elbogen verzeichnet. Dem Burschen Borsso folgten im Besitze der Herrschaft Petschau mit den Bergstäd- ten die Gebrüder Slawko und Borsso von Riesenburg, welche gleich bei ihrem Antritte das hier folgende Privilegium der Stadt Schönfeld erteilten, welches in lateinischer Sprache abgefaßt ins Deutsche übersetzt lautet:
,,In Gottes Namen Amen. Wir Slawko und Borsso Gebrüder und Herrn zu Rysenburg und alle unsere Erben bekennen öffentlich an diesen Brief das wir durch Gott leutümlich unseren armen Leuten zu Schönfeld gemeiniglich und ihr Kindeskinder ewiglich solche Gnade geben, als sie vor begnad sind von unseren Eltern, daß ihre Töchter also gut Recht haben sollen als ihre Söhne. An all deme Erb und auch an alle deme Gut das sie haben oder nach irem Tode lassen innen und außen. Auch thun wir ihr die Gnade daß ihr einer dem andern ein Erbe, und auch sein Gut aufzugeben. Macht und Gewalt haben mag von unseren sonderlichen Gnaden daselbst zu Schönfeld vor unseren Richter und auch den Schöppen zu welcher Zeit und zu welcher Stund sie wollen, daran soll sie niemand hindern, daß sie in die Gnad von uns und auch von unseren Nachkömmlingen erbittlich zu einen ewigen Rechte bleibe ganz und unzubrochen des geb wir diessen Brief mit unser beiden Innsiegel die an den gegenwärtigen Brief ge- hangen sind zu eine rechten Bekenntnisse. Dabei sind gewest unser Man Kinat von Saran, Ahanna von Udritz, Herr Hildebrand von Lu- ditz und andere gute Leute. Der Brief ist gegeben zu Petschau nach Christi Geburt Eintausen drei Hundert Jahr, darnach in den ein und vierzigsten Jahr am Sct. Andreastag."
Obzwar diese Urkunde als die älteste der Stadt Schönfeld gelten muß, so ist sie doch keineswegs die erste, sondern vielmehr nur eine Bestä- tigung eines viel früheren Privilegiums nach dem Wortlaute:,,Solche Gnade geben, als sie vor begnad sind von unseren Eltern." Diese Ur-
Ch 3
-----------------------------------------
c-004
1341 kunde beweist auch, daß Schönfeld mit dem Lehensnexus-Heimfall behaftet war (Rückfall eines Gutes an den Grundherrn).
1355 Begabnus-Brief und Handveste von den Brüdern Slawko und Borsso von Riesenburg, vermög welchem der Stadt Schönfeld das Gericht, die Zinnwag und die Zinngruben zu Schönfeld und auf den Petschau- er Gründen verliehen wird, jedoch sollen von der Stadt die Zinsen und Steuern nebst anderen Abgaben wie vorher abgegeben werden.
1380 Borsso, Herr von Riesenburg, verleiht seinen Mannen und Frauen im Dorfe zu Schönfeld das Luditzer Recht.
1404 Anna, Witwe nach Borsso von Riesenburg, Herrin auf Petschau, stif- tet am 29. April einen Altaristen (Kaplan) für die Kapelle St. Katharina in Schönfeld und dotiert die Stelle mit 5 Schock Groschen.
1414 Der Priester Wenzel von Prachatitz wird am 4. August als Kaplan in Schönfeld angestellt.
1456 bestätigte Heinrich Burggraf zu Meißen, Graf von Hartenstein, der junge Herr von Plauen, dem Dorfe Schönfeld seine alten Handvesten und Privilegien und erteilt derselben neue Rechte.
1472 Heinrich der III., Burggraf zu Meißen, Graf zu Hartenstein, Herr zu Plauen, bestätigt mit Begabnusbrief, gegeben zu Petschau am Freitag, St. Jakobi-Abend, die Privilegien seines Dorfes Schönfeld.
1500 In diesem Jahre soll im Hause Nr. 264 (Zickler-Haus) schon eine Fär- berei bestanden haben. Ein Zickler aus diesem Hause wollte als Pilger nach Jerusalem wallfahrten, kam aber nur bis nach Rom, wo er er- krankte; zu Ostern war er mit den ältesten Pilgern beim Papst zur Fußwaschung zugelassen worden. Er brachte Reliquien, Bilder und einige Rezepte mit, darunter das sogenannte,,blaue Wasser" zur Hei- lung von Wunden.
1508 Schönfeld borgt sich von der Stadt Eger einen Scharfrichter aus.
1518 Hans Pflug von Rabenstein, Herr auf Petschau, leistet am Mittwoch nach dem St. Veits-Tag dem König Ladislaus den Lehenseid und nimmt von ihm die Herrschaft Petschau zu Lehen. Dazu gehörte der Ort Schönfeld, wo auf Silber und Zinn gebaut wird, mit allen Schmelzhütten und Mühlen; die Berge samt den Bergwerken und dem Silber, sowie Zinn und allen Erzen.
Ch 4
4
-----------------------------------------
c-005
Ein Stück Alt-Schönfeld. Ganz links das Schulgebäude, daneben die Kirche mit dem 1539 angebau- ten Stadtturm, in dem der Türmer seine Wohnung hatte. Rechts, mit Türmchen, das alte Rathaus. All diese Gebäude wurden 1848 beim großen Brand ein Raub der Flammen.
1519 Es ist wahrscheinlich, daß schon vor der Reformation in Schönfeld ein Pfarramt - mit einem katholischen Pfarrer - war. Laut einem im Egerer Stadtarchiv befindlichen Schreiben ersuchte Kaspar Hofmann, Pfarrer in Schönfeld, den Egerer Bürgermeister, mit einem Kürschner Wolf zu verhandeln, daß er ihm einen längst bezahlten Pelz und ein Paar Pantoffeln abliefere.
1523 Um den Bergwerksbau mit Hilfe der Wasserkraft in einem größeren Maßstab betreiben zu können, schloß Johann Pflug von Rabenstein am St. Veits-Tag einen Vertrag mit dem Abt des Stiftes Tepl, Andreas Urban, zur Herleitung der Abfallwässer aus den Teichen und Sümp- fen bei Königswart. Damit begann die Anlegung des Flößgrabens.
Um das Jahr 1523 beginnt die Protestantisierung in unserer Gegend.
1539 Anbau eines Stadtturmes an die Kirche. Der Türmer hatte dort seine Wohnung, er sollte läuten um 3 und 4 Uhr früh, 11 und 12 Uhr mit- tags, 7 und 8 Uhr abends.
1543 Ein starker Wolkenbruch richtet großen Schaden an.
Ch 5
-----------------------------------------
c-006
1547 Ab diesem Jahr wird von Königswart nach Schönfeld und Schlaggen- wald Holz geflößt.
Ch 6
Kaspar Pflug von Rabenstein befiehlt den Schlaggenwaldern und Schönfeldern, Kriegsvolk zu stellen. Er befiehlt am 1. April dem Rat in Schlaggenwald und Schönfeld, mit 50 Hackenschützen nach Schloß Königswart zu ziehen und den Kriegsknechten Wartgeld zu zahlen. Der Rat fragt an, ob auch die jungen Gesellen mitziehen sollen, in die- sem Falle sollen die nötigen Spieße zugesendet werden. Pflug be- stimmt auf Simon und Juda eine Musterung der Wehrkräfte, wobei sich alle Stadt- und Dorfinsassen einfinden sollen. Am Sonntag Judica sollen sich wegen Vorrücken feindlicher Truppen die Schlaggenwal- der und Schönfelder unter die Fähnlein stellen. Die Abhaltung des Jahrmarktes wurde abgestellt, den Viertelmeistern wurde die Kon- trolle der Wasserkraft aufgetragen, ferner von Haus zu Haus zu gehen und zu befehlen, sich bereit zu halten.
Am 11. Juli berief Kaspar Pflug von Rabenstein die Knappschaften auf das Rathaus in Schlaggenwald und erteilte Instruktionen. Es war dies seine letzte Amtshandlung als Feldherr und Grundherr der Herr- schaft Petschau und der Bergwerke. Am 14. Juli siegte die kaiserliche Armee in der Schlacht bei Mühlberg. Kaspar Pflug suchte sein Asyl in Magdeburg, um dem sicheren Tode oder ewiger Gefangenschaft zu entgehen. Er wurde der Ehre, des Lebens und Güter für verlustig er- klärt, auf seine Einlieferung ein Preis von 5000 Thalern gesetzt.
Am 31. Juli 1547 erschienen die kaiserlichen Kommissäre Ladislaus Popel von Lobkowitz und Melchior Hubecki mit einer Bedeckung von 600 Soldaten und nahmen sämtliche Pflug'schen Besitzungen, vor allem die Bergstädte Schlaggenwald und Schönfeld mit allen Berg- werken, Pochmühlen, Schmelzhütten, Vorräten, die Waldungen und Wasserbauwerke zu Handen des Königs in Beschlag. Pflugs Unter- tanen und die Bergleute mußten den Huldigungseid für König Ferdi- nand ablegen und die ihnen vorgelegten Instruktionen beschwören. Ein Inventar wurde aufgenommen und das Urbarium verfaßt. Die Herrschaft Petschau ohne Bergwerke erhielt der oberste Kanzler Heinrich V. als Pfandgut gegen Erlag eines Pfandschillings.
Eine gewaltige und bedeutungsvolle Reform ist eingetreten. In Schlaggenwald wird ein k.k. Oberbergamt mit ausgedehntem Wir- kungskreis als leitende Behörde eingesetzt. In Schönfeld wird ein k.k. Bergamt errichtet. Die Städte Schlaggenwald und Schönfeld sind in die Kategorie der k.k. Bergstädte und in deren Rechte und Gerecht-
-----------------------------------------
c-007
Der Glockenturm, erbaut um das Jahr 1560, mit dem Auf- gang zum Alten Friedhof, dem späteren Park.
1547 same eingetreten. In dieser Eigenschaft wurden die Bergstädte in un- mittelbare Unterordnung unter die böhmische Hofkammer gebracht. Die jahrhundertelange Zugehörigkeit zur Herrschaft Petschau hatte damit aufgehört.
1. September 1547: Schönfeld wird königliche Bergstadt, erhält ein eigenes Wappen und das Recht, mit rotem Wachs zu siegeln.
24. September: König Ferdinand I. bewilligt, daß alljährlich aus der Schlaggenwalder Zehentkassa 18 Gulden rheinisch zur Erhaltung der Kirche und Schule in Schönfeld gezahlt werden sollen.
Ch 7
-----------------------------------------
c-008
1550 soll eine eigene Pfarre in Schönfeld gegründet worden sein. Ein Beleg für diese Mitteilung ist nicht vorhanden.
In die Jahre 1550 bis 1750 fällt die Blüte der Zinngießerei.
1558 Erzherzog Ferdinand bewilligt der Stadt Schönfeld einen freien Wo- chenmarkt am Donnerstag, dann einen freien Jahrmarkt auf den Tag Matthäi Apostoli und einen eigenen Salzkasten.
1560 wurde die große Glocke in Pilsen gegossen.
Am 15. März bewilligte Erzherzog Ferdinand der Stadt Schönfeld den Bau einer Mühle in Tiefenbach. Noch im gleichen Jahr ließ die Stadt die,,Grundmühle" errichten.
1562 Gründung der Schuhmacherzunft (Älteste Zunft in Schönfeld).
1568 Durch kaiserliches Mandat vom 6. August wurde den Juden der Auf- enthalt in sämtlichen Bergstädten streng verboten.
1579 Am 14. März ist der Hirt, welchen der Georg Kraus erschlagen, beer- digt worden, aber ohne Schüler und Pfarrer.
In diesen Jahren war in Schönfeld ein Spital.
1585 In diesem Jahre starben in Schönfeld 104 Personen an der Pest.
1589 waren Blattern.
1590 In hiesiger Gegend trieb sich, ein vermutlich aus Kulmbach, Bayern, stammender stellungsloser Scharfrichter, namens Hans Heinl, her- um. In Karlsbad soll er einer, der Zauberei verdächtigten Frau - Ehe- weib des Hans Peterlein - ein Stück Strick von einem Gehenkten verkauft haben. Er wurde in Schönfeld wegen Diebstahl in Haft ge- nommen und der Tortur unterworfen. Diesem,,Schauspiel" müssen viele Leute beigewohnt haben. Im selben Jahre wurde Hans Heinl in Schönfeld hingerichtet. Den Scharfrichter hatten sich die Schönfelder von der Stadt Eger ausgeborgt.
1592 In diesem Jahre wurde die mittlere Glocke gegossen.
Ch 8
Eine Trauung mit Hindernissen - ein Kulturbild aus dem Ende des 16. Jahrhunderts: Zwei Liebesleute, der Fuhrknecht Georg Fischer
-----------------------------------------
c-009
Eine seltene Winteraufnahme: Das,,Gerichtsbäuml" mit Blick auf Schönfeld und die Lauterbacher Höh. Im Bereich dieser sturmzersausten Pappel soll sich früher die Hochgerichtsstätte, welche 1751 in feierlicher Weise demoliert wurde, befunden haben.
1592 und Katharina Fischer, Tochter der alten Fischerbärbel, wollten hei- raten. Sie waren aber im 3. Grade blutsverwandt, und außerdem war die Braut schon in guter Hoffnung. Diese beiden Umstände erregten gegen die beiden Brautleute in der ganzen Gemeinde großes Ärgernis; der Pfarrer wollte die Trauung nicht vornehmen, weil die Leute,,in Unehren sich zusammengefunden". Über vieles Bitten der zahlrei- chen Verwandtschaft, nach Beratung mit dem städtischen Magistrat und dem Oberbergverwalter in Schlaggenwald wurde endlich die Trauung ausnahmsweise erlaubt, aber unter erschwerten Bedingun- gen. Die Brautleute wurden vom Stadtrichter und zwei Stadtknechten in die Kirche geführt, mußten sich dort beim Taufstein aufstellen, während des Gottesdienstes dort stehen bleiben und so öffentlich Buße tun. Der Einzug in die Kirche geschah in aller Stille, also, wie es in der Trauungsmatrik heißt,,,ohne Saitenspiel". Erst am Nachmit- tag, also in der Nachmittagspredigt, wurde die Trauung in der damals protestantischen Kirche vorgenommen. So geschehen in Schönfeld am 2. Feber, laut Trauungsmatrik.
Ch 9
-----------------------------------------
c-010
1594 Beim Haus Nr. 412 - Ortsteil,,Damml"
Badstube eingerichtet und eröffnet.
wurde eine öffentliche
Am 29. Juni ertrank in der Badstube Georg Stotler, ein Jüngling aus Sangerberg.
16. April: Hans Stark, Berggesell, ohne Schüler und Pfarrer begraben; war am Ostersonntag von Matthes Neidhart in einer Rauferei er- stochen worden.
1598 Im November herrschten Pest und Blattern.
1599 Wieder trat im Herbst die Pest auf.
1601 Durch Schönfeld zogen etwa 1000 Soldaten nach Ungarn.
Im gleichen Jahr wurde von Bergleuten das Rathaus erbaut. Die Bau- kosten beliefen sich auf etwa 900 Gulden. Ein Arbeiter erhielt täglich 5 Kreuzer.
1604 Am 23. August wurde Anna Paulus vom Blitz erschlagen.
1608 3. September: Christof Walter, Fleischerkind, in den Wassertrog gefal- len und ertrunken.
1609 20. August: Baltasar Egerer vom Blitz erschlagen.
1610 Am 3. September ist Johann Schindler, ein Knabe, beim Viehhüten in einen Schacht gefallen.
Am 12. Dezember ist Marie Dick auf dem Wege von Petschau heraus erfroren.
1612 Im Winter herrschten wieder die Blattern.
1614 Mit Privileg vom 20. Feber erteilte Kaiser Matthias der Stadt Schön- feld das Recht, in allen Ausfertigungen sich k.k. freie Bergstadt nen- nen zu dürfen, d. h. frei von Kontributionen und militärischen Ein- quartierungen.
1617 3. August: Kaufbrief zwischen Schlaggenwald und Schönfeld. Schlag- genwald verkauft an Schönfeld das jus pascendi, Hutweiderecht auf den Petschauer Gründen um 2000 Gulden. Dieses Hutweiderecht auf
Ch 10
-----------------------------------------
c-011
1617 dem umfangreichen Grundkomplex ,,Blumentrieb" war begrenzt vom Kropf, Berg, Weg nach Lauterbach, Mühlbachl, Lauterbacher öde Felder und Thiergrubl.
1618 Beginn des 30jährigen Krieges.
1621 Schönfeld wird durch die Truppen des General Mannsfeld gebrand- schatzt. Kaiserliche Kommissäre machen Erhebungen, ob und wie weit Bürgermeister, Rath und Bürger sich an der Empörung gegen den Kaiser beteiligt haben, welche Unterstützung sie dem General Mannsfeld gewährten, wie sie sich gegen den Winterkönig Friedrich von der Pfalz verhalten haben.
Der bayrische General Alexander Freiherr von Grotte zieht mit Mili- tär in Schönfeld ein. Schönfeld muß 12 Gulden Kontribution zahlen.
1623 Teile des Regiments Lichtenstein kamen nach Schönfeld; die Stadt mußte Kontribution und Verpflegungskosten bezahlen.
1624 Schönfeld ist befreit von Militäreinquartierungen und Kriegsbeiträ- gen.
24. August: Auf Befehl des kaiserlichen Hauptmannes Vahel von Li- lienau wird die protestantische Kirche in Schönfeld gesperrt. Der Rat wird beauftragt, innerhalb drei Tagen die protestantischen Prädikan- ten abzuschaffen; sie dürfen nicht mehr predigen, nicht beichthören, nicht taufen, bei Verlust ihrer Habe und Güter und Leibesstrafen. Unter Strafe von 10 Gulden darf niemand eine fremde (protestan- tische) Kirche besuchen. Lilienau ordnet die Rekatholisierung von Schönfeld an.
1629 Wegen Teilnahme an der Hinrichtung von fünf kaiserlichen Soldaten mußten die Ratsherren von Schönfeld 100 Dukaten Strafe zahlen.
Schönfeld war damals wieder nach Schlaggenwald eingepfarrt. In einer Eingabe an die böhmische Hofkammer vom 4. Jänner bitten Bürgermeister, Richter und Rat in Schönfeld um Anstellung eines ei- genen Pfarrers. Es heißt in der Eingabe:,,... denn keiner auf der Welt kann anders sagen, als daß diese alte Bergstadt, die vor Schlaggenwald das Alter hat, stets mit einem eigenen Pfarrer, so die hiesige Pfarre bewohnt, versehen gewesen.
1632 Wegen Kriegsgefahr sind die Bergwerke ohne Beleg. Im Juni wird Schönfeld durch wallensteinische Truppen ausgeplündert.
Ch 11
-----------------------------------------
c-012
1634 Im November mußte Schönfeld Brot, Bier und Geld für die kaiser- lichen Truppen liefern.
1635 Wegen der großen Unsicherheit und der häufigen Plünderungen und Mißhandlungen mußten die Bewohner oft in die Wälder flüchten.
1638 Bis zu diesem Jahr hatten 52 Truppendurchmärsche den Kreis El- bogen, auch Schönfeld, schwer geschädigt.
1639 In diesem Jahre waren die Schweden in Schönfeld und brandschatz- ten die Stadt.
1645 Die Bergstädte Schlaggenwald, Schönfeld und Lauterbach, die nach alten Privilegien von Militäreinquartierung und Kontributionen be- freit waren, müssen doch durch Zahlung großer Summen nach Karls- bad für den Unterhalt der kaiserlichen Armada sorgen.
Am 8. Mai, ungefähr um ein Uhr Mitternacht, wurde Klemens Lue- ger, Bürger und Kaufmann in Schönfeld, überfallen und mit einem Holzknüttel getötet.
1649 1. Jänner: Ende des 30jährigen Krieges.
Viele Veränderungen hatten stattgefunden, nur nach und nach konn- ten sich die Bergstädte Schlaggenwald und Schönfeld erholen. Der Wohlstand der Bürger war dahin, die Stadtkassen geleert, die Stadtge- meinden mit einer ungeheuren Schuldenlast überbürdet.
1654 Nach den Verwüstungen des 30jährigen Krieges wollte die kaiserliche Regierung in Wien eine sichere Grundlage für die Besteuerung der Untertanen gewinnen. Zu diesem Zwecke ordnete sie eine Aufschrei- bung der Grundstücke nach den Kreisen und Herrschaften an. Diese Erhebung für Böhmen wurde,,Kataster von 1654", oder kurz,,Rolla" genannt.
Ch 12
In dieser werden die Einwohner mit Vor- und Zunamen angegeben, ihre Beschäftigung, ihr Grundbesitz nach,,Tagwerk" in Äckern und Wiesen, diese wieder nach Strich, Viertel, Metzen. Auch ist der Vieh- stand angegeben.
In Schönfeld gab es damals 358 Tagwerk Äcker, 190 Tagwerk
Wiesen.
Es gab: 45 Pferde, 474 Kühe, 324 Schafe, 21 Ochsen, 252 Stück Jung- vieh, 57 Schweine und 14 Ziegen.
-----------------------------------------
c-013
Das Gewerkenhaus des Huber-Hauptwerkes, an dessen Stelle sich später das Jahnheim befand. Rechts die 1680 erbaute Bergkapelle,,St. Philipp und St. Jakob". Im Hintergrund der Hohe Berg.
1656 In diesem Jahr wurde die kleine Glocke gegossen.
1658 In dieser Zeit gab es in den umliegenden Wäldern noch Wölfe, wel- che unter den Viehherden oft großen Schaden anrichteten. Die Hirten beschwerten sich, daß ihre Hunde wegen der angehängten Knüttel den Wölfen nicht widerstehen können. Über Beschluß des Rates wurde erlaubt, daß die Hunde ohne Knüttelanhängung zum Schutze der Herden verwendet werden sollen.
1663 Die Kriege gegen die Türken machten sich auch in den Bergstädten stark fühlbar durch häufige Truppendurchmärsche und Einquartie- rungen. Auch die Bergstädte mußten Leute zur Armee stellen auf Stadtkosten. Außer dem Handgeld erhielt jedermann zwei Thaler Zulage und jeder Söldner wöchentlich einen Gulden.
1680 Bau der Bergkapelle,,St. Philipp und St. Jakob" beim Huberberg- werk. Die Bergältesten von Schlaggenwald und Schönfeld erhielten in diesem Jahr vom Erzbischof in Prag die Erlaubnis, die Huber-Kapelle zu erbauen. Zu dieser Kapelle zogen alljährlich die Bergleute von Schlaggenwald und Schönfeld am 1. Mai in Prozession mit einer gro- ßen Kirchenfahne, um einem Gottesdienst, heiligen Messe und Predigt beizuwohnen.
1686 Das Verbot, daß in den Bergstädten Juden nicht über Nacht bleiben dürfen, wird kundgemacht.
Ch 13
-----------------------------------------
c-014
1693 Ein großer Zug Heuschrecken zog über Lauterbach-Schönfeld-Pet- schau-Theusing und verwüstete das Getreide. Schönfeld erlitt einen Schaden von 150 Gulden.
1701 Den Bergleuten wird aufgetragen, in der Öffentlichkeit nur im Berg- habit zu erscheinen.
1703 Im Bergwerk großer Wassereinbruch.
1706 In diesem Jahr wurde die Sterbeglocke angeschafft.
1722 Schönfeld zählte um dieses Jahr 1100 Einwohner. Der Pfarrer erhielt zu dieser Zeit von der Stadtgemeinde als Gehalt wöchentlich drei Gul- den, jeder der beiden Lehrer wöchentlich einen Gulden. Wegen der großen Armut der Stadt konnte dieses Gehalt manchmal nicht aus- bezahlt werden.
In jenen Tagen gab es in Schönfeld 109 brauberechtigte Häuser, es hätten 109 Gebräue stattfinden können, aber wegen der großen Ar- mut der Bürger konnte mancher von ihnen oft nicht brauen lassen. Es mußten sich mehrere Bürger zusammenschließen und es wurde in acht Abteilungen gebräut. Im Jahre 1721 gab es 24 Gebräue; gebraut wurden 15 viereimerige Fässer, zusammen für das ganze Jahr 360 Faß.
Die Felder wurden zweispännig, also mit zwei Stück Vieh bearbeitet. Nach einem Strich Wintersaat baute man in besserem Boden 4, im mittleren Boden 22, in schlechtem Boden 2 Mandel; ein Mandel gab 3/4 Strich Körner. Alles hier geerntete Getreide wurde im Orte ver- braucht. Die Felder, so heißt es im alten Kataster von 1722, liegen teils in der Ebene, teils auf Bergen und Hügeln; sie sind sandig und steinig, oft der Auswinterung unterworfen, ein schlechter Boden für das Korn, auch die Wiesen sind schlecht.
1742 Im Erbfolgekrieg hatte Schönfeld durch die Franzosen, welche El- bogen belagerten, viel zu leiden; Vieh, Getreide, Wertsachen wurden weggenommen. Es gab Brandschatzungen, Einquartierungen und Truppendurchmärsche.
1743 Errichtung der Ecce-Homo-Statue.
1750 Böhmen wurde in 18 Kreise eingeteilt, in Elbogen wurde ein Kreisamt eingerichtet. Von nun an hatte der direkte Verkehr aller Städte und
Ch 14
-----------------------------------------
c-015
1750 Ämter mit Prag aufgehört. Alle amtlichen Eingaben und Berichte mußten ihren Weg über das Kreisamt in Elbogen nehmen. Dort am- tierte ein Kreishauptmann mit einem Kommissär, ein Kreiskassierer und ein Kontrolleur, an welche die Steuereinnehmer im Kreise jeden Monat die k.k. Steuer, Kontributionsgelder und Landesabgaben ablie- ferten. Die hohe Gerichtsbarkeit Hochgericht, peinliches Hals-
gericht - gingen auf den Staat über. Die Hochgerichtsstätten wurden in Schönfeld und Schlaggenwald 1751 in feierlicher Weise demoliert.
1756 Siebenjähriger Krieg. Der Stadt wurden oftmals Brot- und Getreidelie- ferungen auferlegt. Die Stadt übergab meist die Lieferungen einem Händler zur Ausführung, konnte aber oft lange nicht die Rechnung bezahlen.
Die Bergämter in Schönfeld und Lauterbach werden aufgehoben und der Leitung der Schlaggenwalder Bergmeister unterstellt.
1757 Am 22. Dezember wurde in Schönfeld geboren der hochwürdigste Herr Franz Adalbert Josef Caroli, Doktor der Theologie, Generalvi- kär, Domprobst des Metropolitandomkapitels zu St. Veit in Prag, er- ster Prälat des Königreiches Böhmen, durch Gründung eines Armen- spitals ein großer Wohltäter.
Die Hubertusstockbergwerke wurden in diesem Jahr zu einem Hauptwerk vereinigt.
1760 Errichtung der großen Kapelle,,Maria-Himmelfahrt" (Kirchl.).
1761 Die Gewerke des Huber-Hauptbergwerkes mußten wegen großer Schuldenlast und geringer Ergiebigkeit den Betrieb einstellen.
1766 und auch 1767 war das Wetter sehr ungünstig; ständig anhaltende Regengüsse beeinträchtigten die Ernte sehr, und außerdem mußte viel Getreide für das Militär abgeliefert werden.
Auch im Folgejahr war eine sehr schlechte Ernte.
1770 Am 1. November war ein starkes Erdbeben, welches sich am 4. No- vember und einigen darauffolgenden Tagen wiederholte.
Befreiung des Bergvolkes von der Rekrutierung wurde bestätigt.
1771 Ein Hungerjahr, der Winter 70/71 brachte sehr viel Schnee. Im März 1771 war noch so starker Frost, daß Vögel scharenweise tot aufgefun- den wurden. Das Getreide winterte aus; das wenige, welches noch
Ch 15
-----------------------------------------
c-016
1771 auf den Feldern stand, wurde im Sommer durch starke Regengüsse weggeschwemmt.
1772 Dieses Jahr war ein Hungerjahr, wie das vorige. Viele Bürger wurden in Not und Elend gestürzt. Es herrschte Teuerung und Hungersnot. Die Leute nahmen Zuflucht zu den schlechtesten Nahrungsmitteln. Man kochte Gras oder Runkelrüben, aus Eicheln wurde Mehl ge- mahlen, Häcksel im Ofen getrocknet und daraus Brot bereitet; von den Bäumen wurde Rinde abgeschabt und gegessen. Kaiser Josef II. kam nach Böhmen und bereiste das Land, um sich von der großen Not zu überzeugen. Er verteilte große Summen, ließ Leinwand ein- kaufen und verteilen. Die Ausfuhr von Getreide wurde verboten, die Zufuhr von Getreide aus Ungarn wurde angeordnet. Die große Not hatte zur Folge, daß die bis jetzt verachteten Erdäpfel angepflanzt wurden. Schon lange hatte man zur Anpflanzung derselben ange- eifert, aber bis jetzt zu den Hungerjahren ohne Erfolg. Auch in Schön- feld wurden die Kartoffeln nach diesen Jahren eingeführt, aber wahr- scheinlich ging diese Einführung langsam vor sich. Im Josefinischen Grundkataster, das im Stadtarchiv im Original vorhanden, stammend aus dem Jahre 1785, ist genau das Ausmaß der einzelnen Besitzungen, Anbau und Ernte von Getreide, Heu und Hafer, auch Hopfenpflan- zungen, angegeben, aber noch keine Kartoffeln. Erst 1796 ist ein Kartoffelfeld in einem Aktenstück erwähnt.
1774 In diesem Jahr gab es in Schönfeld: 7 Pferde, 7 Ochsen, 178 Kühe, 32 Ziegen.
1775 Wie in anderen Gemeinden, so bestanden auch in Schönfeld in frühe-
Ch 16
ren Zeiten die Zünfte, z. B. die Zunft der Schuhmacher, der Zinngie- ßer u. a. Wenn ein Zunftmitglied starb, so stellte die betreffende Zunft unentgeltlich die Leichenträger, das Sargtuch, die Leuchter und Ker- zen bei und ließ ein Requiem oder hl. Messe halten.
Nun gab es in Schönfeld Handwerker, wie z. B. Gerber, Färber, Handschuhmacher und andere, die nur in geringer Zahl vertreten und in keine Zunft eingegliedert waren. Wenn jemand von diesen Leuten starb, so mußte in einem solchen Falle von den Angehörigen irgendeine Zunft um die Beistellung der Leichenträger, der Leuchter und Kerzen bittlich angegangen werden, wofür der betreffenden Zunft ziemlich hohe Gebühren, oder, wie die Chronik sagt, unver- schämte Preise bezahlt werden mußten. Aus diesem Grunde, um also von den Zünften nicht abhängig zu sein, schlossen sich im Jahre 1775 die sogenannten,,Unzünftigen" zu einer Vereinigung,,,Konföderier-
-----------------------------------------
c-017
1775 te" genannt, zusammen, mit der Verpflichtung, einander unentgelt- lich zu Grabe zu tragen. Als Eintrittsgeld mußten 3 Gulden Konven- tionsmünze bezahlt werden, außerdem wurde ein Jahresbeitrag erho- ben.
1783 In diesem Jahr vernichtete ein fürchterlicher Hagelschlag alle Feld- früchte, die Fluren waren spannenhoch mit Eis bedeckt.
1787 In diesem Jahre wollte ein gewisser Franz Haberdietzl mit Konsorten aus Schönfeld im Hause Nr. 27 (Gabriel-Hof/Hofgasse) Steingut oder Porzellan erzeugen. Weil es aber beim ersten Anschüren aus dem Rauchfang brannte, entstand Feuerlärm und die Unternehmer wur- den vertrieben. Sie zogen in die Zech und kauften dort den sogenann- ten Sichelhammer, woraus die Porzellanfabrik entstand.
In diesem Jahre wurde der Hochaltar in der Pfarrkirche ganz neu her- gestellt. Der obere Teil auf Kosten des P. Pleyer, Exjesuit, der untere Teil von den Egerischen Wallfahrern. Der alte Hochaltar kam nach Elbogen in die Totenkirche.
1790 Am 5. Juli wurde Schönfeld von einem furchtbaren Hagelschlag heimgesucht. Zahlreiche Fensterscheiben wurden eingeschlagen, Dä- cher abgedeckt und stückweise fortgeschleudert. Im Gemeindewald wurden gegen 300 Bäume entwurzelt.
1796 In diesem Jahre gab es in Schönfeld 139 Schafwollspinner, 38 Baum- wollspinner, 23 Flachsspinner.
Das Brauwesen in Schönfeld war zuerst Eigentum der brauberechtig- ten Bürgerschaft gewesen. Allmählich nahm es der Magistrat in Be- sitz. Die früheren vier Bürgermeister und die Ratsmitglieder brauten sich Lagerbier, schenkten es aus und hatten allein den Nutzen. Im Jahre 1796 erhob sich ein Streit über das Brauwesen zwischen dem Magistrat und der brauberechtigten Bürgerschaft. Eine kreisamtliche Kommission erschien und untersuchte die wechselseitigen Ansprü- che. Am 1. August erfolgte die Entscheidung des Landesguberniums in Prag. Der Magistrat wurde mit seinen Ansprüchen abgewiesen, das Brauwesen wurde als Eigentum der brauberechtigten Bürgerschaft anerkannt.
1797 Im Rathaustürmchen befand sich ein Glöckchen,,,Steuerglocke" ge- nannt; durch ein Zeichen mit dieser Glocke erfolgte die Mahnung an die Steuerpflichtigen, zur Steuerzahlung zu erscheinen.
Ch 17
-----------------------------------------
c-018
Die,,Hl. Dreifaltigkeit" am oberen Marktplatz.
Brandt of
1800 In diesem Jahre wurden am Marktplatz Alleebäume gepflanzt, und zwar von den Hausbesitzern selbst. Die Bäume - Kastanien - wur- den aus Königswart und Waldsassen bezogen, per Stück einen Gul- den. (Anm. d. Verf.: Die Pflanzung erfolgte mit Sicherheit erst nach dem großen Brand [1848], vermutlich 1880 oder kurz danach.)
1803 In diesem Jahre zählte Schönfeld 323 Hausnummern. Die Stadt war in vier Stadtviertel eingeteilt.
1806 Errichtung der,,Dreifaltigkeit" am oberen Marktplatz. Die Statuen- gruppe, gestiftet von der Familie Zickler aus Schönfeld, war ein Werk des Bildhauers Wild aus Eger (siehe obige Zeichnung).
Ch 18
-----------------------------------------
c-019
1810 An die Staatskassa mußte alles Silber und alle Schmucksachen abge- liefert werden.
1811 Am 8. März wurde das Finanzpatent erlassen, wodurch das Geld ge- waltig an Wert verlor (5:1). Schuld daran waren die Kriege mit Frank- reich.
1816 Dieses und auch das Vorjahr war gezeichnet von sehr naẞkalter Wit- terung. Es gab zwar viel Gras und Stroh, aber sehr wenig Getreide; die Ahren waren meist körnerlos. Erdäpfel wuchsen fast keine. Es entstand große Teuerung und Hungersnot. Man verwendete zum Essen Gras, welches mit Kleie und Mehl vermengt war.
Im Herbst 1817 gab es wieder eine gute Ernte.
1819 Laut Beschluß der Zinngießerzunft vom 27. Juni durften in die Zunft nur Meistersöhne als Lehrlinge aufgenommen werden.
1830 Erste Kaiser-Geburtstagsfeier in Schönfeld. Sie wurde aufs feierlich- ste, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, abgehalten.
In diesem Jahre gab es in Schönfeld noch in 22 Häusern hölzerne Rauchfänge.
Am 30. Dezember: In einer gemeinsamen Eingabe an den Magistrat von Schönfeld als Polizei- und Gerichtsbehörde beschwerten sich die Handelsleute, Tuchmacher und Weber in Schönfeld über die große Schädigung, welche ihnen im Orte durch hausierende Juden, beson- ders aus der großen Judengemeinde in Petschau, bereitet wurde. In der Eingabe wurde auf Gesetze hingewiesen, die bis in das Jahr 1568 zurückreichten und in denen den Juden der Zutritt in sämtliche Berg- städte untersagt war.
Der Magistrat gab der Polizei den strengen Auftrag, dafür zu sorgen, daß kein jüdischer Hausierer geduldet werde.
Bierausschank 1825/1830: Laut Beschlusses der brauberechtigten Bürgerschaft vom 3. Juli 1825 hatte jeder brauberechtigte Bürger das Recht, viermal im Jahr zu brauen, das auf seinen Anteil entfallende Bier einzuschroten und selbst auszuschenken.
Außer der Rathausschenke sollten nicht mehr als vier Bierschenken geduldet werden. Infolge dieses Beschlusses erlitten die Gastwirte Schaden. Der Rathauspächter Josef Anton Gareiß legte daher beim Magistrat Beschwerde ein. Es wurde nun den brauberechtigten Bür-
Ch 19
-----------------------------------------
c-020
1830 gern streng verboten, Bier in ihrem Hause auszuschenken. Diese Be- fugnis stehe nur den Gastwirten zu, weil sie Erwerbsteuer bezahlen.
1831 In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober wurde im Rathaus ein ge- waltsamer Einbruch verübt und hierbei aus der gerichtlichen Depo- sitenkassa ein Betrag von 172 Gulden, 542 Kreuzer entwendet. Über Auftrag des k.k. Kreisamtes Elbogen mußte der Betrag ersetzt werden.
Am Dreikönigstag war ein Nordlicht zu sehen.
1834 Gründungsjahr des Theaterdilettantenvereins.
Im Winter herrschten heftige Stürme. In den Wäldern wurde großer Schaden angerichtet, vom Stadtturm wurde der zinnerne Turmkopf abgebogen.
1835 Am 11. Oktober wurde der Halleysche Komet beobachtet.
Ch 20
Die Stadtgemeinde hatte in diesem Jahr folgenden Besitz: Ein Rathaus samt Bierschank und Brotbank, Bräuhaus, Malzhaus, Grundmühle, Fleischbank, Frohnfeste, Glockenturm samt Glocken, Stadtturm, Feuerrequisitengebäude, Gemeindehaus mit 3 Joch 1386 Klafter Feld und 6 Joch 1546 Klafter Wiesen, Gemeindewaldung mit 96 Joch 1460 Klafter, alles zusammen im Schätzwert von beiläufig 10 151 Gulden 50 Kreuzer.
Die jährlichen Einnahmen beliefen sich auf durchschnittlich 2114 Gulden 28 Kreuzer, die jährlichen Ausgaben auf zirka 2028 Gulden. Der Pfarrer erhielt damals von der Stadtgemeinde jährlich 38 Klafter weiches Holz und 2 Klafter hartes Holz als Deputat. Ferner (in Geld- entschädigung) ein Osterlamm und 8 Pfund Karpfen. An jährlichen Gehältern wurden bezahlt dem:
Magistratsrat
Magistratskanzelisten
Gerichtsdiener
Pfarrer
1. Lehrer
2. Lehrer
3. Lehrer
Stadttürmer Stadtwundarzt
400 Gulden
180 Gulden
60 Gulden
168 Gulden 13 Kreuzer
36 Gulden 24 Kreuzer
29 Gulden 7 Kreuzer 13 Gulden 59 Kreuzer 34 Gulden 14 Kreuzer 20 Gulden
-----------------------------------------
c-021
den beiden Hebammen je Polizeiaufseher
Röhrenbohrer und
Wasserwärter
Riemenmeister
Postboten
Nachtwächter
Rauchfangkehrer
5 Gulden
1 Gulden 48 Kreuzer
60 Gulden
1 Gulden 48 Kreuzer
8 Gulden
31 Gulden 12 Kreuzer
3 Gulden
An einige der genannten Angestellten wurde noch Deputatholz zwi- schen 3 und 10 Klafter gegeben.
In dieser Zeit kostete 1 Klafter Brennholz samt Schlag- und Fuhrlohn 4 Gulden.
Seit ungefähr 1812 wurde auch die Feuerung mit Kohle üblich und war 1834 ziemlich allgemein gebräuchlich. Ein Strich Kohlen kostete bis an Ort und Stelle 15 Kreuzer; sie wurden meist aus Grünlas bezo- gen. Für die ärmere Bevölkerung war die Kohle eine große Wohltat, da Holz verhältnismäßig teuer und oft nur schwer, wegen Waldver- wüstung, zu bekommen war.
Die früher sehr dichten Waldungen waren durch den Holzbedarf der Bergwerke stark ausgeraubt, für Kultivierung wurde wenig gesorgt. Erst ab 1820 wandte man der Pflege der Wälder große Aufmerksam- keit zu.
1836 Ein Preisverzeichnis aus jenem Jahre.
Damals kostete in Schönfeld: 1 Strich Weizen 6 Gulden, 1 Strich Korn 3 Gulden 36 Kreuzer, 1 Strich Gerste 3 Gulden, 1 Strich Hafer 2 Gul- den 24 Kreuzer, 1 Strich Kartoffeln 2 Gulden, 1 Zentner Heu 1 Gul- den 45 Kreuzer, 1 Pfund Rindfleisch 6 Kreuzer, 1 Pfund Lammfleisch 8 Kreuzer, 1 Pfund Kalbfleisch 5 Kreuzer, 1 Pfund Schweinefleisch 10 Kreuzer, 1 Hühnerei 2 Kreuzer, 1 Maß Bier 4 1/2 Kreuzer, 1 Pfund fri- sche Butter 16 Kreuzer, 1 Paar Stiefel von Kalbsleder 4 Gulden, 1000 Maurerziegel 10 Gulden.
Ein Maurer oder Zimmermann erhielt als Arbeitslohn täglich 18 Kreuzer.
1837 In diesem Jahre wurde in der Vorlaube der Pfarrkirche durch Herrn Josef Zickler, Kaufmann in Schönfeld, und mehreren anderen Wohl- tätern der Ölberg errichtet. Kosten 137 Gulden.
Ch 21
-----------------------------------------
c-022
1839 Seit diesem Jahre bestand in Schönfeld ein Verschönerungs- und ein Beleuchtungsfond. Zweck dieser Fonde war, Geldmittel aufzubringen für Gebäudeverschönerung und eine Gassenbeleuchtung zu schaf- fen. Bei einer Revision der Gemeinderechnungsführung durch das Kreisamt in Elbogen kam die Behörde darauf, daß diese beiden Fonde ohne staatliche Bewilligung gegründet worden waren; es wurde da- her ihre weitere Tätigkeit eingestellt. Die vorhandenen Gelder wurden für Pflasterarbeiten verwendet.
Am 1. Juni ergoß sich über Schönfeld ein gewaltiger Wolkenbruch, welcher großen Schaden verursachte. Die erst ein Jahr vorher ausge- besserte Straße nach Lauterbach wurde stark beschädigt, die an der- selben liegenden Wiesen und Felder verwüstet. In der Stadt drang das Wasser in viele Häuser ein. Fast alle Brücken wurden zerstört und mußten neu gebaut werden.
Eine Woche darauf, es war in einer stürmischen Nacht, drangen Diebe in das Pfarrhaus ein.
Am Marktplatz wurde ein steinerner Wasserbehälter aufgestellt.
1841 Am 8. Mai war ein sehr heißer Tag, nachmittags war ein furchtbares Gewitter und ein gewaltiger Hagelschlag, welcher großen Schaden auf den Feldern und an den Häusern anrichtete.
1842 In der Frohnfeste wurde ein Arrest gebaut.
In diesem Jahre herrschte eine gewaltige Dürre, so daß großer Wasser- und Futtermangel eintrat. Im Ort standen alle Mühlen still.
1846 Im Februar wurde die Strecke Schlaggenwald-Schönfeld-Petschau der neu zu erbauenden Staatsstraße ausgesteckt.
1847 Verkauf der,,Grundmühle" an Josef Lugner aus Tiefenbach. Seit die- ser Zeit ist diese Mühle aus dem Schönfelder Kataster ausgeschieden.
1848 Der große Brand in Schönfeld am 7. Juli. Binnen drei Stunden wurden 230 Wohn- und Nebengebäude ein Raub der Flammen. Der angerich- tete Schaden wurde auf 600 000 Gulden geschätzt.
Ch 22
In diesem und den folgenden Jahren wurde die durch Schönfeld füh- rende Staatsstraße von Wodnian nach Graßlitz gebaut; Schönfeld
-----------------------------------------
c-023
1848 hatte hierzu erhebliche Beiträge zu leisten. Es ist vermerkt, daß sich bei den Häusern Nr. 58 und 59 - wo die Straße verläuft - ein Bergl befand, der sogenannte,,Dammbecknberg". Er wurde im Zuge der Erbauung der Kaiserstraße abgetragen.
1849 Ein neuer Ziegelofen mit einem Fassungsvermögen von 15000 Zie- geln sollte laut Beschluß der Stadtvertretung bei der Gemeindeziegel- hütte erbaut werden.
Im Winter waren heftige Sturmwinde; der mit einem Notdach ver- sehene Stadtturm wurde abgedeckt.
1850 In diesem Jahre geschah eine bedeutungsvolle Änderung in der Ver- waltung der Gemeinde. Mit k.k. Statthaltereiverordnung vom 29. De- zember 1849 wurde mit Beginn vom 18. Februar 1850 der bisher be- stehende Magistrat aufgehoben, der Gemeinde die Gerichtsbarkeit und ein bedeutender Teil der politischen Tätigkeit genommen. Schönfeld wurde der Bezirkshauptmannschaft Falkenau zugeteilt.
Am 20. Mai begann die Gendarmerie ihre Wirksamkeit.
Es wurde ein Unternehmen für Kammgarnspinnerei gegründet.
In den ersten Maitagen herrschte strenge Kälte mit starken Schnee- fällen.
In unserer Gegend wütete das Nervenfieber, eingeschleppt vermut- lich durch das hier einquartierte Militär, dessen Mannschaft meist Italiener waren.
Am 15. Juli, früh um 3.30 Uhr, war hier ein starkes Erdbeben.
In den Jahren 1850/52 erfolgte die Neuaufforstung am Brandhau.
1851 Laut staatlicher Verordnung wurden alle bestehenden Zünfte als auf- gehoben erklärt.
1852 22. Mai: Grundsteinlegung zum Bau des Rathauses.
1853 Bau der Straße nach Lauterbach, von der Steinernen Marter bis zur
Grenzsäule, 681 1/2 Klafter lang.
Ch 23
-----------------------------------------
c-024
Das neue Rathaus,
erbaut im Jahre 1852.
1854 Bau des zweiten Teilstückes von der Steinernen Marter bis in die Stadt Schönfeld. Länge 652 Klafter.
Gesamtkosten 1788 Gulden. In den ersten Jahren wurde Maut einge- hoben, und zwar im Hause Nr. 309 (Gebhart).
Im Rathausturm wird eine Turmuhr aufgestellt.
1855 Die Statthalterei in Prag bewilligt der Stadt Schönfeld die monatliche Abhaltung eines Viehmarktes. Pro Markt mußte eine Taxe von 30 Gulden bezahlt werden. Da sich die Sache nicht rentierte, weil diese Märkte schlecht besucht waren, wurde ab Juni 1857 jährlich nur noch ein Viehmarkt abgehalten, und zwar am 2. Donnerstag im April.
Ch 24
In den Jahren 1852 bis 1855 wanderten mehrere Familien und ein- zelne Personen nach Amerika aus.
-----------------------------------------
c-025
Die St. Katharina-Kirche (Südost-Ansicht).
1856 Bewilligung zum Neubau der Pfarrkirche durch das Kultusministe- rium in Wien.
Letzter Gottesdienst am 26. Mai in der alten Kirchenruine.
1859 Gemäß eines Privilegs von Kaiser Ferdinand I. aus dem Jahre 1558 hatte Schönfeld das Recht, jeden Donnerstag einen Wochenmarkt zu halten. Laut eines Berichtes an das Kreisamt in Elbogen wurde dieser Markt noch 1859 abgehalten.
Am 2. Oktober wurde die neuerbaute Pfarrkirche in höchst feier- licher Weise eingeweiht.
1860 In der neuen Kirche wurde am 21. Oktober, Kirchweihsonntag, zum erstenmal die neue Orgel gespielt.
In diesem Jahre erlitten die Landwirte in unserem Ort großen Scha- den durch Hagelschlag. Zur teilweisen Entschädigung wurde der fünfte Teil der Steuer nachgelassen.
Ch 25
-----------------------------------------
c-026
-----
-----------------------------------------
c-027
1861 In den ersten Wochen dieses Jahres wurde durch einen furchtbaren nächtlichen Sturm die letzte der beim Glockenturm stehenden alten Linden entwurzelt. Diese Linde hatte bei dem großen Brand im Jahre 1848 den Glockenturm und die Glocken vor der Vernichtung durch das Feuer bewahrt.
1863 Ein sehr harter Winter.
1864 Im Juni herrschte große Kälte. Am 2. Juli und am 10. August schneite
es.
1866 Nach Beendigung des Krieges zog preußisches Militär aller Waffen- gattungen durch Schönfeld. Vom 23. August bis 7. September waren Offiziere in der Pfarrwohnung einquartiert.
In diesem Jahre wurden vom Theaterdilettantenverein die 14 Kreuz- wegstationen für die Kirche gestiftet.
1867 Beginn der Porzellanmalerei in Schönfeld.
1868 Der Bau des neuen Pfarrhauses wurde vom staatlichen Patronat be- willigt und an den Baumeister Schmidt in Petschau vergeben.
1870 Aufstellung einer Fleischkramstelle bei der städtischen Fleischbank.
1874 In diesem Jahre trat eine allgemeine Stockung aller Geschäfte ein, so daß die Zeugmacher und Weber ohne Arbeit waren; viele Leute muß- ten auswärts Arbeit suchen.
1880 ist das Abschlußjahr der ,,Enzmann-Chronik". Einziger Vermerk in diesem Jahr: 14 Trauungen, 125 Geburten, 83 Sterbefälle.
Es ist nachzutragen, daß Angaben über Trauungen, Geburten und Sterbefälle in der Chronik erstmals 1584 vermerkt sind.
Des öfteren findet man die Eintragung,,ein Bergmann tödlich verun- glückt". Die erste Information über ein solch trauriges Ereignis stammt aus dem Jahr 1577.
Der Schönfelder Marktplatz um 1870. Noch fehlt die Kastanienallee, die später das Bild in diesem Bereich sehr positiv beeinflußte. Rechts, gut erkennbar, ein steinerner Wasserbehälter, der 1839 aufgestellt wurde (später befand sich an dieser Stelle das Waaghäusl). Dahinter das Geier-Haus, es brannte 1916 nieder und wurde in anderer Form wieder neu aufgebaut.
Ch 27
-----------------------------------------
c-028
-------blank
-----------------------------------------
c-029
Teil 2 (1880-1946)
1880 Gründung der Schuhmachergenossenschaft. Diese Genossenschaft brachte ihren Mitgliedern außer anderen Vorteilen auch die Heeres- lieferungen im ersten Weltkrieg, sowie auch die in den 1930er Jahren erfolgten an die tschechische Armee.
1883 In diesem Jahre wurde die im Jahre 1867 gegründete Porzellanmale- rei Spinner zu einer Porzellanfabrik erweitert. Die Fabrik beschäftigte damals rund 60 Mitarbeiter.
1885 Gründung des Arbeiter-Lesevereins.
Seiner politischen und sozialen Einstellung nach bedeutete seine Tätigkeit das erste Aufleben des Sozialismus in der Stadt Schönfeld.
1886 Gründung des ,,Deutschen Turnvereins Schönfeld". Seit 1869 hatte ein Turn-Feuerwehr-Verein bestanden, wobei innerhalb der Feuer- wehr eine Turnerriege bestand. In diesem Jahr trennten sich die Tur- ner von der Feuerwehr und gründeten unter völkischer Einstellung einen eigenen Verein.
1. September: Das Postamt erhält auch ein Telegraphenamt.
1893 Große Hitze und Wassermangel. Den ganzen Sommer über regnete es nicht, die Grasnarbe der Wiesen brannte aus, die Feldfrüchte ver- dorrten. Eine Mißernte und Futtermangel in einem bisher nicht erleb- ten Ausmaße waren die Folge. Die Leute mußten zu lächerlich gerin- gen Preisen das Vieh verkaufen, um es nicht verhungern lassen zu müssen.
1896 Am 29. Juli wurde bei einem schweren Gewitter mit heftigem Sturm das Dach des,,Neuen Grabenhäusl" abgehoben und über die Straße in das gegenüberliegende Feld getragen.
Ch 29
-----------------------------------------
c-030
1896 Um die Jahrhundertwende herrschte im Gegensatz zu den folgenden Jahrzehnten noch ein reges Erwerbsleben. Außer dem Bergwerk, mit dem das Wohl und Wehe Schönfelds von jeher eng verbunden war, gab es eine Anzahl von Betrieben, die bis zu 100 Personen beschäftig- ten. Da war auf der Hub die Kammgarnspinnerei Josef Ruß mit etwa 90 Arbeitern und Angestellten, die Steinnuß-Knopffabrik,,Schwarz und Rosenthal" mit 80 Arbeitern und Arbeiterinnen, die Töpferei Schöllhorn und die zwar schon nach Schlaggenwald gehörende, aber auch zur Hälfte Schönfelder Arbeiter beschäftigende Kokosfaser- Weberei Ulbrich. Im Orte selbst waren drei Porzellanmalereien Spinner, Rau und Schmieger - mit zusammen etwa 130 Beschäftig-
ten.
Unter den zahlreich vertretenen Handwerkern gab es u. a. noch an die 60 Schuhmachermeister, die mit ihren Gesellen und Lehrlingen jahrein, jahraus Schaftstiefel, Halbstiefel, Schuhe, Stiefeletten und Le- derpantoffel herstellten und diese zum größten Teil auf den näheren und weiteren Jahrmärkten verkauften. Die,,Schöi(n)fella Schousta u Schtiefl" waren in den ländlichen Gegenden von Eger bis Komotau und von Graslitz und Neudeck bis Plan und Tachau überall gut be- kannt und gefragt. Auch die Lohgerber, Zinngießer, Dosenmacher und andere handwerkliche Berufe erfreuten sich noch einer dauern- den Arbeits- und Absatzmöglichkeit.
Mädchen und Frauen fanden Verdienst durch Heimarbeit in der Borten- und Perlnäherei (Gurlnäherei). Die wirkungsvoll ausgeführ- ten Borten- und Perlmotive fanden in der damaligen Zeit als Kleider- putz guten Absatz. Wenn auch die Löhne der Arbeiter und die Ent- lohnung für Heimarbeit zu jener Zeit nicht hoch waren, so reichte der Verdienst doch aus, daß die Familie ihr Auskommen hatte.
1901 Am 18. August wurde der an der Petschauer Straße neu angelegte Friedhof durch Pfarrer Zika in feierlicher Weise eingeweiht. Der erste hier Bestattete war der Gemeindepolizist Egerer.
1902 Im Jänner wurde durch Mag. pharm. Josef Jaskywicz die erste öffent- liche Apotheke in Schönfeld eröffnet. Vorher hatte der jeweilige Stadtarzt eine Hausapotheke geführt.
Ch 30
Am 1. April wurde die,,Städtische Sparkasse" eröffnet.
In diesem Jahr wurde von der Gemeinde die städtische Brücken- waage (Waaghäusl) errichtet. Kosten 1400 Kronen.
-----------------------------------------
c-031
Schönfeld. Marktplatz.
Unterer Teil des Marktplatzes (um 1920). Links die Statue des Hl. Antonius, rechts dahinter das Waaghäusl. Weiter oberhalb die Gerstner-Brücke, und ganz oben ragt der Glockenturm über die Dächer. Am rechten Bildrand das Konderer-Haus.
Oberer Teil des Marktplatzes (um 1910). Im Vordergrund rechts die Statue des Hl. Florian, errichtet 1809. Ganz oben: Kirche, Pfarrei und Rathaus.
Ch 31
-----------------------------------------
c-032
1903 Im Oktober Brand in der Kammgarnspinnerei Ruß auf der Hub. Nur das Maschinenhaus und das Magazin blieben von den Flammen ver- schont. Da die Spinnerei nicht wieder errichtet wurde und andere Erwerbsmöglichkeiten fehlten, wanderte der größte Teil der Spin- nerei-Facharbeiter mit ihren Familien nach Zwodau, Neudeck und Delmenhorst ab.
1904 Der,,Landwirtschaftliche Verein" wurde gegründet.
Auflösung des Arbeiter-Lesevereins.
Der Sommer dieses Jahres war von einer langandauernden Hitze- und Trockenperiode begleitet, die den sogenannten Hungerstein in der Elbe bei Aussig für längere Zeit sichtbar werden ließ und bei uns u. a. auch den Ebmetteich total austrocknete.
Von den Belangen der Arbeiterschaft aus gesehen, stand Schönfeld im Jahre 1904 an der Schwelle einer neuen Epoche.
Zu dem Verlust von rund 100 Arbeitsplätzen durch die ein Jahr vor- her abgebrannte und nicht mehr in Betrieb genommene Kammgarn- spinnerei des Josef Ruß kam in diesem Jahre durch die Betriebsein- stellung der Knopffabrik ein weiterer Verlust von wiederum rund 100 Arbeitsplätzen nebst einer Anzahl damit verbundener Heimarbeits- möglichkeiten. Diese rund 200 verlorenen Arbeitsplätze stellten da- mals nahezu den Gesamtverlust aller in Schönfeld vorhanden gewe- senen industriellen Arbeitsplätze dar. Es sahen sich daher, außer den Spinnereifacharbeitern, auch eine größere Anzahl qualifizierter Knopfarbeiter schweren Herzens gezwungen, vom Heimatort abzu- wandern, was sich natürlicherweise auch auf die heimischen Ge- werbe sehr nachteilig auswirkte. Daß diese enormen Einkommens- ausfälle die wirtschaftliche Stabilität in Schönfeld nicht in dem Maße erschütterte, wie allgemein befürchtet wurde, war in erster Linie auf die heimische Landwirtschaft zurückzuführen, die zwar nur im Klei- nen, jedoch auf breiter Ebene betrieben wurde.
Außerdem waren in dieser Zeit die drei Schönfelder Porzellanmale- reien recht gut beschäftigt und verhältnismäßig krisenfest. Hinzu kam, daß sich das heimische Gewerbe recht stark um auswärtige Ab- satzmöglichkeiten bemühte.
In diesem Jahr erfolgten erste Wiederbelebungsversuche des mehr als ein halbes Dutzend Jahrhunderte alten Schönfelder Erzbergbaues.
Ch 32
-----------------------------------------
c-033
Baraken-Spital vom roten Kreuz
unter Leitung des M. U. Dr. J. Alfred Grosser K, K. Sanitäts-Assistent. (Epidemiearzt). Erinnerung an die Typhus-Epidemie in Schönfeld i. J. 1905.
Baracken-Spital für Typhus-Kranke auf dem Opl-Feld an der Petschauer Straße. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1905.
1904 Das Interesse stand im Zusammenhang mit dem Wolfram, welches inzwischen zu einem wichtigen Faktor in der Drehstahlerzeugung aufgerückt war.
1905 Im März brach in Schönfeld eine Typhusepidemie aus, die rasch um sich griff und in wenigen Wochen fast sämtliche Ortsteile erfaßte. Durch die Untersuchung des Trinkwassers, das damals meist aus höl- zernen Röhrkasten geholt wurde, wurde einwandfrei festgestellt, daß die Krankheit durch Bakterien verseuchtes Trinkwasser verursacht worden war. Da die Krankheit noch immer weiteren Umfang an- nahm, kam aus Prag der Epidemiearzt Dr. J. Großer nach Schönfeld, um die notwendigen Maßnahmen zu veranlassen. Vor allem wurden auf dem Opel'schen Feld an der Petschauer Straße zwei Isolier- baracken errichtet, in die die Typhuskranken eingeliefert wurden. Dennoch hatte Schönfeld eine hohe Anzahl von Todesopfern zu be- klagen. Erst im Herbst konnte die Epidemie als erloschen erklärt wer- den. Die Baracken wurden vor Einbruch des Winters wieder abgetra- gen. Während der ganzen Epidemiedauer war wegen der Verbrei- tungsgefahr der Verkehr von und nach außen fast völlig lahmgelegt, wodurch viele Gewerbetreibende empfindliche Schäden erlitten. Auf Grund der in Schönfeld im März ausgebrochenen Typhusepide- mie erhielt die Stadtgemeinde durch die Landesbehörde in Prag den
Ch 33
-----------------------------------------
c-034
Schönfeld.
Alter Markt, Dreifaltigkeitsstatue.
Johann Schlee's Bacterel
Der Alte Markt mit der Dreifaltigkeits-Statue. Dahinter das Schlee- und Wogner-Haus. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1906. Rechts ist noch ein alter Röhrkasten zu sehen, er diente früher der Wasserversorgung.
1905 Auftrag, unverzüglich eine der Neuzeit entsprechende Wasserleitung zu erbauen.
Ch 34
Noch im Spätherbst wurde der Firma Rumpel in Teplitz der Bauauf- trag erteilt und sofort mit den Bauarbeiten begonnen.
Ein Wasserbassin wurde bei der oberen Sandgrube angelegt, das die Quellen auf den Pfarrwiesen sammelte und die oberen Stadtteile mit Wasser versorgen sollte. Ein zweites Bassin entstand auf der,,oberen Breiten Wiese", das die Quellen vom,,Gehänge" herunter aufnahm und den unteren Ortsteilen mit der Hub zur Wasserversorgung die- nen sollte. Nach etwa zehnmonatigen Arbeiten war der Bau der Hochquellen-Wasserleitung, die durch Hydranten auch der Brand- bekämpfung dienlich gemacht wurde, beendet, und so konnte die Wasserversorgung für die Schönfelder Bevölkerung im August 1906 erfolgen. Die bisherige Holzrohrleitung wurde aufgelassen und die Röhrkästen, soweit es sich nicht um private handelte, verschwanden. Die Kosten für diese Wasserleitung betrugen 78788 Kronen.
-----------------------------------------
c-035
Gruss aus Schönfeld.
Mittlerer Stadtbeil
Der mittlere Stadtteil um das Jahr 1910. Das Gebäude mit den zahlreichen Dachgauben ist das Jordan-Leimsieder-Haus, daneben Ruppert (Poschetz), damals noch ohne Anbau.
Schönfeld (unterer Stadtteil).
Der,,Rathaufen" und die Schießhütten-Häuser, aufgenommen im Jahre 1908. Zwischen den Häusern, links oben, ist die Ecce-homo-Statue zu erkennen.
Ch 35
-----------------------------------------
c-036
1906 Am 15. September wurde der staatlich subventionierte Nähspitzen- kurs (die Spitzenschule) in Schönfeld eröffnet.
In diesem Jahr wurde auch die Gastwirte- und Fleischhauer- Genossenschaft gegründet.
Dem Post- und Telegrafenamt wurde am 1. September ein Telefon- amt angeschlossen.
1907 Nach jahrelangem Kampf der sozialistischen Parteien gegen die mehr konservativen Kreise Österreichs wurde in diesem Jahre über Be- schluß des Wiener Parlaments das allgemeine Wahlrecht in Österreich-Ungarn eingeführt.
Bisher war nur wahlberechtigt, wer mindestens fünf Gulden direkte Steuer jährlich zahlte, die minderbemittelten Bevölkerungsschichten waren damals vom Wahlrecht ausgeschlossen. Die Wahlberechtigten waren je nach der Höhe ihrer Steuerleistung in drei Gruppen, bzw. drei Wahlkörper eingeteilt. Wer mehr Steuer zahlte, d. h. wer im er- sten Wahlkörper wählte, dessen Stimme war gewichtiger als die des weniger Zahlenden. Alle diese Benachteiligungen bzw. Bevorrechtun- gen einzelner Bevölkerungsschichten wurden durch die Einführung des allgemeinen Wahlrechts aufgehoben. Das Frauenwahlrecht aller- dings hatte dieses neue Wahlgesetz noch nicht vorgesehen.
1909 Im Jänner wurde der Bolzschützen-Verein gegründet. Sein Vereins- lokal war im Gasthaus Anna Jordan,,,bei der Oaltn".
1910 Flößgrabenregulierung. Von den Glatzen-Teichen bis Schönfeld wur- den Uferböschung und Bachbett mit Steinen ausgelegt. Die Arbeiten, die Hunderten von Arbeitern Verdienst schafften, erstreckten sich bis in das Jahr 1912.
1911 Der Sommer war sehr heiß und trocken. Die Feldfrüchte erbrachten infolge Notreife eine schlechte Ernte. Besondere Sorge bereitete den Landwirten der Futtermangel.
1912 Der,,Deutsche Jugendbund Glöisser" wurde gegründet. Ferner wur- de eine Ortsgruppe des,,Deutschen Schulvereins" ins Leben gerufen.
Ch 36
Über Anregung und Betreiben des Vorstandes der sozialdemokrati- schen Partei Schönfelds, Karl Reinhold, wurde in Schönfeld eine Filiale der Arbeiter-Konsumgenossenschaft Chodau eröffnet.
-----------------------------------------
c-037
1913 Im Hochsommer fand auf dem nächst der Schreiberlwiese gelegenen und sich zum Mühlberg hinziehenden Festplatz das zweite Waldfest statt.
Mit Wirkung vom 2. Dezember wurde der bisherige Gerichts- und Steuer-Bezirk Elbogen von dem politischen Bezirk Falkenau abge- trennt und als selbständige Bezirkshauptmannschaft mit dem Sitz in Elbogen erklärt.
1914 Am Morgen des Neujahrstages ist ein ziemlich stark und langanhal- tendes Morgenrot in Erscheinung getreten, welches ein großer Teil der Bevölkerung als sicheres Anzeichen eines in diesem Jahre kom- menden Krieges ausdeutete.
28. Juni: Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdi- nand und seiner Gemahlin in Sarajevo. Die Nachricht über das vor- erst von der Regierung noch geheim gehaltene Ereignis verbreitete sich am folgenden Feiertag mit Windeseile über Städte und Dörfer Österreich-Ungarns. Ab sofort waren alle Tanzveranstaltungen und sonstige Belustigungen eingestellt. Die Befürchtungen eines Kriegs- ausbruches gaben in allen Bevölkerungskreisen das einzige Tages- gespräch.
25. Juli: Ablauf des bis 6 Uhr abends befristeten Ultimatums Öster- reichs an Serbien. Infolge völliger Ungewißheit über die Antwort Serbiens herrschte in der Bevölkerung höchste Spannung, denn der Frieden hing nur noch an einem Seidenfaden.
26. Juli: In den frühen Morgenstunden Verlautbarung der Mobilisie- rung der österreichisch-ungarischen Truppen gegen Serbien. Es wur- den die Reservisten der Geburtsjahrgänge bis 1878 (Alter bis 36 Jahre) einberufen. Allerorts größte Aufregung, denn der lang befürchtete Krieg war über Nacht da.
27. Juli: Um 7 Uhr früh Verabschiedung der einrückenden Reservi- sten (etwa 100 Mann) durch Bürgermeister Rau vor dem Rathaus, wonach sich der von höchstem Patriotismis beseelte Zug unter den Klängen des 73er Regimentsmarsches und vom Großteil der Einwoh- nerschaft begleitet in Richtung Schlaggenwalder Bahnhof in Bewe- gung setzte.
August: Erstes Kriegsopfer in Schönfeld war der Porzellanmaler Josef Vogl, Haus Nr. 331, bei Schabatz in Serbien gefallen. Er war Zugfüh- rer im Inf. Regt. 102, das vorwiegend aus Tschechen bestand.
Ch 37
-----------------------------------------
c-038
Schönfelder Rekruten 1914. Obere Reihe von links: Maier (?), Fliegl, unbek., unbek., Götzl, Rud. Götzl (gen. Richter-Rudl), Geier, unbek. - Mitte: E. Russ, A. Russ, Stowasser, E. Schiener, J. Sto- wasser, Fr. Dennl, A. Köhler, Fr. Gareiß. Untere Reihe: E. Tyll, Fr. Gerstner, Hambach, O. Hubl, Lindner, unbek., Hochberger, W. Sandig, E. Bauer.
1914 Oktober: Einberufung des Geburtsjahrganges 1894 und Nachmuste- rung der Jahrgänge bis 1878.
November: Ankunft und Unterbringung einer größeren Anzahl aus Galizien und dem Karpathengebiet stammender durchwegs jüdischer Flüchtlinge.
Ungefähr um diese Zeit fand die Enthüllung des sogenannten,,Wehr- manns" statt, eine etwa 1,5 m große Holzfigur mit bismarckschen Ge- sichtszügen, den die zwei allseits gut bekannten und sich jederzeit gerne in den Dienst der Bevölkerung stellenden Pensl Karl und Hubl Franz in uneigennütziger Weise in ihrer Freizeit konstruierten. Wer seinen Patriotismus und seine Hilfsbereitschaft für die verwundeten Soldaten und arme Hinterbliebene von Gefallenen auf diese Art unter Beweis stellen wollte, konnte nach Vorzeichnungen beliebig viele der
Ch 38
-----------------------------------------
c-039
Schönfelder vom k.u.k. Inf. Reg. 73, II. Komp., 4. Zug in Wrschowitz/Prag, kurz vor dem Fronteinsatz. Stehend von links: Josef Lochner, Anton Lorenz (?), Edwin Hahm, Anton Bauer, Oskar Hubl. Kniend: Schimmer und Ernst Brandl.
1914 dort vorhandenen Nägel in den Wehrmann schlagen, wofür für je- den, je nach seiner dunklen, silbernen oder goldenen Färbung eine entsprechende Spende zu entrichten war, die wohltätigen Zwecken zufloẞ.
1915 Der außergewöhnlich sehr kalte und langandauernde schneereiche Winter 1914/15 hatte zur Folge, daß viele in den Karpathen kämp- fende österreichische Truppen durch Erfrierungen ihr Leben lassen mußten.
1. Februar: Beginn der Blockade der Mittelmächte (Österreich- Ungarn und Deutschland) durch die Feindstaaten. Strenge Rationie- rung der Lebensmittel und anderer Bedarfsartikel. Erhöhte Abliefe- rungspflicht landwirtschaftlicher Produkte durch die Landwirte.
Ch 39
-----------------------------------------
c-040
1915 Hausdurchsuchungen bei säumigen Ablieferern. Brot mit Zusatz gekochter Kartoffeln und Maismehl. Beginn der Heereslieferung in Form von Militärschuhen und Stiefeln durch die Schuhmachergenos- senschaft Schönfeld, wozu der Gerstner-Saal als Gemeinschaftswerk- statt herangezogen wurde.
15. März: Einberufung des Geburtsjahrganges 1895 und Musterung des Jahrganges 1896.
23. Mai: Italien löst sich in verräterischer Weise vom Dreibund und tritt gegen seine bisherigen Verbündeten Österreich und Deutschland in den Krieg.
Mitte des Jahres erneute Betriebsaufnahme im Bergbau.
Herbst: Nachdem die Rationierung verschiedener Lebensmittel ein- geführt war, wurde Brot nur noch aus überwiegenden Mengen Mais- mehl gebacken.
1916 Nach der im Jahre 1915 begonnenen Erbauung der Überlandleitung von Unterreichenau nach Schönfeld und dem Ausbau des Ortsnetzes erfolgte 1916 die Inbetriebnahme des Licht- und Kraftstromes.
Ch 40
Um einerseits die Bestürmung und die Anbetteleien der Bäcker sei- tens ihrer Kunden um markenfreies Brot und gleichzeitig den Freiver- kauf auf ein Mindestmaß einzuschränken, und andererseits anderen Mißständen abzuhelfen, wurde 1916 von seiten der Gemeinde im un- teren Gastlokal des,,Gasthauses zum Potherrn" eine Brotverkaufs- stelle errichtet, die nach einer altherkömmlichen Bezeichnung,,Brot- bank" genannt wurde. Die Bäcker hatten ihre gesamten Broterzeug- nisse dort abzuliefern und die Verbraucher, soweit sie sich im Besitz von Brotkarten befanden, hatten ihren Bedarf dort zu decken. Als Verkäufer in der Brotbank waren die Kriegsinvaliden Dunger Isidor und Ruẞ Johann angestellt.
13. Juni: Großer Wassereinbruch im Bergwerk, der den Schacht sechs Wochen lahm legte.
Am 21. November starb Kaiser Franz Josef I. nach 68jähriger Regie- rungszeit im Alter von 87 Jahren.
Nachfolger am österreichisch-ungarischen Kaiserthron wurde Karl I., damals 29 Jahre alt.
-----------------------------------------
c-041
1916 Nach dem Hausgesetz der Habsburger, das zugleich Grundgesetz aller österreichischen Länder war, ging mit dem Tode des Kaisers die Kaiserwürde sofort auf den Nachfolger über. Besondere Zeremonien waren dazu nicht erforderlich, weshalb auch die Krönung auf einen beliebigen Zeitpunkt verschoben werden konnte. Schon kurz nach- her erfolgte die Vereidigung aller Heeresangehörigen auf den neuen Kaiser Karl, wobei selbstverständlich auch die im Schönfelder Erz- bergbau tätig gewesenen Soldaten nicht vergessen wurden, die zum Großteil vor der Einfahrt oder nach der Ausfahrt aus der Grube in der Grubenkleidung und mit brennenden Grubenlampen den Eid leisteten.
1917 Am 1. März erhielt Schönfeld eine Gendarmerie-Station, die von der Nachbarstadt Lauterbach nach Schönfeld verlegt wurde. Der Posten bestand aus einem Oberwachtmeister und zwei Wachtmeistern.
Steigerung der Lebensmittelknappheit bis zur Hungersnot. Brot ver- schlechterte sich infolge Zusatzes von Kaffeesatz, Blüten des Heide- krautes und anderen indifferenten Streckmitteln bis zur Ungenieß- barkeit. Wäsche, Kleidung und Schuhwerk gab es überhaupt nicht mehr zu kaufen, der Pfeifentabak bestand aus geschnittenem Bu- chenlaub und die Zigaretten zum Großteil aus gebeiztem Seegras.
1918 Ernährungslage katastrophal, vom Hunger getrieben verhamsterten viele Leute ihren letzten Bestand an Bett- und Leibwäsche, Kleidung, Schuhwerk und anderen wertvollen Sachen gegen einige Kilogramm Mehl, Weizen, Korn, Kartoffeln, Kleie und sonstige oft nur den Magen füllende Lebensmittel.
Um den Nichtselbstversorgern zumindestens das tägliche, wenn auch qualitätsmäßig höchst fragwürdige Mittagessen zu sichern, wurde im Auftrag höherer Behörden im Jahre 1918 durch das Bürgermeister- amt im Hause Nr. 224 auf der Neustadt eine Kriegs-Küche errichtet, in der das Essen aus Dörrgemüse, Stacheldraht genannt, halbverfaul- ten Kartoffeln und ebensolchen gelben Rüben und Dorschen sowie anderem fragwürdigem Viehfutter hergestellt wurde. Eine Portion Essen, die gegen Bezugschein abgegeben wurde, kostete 25 Kreuzer. Die Bevölkerung bestand, von den beim Bergbau beschäftigten Zivili- sten und Soldaten abgesehen, nur noch aus Frauen, Greisen und Kin- dern, da mehr als 600 Männer aus Schönfeld zum Kriegsdienst ein- gezogen waren. Die landwirtschaftlichen Arbeiten mußten zum Großteil von Frauen und Kindern verrichtet werden.
Ch 41
-----------------------------------------
c-042
1918 Oktober: Zusammenbruch der österreichischen Fronten. Die in den österreichischen Truppenverbänden kämpfenden Tschechen, Südsla- wen und andere nichtdeutsche Soldaten verweigerten den Gehorsam und verließen ihre Regimenter und Kampfstellungen, um heimzu- kehren oder sich dem Feinde zu ergeben, was zur Folge hatte, daß sich in wenigen Tagen die ganze Front in Auflösung befand, und die unaufhaltsame Niederlage Österreich-Ungarns und Deutschlands im ersten Weltkrieg bedeutete. Aber nicht nur die militärische Niederla- ge, sondern auch der Zerfall Österreich-Ungarns war damit besiegelt.
11
Am 28. Oktober erfolgte in Prag die Ausrufung der Tschecho- Slowakischen-Republik", der die Besetzung der deutschen Gebiete in Böhmen, Mähren und Schlesien durch tschechisches Militär folgte. Mit dem Ende des Krieges brach eine in vielerlei Hinsicht sehr unsi- chere Zeit an. Besonders die Aristokratie und das gesamte Großunter- nehmertum nebst den bis dahin einflußreichen Bürgern, die in den unzähligen politischen Versammlungen und in gegnerischen Zeitun- gen alle miteinander mit dem französischen Wort,,Bourgeoisie" be- zeichnet wurden, fürchteten, wie ein Jahr vorher in Rußland, am nächsten Baum aufgehängt zu werden. Aber auch der Kleinhäusler und Arbeiter hatte Grund genug, wenn auch nicht um sein Leben, so doch um seine oft in jahrzehntelanger Sparsamkeit zurückgelegten Ersparnisse zu bangen.
Von den inzwischen heimgekehrten Soldaten wurde, wie anderer- orts, nach russischem Vorbild auch in Schönfeld ein,,Soldatenbund" gebildet, der die Verwaltung der Stadtgemeinde zu übernehmen ge- dachte. Durch den Besitz von Gewehren und Munition beabsichtigte der Soldatenrat auch, einer Besetzung Schönfelds durch die Tsche- chen Widerstand zu leisten. Diese Absicht wurde jedoch als aus- sichtslos erkannt und aufgegeben, da die Tschechen bereits der Be- völkerung unserer Nachbarschaft Petschau gedroht hatten, die Stadt unter Artilleriefeuer zu nehmen, falls der Besetzung der geplante Widerstand geleistet würde.
Am 10. Dezember erschien, von Petschau kommend, eine Gruppe tschechischer Soldaten unter Führung eines Feldwebels und über- nahm widerstandslos die Verwaltung der Stadtgemeinde, wonach die Ablieferung sämtlicher Waffen, einschließlich der Jagdgewehre, zu erfolgen hatte. Tiefe Niedergeschlagenheit herrschte in der Bevölke- rung, als sie sich um das in den 14 Punkten Wilsons verankerte Selbstbestimmungsrecht betrogen sah.
Ch 42
-----------------------------------------
c-043
1918 Im Laufe des Jahres 1918 kehrten alle Schönfelder, soweit sie sich im europäischen Teil Rußlands befanden, aus russischer Kriegsgefangen- schaft heim.
In diesem Jahr wurde der,,Katholische Frauenhilfsverein" gegrün- det.
Im Oktober und November trat in Schönfeld eine bis dahin unbe- kannte Krankheit auf, die sich zu einer Epidemie auswuchs und als spanische Grippe bezeichnet wurde. Diese Krankheit forderte von allen Altersstufen eine beträchtliche Anzahl Todesopfer.
1919 Anfang des Jahres: Sämtliche noch aus Österreich-Ungarn stammen- den Banknoten mußten zur Abstempelung vorgelegt werden, wobei jeder Geldschein mit einer briefmarkenähnlichen Stempelmarke ver- sehen wurde, um nicht nur einen Unterschied zwischen den sich in der Tschechoslowakei und in Österreich in Umlauf befundenen Banknoten kennbar zu machen, sondern auch zu ermitteln, welche Beträge jede Familie außerhalb der Sparkassen und Banken besitzt. Von den Beträgen wurde ein gewisser Prozentsatz, der sich mit dem Betrag steigerte, einbehalten, wodurch mancher einen nicht unwe- sentlichen Verlust zugunsten des Staates auf sich nehmen mußte. Selbstverständlich wurden auch die in Kassen und Banken eingeleg- ten Gelder ihrer Höhe gemäß prozentual entwertet, und nicht zum Stempeln vorgelegte Banknoten verloren ihren Wert zur Gänze. Na- türlicherweise erfreuten sich diejenigen ihrer Schlauheit, die in den letzten Jahren ihre Papiergeldbestände allmählich durch Gold- und Silbermünzen ersetzten, aber auch diese zumindestens soweit es die Ein-, Zwei- und Fünf-Kronen-Münzen in Silber betraf, wurden mit einer am dritten Osterfeiertag publizierten Verordnung außer Kurs gesetzt, wobei gleichzeitig an alle Besitzer die Aufforderung erging, diese Münzen bei den Geldinstituten gegen Papiergeld kurzfristig einzutauschen.
Die staatlichen Stellen in den deutschen Gebieten wurden mit Tsche- chen besetzt. In Schönfeld die Post, Gendarmerie und Straßenwärter. Die noch im Staatsdienst verbliebenen Deutschen wurden aufgefor- dert, die tschechische Sprache als die Staatssprache zu erlernen.
Fritz Garsch (411) und Franz Tyll (Themes Nr. 90) gingen, vor weni- gen Monaten erst aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, wieder nach Rußland zurück, wo sie als Kriegsgefangene geweilt hatten. Beide gelten seitdem als vermißt.
Ch 43
-----------------------------------------
c-044
1919 19. September: Nachmittags Blitzschlag in die Maria-Schnee-Kapelle. Frau Reinhold aus Zech, welche sich hier wegen des Gewitters unter- gestellt hatte, erlitt Brandverletzungen im Gesicht und an den Beinen.
Während des Sommers traten zahlreiche Ruhrerkrankungen auf, die auch eine beträchtliche Anzahl von Toten forderten.
1921 Am 12. Februar wurde der gesamte Bergbaubetrieb stillgelegt, was wieder einmal eine hohe Anzahl von Bergarbeitern und Angestellten zur Abwanderung veranlaßte.
Am Faschingsdienstag erster Maskenzug, veranstaltet von dem Deut- schen Jugendbund,,Glöisser".
Am 9. August, nachmittags, entstand im Filz ein Torfbrand. Obwohl Feuerwehr aus Schönfeld, Schlaggenwald, Elbogen, Lauterbach und Wasserhäuseln zu Hilfe eilte, gestalteten sich die Löscharbeiten we- gen starkem Wind und Trockenheit außerordentlich schwierig, so daß nicht verhindert werden konnte, daß sich das Feuer über eine große Fläche des Filzes ausbreitete, junge Waldkultur vernichtete und auch auf den Hochwald übergriff. Die Rauchschwaden waren bis in die Saazer Gegend sichtbar. Das Feuer wurde erst am 3. Tag durch ei- nen anhaltenden Regen zum Erlöschen gebracht.
Im August wurde im Schönfelder Rathaus eine Gemeindebücherei auf staatliche Verordnung eröffnet. Leihgebühr pro Band und Woche 20 Heller. Der erste Buchwart war der Schriftsteller Josef Zachara.
1924 Für die Staatsbediensteten deutscher Nationalität begann die große Abbauwelle. Wer von ihnen die tschechische Sprache nicht be- herrschte, erhielt den sogenannten,,Blauen Bogen", d. h. die Verset- zung in den Ruhestand. Tausende wurden auf diese Weise in verhält- nismäßig jungen Jahren mit geringem Ruhegeld pensioniert. Durch diese Maßnahme wurden in Schönfeld in den Ruhestand versetzt: Oberpostmeister Willi Schmidt und Briefträger Karl Pensl.
1925 Einführung des Muttertages.
Ch 44
Am,,Egerischen Sonntag" 12. Juli
—
-
Einweihung der Kirchen-
glocke,,St. Katharina". Gleichzeitig wurde auch das vom Jugendbund ,,Glöisser" aus Vereinsmitteln bezahlte,,Elf-Uhr-Glöckchen" geweiht.
-----------------------------------------
c-045
Oben: Blick auf den Marktplatz mit der Ka- stanienallee. Unten: Die Kirche an der Lauter- bacher Straße, auf dem Foto als Kirchenstraße
vermerkt.
Marktplatz.
SCHÖNFELD BEI KARLSBAD.
Kirchenstraße.
1926 Zum 1. Juli wurde durch die tschechische Regierung in Prag für Ar- beiter und Angestellte die Invaliden- und Rentenversicherung einge- führt.
Im August wurde eine Gemeinde-Chronik angelegt, die von Pfarrer Enzmann geführt wurde (ab 1932 Weiterführung durch Lehrer J. Hubl).
In diesem Jahr bildete sich in Schönfeld eine Sekte, der,,Bund gläubi- ger Christen".
Ch 45
-----------------------------------------
c-046
1926 Als einer der ersten Radiohörer in Schönfeld suchte Gerbermeister Anton Jordan beim Postamt um die erste Radiolizenz in Schönfeld an und erhielt diese mit Nr. 1 Ende August 1926.
1927 Die auf der Hub in den Räumen der früheren Steinnuß-Knopffabrik im Betrieb gewesene Metallschraubenfabrik Winkler & Co. übersie- delte mit ihrem gesamten Betrieb nach Komotau. Einige von den hier Beschäftigten gingen mit. Nach der Stillegung des Erzbergbau- Betriebes war die Auflassung dieses Betriebes ein neuerlicher schwe- rer Schlag für das Erwerbsleben in Schönfeld.
Aus Anlaß der 125. Wiederkehr des Geburtstages des in Schönfeld am 5. Juli 1802 geborenen Komponisten und Begründers der Karlsbader Kurkapelle Josef Labitzky wurde an dessen Geburtshaus, Nr. 232 in der Rathausgasse, eine Marmor-Gedenktafel mit der Aufschrift ,,Labitzky-Haus" enthüllt.
1928 In diesem Jahr wurde das Post-, Telegrafen- und Telefonamt aus dem Hause Nr. 10 des Oberpostmeisters Willi Schmidt in das Erd- geschoß des Rathauses verlegt. Das bisherige Städtische Gasthaus im Rathaus (letzter Pächter Johann Dennl, Postfahrer) wurde auf- gelassen.
ff
Da es an Mitteln für ein Kriegerdenkmal mangelte, wurden im Som- mer 1928 durch den Verein gedienter Soldaten" zwei Marmor- Gedenktafeln für die Gefallenen des Weltkrieges 1914/18 an der inne- ren Nordseite der Kirche enthüllt. Sie enthielten die Namen von 84 Gefallenen. In Wirklichkeit waren es jedoch 112 Kriegsopfer. Unver- ständlicherweise hatte man die Namen derjenigen, die zwar in Schön- feld wohnhaft, jedoch kein Heimatrecht in Schönfeld hatten, auf der Tafel nicht verzeichnet.
Am 1. September eröffnete Josef Roßmeißl, Nr. 108 (Hotel zum Pot- herrn), den ersten fahrplanmäßigen Autobus-Verkehr.
Dadurch war der früher in Schönfeld so sehr empfundene Mangel einer Bahnverbindung behoben.
Am 15. Oktober wurde der Fremdenverkehrs-Verein Schönfeld ge- gründet.
1929 Der Winter 1928/29 war außerordentlich hart, mit langanhaltender großer Kälte; im Februar wurden Tiefsttemperaturen von minus 28
Ch 46
-----------------------------------------
c-047
herrn Wenzl Rossmeisl
Spaziergänger am Schönfelder Marktplatz; eine Aufnahme um 1930. Vermutlich ein später Sonntag-Vormittag nach dem Kirchgang, aber auch um die Abendzeit herrschte hier oft ein reger
Betrieb.
1929 Grad Celsius gemessen. Die Kälte richtete großen Schaden an. Vor al- lem betraf es die Wintersaat und die Obstbäume. Vielen Leuten erfro- ren die Kartoffeln in den Kellern. Selbst der Faschingsumzug fiel wegen der allzustarken Kälte aus.
Um 1929 ließ F. J. Ruppert (Poschetz), der,,Spiritus rector" und die Finanzperson des,,Bund gläubiger Christen", auf seinem an der Pet- schauer Straße gelegenen Grundstück den,,Kreuzberg" anlegen.
1931 Am 1. Jänner wurde die Pfarrgemeinde Schönfeld, nachdem sie durch Jahrhunderte dem Vikariate Lichtenstadt und dann vom 1. 1. 1855 bis 31. 12. 1930 dem Vikariate Theusing angehört hatte, in das Vikariat Falkenau a. d. Eger überführt. Der Pfarrer von Schönfeld, Msgr. erzbischöflicher Notar und Konsistorialrat Karl Enzmann wur- de gleichzeitig Bezirksvikar des Vikariats Falkenau.
1932 Seit Ende der zwanziger Jahre hatte die Arbeitslosigkeit immer mehr um sich gegriffen und erreichte im Jahre 1932 ihren Höhepunkt. Der größte Teil der Arbeiter und Handwerker war seit Jahren erwerbslos oder Kurzarbeiter.
Ch 47
-----------------------------------------
c-048
1932 Der Tagesverdienst eines noch in Arbeit gestandenen Arbeiters be- wegte sich damals zwischen 12 und 25 Kronen.
Ch 48
Jeder Arbeitslose bezog vom tschechischen Staat die nach dem Ar- beitsminister Dr. Cech benannte Cechkarte als Arbeitslosenunterstüt- zung. Das waren in der Woche 10 Kronen. Dieser geringe Betrag reichte kaum für die Beschaffung des für die Familie notwendigen Brotes aus, ein Laib Brot kostete damals 3 Kronen 50 Heller. Dement- sprechend war der Lebensstandard auf ein Mindestmaß herabgesun- ken. Insbesondere fehlte es in Familien mit mehreren Kindern sehr an Kleidung und Wäsche.
Viele Jahre wurden überall für die Bedürftigen Fürsorgeaktionen durchgeführt, so vom Katholischen Frauenhilfsverein, von der Caritas-Ortsgruppe, vom Deutschen Kulturverband, von der Orts- gruppe,,Demokratie für die Jugend" und von der Sudetendeutschen Volkshilfe. Im Winter fand immer für arme Schulkinder in der Schule eine Suppenspeisung mit Verabreichung von Brot statt. Außerdem wurden für arme Kinder in bemittelten Familien,,Freitische" er- wirkt, so daß sie wenigstens zweimal in der Woche ein ausreichendes Mittagsmahl einnehmen konnten.
Während der Wintermonate 1932/33 fand eine großzügige Ausspei- sung für Arbeitslose in einer im Haus Nr. 135 in der Langen Gasse (Willi Ruß) eingerichteten,,Volksküche" statt. Ungefähr 500 Perso- nen bezogen zu dieser Zeit Cechkarten.
Erst 1936 ließ die Arbeitslosigkeit etwas nach, als zahlreiche sudeten- deutsche Arbeiter in Deutschland, infolge der dort geänderten politi- schen Verhältnisse, Arbeit fanden. Selbst in den Wintermonaten 1935/36 bezogen in Schönfeld noch 390 Personen die staatliche Un- terstützung.
Im Juni gründeten Otto Kuhn, Adolf Sammet und Rauscher eine Schraubenfabrik.
Im September erfolgte am Krudum die Einweihung der Dr.-Kempf- Warte, eines 14 Meter hohen Aussichtsturmes. Dieser war vom El- bogener Fremdenverkehrsverein zum ehrenden Gedenken des im Jahre 1929 in Wien verstorbenen Medizinalrates Dr. Andreas Kempf errichtet worden. Andreas Kempf wurde im Jahre 1865 auf der Hub in Schönfeld geboren, ein Jahr später übersiedelten seine Eltern nach Dreihäuser. Kempf wuchs dort auf und ging nach Elbogen zur Schule. In Wien war er viele Jahre als Medizinalrat tätig, war aber Zeit seines Lebens ein treuer Sohn seiner Wald-Heimat geblieben und ver- brachte dort auch stets seinen Urlaub.
-----------------------------------------
c-049
1932 Nach der Erbauung der Dr. Kempf-Warte am Krudum hatte man in Schönfeld den festen Entschluß gefaßt, ebenfalls eine Aussichtswarte zu errichten.
1933 Im August veranstaltete die Fremdenverkehrskommission in den Räumen der Volksschule eine große Gewerbeschau, in welcher sämt- liche Gewerbetreibende von Schönfeld ihre Erzeugnisse ausstellten. In einem Zimmer zeigte Pfarrer Enzmann alte Urkunden, Zunftarti- kel und sonstige Gegenstände aus Schönfelds Vergangenheit. Durch die Ausstellung, die acht Tage währte, sollte der finanzielle Grund- stock zur Erbauung eines Aussichtsturmes am Steingröll geschaffen werden.
Anfang Oktober: Beginn der Bauarbeiten am Steingröll. Ausheben des Grundes für den Aussichtsturm. Der Bau gedieh in diesem Herbst bis zu einer Höhe von sechs Meter. In diesem Jahr Gründung der,,Sudetendeutschen Heimatfront". Nach späterem Verbot dieser nationalen Partei kam es zur Gründung der Sudetendeutschen Partei".
11
Es ist zu erwähnen, daß im Jahre 1933 bei der in Schönfeld stattgefun- denen Gemeindewahl auch in der Gemeindevertretung ein mehr als sonst nationaler Anstrich sichtbar wurde.
Wenn in den vorangegangenen zehn Jahren in Schönfeld die Gewer- bepartei als dominierend galt und mit Hilfe des Bundes der Landwirte auch den Bürgermeistersessel besetzt hielt, so bestimmte, durch den Ausgang der Wahlen von 1933, jetzt die Sudetendeutsche Heimat- front den Kurs und setzte den damals 32jährigen Emil Vogl als Bür- germeister ein. Die vorherigen vier Jahre war Gerbermeister Franz Ruppert Bürgermeister.
Die tschechische Bezirksbehörde in Elbogen fand aber, politisch be- trachtet, an der gesamten Stadtvertretung ebenso wenig Gefallen, wie an dem nicht gerade temperamentlosen Bürgermeister Vogl und lö- ste, gleichzeitig mit dem Verbot der als staatsfeindlich bezeichneten Sudetendeutschen Heimatfront, nach nicht allzu langem Bestand auch die gesamte Stadtvertretung auf. Als Ersatz dafür setzte die Be- zirksbehörde eine drei- oder fünfköpfige Verwaltungskommission ein, an deren Spitze der unparteiisch geltende Sägewerksbesitzer Emil Ruẞ stand, der sozusagen als Bürgermeister fungierte.
Am 14. November wurde der Kirchenerhaltungsverein gegründet. Vorher war in der ČSR die Trennung von Kirche und Staat erfolgt.
Ch 49
-----------------------------------------
c-050
1933 Während bisher die Besoldung der Seelsorger durch den Staat erfolgt war, mußte nunmehr die Kirchengemeinde selbst für die Bezahlung des Pfarrers sowie für die Erhaltung der Kirche aufkommen. Der Ver- ein nahm seine Tätigkeit am 1.1.1934 auf.
1934 In diesem Jahr wurde der letzte der für Schönfeld schon traditionell gewordenen Faschingszüge abgehalten. Wohl unter dem Eindruck der am politischen Horizont sich bereits abzeichnenden ernsten Zeit wurde künftighin von der Veranstaltung von Faschingszügen Ab- stand genommen.
In diesem Jahr gab Pfarrer Karl Enzmann unter dem Titel,,Chronik der uralten, ehemals königlich freien Bergstadt Schönfeld, Bezirk El- bogen", eine bis zum Jahre 1880 reichende Chronik heraus. Die Chronik von Schönfeld erschien im Verlage des Deutschen Jugend- bundes,,Glöisser", nachdem dieser Verein die Druckkosten finan- ziert hatte.
1
Ab Frühjahr wurde der Bau der Aussichtswarte auf dem Steingröll weitergeführt und Ende September vollendet.
Sonntag, den 6. Oktober, sollte die feierliche Einweihung des Aus- sichtsturmes erfolgen. Alle Vorbereitungen waren getroffen, aber die Feier mußte infolge strömenden Regens auf einen anderen Zeitpunkt verschoben werden.
Im August fand über Initiative des Karlsbader Postkassiers Paul Loch- ner, eines gebürtigen Schönfelders, im Geier-Saal eine Postler-Tagung statt. Zirka 400 Postler aus dem ganzen Egerlande waren dazu er- schienen.
In diesem Monat feierte der Theater-Dilettanten-Verein Schönfeld sein 100jähriges Bestehen.
1935 Im Frühjahr wurde mit der Anlage eines Stadtparkes auf dem Alten Friedhof hinter der Kirche begonnen.
Ch 50
Sonntag, den 23. Juni, wurde bei prächtigem Sommerwetter die im Vorjahre fertiggestellte Aussichtswarte am Steingröll in feierlicher Weise eingeweiht.
Am 22. und 23. September feierte der Männergesangverein Schönfeld das Fest seines 50jährigen Bestehens.
-----------------------------------------
c-051
Die Schönfelder Aussichts- warte am Steingröll. Ob- wohl bereits im Jahre 1934 fertiggestellt, erfolgte die offizielle Einweihung erst im Jahre 1935.
1936 Im Sommer errichteten die Inhaber der Firma S.K.R. (Schrauben- fabrik) Otto Kuhn und Arthur Hubl mit dem neuen dritten Teilhaber Josef Floth, Zinnlöffelfabrik, oberhalb der Villa Ruß ein eigenes, neues Fabrikgebäude. Das bisher von der Firma gepachtete Gebäude des Josef Rauscher auf der Hirtenpaint mietete der Glasschleifer Josef Beranek, der dort seine Kunst-Glasschleiferei betrieb.
Um diese Zeit fand im Rathaus ein Wechsel statt: Dr. Erwin Roẞmeißl wurde Vorsitzender der Verwaltungskommission. Er amtierte bis Ende September 1938.
1937 Im Sommer wurde im Guẞn-Saal die von den Zinngießermeistern Karl und Josef Lochner (Nr. 416) angefertigte bewegliche Landschaft ausgestellt. Dieses von den beiden Brüdern in zwei Jahren anstren- gendster Geduldsarbeit geschaffene Wunderwerk heimischer Bastler- kunst war eine Sehenswürdigkeit. Die Landschaft war 4,20 x 1,80 m.
Ch 51
-----------------------------------------
c-052
1937 Alle Figuren, Fahrzeuge und Gebäude waren handgeschnitzt. Die be-
wegliche Landschaft wurde im Herbst auch in anderen Orten, so in Karlsbad und Komotau, gezeigt und erregte überall große Bewunde- rung.
Von den Einnahmen (Erwachsene eine Krone, Kinder 50 Heller) flos- sen je zehn Prozent dem Armenfond des jeweiligen Ausstellungsortes und dem Baufond des Schönfelder Aussichtsturmes zu.
Zum 1. September wurde in Schönfeld im Guẞn-Saal eine tschechi- sche Schule eröffnet. Insgesamt gingen damals 26 Kinder – davon nur ein tschechisches und 25 deutsche Kinder - in diese Schule. Die Tschechen hatten minderbemittelte Familien überredet, ihre Kinder in die tschechische Schule zu schicken, da sie hier alle Lehrmittel kostenlos erhielten und ihnen manch andere Vorteile erwachsen würden.
Im September veranstaltete die Sudetendeutsche Partei (Henlein- Partei) im Zona-Garten ein Heimatfest, das außer von Einheimischen auch von vielen Auswärtigen besucht war.
Im Herbst wurde über Initiative des damaligen Vorsitzenden der Ver- waltungskommission der Stadtgemeinde Schönfeld, Herrn Dr. Erwin Roßmeißl, im großen Rathaussaal eine Handweberei errichtet. Die erforderliche Einrichtung der Handweberei-Geräte besorgte sich Dr. Roßmeiẞl durch das Atelier Mika in Prag.
Die damals 5 Beschäftigten wurden über die Arbeitsweise von der Inhaberin des genannten Ateliers eingeschult.
In der Hauptsache wurden Schals und Krawatten erzeugt. Im September 1938 wurden die Arbeiten eingestellt.
1938 Das ereignisvolle Jahr.
Ch 52
12. März: Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich durch Adolf Hitler.
Dieser Anschluß verlieh auch der Sudetendeutschen Partei (SDP) weiteren Auftrieb.
In diesem Monat wurde in Schönfeld durch die SDP eine Mitglieder- werbung durchgeführt; die Mitgliederzahl stieg in rund einem Monat von 600 auf 1200 an.
20. April: Vom Führer der SDP Konrad Henlein wurde an die tsche- chische Regierung als Forderung der Sudetendeutschen eine Aufstel-
-----------------------------------------
c-053
1938 lung über die 10 Karlsbader Punkte (Selbstbestimmungsrecht Autonomie) überreicht. Die Forderung der Sudetendeutschen wurde zur Gänze abgelehnt.
1. Mai: Großkundgebung der SDP für den südlichen Teil des Bezirkes Elbogen am Marktplatz in Schlaggenwald. Redner: Abg. Liebl, der vor allem Autonomie für die Sudetendeutschen forderte. Die bei dieser Kundgebung anwesenden zahlreichen tschechischen Gendarmerie- kräfte fanden keinen Anlaß zum Einschreiten, da die Kundgebung ohne Zwischenfälle verlief.
29. Mai: Gemeindewahl in Schönfeld und in anderen Orten. Mit Rücksicht auf die äußerst gespannte politische Lage wurden die Ge- meindewahlen von der tschechischen Regierung auf drei Sonntage im Mai verteilt, was in Wirklichkeit eine Zerstückelung der voraussicht- lichen Erfolge der SDP bezwecken sollte. Die Gemeindewahlen er- brachten der SDP allerorts überwältigende Siege.
In Schönfeld konnte jedoch die neue gewählte Gemeindevertretung nicht in Aktion treten, da die Sozialdemokraten, mit Dr. Erwin Roß- meißl an der Spitze, gegen die Wahl in Schönfeld bei der Bezirksbe- hörde Berufung eingebracht hatten.
31. Mai: Mobilisierung der čsl. Armee durch Präsident Benesch ange- ordnet. Grund: angeblich reichsdeutsche Truppenverbände an der čsl. Grenze.
Tschechische Nachrichtenabteilung aus Pilsen wurde am Schönfelder Aussichtsturm als Beobachtungsposten stationiert.
Deutsche Reservisten zum überwiegenden Teil zu ihren Truppenkör- pern eingezogen.
Nach einigen Tagen Demobilisierung. Benesch erklärte, die Mobili- sierung wäre auf Grund einer irrtümlichen Nachricht erfolgt.
19. August: Begrüßung des Führers der SDP, Konrad Henlein und des Abg. Wollner gelegentlich ihrer Durchfahrt in Schönfeld vor dem Rat- haus.
Spalier der SDP-Mitglieder und anderer Bevölkerungskreise an der Straße.
Unter anderen Geschenken wurde Henlein auch eine Nähspitzen- decke und ein gravierter Zinnkrug überreicht.
28. August: Um 10 Uhr Eröffnung des Städtischen Museums im Rat- haus durch Lehrer Josef Hubl.
Ch 53
-----------------------------------------
c-054
1938 12. September: 20 Uhr Schlußrede Hitlers auf dem Reichsparteitag in Nürnberg. SDP-Mitglieder zum gemeinsamen Abhören am Radio auf dem Marktplatz angetreten.
Ch 54
Radiobesitzer hatten ihre Apparate in den offenen Fenstern der Markthäuser aufgestellt.
-
Tschechische Gendarmerie auf ihrer Station in Bereitschaft. Begei- sterter Beifall der SDP zu den einzelnen Abschnitten der Rede Hitlers ein Reich und langanhaltendes Rufen im Chor:,,Ein Volk ein Führer! Sieg Heil!" In der Schlußphase der Rede Hitlers Mahnung an die Prager Regie- rung, dem sudetendeutschen Volke das Selbstbestimmungsrecht zu-
zusagen.
Nach der Hitlerrede Demonstrationszug der SDP und eines großen Teiles der Bevölkerung durch Schönfeld. Am Dreifaltigkeitsplatz hielt Gradl (Bus-Chauffeur bei Roßmeißl) eine Rede. In dieser Nacht kam es zu einigen Ausschreitungen, die gegen die sozialdemokratische Richtung zielten. So wurden im Hotel Potherr" und beim Wurzl, Lange Gasse, etliche Fensterscheiben eingeworfen.
Am Rathausturm wurde in dieser Nacht eine Hakenkreuzfahne ge- hißt, die jedoch in den ersten Morgenstunden des nächsten Tages wieder eingeholt wurde.
13. September: Verhängung des Standrechtes für 14 sudetendeutsche Bezirke, darunter auch Elbogen, auf Grund der Ereignisse des Vor- tages.
Gegen Abend kamen tschechische Panzer nach Schönfeld. Soldaten streiften mit aufgepflanztem Bajonett, das Gewehr in der Hand, durch Straßen und Gassen, durchsuchten die Taschen der Zivilisten nach Waffen und trieben unter Beschimpfungen die Leute in die Häuser. Die Jugend machte gerade ihren gewohnten Spaziergang am Marktplatz. Es gab Schläge mit dem Gummiknüppel und Stöße mit dem Gewehrkolben.
Sperrstunde von 20 Uhr bis 6 Uhr festgesetzt.
Mehr als drei Personen durften nicht in einer Gruppe stehen oder gehen.
Ständige tschechische Patrouillen.
18. September: Vormittags großer Verband von tschechischen Pan- zern, von Elbogen kommend, durch Schönfeld in Richtung Petschau gefahren.
-----------------------------------------
c-055
1938 Verbot der Sudetendeutschen Partei, Steckbrief gegen Konrad Hen- lein. Dieser floh über die Grenze nach Deutschland.
Unmittelbar drohender Krieg durch zwei Unterredungen des eng- lischen Ministerpräsidenten Chamberlain mit Hitler am Obersalzberg und Bad Godesberg am Rhein abgewendet.
In der Nacht vom 23. zum 24. September Mobilisierung der čsl. Trup- pen, abermalige Stationierung eines militärischen Beobachtungs- postens auf dem Schönfelder Aussichtsturm.
Tausende deutsche Reservisten wurden einberufen, sie gingen zum Schein mit ihren Koffern von zu Hause fort, aber nicht zu ihrer Mili- täreinheit, sondern hielten sich in den Krudumwäldern versteckt. Ebenso war es in allen anderen Ortschaften.
Große Heerlager in den Krudumwäldern. Heimliches Essentragen der Angehörigen, sowie von beherzten Personen.
Erstmalige Verdunkelung der Häuser in der Ortschaft angeordnet. Um das Abhören ausländischer Nachrichten zu verhindern, wurde die Ablieferung sämtlicher Radio-Apparate der deutschen Bevölke- rung angeordnet. Reichsdeutsche Sendungen für die Sudetendeut- schen. Als Abschluß immer der Egerländermarsch. Die deutschen Schulen wurden geschlossen.
Massenflucht von Erzgebirgsbewohnern über die Reichsgrenze. Bildung von sudetendeutschen Freikorps in Sachsen und Bayern. Teilmobilisierung in Frankreich.
29. September: Letzter Versuch, den Frieden zu retten. Konferenz in München zwischen Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier.
Ergebnis: Die sudetendeutschen Gebiete der Tschechoslowakei wer- den am 1. Oktober an das Deutsche Reich angeschlossen. Bis Ende September sind die sudetendeutschen Gebiete von allen Militärfor- mationen, einschließlich der Gendarmerie und Staatspolizei zu räu- men und hinter die bereits genau festgelegte neue tschechische Staatsgrenze zurückzuziehen, damit es zu keinerlei Berührung mit der am 1. 10. 1938 in das Sudetengebiet einrückenden deutschen Wehr- macht komme. Ferner bekam die Prager Regierung den Auftrag, alle im sudetendeutschen Gebiet befindlichen Staatsbeamten und Ange- stellten aus sämtlichen Verwaltungsgebieten abzuziehen. Die Beset- zung des Gebietes durch deutsche Truppen erfolgte in fünf Zonen.
30. September: Allmähliches Durchsickern der Nachricht vom An- schluß an das Reich. Pfarrer Karl Enzmann erzählte es nach der Früh- messe im Flüstertone einigen Kirchenbesucherinnen. Der damalige
Ch 55
-----------------------------------------
c-056
1938 tschechische Gendarm Ripka war deutscher Nationalität; er warnte
Ch 56
Pfarrer Enzmann, daß ihm Verhaftung drohe. Enzmann konnte nicht mehr in die Pfarrei zurück und floh aus der Kirche weg, mit dem Meßgewand bekleidet, ohne Kopfbedeckung über Neudorf nach Donawitz, wo er sich verborgen hielt, um einer Verhaftung durch die Tschechen noch im letzten Augenblick zu entgehen. Aber auch der Gendarm Ripka sah sich nach dem Verschwinden des Pfarrers zur Flucht gezwungen, wenn er, durch die Warnung des Pfarrers, nicht selbst verhaftet werden wollte. Mit seinem Dienstgewehr und allen Taschen voll Munition eilte Ripka in die Krudumwälder, wo sich die der tschechischen Mobilisierung entzogenen deutschen Reservisten verborgen hielten, die Ripka freudig begrüßt und empfangen hatten. Die geglückte Flucht Enzmanns und Ripkas löste bei der Bevölkerung große Freude aus, die jedoch nicht offen zum Ausdruck kommen konnte, da die Tschechen noch da waren und man nicht wissen konnte, was die sich überstürzenden Ereignisse noch bringen würden.
1. Oktober: Die Bevölkerung erwartete die deutsche Wehrmacht. Schlaflose Nacht für alle. Die Tschechen, voll ohnmächtiger Wut, machten noch keine Vorbereitungen zum Abzug. Drohworte, daß sie das Gebiet wiederbekommen würden. Die Bewohner nähten Fahnen und bereiteten Kränze und Spruchbänder für den bevorstehenden Einmarsch der deutschen Truppen vor.
2. Oktober: Die Schönfelder warteten ungeduldig auf das Kommen der deutschen Wehrmacht.
Statt dessen kamen gegen Abend mehrere Kolonnen von Autos und Autobussen, mit tschechischen Gendarmen und Grenzbeamten be- setzt, aus Eger über Lauterbach nach Schönfeld und bezogen Nacht- quartiere.
3. Oktober: Die Kolonne mit tschechischer Staatspolizei verließ in den Morgenstunden Schönfeld in Richtung Petschau-Pilsen. Ebenso der Beobachtungsposten auf dem Aussichtsturm. Die tsche- chische Gendarmerie in Schönfeld blieb noch auf ihrem Posten.
4. Oktober: Um 8 Uhr fuhren endlich die in Schönfeld stationierten tschechischen Beamten der Gendarmerie, Post, der Straßenwärter mit Familie, in Autobussen in Richtung Petschau-Pilsen ab. Auch der tschechische Lehrer ist abgereist. Jetzt erst wagte man, Fahnenträ- ger an den Hauswänden, Girlanden und Spruchbänder anzubringen.
-----------------------------------------
c-057
1938 Mitten in dieser Arbeit hörte man aus Richtung Lauterbacher Straße Jubel und Sieg-Heil Rufe.
1
Um 9 Uhr ist die erste Panzerspitze der deutschen Wehrmacht in Schönfeld eingetroffen. Dahinter eine kilometerlange Fahrzeug- kolonne motorisierter Truppen.
Ungeheuerer Jubel bei der Bevölkerung. Die mit Blumen überschüt- tete Kolonne fuhr weiter nach Petschau. Nach geraumer Zeit wurde die obere Kolonne gestoppt, denn von Elbogen und Schlaggenwald her kamen weitere motorisierte Einheiten, die jetzt für einige Zeit die Vorfahrt gegen Petschau erhielten. Brausender Jubel ohne Ende. Händedrücken und Gespräche mit den Befreiern.
Ununterbrochener Durchmarsch motorisierter Einheiten, bald von Lauterbach, bald von Schlaggenwald kommend, bis 13 Uhr. Gegen Mittag hatte strömender Regen eingesetzt, doch konnte dieser die Jubelstimmung kaum dämpfen.
Einquartierung der Soldaten in den Häusern, wobei auch minderbe- mittelte Quartiergeber weder Auslagen noch Mühe scheuten, um den Einquartierten an Behaglichkeit nichts fehlen zu lassen. Die Kom- mandostelle befand sich im Hotel,,Potherr". Aufstellung von Ge- schützen und Feldwachen am Weißen Hübel, am Scheining und auf der Rabensgrüner Höhe.
5. Oktober: Infantrie-Regiment Altenburg von Tachau her zu Fuß ge- kommen, in Schönfeld stationiert. Ebenso ein Pionier-Regiment. Der ganze Marktplatz war voll von Fahrzeugen und Pontons. Ebenso war die Eckl- und Gerstner Paint bis an die Straße hinauf vollgestopft mit Panzern und Autos. In den nächsten Tagen jeweils von 11 bis 12 Uhr Militärkonzert am Marktplatz.
Grenzenlose Freude herrschte unter der Bevölkerung über die Befrei- ung von der 20jährigen Fremdherrschaft der Tschechen. Sämtliche tschechischen Schilder verschwanden. Nachdem in Schön- feld damals die Bürgermeisterstelle unbesetzt war, wurde durch den Ortskommandeur der deutschen Wehrmacht Stadtsekretär Heinrich Ruppert vorübergehend zum Bürgermeister ernannt.
Durch den enormen Einkauf der deutschen Soldaten waren in eini- gen Tagen die Lebensmittel- und besonders auch die Textilwaren- Geschäfte fast restlos ausverkauft. Die Geschäftsinhaber freuten sich über diesen gehobenen Geschäftsgang.
Nachdem der Lagerleiter der hiesigen Konsum-Filiale auch vor eini- gen Tagen Schönfeld verlassen hatte, wurde der noch vorhandene Warenbestand vorrangig an die Mitglieder des Konsumvereins ausge-
Ch 57
-----------------------------------------
c-058
1938 geben und die Restbestände des Warenlagers an die minderbemittelte Bevölkerung ausgeteilt.
Der ehemalige Ortsleiter der,,SDP", Josef Tauber, kehrte Mitte Ok- tober aus dem Freikorps-Dienst nach Schönfeld zurück. Er wurde vom neuen deutschen Landrat in Elbogen zum Bürgermeister be- rufen.
Einige Tage darauf feierte die Bevölkerung die Befreiung aus 20jähriger tschechischer Unterdrückung. Sie zog an einem Abend mit brennenden Kerzen und Lampions durch den Ort. Bei der Kirche hielt Bürgermeister Tauber eine eindrucksvolle Rede.
November: Aufbau der Partei (NSDAP), ihre Formationen und Glie- derungen. Neuer Ortsleiter Josef Zettl (Tischlermeister).
Alle öffentlichen Ämter wurden mit Deutschen besetzt.
Büros für sämtliche Gliederungen der Partei waren im Parteihaus, Marktplatz Nr. 110 (Hubl).
Übernahme der von Josef Roßmeißl errichteten Autobuslinien durch die Sächsische KVG - Kraftverkehrsgesellschaft - Dresden.
Im November erfolgt die Umwechslung der tschechischen Kronen in Reichsmark.
Während in den ersten Tagen und Wochen nach dem Anschluß der bisherige Kurs, 100 Kronen = 12 RM, Gültigkeit behielt, wurde nun- mehr der Wert der Krone reduziert und der amtliche Wechselkurs 100 Kronen 10 RM festgelegt.
=
In diesem Herbst wurde durch Inangriffnahme verschiedener Arbei- ten, u.a. auch des schon viele Jahre projektierten Straßenbaues von Schönfeld nach Rabensgrün, die Arbeitslosigkeit fast zur Gänze besei- tigt. Soweit es in diesem Winter, bedingt durch das Wetter, Arbeitslo- se gab, so erhielten diese eine weit höhere Arbeitslosenunterstützung als dies früher bei den Tschechen der Fall war.
3. Dezember: Zeppelin in nördlicher Richtung von Schönfeld sicht- bar, flog von Reichenberg kommend dem Egertal folgend über Eger zurück nach Bayern.
Ch 58
-----------------------------------------
c-059
1938 4. Dezember: Volksabstimmung im nunmehrigen Sudetengau. Hier der Text des Stimmzettels:
,,Bist Du, deutscher Volksgenosse, mit dem Anschluß an das Groß- deutsche Reich einverstanden?
Ja - Nein?"
Ergebnis in Schönfeld: Über 98 % Ja.
1939 Im Frühjahr erfolgte die Auflösung der bisher bestandenen Ortsverei- ne und Einziehung ihres Vermögens durch die Stillhalte-Kommission.
Mit Beginn des Frühjahres hatte Schönfeld einen zahlreichen Frem- denverkehr zu verzeichnen. Besonders die Sachsen besuchten gerne unsere Aussichtswarte.
in
15. März: Durchmarsch deutscher Truppen durch Schönfeld Richtung Petschau - wegen Besetzung des restlichen Teils der ČSR durch Hitler (Entstehung des sogenannten,,Protektorats Böhmen und Mähren").
Am 1. Mai wurde in Schönfeld das Standesamt eingerichtet. Stadt- sekretär Heinrich Ruppert war erster Standesbeamter. Stellvertreter und zweiter dieses Amtes war Rudi Weidl; nach dessen Einberufung 1941 übernahm Bauer Willi diese Stelle.
Auf der im Mai in Nürnberg veranstalteten Kunstgewerbeausstellung wurde eine, von der Schönfelder Spitzenschule hergestellte Spitzen- decke von Adolf Hitler erworben. Die bekannte Spitzendecke,,Die vier Jahreszeiten" erwarb Hermann Göring.
Im Juli wurde ein von den Tschechen jahrelang hingezogenes Projekt in Angriff genommen: Die Überdeckung des Flößgrabens von der un- teren Mühle bis zum unteren Schulgebäude.
August: Blutige Zwischenfälle an der polnischen Grenze. Am 26. er- hielten einzelne Reservisten Einberufungen zur Wehrmacht.
Am Sonntag, 27. August, erfolgte überraschend die Aufnahme aller Nahrungsmittel in den betreffenden Geschäften. Am Montag darauf erfolgte auch schon die erste Ausgabe der Lebensmittelkarten für die Woche vom 28. 8. bis 4.9.1939.
1. September: Deutsche Truppen überschreiten die polnische Grenze.
Beginn des II. Weltkrieges!
Ch 59
-----------------------------------------
c-060
Die beiden Fotos geben einen Ortsüberblick von der Staude bis zur Kirche. Auf diesem Bild, links oben, ein Teil vom Weißen Hügel (Kaunitz), im Vordergrund die,,Butterscheibe", rechts die Häu- sergruppe um den Alten Markt (Dreifaltigkeit). Oben, halbrechts, knapp zu erkennen, der Putzenhof.
1940 April: Assentierung zahlreicher älterer Jahrgänge. Die Musterung fand im Schießhaus in Elbogen statt. Rund 95 % waren,,kv" (kriegs- verwendungsfähig).
Ch 60
Das seit dem Jahre 1867 bestandene Postamt Schönfeld wurde durch Verfügung der Postdirektion Karlsbad zu einer Poststelle degradiert.
Sämtliche Zinngießerei-Betriebe wurden aufgrund der Kriegswirt- schaftslenkung im gesamten Sudetenland am 29. Februar stillgelegt. Die Inhaber der Betriebe einschließlich der Belegschaft wurden in kriegswichtige Betriebe dienstverpflichtet oder zur Wehrmacht einbe- rufen.
Im Sommer: Neupflasterung der Hauptstraße gegen Lauterbach, von der Abzweigung bei der Mautbrücke bis zum Gasthaus Guß. Zugleich erhielten die Häuser an der Sommerseite eine Kanalisation. Außer- dem wurde entlang dieser Häuserfront ein gepflasterter Gehsteig an- gelegt (von Porzellanmalerei Rau bis zum Warenhaus Geier, Markt- platz).
-----------------------------------------
c-061
Auf diesem Bild, links im Vordergrund das Stöckner-Haus, darüber Häuser im Bereich Lochner- Kanzelisten- und Kornellgasse. Rechts die Kirche und der Rathausturm. Oberhalb der Kirche ist in Richtung Hub das Werksgebäude vom Wilhelm-Schacht erkennbar.
1940 Um jenen landwirtschaftlichen Betrieben, deren Inhaber oder Be- wirtschafter zur Wehrmacht eingezogen waren, bei der Einbringung der Ernte zu helfen, wurde für die Dauer des Krieges der,,freiwillige Erntedienst" eingeführt. Dazu waren alle verfügbaren weiblichen und männlichen Hilfskräfte aufgerufen.
Die Reihe der 18 - 65jährigen mußte auch die,,Landwacht" stellen. Es waren etwa 100 Mann. Ihre Aufgabe war die nächtliche Flurkon- trolle. Auch die Einhaltung der damaligen Verdunkelungsvorschrift wurde im Ortsgebiet überwacht. Die Posten waren mit Jagdgewehren von Schönfelder Jägern oder mit Pistolen ausgerüstet. Die Einsatzlei- tung für die Landwacht hatte die Gendarmerie.
Am 29. Oktober starb nach langer schwerer Krankheit der seit 1. Mai 1910 in Schönfeld tätige Pfarrer, Monsignore Karl Enzmann, im Alter von 66 Jahren.
1941 Der Winter 1940/41 war außergewöhnlich schneereich. In der letzten Dezemberwoche wie auch in der ersten Hälfte des Jänner waren un- gemein starke, seit langem nicht mehr erlebte Schneefälle zu ver-
Ch 61
-----------------------------------------
c-062
Eine herrliche Winteraufnahme mit einer rauhreifbedeckten Birkengruppe unterhalb der Petschauer Straße. Im Hintergrund der Steingröll mit dem Aussichtsturm.
1941 zeichnen. Die Verkehrswege waren derart verschneit, daß der Autobus- und Postverkehr für einige Tage eingestellt bzw. einge- schränkt werden mußte. Schneepflüge und gegen 60 Schneeschaufler hatten wochenlang zu tun, die Wege und Straßen freizumachen. Als am 3. Jänner die verstorbene Frau Theresia Lochschmidt (Nr. 45) beerdigt wurde, konnte der Leichenwagen infolge der großen Schnee- massen nur bis zum Ortsausgang fahren. Dort mußte der Sarg auf einen Handschlitten umgeladen und von den Sargträgern mühsam zum Friedhof hinausgezogen werden. Es kam dies seit Bestehen des neuen Friedhofes, also seit 1901 zum erstenmal vor.
Ch 62
Am 18. und 19. Jänner, kaum daß die Verkehrswege freigemacht worden waren, traten erneut starke Schneefälle ein, die abermals. Straßen und Wege unpassierbar machten. Die Autobusse von Karls- bad konnten nur bis Schlaggenwald verkehren. An zwei Sonntagen waren rund 100 Mitglieder der NSDAP zum Freimachen der Straßen eingesetzt. Außerdem waren 30 bis 40 Mann seitens der Gemeinde bis Mitte Feber damit beschäftigt, die Straßen zu den Nachbarorten vom Schnee freizumachen.
Inzwischen waren sehr viele Wehrtüchtige eingezogen. Viele, beson- ders kinderreiche Familien, hatten ein schweres Los zu tragen. Ein Beispiel dafür aus unserem Heimatort: Das Ehepaar Josef und There- sia Dennl (Nr. 145) hatte sieben Söhne und eine Tochter. Sämtliche Söhne waren bei der Wehrmacht. Fünf der Söhne befanden sich di- rekt an der Front, einer war bei der Kriegsmarine und nur einer befand sich noch im Hinterland.
-----------------------------------------
c-063
Die Untere Statue im Rauhreif, ein einmaliges Erinnerungsfoto aus unse- rer schönen Heimat. Links ist neben den beiden mäch- tigen Linden die Kirche zu erkennen, darüber am Ho- rizont der Spitzberg.
1942 Jänner: Ablieferung der Kirchenglocken.
Letzter Postautoverkehr zwischen Karlsbad und Schönfeld. Ab 25. Jänner verkehrte wieder der pferdebespannte Postwagen. Mor- gens und abends nach Schlaggenwald und mittags zum Bahnhof Pet- schau, die Fahrpost übernahm Hans Müller, Grabengasse 68.
Im Laufe des Jahres kamen weitere Ostarbeiter (Ukrainer und Polen) als Arbeitskräfte für den Bergbau nach Schönfeld. Zu ihrer Unterbrin- gung wurde in der Pinge eine Baracke gebaut.
Innerhalb eines Jahres bezog Schönfeld, zugeteilt vom NSV-Kreisamt, aus dem WHW (Winterhilfswerk) einen Betrag von 32 700 RM. Dazu kam noch eine nicht geringe Summe aus der Aktion,,Mutter und Kind" sowie aus anderen NSV-Geldern. Ähnlich verhielt es sich in den folgenden Jahren.
1943 Jänner: Wendepunkt des Krieges und Anfang vom Ende.
Vernichtung der 6. deutschen Armee bei Stalingrad durch die Russen.
Ch 63
-----------------------------------------
c-064
BERGSTADT SCHONFELD
GESAMTPLAN MITEINGLIEDERUNG CER NEUEN BEBAUUNG
Schönfeld
b
11
St Katharina
NACH MARIENBAD
Schön
Kaum bekannt: Das Neubauprojekt für Schönfeld, vermutlich eine Planung aus dem Jahre 1943. Danach sollte das gesamte Gelände zwischen der Neustadt und dem Kaunitz mit mächtigen Wohnblocks, im damaligen Stil, bebaut werden. Auf dem Plan links, neben der Staudengasse, ein Sportstadion. Am Weißen Hügel eine breite Auffahrt zu einem großen Gebäude, vermutlich ein Sportheim. Auch im Stadtgebiet war links unterhalb des Marktplatzes (Brandl bis Apotheke) eine Sanierung geplant.
(Planerstellung:,,Der Reichsstatthalter im Sudetenland, Gauwohnungskommissar Wohnungs- und Siedlungsamt Reichenberg - 6943c.)
Ch 64
-----------------------------------------
c-065
1943 Am 25. Juli wurde im Stadtpark inmitten eines großangelegten Stein- gartens ein provisorisches Ehrenmal für die bisher im Kriege gefalle- nen Soldaten enthüllt.
Es war in Form eines Eisernen Kreuzes von dem heimischen Bild- hauer Willy Russ entworfen und in Stein ausgeführt worden. Vor dem Ehrenmahl waren die Namenstafeln der bisher Gefallenen zwi- schen Blumen angebracht worden. Die späteren Opfer wurden hier in gleicher Weise geehrt.
Am 31. August fand am Turnplatz ein Apell der noch daheimgeblie- benen Männer zwecks Erfassung und Aufstellung einer,,Wehrmann- schaft" statt. Dieser wurden verschiedene Aufgaben hinsichtlich der Sicherung der Heimat zugewiesen. Zu dem Appell waren 168 Mann angetreten.
Im Herbst wurde nach mehr als zweijähriger Bauzeit die neue Erzauf- bereitung am Hubhof fertiggestellt. Außer Zinn, Wolfram und Kupfer wurde jetzt auch Molybdän gewonnen, ein hartes, zähes Schwerme- tall, welches in der Glühlampen-Industrie Verwendung findet und mit Eisen legiert einen äußerst harten Werkzeugstahl ergibt. Vom Wilhelm-Schacht war, mit einer betonierten Straßenüberfüh- rung bei der Kreuzzeche, eine 900 Meter lange Seilbahn hinauf zur Aufbereitung am Hubhof erbaut worden.
Nach verläßlichen Angaben soll der Bau der Erzaufbereitung 70 Mil- lionen RM erfordert haben.
11
1944 Im Oktober wurde der Volkssturm" aufgestellt. Dieser hatte den Zweck, im Notfalle aktiv an der Seite der Wehrmacht zur Verteidi- gung der Heimat beizutragen. Gemeinsam mit Lauterbach wurde ein Volkssturm-Bataillon in der Stärke von 300 Mann aufgestellt. An ei- nem Sonntag im Oktober fand im Rahmen eines Appells am Markt- platz deren Vereidigung statt. In der Folgezeit erhielten die Männer eine Unterweisung, so insbesondere im Gebrauch der Panzerfaust, ei- ner damals neuen Panzerabwehrwaffe. Sonst bestand die Ausrüstung aus einigen Jagd- und alten Militärgewehren.
1945 Zu Anfang des Jahres zeichnete sich bereits das schlimme Ende des Krieges deutlich ab. Mitte Jänner hatte die russische Großoffensive mit Stoßrichtung auf Berlin, die Tschechoslowakei und Ungarn be- gonnen.
Am 24. Jänner erhielten ungefähr 40 Volkssturmmänner die Einberu- fung. Sie mußten schon am nächsten Morgen um 8 Uhr in Falkenau sein.
Ch 65
-----------------------------------------
c-066
1945 Am 30. Jänner kamen als erste Flüchtlinge etwa 30 Personen, meist Bauernfamilien aus Ostpreußen, nach Schönfeld. Sie wurden in den leerstehenden Räumen des alten Schulgebäudes einquartiert. Gleich in der ersten Nacht starb ein einjähriges Kind an den Folgen der Stra- pazen und besonders wegen der zur Zeit herrschenden großen Kälte. Zu gleicher Zeit mußte durch die Gemeinde weiterer Wohnraum zur Unterbringung von bereits angekündigten 600 Flüchtlingen sicherge- stellt werden. Sie trafen Mitte Februar in Schönfeld ein. Es war keine leichte Aufgabe, sie halbwegs menschenwürdig unterzubringen. Ruppert (Poschetz) stellte in dieser Zeit seinen ehemaligen Betsaal für die Einrichtung einer Krankenstation für Flüchtlinge zur Verfügung. Die neu eingetroffenen Flüchtlinge stammten überwiegend aus der Gegend von Görlitz und Hirschberg in Schlesien. Zum Teil waren auch Volksdeutsche aus der Bukowina und aus Polen, die bereits zum zweiten oder dritten Male flüchten mußten, dabei. Mitte Feber wurde das sogenannte ,,Volksopfer", eine Sammlung von Wäsche und Kleidungsstücken, durchgeführt. Jeder sollte ein wirkliches Opfer bringen, d. h. nicht nur entbehrliche, sondern darüber hinaus auch Sachen aus dem persönlichen Bedarf spenden. Die Sammlung brachte ein überraschend gutes Ergebnis.
Ch 66
Das Kriegsgeschehen fand nunmehr an allen Fronten auf deutschem Boden statt. Luftangriffe auf deutsche Städte erfolgten ständig. Starke amerikanische Bombengeschwader, mit ihrer todbringenden Ladung an Bord, überflogen unangefochten unser Heimatgebiet.
Im März wurden durch die Männer des Volkssturmes,,Panzerab- wehrnester" angelegt, das erste im Zona-Garten, gegenüber dem Kirchl, das zweite auf einem Grundstück hinter der Kreuzzeche. In diesen Gruben sollten Volkssturmleute mit ein paar Panzerfäusten etwa von Lauterbach oder Schlaggenwald her anrückende Panzer er- ledigen. Außerdem hatte man in den beiden je etwa 4 m langen, 4 m hohen und beinahe 1 m dicken Betonsäulen, die der Seilbahn- Straßensicherung bei der Kreuzzeche als Träger dienten, Bohrlöcher angebracht, um im Notfall die beiden Betonmauern zu sprengen und mit den Trümmern die Straße zu sperren. Wer konnte wohl ernstlich glauben, daß man mit diesen Maßnahmen etwa anrollende Feindpan-
zer aufhalten könnte.
Etwa um die gleiche Zeit bildete sich in unserer Stadt eine ,,Wehrwolf-Gruppe". Sie bestand aus rund einem Dutzend Angehöri- gen der damaligen Hitler-Jugend. Vernünftigerweise war diese Grup- pe nur ein einziges Mal, und das noch vor Kriegsende, in einer, von
-----------------------------------------
c-067
Schönfeld im Sudetengau
Diese Doppelansicht aus dem Jahre 1943 zeigt in der oberen Hälfte einen Teil der Oberen und Unteren Langen-Gasse und den Ortsteil Neukaunitz mit dem Hohen Stein. Auf dem unteren Foto ist die Hirtenpaint abgebildet.
1945 der Bevölkerung unbemerkten Nachtaktion, aktiv. Sie bemalten, be- sonders im Marktplatzbereich, etliche Hausfassaden mit Kampfsprü- chen und Wehrwolfangeln (Kampfsymbol).
Nun wurden auch die Bombardierungen sudetendeutscher Städte durch feindliche Flugzeuggeschwader heftiger. Falkenau wurde heimgesucht und in Eger wurde das Bahnhofsgelände in einem Groß- angriff total zerstört. Durch sogenannte Warnfunkmeldungen im Radio wurde die Zivilbevölkerung auf das Herannahen von feind- lichen Fliegern und deren Flugrichtung aufmerksam gemacht. Meist schon nach 8 Uhr morgens heulte zum erstenmal am Tag die Sirene am Rathausturm auf. Oft erfolgte kurz nach der ,,Entwarnung" be- reits der nächste Alarm. Das wiederholte sich Tag für Tag und immer war zu befürchten, daß eines Tages zumindest das Gelände des Erz- bergbaues mit einer Anzahl Bomben belegt werde, wofür besonders die weithin sichtbare neue Erzaufbereitung am Hubhof ein geradezu einladendes Ziel darstellte. Auch feindliche Tiefflieger,,,Jabos" ge- nannt, beunruhigten und gefährdeten tagsüber die Bevölkerung. Die
Ch 67
-----------------------------------------
c-068
1945 Landwirte konnten in diesem Frühjahr ihre Felder nur entweder früh bei Tagesgrauen oder am Abend nach 19 Uhr bestellen, denn ab 8 Uhr früh kreisten bereits des öfteren die ersten feindlichen Flieger über der Landschaft. Wurden die am Felde arbeitenden Leute von Tieffliegern überrascht, was sehr häufig vorkam, mußten sie die Zug- tiere im Stich lassen und sich eiligst ein Versteck suchen oder in einer guten Entfernung zum Gespann in,,Bauchlage" gehen.
Ch 68
Am 16. April, nachmittags, erschienen feindliche Tiefflieger, kreisten über dem Ort, sausten knapp über die Dächer hinweg, entfernten sich wieder, dann hörte man ein ohrenbetäubendes Krachen von Bordwaffen. Bald darauf sah man in der Richtung Friedhof schwarze Rauchwolken aufsteigen. Die Tiefflieger hatten das dem Großkauf- mann Spinner Fredl gehörende Lastauto, welches mit 5 Tonnen Mehl aus der Stöhr-Mühle in Petschau auf dem Heimweg war, beim Kreuz- berg angegriffen und in Brand geschossen. Dem Fahrer des Autos, so- wie zwei seiner Mitfahrer, zwei kriegsgefangene Franzosen, war es gerade noch gelungen, den Wagen zu verlassen und im nahen Ge- büsch Zuflucht zu suchen. Der Wagen samt dem Mehl verbrannten. Mitte April waren die amerikanischen Truppen im Westen bis nahe an die sudetendeutsche Grenze herangerückt. Angesichts der drohen- den Gefahr wurden durch den Volkssturm als Abwehrmaßnahmen gegen das Vordringen von feindlichen Panzern,,Panzersperren" an- gelegt. An der Lauterbacher Straße, zwischen dem Hause des Josef Gebhart (309) und der gegenüberliegenden Gartenmauer des Johann Opl, an der Petschauer Straße in der zweiten Krümmung und bei der Kreuzzeche wurde der bereits bestehende Panzerabwehrgraben wei- ter ausgebaut. Tag und Nacht standen Volkssturmmänner bei den Sperren auf Posten. Doch auch hier nahm kein vernünftig denkender Mensch an, daß diese Hindernisse geeignet gewesen wären, etwa an- rückende Feindpanzer am weiteren Vordringen zu hindern. Nur konnte es niemand wagen, seine Zweifel darüber laut zu äußern. Zu gleicher Zeit wurde den Hausbesitzern aufgetragen, für ihre Haus- gemeinschaften in einiger Entfernung vom Hause sogenannte,,Split- tergräben" anzulegen. In diesen winkelig angelegten und oft auch mit Erde überdeckten Unterständen sollten die Bewohner des Hauses bei Tieffliegerangriffen oder bei Artilleriebeschuß Zuflucht nehmen.
Am 18. April wurde der Unterricht in der Volksschule eingestellt. Zu dieser Maßnahme sah sich der Oberlehrer Edwin Grünes gezwungen, als sich das Anfliegen feindlicher Bombengeschwader pausenlos wie- derholte und einer eben verkündeten Entwarnung bald darauf ein
-----------------------------------------
c-069
1945 neuerlicher Fliegeralarm erfolgte. Bisher war bei Fliegeralarm für die Schulen nach folgender behördlicherseits getroffenen Anordnung verfahren worden: Die Kinder waren je nach der Entfernung zum El- ternhaus von der Schule in drei Gruppen eingeteilt. Die der Schule zunächst wohnenden Kinder konnten sofort bei Ertönen der Luft- schutzsirene in ihr Elternhaus laufen. Dabei konnten sie Kinder der dritten Gruppe, die am weitesten von der Schule wohnenden Kinder (Rathaufen, Hub) mit in den Keller ihres Wohnhauses mitnehmen. Die übrige mittlere Gruppe wurde im Luftschutzkeller des Schulge- bäudes untergebracht. Da die Entwarnung oft 2-3 Stunden auf sich warten ließ, war natürlich ein geregelter Unterricht schon längst nicht mehr möglich gewesen.
Ende April: Der Geschützdonner aus Richtung Eger war wieder ver- stummt. Die Amerikaner waren auf der bayerischen Seite des Böh- merwaldes abgerückt und drangen in der Bischofteinitzer Gegend nach Böhmen ein.
Aus der Saazer und Brüxer Gegend und auch aus dem Inneren Böh- mens kamen bereits die ersten sudetendeutschen Flüchtlinge, die sich rechtzeitig vor den nach Westen vorrückenden Russen in Sicher- heit bringen wollten.
In der Nacht zum 1. Mai traf die Nachricht ein, daß tags zuvor Adolf Hitler in Berlin gestorben war. Am 2. Mai wurde Berlin von den Rus- sen besetzt.
Trecks aus Ostpreußen, aus Schlesien, die auf wochen-, ja monatelan- ger Reise unsägliche Strapazen durchmachten und die nur das Not- wendigste an Kleidung und Wäsche in ihren Wagen mitführten, fuh- ren in Schönfeld vor. Kurz nach der Ankunft entband die Frau eines ostpreußischen Gutsbesitzers einen Jungen. Ein orthodoxer Pfarrer aus Litauen, der sich mit seiner Tochter einem der Trecks angeschlos- sen hatte, quartierte sich in der Gartenlaube des Pfarrgartens ein, weil er in ganz Schönfeld kein anderes Quartier fand. Er wohnte hier län- gere Zeit. Die Besitzer von Treckwagen trieben ihre Pferde hinaus in die Wiesen und Felder und ließen sie hier frei weiden. Das entfachte natürlich den Zorn der betroffenen Grundbesitzer. Der eine oder an- dere wagte es, seinen Ingrimm gegenüber den Pferdebesitzern zu äu- Bern; er erhielt fast immer die verständliche Antwort:,,Ihr grämt euch um ein bißchen Gras, wir aber haben alles verloren, vielleicht geht es euch auch noch so."
Ch 69
-----------------------------------------
c-070
1945 Der Krieg neigte sich seinem Ende zu. Unsere Heimat lag zwischen zwei Fronten, die sich unaufhaltsam näherten. Anfangs Mai kamen von irgendwoher etwa 1000 gefangene Russen nach Schönfeld, über- nachteten hier in der Autobusgarage und in Scheunen und wurden am nächsten Tag in westlicher Richtung weitergeführt. Trupps von KZ-Häftlingen wurden von Gendarmeriestation zu Gendarmeriesta- tion weitergegeben. Keine Gemeinde wollte sie, Exzesse fürchtend, beherbergen. In Karlsbad entließ man die Kriegsversehrten aus den Lazaretten und überließ sie ihrem Schicksal. Mühsam sich weiter- schleppend, auf Krücken gestützt, mit geschienten Gliedmaßen und angelegten Armbinden sah man viele auch durch Schönfeld ziehen. Zudem kamen in den ersten Maitagen von der Protektoratsgrenze her motorisierte Wehrmachtseinheiten nach Schönfeld, die vorher mit tschechischen Partisanen harte, verlustreiche Abwehrkämpfe hatten bestehen müssen. In den ersten Morgenstunden des 4. Mai hielten einige deutsche Wehrmachts-LKW, aus der Pilsener Gegend kommend, in der ersten Krümmung der Petschauer Straße hinter dem Grabenhäusl. Sie führten vier im Gefecht mit Partisanen gefalle- ne deutsche Soldaten mit. In einem gemeinsamen Grab an der Straße beerdigten die Fahrer ihre toten Kameraden. Auf Teilen eines zerbro- chenen Propellers brachten sie deren Namen und Einheit an und steckten diese mit den Stahlhelmen der Gefallenen zu Häupten in die Erde. Ein Strauß bunter Wiesenblumen auf den Grabhügel gelegt, war der letzte Gruß für die Toten. Dann fuhren die Autos in Richtung Lauterbach weiter.
Ch 70
In der Nacht zum 5. Mai war eine Verpflegungskolonne mit ihren Wagen in Schönfeld eingetroffen. Eine Infanteriekompanie belegte die beiden Schulgebäude. Immer mehr Wehrmachtsautos trafen ein. Die Soldaten suchten die letzten Unterkunftsmöglichkeiten in Scheu- nen, auf Plätzen und in Gärten unter Bäumen auf. Nun war Schön- feld noch in den letzten Kriegstagen in den Bereich des Kriegsgesche- hens einbezogen. Militär beherrschte jetzt das Bild der Straßen und Gassen. Die Unruhe und Nervosität in der Bevölkerung war aufs höchste gestiegen. Zudem wurde noch Samstag, den 5. Mai, der Be- fehl durchgegeben, daß der Volkssturm gemeinsam mit der Wehr- macht bei Eindringen feindlicher Truppen Widerstand zu leisten habe. Tag und Nacht standen Volkssturmmänner auf Wache.
Am nächsten Tag, Montag, den 7. Mai, einem sonnenklaren Tag, ließ um 9 Uhr vormittags das Donnern zweier amerikanischer Panzer die Häuser an der Hauptstraße im unteren Ortsteil erzittern. Von Falke-
-----------------------------------------
c-071
1945 nau her waren sie durch den Wald, den unteren Triftweg, bei der Hirtenpaint auf die Hauptstraße gekommen. Am Marktplatz machten sie bei der Mautbrücke halt. Der eine Panzer richtete sein Rohr gegen die Petschauer Straße, der andere gegen die Lauterbacher Straße. Ein paar amerikanische Offiziere sprangen ab und begaben sich zur Schu- le, wo ein Teil der in Schönfeld zusammengezogenen Truppen ein- quartiert war. Der Oberkommandierende der deutschen Einheit, ein General, erschien vor der Haustür des oberen Schulgebäudes, die amerikanischen Offiziere stiegen die Stufen hinan, ein kurzer Hände- druck, ein paar Worte, dann legte der General seine Waffe ab. Mit ihm dann auch die Soldaten.
Bald war Schönfeld von nachrückenden amerikanischen Truppen be- setzt. Die amerikanische Kommandostelle wurde im Hotel Potherr eingerichtet, der Kommandant selbst wohnte im Jahnheim. Noch am gleichen Tage mußten sich um 11 Uhr vormittags der Bürgermeister mit allen Gemeindeangestellten, sowie der Leiter der Städtischen Sparkasse und alle Betriebsinhaber von Schönfeld, einschließlich dem damaligen Ortsgruppenleiter der NSDAP, auf Anordnung des ameri- kanischen Kommandanten zu einer Besprechung im Rathaus einfin- den. Es erfolgten Anweisungen über die Durchführung der laufenden Aufgaben im Ortsbereich.
Viele deutsche Landser versuchten sich in die Heimat durchzuschla- gen, andere irrten ratlos umher, bis sie schließlich doch von den Ame- rikanern gefangen genommen wurden.
Am selben Tage wurde mit dem Alliierten Oberkommando in Reims in Frankreich die bedingungslose Kapitulation vereinbart und am nächsten Tage, den 8. Mai, in Berlin ratifiziert.
Einem totalen Krieg war eine totale Niederlage gefolgt, eine Nieder- lage, wie sie in der deutschen Geschichte nie zu verzeichnen war.
Kurz nach dem Einrücken der amerikanischen Truppen wurde durch den Gemeinde-Austrommler verlautbart, daß alle Arten von Waffen, einschließlich SA-Bajonette und HJ-Dolche von der Bevölkerung ab- zuliefern und vor dem Rathaus abzulegen seien. Zugleich wurde für die deutsche Bevölkerung das Ausgehverbot in der Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr früh verkündet.
Für die amerikanischen Truppen wurden Häuser beschlagnahmt. Die Eigentümer mußten sie binnen zwei Stunden ganz oder teilweise räumen. Bevorzugt wurden besonders die großräumigen Gebäude am Marktplatz, z. B. Gerstner, Geier,,,Longer", aber auch kleinere Häu- ser wie Horner oder Ruppert (Poschetz) gehörten mit dazu.
Ch 71
-----------------------------------------
c-072
1945 Gleich nach dem Eintreffen der Amerikaner hatte ein Ansturm der Bevölkerung auf die auf Plätzen und in Scheunen untergestellten Wehrmachtswagen, die viel Proviant enthielten, eingesetzt. Vorher schon hatten die Besatzungen der Wagenkolonnen auf der Pet- schauer- und Lauterbacher Straße unter Mitnahme von allerhand Brauchbarem ihre Fahrzeuge verlassen und das Weite gesucht. Die Waffen hatten sie teilweise demoliert, teils auch vergraben oder in die Felder geworfen. In den Straßengräben lag eine Unmenge von leeren Konservendosen, Kartons, Waffenteilen, Uniformstücken, Kanistern und diversem Militärzeug. Das Bild einer zerschlagenen Armee. Die- sen Eindruck hatte jeder, der diese mannschaftslose Fahrzeugkolonne sah. Erst später hat man die Wagen auf das Opl-Feld gebracht, wo sie völlig ausgeschlachtet bis zum Jahre 1946 standen. Die Ostarbeiter und die Kriegsgefangenen hatten sich in den ersten Tagen nach dem Zusammenbruch auf den Heimweg gemacht. Die Franzosen hatten sich dafür aus den verlassenen Fahrzeugen passende Personenwagen ausgesucht und waren damit in Richtung Heimat abgefahren. Ein Ukrainer hatte sich gar einen der großen Autobusse der früheren Sächsischen Kraftverkehrs-Gesellschaft angeeignet.
Ch 72
Am 8. Mai wurde der Bürgermeister Josef Tauber durch die amerika- nische Militärverwaltung von seinem Posten abgesetzt. Gleichzeitig ernannten die Besatzer den damaligen städtischen Angestellten Willi Bauer zum neuen Bürgermeister.
Im Rathaushof war durch die Gemeinde eine Volksküche eingerich- tet worden, um den vielen Fremden wenigstens einmal am Tage eine warme Mahlzeit zukommen zu lassen. Da waren die deutschen Kriegsgefangenen, um die sich in den ersten Tagen niemand küm- merte, dann die Ostarbeiter und die fremden Kriegsgefangenen. Dazu kamen die aus den Lazaretten entlassenen Verwundeten, sowie Flüchtlinge, die aus der Karlsbader Gegend gekommen waren; sie alle bestimmten das Bild auf den Straßen und Plätzen. Nach Angaben des Stadtamtes hatte Schönfeld in diesen Tagen einen Verpflegungsstand von über 5000 Personen. Das war etwas mehr als das Dreifache der damaligen Einwohnerzahl. Einheimische sagten sich, man müsse Glück haben, um einen Schönfelder zu treffen.
Mitten in dieses Chaos des Zusammenbruches einer Wehrmacht und eines Staatswesens hinein kam im Prager Rundfunk, der bereits von den Tschechen wieder übernommen worden war, eine Nachricht, die wegen ihrer Ungeheuerlichkeit von vielen Sudetendeutschen gar nicht recht ernst genommen wurde. Die Nachricht besagte nämlich:
-----------------------------------------
c-073
1945 Der Prager Ministerrat hat in seiner Sitzung am 4. Mai 1945 beschlos-
sen, sämtliche Angehörige der deutschen und magyarischen Minder- heit in der ČSR innerhalb eines Zeitraumes von 18 Monaten umzusie- deln. Nach Ablauf dieser Frist sollte sich kein Sudetendeutscher oder
Magyare mehr auf dem Boden der ČSR befinden. Expräsident Be- nesch hatte nämlich schon lange vorher während seines Aufenthaltes in Moskau von Stalin die Einwilligung erhalten, die in der ČSR be- findlichen Deutschen und Ungarn ausweisen zu dürfen. Stalin hatte in diesem Zusammenhang erklärt, die UdSSR wäre bereit, 800 000 Deutsche als Arbeiter für Sibirien aufzunehmen. Man hielt es nicht für möglich, daß die Tschechen, die nun die Staatsgewalt wieder fest in der Hand hatten, dreieinhalb Millionen Deutsche aus ihrer ange- stammten Heimat einfach davonjagen könnten. Daß dies noch dazu auch ohne jede Entschädigung für das zurückgelassene Vermögen ge- schehen würde, daran hatte in diesen Tagen noch niemand gedacht. So sah man bange in die Zukunft. Nach den Schrecknissen des Krie- ges stand nun eine neue schwere Sorge vor den Menschen unserer Heimat.
Die amerikanischen Truppen hatten unser Gebiet nur bis zum Tepl- Tal besetzt. In Petschau zogen die Russen ein. So ging zwischen Pet- schau und Schönfeld gewissermaßen eine Demarkationslinie, die man nur mittels eines Erlaubnisscheines überschreiten durfte. Die Amerikaner hatten etwa 200 m vom Ortsausgang an der Petschauer Straße und am Ausgang der Hofgasse gegen die Neudekera einen Schlagbaum errichtet. Daneben stand ein Holzhäuschen für den Wachtposten. Die Landwirte, die in dieser Richtung, also gegen Friedhof, Länge, Neudekera, Hubhof, Grundstücke hatten, konnten auf diese nur mit einem Passierschein gelangen, den man im Rathaus bekam. Diese Verordnung blieb bis zum Abzug der amerikanischen Truppen aufrecht.
Bislang war alles noch glimpflich für die Bevölkerung verlaufen. Die Amerikaner hatten sich schon am zweiten Tag der Verlautbarung nicht mehr um die Einhaltung der Sperrstunde für die deutsche Be- völkerung gekümmert. Auch sonst wurde kaum einem Deutschen durch die Besatzungstruppe ein Haar gekrümmt.
Anders wurde es, als am 16. Mai plötzlich Tschechen wieder ihren Einzug in Schönfeld hielten. Etwa 12 Rotgardisten mit roten Armbin- den mit aufgedrucktem RG (Revoluzni Garda) und 4 Gendarmen bil- deten den Vortrupp. Die RG quartierte sich im Gasthaus Gerstner ein, die Gendarmen bezogen den bisherigen Posten im Pfarramt, sie- delten aber nach einigen Tagen in das Gasthaus zur Halle am Markt-
Ch 73
-----------------------------------------
c-074
1945 platz über. Und nun begann, wie überall, auch in Schönfeld eine Schreckenszeit.
Ch 74
Ihren Haß gegen alles Deutsche, mit dem sie nach Schönfeld kamen, ließen sie zunächst an dem Gefallenen-Ehrenmal im Stadtpark aus. Sie stürzten es vom Sockel, warfen es über die Mauer hinter der Kir- che und beschmutzten es in der unflätigsten und gemeinsten Weise. Die Namensschilder der Gefallenen warfen sie auf den Komposthau- fen hinter dem Glockenturm. In der gleichen Weise hausten sie beim Gemeinschaftsgrab der vier deutschen Soldaten, welche anfangs Mai an der Petschauer Straße beerdigt worden waren. Sie verbrannten die Propellerteile mit den Namen der Gefallenen, warfen die niedergeleg- ten Kränze und Blumensträuße in das Gelände und zerstörten den Grabhügel.
Die RG-Leute übernahmen als Mistni narodni vybor (Ortsnational- ausschuß) die Verwaltung der Gemeinde. Ihr Predseda (Vorsitzender) war ein gewisser Zajic. Die erste Amtshandlung der neuen Gemein- deregierung war die Verlautbarung, nach der alle Spareinlagen der Deutschen, der Ungarn und der übrigen Feinde der Republik ge- sperrt waren und keine Abhebungen mehr durchgeführt werden durften. Zugleich wurde auch alles sonstige Vermögen der angeführ- ten Personen zugunsten des Tschechoslowakischen Staates konfis- ziert. Am Bergwerk und an der Schraubenfabrik wurden Schilder an- gebracht,,Cesky majitek" (tschechisches Eigentum). Eine weitere So- fortmaßnahme war die Ablieferung der Radioapparate. In Schönfeld waren zu dieser Zeit etwa 500 Geräte angemeldet. Auch Musikinstru- mente waren abzuliefern. Im Zimmermann-Hause eröffneten die Tschechen eine Volksbücherei. Die deutsche Gemeindebücherei war natürlich schon längst geschlossen worden.
Es kamen wieder Lebensmittelkarten zur Ausgabe. Auf dem Unter- druck der Karten war hunderte Male zu lesen:,,Für Deutsche." Für Deutsche gab es aber kein Fleisch, kein Fett, statt dessen nur Kno- chen und Blut, keine Butter, nur wenig Mehl und Brot, für Kleinkin- der nur etwas Magermilch. In den Läden war für die Deutschen als Verkaufszeit die Zeit von 10 bis 12 Uhr festgesetzt, und auch da muß- ten sie warten, bis alle tschechischen Kunden bedient waren. Die Deutschen durften kein Gasthaus, kein Kino besuchen, durften keine Eisenbahn, keinen Autobus benützen, durften nicht in den Wald ge- hen. Ferner durften sie sich nicht weiter als 4 Kilometer vom Wohn- sitz entfernen. War dies mal erforderlich, so mußte man sich beim Narodni vybor um die Ausstellung eines Wegscheines bemühen. Dieser kostete 4 Kronen.
-----------------------------------------
c-075
1945 Um die Deutschen erkennen zu können, mußten sie weiße Armbin- den tragen, die mit dem Gemeindestempel versehen waren. Auch die Sperrstunde mußte wieder strikt eingehalten werden. Es liefen stren- ge Kontrollen.
Am zweiten Tag nach dem Eintreffen der Tschechen wurden alle deutschen Männer von 18 bis 60 Jahren vor das Rathaus gefordert, um eine Kette von übelsten Beschimpfungen und Strafandrohungen entgegen zu nehmen.
Auch sonst ließen es gewisse Leute aus Schönfeld nicht an Denunzie- rungen fehlen und verrieten den Tschechen alles, aber auch alles, was sie über die Heimatgenossen wußten. Die tschechischen Gendar- men erklärten später mehr als einmal, daß sie in Schönfeld leichte Ar- beit hätten, es würde ihnen alles zugetragen, mehr, als ihnen manch- mal lieb wäre. Hinzu kam, daß sowohl die Amerikaner als auch die Tschechen nach ihrem Einrücken in Schönfeld die vollständigen Mit- gliederlisten der ehemaligen SDP (Sudetendeutsche Partei) wie auch der NSDAP vorfanden. Unverständlicherweise hatte man es ver- säumt, die Listen vorher zu vernichten. Es ist zu vermuten, daß selbst angesichts der amerikanischen Truppen in unserem Ort, die damali- gen politischen Köpfe immer noch an einen Einsatz der viel und oft zitierten Wunderwaffe glaubten, die noch einen sogenannten Endsieg bringen sollte. Dieser schizophrene Gedanke könnte damals einer Dokumentenvernichtung im Wege gestanden haben. So lag auch in dieser Hinsicht den Tschechen alles klar auf der Hand.
Kommen wir zurück auf die vor das Rathaus bestellten Männer. Nach einer Ansprache Weigls (ein aus dem Militärdienst entlassener Schlesier, dessen Familie nach Schönfeld geflüchtet war und der un- erklärlicherweise bei sehr vielen Aktionen der Tschechen gegen die deutsche Bevölkerung maßgeblich mitmischte) wurde die Arbeits- parole für die deutschen Männer ausgegeben. Eine Gruppe mußte mit einem schweren Pferdewagen, natürlich ohne Bespannung, die Schutthalde vor dem alten Schulhaus zum Hohen Stein bringen. An- dere mußten die Hindernisse, die als Panzersperren angelegt worden waren, beseitigen. Wieder andere bekamen den Auftrag, vor der Kir- che Blumenbeete anzulegen und zu bepflanzen. Die Erde hierzu wur- de aus dem Zohnergarten herbeigeschafft. Nachdem diese Arbeiten durchgeführt waren, wurde die Asphaltstraße von der Mautbrücke bis unterhalb der Pinge ausgebessert. Schließlich wurde das Gäßchen vom Schleehaus bis zu Josef Gareiß (Brosl) kanalisiert.
Ch 75
-----------------------------------------
c-076
1945 Gleichzeitig mit dem Beginn der erwähnten Arbeiten hatte eine Ver- haftungswelle eingesetzt, die viele Monate hindurch andauerte. In erster Linie handelte es sich um Amtswalter der ehemaligen NSDAP. Rund 120 Personen hatten die Tschechen bis Ende 1945 verhaftet, darunter auch die Jugendlichen der ehemaligen Gruppe,,Wehrwolf". Aber auch andere Leute, denen irgend etwas,,in die Schuhe gescho- ben" wurde, waren nicht davor sicher. Es war eine nervenaufreiben- de und bange Zeit, und es verging kaum ein Tag, an dem nicht eine Verhaftung mit anschließender Hausdurchsuchung vorgenommen wurde. Die Betroffenen, die meist in den Vormittagstunden aus dem Kreis ihrer Familie gerissen oder direkt von ihrem Arbeitsplatz weg- geholt wurden, brachte man auf das Rathaus oder auf den Gendar- merieposten. Bei dem dann folgenden Verhör wurden sie geschlagen und mit Ohrfeigen traktiert. Nach dieser groben Behandlung folgte der Abtransport zur Burg Elbogen. In Zellen gepfercht waren dort oft bis zu 400 Häftlinge eingesperrt, die der Willkür und den Schlägen der Wachtposten ständig ausgesetzt waren. Hier harrten ihrer neue Verhöre, die fast immer mit Mißhandlungen verbunden waren. Einigemale erfolgte eine teilweise Verlagerung der Häftlinge in das Baracken-Lager Neurohlau. Ein Transport mit etwa 250 Mann, dem auch der Verfasser angehörte, ging per Bahn nach Třemošna bei Pil- sen. Der auf diese Weise geschaffene freie Platz auf der Burg wurde aber schon bald danach wieder von Neuzugängen eingenommen. Bei karger Kost wurden die Insassen dieser sogenannten Internierungsla- ger zu verschiedenen Arbeiten - in Neurohlau überwiegend beim Gleisbau - eingesetzt. Manche konnten sich gesundheitlich nur des- halb auf der Höhe halten, weil sie von Angehörigen hin und wieder etwas Verpflegung erhielten. Ganze Gruppen von Essenträgern gin- gen oft in den Frühstunden in Richtung Elbogen oder Neurohlau. Dieser Weg war, besonders in der Winterzeit, mit großen Strapazen verbunden. Bei jeder Witterung wurde die Wegstrecke hin und zu- rück zu Fuß zurückgelegt. Das im Rucksack oder einer Handtasche mitgeführte und vom Munde abgesparte Verpflegungsgut bestand meist aus Brot, einer Flasche Kaffee und einem zu dieser Zeit auf kei- nem,,Küchenzettel" fehlenden Weizen- oder Kornschrotbrei. Die meisten der Inhaftierten wurden erst im Laufe des Jahres 1946 entlassen.
Ch 76
Am 2. August wurde das zwischen den USA, Großbritannien und der UdSSR beschlossene Potsdamer Abkommen unterzeichnet. Der die Umsiedlung der Deutschen betreffende Artikel hatte folgenden Wort- laut:,,Die drei Regierungen anerkennen nach Erwägung dieser Sache
-----------------------------------------
c-077
1945 in allen ihren Ausblicken, daß die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn vorhandene deutsche Bevölkerung oder Teile von ihnen nach Deutschland abzuschieben sind. Sie stimmen darin überein, daß jedwede platzgreifende Abschiebung in ordentlicher und humaner Weise zu bewerkstelligen wäre."
Mit der Ratifizierung dieses Abkommens durch die drei Siegermächte war das Schicksal der Sudetendeutschen endgültig besiegelt. Trotz- dem klammerten sich manche noch wie der Ertrinkende an den Strohhalm an geheime Hoffnungen, wie etwa: Die Amerikaner wür- den ihr besetztes Gebiet schon wegen des Bäderdreiecks Karlsbad- Marienbad-Franzensbad nicht aufgeben, oder auch: Das westliche Sudetenland soll als Neu-Bayern dem Lande Bayern angegliedert wer- den. Doch alle Hoffnungen erwiesen sich als falsch, das Schicksal nahm seinen Lauf.
-
Am Vormittag des 26. August erhielten 60 Männer in Schönfeld durch den Narodny vybor die Aufforderung, daß sie am nächsten Tage um 7 Uhr früh zum Abtransport vor dem Rathaus gestellt sein müßten. Mitzubringen sei eine Decke, Eßbesteck und Verpflegung für zwei Tage. Begreiflicherweise gab es an diesem Tage wieder große Aufregung unter den Betroffenen und deren Angehörigen. Das Vorhaben wurde jedoch noch am gleichen Tage von den Amerika- nern unterbunden. Initiator war ein Ami-Sergeant, der Stammkunde beim Brandl-Frisör (Vater des Verfassers) war. Von ihm, der ebenfalls diesem Transport angehören sollte, erfuhr der Sergeant von der ge- planten Aktion der Tschechen. Er informierte umgehend seinen Kommandanten im Hotel Potherr", der sofort reagierte und den Transport mit der Begründung untersagte, daß er keinen Deutschen aus der amerikanischen in die russisch besetzte Zone abtransportie- ren lasse. Damit waren die Betroffenen noch einmal gut davonge- kommen.
1
Um diese Zeit wurden die bisherigen RG-Leute, die zum größten Teil ehemalige Hochschulstudenten gewesen waren und bisher den Bo- den für die Tschechisierung vorbereitet hatten, von Schönfeld abge- zogen. Für sie kamen jetzt die eigentlichen Kommissare, die nun die Gemeindeverwaltung übernahmen und aufbauten. Sämtliche waren Mitglieder der tschechischen kommunistischen Partei. Gemeinde- kommissar und zugleich Kommissar über den Bergbaubetrieb wurde ein gewisser Sladky, der früher bei einem Kohlenschacht in Kladno beschäftigt gewesen war. Wohnungskommissar wurde der Landwirt- schaftsgehilfe Stejskal. Auch die anderen Gemeinderessorts wurden
Ch 77
-----------------------------------------
c-078
1945 linientreuen Kommunisten zugewiesen. Ebenso wurden die Betriebe Kommissaren unterstellt. Unmittelbar nach den Kommissaren ka- men auch die ersten Siedler nach Schönfeld. Meist stammten sie aus dem Kladnoer Gebiet. Oft nur mit einer Aktentasche oder einem Kar- ton unterm Arm ausgerüstet hielten sie ihren Einzug in Schönfeld. Kurz darauf schon sah man sie durch den Ort wandern, die Häuser mustern, bis sie endlich ein ihnen genehmes Haus gefunden hatten. Ihr nächster Weg war zum Rathaus, wo sie dem Wohnungskommis- sar die Nummer des Hauses meldeten, für das sie sich entschieden hatten. Dann gingen die beiden gemeinsam in das betreffende Haus und eröffneten den Bewohnern, daß sie binnen zwei Stunden, in ein- zelnen Fällen in 20 Minuten das Haus verlassen und die Schlüssel dem neuen,,Eigentümer" übergeben haben müßten. Nur das Not- wendigste an Kleidung und Wäsche durften sie mitnehmen. Möbel und alles andere Inventar mußten stehen bleiben.
Ch 78
Der aus seinem Haus Vertriebene wurde mit seiner Familie in irgend- ein anderes Haus eingewiesen. Manchmal fanden die Betroffenen Unterschlupf bei Verwandten.
Hatte der,,Neusiedler" ein Haus in Besitz genommen, trug er sich im ganzen Ort, was ihm gefiel, und was er brauchen konnte, aus den an- deren Häusern zusammen. Auf diese Weise war er innerhalb kürze- ster Zeit seinen Wünschen entsprechend ausgestattet. Ebenso mach- ten es die Tschechen, die einen Gewerbebetrieb übernahmen. Auch sie trugen das Beste aus den stillgelegten deutschen Läden und Ge- schäften zusammen. Jede Woche kamen neue Siedler, unter ihnen auch viele Slowaken, denen man, um das Sudetenland besiedeln zu können, ein Haus, Land und eine Arbeitsstelle versprochen hatte, wenn sie sich auf zwei Jahre zur Arbeit verpflichten würden. Diese Leute verlangten natürlich auch eigene Häuser.
So lebten nun die Deutschen in ständiger Angst, vielleicht schon in den nächsten Stunden aus ihrem Heim verjagt zu werden. Selbst in der Nacht hatte man keine Ruhe. Dann und wann trommelte es an die Haustür oder ans Fenster. Es waren zwei oder drei Gendarmen, die, hatte man sie eingelassen, alle Hausbewohner aus den Betten trieben und alle Räume des Hauses gründlich durchsuchten. Auf die zaghafte Frage des Hausbewohners, was sie denn eigentlich mitten in der Nacht suchten, erklärten sie, sie müßten prüfen, ob nicht ein Fremder im Hause verborgen gehalten würde.
Auch durch allerlei andere Maßnahmen suchte man die deutsche Be- völkerung zu demütigen und ihr zu zeigen, in wessen Händen jetzt die Macht läge. So wurden die Deutschen ab 14 Jahre zweimal ge- zwungen, nach Elbogen zu gehen, um sich dort eine Ausstellung mit
-----------------------------------------
c-079
1945 Bildern von nationalsozialistischen Greueln anzusehen. Jeder mußte sich eine Bestätigung über den Besuch geben lassen, die er bei der nächsten Lebensmittelkarten-Ausgabe vorlegen mußte, sonst wären ihm für die nächste Ernährungsperiode die Lebensmittel entzogen worden.
Ein andermal mußten die Deutschen, die nicht in Arbeit standen, in unseren Nachbarort Lauterbach gehen, um dort der Beerdigung von vier verstorbenen Juden beizuwohnen. Diese waren während des Krieges, infolge der mitgemachten Strapazen, auf dem Marsch gestor- ben. Man hatte sie damals am Waldrand an der Sangerberger Straße verscharrt. Jetzt mußten Mädchen und Frauen aus Lauterbach, die vormals dem BdM oder der NS-Frauenschaft angehörten, die toten Juden mit bloßen Händen ausgraben, die Gebeine fein säuberlich rei- nigen und sie dann ordentlich einsargen. Der anschließenden Beerdi- gung am Lauterbacher Friedhof mußten die Deutschen aus der ganzen Umgebung beiwohnen.
Mitte August wurde auch die bisherige Mark-Währung wieder auf Kronen umgestellt. Hierbei mußten die Deutschen ihre Markbeträge abgeben. Sie sollten dafür pro Monat und Person 300 Kč zum Leben zurückerhalten. Aber nur ein- oder zweimal erhielten sie diese Zahlung.
Zu Beginn der Obstreife wurde verlautbart, daß die Deutschen kein Obst von ihren Bäumen pflücken dürfen, das gehöre der tschechi- schen Bevölkerung. So mußten die Einheimischen zusehen, wie frem- de Leute in die Gärten kamen und ihr Obst ernteten. Zur Zeit der Ernte konnten wohl die deutschen Landwirte das Getreide von ihren Feldern heimfahren, konnten es dreschen, mußten dann aber sämt- liche Frucht den Tschechen abliefern. Das Getreide wurde in zwei Klassenzimmern der alten Schule und am Schüttboden der unteren Mühle eingelagert. Auch die Kartoffeln mußten zum größten Teil abgegeben werden, sie wurden im Rathaus- und anderen Kellern ein- gelagert. Natürlich geschahen all diese Lieferungen ohne jede Ver- gütung an die Landwirte. Wehen Herzens mußten die Deutschen zu- sehen, wie von den beiden Schulgebäuden die Buchstaben der Auf- schrift,,Volksschule" und am Rathaus die beiden Schriftzüge,,Stadt- amt" und Städtische Sparkasse" heruntergerissen wurden. Immer mehr verlor Schönfeld seinen rein deutschen Charakter, sowohl dem äußeren Bild, wie auch der Sprache nach.
Am 11. November trat das ein, was man lange befürchtet hatte: An diesem Tage zogen die amerikanischen Besatzungstruppen aus
Ch 79
-----------------------------------------
c-080
1945 Schönfeld und aus dem von ihnen besetzten übrigen Sudetengebiet ab.
Ch 80
Die deutsche Bevölkerung verfolgte mit Angst und Bangen diesen Ab- zug, denn bisher war es einzig und allein der Anwesenheit der ameri- kanischen Besatzungstruppen zu verdanken, daß es in unserem Hei- matort zu keinen blutigen Ausschreitungen und Massakern gegen die Deutschen gekommen war, wie dies in vielen Fällen in den von den Russen besetzten Gebieten, in der ersten Zeit nach der Kapitulation, der Fall gewesen.
Anfang November erging an die Deutschen die Aufforderung, mit Stichtag vom 15. November sämtliche in ihrem Besitz befindlichen Einlagebücher bei Sparkassen, Banken und anderen Geldinstituten anzumelden.
Die ersten Maßnahmen, die jetzt die Tschechen nach Abzug der Ame- rikaner gegen die Deutschen unternahmen, waren systematische Hausdurchsuchungen. Zu diesem Zwecke war Schönfeld vom,,Na- rodni vybor" in Rayone eingeteilt worden. Jeden Sonntag, wo nicht gearbeitet wurde, kamen 3-4 Rayone dran. Zwei bis drei Mann, meist von einem Gendarmen begleitet, kamen ins Haus und durch- suchten es vom Keller bis zum Dach. Ein Wagen, der dieser Gruppe folgte, diente zum Abtransport des beschlagnahmten Gutes. Da alles Eigentum der Deutschen, also auch Häuser, Grund und Bo- den dem Staate verfallen waren, mußten von nun an auch die Haus- besitzer für ihre eigenen Häuser Miete bezahlen. Die Miete richtete sich nach der Größe des bewohnten Hauses und betrug im allgemei- nen 50.- Kč im Monat.
In der ersten Dezemberhälfte wurden drei Männertransporte mit dem Ziel Brüxer-Kohlenrevier zusammengestellt. Es waren rund 100 Mann, die auf diese Weise zwangsverpflichtet wurden. Der letzte die- ser Transporte ging am 13. Dezember ab. Vier Mann, die für diesen Transport mit aufgerufen waren, hatten bei stürmischem Winterwet- ter über Nacht das Weite über die bayerische Grenze gesucht. Die Bevölkerung, für deren größter Teil das Wort,,Entbehrung" seit jeher kein Fremdwort war, erlebte wohl in diesem Jahr die denkbar traurigsten Weihnachten.
-
Gefallen, vermißt, gefangen, verhaftet, zwangsverpflichtet, enteignet alles Worte, die fast in jeder Familie, zumindest teilweise, ihren Platz hatten. Außerdem stand die Vertreibung aus der angestammten Heimat vor der Tür.
-----------------------------------------
c-081
1946 Der erste Aussiedlertransport aus dem West-Sudetengebiet ging am 30. Januar von Marienbad ab.
Der erste Transport aus dem Kreise Elbogen wurde Mitte März zu- sammengestellt, dessen Abgang am 19. März festgesetzt war. Gegen 320 Personen aus Schönfeld erhielten die Aufforderung, sich an die- sem Tage um 7 Uhr früh zwecks Abtransportes in der Kreuzzeche einzufinden. Pro Person waren 50 Kilogramm Gepäck erlaubt. Um zu verhüten, daß etwa die Aussiedler etwas von dem zurücklassenden Gut an Bekannte oder Nachbarn abgeben konnten, durften die Deut- schen am Vorabend unter Androhung strenger Strafe ihre Häuser von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht verlassen.
Am sonnenklaren Morgen des sonst so gefeierten Josefi-Tages fuhr Wagen um Wagen mit den wenigen Habseligkeiten der ersten Ver- triebenen unseres Heimatortes hinunter zur Kreuzzeche, wo eine Kontrolle stattfand.
Für viele war dieser Auszug aus dem Heimatort ein Abschied für im-
mer.
Die Kontrolle war in erster Linie auf das Gepäck ausgerichtet. Etliche Stücke aus der verbliebenen Habe wechselten hier noch ihre Besitzer. Auf Lastwagen ging es dann nach Neusattl, wo in der ehemaligen deutschen Volksschule das Abgangslager eingerichtet war. Nach eini- gen Tagen ging es zum Bahnhof Neusattl, wo der Transportzug bereit stand. Vorher hatte jede Person 1000 RM als Abgangsgeld von den Tschechen erhalten. Jeder Transport bestand aus 1200 Personen. In jeden der 40 Güterwaggons des Zuges kamen 30 Personen mit ihrem Gepäck. Über Eger-Wiesau ging es dann nach Bayern. Der erste Transport wurde in den Kreis Königshofen in Unterfranken geleitet. In der Folgezeit gingen jeden Monat durchschnittlich zwei Transporte aus dem Bezirk Elbogen ab. Nach drei oder vier Transporten zahlten die Tschechen den abgehenden Deutschen nur mehr 500 Mark als Abgangsgeld. Auch wurde die Kontrollstelle von der Kreuzzeche in das Gasthaus Geier am Marktplatz verlegt.
Die zurückgebliebenen Deutschen lebten jetzt zwischen den bereits ansässigen Tschechen und Slowaken in einer eigenartigen Situation, in einem Gemisch sich widerstrebender Gefühle. Einerseits beneide- te man die bereits Ausgesiedelten, die den Abschied von der Heimat bereits überstanden und irgendwo eine neue Heimat gefunden hat- ten, andererseits war man froh, noch einige Wochen in seiner Hei- mat, in seinem Hause wohnen zu können. Manche meldeten sich freiwillig zum nächsten Transport, um der nervenaufreibenden Lage entrinnen zu können.
Ch 81
-----------------------------------------
c-082
1946 Immer einsamer war es nach den ersten Transporten für die noch zu- rückgebliebenen Deutschen geworden, immer menschenleerer und damit beklemmender in den Gassen und Gäßchen. Wie aus hohlen Augen schaute einen so manches Haus durch seine eingeschlagenen oder offenstehenden Fenster anklagend an.
Ch 82
Für die Deutschen durfte in der Kirche noch deutsch gepredigt werden.
Im Mai beschlossen die Tschechen, auf den Feldern hinter der Neu- stadt einen Sportplatz anzulegen. Zu den Arbeiten wurden Deutsche herangezogen. Die Arbeiten kamen aber im Juni wegen der Heu- mahd zum Erliegen.
An einem Sonntag Ende Juni traten gegen 40 Mäher an und mähten die Breite Wiese. Aber nur ein kleiner Teil des Heues wurde heim- gefahren, der größte Teil blieb in Schwaden liegen und verfaulte. Das Heu gehörte für das von den ausgewiesenen Deutschen abgelie- ferte und in den Ställen auf der Hub und am Hubhof untergebrachte Vieh. Das Großvieh ließ man Tag und Nacht unbewacht auf den Hubhalden weiden. Für das Jungvieh wurden Weidekoppeln auf der Eckl-Paint und am Wallisch-Garten angelegt. Von den in Schönfeld vorhanden gewesenen ca. 370 Kühen waren im Frühjahr 1947 noch etwa 40 übrig geblieben. Der größte Teil war durch Hunger und mangelnde Pflege eingegangen.
Anfang September wurde im bisherigen deutschen Schulgebäude eine tschechische Schule eröffnet. Außer tschechischen und slowa- kischen Kindern wurden auch die Kinder jener Deutschen aufgenom- men, die gewillt waren, als Arbeiter weiterhin in Schönfeld zu ver- bleiben.
Waren alle bisherigen Vertriebenen-Transporte in die von den Ameri- kanern besetzten Gebiete Westdeutschlands geleitet worden, so gin- gen die beiden Transporte vom 26. August und vom 9. September zum Entsetzen der Betroffenen von Wiesau aus in die russisch be- setzte Zone ab.
Die nächste Gruppe von 112 Personen nahm am 28. September von Schönfeld Abschied. Dieser Transport, der 14. aus dem Kreis El- bogen, wurde nach Hessen geleitet.
Beim letzten Transport waren etwa 90 Schönfelder dabei. Sie fanden im Kreise Groß-Gerau ihre neue Heimat.
-----------------------------------------
c-083
Zwei Jahrzehnte nach der Vertreibung. Eine Skizze des Verfassers aus dem Jahre 1972. Sie zeigt den Haus- eingang des Lochschmidt- Spengler-Hauses auf der Neustadt mit Durchblick auf die Obere Statue.
F
علم
Brande 1972
1946 Mit dem Abschluß der Aussiedlung der sudetendeutschen Bevölke- rung war eine Tragödie beendet, wie sie unsere Heimat seit Men- schengedenken nicht erlebt hatte. Ein Volk, das seit vielen Jahrhun- derten hier ansässig gewesen war, den Boden unter großen Opfern und Mühsalen urbar gemacht hatte, durch seinen Fleiß eine hochent- wickelte Industrie geschaffen und dadurch in hohem Maße zum Ge- deihen und zum Wohlstande des jeweiligen Staates, dem es im Laufe der Zeiten angehörte, beigetragen hatte, wurde von seinem Heimat- boden vertrieben, in Güterwagen, zusammen mit den wenigen Hab- seligkeiten, abtransportiert und irgendwo in Deutschland abgeladen.
Die Tschechen aber sahen ihren jahrzehntelang gehegten Wunsch- traum mit einem Male verwirklicht, die deutsche Bevölkerung aus den Sudetenländern auszurotten, welches Ziel sie in ihrer Politik in der ersten Republik nur langsam vorantreiben konnten. Staatspräsi- dent Benesch hatte im Jahre 1946 geäußert:,,Lieber sollen aus den Fenstern der von den Deutschen verlassenen Häuser Disteln und Dornen hervorwachsen, als daß wir noch Deutsche innerhalb unse- rer Staatsgrenzen dulden werden."
Ch 83
-----------------------------------------
c-084
Anficht der Stadt Schönfeld nach den Brande com 74 20 die Abgebrenten ertheilt. Jewidmet con
Der Ertrag jedes einzelnen Blattes mit 10%. M. wird; Tyll bh. p Packirfabrik in Schlaggenwald.
Schönfeld nach dem großen Brand am 17. Juli 1848. Eine Lithografie aus jenem denkwürdigen Jahr. Mag diese Grafik auch stark überzeichnet sein, so vermittelt sie doch die Auswirkung dieser Kata- strophe sehr deutlich. (Dieser Druck entstand im Auftrage eines Herrn Tyll, Lackierfabrik in Schlaggenwald. Der Ertrag aus dem Verkauf war für die Brandopfer bestimmt.)
Der große Brand von 1848
Die Enzmann-Chronik berichtet hierüber:
Der 7. Juli 1848 war ein ungemein heißer Tag. Um ehebaldigst wieder an die gewohnte Tagesarbeit gehen zu können, hielten die Stadtbewohner nach alter bergmännischer Sitte ihr Mittagsmahl schon um 11 Uhr. Niemand ahnte das Unheil, das der uralten Bergstadt Schönfeld bevorstand. Es war ge- gen ein Uhr mittags, als plötzlich der Türmer auf dem der Pfarrkirche ange-
Ch 84
-----------------------------------------
c-085
bauten Stadtturme mit der Bergglocke das Schrecksignal,,Feuer!" anläutete
ein altes, schon längst baufälliges Gebäude gegenüber der Pfarrei, das Haus Nr. 97, Eigentum des Bergmannes Kaspar Mayer, stand in Flammen. Die Zahl der zu Hilfe eilenden Leute war sehr gering, da sehr viele Stadt- bewohner beim Heumachen und Torfstechen beschäftigt waren. Und so ge- schah es, daß die Flamme mit Windeseile auf die ausgetrockneten Schindel- dächer der Nachbarhäuser übersprang, erst gegen den oberen Stadtteil, dann auf das Pfarramt, die Kirche und die Häuser am Marktplatze und in den angrenzenden Gassen.
Aus den Nachbarorten eilte man zur Hilfeleistung herbei, 17 Feuerspritzen waren tätig, aber es war nicht viel zu retten, binnen drei Stunden wurden 230 Wohn- und Nebengebäude ein Raub der Flammen; 1400 Ortsbewohner, unter ihnen auch der greise Ortspfarrer Adam Kanzler mit der Monstranz und dem Ciborium, lagerten auf den Feldern bei ihrer geretteten Habe. Der angerichtete Schaden wurde auf 600 000 Gulden geschätzt. Unbeschreiblich war die Trauer und Niedergeschlagenheit, wie auch das Elend der Betroffe- nen. Die ihres Obdaches Beraubten mußten sich in den Häusern des unteren Stadtteiles zusammendrängen oder suchten Unterkunft in den Nachbar- orten. Unbeschreiblich war die Wehmut, als zwei Tage nach dem Brande, am 4. Sonntag nach Pfingsten, die Schönfelder der Sonntagsmesse beiwohn- ten, die, weil das Gotteshaus niedergebrannt war, am Marktplatz bei der Statue des Heiligen Antonius von Padua gehalten wurde; es flossen Ströme von Tränen, als der alte Ortspfarrer einige Worte des Trostes sprach. Die Nachbarorte, besonders die Städte Karlsbad und Schlaggenwald, bewiesen große Hilfsbereitschaft. Durch den Brand des Rathauses wurden auch viele alte, wichtige Urkunden, Bücher und Schriften vernichtet. Der Gottesdienst wurde vom 4. Sonntage nach Pfingsten bis zu Allerheiligen am Marktplatz bei der Statue des Heiligen Anton gehalten, dann, als die Witterung un- günstig wurde, in der Vorhalle der Kirche. Später wurde vom Montanärar mit einem Kostenaufwand von 800 Gulden über den Mauerresten der Kir- che ein Notdach errichtet, sowie aus Brettern zwei Altäre und eine Kanzel. Damit der durch 16 Wochen unterbrochene Schulunterricht wieder aufge- nommen werde, wurden in einem Privathause zwei Zimmer gemietet, in welchen für vier Klassen Unterricht erteilt werden mußte. Noch lange Jahre nach dem Brande machten es sich die Schönfelder zur Gewohnheit, am Un- glückstag, den 7. Juli, in die Kirche zur heiligen Messe zu gehen, wobei ein besonderes Lied, das,,Brandlied" gesungen wurde. Der Text des Liedes ist leider nicht mehr erhalten.
Um für die Abbrändler Geld hereinzubringen, verfaßte der Schönfelder ge- prüfte Magistratsrat Theodor Rislanek ein Flugblatt:
Ch 85
-----------------------------------------
c-086
C
ch
,,Trostworte an die durch Feuer verunglückten Bewohner der königlichen Zinn- bergstadt Schönfeld, Elbogener Kreises, und Bitte an edelmütige Kränzler." Es war enthalten im Intelligenzblatt der Prager Zeitung am 5. August 1848, Nr. 35, mit Bekanntgabe der ersten für die Abbrändler gesammelten Spen- den. Das Blatt wurde von Pfarrer Enzmann im Juli 1926 bei Durchsicht und Ordnung der am Schulboden unter Staub und Ruß liegenden Gemeinde- akten gefunden.
Der Verfasser dieser,,Trostworte" kam im Juli 1850 als Gerichtsassesor nach Brüx und wurde bei seinem Abgange zum Ehrenbürger von Schönfeld ernannt. Am 11. Juli 1848 wurde eine Versammlung der Schönfelder Bürger- schaft abgehalten, um zu beraten, wie die Verteilung der für die Abbrändler eingelaufenen Gaben vorgenommen werden solle. Durch Zuruf wurde be- schlossen, daß der Herr Bürgermeister Johann Haller als Amtsvorsteher den Vorsitz bei jeder Versammlung zu führen habe. Bei diesen Beratungen waren dabei: Johann Hubl, Benedikt Kugler, Christian Lochschmidt, Franz Josef Gareiß, Anton Lindner, Martin Gerstner. Sehr interessant lautet die In- struktion für die Gebahrung dieses Verteilungskomitees. Bis 31. Jänner 1849 waren an barem Geld eingelaufen und an die Abbrändler verausgabt 13315 Gulden 152 Kreuzer, außerdem Brot, Mehl, Getreide, Kleidungsstücke und Bauholz, letzteres besonders reichlich vom Stifte Tepl.
Im Jahre 1848 wurden 18 Häuser wieder aufgebaut:
Nr. 6, 8, 100, 102, 104, 106, 232, 252, 253, 254, 255, 262, 265, 310, 313, 320, 329, 364.
Im Jahre 1849 - 64 Häuser:
Nr. 5, 107, 108, 109, 110, 112, 209, 210, 216, 218, 220, 222, 223, 224, 226, 227, 228, 229, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 242, 244, 246, 247, 248, 249, 251, 257, 259, 260, 263, 267, 268, 270, 271, 272, 275, 276, 277, 278, 279, 301, 302, 303, 304, 305, 306, 309, 314, 315, 317, 318, 320, 321, 324, 331, 334, 335, 336, 384.
In dem betreffenden Ausweis ist auch die Bausumme angegeben, ferner ob das Gebäude ganz oder nur teilweise neu aufgebaut, erweitert oder verklei- nert wurde, auch die Zahl der Stuben.
Im Jahre 1850 - 7 Häuser:
Nr. 111, 214, 215, 219, 221, 266, 330.
Im Jahre 1851 - 9 Häuser:
Nr. 98, 211, 235, 243, 300, 312, 323, 333, 408.
Ch 86
-----------------------------------------
c-087
Bei dem großen Brand wurden, außer Kirche und Pfarrhaus, auch die städti- schen Gebäude wie Rathaus, Schule, Bräuhaus und Malzhaus eingeäschert. Am 29. Juli 1848 beschloß das Stadtverordnetenkollegium, zunächst das Bräuhaus und das Malzhaus wieder herstellen zu lassen, weil für die nächste Zeit die Ergiebigkeit aus der Brauerei die Haupteinnahmequelle für die Stadtgemeinde bilden würde. Die Baupläne für das Bräuhaus und für das Malzhaus, ebenso der Kostenvoranschlag für beide Baulichkeiten wurden ausgearbeitet von dem geprüften Maurermeister Josef Pöpperl aus Petschau. Die Vergebung der Bauarbeiten wurde durch öffentliche Kundmachung ausgeschrieben. Es meldeten sich acht Baumeister und zwei Zimmermeister. Die Herstellung des Bräuhauses samt Einmauerung der Braupfanne wurde mit 966 Gulden und 12 Kreuzer veranschlagt.
Das billigste Angebot erstellte der Maurermeister Karl Klinger in Schönfeld mit 687 Gulden 45 Kreuzer.
Die Herstellung des Malzhauses wurde veranschlagt mit 1106 Gulden. Auch hierüber erreichte das billigste Angebot Karl Klinger mit 697 Gulden 45 Kreuzer.
Maurermeister Karl Klinger wurde mit der Ausführung beider Bauten beauf- tragt.
Nach dem Großfeuer 1848
sind noch folgende Brände verzeichnet
1856 Hausbrand, Neustadt Nr. 208
wurde wieder aufgebaut.
1865 Brand durch Blitzschlag Haus Nr. 160, auch das Nachbarhaus Nr. 161 wurde mit ein Raub der Flammen. Beide Häuser wurden innerhalb von 3 Monaten wieder errichtet.
1876 Dachstuhlbrand im Haus Nr. 203.
1881 Hausbrand, Nr. 47, wurde nicht mehr aufgebaut. Den freien Platz erwarb der Turnverein Schönfeld (Turnplatz).
1883 Brand in der im Jahre 1850 von Josef Ruß sen. gegründeten Streich- garnfabrik. Wiederaufbau und Einrichtung einer Kammgarnspinnerei.
Ch 87
-----------------------------------------
c-088
1889 Brand am 11. Feber im Haus Nr. 104 (Fuhrmann-Schöberl). Hierbei verlor der Dilettanten-Verein seinen dort untergebrachten Vereinsbe- sitz: 280 Theaterstücke und sämtliche Theater-Garderobe einschließ- lich Requisiten. Das Haus wurde wieder aufgebaut.
1890 Am 19. September, Brand in der früheren Gerberei Nr. 11 (Eckl-Haus). Wurde in anderer Form wieder aufgebaut.
1892 In diesem Jahr wurde das alte Grabenhäusl ein Raub der Flammen. Es hatte die Hausnummer 395.
1898 Dachstuhlbrand im Haus Nr. 333 (später Zona-Haus).
1900 Am Dreifaltigkeitssonntag brannten im Ortsteil Katzengrün die beiden Häuser der Familie Unger und Tyll ab (Nr. 180 und 181). Beide Häuser wurden nicht wieder aufgebaut.
In der Staudengasse brannte am Gründonnerstag das Haus Nr. 304 der Familie Ott (Wiederaufbau).
1903 Im Sommer Brand bei Ernst Dennl Nr. 137, Lange Gasse (Wiederauf- bau). Am 2. Oktober brannte die Kammgarnspinnerei des Josef Ruß (Hub) mit Ausnahme des Maschinenhauses und des Magazins bis auf das Mauerwerk nieder. Wieder errichtet, war später Erzaufbereitung. 1904 Am 30. Juni, 3 Brände in der Grabengasse: Nr. 48 - Anton Geier, Por- zellanmaler, Nr. 49 - Josef Dennl und Nr. 50 - Schuhmacher Kornell Brandl. Nur das Haus Nr. 48 wurde wieder aufgebaut.
1905 In der Nacht zum Weihnachtsmarkt brannte in der Langen Gasse das Haus des Franz Lorenz nieder (Nr. 155). Es wurde neu errichtet. 1908 Am 4. Oktober Brand bei Josef Fenkl Nr. 402, Kaunitz (war früher das Schießhaus des Schützenvereins). In anderer Form wieder aufgebaut.
1910 Auf der Neustadt brannte am 24. November das Grundhäusel-Haus Nr. 228 ab. Kein Wiederaufbau.
1915 Dachbrand am 7. April, 20 Uhr, bei Franz Dennl Nr. 44. Das Feuer konnte gelöscht werden.
1916 Brand bei Johann Geier (Textil), Marktplatz Nr. 111. Wurde wieder aufgebaut.
1919 Am Fasching-Sonntag, dem 2.3., um 1/2 5 Uhr morgens brannte bei Josef Vogl (Oårl) Nr. 72 das Wohnhaus einschließlich Stallung nieder. Heimkehrer vom Sängerball leisteten Hilfe (Wiederaufbau). Zimmer- brand am 18. 6. bei Willi Floth Nr. 14. Die Feuerwehr konnte diesen Brand löschen.
Ch 88
-----------------------------------------
c-089
1920 Am 12.1., morgens 7.30 Uhr, Kellerbrand in der Prozellanmalerei Josef Spinner Nr. 209, Neustadt. Das Papierlager und Ölvorräte (Explo- sionsgefahr!) wurden ein Raub der Flammen. Der Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht.
1921 Torf-Brand im Filz (siehe Chronik).
Am 23.9. entstand um 14 Uhr bei Johann Kempf Nr. 386, Haupt- straße, ein Dachbrand, verursacht durch den Funkenflug eines vorbei- fahrenden Lokomobils (möglicherweise Zugmaschine und Stromerzeuger eines Wanderkinos, Anmerkung des Verfassers). Binnen einer halben Stunde hatte die Schönfelder Feuerwehr den Brand unter Kontrolle.
1924 Am 17.3. entstand durch Unvorsichtigkeit beim Bäckermeister Josef Honner am Marktplatz Nr. 117 ein Stallbrand. Auch hier war die Feuerwehr mit ihren Löscharbeiten erfolgreich.
1925 Brand in der Oberen Mühle bei Josef Müller Nr. 345. Das Wohnhaus und der nebenstehende Holzschuppen brannten völlig nieder. Die Brandstelle mit dem dazugehörigen Wasserkraftrecht wurde später von Adolf Schimmer erworben (Franz Schimmer, Holzwolleerzeu- gung).
1925 Am 9.4. - um 12 Uhr mittags - Dachbrand bei Josef Dennl Nr. 370, Hub, (Konderer-Haus). Der Brand wurde durch Hilfe aus der Nach- barschaft gelöscht.
Leichter Brand am 9.8. im Haus Nr. 338 bei Johann Lorenz in der Butterscheibe durch schadhaften Kamin. Auch hier halfen Nachbarn erfolgreich bei den Löscharbeiten.
1928 Im Ortsteil Damml brannten am 6. 9. die beiden Häuser von Josef Jessl (Nr. 439) und Franz Schimmer (Nr. 412) nieder. Sie wurden beide wieder aufgebaut.
1931 Am 28.2., 23 Uhr, brannte die Porzellanmalerei Egon Spinner, Neu- stadt Nr. 209 nieder. In anderer Form für Wohnzwecke wieder aufge- baut.
1932 Brand am 24. Mai bei Franz Müller und Willy Russ (Nr. 68 und 67). Beide Häuser wurden wieder neu errichtet.
1934 Scheunenbrand bei Walter Ruß, Hub Nr. 426 (Wiederaufbau).
Am 8. November brannte es bei Anton Schiener, Rauchfangkehrer, Obere Lange Gasse Nr. 174. Das Gebäude wurde wieder erstellt.
Ch 89
-----------------------------------------
c-090
1935 Am 23. Feber um 21.30 Uhr wurde der an diesem Abend stattfindende
Feuerwehr-Ball jäh durch Brandruf unterbrochen. Am Kaunitz stan- den die Häuser von Rudolf und Karl Paradeiser (Nr. 289 und 431) in hellen Flammen. Bis in den Ort vernahm man das Bersten der Dach- Eternitplatten. Trotz schnellen Einsatzes wurden beide Gebäude völlig eingeäschert. Sie wurden wieder aufgebaut.
10.4., 2.30 Uhr, Brand bei Ludwig und Josef Geier (Schnappa-Boum), Lange Gasse Nr. 201. Der Brand griff auch auf das Nachbarhaus des Oswald Jordan Nr. 202 über. Nur dieses wurde wieder aufgebaut. Die Gebrüder Geier wohnten nach dem Verlust ihres Hauses bis zu ihrem Tode im Armenhaus (Kirchl).
1936 In der Staudengasse brannte am 6. 11., mittags 12 Uhr, das Haus des Bäckermeisters Willi Hahn (Nr. 278) nieder. Es wurde im selben Jahr wieder aufgebaut.
1938 Am Dreikönigstag brannte das Haus des Maurers Johann Weinhart Nr. 283, in der Staudengasse nieder. Es wurde nicht mehr aufgebaut.
1942 In den frühen Morgenstunden (3 Uhr) brach am 1. März im Haus der Marie Gareiß, Obere Lange Gasse Nr. 175, ein Feuer aus. Die 81jährige Inwohnerin mußte von Nachbarn aus dem brennenden Haus getragen werden. Die Feuerwehr verhinderte durch raschen Einsatz ein Über- greifen des Brandes auf Nachbarhäuser.
Brandursache: Vermutlich hatte die alte Frau am Abend noch ofenhei- Be Asche in der Scheune abgestellt. Die Brandruine wurde abgetragen und der Platz eingeebnet.
Straßenbau in Schönfeld (soweit noch bekannt)
1839
1841
Ch 90
―
Pflasterung der Straße am linken Bachufer des Flößgrabens vom Hause Nr. 262 (Porzellanmalerei Rau) bis an das untere Rathaus- eck.
Pflasterung am rechten Grabenufer von der Kirche bis zum oberen Eck des Bräuhauses.
-----------------------------------------
c-091
1842
1843
---
1843
1846
-
-
Straßenpflasterung vom Haus Nr. 260 (Nau(d)lå) bis zum 1839 ge- legten Pflaster bei Rau, ferner vom Rathaus bis zum Haus Nr. 106 (Gräf).
Pflasterung ab Gräf-Haus bis zur Statue des Heiligen Florian. Die Gelder für die von 1839 durchgeführten Pflasterarbeiten ent- stammten der Kasse des auf staatliche Anordnung aufgelösten Ver- schönerungsfonds (siehe hierzu,,Chronik" 1839).
Mit Hofkanzleidekret vom 23. Juni 1843 und 17. Dezember 1844 wurde die Herstellung der Staatsstraße,,Wodnian-Graslitz" von Elbogen über Schönfeld nach Petschau bis Pilsen genehmigt. Das auf Schönfeld entfallende Straßensegment in der Länge von 1710 Klafter, einschließlich der Herstellung der Brücken und Kanäle, wurde dem Georg Klement aus Pirkenhammer zum Betrag von 12 165 Gulden in Auftrag gegeben.
In diesem Jahr wurde die Strecke Schlaggenwald-Schönfeld- Petschau ausgesteckt. 1847 wurde mit dem Bau der Straße begon- nen. Schönfeld hatte hierzu erhebliche Beiträge zu leisten. Über Ansuchen der Gemeinde wurde 1848 wegen dem Großen Brand der Bau bis 1851 eingestellt.
1852 Die Straße wurde bereits um diese Zeit streckenweise benützt.
-
1853
--
-
Ausbau des Teilstückes der Bezirksstraße Schönfeld-Lauterbach- Sangerberg-Marienbad auf der Strecke Grenzsäule bis zur Steinernen Marter (Länge 681 1⁄2 Klafter = 1294 Meter) mit einem Kostenauf- wand von 754 Gulden (Subvention vom Land 120 Gulden).
1/2
1854 Ausbau des zweiten Teilstückes dieser Straße von der Steinernen Marter bis zum Ortsbeginn in einer Länge von 652 Klafter = 1238 Meter. Die Kosten für diesen Abschnitt beliefen sich auf 1034 Gul- den. Hierzu erhielt die Stadt auf Ansuchen des damaligen Bürger- meisters Haller aus dem anläßlich der Vermählung Franz Josefs I. errichteten Unterstützungsfonds einen Betrag von 300 Gulden. In den ersten Jahren wurde für diese Straße eine Maut erhoben; die Zahlstelle befand sich damals im Hause Nr. 309 (Gebhart). Pflasterreparatur von der Mautbrücke bis zum Armenhaus.
1857 1899
Beginn der Pflasterarbeiten auf folgenden Abschnitten: Stauden-, Kornell-, Kanzelisten-, Manuel-, Lochner-, Hof- und Lange Gasse, au- Berdem Butterscheibe und Neustadt. Darüber hinaus wurden auch die Wege zur Breiten Wiese und anderen Flurstücken ausgebessert. Diese Arbeiten erstreckten sich bis in das Jahr 1908.
Ch 91
-----------------------------------------
c-092
Die Verbreiterung der Lauterbacher Straße mit gleichzeitiger Überdeckung des Flöß- grabens. Das Foto stammt aus dem Jahr 1939; es zeigt den gesamten Bauabschnitt Untere Mühle/Schule".
//
Die Verbreiterung und Neugestaltung der Mautbrücke (Juni 1941).
-----------------------------------------
c-093
1939
1940
--
—
Anlage eines betonierten Bürgersteiges auf der Winterseite des Marktplatzes vom Haus Nr. 8 (Ruppert) bis zum Haus Nr. 18 (Moiẞl).
Im gleichen Jahr erfolgte die Verbreiterung des für den Verkehr längst zu schmal gewordenen Straßenabschnittes von der Kirche bis zur Unteren Mühle. In diesem Zusammenhang erfolgte auch eine Verlagerung des Flößgrabenbachbettes und die Überdeckung des Wasserlaufes auf dieser Strecke.
Neupflasterung der Hauptstraße nach Lauterbach von der Abzwei- gung Mautbrücke bis Haus Nr. 315 (Guß). Damit verschwand das noch vielen bekannte holprige Kopfsteinpflaster.
Anlage eines gepflasterten Gehsteiges vom Haus Nr. 262 (Rau) bis zum Marktplatz Nr. 111 (Warenhaus Geier).
1941 Im Sommer wurde die Rathausgasse von der Hauptstraße bis zum Hause Nr. 233 (,,Neue Welt") kanalisiert und gepflastert.
Wochen- und Jahrmärkte in Schönfeld
Die Schönfelder Marktrechte reichen nachweislich bis in das 16. Jahrhun- dert zurück. Damals beschränkte sich das Marktangebot in erster Linie auf Getreide und Viktualien, also Lebensmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Abhaltung eines Viehmarktes bewilligt.
Nachfolgend einige Daten zur Marktgeschichte:
1558
1558
-
-
Gemäß eines Privilegs von Kaiser Ferdinand I., gegeben zu Prag, am 24. Jänner, hatte Schönfeld das Recht, jeden Donnerstag einen Wochenmarkt abzuhalten.
Laut eines Berichtes an das Kreisamt in Elbogen fand dieser Markt noch im Jahre 1859 statt.
Am 5. April bewilligt Kaiser Ferdinand I. der Stadt Schönfeld neben dem freien Wochenmarkt alle Jahre einen freien Jahrmarkt auf den Tag Mathäi Apostoli.
Ch 93
-----------------------------------------
c-094
1716
1855
-
In diesem Jahr wird erwähnt, daß der Jahrmarkt in Schönfeld, der bis dahin immer zu Martini abgehalten wurde, auf den Sonntag vor St. Bartholomäus (18. August) verlegt wurde.
Mit Erlaß der Statthalterei in Prag vom 2. Mai 1855 wurde der Stadt Schönfeld die Abhaltung eines Roß- und Viehmarktes am zweiten Donnerstrag eines jeden Monats bewilligt. Hierfür mußte die Stadt jedesmal 30 Gulden, jährlich also 360 Gulden Taxe bezahlen. Da sich diese Sache wegen des mäßigen Marktbesuches nicht rentier- te, wurde ab Juni 1857 jährlich nur noch ein Viehmarkt, und zwar am zweiten Donnerstag im April, abgehalten.
Den letzten Viehmarkt gab es vermutlich 1922 auf der Hirtenpaint.
In den späteren Jahren wurden in Schönfeld noch bis zu unserer Vertrei- bung folgende Jahrmärkte abgehalten:
Ostermarkt (Palmsonntag)
Egrischen (zweiter Sonntag im Juli) Winter-Kirchweih (Martini, 11. November) Weihnachtsmarkt (Sonntag vor Weihnachten)
Ch 94
Billiga Jakob
-----------------------------------------
c-095
Gefallene und Vermißte des I. und II. Weltkrieges
Zwei verheerende Kriege, die so viel Not, Elend und unsägliches Leid über so viele Völker brachten, haben auch unseren Heimatort Schönfeld nicht verschont.
In unserem Heimatbuch soll den Toten und Vermißten ein bleibendes An- denken gesetzt werden.
Zur Erinnerung und zum ehrenden Gedenken unserer Heimatsöhne!
Die Gefallenen und Vermißten des I. Weltkrieges
(Diese Aufzeichnungen verdanken wir Dr. Roßmeißl)
Inft.
Bauer Ferdinand Inft. Bauer Franz Josef
I. R. 73 gef. I.R. 11
30. 11. 1944
Serbien
verm.
1918
Serbien
Inft.
Bauer Franz Ernst
I. R. 73
verm.
Italien
Inft.
Brandl Ernst
I. R. 73 gef.
8. 10. 1917
Italien
Inft.
Dennl Adolf
verm.
1915
Rußland
Inft.
Floth August
I. R. 73
verm.
1918
Italien
Inft.
Floth Julius
I. R. 73
verm.
1915
Rußland
Inft.
Fuhrmann Anton
I. R. 73
gef.
9. 3.1915
Rußland
Korp. Gareis Josef
Sch. 29
gest.
1. 9.1916
Rußland
Inft.
Gebhart Franz
gef.
21. 6.1915
Rußland
Inft.
Gerst Franz
Lst. 6
Inft.
Götzl August
Inft.
Gohaut August
gef. Lst. 6 gef. I. R. 73 gef.
4. 4.1915
Rußland
6. 3.1915
Rußland
24. 7.1916
Frankreich
Inft.
Gohaut Franz
I. R. 73
gest.
5. 10. 1917
Italien
Inft.
Hacker Wendelin
I. R. 73
gest.
31. 7.1917
Italien
Inft.
Hahn Franz Johann
Lst. 6
gef.
9. 3.1915
Rußland
Ch 95
-----------------------------------------
c-096
Inft.
Hahn Roman
I. R. 73 gef.
30. 9.1914
Inft.
Haller Wilhelm
I. R. 73
gef.
8. 7.1916
Rußland Italien
Inft.
Heinl Oskar Josef
I. R. 73
gef.
15. 7.1918
Italien
Inft.
Heinl Wenzl
I. R. 73
gest.
1914
Rußland
Korp. Herold Johann
Lst. 6
gest.
12. 6.1916
Rußland
Inft.
Jäger Franz
I. R. 73
gest.
26. 2.1916
Rußland
Inft. Kern Franz
I. R. 73
gest.
20. 7.1918
Inft.
Keßler Josef
Lst. 6
gest.
25. 3.1916
Rußland
Inft.
Köhler Josef
I. R. 73
verm.
2. 4.1915
Rußland
Inft.
Kugler Emil
verm.
1916
Inft.
Kuhn Hugo
I. R. 73
gef.
19. 7.1918
Italien
Inft.
Kuhn Johann
Lst. 6
gest.
16. 2.1916
Rußland
Inft.
Kuhn Josef
Lst. 6
verm.
28. 1.1917
Italien
Inft.
Kugler Josef
Sch. 6
gef.
4.11.1915
Rußland
Feldw. Leicht Anton
I. R. 73
gest.
1917
Rumänien
Inft.
Leicht Franz
Sch. 6
gef.
18. 9.1914
Serbien
Inft.
Leicht Josef
I. R. 73
verm.
1914
Serbien
Inft. Lindner Emil
Lst. 6
gest.
11. 9.1915
Rußland
Gefr. Lindner Josef
I. R. 73
gef.
25. 6.1918
Italien
Gefr. Lochner Rudolf
Sch. 6
gef.
14. 6.1916
Rußland
Inft.
Maier Josef
I. R. 73
gest.
24. 4.1915
Serbien
Inft.
Meixner Josef
Lst. 6
gef.
6. 8.1915
Rußland
Müller Anton
Sch. 6
gest.
9. 10. 1916
Rußland
Inft.
Opl Georg
Lst. 6
verm.
Rußland
Inft.
Pensl Anton
Urb.Kol. gest.
1915
Wien
Inft.
Reinhold Hugo
Lst. 6
gef.
22.10. 1915
Rußland
Inft.
Reinhold Roman
I.R. 73
gest.
29.11.1918
Inft.
Rödl Josef
Lst. 6
gest.
4. 10. 1918
Inft.
Rödl Karl
Lst. 6
gest.
24. 4.1915
Inft.
Rödl Rudolf
gest.
4. 9.1917
Inft.
Roßmeißl Josef
I. R. 73
gef.
2. 12. 1918
Italien Albanien Serbien
Rumänien
Inft.
Roßmeißl Josef
I. R. 73
gest.
1917
Italien
Hptm. Ruß Artur
B. I. 1
gef.
28. 8. 1914
Rußland
Inft.
Ruß Emil
I. R. 73
gef.
27. 10. 1914
Serbien
Inft.
Ruß Franz
I. R. 73
gef.
28. 10. 1914
Serbien
Ltnt.
Ruß Franz
Lst. 44
gest.
19. 5.1916
Serbien
Fähnr. Ruß Josef
Sch. 6
gef.
17. 9.1914
Serbien
Inft.
Ruß Josef
I.R. 73 gef.
18. 8.1917
Italien
Inft.
Ruẞ Oskar
Sch. 6
verm.
1914
Serbien
Inft.
Sandig Wenzl
Sch. 6
gef.
22. 3.1915
Rußland
Inft.
Schiener Anton
gest.
14. 12. 1918
Inft.
Schiener Franz
Lst. 6
gef.
24. 5. 1915
Rußland
Ch 96
-----------------------------------------
c-097
Inft. Schiener Josef
I. R. 88 gef.
30. 8.1915
Rußland
Inft.
Schiener Oswald
Lst. 6
gef.
27. 7.1915
Rußland
Inft.
Schlee Emil
I. R. 73
gef.
21. 9.1914
Serbien
Inft.
Schmidt Wilhelm
Lst. 6
gef.
1. 8.1915
Rußland
Schmiedl Franz
gest.
8. 2.1917
Inft.
Schmiedl Josef
gef.
7. 4.1916
Italien
Gefr. Schuhmann Josef
I. R. 73
verm.
28. 2.1915
Rußland
Inft.
Simon Alois
I.R. 73
gef.
3. 10. 1914
Serbien
Inft.
Simon Franz
I. R. 73
gest.
14. 7.1917
Italien
Inft.
Spitzl Albrecht
I.R. 73
gef.
26. 10. 1918
Italien
Zugf. Spitzl Georg
Lst. 6
gest.
24. 5. 1916
Rußland
Inft.
Stowasser Franz
I.R. 73
gest.
5. 4.1919
Italien
Inft.
Stowasser Josef
Lst. 6
gest.
22. 10. 1918
Italien
Tyll Johann
gef.
30. 6.1915
Inft.
Tyll Johann
gest.
18. 1.1915
Serbien
Korp. Vogl Josef
I. R. 102 gef.
19. 8.1914
Serbien
Inft.
Voigt Johann
I. R. 73
gef.
23. 11. 1914
Serbien
Inft.
Wagner Franz
gest.
26. 10. 1916
Italien
Inft.
Wilfert Wilhelm
gef.
20. 10. 1916
Rußland
Wutschka Oswald
gef.
17. 6.1916
Italien
Inft.
Zickler Josef
I. R. 102 gest.
25. 6.1915
Serbien
Inft.
Zimmerhackl Josef
Lst. 6
gest.
22. 4.1916
Rußland
Inft. Zimmerhackl Josef Lst. 6
gest.
25. 3.1919
Italien
Die Gefallenen und Vermißten des II. Weltkrieges
(Diese Aufzeichnung verdanken wir unserem Lehrer Josef Hubl)
Die Gefallenen
Bauernfeind Otto (Haus Nr. 8), gef. 1943 in Rußland.
Bellmann Anton (134), geb. 1902, gef. 1945 in Trebatsch/Brandenburg. Be- erdigt an der Kirche zu Trebatsch.
Ch 97
-----------------------------------------
c-098
Böhm August (35), keine näheren Angaben.
Brandl Johann (121), geb. 1908, in Mähren 1945 verwundet, auf dem Wege in das Lazarett gestorben. In Olmütz auf dem Kumunla-Friedhof beerdigt.
Dennl August (145), gef. 1943 in Rußland.
Dörfl Josef (8), geb. 1920, vermißt seit 1941, laut Nachricht des Kompanie- chefs bei einem Stoßtruppunternehmen bei Spaskoje gefallen. Beigesetzt bei Gudkina/Orel.
Eckl Wilhelm (11), geb. 1919, gest. 1944 im Lazarett in Jassy/Rumänien, an Ruhr.
Erler Josef (350), geb. 1914, gef. 1944 bei einem Bombenangriff auf Nisku- Scasononka/Rußland. Beerdigt in Kirowograd.
Fenderl Erich (409), geb. 1921, gef. 1942 in Rußland.
Fenkl Oskar (383), geb. 1924, gef. 1944 in einem Infantriegefecht östl. Buda- pest.
Fenkl Walter (383), geb. 1920, U.-Off. d. Fallschirmjäger, war mit im Einsatz bei der Befreiung Mussolinis am Gran Sasso. Gef. 1944 ostwärts Cherbourg/Frankreich.
Fliegl Anton (192), gef. 1941 bei Smolensk/Rußland.
Floth Alois (14), geb. 1913, gef. 1940 in der Normandie/Frankreich.
Forster Franz (5), geb. 1914, als Leutnant gef. 1944 bei einem feindlichen Bombenangriff in Boisheim, an der holländischen Grenze.
Gareiß Adolf (Lehrer), geb. 1892, als Leutnant im Volkssturm gef. 1945 an der slowakischen Grenze durch tschechische Partisanen.
Gareiß Josef (232), geb. 1917, Luftwaffe, gest. 1945 in englischer Gefangen- schaft in Wittmund/Friesland.
Gebauer Julius (463), nach Aussage eines Kriegskameraden 1945 im Osten gefallen.
Götzl Adolf (74), gef. 1944 bei Sewastopol/Rußland.
Götzl Franz (74), Bruder des Vorgenannten, gef. im Osten.
Götzl Karl (149), geb. 1902, gef. 1945 in Ostpreußen (Kleinklausitten, Grab Nr. 259).
Götzl Josef (149), Sohn des Vorgenannten, geb. 1924, gef. 1945 in Kurland, ostwärts Prekuln.
Ch 98
-----------------------------------------
c-099
Das Kriegerdenkmal im Park,
errichtet zu Ehren der Gefallenen des II. Weltkrieges.
Gradl Josef (209), angeblich beim Umsturz 1945 im Raume Mährisch-Ostrau von den Polen erschlagen.
Habermann Alfred (219), geb. 1910, gef. 1944 bei Dukla/Karpathen.
Haberzeth Josef (372/Hubhof), geb. 1900, gef. 1943 in Rußland.
Hahm Eduard (277), geb. 1919, gef. 1941 südlich Perikop/Krim.
Hahn Alfred (278), gef. 1944 in Rußland.
Heinl August (178), gef. 1943 in Rußland.
Herold Erwin (43), geb. 1915. Bei einer dienstlichen Übung 1941 im Pomerze- See ertrunken. Beerdigt am Friedhof in Suwalki/Ostpreußen.
Hochberger Erwin (354/Hub), geb. 1914, gest. 1940 in Achem.
Hochberger Gustav (276), geb. 1910, gef. 1941 bei Luck/Ukraine.
Höll Hugo (209), geb. 1911, gest. im Gefangenenlager in Nishni-Tagilsk/ Rußland.
Ch 99
-----------------------------------------
c-100
Hubl Alois (172), gef. 1943 bei Lizouki, beerdigt in Solmolniki, nordwestlich Newel/Rußland.
Hubl Josef (188), gef. in Rußland.
Kämpf Anton (487), gef. 1940 in Frankreich.
Kern Josef (5), geb. 1893, als Feldwebel gef. 1944 im Elsaß.
Klement Karl (29), gef. 1943 in Tunesien/Afrika.
Klötzl Willibald (481), geb. 1904, gest. 1945 in einem Lazarett in Belgrad.
Köhler Oskar (30), gef. 1944 in Rußland.
Kugler Franz (154), geb. 1920, gef. 1941 an der Beresina, beerdigt in Tupitschew/Rußland.
Kugler Josef (381), gef. 1944 bei Asune/Lettland.
Kugler Otto (94), geb. 1920, gef. 1943 in Rußland.
Kuhn Walter (427), geb. 1912, gef. 1944 bei Mogilew/Beresina, Rußland.
Kühnhackl Franz (138), gef. 1943 in Rußland.
Kunzmann Willibald (171), geb. 1920, gef. 1944 bei Tessi/Frankreich.
Langkammer Ernst (380), gef. 1942 bei Stalingrad, in Nowo-Alexijewski be- erdigt.
Lauterbacher Johann (54), keine Angaben.
Lindner Oskar (479), geb. 1907, gef. 1945 bei Znaim/ČSR.
Lippert Franz (18), geb. 1907, gef. 1941 bei Berislav/Dnjepr, Rußland.
Lochschmidt Albin (200), geb. 1911, gef. 1941 bei Potschowaja, südlich Kiew/Rußland.
Lochschmidt Josef (312), geb. 1899, gest. an den Folgen eines in der Gefangen- schaft erlittenen Unfalls.
Lorenz Anton (63), gef. 1944.
Lorenz Anton (Hoher Stein), keine Angaben.
Löw Emil (120), gef. 1944 in Autz/Frankreich.
Meixner Josef (43), keine Angaben.
Opl Josef (478), geb. 1921, gef. 1945 in Holland, Todesnachricht kam erst 1948.
Ch 100
-----------------------------------------
c-101
Oplustil Willibald (119), geb. 1923, gef. 1942 bei Welyki-Luki, Rußland. Pensl Franz Josef (20), geb. 1914, gef. 1942 vor Sewastopol/Rußland.
Peter Franz, geb. 1915, gef. 1942 bei Staraja Russa am Ilmensee/Rußland und dort beigesetzt.
Platzer Ernst (275), gest. 1945 im Gefangenenlager in Lazy/ČSR.
Platzer Erwin (275), gef. 1944 in Lettland.
Pötzl Walter (44), gef. 1944 in Frankreich.
Puff Otto (119), geb. 1918, gef. 1942 bei Worschenec/Rußland.
Reinhold Johann (469), geb. 1913, in Lettland 1944 an einer Verwundung gestorben. Beerdigt in Oger/Lettland.
Rödl Willibald (234), geb. 1925, gef. 1944 in Zalesie/Rußland.
Rückl Josef (162), geb. 1912, gef. 1940 in der Normandie/Frankreich. Ruppert Johann (124), geb. 1919, gef. 1944 in Rußland.
Ruß Alfred (426), geb. 1909, gef. 1941 bei Kart-Kasak/Krim.
Ruß Rudolf (153), geb. 1907, gef. 1943 bei Wolchow/Rußland.
Schiener Ernst (287), geb. 1924, gef. 1943 bei Newel/Rußland, bestattet auf dem Heldenfriedhof an der Straße Newje-Saratje.
Schiener Franz (164), gest. 1943 im Lazarett in Wilna.
Schlee Albin (58), gef. 1944 bei Kriwoi-Rog, beerdigt am Bahnhof Gaikowka/ Rußland.
Schmidt Albert (8), gef. 1944 auf der Duderhofer Höhe, südlich Leningrad/ Rußland.
Schmiedl Ernst (166), geb. 1920, gef. 1942 in Cubaschiner/Rußland.
Schödl Anton (29), geb. 1920, keine Angaben.
Seidl Karl (303), gef. 1943 bei Tschermakwoka-Korosten/Rußland.
Spitzl Erwin (153), gef. 1944.
Spitzl Josef (37), geb. 1907, nach Verwundung in Saberowsky im Lazarett Umann gestorben, im Heldenfriedhof beigesetzt.
Stowasser Alfred (152), geb. 1921, gest. im Kriegsversehrtenheim in Parsberg bei Regensburg.
Ch 101
-----------------------------------------
c-102
Tischer Erich (353), gef., keine Angaben.
Trötscher Alfred (333), als Feldwebel gef. 1941 am Balkan.
Unterstab Hermann (370), gef. 1943 in Rußland.
Vogl Franz (430), geb. 1911, gest. 1947 in einem Lazarett im Kaukasus.
Wagner Anton (299), geb. 1902, während eines Heimaturlaubes im Lazarett in Karlsbad gest. und in Schönfeld beerdigt.
Wagner Bruno (91), gef. 1943 in Rußland.
Weinhart Josef (266), gef. vermutlich in Warschau.
Wilfert Josef (237), geb. 1915, gef. 1941 bei Alexandrowka/Rußland. Beerdigt an der Straße Nowo-Golowanyewsk.
Würl Rudolf (468), geb. 1910 (?), gef. 1942.
Zettl Hermann (318), gest. 1944 im Lazarett in Nisch/Südslawien.
Zimmerhackl Franz (154), gef. in Italien.
Zimmerhackl Josef (290/Tischerhof), geb. 1920, gef. 1941, Dubno/Ukraine.
Die Vermißten
Albert Eduard (191), verm. seit 1941 im Mittelabschnitt der russischen Front. Bayer Josef (120), geb. 1908. Letzte Nachricht 1945 aus dem Raum Jägern- dorf-Schwarzwasser.
Baumann Anton (285), geb. 1908, verm. seit 1945. Letzte Nachricht aus dem Raum Warka bei Radom/Polen.
Bollmann Alfred (270), Feldwebel der Feldgendarmerie. Verm. 1943. Letzte Nachricht aus Stalingrad.
Brandl Franz (118), geb. 1907, verm. seit 1944, Mittelabschnitt/Rußland. Dennl Josef (46), geb. 1913, verm. seit 1944 bei Sudak/Alusala, Rußland. Fenkl Franz (404), geb. 1898, keine Angaben.
Gerst Alfred (340), geb. 1922, verm. seit 1944 im Raum Stalidrane/Lettland.
Ch 102
-----------------------------------------
c-103
Hahn Norbert (122), verm. bei Goldap/Ostpreußen.
Hopf Albin (89), geb. 1919, verm. seit 1944. Letzte Nachricht aus dem Raume Kischinew am Dnjestr/Bessarabien.
Hopf Oskar (174), geb. 1909, verm. seit 1943 bei Rabowitschi/Rußland.
Kohler Ernst (29), geb. 1912, verm. seit 1945, letzte Nachricht aus Westpreu- Ben.
Köhler Alois (209), geb. 1907 Hauptwachtm. der Gendarmerie, verm. seit 1944, Raum Radom/Polen.
Köhler Willibald (36), verm. seit 1943 vor Stalingrad.
Kugler Oswald (156), geb. 1908, verm. an der Ostfront.
Kugler Rudolf (150), geb. 1906, verm. seit 1945.
Kuhn Josef (122), geb. 1919. Ging nach dreimaliger Verwundung wieder an die Front. Seitdem verm. Einsatzort auch den Angehörigen unbekannt. Leistner Franz (46), geb. 1917, verm. seit 1943 im Raum Sihunitsche/Rußland. Lindner Anton (278), verm., keine Angaben.
Lochner Josef (39), geb. 1917, verm. seit 1943, Kessel Stalingrad, letzte Nach- richt aus dem Raum zwischen Wolga und Don.
Lorenz Franz (155), verm. in Rußland.
Oplustil Josef (195), verm. seit 1945, war zuletzt in Lüneburg.
Ott Franz (268), geb. 1920, verm. seit 1942. Letzte Nachricht aus dem Raume Irrsa am Wolchow/Rußland.
Pensl Kurt (20), geb. 1913, Rev. Oberwachtmeister, verm. seit 1944 bei Vina/Rußland.
Rödl Hans (342), geb. 1923, verm. seit 1943. Letzte Nachricht aus dem Raume Orel/Rußland.
Ruß Karl (265), geb. 1922, verm. seit 1943 bei Stalingrad.
Ruß Rudolf (58), verm. seit 1945 bei Berlin.
Schiener Alois (174), verm. seit 1945 in Westpreußen.
Schiener Alois (336), geb. 1909, verm. seit 1944.
Schiener Josef (383), geb. 1913, verm. seit 1944. Letzte Nachricht aus dem Raume Horow-Lokasze/Rußland.
Ch 103
-----------------------------------------
c-104
Schmieger Alfred (208), verm., keine Angaben.
Schmieger Josef (208), verm. seit der Überfahrt von Kreta.
Spinner Arno, Dr. med. (418), verm. seit 1945 in Rußland.
Spitzl Alfred (216), verm. seit 1945.
Stöhr Hermann (194), geb. 1904, verm. seit 1944 im Raume Wilkomir/ Rußland.
Ströher Wilhelm (267), geb. 1912, verm. seit 1943, geriet im Kampfabschnitt Kaukasus-Krim verwundet in russische Gefangenschaft.
Vogl Erwin (357), geb. 1908, verm. seit 1945. Letzte Nachricht eines Kriegs- kameraden aus dem Raume Kiew.
Wilfert Erhard (246), geb. 1911, verm. seit 1944. Letzte Nachricht aus dem Mittelabschnitt Rußland.
Zimmerhackl Johann (196), geb. 1918, Eingesetzt bei einer Stukastaffel in Nord-Norwegen. Nach einem Bombenangriff seiner Staffel auf die Hafen- stadt Murmansk (1941) kehrte seine Maschine nicht mehr zurück. Seitdem vermißt.
Mit Zimmerhackl schließt diese Liste, sie ist ein trauriges Zeugnis der Folgen eines wahnsinnigen Krieges und Völkermordens.
Es mag als Ironie des Schicksals gelten, daß der Letztgenannte aus der Reihe der nicht mehr zurückgekehrten Söhne unseres Heimatortes noch einmal besonders zu erwähnen ist.
Paula Zimmerhackl, die Schwester des seit dem 6.10. 1941 Vermißten, reichte beim Deutschen Roten Kreuz einen Suchantrag ein.
In einer Nachricht vom 25. März 1980 aus Moskau, wurde vom,,UdSSR Exekutiv-Komitee der Allianz der Gesellschaften vom Roten Kreuz und Roten Halbmond Inhaber des Lenin-Ordens" bestätigt, daß ihr Bruder, Johann Zimmerhackl, am 14. Dezember 1942 verstorben sei.
Das Deutsche Rote Kreuz leitete diese Nachricht an die Antragstellerin weiter.
Ein außergewöhnlicher Fall, daß nach fast 40jähriger Ungewißheit ein Ver- miẞtenschicksal Aufklärung fand.
Die in Moskau verfaßte Mitteilung sei an dieser Stelle verkleinert wieder- gegeben.
Ch 104
-----------------------------------------
c-105
Abschrift der Auskunft des Sowjetischen Roten Kreuzes mit Übersetzung
+
CCCP
ИСПОЛНИТЕЛЬНЫЙ КОМИТЕТ ОРДЕНА ЛЕНИНА СОЮЗА ОБЩЕСТВ
КРАСНОГО КРЕСТА И КРАСНОГО ПОЛУМЕСЯЦА
Москва, К-31, Кузнецкий мост, д. 18/7
При ответе ссылайтесь
Телефон 221-71-75
На наш No
458000-22
Москва,
25 марта
19.
80
-г.
Служба Розыска Красного Креста Федеративной Республики Германии
**
Циммерхаккль
Иоган, сын Иоганна, 1918 г.р.,
ур. Шёнефельд, обер-ефрейтор, летчик,
умер 14 декабря 1942 года."
С уважением
подписал:
B. Фатюхина
Начальник Управления по Розыску Исполкома СОКК и КП СССР
UdSSR
EXEKUTIV - KOMITEE
DER ALLIANZ DER GESELLSCHAFTEN VOM ROTEN KREUZ UND ROTEN HALBMOND
Moskau, K-31, Kusnezkij most Nr. 18/7
INHABER DES LENINORDENS
Telefon 221-71-75
Bei Antwort Bezug nehmen auf unsere Nr.
458000-22
25. März 1980
Moskau,
An den Suchdienst des Roten Kreuzes der Bundesrepublik Deutschland
# Zimmer hack l
SCHES
DEUT
ROTES
SKREUZ
retariat
UNCHEN
Generals
SUCH
SUEKBENS02
München ko
V 163 III. 72
1980
Johann, Vatersvorname Johann, geboren 1918 in Schönfeld, Obergefreiter, Flieger.
Verstorben am 14. Dezember 1942. "
Hochachtungsvoll
gez. W.Fatjuchina
Leiter des Suchdienstes des Exekutivkomitees
der Allianz der Gesellschaften vom Roten Kreuz und Roter Halbmond der USSSR
Ch 105
-----------------------------------------
c-106
------blank
-----------------------------------------
c-107
Nachruf
Bei diesem Bild vom Kühlbühl-Kreuz wollen wir der Toten unseres Heimatortes gedenken,
besonders jener,
die sich in der alten
und nach unserer Vertreibung auch in der neuen Heimat um unser Schönfeld und seine Bürger
verdient gemacht haben.
Ihnen allen ein ehrendes Angedenken!
Ch 107
-----------------------------------------
c-108
Schönfeld nach der Vertreibung
Vieles hat sich inzwischen verändert in unserem Heimatort, der jetzt den tschechischen Namen,,Krasno" trägt.
Stark dezimiert ist die Zahl seiner Einwohner, von denen nur noch ganz wenige zu den Alt-Schönfeldern zählen, und verschwunden ist ein beacht- licher Teil der ehemaligen Gebäude, die unbewohnt, dem Verfall preis- gegeben, in sich zusammenstürzten; den Rest besorgten in vielen Fällen Räumfahrzeuge.
Ein Bild von unserem einst so schönen Heimatort sollen die folgenden Auf- nahmen vermitteln, die in den letzten 15 Jahren entstanden.
Unterer Teil des Marktplatzes mit freiem Blick auf den Kühbühl.
Links das Müller-, rechts das Honner- und von Bäumen halb verdeckt das Kempf-Haus.
00
-----------------------------------------
c-109
-
Drei Häuser Opl, Eckl und Geier blieben übrig von der einst geschlossenen Front der sogenannten,,Winterseite" des Marktplatzes.
Blick von der ehemaligen Apotheke in Richtung Marktplatz. Links,,Schan", Baier, Honner - rechts das Kempf-Haus.
-----------------------------------------
c-110
Die Hauptstraße. Zu sehen ist ein Teil des Ortsteiles,,Rathaufen"; oben Mitte die Schießhütte. An ihr führt heute links die neuangelegte Straße nach Schlaggenwald vorbei. (Rechts neben dem Mast stand früher die Fleischerei Zimmerhackl.)
Der Rest der Staudengasse; nur gute Kenner dieses Ortsteiles finden sich hier noch zurecht.
WOB CX 18
-----------------------------------------
ch-111
Ein Blick von der Kanzelisten- in die Lochnergasse. Rechts die Häuser Schierer und Lochner.
Die Obere- und Untere-Lange-Gasse an der Gabelung beim Dennl-Bäcker. Rechts das Isidor-Haus. Die Häuserzeile der Oberen-Langen-Gasse in Richtung,,Ecce homo" ist längst verschwunden.
-----------------------------------------
Ch 112
Der Flößgraben in der Nähe der Wald- andacht. Nur die ehemaligen Grabenbefesti- gungssteine im ausgetrockneten Bachbett erinnern noch an den einst so lebendigen Wasserlauf, der vor etlichen Jahren schon ins Tepltal abgeleitet wurde.
400 Jahre lang gab er der Landschaft am Scheining und Steingröll einen besonderen Reiz. Heute gehört er der Vergangenheit an, wie so vieles Altgewohnte und Liebgewon- nene der Heimat.
-----------------------------------------
c-113
Schönfelder Heimatbetreuer
Daß alljährlich viele Schönfelder beim Ortstreffen in Darmstadt mit guten alten Bekannten, früheren Nachbarn und Schulfreunden ein Wiedersehen feiern können, ist vor allem unseren Landsleuten Kauer († 1980), Mießner und Schimmer und deren Familien zu verdanken, die vor einigen Jahren mit großem Idealismus diese Zusammenkunft ins Leben riefen. Auch unser Landsmann Pensl Josef ist in diesem Zusammenhang mit zu erwähnen. Da- neben wären noch zahlreiche weitere Helfer zu nennen, die sich immer wie- der aktiv bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Zusammenkunft einsetzen.
Daß dieses Schönfelder-Treffen immer wieder mit relativ guter Beteiligung stattfindet, ist aber auch ein Verdienst derer, die sich in selbstloser Weise darum bemühten, daß die durch die Vertreibung in alle Richtungen ver- streuten Landsleute wieder zusammenfinden konnten. Sie waren es aber auch- und hier muß ganz besonders der Name Haller Karl hervorgehoben werden, die durch ihre mühevolle Informationspflege mit den bekannten Heimatblättern das unsichtbare Band der Verbundenheit mit Berichten aus Vergangenheit und Gegenwart immer wieder aufs neue festigten.
Nachfolgend die Namensliste der Bewahrer unserer Ortsgemeinschaft:
Karl Lochner
1948
-
1949
Karl Haller
Heinrich Ruppert
1949 1960
-
(Arno Gerstner)
1960
—
1967
Josef Gareiß
Anna Egerer
1967 1972
-
1972 1980
-
Hilde Roth
1980
-
1982
Hans Hahm, Betreuer seit 1983.
Allen diesen Landsleuten gebührt unser innigster und aufrichtigster Dank, denn sie haben aus reiner Liebe zur Heimat, zu Schönfeld und ihren ehema- ligen Mitbürgern, sich aufopfernd dieser großen Aufgabe gewidmet.
Ch 113
-----------------------------------------